#geschichtenvomscheitern: Die Taufe, a never-ending story?

So, da es mir nach wie vor schwer fällt die letzten Wochen und alles, was damit zusammen hängt, in Worte zu fassen, nutze ich mal wieder eine Blogparade, um mich zu Wort zu melden. Die liebe Alu von Grosse Köpfe sammelt gerade Geschichten vom Scheitern. Ursprünglich war die Aktion bis Ende März geplant, zu meinem Glück dann aber freundlicherweise verlängert. Puh! Dementsprechend ist schon viel zusammen gekommen. Wer also noch mehr lesen will, der sucht entweder unter #geschichtenvomscheitern oder klickt hier und schaut sich das bei Grosse Köpfe in der Übersicht an.

Zum Thema Scheitern könnte ich richtig viel beitragen, gerade rückblickend gehe ich nicht sehr wohlwollend mit mir um. Ob nun das abgebrochenen Biologiestudium, gescheiterte Beziehungen (inklusive der zu dem Vater meiner Tochter), psychische Tiefpunkte oder gescheiterter Berufswiedereinstieg. Wahrscheinlich könnte ich mit meinem persönlichen Versagen eine ganze Blogparade selbst bestreiten. Aber das will ich weder mir noch euch zumuten.

Von daher habe ich mich jetzt auf ein Thema begrenzt – und zwar eins, bei dem ich nicht so völlig deprimierend und selbstzerfleischend daherkomme. Tut mir nicht gut und ist auf Dauer auch nicht unbedingt lesenswert.

Nun gut, dann jetzt endlich mal zum Hauptthema: es geht um die Taufe meiner kleinen Maus. Schon in der Schwangerschaft waren wir Eltern uns einig, dass das liebe Töchterlein getauft werden sollte. Und zwar relativ zeitnah, aber nicht im Wochenbett. Ich persönlich habe mit der Kirche nicht viel am Hut. Bin nicht getauft, war nie wirklich im Gottesdienst. Dafür aber im Religionsunterricht in der Schule und im Kinderkirchenchor. Bei meinem (damaligen) Freund sah das schon ein wenig anders aus. Er ist wirklich gläubig. Über den Weg gelaufen sind wir uns damals nur, weil er von der Kirche kam und ich von meinen Großeltern. Allerdings kennt er sich mit den europäischen Gebräuchen nicht wirklich aus als Nigerianer.

Soviel zu unserer Planung. Völlig blauäugig hatten wir nun beschlossen, dass unser Kind getauft werden sollte – hatten aber keine Ahnung, wie das nun abläuft. Die erste Zeit nach der Geburt unserer Kleinen war an eine Taufe überhaupt nicht zu denken. Arztrennerei war angesagt, genauso wie die überaus unerfreulichen Behördengänge. Zuständig war immer ich. Darüber hinaus mussten wir dringend umziehen, meine Wohnung war definitiv zu klein für uns drei. Da rückte für mich das Thema Taufe sehr schnell nach unten auf meiner To-Do-Liste.

Trotzdem stand dann irgendwann ein Erstgespräch an in einer nahegelegenen Kirche. Per Telefon (?!) wurde uns die ersten Abläufe und „Anforderungen“ mitgeteilt und dann ein Termin zur Taufe vereinbart. Vorher dann noch ein „Kennenlern-Gespräch“. Der Aufforderung, uns mal einen Gottesdienst anzuschauen, kamen wir nach. Für mich Stress pur, da die Kleine mit damals vier Monaten nicht mehr ganz so pflegeleicht war.

Und bei dem Kennenlern-Gespräch stellte man dann fest, dass wir doch mehr Probleme bei den Vorplanungen hatten als gedacht. Taufspruch hätte der Pastor uns noch geben können. Mit den Taufpaten wurde es dann schon schwieriger. Die hatten dann nämlich die falsche Konfession, wenn sie denn überhaupt getauft waren. Wir spielten verschiedene Szenarien durch, die für den Pastor denkbar wären, aber letztendlich scheiterte es an einem evangelisch getauften Paten. Den hatten wir nämlich nicht. Und da dann langsam der Umzug anstand, verschoben wir den ganzen Spaß. Dann sollte die kleine Maus halt in der neuen Gemeinde getauft werden.

Bei all dem war der Vater des Kindes nicht wirklich hilfreich. Er konnte das alles überhaupt nicht verstehen, dieses ganze bürokratische Gedöns. In Afrika bräuchte man keine Paten und noch nicht mal einen Gottesdienst. Eltern, Taufbecken, Kind, Pastor – reicht. Auch half es nicht besonders, dass er den Frust an mir abließ, sich aber mit den sprachlichen Barrieren aus jeder Verantwortung stahl. Meine Kultur – mein Problem. Dass ich es jetzt nicht so dringend hatte, sie taufen zu lassen, war ihm irgendwie nicht so klar.

Naja, erstmal umziehen, dann kann man das ja wieder in Angriff nehmen. Denkste! Denn neben Renovierung, Umzug und Neu-Einrichten blieb anfangs nicht viel Zeit. Auch der Schlafmangel machte es nicht besser ( halt das erste Jahr, nicht?). Es wurde auch dadurch nicht besser, dass er als Vater immer weniger präsent war. Sowohl als Vater als auch als Partner. Die Ansprüche an mich stiegen, seine Erwartungshaltung auch – nur seine Mithilfe nahm stetig ab. Noch vor dem ersten Geburtstag unserer Tochter trennten wir uns. Bis er auszog, verging noch ein halbes Jahr, in dem wir immer heftiger stritten und uns fast schon spinnefeind waren.

Nach seinem Auszug war zwar er als Stressfaktor nicht mehr permanent präsent vor Ort, dafür ging es jetzt vermehrt um Umgang und dergleichen. Und mir fehlte es doch auch an Entlastung und Mithilfe. Sich mit einem Mal darauf einzustellen tatsächlich alleinerziehend zu sein, ist doch noch etwas ganz anderes, als wenn man das im Vorfeld versucht zu planen. Thema Taufe? Ach komm, wir schauen dann, wenn es wieder ein wenig ruhiger geworden ist.

Als nächster vorgeschobener Grund durfte dann die Krippenplatz-Suche herhalten. Oder meine persönliche Suche nach einem Therapieplatz. Dazu den Versuch, mir selber Auszeiten zu gönnen. Achja, und dann habe ich ja mit dem Führerschein angefangen, dass passte sich gerade so gut. Erwähnte ich schon, dass der Vater des Kindes nicht sehr verlässlich war?

Im Endeffekt gab es immer wieder Gründe, warum ich das mit der Taufe immer wieder aufschob. Damals hatten wir das mal beschlossen, als wir noch ein Paar waren. Aus meiner Sicht wollte ich es ihm zuliebe machen. Doch wir waren kein Paar mehr. Und diese Ignoranz und Arroganz, mit der er es auf mich abwälzen wollte, die machten es auch nicht gerade besser. Zumal ja das grundlegende Problem weiter bestand: wir hatten keinen Taufpaten!

Seit den ersten Lebensmonaten meiner Tochter steht auf der Agenda, dass sie getauft werden sollte. Tatsächlich kam dieser Punkt immer wieder auf meine To-Do-Listen. Also nach unten. Gaaaanz weit nach unten. Und wurden immer wieder übertragen. Bis… ja bis. Bis mein Ex die Nase voll hatte und selber einen Termin vereinbart hat. In der Kirche direkt um die Ecke. Zwar schaffen wir es nicht mehr vor dem dritten Geburtstag unserer Tochter (der ist diese Woche), aber es sieht sehr gut aus für diesen Sommer.

Nach diesem Erst-Gespräch habe zwar wieder ich die ganze Verantwortung für das Unterfangen, aber es scheint so, dass sich die ganzen Widerstände von selbst auflösen. Zum Einen haben wir jetzt endlich den richtigen Taufpaten. Also eigentlich eher eine Taufpatin. Mit der nicht nur mein Ex und ich einverstanden sind, sondern auch unsere Tochter UND die Pastorin. Letztere zweifelte nämlich ernsthaft daran, dass wir unsere Tochter dann auch im Glauben erziehen würden (Was nebenbei bemerkt eher Aufgabe des Vaters wäre, da immerhin er derjenige ist, der gläubig ist). Zudem gibt es einen Familiengottesdienst in der Kirche, in dem Kinder allen Alters nicht nur willkommen sind, sondern nach deren Bedürfnissen der Gottesdienst ausgerichtet ist. Besonderer Pluspunkt sind die Gospelgottesdienste und der Kinderchor schon ab Kindergartenalter. Die Vorzeichen stehen diesmal deutlich besser.

In meiner Familie hat schon lange niemand mehr daran geglaubt, dass das noch mal was wird mit der Taufe. Ich zum Teil ja auch schon nicht mehr. Und irgendwie hat mein persönliches Scheitern und auch das Scheitern meiner Beziehung zum Vater meiner Tochter dazu geführt, dass auch das Taufvorhaben immer wieder gescheitert ist. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Anläufe es zumindest gedanklich gegeben hat. Inzwischen bin ich sogar froh, dass es so lange gedauert hat.

Denn jetzt haben wir nicht nur eine voll motivierte Patentante, die nicht nur „pro forma“ evangelisch ist, sondern auch ein monatliches Ritual. Familiengottesdienst. Mit der Patentante und deren Kind. Eventuell mal mit der Oma oder dem Papa dazu.

Das passende Kleid hat sich zu dem Zwecke auch gefunden. Ich bekomme die erträumte Sommertaufe. Und meine Tochter darf auch ein wenig mitbestimmen. Die ist nämlich absolut begeistert. Nicht nur von dem Gottesdienst, sondern auch von dem Gedanken getauft zu werden. Natürlich hat sie keine wirkliche Vorstellung davon, was eine Taufe bedeutet. Aber sie hat jetzt schon eine gesehen, sie freut sich darauf, auch Mittelpunkt des Gottesdienst zu werden. Sie freut sich auch auf ihr schönes Kleid, und dass gesungen wird.

Hätte ich vor einem halben Jahr über die Taufe geschrieben, dann wäre es eine reine Geschichte des Scheiterns. Das fortlaufene Wiederholen des ewigen Scheiterns. Eine eher triste und trübe Geschichte.

Jetzt allerdings ist es eine Geschichte vom Überwinden des Scheiterns. Dass es einen Unterschied gibt zwischen Scheitern und Gescheitert-sein. Hätten wir irgendwann den Gedanken aufgegeben, dann wären wir vollendens gescheitert. So wie es jetzt aussieht (und ja, ich bin optimistisch, dass es jetzt tatsächlich klappt!!) werden wir unser Scheitern überwinden. Und bekommen zudem noch eine absolut für uns und in sich stimmige Taufe. Vielleicht gibt es ja einen tieferen Sinn hinter der Sache, warum es vorher nicht hat klappen können oder sollen? Wer weiß?

Und wichtig finde ich die Erkenntnis, dass Scheitern nur ein temporäres Versagen ist. Nur weil etwas gerade nicht stattfinden, klappt oder möglich ist, so ist das nicht für alle Ewigkeit so. Ob nun die richtigen Fähigkeiten/Eigenschaften fehlen, die richtigen Umstände oder der richtige Zeitpunkt, daran lässt sich oftmals noch was drehen. Nur wenn man das Scheitern akzeptiert und nicht mehr dagegen ankämpft, nur dann ist man wirlich gescheitert.

More is yet to come,

M.

 

#Dubistich – Oder wie Gegensätze sich ergänzen

Da bei mir momentan einiges im Argen ist, schaffe ich es nicht mehr so regelmäßig zu bloggen, wie ich es gerne hätte. Auch kann ich das, was mir im Kopf herumschwirrt noch gar nicht so richtig in Worte fassen oder auch in einen Rahmen bringen. Von daher freue ich mich umso mehr über die Blogparade von Mama on the Rocks. Dabei geht es um das, was wir von uns in unseren Kindern entdecken. Was wir ihnen über unsere Gene und auch unser Vorbild weitergeben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, jetzt den finalen Anstoß bekommen zu haben, diesen Beitrag endlich zu schreiben. Schon seit längerem geht dieser Gedanke in mir, etwas darüber zu schreiben, wie schön meine Tochter ihre unterschiedlichen Herkünfte in sich vereint.

Sobald man mit einem Kind schwanger ist, fängt das Kopfkino an zu arbeiten. Wie wird es aussehen, wie wird es sein? Man versucht sich Kombinationen zu überlegen aus seinem Partner und sich. Die Möglichkeiten sind schier endlos – die Neugier meist auch. 😉 Nun ist es ja so, dass der Vater der kleinen Maus und ich rein optisch sehr gegensätzlich sind.

Ich bin sehr hellhäutig, werde nie braun im Sommer (höchstens rot, selbst das Solarium soll ich meiden). Er ist als Nigerianer sehr dunkelhäutig. Ich bin klein – er ist groß. Meine Haare sind eher glatt, selten mal gewellt – seine sind halt klassisch kraus. Meine Nasenspitze ist sehr ausgepragt – seine Nase ist breit angelegt, aber dafür flach. Ich habe grüne Augen – er dunkelbraune. Die Bandbreite der Möglichkeiten schien sich um ein vielfaches verdoppelt zu haben. Gerade auch, weil manche Eigenschaften sich nicht zu hundert Prozent vererben, sondern graduell.

Oftmals wünschte ich mir, unsere Tochter würde mehr nach ihm kommen. Er ist wirklich ein sehr hübscher und attraktiver Mann. Ich hingegen weiß mich in manchen Dingen nicht zu schätzen. Doch nachdem wir uns im Geiste zigmillionen Möglichkeiten ausgemalt hatten, kam dann irgendwann der Tag der Offenbarung…

… und wir fanden uns anfangs kaum wieder. Was allerdings daran lag, dass unser kleines liebes Töchterlein nach einer schwierigen Geburt einfach verflucht zerknautscht war. Und mit ihren knapp 5 kg Geburtsgewicht am ehesten dem Michelinmännchen glich. Und unsere Tochter war ja noch gar nicht wirklich fertig. Was man meistens nicht weiß, ist, dass sich gerade bei farbigen Kindern die Hautfarbe noch verändern kann im ersten Lebensjahr – genauso wie die Haarstruktur!

Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt
Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt

Am Anfang war die kleine Maus wirklich extrem hell und ihre Haare waren schwarz und komplett glatt. Über die Monate hinweg dunkelte ihr Teint nach und ihre Haare wurden erst wellig, dann lockig. Kontinuierlich kam auch richtig krauses Haar nach mit komplett anderer Haarstruktur. Der „Babyflaum“ verwuchs sich. Inzwischen hat sie wirklich krause Haare und auch von der Hautfarbe her ist sie jetzt konstant. Im Sommer dunkler als im Winter – wie bei so vielen.

Rein optisch gesehen vereint sie in vielen Dinge die Merkmale von beiden Elternteilen. Bei dem Mund zum Beispiel oder auch bei der Nase. Bei einigen Sachen kann sie es tatsächlich von jedem von uns geerbt haben oder auch von uns beiden gemeinsam. Die stämmige Statur mit dem breiten Kreuz. Das ausladende, hoch angesetzte Hinterteil (ja, dass sieht man jetzt schon.. ), die Grübchen in den Wangen, wenn sie lächelt.

Und in manchen Dingen ist sie auch sehr klar einem von uns zuzuordnen. Sie hat die Augen ihres Vaters: groß, dunkelbraun und leicht mandelförmig. Auch das schwarze Haar inklusive Afrokrause ist von ihm. Ihr Lächeln ähnelt seinem ungemein. Was ihre Ohrgröße angeht, kommt sie nach mir (und nein, ich habe KEINE Dumbo-Ohren, nur er hat halt Miniöhrchen). Und auch ihre Hände gleichen meinen. Und das in mehreren Aspekten! Kaum dass sie in der Lage war ihre Hände dauerhaft geöffnet zu halten, fiel auf, dass sie ganze schmale, lange Hände und Finger hat – so gar nicht speckig wie Kinderhände sind in den ersten Monaten. Und der kleine Finger ist leicht nach innen abgeknickt. Wie es alle haben in meiner Familie väterlicherseits. Das konnte man sogar schon beim Feinultraschall in der 21. SSW sehen…

Und in manchen Dingen variiert es immer noch ganz stark bzw kann man noch keine abschließende Aussage treffen. Ihre Füße sind zwar verhältnismäßig groß, aber nach einer breiten Quadratlatschenphase wieder sehr sehr schlank. Auch über Größe und dergleichen lässt sich noch nicht viel sagen. Das kommt noch.

Damit hier jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich wäre nur auf Äußerlichkeiten fixiert, kommen ich jetzt zu ihren Verhaltensweisen. 😉

Sie liebt Tiere. Das hat sie absolut von mir. Und mit einer Begeisterung, die manchmal echt waghalsig und gefährlich sein kann. Kaum dass sie sitzen konnte, schmiss sie sich halb aus dem Kinderwagen, wenn wir einem Hund begegneten. Anfassen, Hauptsache anfassen. Selbst wenn sie von einem umgerannt wurde, versuchte sie noch im Fallen zu streicheln. Eigentlich geht sie auf jedes Tier zu, egal wie groß oder potentiell gefählich. Selbst im Zoo musste ich sie extra sichern, ansonsten wäre sie auch zu den Elefanten ins Gehege gesprungen. Auch der kleine Zwischenfall mit dem Fohlen, dass ihr in den Finger gebissen hat, hielt sie nicht davon ab, direkt nach dem Verarzten wieder hinzugehen. Von daher üben wir unentwegt, welchen Tieren man sich wie gegenüber verhält und dass man die Tiere immer kommen lässt. Und ja, es ist verdammt harte Arbeit.

Sie singt – immer und unentwegt. Eindeutig hat sie das von uns beiden. Wir halten es genauso wie sie und singen, pfeifen und trällern vor uns her, wenn wir gut drauf sind. Auch habe ich viel für und mit ihr gesungen. Inzwischen bekommen wir relativ viel Feedback aus der KiTa, weil sie diesbezüglich ein Talent zu haben. Nicht nur, was das auswendig lernen angeht, sondern auch ihre Treffgenauigkeit. Es macht Spaß zu sehen, wie sehr sie darin aufgeht. Und auch gerne darin glänzt (zeitweise verweigerte sie sich dem Singen in der Krippe, weil die anderen Kindern mit ihr zusammen gesungen haben. Welch Frevel!).

Sie ist offen und kontaktfreudig – jedenfalls, wenn ihr alles geheuer ist. Früher hat sie wirklich jedem auf der Straße fröhlich gewunken – solange der- oder diejenige Abstand wahrte. Jetzt braucht sie etwas Zeit um Vertrauen zu fassen, aber dann kennt sie keine Hemmungen mehr. Es wird gequatscht, gespielt, rumgealbert. Im Grundsatz ähnelt sie da mir ein wenig, ihr Vater ist da sehr viel verschlossener und auch eigenbrödlerisch. Allerdings ist sie noch gänzlich unverfänglich – ich hingegen zerbreche mir oft den Kopf, wie ich wirke, ob ich mich richtig verhalte etc etc.

In ihr steckt auch ein gewaltiger Wutteufel. Sie wütet richtig, wenn ihr etwas nicht passt, ist laut, brüllt, kreischt und ist ganz und gar ungehalten. Dies ist glaube ich nicht so sehr Veranlagung als schlechtes Vorbild. Und das lausige Vorbild bin in diesem Fall ich. Klar färbt viel ab, wenn sie den Großteil der Zeit bei mir aufwächst.

Deswegen glaube ich auch, ist sie eine so unglaubliche Plappertasche: reine Notwehr! Denn ich als Mama bin ja auch nicht zu stoppen, was das quasseln angeht. Weswegen ich auch wohlweislich eine All-Net-Flat habe. 😉

Wo sie sich aber gänzlich meinem Einfluss entzieht, ist beim Zeichnerischem. Ich habe es geliebt als Kind zu zeichnen. Und durch die Übung kann ich inzwischen auch mehr als passabel zeichnen. Meine Kleine hingegen ist dafür zu ungeduldig. Sie will auch gar nicht Objekte darstellen. Sie will schreiben. Also malt sie nur Zick-Zack, ganz klein.

Worin ich deutlich ihren Vater in ihr erkennen kann, ist in ihrem Modeempfinden. Sie liebt es in den Spiegel zu schauen, sie möchte schick aussehen. Und bei manchen Handgriffen, bei manchen Korrekturen am Kragen, Reißverschluss oder der Mütze ist es wirklich so, als würde er vor mir stehen. An guten Tagen mache ich mir auch mal Gedanken, wie was zusammen passt und überprüfe, ob es wirklich vorteilhaft sitzt. Aber diese Detailgenauigkeit, die geht mir wirklich ab. Und bequem schlägt fast immer modisch 😉

Bei ihrem Dickkopf behaupte ich immer, dass sie keine Wahl hatte – sowohl ihr Vater als auch ich haben beide einen. Weswegen es auch nie einfach war zwischen uns, weil jeder seinen Willen haben wollte. Doch dieser Dickkopf wird ihr zugute kommen. Denn auch wenn vieles über die Gene schon festgelegt ist, sie wird es sich zu Eigen machen. Zu etwas eigenem. Sie ist nicht nur die Mischung aus ihren Eltern. Sie ist sie. Und egal, was wir ihr mit auf den Weg gegeben haben, sie wird sich das Beste und vielleicht auch das Schlechteste von uns aussuchen, eben das, was ihr am Besten in den Kram passt. Und das wird sie einzigartig machen.

More is yet to come,

M.