Don’t mess with my routine?! Screw it!

Liest man einen Baby-Ratgeber oder fragt man andere Mütter, kriegt man fast immer diese eine Aussage: Rituale und eine feste Routine sind essentiell wichtig für Babys und Kleinkinder. Egal, ob es nun um die Schlafenszeit oder das Bettritual geht, die Essenszeiten oder die allgemeine Tagesstruktur. Immer wieder wird einem empfohlen Rituale in den Alltag einzubauen und bestimmte Routinen einzuhalten.

Und ich muss sagen, bei uns hat es super geklappt. Wo früher das ins Bett bringen eine einzige Qual war, nachdem wir ein festes Ritual hatten (damals stillen und anschließend La-Le-Lu singen – schaukelnd), fielen ihr nach zehn Minuten die Augen zu. Sie mag nicht Zähneputzen? Dann erfinde ich doch ein Lied dazu bzw entwickele lustige Abläufe, die es nicht nur zur reinen Pflichtveranstaltung machen. Und auf einmal werden Alltagssituationen entschärft und entstresst.

Nun ist sie aber kein Säugling mehr und auch schon ein recht großes Kleinkind, sie geht immerhin auf die drei zu. Die Sicherheit und Verlässlichkeit bei all diesen Ritualen steht nicht mehr primär im Vordergrund. Vielmehr versuche ich damit, den obligatorischen Wutanfällen aus dem Weg zu gehen. Was ja meist auch klappt. Meistens… Denn das Problem ist doch Folgendes. Wenn man ein Ritual oder eine Routine in den Alltag integriert, einfach nur um den Wutanfällen einer 2-Jährigen zu entgehen, dann benutzt man es ja als Vermeidungsstrategie. Und das fragile Konstrukt der scheinbaren Harmonie fällt sofort in sich zusammen, wenn der kleine Wüterich NICHT seinen Willen bekommt.

Natürlich ist es wunderbar, wenn gerade morgens alles schön entspannt abläuft. Ohne Streit, Tränen und Gebrüll. Dazu muss ich aber auf Folgendes achten: auch wenn ich auf Toilette war, SIE spült. Den Teebeutel für ihren Tee tut SIE in die Tasse. Müsli- und Cornflakespackungen werden ausschließlich von IHR geöffnet und geschlossen. Schuhe zieht SIE sich auch nur selber an. Wenn ich mir die Haare fönen möchte, holt SIE den Fön aus dem Schrank oder die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wehe, ich bin morgens mal so richtig fies verschlafen, eigentlich noch gar nicht richtig wach. Und schwupps.. Habe ich bestimmt irgendwas gemacht, was normalerweise meine kleine Maus macht. Der Morgen ist gelaufen. Definitiv.

Das Schlimmste aber ist, dass es immer mehr Situationen gibt, in denen meine Tochter bestimmen will, wie etwas gemacht wird. Und dies mit allen Mitteln versucht durchzusetzen. Mir dämmert es so langsam, woher das kommt. Deswegen betrachte ich auch in aller Ruhe unseren kleinen Rituale und versuche herauszufinden, welche tatsächlich da sind, um Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, und welche schlicht und einfach Vermeidungsstrategien sind, damit ich mir nicht immer diesen Stress antun muss.

Und, was muss ich sagen: die Liste mit den Vermeidungsstrategien ist lang. Viel zu lang. Wenn ich jetzt natürlich rigoros alles von heute auf morgen wegstreiche, dann hab ich hier die Hölle auf Erden. Wirklich! Denn meine Kleine ist eine derartige Trotz- und Wutmaus mit totalem Dickschädel… Aber hilft ja nichts. Dementsprechend fahren wir die ganzen Annehmlichkeiten runter bzw wandeln sie um. Was da heißt: ich freue mich, wenn die Kleine mir beim Frühstück machen hilft. Aber sie darf es nur, wenn sie dabei bleibt und nicht mit etwas anderem beschäftigt ist. Und auch nur, wenn ich sie dazu auffordere. Ansonsten sind es meine Aufgaben, mein Hoheitsgebiet. Es ist also meine Entscheidung, wer was wann und überhaupt macht.

Rituale und Routinen sind Gold wert, wenn man mit einem Baby, einem Säugling zu Hause oder unterwegs ist. Denn diese kleinen Wesen sind verstandesmäßig und auch sprachlich nicht so weit unseren Erläuterungen zu folgen. Da müssen Taten her, um ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Doch je mehr ein Kind verstehen und begreifen kann, desto weniger ist man auf die Wiederholungen als einziges Mittel angewiesen.

Deswegen werde ich es zukünftig auch so machen, dass ich in regelmäßigen Abständen einfach mal überprüfe, was sich da so alles eingeschlichen hat als Routine. Und was davon einfach nur Vermeidung ist. Denn wenn meine Tochter auch nur das Gefühl bekommt, sie hätte die Oberhand, dann ist sie unerträglich. Was nicht nur mordsmäßig nervig und anstrengend ist, sondern einfach unglaublich gefährlich. Ich habe keine Lust, dass sie irgendwann auf die Straße läuft, einfach weil sie der Meinung ist, ich habe nichts mehr zu sagen und sie braucht auf mich nicht mehr zu hören. Dann muss ich jetzt in den sauren Apfel beißen und mir die nächsten Wochen ihr Genöle anhören, damit es später nicht noch sehr viel schlimmer kommt.

Denn eines kann man auch in so einigen Ratgeber lesen: wenn man Regel aufstellt und sie konsequent durchsetzt, vermittelt man seinem Kind dadurch auch Sicherheit.

More is yet to come,

M.

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4 Gedanken zu „Don’t mess with my routine?! Screw it!“

  1. Konsequenz wird überschätzt… finde ich. Mein Großer kann manchmal so herrlich argumentieren, dass ich dann doch nachgebe. Das Argumentieren um Kopf und Kragen ist nämlich die Nachfolge v on den Trotzanfällen ,die nun mit dreieinhalb ein Glück nachlassen. Argumentieren ist supersüß… aber nicht unbedingt weniger anstrengend als Trotzanfall 🙂

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    1. Bei mir gibt’s auch keine Konsequenz um jeden Preis. Eigentlich muss ich mich immer selbst ermahnen, um auch nur ansatzweise konsequent zu sein. Das mit dem Argumentieren fängt jetzt auch so langsam bei uns an, natürlich noch sehr einfach gestrickt. Z.B.: Mama, warum soll ich aufstehen, es ist doch noch dunkel?! (7.20 morgens) oder: will Sandmann gucken, es ist doch dunkel! (17.40) und wenn ihr nichts einfällt: aber doch!!!

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