Liebe Stiefmama

Das folgende ist ein Brief an meine verstorbene „Stiefmama“. Es fiel mir sehr schwer diesen Text zu schreiben, weswegen ich ihn auch erst einige Wochen nach dem tatsächlichen Geburtstag vollenden und veröffentlichen kann. Warnung: der Text ist hochemotional, eine Liebeserklärung an eine wunderbare Frau, die viel zu früh aus ihrem Leben schied. Eines, das sie mit Inbrunst zu leben wusste.

Liebe Stiefmama,

es fällt mir schwer Dich so zu nennen. Nicht weil Du das (im positiven Sinne) warst, sondern weil ich Deinen Namen hier nicht nennen werde, dabei habe ich den immer für Dich genutzt.

Bald sind es drei Jahre, seitdem Du von uns gegangen bist. Aber dazu schreibe ich vielleicht mehr, wenn denn Dein Todestag ansteht. Heute ist Dein Geburtstag. Mein Handy erinnert mich nach wie vor daran, ebenso wie Facebook. Und ich finde es gut so. So kann ich Dir gedenken, Dir, Deinem Wesen. Und nicht dem Krebs, der Dich aufgefressen hat.

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Geburtstagsblumen (Bildrechte mamamitmacken)

Noch bevor Du zu meiner inoffiziellen Stiefmutter wurdest, kannten mein Dad und ich Dich schon. Du warst eine selbstbewusste, lebenshungrige Frau. Ein wenig verrückt, offen und manchmal auch anstrengend. Auch warst du Mutter, Mutter von drei ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten. Nicht alles was du tatest, fand ich gut oder richtig so, aber es war halt Dein Weg, der für Dich gepasst hat.

Wir kannten Dich schon vom Sehen, doch wirklich in Kontakt getreten sind wir erst, als ich schon volljährig war. Denn wir teilten eine Leidenschaft: auf Konzerte gehen. Um genauer zu sein, auf Konzerte von T.M.Stevens. Du kanntest ihn tatsächlich persönlich, ich ihn nur von den Konzerten und den Autogrammen im Anschluss. Wenn wir mal wieder auf einem Konzert waren, hatten wir immer eine schöne Zeit. Zwar konntest Du nie ein Ende finden und wir mussten Dich zum Gehen zwingen, aber es war einfach genial.

Enger wurden der Kontakt, als ich anfing zu jobben. Du warst häufiger mein Gast und wenn nicht so viel los war, haben wir interessante Tresengespräche geführt. Da fing es an, die Entwicklung von Bekannten zu Freunden. Ich lernte deine Kinder kennen, die ja alle jünger waren als ich. Aber nicht so jung, dass sie mich als Deine erwachsene Freundin sahen. Auch für sie wurde ich zur Ansprechpartnerin, zur Freundin.

Nach einer Weile wurdest du sogar meine Kollegin – aber nur ganz kurz, da ich mich dann anders orientiert habe, um was Ordentliches zu machen, sprich eine Ausbildung.

Erst nachdem ich zu Hause ausgezogen war, wurde das zwischen Dir und meinem Vater mehr. Mich freute es sehr. Zum Einen mochte ich Dich wirklich gern und ich wusste, dass Du als Stiefmama echt total cool und entspannt sein würdest. Zum Anderen tatest du meinem Vater gut. Zwar ging bei Dir nichts ohne Drama, aber das warst halt Du. Du gabst meinem Vater Halt, einen familiären Rahmen. Du hast in gefordert und aus seinem Schneckenhaus geholt. Auch dass Deine Kinder mit einem Schlag zu meiner erweiterten Familie wurden, machte mich glücklich.

So verrückt und anstrengend Du auch manchmal warst, Du hast meinem Vater und mir einen sicheren Hafen geboten.

Mit der Krebsdiagnose änderte sich vieles für Dich, gerade körperlich. Die Chemo, die Bestrahlung und die Operation hinterließen ihre Spuren. Mental warst du bemerkenswert entspannt und gelassen – jedenfalls nach außen hin. Du versuchtest mit Deiner positiver und unbekümmerten Einstellung den Krebs hereinzulegen. Im Endeffekt ließ er sich aber nicht austricksen…

Da durch die Behandlungen das Thema Kinder für Dich nun durch war, legtest Du Deinen Fokus auf Enkelkinder… Und damit auf mich als Älteste! Wir scherzten oft darüber, dass Du mir den passenden Papa für die Mission suchen solltest, damit ich Dich dann zur Oma machen könnte.

Und mit einem Mal ging alles ganz schnell. Ich war schwanger. Als Einzige aus meiner Familie hast Du dich sofort gefreut. Du musstest nichts verdauen, Dich nicht an den Gedanken gewöhnen. Und dafür bin ich Dir dankbar. Denn so plötzlich es auch kam, Du warst unvoreingenommen und unbekümmert wie immer. Als du dann meinen Freund und damit den Vater Deines zukünftigen Enkelkinder kennen gelernt hast, hast Du ihn gleich für Dich eingenommen. Du hast es ihm leichter gemacht, eine Verbindung zu meiner Familie zu bekommen.

Besonders stolz bin ich darauf, dass Du Dein Enkelkind noch kennen lernen durftest. Es war ja tatsächlich ein Kopf – an – Kopf – Rennen, um das noch zu schaffen. Und Du hast glaube ich alles daran gesetzt den Krebs soweit in die Schranken zu weisen, damit Du endlich Oma werden kannst. Hier auf Erden.

Was mir bleibt? Die Erinnerung an Dich. Die Liebe, die zwischen uns herrschte. Die Freude, das Verständnis zwischen uns. Und Dein Erbe. Irgendwann werde ich der kleinen Maus erklären, dass es dich gab und auch immer noch gibt. Nur anders halt. Und immer, wenn mir etwas Schönes widerfährt, werde ich an Dich denken. Denn noch immer, nach fast 3 Jahren, habe ich den Impuls Dir mit als Erstes etwas zu erzählen, wenn es mich freut. Ich hoffe du hörst zu.

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Bildrechte mamamitmacken

Du fehlst. Du bist immer in meinem Herzen!

Happy Birthday!

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Was bedeutet Erwachsen sein?

Eigentlich hatte ich ganz was anderes geplant für die nächste „Veröffentlichung“, aber da hat mich folgender Artikel einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Er ist Sinnbild für so viele andere Artikel, die momentan veröffentlicht werden, um auf der heutigen Generation herumhacken – gerne auch mal nur auf den Eltern.

Bevor ich inhaltlich werde, muss ich erst einmal meinem Frust Luft machen. Warum auch immer, aber ich habe das Gefühl, dass es medial so richtig in ist, Elternbashing zu betreiben, im Notfall die ganze Generation runterzumachen. Ob nun „Latte-Macciato-Mütter“,“ Helikoptereltern“, „Generation Y“ oder jetzt die „Generation Nabelschnur“: Hauptsache das Kind hat nen Namen. Dann raus mit dem Prügelstock und gib ihm.

Wäre es mit einem Augenzwinkern geschrieben und nicht omnipräsent medial vertreten, dann würde mich das alles ja nicht stören. Aber aus meiner Sicht nimmt das immer mehr zu. Wir geilen uns daran auf, dass die nachkommende (Eltern-)Generation nichts auf die Reihe bekommt. Vermeintlich. Dass man mit einer pauschalisierenden Sichtweise auch diejenige diskreditiert, die es anders/besser machen, interessiert ja nicht.

Ja klar, früher war alles besser. Aber ganz ehrlich? Auch nicht wirklich, gell? Und was will man damit erreichen, die heutige Generation als Prügelknaben hinzustellen? Garantiert nicht das Leben erleichtern! Und durch die Globalisierung werden wir (ja ich zähle mich auch dazu, deswegen trifft es ja nen Nerv bei mir) schon genug verunsichert, da brauchen wir nicht noch die „Gesellschaft“ im Nacken, die uns scheinbar die ganze Zeit verurteilt und der wir nichts Recht machen können.

Und jetzt werde ich mal inhaltlich. 😉

Prinzipiell soll ja nur die Frage aufgeworfen werden, wie eigenständig man sein muss, um als Erwachsen zu gelten. Aufgrund der längeren Schul- und Ausbildungszeit verschiebt sich das Auszugsalter nach hinten, da vorher eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schwer möglich ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass es tatsächlich mehr Nesthocker gibt, die „Hotel Mama“ weit über die tatsächliche Notwendigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich finde ich diese Beobachtungen und Interpretationen nicht falsch. Auch die Herangehensweise finde ich nicht falsch. Doch dann fängt es für mich an zu kippen. Erst wird erwähnt, dass selbst nach dem Auszug die Kinder weiterhin engen Kontakt zu den Eltern pflegen, sogar gemeinsame Urlaube planen. Danach wird der Bogen zu den „wahren“ Nesthockern geschlagen, die sich absichtlich in die Abhängigkeit zu den Eltern begeben aus Bequemlichkeit. Am Schluss endet der Bogen bei den Eltern, die aus narzisstischen Gründen ihre Kinder unterstützen, emotional wie finanziell. Zwar wird auch angegeben, dass aufgrund der Globalisierung die Kindergeneration stark verunsichert ist aufgrund der Unüberschaubarkeit und Unplanbarkeit der zukünftigen Karriere. Es endet offen mit der Frage, ab wann man erwachsen ist, aber irgendwie…

… ja, bekomme ich als Leser das Gefühl, dass eine gewisse Nähe zwischen Eltern und Kindern ab einem bestimmten Alter nicht mehr angemessen ist. Warum?

Nachdem wir jetzt die Freiheit genossen haben, die die Globalisierung uns möglich gemacht hat, stellen wir so langsam fest, dass es schon von Vorteil ist, Wurzeln zu haben. Alles ist so unbeständig, so schnelllebig und wechselhaft, da tut es gut einen verlässlichen Hafen zu haben. Die Anforderungen an uns als Person, Frau, Mann, Eltern, ArbeitnehmerIn, ArbeitgeberIn werden immer mannigfaltiger und auch anspruchsvoller. Widersprechen sich sogar. Warum dann nicht Rat und Unterstützung suchen bei jemanden, der mir geholfen hat zu dem zu werden, der ich bin?

Historisch brauch man gar nicht so lange zurückgehen, da hielt man zusammen in der Familie, als Clan. Erziehung war Familiensache, nicht nur Elternsache. Man unterstützte sich, man verließ sich aufeinander. Und nachdem man als Eltern die Kinder versorgt hat, hoffte man im Alter darauf, dass sich die Sorge umkehrte. So ganz ohne Grundsicherung und Rente…

Meine Nachbarin ist um die 80 und erzählt völlig wertungsfrei, dass ihre eigene Mutter mehr Erziehungsarbeit geleistet hat als sie selber. Denn sie selbst war arbeiten, ihre Mutter nicht. Und es konnte nur funktionieren mit dem Lebensunterhalt, wenn die ganze Familie mitzog. Was ist passiert in unseren Köpfen, dass wir die Familienzugehörigkeit kappen wollen, wenn die Kinder „erwachsen“ sind? Woher kommt das, dass wir denken, wir emerging adults müssen alles alleine hinbekommen? Ohne Orientierung und Hilfe? Denn wenn wir nach Rat suchen, um Unterstützung bitten, dann sind wir nicht erwachsen? Nicht abgenabelt genug? BITTE?!

(Wahrscheinlich genau aus dem Grund, warum ältere, erfahrenere ArbeitnehmerInnen nicht mehr so wertvoll sind, wie frische Kräfte. )

Wo es früher ein ganzes Dorf brauchte, um ein Kind groß zu bekommen, sollen jetzt die Eltern reichen. Aber bloß nicht mit der Hilfe der Großeltern! Nein, Besuchsomis und -opis müssen reichen. Dafür gibt es ja die staatliche Kinderbetreuung. Und die Doppelverdiener-Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um alles hinzubekommen. Oder wie in meinem Fall: die Alleinerziehende, die im System Hartz 4 gefangen ist. Aber sich seiner „Ressourcen“ bedienen, um sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen? Gerne, Hauptsache du verlässt dich NICHT auf deine Eltern dabei.

Momentan geht mir die mediale Aufbereitung, was die „heutige (Eltern-) Generation“ anbelangt echt auf den Keks. Ja, hinterfragt bitte, was wir so machen und wie wir es machen. Werft Fragen auf, macht euch auf die Suche nach Antworten. Aber bitte,BITTE, hört auf uns in Schubladen zu stecken und uns abzukanzeln! Wir wissen doch zum Teil selbst nicht mehr wonach wir uns richten sollen. Gebt uns doch Raum, einen Weg für uns zu finden. Jeder den seinen. Ganz viele. Und hört einfach auf uns die Türen zuzuschlagen. Denn mit jeder „Verurteilung“ nehmt ihr uns einen Weg. Nicht überbehüten! Nicht vernachlässigen! Vollzeit! Teilzeit! Keine Kaffee-Getränke! Nicht öffentlich stillen! Kein öffentliches Familienleben!

Ja, es nervt. Wirlich.

So, als Nachsatz  nochmal zu dem Artikel. Er war nicht so schlecht. Er hat sogar die richtigen Fragen gestellt. Nur sich leider hinreißen lassen zu pauschalisieren. Und sich selbst die Möglichkeit genommen, vorurteilsfrei in die richtige Richtung zu weisen. Eine Diskussion anzuregen ohne vorgefasste Meinung. Er hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.

More is yet to come,

M.

Kindermund #5

1. Beim Ins-Bett-bringen: „Mama, ich bin in dir verliebt. Und morgen früh will ich mit dir verheiraten.“   *hach* ❤

2. 23.52 Uhr. Es schallt aus dem Schlafzimmer: MAMA!
„Bist du aufgewacht, Spatzi?“ – „Nein“
„Schläfst du noch? “ – „Ja.“

Kinderlogik.

3. „Manche Mamis und manche Omis müssen sich manchmal nicht unterhalten.“ – Tischgespräche unerwünscht. :-/

4. „Weißt du, wer morgen Geburtstag hat?“
– „Papa!“
„Nein, der hatte schon.“
– „Oma?“
„Nee, die hatte auch schon.“
-„Opa??“
„Nein.“
-„Wer dann?“
„Die Mama.“
-„Und wann bin ICH endlich dran?!“

Kind geht schmollend ab.

5. Ich ziehe mich morgens an, die kleine Maus schaut zu.
„Mama, nicht mit meinem BH spielen!“
– „Das ist aber meiner. Ich zieh den doch nur an.“
„Dann gib mir einen kleinen BH. Brauche auch einen!“
– „Dafür muss man aber schon groß sein.“
Sie streckt die Arme nach oben und reckt sich.
„Siehste, ich bin schon ganz groß.“
– „Noch nicht groß genug, du hast ja jetzt auch noch keinen Busen.“

Sie schaut an sich herunter. Stellt fest, dass da tatsächlich kein Busen vorhanden ist.
„Und wann hab ich auch einen Busen?“
-„Erst kommst du nach oben in den großen Kindergarten. Dann in die Schule. Und wenn du in der Schule zu den Großen gehörst, dann kriegst du auch einen Busen. Und einen BH.“
„Ich habe aber ein bisschen Angst vor der Schule…“
-„Im Sommer kommst du zuerst nach oben in den Kindergarten. Das mit der Schule dauert noch.“
Erleichterung macht sich breit in ihrem Gesicht. Sie überlegt eine Weile. Ich bin inzwischen angezogen. Dann sieht sie mich auf einmal skeptisch an.
„Mama, bist du denn überhaupt in der Schule?!“
-„Nicht mehr, aber früher mal. Hab meinen Busen ja schon etwas länger.“
Über die Worte dachte sie eine Weile nach und dann war erstmal gut… 😀

Murphys Law schlägt zu

Die meisten Eltern kennen das, sobald man sich etwas vornimmt – ob beruflich oder privat – eigentlich kommt immer etwas dazwischen. Kind krank, KiTa hat spontan zu oder der Babysitter kann nicht kommen. Im Notfall hat man sich nach wochenlanger Kinderpflege selbst angesteckt und muss alle Pläne über Bord werfen. Dieses Prinzip ist auch bekannt als Murphys Law.

Und in letzter Zeit scheint dieses ungeschriebene Gesetz zu gerne bei mir in Aktion zu treten. Wie gesagt, da bin ich bestimmt nicht die Einzige, angekotzt sein darf ich (und auch andere Betroffene) trotzdem. Besonders wenn es mich so geballt trifft, dass ich schon fast glaube, dass sich das Schicksal gegen mich verschworen hat. So kommen dann auch Tweets zustande wie:

Aber lasst mich am Anfang beginnen. Wer keine Lust auf meinen Jammerpost hat, kann jetzt auch gerne wegklicken. Verstehe ich. Ehrlich. 😉

Ehrlich gesagt fing es ja mit meinem Ausnahmezustand hier zuhause an. Die kleine Maus hatte es wirklich schlimm erwischt und wollte/brauchte die Extraportion Mama. Was ich ihr gerne gewährt habe, soweit es mir möglich war. Was natürlich geschlaucht hat, wenn das 17kg-Kind permanent am Körper sein möchte. Kuschelnd, kneifend, leidend. Oft auch nur völlig groggy am Dösen. Leider stand aber genau in der Zeit ein wirklich wichtiges Vorstellungsgespräch an. Auf das ich mich noch nicht ausreichend vorbereitet hatte.

Seit Geburt meiner Tochter bin ich arbeitslos. Mein Fristvertrag lief relativ parallel zum Mutterschutz aus. Und es machte keinen Sinn, einen Folgevertrag zu schließen. Sowohl aus meiner Sicht als auch aus der meiner Chefin. Schon vor meiner Schwangerschaft wusste ich, dass meine Ausbildung nur die Grundlage sein soll, nicht das „angestrebte Ende“ meiner Laufbahn. Ich hatte auch schon etwas im Auge, dass mich reizte. Und dort habe ich mich dann auch beworben. Inzwischen auch ein zweites Mal. Diesmal begleitet von einer optischen Anpassung (Business-Outfit) und vorherigem Bewerbungscoaching. Denn die Stellen sind heiß begehrt. Mindestens 10 Bewerber auf 1 dualen Studienplatz. Auch alles professionell mit Assessment-Center und Psychologen-Gesprächen.

Mit der Hilfe meiner Mutter bekam ich das auch alles ganz gut hin. Wir zogen quasi kurzfristig ein, wechselten uns im Kinderdienst ab. Und ich zog morgens los zu meinem Bewerbungsgespräch und ließ eine komplett aufgelöste Maus mit knapp 40 Fieber bei meiner Mutter zurück. Mir brach zwar fast das Herz, aber es ging nicht anders. Gebracht hat es übrigens nichts, bin trotzdem nicht genommen worden.

Noch bevor meine Tochter richtig gesund war, kam dann mein Vater ins Krankenhaus – geplant zur Operation. Ich sollte die Katzen versorgen. Was an sich logistisch möglich sein sollte, aber mit krankem Kind zuhause schon schwieriger wurde. Wieder sprach ich mich mit meiner Mutter ab, damit ich neben meinen normalen Terminen auch noch die Katzenversorgung auf die Reihe bekam, obwohl mein Töchterchen zuhause war.

Bereits da merkte ich schon, dass meine Kräfte nicht endlos waren und mir dieses ganze Drumherum-Organisiere ganz schön auf die Nerven ging. Natürlich verschob sich bei meinem Vater auch so einiges im Krankenhaus und aus geplanten 6 Tagen Aufenthalt wurden dann mal eben 2 Wochen. Jeden Tag wartete ich auf die neuesten Entwicklungen aus dem Krankenhaus, ob jetzt mein Vater wieder nach Hause dürfte oder nicht und wann denn nun endlich operiert wurde. Informationen flossen nur spärlich und ich organisierte mich um die Ecke. Dass ich zwischendurch Geburtstag hatte, juckte mich nicht wirklich. Zwar hatte ich auch Besuch und wenigstens „etwas“ Geburtstag, aber es fühlte sich nicht so an. Ehrlich gesagt habe ich zum Ende hin nur geheult.

Und während ich so schon am Jonglieren war mit meinen privaten Terminen und der Katzen-Verpflichtung, stand dann der Urlaub meiner Mutter an. Ihr sei er ja gegönnt, sie hatte ihn sich redlich verdient. Aber sie ist praktisch die einzige Stütze, die ich habe bzw auf die ich mich verlassen kann. Und dank Murphys Law überschnitt sich jetzt plötzlich alles.

Mit ein wenig Fatalismus bereitete ich mich darauf vor es irgendwie hinzubekommen. Seit Montag ist meine Mama nun weg. Und gestern kam dann der nächste Knüppel, den mir das Schicksal zwischen die Füße warf: spontane Brechattacken meiner kleinen Maus. Morgens um 6 beginnend. Und mein Termin war um 10. Mit Kind nicht möglich. Spontan abgesagt, hätte mich das 40€ gekostet. Und nu?

Zumindest hier hatte ich etwas Glück. Nicht nur war mein Ex schon wach, als ich morgens ne Nachricht schrieb, er hatte sogar Zeit. Nur musste er zuhause bleiben, er wartete auf die Telekom. Zwar konnte er unsere Tochter betreuen, doch ich musste sie irgendwie zu ihm schaffen. Also stand ich dann um 8 Uhr mit ihr an der Bahn-Haltestelle, bewaffnet mit Taschentüchern und Plastiktüten. Denn sie übergab sich nach wie vor im 10-Minuten-Takt. Muss ich die Blicke beschreiben, die ich geerntet habe? Wie ich da meiner Tochter die Tüte vorhielt, sie dabei in den Arm nahm, den Kopf streichelte, anschließend ihr Gesicht abputzte, die Tüte entsorgte und dann tatsächlich mit den Öffis fuhr?! Freundlich wie meine Tochter war, spuckte sie nur außerhalb von Bus und Bahn. Und ich kam nach wie vor sauber mit ihr bei ihrem Vater an.

Auf dem Weg zu meinem Termin schrieb ich ihm noch eine „Gebrauchsanleitung“, da ich eine relativ starke Vermutung hatte, warum sie spuckte und ich weiß, wie das zu händeln ist.

Im Endeffekt kann ich mir jetzt zwar selber auf die Schulter klopfen, dass ich diese letzten 3 oder 4 Wochen überstanden habe. Dass ich nichts absagen musste, alles irgendwie unter einen Hut bekam und meine Notfall-Organisationen auch alle geklappt haben. Aber es hat auch Spuren hinterlassen. Gerade nervlich und auch kräftemäßig. Zwischendrin kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht doch eine Mutter-Kind-Kur beantragen sollte. Gerade, nachdem dass mit dem dualen Studium doch nichts geworden ist. Hätte dann ja wieder Zeit. Lasst mich mit zwei herrlichen Tweets enden:

More is yet to come,

M.

Shades of Pink #7: Die Herzensbrecherin

Bei meiner Tochter habe ich inzwischen festgestellt, dass sie in den meisten Fällen lieber mit Mädchen spielt. Gerade in der Krippe gehört sie zu den schüchternen und zurüchhaltenden Kindern und fühlt sich oftmals von allzu burschikosen Jungs überfahren. Allerdings gibt es fast immer einen Jungen, der etwas Besonderes für sie ist.

Ziemlich genau letztes Jahr hatte sie schon ihren ersten Freund. Er war der Erste, der begeistert ihren Namen rief, wenn ich sie in die Krippe brachte. Auch drehten sich ihre Erzählungen fast nur um ihn. Zumindest fiel sein Name ziemlich oft. Letztes Jahr Fasching überraschten die Beiden uns alle ganz schön. Denn der Verehrer stellte sich ganz dicht vor meine kleine Maus, schaute ihr tief in die Augen, tätschelte ihr etwas unbeholfen die Wange und küsste sie. KÜSSTE SIE. Ja… das kam überraschend. Und es sah nicht so aus, als wäre das das erste Mal.

Wie das so ist mit den jungen Leuten, war diese Liebelei nicht von Dauer. Der Verehrer wurde immer aufdringlicher und fordernder und sie fand es irgendwann einfach nur nervig. Irgendwann war ER kein Thema mehr für sie. Das endgültige Aus war dann sein Übertritt in die Kindergartengruppe.

Meine Tochter widmete sich fortan wieder ihren Freundinnen, es wurden Teekränzchen abgehalten. Vielleicht wurde auch ein wenig getratscht? 😉

Zwischendurch fand sie dann auch wieder einen männlichen Weggefährten. Ein ganz sanfter, lieber Junge. Er nahm auch teil an den Teekränzchen und meine Kleine ließ sich zeitweise ein wenig von ihm bedienen (er schob sie im Dreirad immer an). Vielleicht ist er auch einfach ein Kavalier der alten Schule.

Nun hat sie wieder einen neuen Verehrer. Diesmal mit typischer Kinder-Werbe-Manier: man gerät sich andauernd in die Haare. Wochenlang gab es meine Mama, meine Hose, meine Oma, meine Jacke-Duelle zwischen den Beiden. Oft erzählte sie mir, dass er ihr etwas weggenommen oder einfach nur so geärgert hat und sie die Erzieherin holen musste, damit sie mit ihm schimpfen.

Und auf einmal der Wendepunkt. Jeden Morgen schaut sie, ob an seinem Gaderobenhaken schon seine Jacke hängt. Wenn er nach ihr gebracht wird, ruft sie laut nach ihm. Ist er vor ihr da, geht sie direkt zu ihm hin und nach kürzester Zeit halten sie Händchen und spielen zusammen. Kaum ist sie zuhause spricht sie nur noch von ihm. Es ist wirklich herzerwärmend. ❤

Sie benutzt jetzt auch seinen richtigen Namen und nicht mehr „nur“ seinen Spitznamen. Und wie es aussieht, ist die Anziehungskraft beidseitig. Wenn ich sie frage, wer zu ihrem Geburtstag kommen soll, nennt sie immer ihn zuerst. Erst bei Nachfragen auch ihre beiden Freundinnen.

Irgendwie ist es ja wirklich niedlich, wenn Kinder so eng zusammengeschweißt sind. Andererseits frage ich mich als Mutter, wo DAS bitte noch hinführen soll. Wenn sie schon mit zwei Jahren dem anderen Geschlecht den Kopf verdreht. Gerade die Sache mit dem Küssen…. 😉

To be continued,

M.

Shades of Pink #6: Call me Rumpelstilzkin

Wie schon Anfang des Jahres angekündigt, kommt von meiner Seite noch eine Aktualisierung zum Trotzverhalten meiner Tochter. Sie hatte ja immer schon einen … nun ja, nennen wir es starken Willen. Dem trägt sie weiterhin Rechnung. Und zwar phasenweise in einer Heftigkeit, die mich an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringt.

Im Vorfeld hatte ich ja schon einmal berichtet, dass ich mit dem Versuch, mit Ritualen und wiederholenden Abläufen die Wutanfälle zu begrenzen, ordentlich vor die Wand gefahren bin (wer es noch einmal nachlesen möchte, hier geht es zum Link). Also habe ich da ein wenig ausgemistet und die Rechte meiner kleinen Tochter ordentlich beschnitten.

Und tatsächlich, es würde besser! Jetzt darf ich wieder selber bestimmen, wer die Spülung betätigt. Zwar waren die Wochen der Umstellung nicht gerade einfach – es war ohrenbetäubend -, aber im Endeffekt hat es sich gelohnt. Natürlich habe ich nicht alles abgeschafft, was Ordnung in den täglichen Tagesablauf bringt, aber wir sind jetzt flexibel. An manchen Stellen nutze ich feste Rituale aber auch nach wie vor. Zum Beispiel beim Bett-Geh-Ritual. Das ist normalerweise sehr starr, damit sich die kleine Maus auch auf ungeliebte Dinge einlässt (Schlafanzug anziehen, Zähne putzen).

Dafür sind die Auslöser für ihre Wutanfälle nun unvorhersehbarer. An manchen Tagen reicht es nur, wenn ich ihre Mütze zurecht rücke, dass sie komplett ausflippt. Und ich meine AUSFLIPPT! Lautes Gebrüll, Stampfen, Um-sich-Schlagen. Sie schubst, schlägt und läuft weg. Auch wirft sie regelmäßig Dinge durch die Gegend oder schlägt die Türen zu. Ein Wutzwerg ohne Gleichen.

Oder halt wie Rumpelstilzchen, als die Königin seinen Namen erriet. Was meine Kleine tatsächlich im Wutanfall mal zitierte („Das hat dir der Teufel gesagt!“). XD

Was die Sache auch nicht gerade leichter macht, ist, dass sie das Kreischen wieder für sich entdeckt hat. Ich sage wieder. Denn als Baby weinte und schrie sie nicht. Ab dem 4. Monat bis fast ein Jahr kreischte sie. Und tut dies phasenweise immer wieder. Zumindest bin ich aktuell ganz froh, dass wir diese dickwandigen IKEA-Gläser haben, so muss ich mir nur Sorgen um meine Ohren machen und nicht auch noch ums Geschirr.

Die Frage ist, wie ich die momentane Lage ein wenig verbessern kann. Nachdem sich unser Nachbar wegen der Türschlagerei beschwert hat (zugegebenermaßen zu recht), lässt die kleine Maus das jetzt tatsächlich. Aber die Heftigkeit der Wutanfälle bleibt. Und die Tonlage. Da ich ja selber auch ein recht großer Wutzwerg bin, kann ich ihr da auch nicht so großartig ein Vorbild sein. Zwar biete ich ihr immer wieder an, sich einfach mal an einem Kissen abzureagieren, aber sie weigert sich kategorisch. Sie ist lieber laut und sehr ungehalten. Dementsprechen keifen wir zwei – naja eineinhalb – Weiber uns häufiger mal an.

Da mein liebes Töchterlein noch nicht ganz drei ist, mache ich mich noch auf eine harte Zeit gefasst. Wie lange waren die gleich nochmal in der Trotzphase? Oder geht das kontinuierlich in die Pubertät über?

To be continued,

M.

Gebt acht, was ihr sagt

Momentan bin ich ja dabei, meine Verhaltensweisen auseinander zu nehmen und auch meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Die meisten Erkenntnisse sind nur für mich von Belang und manche Dinge gehen auch nur meine Familie etwas an. Ab und an gibt es aber auch Aha-Momente, von denen ich denke, dass sie auch für andere wichtig sein können. Dies ist tatsächlich so einer.

Aufgrund meiner Vergangenheit bin ich ein sehr unsicherer Mensch, mit wenig Selbstbewusstsein und auch einem geringen Selbstwertgefühl. Nicht nur bin ich mir selbst nicht gut genug, sondern gehe davon aus, dass ich aus Sicht der Anderen auch nicht gut genug bin.

So wie jeder Mensch auch habe ich Schwächen und Stärken. Doch überwiegen aus meiner Sicht die Schwächen. Auch gehe ich davon aus, dass mein Umfeld, die Gesellschaft nur das sieht, was ich nicht kann, nicht leisten kann oder falsch mache.

Woher soll ich denn eigentlich wissen, wie andere über mich denken? Warum gehe ich davon aus, dass ich fast nur negativ beurteilt werde. Die Erkenntnis ist so einfach wie sie bedeutend ist: durch die Sichtweise meiner Eltern auf andere.

Obwohl meine Eltern sich jahrelang oberflächlich um einen guten und freundschaftlichen Umgang zueinander bemüht haben, schwelte immer wieder ein kleiner Grabenkrieg auf. Es ging um Geld, Lebensweisen, Sozialverhalten, Erziehungsmethoden und Umgang. Im kleinen Kreise zog man über einander her. Je älter ich wurde, umso direkter wurde ich eingebunden. Oftmals war ich aber auch einfach nur der stille Mithörer.

Darüber hinaus wurde nicht nur der Ex-Partner gerne negativ bewertet, sondern auch so viele andere um sie herum. Es ist egal, ob das zum Frust- oder Wutabbau geschah, um sich selbst aufzuwerten oder einfach anderen nur schlechter dastehen zu lassen. Das was nicht hätte passieren dürfen, war dies: ich war Zeuge. Zeuge davon, wie erbarmlos meine Eltern mit dem Ex oder anderen Menschen ins Gericht gingen. Verallgemeinernd, pauschalisierend und immer mit dem großen Vorschlaghammer.

Nicht nur, dass ich ja Anteile von beiden Eltern habe und der väterliche Anteil aus Sicht meiner Mutter und der mütterliche aus Sicht meines Vaters abgewertet wurde, nein, ich lernte, dass der Blick auf Andere immer abwertend und überkritisch ist und niemals wohlwollend oder gnädig.

Ich gehe immer davon aus, dass der Blick der Anderen auf mich genauso herablassend ist wie der den meine Eltern auf Andere hatten.

Damit man mich nicht falsch versteht, meine Eltern waren nicht nur so. Ich möchte sie hier auch nicht schlecht machen oder verurteilen. Aber ich habe einfach festgestellt, dass sich das bei mir festgebrannt hat. Und ich ihre Sicht auf mich beziehe. Und ebenfalls nicht gnädig oder wohlwollend mit mir bin.

Darum liebe Mit-Eltern: Achtet ein wenig darauf, was ihr sagt, wie ihr es sagt und wer es mithört. Manchmal haben Worte eine sehr viel größere Reichweite und Auswirkung als man gedacht hätte.

Mord is yet to come,

M.