Warum eigentlich Mama mit Macken?

Ich bin eine Mama mit Macken, Ecken und Kanten. Ich bin wie ein Teller, der schon einiges an Stößen abbekommen hat, aber trotzdem ganz ist. Klar fehlt mal hier oder da ein kleines Stückchen Porzellan. Aber ich bin noch ganz. Nicht mehr ganz tacko und erst recht nicht in Ursprungszustand, aber noch gebrauchsfähig. Vielleicht habe ich auch einen kleinen Sprung, einen feinen Haarriss. Aber ich bin noch ganz.

Was ich damit meine: Mein Leben ist nicht immer in geraden Linien verlaufen. Ich kenne Höhe und Tiefen, ich weiß was es heißt ganz unten zu sein – psychisch, emotional. Und das hat mich verändert. Ich reagiere in manchen Dingen empfindlicher als andere oder verhalte mich einfach anders. Und das wirkt sich natürlich auch auf mein Muttersein aus.

Prinzipiell habe ich die gleichen Probleme zu bewältigen wie jede Mutter. Stillprobleme, das Zahnen, durchwachte Nächte, die ersten Krankheiten, Trotzanfälle… und und und. Jedes Kind ist auf seine Weise besonders anstrengend. Doch manchmal pfuscht mir meine Vergangenheit dazwischen. Ich merke, dass mir die Kraft fehlt für besonders anstrengende Phasen. Oder dass ich jetzt selbst mehr an mir arbeiten müsste, um den Bedürfnissen meiner Tochter gerecht zu werden. Neben den alltäglichen Belastungen trage ich noch meinen eigenen Problemrucksack durch die Gegend.

Und dabei spreche ich noch nicht mal von einer wirklich verkorksten Kindheit, nur halt nicht optimal gelaufen. Manchmal glaube ich auch, dass ich mit einer genetischen Disposition „ausgestattet“ wurde und ich deswegen nicht ganz rund laufe.

Als ich mich als Schwangere und frischgebackene Mutter im Netz „rumtrieb“, war ich lange Zeit in Foren unterwegs. Meist nur als stille Leserin. Bei vielen Müttern, die dort häufig kommentierten, hatte ich das Gefühl, dass sie besser sein wollten als die anderen, sie aller Welt beweisen wollte, wie perfekt sie doch alles hinkriegen. Permanente Besserwisserei, mit dem erhobenen moralischen Finger… Unerträglich. Ich war und bin mir relativ sicher, dass nicht alles so rosarot ist, wie es oftmals beschrieben wird. Aber all diejenigen, die sich Rat suchend dort geäußert haben, müssen sich doch völlig inkompetent gefühlt haben.

Und ich habe mich gefragt, warum man sich nicht offen darüber austauschen kann, wie es ist, Mutter zu sein. Mit all den Unperfektheiten, die man hat. Und den pädagogischen Ausrutschern, die einem passieren, wenn einem alles über den Kopf wächst. Dass es manchmal zu viel ist und man einfach Hilfe braucht.

Das ist das, was ich hier tue. Ich habe Macken, ich habe Ecken und Kanten. Ich bin nicht perfekt. Doch ich glaube, es ist ok so.

M.

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