Stillen in der Öffentlichkeit

Immer wieder begegne ich über Facebook den Problemen, die Stillen in der Öffentlichkeit haben kann. Gerade in England und den USA scheint das wirklich ein großes Problem zu sein. Doch beurteilen kann ich es nicht richtig, da ich die Situation vor Ort nicht aus eigener Erfahrung kenne. Die Erfahrungsberichte erschrecken mich  zum Teil sehr, da ich mir das nicht vorstellen kann. Meine eigenen Erfahrungen mit dem öffentlichen Stillen waren im Prinzip durchweg positiv.

In den Kommentaren gab es vielfältige Meinungen zu dem Thema. Es waren viele Befürworter darunter, die Stillen in der Öffentlichkeit als das Natürlichste der Welt ansehen. Auch viele, die der Gesellschaft und gerne auch den Männer Schuld daran geben, dass Brüste so übersexualisiert sind. Aber auch Stimmen, das Stillen gefälligst zuhause standfinde sollte, wurden dort geäußert. Es gab auch viele Berichte, in denen Mütter direkt oder indirekt kritisiert wurden aufgrund ihres öffentlichen Stillens.

Zuerst einmal stimme ich darüber überein, dass es Müttern möglich sein sollte, ihr Kind zu stillen, egal wo sie sich gerade befindet. Niemand würde eine Mutter anfeinden, wenn sie das eigene Kind mit der Flasche oder Brei füttert. Und die Art, wie wir Mütter unsere Kinder ernähren, liegt ganz allein in unserem Entscheidungsbereich. Und wenn die eine Mutter ihr Kind im Cafe mit der Flasche füttern darf, sollten andere Varianten ebenso erlaubt sein.

Ich finde aber, es hilft nichts, die Gesellschaft und die Medien im Allgemeinen, und Männer im Speziellen, dafür zu verdammen, dass eine entblößte Brust nicht ausschließlich als Milchquelle wahrgenommen wird. Auch wenn die Natur die Brust zur Ernährung eines Kindes geschaffen hat, kann man die gesellschaftliche Entwicklung hin zum sexualisierten Objekt nicht einfach abschaffen. Und ganz ehrlich, ich fände es sehr schade, wenn zukünftig Männer bei einem schöngemachten Dekollete nur noch an Milch und Babys denken würde. Was nicht heißt, dass ich mir gern auf die Brust „geiern“ lassen wollte, wenn ich gerade stillte.

Dass ich nie Probleme hatte, in Ruhe in der Öffentlichkeit zu stillen, kann vielleicht daran liegen, dass ich in einer sehr stillfreundlichen Umgebung stillen konnte. Oder vielleicht habe ich auch was richtig gemacht. Denn ich finde es kommt schon darauf an, WIE man stillt.

Ich habe schon an den verschiedensten Orten gestillt. Im Zug, in der U-Bahnstation, bei McDonald’s, im Cafe, beim Notar, bei Freunden, zuhause natürlich und sogar direkt vor einem Friedhof. Und an den Rest erinner ich mich wohl nicht mehr. Und egal wo ich war, es gab nie Probleme.

Da ich es prinzipiell nicht gerne habe, wenn mir Fremde auf eine entblößte Brust schauen, habe ich mir eine bestimmte Art zurecht gelegt, meine Tochter anzulegen. Ich bevorzugte das Anlegen „von unten“, bei der ich nur mein Oberteil soweit anhob, dass ich meine Tochter andocken konnte.

Im Normalfall habe ich mich meist erst umgeschaut, ob es denn eine etwas ruhigere Ecke für uns gibt, wo ich mich auch gemütlich hinsetzen kann. Denn es kam auch meiner Tochter zugute, wenn sie ihre Mahlzeit in Ruhe einnehmen konnte. Bewaffnet mit Moltontüchern habe ich erst eine Position eingenommen, in der ich die Kleine gut anlegen konnte. Dann kam das Tuch über die Schulter auf der Seite, auf der ich beginnen wollte. Relativ dezent wurde dann der Still-BH gelöst. Er danach wurde mein Oberteil angehoben, damit meine Kleine Zugang bekam. Ihr Kopf verdeckte meist den Großteil meiner Brust, das Moltontuch deckte den Rest ab. Mein Bauch war verborgen hinter dem Körper meiner kleinen Maus. Nicht selten stellten Vorbeigehende erst beim zweiten Blick fest, was ich dort tatsächlich tat.

Beim Seitenwechsel wurde auch erst der BH aufgemacht, bevor ich die Position der Kleinen umänderte. Und während sie fröhlich die zweite Seite leer trank, hatte ich genug Zeit den Still-Bh auf der ersten Seite wieder zuzumachen. Mein Oberteil war da schon wieder an Ort und Stelle. Im Großen und Ganzen war die ganze Aktion relativ unauffällig mit minimaler Entblößung meinerseits.

Warum ich das jetzt so ausführlich beschreibe? Weil ich schon Mütter erlebt habe, die den Stillakt richtiggehend zur Schau gestellt haben. Die schon fast blank gezogen haben, bevor sie ihr Kind auch nur annähernd in Stillposition gebracht haben. Bei denen ich das Gefühl bekam, dass sie entweder aller Welt zeigen wollten, dass sie jetzt stillen werden. Oder aber aller Welt ihre durch den Milcheinschuss prallen Brüste präsentieren wollten. Klar, dass ist eine subjektive Einschätzung, aber es hinterlässt das Gefühl, dass es gerade um mehr ging, als nur sein Kind kurz anzulegen.

Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt. Stillen ist ein sehr intimer Akt zwischen Mutter und Kind. Nicht jeder möchte das in jedem Detail mitbekommen. Genauso, wie man sich in einer überfüllten Bahn unwohl fühlen würde, wenn neben einem ein Pärchen wild rumknutscht und rummacht. Die eigene Grenze wird von dem Gegenüber nicht gewahrt, dass was eigentlich etwas Intimes sein sollte, wird anderen fast aufgedrängt zu bezeugen.

Deswegen plädiere ich ganz klar dafür, dass das Stillen in der Öffentlichkeit einen Raum hat. Allerdings sollte man sich schon bewusst sein, dass man auch die Grenzen des Anderen zu wahren und berücksichtigen hat. Es ist möglich, unauffällig und diskret zu stillen ohne sich auf öffentliche Toiletten zu verziehen. Und ich glaube auch, dass man so weniger negative Resonanz bekommt. Man sollte sich einfach bewusst machen, dass einem mehr Raum gelassen wird, wenn deutlich wird, dass man sich der Bedürfnisse der Umstehenden bewusst ist und diese so weit wie möglich auch berücksichtigt.

More is yet to come,

M.

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Ein Gedanke zu “Stillen in der Öffentlichkeit”

  1. Ich bin beim zweiten Kind viel offener als beim ersten. Aber ich halte es immer noch so, dass ich ein weit ausgeschnittenes Unterhemd unter dem T-Shirt anhabe. So muss ich zum Stillen nur das T-shirt anheben, mein (nach den sChwangerschaften noch etwas faltiger) Bauch bleibt bedeckt ,die Brust auch. Den Still-BH mache ich gar nicht mehr auf, ich ziehe ihn nur runter, dass das Baby rankann. Das T-Shirt ist dann über der Brust und der Kopf unterm T-Shirt. Stört keinen.

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