Manchmal hätte ich einfach gerne die Wahl

In den letzten zwei Wochen bin ich des häufigeren auf Blogbeitträge gestoßen, in denen sich alles um die Herausforderungen als Zwei- bzw Mehrfach-Mutter dreht. Die Unterschiede, wenn man „nur“ ein Kind hat oder halt mehr. Ich lese die Erzählungen, die Aufzählungen und Auswertungen der Erfahrungen und werde ein wenig wehmütig.

Natürlich schießt mir durch den Kopf wie ich mir ein Leben mit einem zweiten Kind vorstellen würde. Ob es Sinn machte? Verantwortungsvoll wäre in der aktuellen Situation? Um dann festzustellen, dass solche Überlegungen nutzlos sind. Ich bin alleinerziehend und Single, es bietet sich mir gar keine Wahl…

Momentan ergibt sich für mich daraus eine Art Sinnkrise. Denn es ist ja nicht so, dass ich mir als Kind schon vorgestellt habe, YEAH! Ich werde eine Single-Mom. Auch wenn die Zeit in einer „klassischen heilen“ Familie relativ kurz war bei mir, so war sie doch prägend, was die Vorstellungen bezüglich meiner Zukunft betrifft. Ich stellte mir einen Partner für mich vor, mit dem ich zwei Kinder haben würde. Heirat nicht zwingend notwendig, ebensowenig ein eigenes Haus. Beide erwerbstätig und sehr partnerschaftlich in allen alltäglichen Dingen.

Tja, es kam ja dann doch anders. Zwar habe ich nicht allen Träumen abgeschworen, aber die Realität kann ernüchternd sein. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wie die Schwangerschaft war. Auch wenn es nicht alles nach Lehrbuch verlief und ich so meine Sorgenmomente hatte – ich ruhte in mir, war rundum zufrieden. Zudem war ich voller Liebe und sehr konzentriert auf dieses kleine Wesen, dass in meinem Körper wuchs. Die Geburt war… Reden wir nicht drüber. Eine zweite Schwangerschaft war für mich nie ausgeschlossen.

Trotzdem habe ich das erste Jahr alles dazu getan, auf gar keinen Fall wieder schwanger zu werden. Zu sehr hatte ich mit meiner persönlichen Situation zu kämpfen. Beziehungsstress, Arztrennerei, Umzug und auch körperlich brauchte ich einige Zeit mich zu erholen. Meinem Körper war das allerdings piepegal. Trotz zweistündigen Stillrythmus (ja, auch nachts…) hatte ich nach 6 Wochen bereits meinen ersten Eisprung. Und dann nach 8 Wochen – ihr wisst schon.

Dann um den ersten Geburtstag meiner kleinen Maus wurde die Trennung offiziell. Es ging nicht mehr, er musste ausziehen. Und nach wie vor war der Gedanke, in dieser Situation schwanger zu werden, Grund für Bauchschmerzen und nächtliche Albträume. Auf gar keinen Fall!

Inzwischen habe ich mich an das Leben einer Alleinerziehenden gewöhnt. Die kleine Maus geht in die Krippe, ich habe zwischendurch Zeit zum durchpusten. Meine persönlichen Belange habe ich im Blick und einiges, an dem ich noch arbeiten muss, habe ich bereits in Angriff genommen. Zudem ist das liebe Kind bald schon drei – und damit schon verdammt selbstständig. Ich bin angekommen in meinem Leben, auch wenn ich noch nen riesen Berg an zu schaffenden Dingen vor mir habe.

Auch habe ich für mich selbst beschlossen, auf unbestimmte Zeit Single zu bleiben. Nicht nur, weil ich sowieso so gut wie nie ausgehe und meine Chancen jemand Nettes kennen zu lernen eher gering sind. Sondern einfach, weil ich auf niemand Zusätzliches Rücksicht nehmen möchte. Meine Tochter soll nicht zurückstecken müssen. Ich möchte an mir arbeiten, mich weiter entwickeln. Auch möchte ich weiterhin einen so unbelasteten Umgang mit meinem Ex pflegen. Und wenn er mal Unterstützung braucht, einfach für ihn da zu sein. Da brauche ich niemanden, der dann noch etwas von mir fordert oder mit mir diskutieren will. Ok, klar, ein neuer Partner könnte eventuell eine Hilfe sein, aber bei meinem Männergeschmack… 😉

Es gefällt mir, keine Kompromisse machen zu müssen. An mir zu arbeiten, Fortschritte zu machen und das alles aus mir heraus – ohne die Hilfe von jemand anderem. Zu wissen, dass die Person, die ich später mal sein werde, die ist, die ich sein wollte. Ohne beeinflusst worden zu sein.

Allerdings…

Jemanden zu haben, mit dem ich meine Gedanken und Gefühle teilen kann, der mit mir die Last der Entscheidungen trägt, wäre schon schön. Insbesondere dieses eine Gespräch führen zu können… Wäre jetzt nicht die optimale Zeit für ein zweites Kind? Ein kleines Geschwisterchen für meine gar nicht mehr so kleine Maus? – Mir geht es gar nicht darum, dass ich ein „Ja, wenn nicht jetzt, wann dann?“ zu hören bekomme. Ich würde so gerne die Möglichkeit besprechen. Einfach die Wahl haben, egal, ob der Kinderwunsch umgesetzt wird oder nicht.

Im Endeffekt kann ich mir die Antwort selber geben. NEIN, jetzt ist bestimmt nicht die richtige Zeit. Ich bin alleinerziehend und Single. Nach wie vor ohne Job. Ich will mich fortbilden, meine beruflichen Möglichkeiten verbessern. Auch an mir muss ich arbeiten. Führerschein, Psyche und Körper. Mein Notfall-Netz ist wahnsinnig klein und nicht sehr belastbar. Nochmal drei Jahre raus? Dann wird das beruflich nichts mehr.

Und doch… Ein Teil von mir möchte trotzdem ein Kind. Oder zumindest eine Perspektive, dass es irgendwann noch mal dazu kommt. Vielleicht ist das das Schwerste an der ganzen Geschichte. Nicht nur, dass mir die Wahl gar nicht bleibt, weil ich einfach keine habe, sondern dass ich auch nicht die gedankliche Beruhigung habe, dass ich später mal eine Wahl haben könnte.

More is yet to come,

M.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s