Murphys Law schlägt zu

Die meisten Eltern kennen das, sobald man sich etwas vornimmt – ob beruflich oder privat – eigentlich kommt immer etwas dazwischen. Kind krank, KiTa hat spontan zu oder der Babysitter kann nicht kommen. Im Notfall hat man sich nach wochenlanger Kinderpflege selbst angesteckt und muss alle Pläne über Bord werfen. Dieses Prinzip ist auch bekannt als Murphys Law.

Und in letzter Zeit scheint dieses ungeschriebene Gesetz zu gerne bei mir in Aktion zu treten. Wie gesagt, da bin ich bestimmt nicht die Einzige, angekotzt sein darf ich (und auch andere Betroffene) trotzdem. Besonders wenn es mich so geballt trifft, dass ich schon fast glaube, dass sich das Schicksal gegen mich verschworen hat. So kommen dann auch Tweets zustande wie:

Aber lasst mich am Anfang beginnen. Wer keine Lust auf meinen Jammerpost hat, kann jetzt auch gerne wegklicken. Verstehe ich. Ehrlich. 😉

Ehrlich gesagt fing es ja mit meinem Ausnahmezustand hier zuhause an. Die kleine Maus hatte es wirklich schlimm erwischt und wollte/brauchte die Extraportion Mama. Was ich ihr gerne gewährt habe, soweit es mir möglich war. Was natürlich geschlaucht hat, wenn das 17kg-Kind permanent am Körper sein möchte. Kuschelnd, kneifend, leidend. Oft auch nur völlig groggy am Dösen. Leider stand aber genau in der Zeit ein wirklich wichtiges Vorstellungsgespräch an. Auf das ich mich noch nicht ausreichend vorbereitet hatte.

Seit Geburt meiner Tochter bin ich arbeitslos. Mein Fristvertrag lief relativ parallel zum Mutterschutz aus. Und es machte keinen Sinn, einen Folgevertrag zu schließen. Sowohl aus meiner Sicht als auch aus der meiner Chefin. Schon vor meiner Schwangerschaft wusste ich, dass meine Ausbildung nur die Grundlage sein soll, nicht das „angestrebte Ende“ meiner Laufbahn. Ich hatte auch schon etwas im Auge, dass mich reizte. Und dort habe ich mich dann auch beworben. Inzwischen auch ein zweites Mal. Diesmal begleitet von einer optischen Anpassung (Business-Outfit) und vorherigem Bewerbungscoaching. Denn die Stellen sind heiß begehrt. Mindestens 10 Bewerber auf 1 dualen Studienplatz. Auch alles professionell mit Assessment-Center und Psychologen-Gesprächen.

Mit der Hilfe meiner Mutter bekam ich das auch alles ganz gut hin. Wir zogen quasi kurzfristig ein, wechselten uns im Kinderdienst ab. Und ich zog morgens los zu meinem Bewerbungsgespräch und ließ eine komplett aufgelöste Maus mit knapp 40 Fieber bei meiner Mutter zurück. Mir brach zwar fast das Herz, aber es ging nicht anders. Gebracht hat es übrigens nichts, bin trotzdem nicht genommen worden.

Noch bevor meine Tochter richtig gesund war, kam dann mein Vater ins Krankenhaus – geplant zur Operation. Ich sollte die Katzen versorgen. Was an sich logistisch möglich sein sollte, aber mit krankem Kind zuhause schon schwieriger wurde. Wieder sprach ich mich mit meiner Mutter ab, damit ich neben meinen normalen Terminen auch noch die Katzenversorgung auf die Reihe bekam, obwohl mein Töchterchen zuhause war.

Bereits da merkte ich schon, dass meine Kräfte nicht endlos waren und mir dieses ganze Drumherum-Organisiere ganz schön auf die Nerven ging. Natürlich verschob sich bei meinem Vater auch so einiges im Krankenhaus und aus geplanten 6 Tagen Aufenthalt wurden dann mal eben 2 Wochen. Jeden Tag wartete ich auf die neuesten Entwicklungen aus dem Krankenhaus, ob jetzt mein Vater wieder nach Hause dürfte oder nicht und wann denn nun endlich operiert wurde. Informationen flossen nur spärlich und ich organisierte mich um die Ecke. Dass ich zwischendurch Geburtstag hatte, juckte mich nicht wirklich. Zwar hatte ich auch Besuch und wenigstens „etwas“ Geburtstag, aber es fühlte sich nicht so an. Ehrlich gesagt habe ich zum Ende hin nur geheult.

Und während ich so schon am Jonglieren war mit meinen privaten Terminen und der Katzen-Verpflichtung, stand dann der Urlaub meiner Mutter an. Ihr sei er ja gegönnt, sie hatte ihn sich redlich verdient. Aber sie ist praktisch die einzige Stütze, die ich habe bzw auf die ich mich verlassen kann. Und dank Murphys Law überschnitt sich jetzt plötzlich alles.

Mit ein wenig Fatalismus bereitete ich mich darauf vor es irgendwie hinzubekommen. Seit Montag ist meine Mama nun weg. Und gestern kam dann der nächste Knüppel, den mir das Schicksal zwischen die Füße warf: spontane Brechattacken meiner kleinen Maus. Morgens um 6 beginnend. Und mein Termin war um 10. Mit Kind nicht möglich. Spontan abgesagt, hätte mich das 40€ gekostet. Und nu?

Zumindest hier hatte ich etwas Glück. Nicht nur war mein Ex schon wach, als ich morgens ne Nachricht schrieb, er hatte sogar Zeit. Nur musste er zuhause bleiben, er wartete auf die Telekom. Zwar konnte er unsere Tochter betreuen, doch ich musste sie irgendwie zu ihm schaffen. Also stand ich dann um 8 Uhr mit ihr an der Bahn-Haltestelle, bewaffnet mit Taschentüchern und Plastiktüten. Denn sie übergab sich nach wie vor im 10-Minuten-Takt. Muss ich die Blicke beschreiben, die ich geerntet habe? Wie ich da meiner Tochter die Tüte vorhielt, sie dabei in den Arm nahm, den Kopf streichelte, anschließend ihr Gesicht abputzte, die Tüte entsorgte und dann tatsächlich mit den Öffis fuhr?! Freundlich wie meine Tochter war, spuckte sie nur außerhalb von Bus und Bahn. Und ich kam nach wie vor sauber mit ihr bei ihrem Vater an.

Auf dem Weg zu meinem Termin schrieb ich ihm noch eine „Gebrauchsanleitung“, da ich eine relativ starke Vermutung hatte, warum sie spuckte und ich weiß, wie das zu händeln ist.

Im Endeffekt kann ich mir jetzt zwar selber auf die Schulter klopfen, dass ich diese letzten 3 oder 4 Wochen überstanden habe. Dass ich nichts absagen musste, alles irgendwie unter einen Hut bekam und meine Notfall-Organisationen auch alle geklappt haben. Aber es hat auch Spuren hinterlassen. Gerade nervlich und auch kräftemäßig. Zwischendrin kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht doch eine Mutter-Kind-Kur beantragen sollte. Gerade, nachdem dass mit dem dualen Studium doch nichts geworden ist. Hätte dann ja wieder Zeit. Lasst mich mit zwei herrlichen Tweets enden:

More is yet to come,

M.

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Ein Gedanke zu “Murphys Law schlägt zu”

  1. Das kommt mir alles bekannt vor. Zwar nicht in diesem Ausmaß aber dennoch bekannt! Mit Zwerg hat man es nicht leicht. Das hab auch ich bereits gemerkt. Egal was das Schicksal anstellt um einen ins stolpern zu bringen, aufstehen, tief durchatmen und nach vorne Blicken. Die Kraftdafür schläft in uns allen. Wir müssen sie nur zum richtigen Zeitpunkt erwecken. Du hast dich gut gehalten, und keine Sorge, auch deine Zeit für die ersehnte Stelle wird kommen. Wer weiss wofür es gut war, dass es jetzt noch nicht geklappt hat.

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