Abseits der rosa Schwangerschaftswolke

Neulich sprach ich mit einer Freundin über das Thema Schwangerschaft. Ich selbst erinnere mich gerne an die Zeit zurück, trotz der emotionalen Berg- und Talfahrt und trotz der kleineren Komplikationen und Wehwehchen. Doch für sie war das alles gar nicht so rosarot und zuckersüß. Ihre Erfahrungen waren so negativ gefärbt, dass sie sich eine weitere Schwangerschaft für sich selbst nicht mehr vorstellen mag.

Wenn Mütter im Allgemeinen aufeinandertreffen, wird gerne schnell verglichen, wie man selbst sich so macht oder auch das eigene Kind sich entwickelt. Dabei wird alles miteinander verglichen, von Schuhgröße über motorische Fähigkeiten bis.. ja genau bis zu den Schwangerschaftserfahrungen. Und ich selbst schließ mich da auch nicht auch. Hab mich nicht selten selbst dabei ertappt.

Es wird zwar gerne mal betont, wie furchtbar das alles war und wie anstrengend. Doch in den meisten Fällen soll dadurch nur herausgestellt werden wie tapfer man gewesen ist in der Schwangerschaft.

Wenn man dann also die Erfahrungen austauscht, erwartet man zwar die üblichen Klagen, aber keinen wirklich negativen Rückblick. Schwangerschaft ist doch was Schönes, und man nimmt ja so vieles in Kauf für diese wunderbare Erfahrung! Ja ne, ist klar.

Natürlich gibt es dann auch die Mütter, die es wirklich schwer hatten in der Schwangerschaft. Die Monate lang liegen mussten, die viellecht lange bangen mussten, weil sie ganz knapp davor waren das Kind zu verlieren. Die kurz vor dem Nierenversagen standen, weil das Kind die Nieren fast kaputt getreten hat im Bauch. Die mehrfach im Krankenhaus waren wegen Vorwehen, Dehydrierung oder nicht endenden Brechanfällen. Sofort empfindet man Sympathie und Mitleid. Und man akzeptiert ganz klaglos, dass in so einem Fall eine Schangerschaft auch als belastend und unschön empfunden wird. Die entsprechende Mutter wird bedauert, man hat Verständnis für sie.

Nun zurück zu meiner Freundin: auch sie hatte Komplikationen, die ihr die Schwangerschaft vermiesten. Ein wenig. Doch es waren nicht die „Wehwehchen“ die ihr die Lust auf jedes weitere Kind nahmen. Es war das Gefühl schwanger zu sein. Dieses kleine Wesen in ihrem Bauch, das dazu führte, dass ihre Hormonwelt Kopf stand, sie emotional komplett aus der Bahn geworfen hat. Das dazu führte, dass sie komische Gelüste hatte oder zu permanenter Übelkeit. Allein die Tatsache, dass sie ihren Körper nicht mehr für sich hatte, schlug ihr auf’s Gemüt. Immer drauf achten zu müssen, was sie aß oder trank oder wie sie mit sich selbst umging.

Darüber hinaus meinte nun ihr Freund und dessen Familie permanent darüber bestimmen zu können, was gut für sie sei UND das Ungeborene. Sie fühlte sich unmündig, gefangen in einer Rolle, die sie gar nicht haben wollte. Und nicht verstanden. Zu allem Überfluss wurde ihr auch gerne immer wieder vorgelebt, worauf sie jetzt zu verzichten habe. Als wäre es ihr nicht schon schmerzlich bewusst gewesen.  Sie fühlte sich auch gefangen in ihrer Beziehung. Denn so ein gemeinsames Kind, das verbindet. Da kann man nicht mehr so schnell abhauen, da gibt es mehr zu bedenken.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, meine Freundin liebt ihr Kind. Von Anfang an. Nur hatte sie noch viele Pläne, so früh hatte sie es mit der Mutterschaft gar nicht geplant. Sie wollte Dinge ausprobieren, reisen, ihre Ausbildung machen und Geld verdienen, was zurücklegen, leben und frei sein. Und jetzt ist es all das auf unbestimmte Zeit verschoben. Sie muss Verantwortung tragen. Nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern auch für ihr Kind. Und die Liebe zu ihm kann das ganze Drumherum nicht einfach wieder aufwiegen.

Rein objektiv hatten wir die gleiche Ausgangsitution. Eine Partnerschaft, bei der wir nicht wussten, ob sie für die Ewigkeit gemacht ist, Pläne für unsere berufliche Zukunft, eine nicht wirklich mental stabile Vorgeschichte. Uns beiden wurden in der Schwangerschaft Vorhaltungen gemacht, worauf wir gefälligst zu achten haben oder auch wie wir uns zu verhalten haben. Und wir beide sind früher Mutter geworden als wir es für uns geplant haben.

Trotzdem haben wir die Schwangerschaft unterschiedlich erlebt. Die Hormone haben bei mir gewirkt wie ein Antidepressivum, psychisch und auch physisch hat sich für mich einiges verbessert. Bei ihr war es das genaue Gegenteil. Immer wieder fiel sie in tiefe Löcher. Mache ich ihr daraus einen Vorwurf? Nein, ganz sicher nicht. Es sind ihre eigenen, persönlichen Empfindungen, die ich ihr ganz bestimmt nicht in Abrede stellen möchte. Dazu habe ich gar nicht das Recht. Warum auch?

Und ich finde, dass ist es auch, was man aus dieser Geschichte ziehen sollte. Es ist gar nicht möglich solche Dinge zu vergleichen. Jeder fühlt anders und das ist auch in Ordnung so. Es ist schade, dass es ihr nicht möglich war, dieselben beglückenden Momente gehabt zu haben wie ich oder auch so viele andere Mütter. Nur war sie daran nicht selber Schuld. Und niemand hat das Recht ihr das vorzuwerfen.

Denn egal, wie belastend das ganze Drumherum war in ihrer Schwangerschaft, sie hat sich verantwortlich gezeigt für das neue Leben in ihrem Bauch. Sich an all die Vorgaben gehalten, die einem gemacht werden in diesem „Zustand“. Aufgrund ihres Verantwortungsgefühls und ihrer Liebe zu ihrem Kind.

Und ich finde, dass verdient eigentlich ganz viel Respekt. Wie viele Mütter rauchen und trinken in ihrer Schwangerschaft, weil es ihnen nicht so wichtig ist? Wie viele verhalten sich unverantwortlich, weil sie das Kind nicht geplant und/oder gewollt haben? Und wie viele lassen das nach der Geburt an ihrem Kind aus? Genug. Und da sollte man niemanden verurteilen, weil er die Schwangerschaft als scheiße empfunden hat. Denn das kann niemand steuern, dass passiert. Deswegen ist man keine schlechte Mutter. DAS wird an anderen Maßstäben gemessen.

Schnuggi, ich hab dich lieb! ❤

More is yet to come,

M.

 

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