Miteinander fängt bei mir selbst an

Vor kurzem habe ich an einer Blogparade teilgenommen zum Thema „Mommy Wars“. Habe meine eigenen Erfahrungen geteilt – privat wie in den Online-Medien. Nun ruft Munichs Working Mom dazu auf, sich aus einer anderen Perspektive dem Thema zu nähern. Also nicht all die Mütter dort draußen, dafür zu sensibilisieren, wie schnell man gefühlt angegriffen wird, sondern stattdessen zu schauen, wo man sich unterstützen kann oder vielleicht auch schon wird. Gerne nutze ich die Chance auch hier meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. 😉

Wie schon im Vorbeitrag erwähnt, finden meiner Erfahrung nach die schlimmsten Grabenkämpfe im Internet statt. Schon beim Mitlesen verkrampft sich oft alles bei mir und der Puls steigt. Theoretisch könnte ich mich von einer Diskussion zur nächsten klicken und den ganzen Tag völlig aufgebracht durch die Gegend laufen. Theoretisch. Denn hier habe ich ja alles in die Hand. Ich kann mich daran beteiligen, genauso unpassende, hetzerische Kommentare verfassen. Ich kann es aber auch einfach sein lassen. Spart mir einiges an Aufregung. Viel besser noch: ich klick gar nicht erst auf die Beitrage, bei denen unsachliche Diskussionen vorhersehbar sind. Spart Zeit und Nerven. Ganz einfach.

Denn gerade im Internet achten die wenigstens auf Höflichkeitsfloskeln und Anstandsregeln. Da wird ungefiltert gepostet, was das Zeug hält. Vielleicht auch einfach um selber etwas kompensieren zu können. Und dem muss man sich ja nicht aussetzen, wenn es einen selbst mitnimmt. Wenn natürlich der heißgeliebte Blogger in die Mangel genommen wird und man das unfair findet, kann man sich natürlich einschalten. Aber bei einem x-beliebigen Post? Es ist ganz die eigene Entscheidung.

Nächster Punkt: Baby- und Spielgruppen. Ich muss sagen, ich bin sehr gerne hingegangen. Einfach um den Kontakt zu anderen Eltern zu bekommen. Und damit meine kleine Maus auch mal unter andere Kinder kommt. Meine Familie ist so klein bzw so zerissen, dass ich einfach die einzige bin, die gerade ein kleines Kind hat. Auch im Freundeskreis war ich die einzige mit Kind. Und in mir war der Wunsch einfach auch da, mich aktiv auszutauschen im realen Leben. Mir nicht irgendwelche Storys von anno dazumal anzuhören von Mutter, Oma etc.

Und ja, im Vergleichen war ich immer ganz vorne mit dabei. Aber es war in keinster Weise böswillig!! Da ich vorab schon von Mommy Wars gehört habe, habe ich sehr stark darauf geachtet, wie ich etwas formuliere. Zuallererst war ich tatsächlich einfach nur megamäßig stolz. Darüberhinaus hatte ich aber schon im Blick, dass mein Kind nicht der Standard für alle anderen war. Ich relativierte Dinge auch, indem ich zum Beispiel auch von mir aus berichtete, was nicht so gut läuft, wo meine Kleine evtl auch einfach „hinterherhinkt“. Ich finde, dass man indem man Schwächen zugibt, ganz deutlich Zeichen setzt, dass es einem NICHT ums Konkurrieren, sondern ums Austauschen von Erfahrungen geht. Meinem Empfinden nach waren wir Mütter in meiner Gruppe alle sehr freundlich und entspannt miteinander.

Wenn ich also Tipps geben sollte an (werdende) Mütter, wäre der erste: Legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Unterstellt keine böse Absicht, nur weil sich eine Mutter/ein Vater stolz über einen Meilenstein seines Sprösslings äußert. Der zweite Tipp wäre: Achte auf die Wortwahl! Denn ein „Wie, deiner kann das noch nicht? Meiner konnte das schon mit…“ ist schon sehr verletztend. Und der dritte Tipp: Backe kleine Brötchen. Einfach mal nicht ALLES hervorheben, was der kleine Stammhalter schon kann, sonder auch mal darüber sprechen, was noch nicht so klappt, oder was dir diesbezüglich Sorgen macht.

Am schwierigsten finde ich es mit Mommy Wars im eigenen Umfeld umzugehen. Ist es nur eine flüchtig bekannte Mutter, versuche ich einfach nicht auf das Thema einzugehen. Manchmal verteidige ich mich (leider) auch. Ich mache mir meist einfach nur bewusst, dass Kinder so unterschiedlich sind und die andere Mutter mir einfach nur einen netten Tipp geben wollte, obwohl sie ja gar nicht um die Umstände weiß. Und wenn mich ein doofer Kommentar nur peripher berührt, dann rege ich mich auch nicht darüber auf. Wie soll denn die andere Mutter wissen, dass meine Tochter inzwischen die zweite Trennung von nahen Bezugspersonen durchmachen muss (erst Papa und Mama getrennt, jetzt auch Oma und Opa) und sie jetzt wieder vermehrt ihren Nuckel braucht? Und deswegen auch die Betreuungszeiten in der Krippe verkürzt wurden, weil es ihr so nahe geht? Natürlich kann ich das kommunizieren, kommt darauf an, wie ich zur anderen Person stehe. Oder ich lasse es und gehe weiter.

Bei wirklich nahen Personen wird es für mich wirklich schwierig. Zu schnell fange ich an mich zu verteidigen, zu schnell nehme ich es mir auch zu Herzen. Den einzigen Versuch, den ich machen kann, ist klar zu machen, dass ICH es so mache, wie ICH es für richtig halte. Und das bestimmte Formen von Kommentaren und Bemerkungen vielleicht lieb und fürsorglich gemeint sind, aber im Endeffekt nur verletzend sind. Denn oftmals stellen sie meine Rolle als Mutter in Frage, wenn andauernd etwas kritisch hinterfragt wird. Und das tut nunmal weh.

So, nachdem ich lang und breit darüber geschrieben habe, wie man sich selbst wappnen kann, damit einen Bemerkungen nicht sofort nahe gehen, sondern sie einfach anders eingeordnet werden, komme ich zu den Sachen, wo es schon wirklich gut klappt mit den anderen Müttern.

An erster Stelle meine Mutter. Auch wenn sie gerne mal besserwisserisch rüber kommt und hintenherum kritisiert, sie bringt mir sehr viel Wertschätzung entgegen. Sie weiß um meine Vorgeschichte, die nicht so leichte Schwangerschaft, die furchtbare Zeit nach der Geburt mit dem ganzen Beziehungsstress. Sie sieht meine Fortschritte und lobt mich dafür. Sie sieht wie ich an mir und auch an mir als Mutter arbeite und unterstützt mich. Sie sieht, wenn meine Kräfte am Ende sind und nimmt mir meine Tochter ab. Oder sie bügelt meine Wäsche, weil ich es abends nicht mehr schaffe. Und sie sagt mir immer wieder, wie toll ich das mache, trotz widriger Umstände. Sie fragt, wo ich Hilfe brauche und wie sie mich nach ihren Kräften dabei unterstützen kann. Das baut mich tierisch auf und gibt mir immer wieder die Kraft, weiter an allem zu arbeiten.

Ich habe auch eine ganz liebe Freundin, eine „Leidensgenossin“, die in vielen Dingen mit mir übereinstimmt. Wir können klare Kante miteinander sprechen, wenn es denn sein muss. Nicht wie die Axt im Walde, sondern in den Momenten, wo wir gerade offen füreinander sind. Uns verbindet vieles und das erleichtert schon einiges, wenn man sich im Minenfeld der Erziehung und Mutterschaft bewegt. Doch wir haben genug Respekt voreinander, uns auch verschiedene Meinungen zuzugestehen. Und wenn einer von uns ein Problem hat, dann wird nur gefragt, wie man helfen kann, nicht, warum es dazu kommen könnte, und hättest du es mal so und so gemacht. Wir träumen auch davon, dass wir demnächst bald direkt um die Ecke wohnen, damit wir uns mehr unterstützen können. Das Abholen der Kinder zusammenlegen, mal die eine, mal die andere. Offener sind für spontanere Unternehmungen miteinander und einfach das Notfallnetz für den Anderen. Hach.

Als dritte möchte ich auch meine beste Freundin nennen. Das mit dem Taktgefühl ist nicht so ihrs und sie hat schon den ein oder anderen Kommentar gebracht, der mich wirklich verletzt hat. Doch so langsam kommt die Einsicht, dass sie in vielen Dingen falsch lag. Dass sie als damals noch Nicht-Mutter einfach keinen Plan hatte. Und sie sich selbst so viele Dinge vorgenommen hat, von denen sie feststellen musste, dass es mit ihrem eigenen Kind in keinster Weise möglich war. Manchmal hab ich dann meine kleine persönliche Rache (ich weiß, ich sollte mich schämen). Aber in den meisten Fällen freue ich mich, dass auch meine beste Freundin jetzt Einsichten gewonnen hat und sie im Nachhinein mein Verhalten als Mutter neu bewertet. Und sieht, wie falsch sie lag. Immer wieder lässt sie durchblicken, dass sie aus ihrer neuen Sichtweise mir ihre Wertschätzung entgegenbringt. Und das freut mich einfach. Umgekehrt habe ich sie immer wieder ermutigt, wenn es nicht so lief und sie aufgebaut. Sie wiederum hat massiv auf meine Erfahrungsschatz zurückgegriffen und ein wenig Ruhe dadurch gewonnen, dass bei mir auch alles weit von PERFEKT gewesen ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass, wenn wir Mütter ein wenig darauf achten, was wir wie sagen und das Gesagte des Anderen nicht immer gleich auf die Goldwaage legen, eine wunderbare Stütze für einander sein können. Und dass wir, wenn wir unsere Zeit und Energie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verplempern, diese bündeln können für Themen, die uns alle angehen: Hebammen, Kinderbetreuung, flexible Arbeitsweise und Lebensmodelle. Lasst uns ein Herz fassen und nicht immer das Schlechteste unterstellen, sondern nur das Beste!

More is yet to come,

M.

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2 Gedanken zu „Miteinander fängt bei mir selbst an“

  1. Wie recht Du hast: Lass uns einfach zusammen halten anstatt ständig zu stänkern und vor allem zu vergleichen! Darüber habe ich auch in meinem Blog schon geschrieben. Mir geht dieser ständige Mama-Wettbewerb sehr auf die Nerven. Dabei gibt es genug Themen ,bei denen wir wirklich zusammen halten sollten!

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    1. Hab noch mal schnell zurück gelesen 😉 und wir liegen da sehr auf einer Wellenlänge. Ich finde nur, dass man bevor man wieder anfängt mit „wie kann die nur (so intolerant sein)“, am Besten bei sich selbst anfangen. Bekehren können wir niemanden, aber als gutes Vorbild ein Beispiel sein. 😉

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