Immer wieder montags…

Es ist mal wieder soweit, es ist Montag und ich will bloggen. Auf dem Weg von der Krippe nach Hause überlege ich mir schon, wie ich es in etwa aufziehen will. Ich bin grade angemeldet, da passiert es. Internet tot. Schon wieder. Jeden verdammten Montag!

Ich hatte es mir so schön eingeplant. Montag ist mein Start in die Woche. Erst Haushalt und das Chaos vom Wochenende beseitigen. Und dann endlich bloggen. Das, was mir am meisten durch den Kopf geistert, wird in Worte gefasst. Aufgeräumt kann ich mich dann auf die kommenden Tage konzentrieren. Oder könnte. Denn seit vier, fünf Wochen raucht mir jedesmal das Internet ab. Immer montags, immer so gegen 11.

Und anstatt zu bloggen hänge ich in der Warteschleife und telefoniere mit Call-Center-Mitarbeitern. Es endet meist damit, dass das Modem neu installiert werden muss. Letztes Mal half auch das nicht. Da verabschiedete sich das Telefon auch gleich mit. Inzwischen hatte ich dann auch Besuch von einem Techniker. Dose war kaputt, das sollte es nun gewesen sein.

Ja ne, is klar. Ich steh kurz vorm Platzen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich nen schlechten Scherz vermuten. Denn wirklich Jeden verdammten Montag um 11! Internet ist tot. Will irgendwer nicht, dass ich blogge? Ist das ein kosmischer Scherz?

Kann zwar auch vom Handy aus bloggen, aber das ist nicht das Gleiche. Ich seh zu wenig Text, die Gliederung kommt ganz anders rüber. Und für lange Texte ist das echt mühselig. Zudem ist irgendwann mein Datenkontingent aufgebraucht.

Mal schauen, ob ich die Woche nochmalhmal zum bloggen komme, um tatsächlich das zu schreiben, was ich im Kopf hatte und nicht nur meinen Frust hier ablasse. Aber es nervt, echt jetzt.

More is yet to come,

M.

Wenn die Geburt einen nicht mehr loslässt…

Momentan ist bei mir die Geburt meiner Maus wieder super präsent. Das liegt zum einen daran, dass ich sie nie so richtig verwunden habe, aber auch daran, dass ich die Auswirkungen wieder an IHR sehe. Dazu später noch ausführlicheres. Vorne weg: der Geburtsbericht der folgt ist mit Sicherheit keiner, der „toll“, „wunderbar“ oder ähnlich verklärt ist. Für mich ist die Geburt unvergesslich – leider eher im negativen Sinne.

Die letzten Monate meiner Schwangerschaft verbrachte ich zu Hause. Auf mein Bitten hin hatte ich ein Berufsverbot bekommen, da ich auch mit Einhaltung der Mutterschutzbestimmungen immer wieder Probleme hatte bei der Arbeit. Immer häufiger kam ich spontan zum Gynokologen, weil ich leichte Vorwehen hatte. Hinzu kam auch, dass mir in der Schwangerschaft 3 Weisheitszähne gezogen werden mussten und das auch in Vorwehen endete. Und in einer Fast-Einweisung ins Krankenhaus, weil ich durch die Entzündung im Mund nicht essen konnte und stark abnahm.

Die Zeit zu Hause tat mir gut. Ich fing an zuzunehmen und im 6./7. Monat hatte ich auch wieder mein Startgewicht, das ich zu Beginn der Schwangerschaft hatte. Bei meinem Arzt fühlte ich mich gut aufgehoben. Die notwendigen Vorsorgen wurden gemacht. Dabei fiel immer wieder auf, dass meine kleine Bauchmaus entwicklungsmäßig immer 1-3 Wochen ihrer tatsächlichen Woche vorraus war. Leider konnte mich mein Gyn die letzten Wochen vor der Geburt nicht mehr selbst betreuen, da er erst im Urlaub und danach selbst krank war. Seine Kollegin, die bei ihm mit in der Praxis war, übernahm für ihn. Bei meinem letzten Ultraschall hatte sie Probleme meine Bauchmaus zu messen, da der Oberschenkel zum Teil hinter meinen Rippen verborgen lag. Trotzdem trug sie das errechnete Gewicht ein – was im Krankenhaus später zu Fehleinschätzungen beitrug.

In der 32. Woche musste ich ein 2. Mal zum Glucose-Toleranz-Test. Meine Urinwerte waren massiv „überzuckert“ und meine Gewichtszunahme war auch grenzwertig. Auch der Bauchumfang wurde sprunghaft mehr. Aber laut Test war alles gut. In der 34. Woche waren es dann schon 134cm, danach hab ich nicht mehr gemessen. Immer häufiger bekam ich Probleme beim Laufen, meine kleine Maus klemmte mir die Nerven zu den Beinen ein. Mein Bauch war inzwischen ganz schief, sie lag mehr rechts als mittig. Wenn sie sich mal streckte in meinem Bauch, wurde ich kurzatmig und meine Lippen wurden blau.

In der 37./38. Woche war ich in dem Krankenhaus, in dem ich entbinden wollte. Ursprünglich wollte ich mich dort anmelden (jaja, ich weiß, war echt spät dafür). Ich bekam aber nur ein Vorgespräch, die Daten wurden aufgenommen. Einen Termin, dass ich dort mal untersucht werden sollte? Fehlanzeige. Also weiterhin zu der Vertretung meines Gyn.

Dann war es soweit. Sonntagabend sprang mir die Fruchtblase zu Hause. Zum Glück im Badezimmer. Ich zog mich erstmal um und „legte mich trocken“. Danach weckte ich meinen Freund, der sich grad erst hingelegt hatte, und rief meine Mutter an. Beide sollten mich bei der Geburt begleiten. Relativ ruhig und entspannt, aber natürlich auch neugierig-gespannt ließ ich mich dann ins Krankenhaus fahren. Der Freund meiner Mutter verfuhr sich erstmal vor Aufregung.

Ich stellte mich dirket im Kreissaal vor, die erste richtige Wehe hatte ich grad erst gehabt. Mit 2 cm MM und kaum Wehentätigkeit wurde ich erstmal auf Station geschickt. Sollte dort mein Bett vorbereiten und die Krankenhaustasche verstauen. Gegen halb 12 nachts wollten sie nochmal kontrollieren, ob es jetzt so richtig losginge oder nicht. Und ja, es ging los. Es wurde nochmals ein Ultraschall gemacht, um Lage und Größe des Kindes zu überprüfen. Lage war ok, doch Größe… war schwer zu bestimmen, da inzwischen weder Femur noch Kopfumfang vernünftig zu messen waren. Verdeckt von meinen Rippen und meinem Becken/Schambein. Grob geschätzt kamen sie dann auf die Maße 4000-4400g. Mit einbezogen wurde natürlich auch das schon grob geschätze Gewicht einige Wochen zuvor. Zwar wollte die Hebamme vor Ort nochmal von außen tasten, wie groß das Kind sei – tat sie aber doch nicht. Ich bekam dann noch ein Aufklärungsgespräch, das sie „normalerweise“ erst ab einem Schätzgewicht von über 4500g führten. Dabei ging es darum, dass so schwere Kinder zum Teil mit der Schulter bei der Geburt hängen blieben und man dann vielleicht einen KS in Erwägung ziehen sollte.

Daraufhin wurde ich noch gefragt, ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorlag, was ich ja guten Gewissens verneinen konnte, war ja 2 Mal getestet worden. Danach schien für sie klar zu sein, dass ich die 4400g wohl nicht knacken würde. Meine Einwände, dass mein Vater und mein Onkel beide knapp 5 kg bei Geburt wogen und mein Onkel unter der Geburt mit der Schulter hängen blieb, wurden einfach abgetan. Auch der Hinweis, dass in der Familie meines Freundes alle Kinder sehr groß sind, interessierte niemanden. Das einzige, was interessierte, war, dass ich als Baby gut 3500g gewogen habe und keine Schwangerschaftsdiabetes vorlag. Man riet mir von einem Kaiserschnitt ab. Sie würden mir aber Bescheid geben, sollte es Verzögerungen bei der Geburt geben, die auf die Kindsgröße zurückzuführen sei. Man würde dann das Thema Kaiserschnitt noch mal erörtern. Darauf verließ ich mich. Dummerweise.

Inzwischen waren meine Wehen recht häufig und sehr schmerzhaft. Man gab mir Schmerzspritzen, damit ich mich erholen konnte zwischendrin. Denn es gab keine Wehenpausen für mich. 3,4 Wehen hintereinander, mit Glück mal 2 Minuten Pause bevor die nächsten Wehen kamen. Mein unterer Rücken schmerzte unerträglich und meine Mutter massierte mir stundenlang diesen Bereich.

Bei 6cm MM schickten man mir nach Rücksprache einen Anästhesisten. Er legte einen Zugang und nahm Blut ab. Die Ergebnisse müssten wir noch abwarten, doch dann könne man eine PDA legen. Mir war das nur recht. Obwohl mir vorher der Gedanke nicht behagt, merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. So langsam freundete ich mich mit dem Gedanken an, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. Denn mein Bauchgefühl sagte mir: das Kind ist wirklich GROSS, das schaffst du vielleicht nicht.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Bei der nächsten Kontrolle durch die Hebamme stellte sie fest, dass ich in weniger als einer Stunde von 6 auf 10cm MM gesprungen war und auch schon Presswehen hatte. Jetzt sei eine PDA nicht mehr möglich. Und ich verabschiedete mich von einem KS, dann ich wollte den ersten Schrei meiner Tochter nicht verpassen.

Es war 3 Uhr morgens und wir zogen um in den richten Kreissaal. Mir wurde gesagt, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste drücken, sollte ich ruhig schon mal schieben. Stundenlang tigerte ich durch den Kreissaal. Bei jeder Wehe stützte ich mich am Bett ab oder den Kommoden und schob. Ich krabbelte auch auf die Liege und probierte den Vierfüßler. Ich war konzentriert, sprach wenn überhaupt in 1-Wort-Sätzen. Das Thema KS war für mich erledigt. Auch die Hebamme oder die Ärztin sprachen nicht mehr darüber. Ich glaubte fest daran, dass man mir sagen würde, wenn die Geburt nicht schnell genug voran ging. Rückblickend frage ich mich, wie viel Zeit normalerweise eigentlich vergeht, von vollständig eröffnet zu „sie dürfen jetzt pressen, das Köpfchen ist schon fast zu sehen“? Denn das Köpfchen ließ sich Zeit. Um 8 war dann Schichtwechsel. Der Kopf war endlich runtergewandert. Ich sollte mich auf die Liege legen und schonmal pressen, wenn mir daran wäre. Das verunsicherte mich. Denn es war ja keine Hebamme da, sie waren ja im Schichtwechsel, besprachen sich irgendwo.

Um 8.30 war dann die neue Hebamme da. Sie ließ mich 2 Mal pressen und meinte dann, dass ich an den Wehentropf müsste, die Wehen wären nicht stark genug. Und das ich an die falsche Stelle pressen würde. Zum Glück legte sie mir dann den Finger einfach dorthin, wohin ich pressen sollte. Das half mir enorm. Also doch kein Wehentropf. Inzwischen kannte ich nur noch 2 Worte: Trinken und Waschlappen. Meinem Freund hatte ich noch ein Sorry zugeflüstert, dann war ich nicht mehr in der Lage Englisch mit ihm zu sprechen oder überhaupt zu verstehen.

Komplett fokussiert versuchte ich, meine kleine Maus hinauszupressen. Ich fluchte nicht, weinte nicht, schrie nicht. Ich brauchte die Kraft für was anderes. Seltsamerweise beobachtete mich ein Teil von mir von außen. Dieser Teil registrierte alles um mich herum. Dass mir ein Katheter geschoben wurde. Dass der Kopf meiner kleinen Maus zwar immer wieder zu sehen war, doch nach jeder Wehe zurückrutschte. Dass sich die Ärztin und die Hebamme erst leise besprachen, bevor sie mir ungefragter Weise einen Dammschnitt verpassten. Mir war es nur recht, es dauerte schon so lange und der Schnitt tat nicht wirklich weh.

Dann war es soweit, der Kopf war endlich draußen. Und dann wurde es hektisch. Es ging nicht mehr vorran. Sie steckte fest mit der Schulter. Die Wehen waren schlagartig weg. Sofort wurde der Wehentropf voll aufgedreht, zum Glück war er schon angeschlossen. Man drückte mir von oben auf den Bauch, versuchte mir beim Pressen zu helfen. Dann stand auf einmal der Oberarzt vor mir. Der Bruder von meinem Gyn, was ich vorher schon wusste. Das Bett wurde umgebaut, ich musste jetzt richtig auf dem Rücken liegen, die Beine nach oben. Die beiden Ärzte bewegten meine Beine in einer Art Fahrradfahrbewegung, in der Hoffnung, die Schulter würde dadurch frei werden. Funktionierte nicht. Anschließend half man mir in den Vierfüßler. Dann wieder zurück auf den Rücken. Half auch nicht. Laut meiner Mutter kniete mein Freund inzwischen hinter meinem Bett und betete. Er verstand ja nix, bekam nur mit, dass irgendwas nicht stimmte. Ich hatte ihn komplett ausgeblendet.

Dann kam die Ansage vom Arzt: Scheiß auf die Wehen, sie pressen jetzt und hören nicht mehr damit auf, das Kind muss jetzt raus. Zu zweit drückte man auf meinen Bauch und schob die Kleine nach unten. Zwischen meinen Beinen stand auch irgendwer, keine Ahnung wer, war ja auch nicht wichtig, und zog. Und ich presste, gab alles. Ich merkte wie ich riss. Ich konnte es fast hören, das Geräusch. Ich hieß es willkommen, denn es bedeutete mehr Platz. Raum, den meine Tochter brauchte, um auf die Welt zu kommen. Und in einem Schwall Blut wurde sie dann auch endlich geboren. Es war 10.23 Uhr.

Sofort schaute ich auf, wollte mein Kind sehen. Die ganze Schwangerschaft hatte ich gerätselt, wie dunkel sie würde durch ihren afrikanischen Anteil. Sie war dunkel irgendwie. Und dann rauschte die Assistenzärztin mit ihr an mir vorbei. Ich war verwundert. Irgendwas lief hier falsch. Ich sollte sie doch eigentlich auf die Brust bekommen, wie das hier Usus ist. Deswegen hatte ich das Krankenhaus doch unter anderem ausgesucht. Und etwas anderes war auch komisch, ich brauchte aber ein paar Sekunden, um es zu realisieren. Sie hatte nicht geschrien. Die Sekunden zogen sich endlos dahin, es wurde eine Minute und dann endlich hörte ich ein Kind weinen. Ist das meine? fragte ich, doch bekam keine Antwort.

Währenddessen half mir der Oberarzt bei der Nachgeburt. Hob sie in die Höhe, präsentierte sie mir. Sie sei vollständig und sehe sehr gesund aus. Interessierte mich nicht. Wurde gefragt, was wir damit machen wollten. War mir egal. Ich wollte mein Kind, nicht meine Plazenta! Und dann endlich kam sie. Doch noch immer durfte ich sie nicht haben. Jetzt wurde sie gewaschen und vermessen. Größe 56cm, Kopfumfang 36cm. Und das Gewicht hat dann allen die Schuhe ausgezogen. 4950g! Und dann war endlich Mama-Time. Ich bekam sie auf die Brust gelegt. Mein kleines helles Michelin-Männchen. Noch völlig zerknautscht von der Geburt. Mit Einblutungen in den Augen und auch darum herum. Und so hell. Erst dachte ich, ich hätte mich einfach nur verguckt, doch 2 Tage später machte es dann klick. Sie war dunkel gewesen – dunkelblau. Man erzählte mir auch, dass sie kurz 1,2 Züge aus der Sauerstoffmaske gebraucht hätte, aber dann hätte es auch keine Probleme mehr gegeben. Währenddessen kümmerte sich der Arzt um meine Geburtsverletzungen. Erst stillte er provisorisch die Blutungen, um herauszufinden, wo ich tatsächlich gerissen war.

Erleichtert stellte er fest, dass der Muttermund intakt geblieben war. Dann machte er sich daran, zu nähen. Über eine Stunde war er beschäftigt. Zwischendurch wurde er angpiept, doch hat er nach kurzer Besprechung beschlossen, erst mich zuende zu nähen und stattdessen die Assistenzärztin zu schicken.

Und ich? Ich war fertig. Und völlig zufrieden damit, meine kleine Maus zu halten. Sie anzuschauen, jedes Detail einzusaugen. Und dann kam man auf mich zu und eröffnete mir dann, dass die Kinderärztin bei ihrer Untersuchung etwas festgestellt hätte. Mit ihrem Arm wäre etwas nicht in Ordnung. Noch könnte man nicht genau sagen, wie schlimm es sei. Fakt ist, dass zu dem Zeitpunkt der Arm gelähmt sei. Ich müsse aufpassen, wie ich sie halte und dass sie nicht darauf liegt. Denn sonst könnte die Blutzufuhr abgedrückt werden. Die Kleine könne das momentan noch nicht spüren. Und selbst wenn, sie kann ich auf jeden Fall nicht selbstständig wegnehmen. Wenn wir Glück hätten, wär der Nerv bei der Geburt nur überdehnt worden. Es könne aber auch sein, dass er gerissen ist. Das könnte man jetzt noch nicht sagen.

Ich nahm das erstmal gleichmütig hin. Ich war zu kaputt, um mir darüber Sorgen zu machen. Meine kleine Maus war endlich da, ich hielt sie in meinem Armen und das reichte mir. Irgendwann kam ich dann wieder in den Ruheraum. Und dann auf Station. Ich bekam Essen. Meine Mutter half mir dann später mich umzuziehen und mich frisch zu machen. Das Blut von den Beinen und den Füßen zu waschen. Ich erinnerte mich wieder an den Kreissaal. Das eine Mal, wo ich zum Fußende der Liege geschaut habe. Das ganze Blut, das den unteren Teil der Liege getränkt hatte und danach auf den Boden getropft war.

Erst gegen 18 Uhr konnte ich meine Tochter zum ersten Mal anlegen. Wegen ihres Arms musste ich sie rechts anders halten, was ich kaum konnte. Es gab auch leider keine Stillkissen auf den Zimmern. Nur im „Stillraum“, der am Ende des Gangs lag. Zu weit weg für mich. Rechts stillen wurde zum Problem. Erst mit Kissen und Decke eine Plattform bauen, denn ich konnte sie mit ihren knapp 5 Kilo nicht lange halten. Nicht so lange ich noch so unsicher war beim Anlegen. Und das Aufstehen oder auch nur anders Hinsetzen schmerzte mich sehr. Am nächsten Morgen sollte ich mir schon selber mein Frühstück vom Buffet holen. Mit Hilfe des Babybalkons schaffte ich das dann auch. Ohne wäre ich wahrscheinlich einfach umgefallen.

Ich bekam irgendwann wortlos Eisentabletten gereicht. Und nach 48 Stunden schon gefragt, wann ich denn abgeholt würde. Ich kassierte einen bösen Blick, als ich sagte, dass ich vor morgen nicht gehen würde. Nach wie vor brauchte ich noch jedes Mal Hilfe beim Anlegen. Mein Kreislauf war unter aller Kanone. Ich bekam einen riesen Haufen Papier. Unter anderem für’s Sozialpädiatrische Zentrum in der Kinderklinik. Am dritten Tag wurde ich dann wieder darauf hingewiesen, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte/sollte. Die Station war recht voll. Sie bräuchten die Betten. Nicht, dass man vielleicht erstmal die Familienzimmer hätte auflösen können, davon gab es immerhin 3 zu dem Zeitpunkt. Nein, ICH soltte gehen. Dabei sah die Kaiserschnittpatientin, die am gleichen Tag entbunden hatte, deutlich besser aus als ich und war viel besser unterwegs als ich. Doch durch den KS hatte sie ja anrecht auf 5-7 Tage. Vormittags ließ ich noch mal Fieber messen bei mir. Ich fühlte mich nicht so gut. War „nur“ erhöhte Temperatur, das sei „normal“ nach einer Geburt. Wegen der Anstrengung.

Also beschloss ich zu gehen. Heulend bat ich meine Mutter, ob ich nicht erstmal zu ihr könne. Denn mein Freund wohnte noch nicht mit mir zusammen. Und ich glaubte auch nicht in der Lage zu sein, mich allein mit der Kleinen zu versorgen. Ich konnte grad 100m ohne Hilfe laufen, danach wurde mir fast schwarz vor Augen. Gottseidank ging es. Meine Mutter reichte Urlaub ein, die Möglichkeit hatte sie sich vorher schon geschaffen.

Erst als ich meinen Mutterpass bekam bei der Entlassung, erfuhr ich, warum man mir Eisentabletten gab. HB war bei 8,6 nach der Geburt. Davor war er bei 13,1 gewesen. Nachmittags kam dann die Hebamme zu meiner Mutter. Sie untersuchte die Nähte und gab mir einiges mit an Tipps und Ratschlägen. Nachts bekam ich dann Schüttelfrost und Fieber. Und riesige feuerrote Stellen an der Brust. Denen rückten wir mit Kühlkissen und Quarkwickeln auf den Leib. Meine Hebamme war entsetzt am nächsten Morgen. Warum ich sie nicht ins Krankenhaus gefahren sei? Oder sie angerufen habe? Keine Ahnung, vielleicht, weil ich dachte, dass das eben mal passiert. Weil man mir im Krankenhaus sagte, dass ein bisschen Temperatur ja normal sei. Und schmerzende, spannende Brüste eben auch.

Nach einer zweiten Nacht Fieber war dann die beginnende Brustentzündung endlich durchgestanden. Mit Hilfe von etlichen Quarkpackungen. Und 2 Wochen nach der Entbindung kam ich dann nach Hause. Und die Behörden- und Ärzterennerei ging los. Zum Kinderarzt, zum SPZ, zur Ausländerbehörde, dem Standesamt, zur Physiotherapeutin. Viel telefoniert habe ich zudem auch. Und geheult. Es war verdammt viel. Und ich holte mir weitere Hilfe.

Zu dem Arm meiner Tochter lässt sich sagen: der Nerv war gottseidank NICHT gerissen. Langsam fing sie an den Arm kontrollieren zu können. Mit 3 Wochen bekam sie zum ersten Mal Physio für den Arm. Monatelang. Der Kinderarzt wurde immer unwilliger die Physio zu verschreiben. Erst als die Physiotherapeutin sagte, beide Arme wären gleich entwickelt, stellten wir die Physio ein. Da war die kleine Maus dann 15 Monate.

Und jetzt? Stell ich fest, dass ihre linke Schulter sich wieder leicht nach oben und vorne verschoben hat. Und der Rücken nicht mehr symmetrisch aussieht. Bei der letzten U-Untersuchung war er das aber noch gewesen.

Mit einem Mal ist wieder alles da. Die Geburt, die Ohnmacht, von außen bestimmt gewesen zu sein. Einen Freund, der sich während der Geburt nicht für mich äußern konnte, weil er die Sprache nicht beherrschte. Und die Wut, weil mich kein Arzt und keine Hebamme ernst nahm. Meine Vorgeschichte nicht mit einbezogen wurde, ja fast verächtlich abgetan wurde, als Hysterie einer Gebärenden. Hallo? Mein Bauchumfang lag zur Geburt bei sicherlich über 140cm. Ich selbst bin knapp 1,63. Das war nicht nur alles FETT oder WASSER! Aber getastet hat natürlich keiner mal. Nur den Scheiß-Ultraschall messen lassen. Es ist toll, dass sie mich alle gepriesen haben nach der Geburt, wie toll und stark und tapfer ich sei, weil ich ein 5kg-Baby vaginal entbunden haben. Und dabei übertünchten, dass sie, wenn sie das tatsächliche Gewicht gewusst hätten, mir ganz dringend zu einem KS geraten hätten. Und sich deswegen die Erlebnisse meiner Oma nochmal bei mir wiederholen mussten. Ich bin sauer, so sauer. Dann hätte ich meinetwegen auch einen KS unter Vollnarkose gemacht. Hauptsache mein Kind trägt keinen Schaden davon. Ich meine, sie war BLAU! Wer weiß denn, wie lange sie noch ohne Schaden geblieben wäre, hätte man sie nicht mit aller Gewalt aus mir herausgerissen?

Ich hoffe, dass ich irgendwann eine gesunde Distanz dazu bekomme. Mir nicht vor Wut und Kummer und Erschrecken und so vielen anderen Gefühlen, die ich nicht in Worte fassen kann, die Tränen kommen. Und mir nicht die Gedanken durch den Kopf geistern ICH HÄTTE SIE FAST VERLOREN.

Zu dem Thema habe ich auch gerade einen Bericht gelesen. Der Fokus liegt zwar eher auf der Begleitung vor und insbesondere nach der Geburt. Aber auch ein wenig darum, wie nüchtern man in den Krankenhäusern abgekanzelt wird. Als Fallzahl. Als wehleidig. Der Link ist  hier.

Ich trockne jetzt meine Tränen und werde meine kleine Maus abholen. Und sie fest in den Arm nehmen und froh sein, dass trotz allem, alles irgendwie doch gut gegangen ist.

More is yet to come,

M.