#Dubistich – Oder wie Gegensätze sich ergänzen

Da bei mir momentan einiges im Argen ist, schaffe ich es nicht mehr so regelmäßig zu bloggen, wie ich es gerne hätte. Auch kann ich das, was mir im Kopf herumschwirrt noch gar nicht so richtig in Worte fassen oder auch in einen Rahmen bringen. Von daher freue ich mich umso mehr über die Blogparade von Mama on the Rocks. Dabei geht es um das, was wir von uns in unseren Kindern entdecken. Was wir ihnen über unsere Gene und auch unser Vorbild weitergeben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, jetzt den finalen Anstoß bekommen zu haben, diesen Beitrag endlich zu schreiben. Schon seit längerem geht dieser Gedanke in mir, etwas darüber zu schreiben, wie schön meine Tochter ihre unterschiedlichen Herkünfte in sich vereint.

Sobald man mit einem Kind schwanger ist, fängt das Kopfkino an zu arbeiten. Wie wird es aussehen, wie wird es sein? Man versucht sich Kombinationen zu überlegen aus seinem Partner und sich. Die Möglichkeiten sind schier endlos – die Neugier meist auch. 😉 Nun ist es ja so, dass der Vater der kleinen Maus und ich rein optisch sehr gegensätzlich sind.

Ich bin sehr hellhäutig, werde nie braun im Sommer (höchstens rot, selbst das Solarium soll ich meiden). Er ist als Nigerianer sehr dunkelhäutig. Ich bin klein – er ist groß. Meine Haare sind eher glatt, selten mal gewellt – seine sind halt klassisch kraus. Meine Nasenspitze ist sehr ausgepragt – seine Nase ist breit angelegt, aber dafür flach. Ich habe grüne Augen – er dunkelbraune. Die Bandbreite der Möglichkeiten schien sich um ein vielfaches verdoppelt zu haben. Gerade auch, weil manche Eigenschaften sich nicht zu hundert Prozent vererben, sondern graduell.

Oftmals wünschte ich mir, unsere Tochter würde mehr nach ihm kommen. Er ist wirklich ein sehr hübscher und attraktiver Mann. Ich hingegen weiß mich in manchen Dingen nicht zu schätzen. Doch nachdem wir uns im Geiste zigmillionen Möglichkeiten ausgemalt hatten, kam dann irgendwann der Tag der Offenbarung…

… und wir fanden uns anfangs kaum wieder. Was allerdings daran lag, dass unser kleines liebes Töchterlein nach einer schwierigen Geburt einfach verflucht zerknautscht war. Und mit ihren knapp 5 kg Geburtsgewicht am ehesten dem Michelinmännchen glich. Und unsere Tochter war ja noch gar nicht wirklich fertig. Was man meistens nicht weiß, ist, dass sich gerade bei farbigen Kindern die Hautfarbe noch verändern kann im ersten Lebensjahr – genauso wie die Haarstruktur!

Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt
Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt

Am Anfang war die kleine Maus wirklich extrem hell und ihre Haare waren schwarz und komplett glatt. Über die Monate hinweg dunkelte ihr Teint nach und ihre Haare wurden erst wellig, dann lockig. Kontinuierlich kam auch richtig krauses Haar nach mit komplett anderer Haarstruktur. Der „Babyflaum“ verwuchs sich. Inzwischen hat sie wirklich krause Haare und auch von der Hautfarbe her ist sie jetzt konstant. Im Sommer dunkler als im Winter – wie bei so vielen.

Rein optisch gesehen vereint sie in vielen Dinge die Merkmale von beiden Elternteilen. Bei dem Mund zum Beispiel oder auch bei der Nase. Bei einigen Sachen kann sie es tatsächlich von jedem von uns geerbt haben oder auch von uns beiden gemeinsam. Die stämmige Statur mit dem breiten Kreuz. Das ausladende, hoch angesetzte Hinterteil (ja, dass sieht man jetzt schon.. ), die Grübchen in den Wangen, wenn sie lächelt.

Und in manchen Dingen ist sie auch sehr klar einem von uns zuzuordnen. Sie hat die Augen ihres Vaters: groß, dunkelbraun und leicht mandelförmig. Auch das schwarze Haar inklusive Afrokrause ist von ihm. Ihr Lächeln ähnelt seinem ungemein. Was ihre Ohrgröße angeht, kommt sie nach mir (und nein, ich habe KEINE Dumbo-Ohren, nur er hat halt Miniöhrchen). Und auch ihre Hände gleichen meinen. Und das in mehreren Aspekten! Kaum dass sie in der Lage war ihre Hände dauerhaft geöffnet zu halten, fiel auf, dass sie ganze schmale, lange Hände und Finger hat – so gar nicht speckig wie Kinderhände sind in den ersten Monaten. Und der kleine Finger ist leicht nach innen abgeknickt. Wie es alle haben in meiner Familie väterlicherseits. Das konnte man sogar schon beim Feinultraschall in der 21. SSW sehen…

Und in manchen Dingen variiert es immer noch ganz stark bzw kann man noch keine abschließende Aussage treffen. Ihre Füße sind zwar verhältnismäßig groß, aber nach einer breiten Quadratlatschenphase wieder sehr sehr schlank. Auch über Größe und dergleichen lässt sich noch nicht viel sagen. Das kommt noch.

Damit hier jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich wäre nur auf Äußerlichkeiten fixiert, kommen ich jetzt zu ihren Verhaltensweisen. 😉

Sie liebt Tiere. Das hat sie absolut von mir. Und mit einer Begeisterung, die manchmal echt waghalsig und gefährlich sein kann. Kaum dass sie sitzen konnte, schmiss sie sich halb aus dem Kinderwagen, wenn wir einem Hund begegneten. Anfassen, Hauptsache anfassen. Selbst wenn sie von einem umgerannt wurde, versuchte sie noch im Fallen zu streicheln. Eigentlich geht sie auf jedes Tier zu, egal wie groß oder potentiell gefählich. Selbst im Zoo musste ich sie extra sichern, ansonsten wäre sie auch zu den Elefanten ins Gehege gesprungen. Auch der kleine Zwischenfall mit dem Fohlen, dass ihr in den Finger gebissen hat, hielt sie nicht davon ab, direkt nach dem Verarzten wieder hinzugehen. Von daher üben wir unentwegt, welchen Tieren man sich wie gegenüber verhält und dass man die Tiere immer kommen lässt. Und ja, es ist verdammt harte Arbeit.

Sie singt – immer und unentwegt. Eindeutig hat sie das von uns beiden. Wir halten es genauso wie sie und singen, pfeifen und trällern vor uns her, wenn wir gut drauf sind. Auch habe ich viel für und mit ihr gesungen. Inzwischen bekommen wir relativ viel Feedback aus der KiTa, weil sie diesbezüglich ein Talent zu haben. Nicht nur, was das auswendig lernen angeht, sondern auch ihre Treffgenauigkeit. Es macht Spaß zu sehen, wie sehr sie darin aufgeht. Und auch gerne darin glänzt (zeitweise verweigerte sie sich dem Singen in der Krippe, weil die anderen Kindern mit ihr zusammen gesungen haben. Welch Frevel!).

Sie ist offen und kontaktfreudig – jedenfalls, wenn ihr alles geheuer ist. Früher hat sie wirklich jedem auf der Straße fröhlich gewunken – solange der- oder diejenige Abstand wahrte. Jetzt braucht sie etwas Zeit um Vertrauen zu fassen, aber dann kennt sie keine Hemmungen mehr. Es wird gequatscht, gespielt, rumgealbert. Im Grundsatz ähnelt sie da mir ein wenig, ihr Vater ist da sehr viel verschlossener und auch eigenbrödlerisch. Allerdings ist sie noch gänzlich unverfänglich – ich hingegen zerbreche mir oft den Kopf, wie ich wirke, ob ich mich richtig verhalte etc etc.

In ihr steckt auch ein gewaltiger Wutteufel. Sie wütet richtig, wenn ihr etwas nicht passt, ist laut, brüllt, kreischt und ist ganz und gar ungehalten. Dies ist glaube ich nicht so sehr Veranlagung als schlechtes Vorbild. Und das lausige Vorbild bin in diesem Fall ich. Klar färbt viel ab, wenn sie den Großteil der Zeit bei mir aufwächst.

Deswegen glaube ich auch, ist sie eine so unglaubliche Plappertasche: reine Notwehr! Denn ich als Mama bin ja auch nicht zu stoppen, was das quasseln angeht. Weswegen ich auch wohlweislich eine All-Net-Flat habe. 😉

Wo sie sich aber gänzlich meinem Einfluss entzieht, ist beim Zeichnerischem. Ich habe es geliebt als Kind zu zeichnen. Und durch die Übung kann ich inzwischen auch mehr als passabel zeichnen. Meine Kleine hingegen ist dafür zu ungeduldig. Sie will auch gar nicht Objekte darstellen. Sie will schreiben. Also malt sie nur Zick-Zack, ganz klein.

Worin ich deutlich ihren Vater in ihr erkennen kann, ist in ihrem Modeempfinden. Sie liebt es in den Spiegel zu schauen, sie möchte schick aussehen. Und bei manchen Handgriffen, bei manchen Korrekturen am Kragen, Reißverschluss oder der Mütze ist es wirklich so, als würde er vor mir stehen. An guten Tagen mache ich mir auch mal Gedanken, wie was zusammen passt und überprüfe, ob es wirklich vorteilhaft sitzt. Aber diese Detailgenauigkeit, die geht mir wirklich ab. Und bequem schlägt fast immer modisch 😉

Bei ihrem Dickkopf behaupte ich immer, dass sie keine Wahl hatte – sowohl ihr Vater als auch ich haben beide einen. Weswegen es auch nie einfach war zwischen uns, weil jeder seinen Willen haben wollte. Doch dieser Dickkopf wird ihr zugute kommen. Denn auch wenn vieles über die Gene schon festgelegt ist, sie wird es sich zu Eigen machen. Zu etwas eigenem. Sie ist nicht nur die Mischung aus ihren Eltern. Sie ist sie. Und egal, was wir ihr mit auf den Weg gegeben haben, sie wird sich das Beste und vielleicht auch das Schlechteste von uns aussuchen, eben das, was ihr am Besten in den Kram passt. Und das wird sie einzigartig machen.

More is yet to come,

M.

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