#momsrock: Ein Brief an meine irgendwann pubertierende Tochter

So, zum Jahresende mal wieder eine Blogparade. 🙂 Initiatorin ist diesmal Lucie Marshall . Nachdem ihr ein wunderbar kostbarer Moment zuteil wurde, indem sie in dem, was sie bisher geleistet hat als Mutter, gelobt wurde, ruft sie nun dazu auf, selber drüber zu berichten, wo wir selber oder auch andere einfach rocken als Mütter.

Dem komme ich nur allzu gerne nach (und wie immer kurz vor Deadline) und geb meinen Senf dazu. Denn gerade zum Jahresende finde ich es wichtig, ein positives Resümee ziehen zu können, um motiviert ins neue Jahr zu starten. Die ganze Selbstbeweihrauchung verpacke ich aber in einen Brief an meine Tochter. Die wird in gut 10 Jahren gerade voll in der (Vor-) Pubertät stecken und mich nur scheiße finden, da wäre so eine kleine Erinnerung schon nicht schlecht…

Meine liebe Tochter,

ich verkneife mir bewusst den Ausdruck „kleine Maus“, wahrscheinlich ist dir das inzwischen oberpeinlich und ich bekomme jedes Mal den Todesblick, wenn mir der Begriff trotzdem rausrutscht. Gerade in der Pubertät sind Mütter voll doof und scheiße und streng, insbesondere die eigene. Alles machen sie/ich falsch und wirklich gewertschätzt wird nichts, was wir getan haben, tun oder tun werden. Deswegen eine kleine Auflistung, warum ich rocke als Mutter. Und nein, du musst mich anschließend nicht cool finden. Nur ein wenig Achtung und Respekt, ok?

1. Ich habe mich für dich entschieden
Im Idealfall funktioniert das mit der Familiengründung so: ein Paar beschließt, dass für sie die äußeren Umstände stimmen und sie bereit sind ein Kind zu bekommen. Also erst die Entscheidung, dann die Zeugung. Der Zeitpunkt wird von den zukünftigen Eltern bestimmt.

Bei dir war es ein wenig anders. DU hast den Zeitpunkt bestimmt. Die äußeren Umstände waren nicht im geringsten so, dass ich den Zeitpunkt als ideal angesehen hätte. Was nicht heißt, ich wollte vor dir kein Kind. Ich wollte eins, unbedingt! Meine Hormone waren am Durchdrehen. Aber rational gesehen… So kam es, dass du ungeplant in unser Leben platztest. Und egal welchen rationalen Grund man anführen konnte, warum ich dich nicht kriegen sollte, es war mir völlig egal. Du warst mein Kind! Für dich tu ich alles. Also drauf gepfiffen, dass ich, wenn mein Fristvertrag ausläuft, arbeitslos werde. Dass dein Vater und ich gerade frisch in diese Beziehung geschlittert sind und noch gar nicht so richtig wussten, wer wir waren. Dass die Wohnung zu klein ist. Dass es Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten geben würde mit Freunden und Verwandten. Ich wollte DICH. Punkt.

2. Egal wie anstrengend Schwangerschaft und Geburt waren, für dich jederzeit wieder
Jaja, ich weiß, klischeehaft zitiert jede Mutter die so furchtbare Geburt, um die Kinder etwas demütiger zu bekommen. Aber ich will dir damit nur sagen: es war mir egal, das Wichtigste war, dass es dir gut ging. Die dauernde Übelkeit bis in 8. Monat? Geschenkt. Die Probleme mit den Weisheitszähnen? Dumm gelaufen. Die Vorwehen und die ständige Angst? Passiert. Die doch recht traumatische Geburt? Ein notwendiges Übel. Denn nur so konnte ich deine Mama werden. Und diese Ehre, dieses Glück wiegt alles auf (ja, auch die doofen Streifen, den ausgeleierten Bauch, die Extra-Pfunde und das tiefer gerutschte Dekolleté). 😉

3. Nur für dich strenge ich mich so an ein besserer Mensch zu werden
Als ich mit dir schwanger wurde, war ich noch lange nicht der Mensch, der ich gerne sein wollte. Ich hatte/habe einen Riesenrucksack mit Problemen, die ich in die Mutterschaft mit eingebracht habe. Ich weiß ich mute dir viel damit zu, wahrscheinlich immer noch, wenn du das liest. Aber ich glaube nicht, dass ich die Dinge so beherzt angegangen wäre, wenn du nicht der Antrieb dahinter wärst. Und sei bitte nicht so abschätzig, wenn du irgendwann mal weißt, in welchem Umfang ich tatsächlich noch nicht „reif“ war.

4. Wenn ich was falsch mache, entschuldige ich mich. IMMER
Ich hoffe, dass ich das auch beibehalte. Aber bisher handhabe ich es wirklich so, dass ich mich bei dir entschuldige. Wenn mir der Kragen platzt und ich laut werde. Ich keine Zeit habe für dich und du deswegen traurig bist. Wenn ich ungerecht bin, überfordert oder richtig fies down. Ich entschuldige mich dafür. Von Herzen. Und ich erkläre dir, warum – nicht als Rechtfertigung, sondern, damit du mich besser verstehst.

5. Auch wenn wir als Paar nicht funktioniert haben, dein Vater darf dein Held bleiben
Im Prinzip hätte unsere Beziehung nie funktioniert auf Dauer, unabhängig, ob nun mit dir oder ohne dich. Es gab viele verletzte Gefühle, viel böses Blut schon vor der Trennung und auch danach. Wir sind gescheitert – als Paar. Aber wir sind noch auf anderer Ebene verbunden. Als deine Eltern. Und bisher machen wir das so ganz gut, finde ich. Mir ist es wichtig, dass du deinen Papa lieben kannst, wie du es möchtest, du dich nicht mit mir solidarisieren musst, weil er mein Ex ist. Ich bin mir absolut bewusst, dass du auch sein Kind bist, ein Stück von ihm. Und wenn ich ihn ablehne, dann auch immer ein Teil von dir. Deswegen bemühe ich mich um ein bestmöglichstes Verhältnis zu ihm. Damit du dich als ein Ganzes empfinden darfst.

Von ganzem Herzen,
Deine Mama

Und da ich ja auch noch andere Mütter kenne, die meiner Meinung einen super Job machen, hänge ich das gleich mit hinten dran:

Mama, du rockst. Auch wenn unsere gemeinsame Vergangenheit an eine Achterbahnfahrt erinnert und du (aber ich auch) definitiv Fehler gemacht hast, so bist du trotzdem oder gerade deswegen ein tolle Mom. Seitdem ich dich zur Oma gemacht habe(hihi), bist du mein Fels. Du entlastest mich, wenn hier alles den Bach runter geht. Hast dir über Monate das Beziehungsdrama bei mir reingezogen. Pamperst mich, wenn ich es brauche und bist ansonsten immer für mich da. DANKE. Ohne dich wäre ich verloren.

Maus, du bist meine beste Freundin. Theoretisch bist du schon viel länger Mutter als ich. Und viel stärker als ich. Ich bewundere deinen MUT und deine Entschlossenheit, es wieder versucht zu haben, nachdem du dein erstes Kind verloren hast so spät noch in der Schwangerschaft. Du warst so tapfer in der letzten Schwangerschaft, so positiv trotz der Spritzen und der Ungewissheit. Du bist belohnt worden – endlich. Aber dein Sohn auch. Du hast soviel Geduld, viel mehr Gelassenheit als ich. Ich weiß, du hattest es nicht leicht mit dem kleinen Schreihals. Aber du machst es toll und auch richtig. Hör weiter auf deinen Bauch!

So, und jetzt du Schnuggi. Wir teilen viel, tauschen uns oft aus. Einen Blogeintrag habe ich dir zu verdanken und auch dir gewidmet. Wir beide sind unter schlechten Vorzeichen in die Schwangerschaft gestartet. Genauso wie ich kämpfst du jeden Tag gegen deine „Dämonen“, versuchst das Beste zu geben und die beste Mama für deine Kleine zu sein. Du gibst ihr Struktur, Regeln, ein wohliges Heim und so viel Liebe. Für deine Tochter steckst du so einiges ein und manchmal glaube ich, du weißt gar nicht wie stark du wirklich bist. Dann lass mich es dir sagen: Du bist stark! Und toll! Mutig und verrückt! Einfach ein klasse Weib. 😉

So, mal wieder eine recht ernste Geschichte geworden. Locker leicht kann ich halt nicht so gut. 🙂

Wünsche alles ein frohes neue Jahr! Ich hoffe euer persönliches Resümee – nicht nur in Sachen Mutterqualitäten – fällt auch zu eurem Gunsten aus. Wenn nicht, habt ihr nächstes Jahr wieder die Chance, und wenn doch: Weiter so! Und Luft nach oben gibt es immer.

M.

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