Gebt acht, was ihr sagt

Momentan bin ich ja dabei, meine Verhaltensweisen auseinander zu nehmen und auch meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Die meisten Erkenntnisse sind nur für mich von Belang und manche Dinge gehen auch nur meine Familie etwas an. Ab und an gibt es aber auch Aha-Momente, von denen ich denke, dass sie auch für andere wichtig sein können. Dies ist tatsächlich so einer.

Aufgrund meiner Vergangenheit bin ich ein sehr unsicherer Mensch, mit wenig Selbstbewusstsein und auch einem geringen Selbstwertgefühl. Nicht nur bin ich mir selbst nicht gut genug, sondern gehe davon aus, dass ich aus Sicht der Anderen auch nicht gut genug bin.

So wie jeder Mensch auch habe ich Schwächen und Stärken. Doch überwiegen aus meiner Sicht die Schwächen. Auch gehe ich davon aus, dass mein Umfeld, die Gesellschaft nur das sieht, was ich nicht kann, nicht leisten kann oder falsch mache.

Woher soll ich denn eigentlich wissen, wie andere über mich denken? Warum gehe ich davon aus, dass ich fast nur negativ beurteilt werde. Die Erkenntnis ist so einfach wie sie bedeutend ist: durch die Sichtweise meiner Eltern auf andere.

Obwohl meine Eltern sich jahrelang oberflächlich um einen guten und freundschaftlichen Umgang zueinander bemüht haben, schwelte immer wieder ein kleiner Grabenkrieg auf. Es ging um Geld, Lebensweisen, Sozialverhalten, Erziehungsmethoden und Umgang. Im kleinen Kreise zog man über einander her. Je älter ich wurde, umso direkter wurde ich eingebunden. Oftmals war ich aber auch einfach nur der stille Mithörer.

Darüber hinaus wurde nicht nur der Ex-Partner gerne negativ bewertet, sondern auch so viele andere um sie herum. Es ist egal, ob das zum Frust- oder Wutabbau geschah, um sich selbst aufzuwerten oder einfach anderen nur schlechter dastehen zu lassen. Das was nicht hätte passieren dürfen, war dies: ich war Zeuge. Zeuge davon, wie erbarmlos meine Eltern mit dem Ex oder anderen Menschen ins Gericht gingen. Verallgemeinernd, pauschalisierend und immer mit dem großen Vorschlaghammer.

Nicht nur, dass ich ja Anteile von beiden Eltern habe und der väterliche Anteil aus Sicht meiner Mutter und der mütterliche aus Sicht meines Vaters abgewertet wurde, nein, ich lernte, dass der Blick auf Andere immer abwertend und überkritisch ist und niemals wohlwollend oder gnädig.

Ich gehe immer davon aus, dass der Blick der Anderen auf mich genauso herablassend ist wie der den meine Eltern auf Andere hatten.

Damit man mich nicht falsch versteht, meine Eltern waren nicht nur so. Ich möchte sie hier auch nicht schlecht machen oder verurteilen. Aber ich habe einfach festgestellt, dass sich das bei mir festgebrannt hat. Und ich ihre Sicht auf mich beziehe. Und ebenfalls nicht gnädig oder wohlwollend mit mir bin.

Darum liebe Mit-Eltern: Achtet ein wenig darauf, was ihr sagt, wie ihr es sagt und wer es mithört. Manchmal haben Worte eine sehr viel größere Reichweite und Auswirkung als man gedacht hätte.

Mord is yet to come,

M.

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