Don’t mess with my routine?! Screw it!

Liest man einen Baby-Ratgeber oder fragt man andere Mütter, kriegt man fast immer diese eine Aussage: Rituale und eine feste Routine sind essentiell wichtig für Babys und Kleinkinder. Egal, ob es nun um die Schlafenszeit oder das Bettritual geht, die Essenszeiten oder die allgemeine Tagesstruktur. Immer wieder wird einem empfohlen Rituale in den Alltag einzubauen und bestimmte Routinen einzuhalten.

Und ich muss sagen, bei uns hat es super geklappt. Wo früher das ins Bett bringen eine einzige Qual war, nachdem wir ein festes Ritual hatten (damals stillen und anschließend La-Le-Lu singen – schaukelnd), fielen ihr nach zehn Minuten die Augen zu. Sie mag nicht Zähneputzen? Dann erfinde ich doch ein Lied dazu bzw entwickele lustige Abläufe, die es nicht nur zur reinen Pflichtveranstaltung machen. Und auf einmal werden Alltagssituationen entschärft und entstresst.

Nun ist sie aber kein Säugling mehr und auch schon ein recht großes Kleinkind, sie geht immerhin auf die drei zu. Die Sicherheit und Verlässlichkeit bei all diesen Ritualen steht nicht mehr primär im Vordergrund. Vielmehr versuche ich damit, den obligatorischen Wutanfällen aus dem Weg zu gehen. Was ja meist auch klappt. Meistens… Denn das Problem ist doch Folgendes. Wenn man ein Ritual oder eine Routine in den Alltag integriert, einfach nur um den Wutanfällen einer 2-Jährigen zu entgehen, dann benutzt man es ja als Vermeidungsstrategie. Und das fragile Konstrukt der scheinbaren Harmonie fällt sofort in sich zusammen, wenn der kleine Wüterich NICHT seinen Willen bekommt.

Natürlich ist es wunderbar, wenn gerade morgens alles schön entspannt abläuft. Ohne Streit, Tränen und Gebrüll. Dazu muss ich aber auf Folgendes achten: auch wenn ich auf Toilette war, SIE spült. Den Teebeutel für ihren Tee tut SIE in die Tasse. Müsli- und Cornflakespackungen werden ausschließlich von IHR geöffnet und geschlossen. Schuhe zieht SIE sich auch nur selber an. Wenn ich mir die Haare fönen möchte, holt SIE den Fön aus dem Schrank oder die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wehe, ich bin morgens mal so richtig fies verschlafen, eigentlich noch gar nicht richtig wach. Und schwupps.. Habe ich bestimmt irgendwas gemacht, was normalerweise meine kleine Maus macht. Der Morgen ist gelaufen. Definitiv.

Das Schlimmste aber ist, dass es immer mehr Situationen gibt, in denen meine Tochter bestimmen will, wie etwas gemacht wird. Und dies mit allen Mitteln versucht durchzusetzen. Mir dämmert es so langsam, woher das kommt. Deswegen betrachte ich auch in aller Ruhe unseren kleinen Rituale und versuche herauszufinden, welche tatsächlich da sind, um Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, und welche schlicht und einfach Vermeidungsstrategien sind, damit ich mir nicht immer diesen Stress antun muss.

Und, was muss ich sagen: die Liste mit den Vermeidungsstrategien ist lang. Viel zu lang. Wenn ich jetzt natürlich rigoros alles von heute auf morgen wegstreiche, dann hab ich hier die Hölle auf Erden. Wirklich! Denn meine Kleine ist eine derartige Trotz- und Wutmaus mit totalem Dickschädel… Aber hilft ja nichts. Dementsprechend fahren wir die ganzen Annehmlichkeiten runter bzw wandeln sie um. Was da heißt: ich freue mich, wenn die Kleine mir beim Frühstück machen hilft. Aber sie darf es nur, wenn sie dabei bleibt und nicht mit etwas anderem beschäftigt ist. Und auch nur, wenn ich sie dazu auffordere. Ansonsten sind es meine Aufgaben, mein Hoheitsgebiet. Es ist also meine Entscheidung, wer was wann und überhaupt macht.

Rituale und Routinen sind Gold wert, wenn man mit einem Baby, einem Säugling zu Hause oder unterwegs ist. Denn diese kleinen Wesen sind verstandesmäßig und auch sprachlich nicht so weit unseren Erläuterungen zu folgen. Da müssen Taten her, um ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Doch je mehr ein Kind verstehen und begreifen kann, desto weniger ist man auf die Wiederholungen als einziges Mittel angewiesen.

Deswegen werde ich es zukünftig auch so machen, dass ich in regelmäßigen Abständen einfach mal überprüfe, was sich da so alles eingeschlichen hat als Routine. Und was davon einfach nur Vermeidung ist. Denn wenn meine Tochter auch nur das Gefühl bekommt, sie hätte die Oberhand, dann ist sie unerträglich. Was nicht nur mordsmäßig nervig und anstrengend ist, sondern einfach unglaublich gefährlich. Ich habe keine Lust, dass sie irgendwann auf die Straße läuft, einfach weil sie der Meinung ist, ich habe nichts mehr zu sagen und sie braucht auf mich nicht mehr zu hören. Dann muss ich jetzt in den sauren Apfel beißen und mir die nächsten Wochen ihr Genöle anhören, damit es später nicht noch sehr viel schlimmer kommt.

Denn eines kann man auch in so einigen Ratgeber lesen: wenn man Regel aufstellt und sie konsequent durchsetzt, vermittelt man seinem Kind dadurch auch Sicherheit.

More is yet to come,

M.

Shades of Pink #3: Blümchen sind schick

Bisher hatte ich mit meiner kleinen Maus noch keine großen Probleme, was die Klamottenwahl anging. Prinzipiell ist sie immer zufrieden mit dem, was ich ihr für den Tag zurecht lege. Zwar möchte sie das Endergebnis immer gern im Spiegel begutachten, aber das ist auch alles.

Natürlich hat auch sie ihre Vorlieben, was ihre Anziehsachen angeht. Sie mag Kleider und Röcke. Allerdings besteht sie nie darauf, diese anziehen zu müssen. Auch Bedrucktes steht bei ihr hoch im Kurs. Hauptsache irgendetwas ist da drauf, was genau das ist, ist ihr nicht so wichtig. Wenn es eine Minnie Maus ist, freut sie sich sehr, scheinbar ist Minnie Maus eine Stufe besser als „nur Bedruckt“. Sie weiß auch, wie eine Hello Kitty („Hallo Ketty“ ;-)) aussieht, verlangen tut sie diese Gott sei Dank nicht.

Grundsätzlich würde ich behaupten, dass sie ihre Sachen alle gleich bewertet. Es geht nicht so sehr um das Optische, eher um die Handhabung. Also ist die Sweater-Jacke besser, die sich leichter zumachen lässt.

Letztens verblüffte sie mich dann doch. Seit einiger Zeit kann sie stundenlang ihre Puppen an- und wieder ausziehen. ENDLOS. Wir haben jetzt auch schon neue Kleidung angeschafft, weil sie sich ansonsten in ihrem eigenen Kleiderschrank bedient. Das sorgt nicht nur für ein Riesen-Chaos, es ist auch einfach so, dass ihre Kleidung natürlich viel zu groß ist für ihre Puppen.

Diesmal hatte sie sich mal wieder bei ihren Sachen bedient und kam mit einer kurzen Hose an. In Rosa. Mit Blümchen. Sie hielt mir ihre Puppe hin und die Hose und wollte, dass ich ihr half bei der Aufgabe. Ich versuchte ihr zu erklären, dass die Hose doch viel zu groß sei für „Baby“. Sie sah mich skeptisch an und meinte: „Aber Blümchen sind doch schick!“

Mit dieser Aussage schien das Problem für sie geklärt. Als ob die Tatsache, dass die Hose Blümchen hat, es aufwiegt, dass Baby da einfach nicht reinpasst. Ich ergab mich also meinem Schicksal und half beim Anziehen. Meine kleine Maus strahlte über das ganze Gesicht. „Siehst du, Baby ist jetzt schick!“

Und ich war verblufft. Seit wann gab es irgendwelche Kriterien, nach denen meine Kleine ihre Kleidung bewertete? Also nach dem, was auf den Sachen drauf ist? Hoffentlich bleibt das noch so harmlos wie jetzt. Aber wahrscheinlich darf ich mich dem gleichen Schicksal fügen, wie andere Mütter/Eltern. Sprich: endlose Diskussionen, weil es nur noch bestimmte Sachen geben soll. Also nur Kleidchen. Oder nur rosa Sachen. Oder nur noch Hello Kitty. Mir graut es davor.

Aber so lange es noch nicht so weit ist, erfreue ich mich der noch einfachen Morgenroutine. Ohne Streit und Tränen. Und ich kann noch ein wetterangepasst angezogenes Kind in der Krippe angeben ohne, dass man vom dem Muster-Wirrwarr Augenschmerzen bekommt.

To be continued,

M.

Mein persönliches KITA-Desaster

Letzten Mittwoch um kurz nach 16 Uhr. Nachdem ich den ganzen Vormittag und Mittag unterwegs war, hatte ich es mir gerade gemütlich gemacht, um mir noch eine Stunde Ruhe zu gönnen, bevor ich meine kleine Maus vom Papa abholen musste. Kaum saß ich, klingelte mein Telefon. Die KITA war dran. „Ihre Tochter ist noch hier, wir wollten nur mal fragen, wann sie denn abgeholt werden sollte. Sie hatte ja auch keinen Imbiss dabei, dass hatte uns schon ein wenig gewundert.“

Ich brabbelte irgendwas in den Hörer, dass ich auf dem Weg sei, schon in ein paar Minuten wäre ich vor Ort. Wie ein kleiner Wirbelwind tobte ich durch die Wohnung, auf der Suche nach Schuhen, Tasche, Jacke und Schlüssel. Ich vergaß, das Fenster nach hinten zuzumachen und dass ich noch Essen in der Mikrowelle hatte.

Auf dem Weg zur Krippe gingen mir tausend Dinge durch den Kopf. Ich war den Tränen nahe. WIE HATTE DAS PASSIEREN KÖNNEN?? Denn eines hatte ich mir geschworen, wenn es irgendwie zu verhindern wäre, sollte meiner Tochter nicht das Gleiche passieren, wie mir als kleines Kind. Vergessen im Kindergarten, alle anderen Kinder sind schon fort, die Erzieherin telefoniert genervt hinter meinen Eltern her, von denen beide der Ansicht sind, der Andere müsste abholen und sich dann endlich einer breitschlagen ließ, mich abzuholen. DAS hatte ich für meine Tochter nicht gewollt.

Leicht panisch ging ich im Kopf durch, wie es dazu kommen konnte. Ich war fest davon ausgegangen, dass der Papa sie abholt. So hatte er es mir mitgeteilt. (ja, mitgeteilt, er spricht nämlich nicht ab, er teilt mir mit) War ihm was passiert? Oder hatte er es einfach verplant? Es klappte die letzte Zeit ja sowieso kaum noch. Nur mit Planänderungen, kurzfristigen Absagen/Umlegungen und viel Bauchweh meinerseits.

Mir ging aber auch durch den Kopf: hatte ich irgendwie etwas falsch verstanden? Naja, erst einmal ging es zur KITA. Meine Tochter? Völlig unbeeindruckt. Spätdienst hatte gerade erst angefangen und sie konnte ausnahmsweise mal mit den „Großen“ im Bewegungsraum toben. Ich bekam sie kaum in ihre Jacke und die Schuhe, so aufgedreht war sie. Die Erzieherinnen waren sehr verständnisvoll, mit leichter Sorge, ob denn beim Vater alles ok sei.

Zuhause überprüfte ich erstmal mein Handy. Letztes Telefonat war am Montagabend um 21 irgendwas. Ganze 1 min 36s. Und ich konnte mich sehr deutlich daran erinnern. Er sagte, „tuesday“ und „wednesday“. Danach motzte er rum, warum ich die Kleine nicht Dienstag selbst abholen könnte, er würde sie stattdessen lieber Sonntag nehmen. Es ging aber nicht, ich hatte etwas vor. Direkt danach schrieb ich einem Freund. Ich war eingeladen für Mittwoch – gerne auch mit meiner kleinen Maus zusammen. Entweder hätte ich nachmittags mit der Kleinen kommen können oder vormittags alleine. Da die kleine Maus ja beim Vater sein sollte, konnte ich nachmittags nicht, ich hätte es zeitlich nicht mehr rechtzeitg geschafft, die Kleine bei ihm abzuholen. Sprich: ich war mir sehr sicher, dass ihr Papa mir Dienstag und Mittwoch gesagt hatte. Er ist der Meinung, er wäre erst Sonntag drangewesen. Ansonsten kein weiterer Kommentar dazu. (Nur so nebenbei: ratet mal, wer dann spontan Sonntag abgesagt hat?)

Und ich saß nun da, fassungslos und voller Wut. Klar, meine Kleine hat keinen Schaden davon getragen, ich glaube mal, dass sie das noch nicht mal bewusst mitbekommen hat, dass sie vergessen worden ist. Aber in mir gärte es. Ich war so auf ihren Vater sauer. Es war ja nun nicht das erste Mal, dass er mir irgendwie dazwischen gefunkt hat. Und gedankenlos ist und sich jeglicher Verantwortung entzieht.

Kleiner Auszug gefällig?

  • oftmals muss ich Windeln und Feuchttücher für seine Wohnung besorgen, weil er nicht dran denkt und ich ansonsten ein zugekacktes Kind wieder bekomme
  • oftmalt telefoniere ich ihm hinterher, um zu erfahren, wann er gedenkt, die Kleine zu nehmen
  • Termine werden, nur teilweise gerechtfertigt, spontan verlegt, abgesagt oder verkürzt – egal, was ich mir vorgenommen habe
  • Ernährung findet bei ihm nach dem Zufallsprinzip statt: Instant Nudeln, Capri Sonne, Toastbrot und Eis
  • in seiner Wohnung gibt es kein Kinderspielzeug, wenn ich ihm was mitgebe, bekomme ich es samt Kind wieder
  • er teilt mir die Termine zu, wenn bei mir etwas ansteht, kann ich betteln
  • seiner Meinung nach reichen 2x die Woche jeweils 4 Stunden – meist kommt er noch nicht mal auf die

Mir stellt sich immer wieder die Frage, was ich mir noch alles bieten lassen sollte. Muss ich mir das antun? Muss ich ihm das Denken abnehmen? Die Verantwortung, den gesunden Menschenverstand? Muss ich ihm diese Form von Macht über mein Leben lassen? Dass er sich erlauben kann, was er will und ich immer kuschen muss?

Gleichzeitig wächst in mir der Wunsch, ihn einfach mal auflaufen zu lassen. Mich darauf einzustellen, dass er mich erstmal nicht „entlastet“, wenn man das überhaupt Entlastung nennen kann, bei dem Stress, der damit einhergeht. Dass ich ihn mal betteln lasse, damit ich überhaupt Zeit habe, dass er die Kleine betreut. Aber das geht nicht. Denn damit würde ich zu Lasten meiner Tochter handeln. Denn bei all diesem Hick-Hack geht es ja gar nicht darum, wie sehr ich von ihm entlastet werde, sondern darum, dass meine Tochter Zeit mit ihrem Papa verbringt. Und nur, weil wir Eltern nicht miteinander klar kommen, soll unsere Tochter das ausbaden? Das kommt mir falsch vor. Und somit bleibe ich der Fußabtreter für meinen Ex. Meiner Tochter zuliebe. Und bin oftmals einfach nur sauer. STINKESAUER!

Doch was ist die Alternative?

More is yet to come,

M.

Miteinander fängt bei mir selbst an

Vor kurzem habe ich an einer Blogparade teilgenommen zum Thema „Mommy Wars“. Habe meine eigenen Erfahrungen geteilt – privat wie in den Online-Medien. Nun ruft Munichs Working Mom dazu auf, sich aus einer anderen Perspektive dem Thema zu nähern. Also nicht all die Mütter dort draußen, dafür zu sensibilisieren, wie schnell man gefühlt angegriffen wird, sondern stattdessen zu schauen, wo man sich unterstützen kann oder vielleicht auch schon wird. Gerne nutze ich die Chance auch hier meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. 😉

Wie schon im Vorbeitrag erwähnt, finden meiner Erfahrung nach die schlimmsten Grabenkämpfe im Internet statt. Schon beim Mitlesen verkrampft sich oft alles bei mir und der Puls steigt. Theoretisch könnte ich mich von einer Diskussion zur nächsten klicken und den ganzen Tag völlig aufgebracht durch die Gegend laufen. Theoretisch. Denn hier habe ich ja alles in die Hand. Ich kann mich daran beteiligen, genauso unpassende, hetzerische Kommentare verfassen. Ich kann es aber auch einfach sein lassen. Spart mir einiges an Aufregung. Viel besser noch: ich klick gar nicht erst auf die Beitrage, bei denen unsachliche Diskussionen vorhersehbar sind. Spart Zeit und Nerven. Ganz einfach.

Denn gerade im Internet achten die wenigstens auf Höflichkeitsfloskeln und Anstandsregeln. Da wird ungefiltert gepostet, was das Zeug hält. Vielleicht auch einfach um selber etwas kompensieren zu können. Und dem muss man sich ja nicht aussetzen, wenn es einen selbst mitnimmt. Wenn natürlich der heißgeliebte Blogger in die Mangel genommen wird und man das unfair findet, kann man sich natürlich einschalten. Aber bei einem x-beliebigen Post? Es ist ganz die eigene Entscheidung.

Nächster Punkt: Baby- und Spielgruppen. Ich muss sagen, ich bin sehr gerne hingegangen. Einfach um den Kontakt zu anderen Eltern zu bekommen. Und damit meine kleine Maus auch mal unter andere Kinder kommt. Meine Familie ist so klein bzw so zerissen, dass ich einfach die einzige bin, die gerade ein kleines Kind hat. Auch im Freundeskreis war ich die einzige mit Kind. Und in mir war der Wunsch einfach auch da, mich aktiv auszutauschen im realen Leben. Mir nicht irgendwelche Storys von anno dazumal anzuhören von Mutter, Oma etc.

Und ja, im Vergleichen war ich immer ganz vorne mit dabei. Aber es war in keinster Weise böswillig!! Da ich vorab schon von Mommy Wars gehört habe, habe ich sehr stark darauf geachtet, wie ich etwas formuliere. Zuallererst war ich tatsächlich einfach nur megamäßig stolz. Darüberhinaus hatte ich aber schon im Blick, dass mein Kind nicht der Standard für alle anderen war. Ich relativierte Dinge auch, indem ich zum Beispiel auch von mir aus berichtete, was nicht so gut läuft, wo meine Kleine evtl auch einfach „hinterherhinkt“. Ich finde, dass man indem man Schwächen zugibt, ganz deutlich Zeichen setzt, dass es einem NICHT ums Konkurrieren, sondern ums Austauschen von Erfahrungen geht. Meinem Empfinden nach waren wir Mütter in meiner Gruppe alle sehr freundlich und entspannt miteinander.

Wenn ich also Tipps geben sollte an (werdende) Mütter, wäre der erste: Legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Unterstellt keine böse Absicht, nur weil sich eine Mutter/ein Vater stolz über einen Meilenstein seines Sprösslings äußert. Der zweite Tipp wäre: Achte auf die Wortwahl! Denn ein „Wie, deiner kann das noch nicht? Meiner konnte das schon mit…“ ist schon sehr verletztend. Und der dritte Tipp: Backe kleine Brötchen. Einfach mal nicht ALLES hervorheben, was der kleine Stammhalter schon kann, sonder auch mal darüber sprechen, was noch nicht so klappt, oder was dir diesbezüglich Sorgen macht.

Am schwierigsten finde ich es mit Mommy Wars im eigenen Umfeld umzugehen. Ist es nur eine flüchtig bekannte Mutter, versuche ich einfach nicht auf das Thema einzugehen. Manchmal verteidige ich mich (leider) auch. Ich mache mir meist einfach nur bewusst, dass Kinder so unterschiedlich sind und die andere Mutter mir einfach nur einen netten Tipp geben wollte, obwohl sie ja gar nicht um die Umstände weiß. Und wenn mich ein doofer Kommentar nur peripher berührt, dann rege ich mich auch nicht darüber auf. Wie soll denn die andere Mutter wissen, dass meine Tochter inzwischen die zweite Trennung von nahen Bezugspersonen durchmachen muss (erst Papa und Mama getrennt, jetzt auch Oma und Opa) und sie jetzt wieder vermehrt ihren Nuckel braucht? Und deswegen auch die Betreuungszeiten in der Krippe verkürzt wurden, weil es ihr so nahe geht? Natürlich kann ich das kommunizieren, kommt darauf an, wie ich zur anderen Person stehe. Oder ich lasse es und gehe weiter.

Bei wirklich nahen Personen wird es für mich wirklich schwierig. Zu schnell fange ich an mich zu verteidigen, zu schnell nehme ich es mir auch zu Herzen. Den einzigen Versuch, den ich machen kann, ist klar zu machen, dass ICH es so mache, wie ICH es für richtig halte. Und das bestimmte Formen von Kommentaren und Bemerkungen vielleicht lieb und fürsorglich gemeint sind, aber im Endeffekt nur verletzend sind. Denn oftmals stellen sie meine Rolle als Mutter in Frage, wenn andauernd etwas kritisch hinterfragt wird. Und das tut nunmal weh.

So, nachdem ich lang und breit darüber geschrieben habe, wie man sich selbst wappnen kann, damit einen Bemerkungen nicht sofort nahe gehen, sondern sie einfach anders eingeordnet werden, komme ich zu den Sachen, wo es schon wirklich gut klappt mit den anderen Müttern.

An erster Stelle meine Mutter. Auch wenn sie gerne mal besserwisserisch rüber kommt und hintenherum kritisiert, sie bringt mir sehr viel Wertschätzung entgegen. Sie weiß um meine Vorgeschichte, die nicht so leichte Schwangerschaft, die furchtbare Zeit nach der Geburt mit dem ganzen Beziehungsstress. Sie sieht meine Fortschritte und lobt mich dafür. Sie sieht wie ich an mir und auch an mir als Mutter arbeite und unterstützt mich. Sie sieht, wenn meine Kräfte am Ende sind und nimmt mir meine Tochter ab. Oder sie bügelt meine Wäsche, weil ich es abends nicht mehr schaffe. Und sie sagt mir immer wieder, wie toll ich das mache, trotz widriger Umstände. Sie fragt, wo ich Hilfe brauche und wie sie mich nach ihren Kräften dabei unterstützen kann. Das baut mich tierisch auf und gibt mir immer wieder die Kraft, weiter an allem zu arbeiten.

Ich habe auch eine ganz liebe Freundin, eine „Leidensgenossin“, die in vielen Dingen mit mir übereinstimmt. Wir können klare Kante miteinander sprechen, wenn es denn sein muss. Nicht wie die Axt im Walde, sondern in den Momenten, wo wir gerade offen füreinander sind. Uns verbindet vieles und das erleichtert schon einiges, wenn man sich im Minenfeld der Erziehung und Mutterschaft bewegt. Doch wir haben genug Respekt voreinander, uns auch verschiedene Meinungen zuzugestehen. Und wenn einer von uns ein Problem hat, dann wird nur gefragt, wie man helfen kann, nicht, warum es dazu kommen könnte, und hättest du es mal so und so gemacht. Wir träumen auch davon, dass wir demnächst bald direkt um die Ecke wohnen, damit wir uns mehr unterstützen können. Das Abholen der Kinder zusammenlegen, mal die eine, mal die andere. Offener sind für spontanere Unternehmungen miteinander und einfach das Notfallnetz für den Anderen. Hach.

Als dritte möchte ich auch meine beste Freundin nennen. Das mit dem Taktgefühl ist nicht so ihrs und sie hat schon den ein oder anderen Kommentar gebracht, der mich wirklich verletzt hat. Doch so langsam kommt die Einsicht, dass sie in vielen Dingen falsch lag. Dass sie als damals noch Nicht-Mutter einfach keinen Plan hatte. Und sie sich selbst so viele Dinge vorgenommen hat, von denen sie feststellen musste, dass es mit ihrem eigenen Kind in keinster Weise möglich war. Manchmal hab ich dann meine kleine persönliche Rache (ich weiß, ich sollte mich schämen). Aber in den meisten Fällen freue ich mich, dass auch meine beste Freundin jetzt Einsichten gewonnen hat und sie im Nachhinein mein Verhalten als Mutter neu bewertet. Und sieht, wie falsch sie lag. Immer wieder lässt sie durchblicken, dass sie aus ihrer neuen Sichtweise mir ihre Wertschätzung entgegenbringt. Und das freut mich einfach. Umgekehrt habe ich sie immer wieder ermutigt, wenn es nicht so lief und sie aufgebaut. Sie wiederum hat massiv auf meine Erfahrungsschatz zurückgegriffen und ein wenig Ruhe dadurch gewonnen, dass bei mir auch alles weit von PERFEKT gewesen ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass, wenn wir Mütter ein wenig darauf achten, was wir wie sagen und das Gesagte des Anderen nicht immer gleich auf die Goldwaage legen, eine wunderbare Stütze für einander sein können. Und dass wir, wenn wir unsere Zeit und Energie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verplempern, diese bündeln können für Themen, die uns alle angehen: Hebammen, Kinderbetreuung, flexible Arbeitsweise und Lebensmodelle. Lasst uns ein Herz fassen und nicht immer das Schlechteste unterstellen, sondern nur das Beste!

More is yet to come,

M.