Liebe Stiefmama

Das folgende ist ein Brief an meine verstorbene „Stiefmama“. Es fiel mir sehr schwer diesen Text zu schreiben, weswegen ich ihn auch erst einige Wochen nach dem tatsächlichen Geburtstag vollenden und veröffentlichen kann. Warnung: der Text ist hochemotional, eine Liebeserklärung an eine wunderbare Frau, die viel zu früh aus ihrem Leben schied. Eines, das sie mit Inbrunst zu leben wusste.

Liebe Stiefmama,

es fällt mir schwer Dich so zu nennen. Nicht weil Du das (im positiven Sinne) warst, sondern weil ich Deinen Namen hier nicht nennen werde, dabei habe ich den immer für Dich genutzt.

Bald sind es drei Jahre, seitdem Du von uns gegangen bist. Aber dazu schreibe ich vielleicht mehr, wenn denn Dein Todestag ansteht. Heute ist Dein Geburtstag. Mein Handy erinnert mich nach wie vor daran, ebenso wie Facebook. Und ich finde es gut so. So kann ich Dir gedenken, Dir, Deinem Wesen. Und nicht dem Krebs, der Dich aufgefressen hat.

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Geburtstagsblumen (Bildrechte mamamitmacken)

Noch bevor Du zu meiner inoffiziellen Stiefmutter wurdest, kannten mein Dad und ich Dich schon. Du warst eine selbstbewusste, lebenshungrige Frau. Ein wenig verrückt, offen und manchmal auch anstrengend. Auch warst du Mutter, Mutter von drei ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten. Nicht alles was du tatest, fand ich gut oder richtig so, aber es war halt Dein Weg, der für Dich gepasst hat.

Wir kannten Dich schon vom Sehen, doch wirklich in Kontakt getreten sind wir erst, als ich schon volljährig war. Denn wir teilten eine Leidenschaft: auf Konzerte gehen. Um genauer zu sein, auf Konzerte von T.M.Stevens. Du kanntest ihn tatsächlich persönlich, ich ihn nur von den Konzerten und den Autogrammen im Anschluss. Wenn wir mal wieder auf einem Konzert waren, hatten wir immer eine schöne Zeit. Zwar konntest Du nie ein Ende finden und wir mussten Dich zum Gehen zwingen, aber es war einfach genial.

Enger wurden der Kontakt, als ich anfing zu jobben. Du warst häufiger mein Gast und wenn nicht so viel los war, haben wir interessante Tresengespräche geführt. Da fing es an, die Entwicklung von Bekannten zu Freunden. Ich lernte deine Kinder kennen, die ja alle jünger waren als ich. Aber nicht so jung, dass sie mich als Deine erwachsene Freundin sahen. Auch für sie wurde ich zur Ansprechpartnerin, zur Freundin.

Nach einer Weile wurdest du sogar meine Kollegin – aber nur ganz kurz, da ich mich dann anders orientiert habe, um was Ordentliches zu machen, sprich eine Ausbildung.

Erst nachdem ich zu Hause ausgezogen war, wurde das zwischen Dir und meinem Vater mehr. Mich freute es sehr. Zum Einen mochte ich Dich wirklich gern und ich wusste, dass Du als Stiefmama echt total cool und entspannt sein würdest. Zum Anderen tatest du meinem Vater gut. Zwar ging bei Dir nichts ohne Drama, aber das warst halt Du. Du gabst meinem Vater Halt, einen familiären Rahmen. Du hast in gefordert und aus seinem Schneckenhaus geholt. Auch dass Deine Kinder mit einem Schlag zu meiner erweiterten Familie wurden, machte mich glücklich.

So verrückt und anstrengend Du auch manchmal warst, Du hast meinem Vater und mir einen sicheren Hafen geboten.

Mit der Krebsdiagnose änderte sich vieles für Dich, gerade körperlich. Die Chemo, die Bestrahlung und die Operation hinterließen ihre Spuren. Mental warst du bemerkenswert entspannt und gelassen – jedenfalls nach außen hin. Du versuchtest mit Deiner positiver und unbekümmerten Einstellung den Krebs hereinzulegen. Im Endeffekt ließ er sich aber nicht austricksen…

Da durch die Behandlungen das Thema Kinder für Dich nun durch war, legtest Du Deinen Fokus auf Enkelkinder… Und damit auf mich als Älteste! Wir scherzten oft darüber, dass Du mir den passenden Papa für die Mission suchen solltest, damit ich Dich dann zur Oma machen könnte.

Und mit einem Mal ging alles ganz schnell. Ich war schwanger. Als Einzige aus meiner Familie hast Du dich sofort gefreut. Du musstest nichts verdauen, Dich nicht an den Gedanken gewöhnen. Und dafür bin ich Dir dankbar. Denn so plötzlich es auch kam, Du warst unvoreingenommen und unbekümmert wie immer. Als du dann meinen Freund und damit den Vater Deines zukünftigen Enkelkinder kennen gelernt hast, hast Du ihn gleich für Dich eingenommen. Du hast es ihm leichter gemacht, eine Verbindung zu meiner Familie zu bekommen.

Besonders stolz bin ich darauf, dass Du Dein Enkelkind noch kennen lernen durftest. Es war ja tatsächlich ein Kopf – an – Kopf – Rennen, um das noch zu schaffen. Und Du hast glaube ich alles daran gesetzt den Krebs soweit in die Schranken zu weisen, damit Du endlich Oma werden kannst. Hier auf Erden.

Was mir bleibt? Die Erinnerung an Dich. Die Liebe, die zwischen uns herrschte. Die Freude, das Verständnis zwischen uns. Und Dein Erbe. Irgendwann werde ich der kleinen Maus erklären, dass es dich gab und auch immer noch gibt. Nur anders halt. Und immer, wenn mir etwas Schönes widerfährt, werde ich an Dich denken. Denn noch immer, nach fast 3 Jahren, habe ich den Impuls Dir mit als Erstes etwas zu erzählen, wenn es mich freut. Ich hoffe du hörst zu.

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Bildrechte mamamitmacken

Du fehlst. Du bist immer in meinem Herzen!

Happy Birthday!

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