Das sind nur die Hormone…

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einer befreundeten Mutter darüber unterhalten, was sich durch die Geburt unserer Kinder für uns verändert hat. Neben den ganz offensichtlichen Veränderungen in der Lebensführung, in der Partnerschaft, des eigenen Körpers stellten wir fest, dass sich auch unsere Emotionalität verändert hat. Und das war etwas, womit wir nicht gerechnet haben.

Denn es ist doch so, sobald man schwanger ist, hört man ständig diesen Spruch: Das sind nur die Hormone, das normalisiert sich wieder nach der Geburt. Aber das stimmt nicht! Natürlich hat man in der Schwangerschaft Stimmungsschwankungen, man empfindet stärker, es ist wie in einer Achterbahn. Und das liegt an den ganzen Hormonen, den körperlichen Veränderungen, die man durchmacht. Doch es ist ein Trugschluss, dass es danach wieder wird wie vor der Schwangerschaft. Denn dann ist man Mutter.

Mein damaliger Freund, der Vater unserer Tochter, fragte mich in der Schwangerschaft oft, ob ich immer so sei. Es war ihm peinlich, dass ich so schnell in Tränen ausbrach. Und auch, dass ich so schnell aus der Haut fuhr, das war ihm alles suspekt. Ich versicherte ihm immer wieder, dass das nur die Hormone seien. Ich wusste es ja nicht besser.

Nach der Geburt wurde es natürlich nicht besser. Aber davon hatte ich ja gelesen. Dem Babyblues, dem Wochenbett. Ich erklärte es ihm, wiegte ihn in Sicherheit. Bald, bald würde es besser. Und es wurde besser, ein wenig.

Was bleibt, ist diese emotionale Empfindlichkeit. Rührselige Stellen in Filmen bringen mich so schnell zum Heulen. Bestimmte Themen lösen Ängste in mir aus, schnüren mir die Kehle zu. Zum Beispiel die Spendenaufrufe für hungernde Kinder in Afrika, ich kann sie mir nicht anschauen. Allein die Vorstellung meine Tochter würde nicht ausreichend ernährt… Ich glaube, Ihr wisst was ich meine.

Für mich steht fest, dass es kein Weg zurück gibt, zu dem Früher von vor der Schwangerschaft. Denn durch die neue Rolle als Mutter ändert sich so vieles. Und das hat nichts mit Hormonen zu tun, nicht direkt, sondern mit Mutterliebe. Das verändert nunmal die Art zu fühlen essentiell.

Hätte sich was für mich geändert, wenn ich das vorher gewusst hätte? Nur sehr wenig. Vielleicht hätte ich nach der Geburt nicht so lange darauf gewartet, wieder zu meinem alten Ich zurück zu kehren, sondern mich damit auseinander gesetzt, mit dieser neuen Emotionalität zurechtkommen.

Und ein Gutes hatte es doch: wenn mein damaliger Freund nicht geglaubt hätte, ich würde irgendwann wieder normal werden, dann hätte er wahrscheinlich in der Schwangerschaft das Handtuch geschmissen. Und auch wenn wir jetzt nicht mehr zusammen sind, er hatte die Chance unsere Tochter kennenzulernen. Und lieben zu lernen. Und er bleibt in unserem Leben – für sie.

More is yet to come,

M.

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