Shades of Pink #1: Farbe des Grauens

Oder der alltägliche Wahnsinn als Mädchenmutter.

Es ist doch so, sobald man das Geschlecht des zu erwartenden Nachwuchses kennt, läuft ein Film vor dem inneren Auge ab. Man sieht sich selbst in der Zukunft und das eigene Kind. Schnell ist einem klar, wie man sich sein Kind wünscht. Und mindestens genauso schnell, wie es auf keinem Fall werden soll.

Bei mir war das nicht ähnlich. Zuallererst war ich erleichtert, dass ich ein Mädchen bekomme. Irgendwie hatte ich gehofft es würde eins werden. Warum? Das weiß ich gar nicht so genau. Was ich jedoch genau wusste: wie das liebe Töchterchen bitte nicht werden sollte. Ich wollte keine Prinzessin, eines dieser auf Pink festgelegten, affektierten Püppchen, die mit einem Augenaufschlag alle um sich herum um den kleinen Finger wickeln. Bitte, bitte keine kleine, verzogene Göre.

Natürlich hat man das ja selbst in der Hand. Hoffe ich zumindestens. Und für mich stand und fiel das alles mit der Kleiderwahl. Und dieser Pink- und Rosawahnsinn war für mich der Ursprung allen Übels, quasi das Tor zur Hölle. Ich hatte das Gefühl, dass man mit der mädchentypischen Farbwahl sein Kind festlegt. Auf die Stereotypen, die man bei Mädchen erwartet. Und dass man das Umfeld beeinflusst, die Erwartungen, wie sich das Kind das Mädchen zu verhalten hat. Und dass sich mein Kind aufgrund der Erwartungshaltung zu dem entwickelt, was ich eigentlich vermeiden möchte – einem Prinzesschen.

Dementsprechend kaufte ich die Erstausstattung bei einer Jungsmutter. Hauptsache keine „Mädchenfarben“. Das war noch bevor meine Tochter geboren war. Inzwischen ist sie 2 Jahre alt. Und ihr Kleiderschrank? Voller rosa, pinker und violetter Kleidung.

Was war passiert? Zum einen bekam ich viel Kleidung von einer befreundeten Mutter geschenkt. Alles in Rosa, Lila und mit Hello Kitty. Da sag ich nicht nein, mein Budget ist nunmal, naja, begrenzt. Zum anderen wollte ich, dass Passanten meine Tochter nicht immer als Junge ansprachen. Die ersten Monate steckt man da ja noch locker weg, da sieht man darüber hinweg. Doch irgendwann nervt’s. Mich zumindestens. Darüber hinaus entwickelten sich langsam ihre Charaktereigenschaften. Sie steht total auf Autos, ist eher wenig zaghaft, sehr offen und kommunikativ. Sie hat Hummeln im Hintern und tobt gerne wild und ausgelassen. Natürlich kann auch sie fast alle um den kleinen Finger wickeln. Aber sie ist so viel mehr als nur ein Mädchenklischee. Und damit habe ich auch meinen Frieden geschlossen mit all den früher verbannten Farben, die jetzt im Kleiderschrank meiner Tochter hängen.

Und ganz ehrlich? Es macht auch ein wenig Spaß, mein Kind nicht nur zweckmäßig, sondern auch hübsch und ansehnlich zu kleiden. Denn eins ist mal sicher, nicht die Kleidung macht den Charakter. Und trotz der rosa Signalfarben hör ich noch zu oft: Wie alt ist denn DER Kleine?

To be continued….

M.

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4 Gedanken zu „Shades of Pink #1: Farbe des Grauens“

  1. Das mit den rosa Kleidungsstücken ging mir genauso! Wir haben so viel Kleidung geschenkt bekommen von Mädchen und Jungs! Aber seit meine Tochter 3 Jahre alt ist, will sie ihre Kleidung alleine auswählen und anziehen. Und welche Farben wählt sie? Genau – Rosa! Ich habe mal gelesen, dass Kinder in diesem Alter sich noch stark geschlechtsspezifisch abgrenzen wollen, weil sie sich mit ihrem Geschlecht identifizieren wollen (und evtl. Angst haben, dass sie ein Junge werden, wenn sie was anderes anziehen müssen)
    LG
    Petra

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    1. Bisher kann ich noch keine richtigen Farbvorlieben bei meiner kleinen Maus entdecken. Aber sie liebt jegliche Aufnäher und Prints. Sie weiß auch genau, bei welchem Kleidungsstück, wo die Sachen drauf sind. Ganz vorne sind bei ihr jegliche Tierprints, Hello Kitty, Minnie Mouse und AUTOS :-).

      Auch wenn die Farbe jetzt (noch) keine Rolle spielt bei ihr, Kleidchen sind bei ihr der Hit. Werden immer gerne und so schnell wie möglich angezogen. Danach dreht sie sich meist noch ne Runde, weil es so schön ist ❤

      Das mit der geschlechtsspezifischen Identifikation habe ich auch irgendwo gelesen und es hat mir geholfen, mich mit dem übermächtigen PINK meinen Frieden zu schließen.

      LG
      M.

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