Die Prinzessin auf der Porzellanschüssel

Nichts symbolisiert mehr das Groß-werden eines Kleinkindes als das Entwachsen des Windelzeitalters. Dennoch ist der Zeitpunkt höchst individuell und auch die Vorgehensweisen sehr unterschiedlich. Der Eintritt in das windelfreie Zeitalter ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt.

Auch bei uns ist nun endlich der Zeitpunkt gekommen, die Windel abzulegen. Der Weg dorthin war die meiste Zeit recht entspannt und doch gekennzeichnet von so einigen Auf und Abs. Noch würde ich nicht behaupten, dass die kleine Maus komplett trocken ist tagsüber, aber zumindest die meiste Zeit.

Nachdem die sie sich mit dem Laufen lernen ein wenig Zeit gelassen hatte, fing das Interesse für jegliche Toilettenaktivitäten recht bald nach den ersten Schritten an. Mit anderthalb gab es für sie nichts interessantes, als mich zu löchern, wenn ich auf der Toilette saß. Angefangen bei den Geräuschen, die entstehen auf dem stillen Örtchen bis hin zu der genauen Toilettenschau, was ich da genau produziert habe. Sehr schnell entwickelte sich der Wunsch bei ihr genauso wie Mama auf Toilette zu gehen.

Dabei hatte sie noch kaum Gespür, wann sie tatsächlich muss. Aber sie ließ es sich nicht nehmen, auch einfach mal auf der Toilette zu sitzen wie wir Großen auch. Da ich ihrem Wunsch nachkommen wollte, besorgte ich mir vorerst einen Sitzverkleiner und einen passenden Hocker dazu. Manchmal wollte es der Zufall, dass tatsächlich auch mal ein wenig Pipi kam, wenn sie thronte, aber es war anfangs eher der Zufall.

Auch das Interesse an ihren eigenen Hinterlassenschaften wuchs stetig. Regelmäßig verlangte sie ihre wie auch immer gefüllten Windeln vorgezeigt zu bekommen. Sie hatte wirklich Spaß daran ihre eigenen Körperfunktionen verstehen zu lernen. Als dann die Erfolgsquote hinsichtlich des Pipi machens stieg, besorgte ich dann einen neuen Toilettensitz mit zusätzlicher Kinderklobrille. Bot sich so an, da unser alter den Geist aufgegeben hatte.

Sie war noch weit davon entfernt, verlässlich und rechtzeitig ihren Harndrang wahrzunehmen, da verlangte sie schon energisch ohne Windel rumzulaufen. Nach ihrem 2. Geburtstag wurde es dann langsam Sommer und so besorgte ich schon mal vorsorglich Unterhosen. Nach den ersten Missgeschicken verebbte plötzlich der Entdeckergeist der kleinen Maus und sie beharrte auf ihre Windel.

Interessiert an den Vorgängen blieb sie weiterhin, nur kann sie Rückschläge schwer hinnehmen. Also änderte ich die Taktik. Natürlich konnte sie wie gewohnt ihre Windeln tragen. Allerdings verwehrte ich ihr die Windelschau. Und ganz ehrlich: geruchlich war es eine Entlastung die Kackwindeln sofort entsorgen zu können ohne philosophische Diskussionen mit der Kleinen darüber zu haben.

Das fand sie natürlich doof. Als Alternative bot ich ihr an, dass sie sich das gerne anschauen kann, wenn sie denn auf der Toilette ihr Geschäft verrichtet. Anfangs war sie noch beleidigt, aber schnell akzeptierte sie die neue Herausforderung. Hinzu kam, dass wir ihre kleinen Erfolge würdigten. Wir freuten uns über die Geräusche, wenn es in die Toilette fiel, natürlich wurde es auch genau betrachtet. Das Highlight war es für sie, spülen zu dürfen. Und das anschließende Händewaschen! Ein Fest!

Anfang dieses Jahres war es dann richtig eingespielt. Auch in der Krippe sagte sie Bescheid, wenn sie groß musste und ging dann auf Toilette. Die Windeln wurden nur noch mit Pipi befüllt – geruchlich sehr viel angenehmer.

Mein Gefühl sagte mir, dass sie so langsam tatsächlich so weit war, es wieder ohne Windel zu versuchen. Auch von den Erzieherinnen in der Krippe wurde ich bestärkt. Denn die gar nicht mehr so kleine Kleine ging mit den Älteren zusammen auf Toilette. Gerade vor dem Essen, vor und nach dem Schlafen werden die Kiddies „geschickt“. Und die kleine Maus reihte sich brav mit ein, wollte dann anschließend aber wieder ihre Windel.

Als ich ihr aber vorschlug, einfach unten ohne rumzulaufen, wehrte sie vehement ab. Ich war irritiert. Hatte ich sie falsch eingeschätzt. Nun hieß es erst einmal auf Ursachenforschung zu gehen. Und tatsächlich: gleich mehrere Dingen fielen bei ihr zusammen, die ihr scheinbar die Lust auf das „Groß werden“ verdarben.

Zum einen wurde immer wieder betont, was man als Kindergartenkind so alles können müsse. Der Wechsel zu den Großen steht jetzt im Sommer an und sie war ursprünglich Feuer und Flamme. Es wurde von den Erzieherinnen, aber auch von der Familie (und auch von mir) erklärt, dass man zum Übertritt auf jeden Fall trocken sein müsse. Gerne auch in Verbindung mit Verzicht auf Nuckel und Buggy.

Zum anderen drängte der Papa der Kleinen darauf, dass sie sich wie ein Große verhalte. Insbesondere ihre Neigung schnell in Tränen auszubrechen ist/war ihm ein Dorn im Auge. Er betonte, sie verhalte sich wie ein Baby, wenn sie weinen würde.

Ende vom Lied war, dass meine Kleine darauf bestand, dass sie immer noch ein Baby war. Sie wollte nichts davon wissen, ein großes Kind zu sein, in den Kindergarten wollte sie auf gar keinen Fall und auf die Windel könne sie auch nicht verzichten. TOLL

Ich habe dann mit allen Beteiligten gesprochen und den Druck wieder raus genommen. Diese ganze Anforderungen an das Großwerden über Bord geworfen. Doch wie sollte ich denn nun mein Kind davon überzeugen, Pipi in die Toilette zu machen? Immerhin das große Geschäft landete weiterhin dort.

Wir besannen uns wieder auf die Anfänge, als alles noch spielerisch war. Als sie voller Stolz ihre neue Fähigkeit in der Toilette bewundern konnte (sie schaut sich heute noch an, was sie denn da alles produziert hat und kommentiert das auch immer fleißig). Da beim Pipi machen optisch kaum etwas als Erfolgskontrolle herhalten kann, lenkte ich ihren Fokus auf die Geräusche, die entstehen auf der Toilette. Ob nun das laute PLUMS des großen Geschäfts oder das verhaltenere Plätschern, alles wird gebührend gewürdigt.

Inzwischen geht sie selbstverständlich ohne Windel in die Krippe. Unfälle gibt es immer wieder und sind in den meisten Fällen nicht so tragisch. Wir haben immer ein Ersatzoutfit mit dabei. Und sie ist stolz darauf, schon so groß zu sein, dass sie schon allein auf Toilette gehen kann. Im Sommer dann auch hoch zu den Großen. Aber eines ist für sie ganz klar: Weinen darf sie auch dann noch. Genauso wie sich Trost und Nähe zu suchen, wenn ihr danach ist. Zwar muss sie auf den Buggy verzichten und den Nuckel schleichen wir so langsam aus. Dafür schläft sie weiterhin bei Mama im Bett.

Wie sieht es bei euch aus? Ging das Trocken werden von heute auf morgen? War es ein langer Prozess? Und gab es Rückschläge?

More is yet to come,

M.

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7 Gedanken zu „Die Prinzessin auf der Porzellanschüssel“

  1. Bei meiner Tochter war es so, dass sie sich auch nicht von ihrer Windel trennen wollte, obwohl sie mit knapp über drei Jahren genau wusste, wann sie musste und sich hinter das Sofa verzog. Der Durchbruch kam erst als ich ihr sagte, sie solle doch nur mal kurz die Unterhose anziehen und fühlen, wie „luftig“ sich das anfühlt. Erst wollte sie nicht. Ich ließ die Unterhose dort liegen. Einen halben Tag später hat sie sie angezogen und von da an wollte sie keine Windeln mehr 😊. Lg Petra

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  2. Meine Tochter war aber auch schon älter. Nachts wollte sie keine Windeln mehr mit ca. 3Jahre und 4Monate. Tagsüber 1,5Monate vorher. Davor dachte ich, wann sie wohl mal Interesse an dem Thema zeigt 😊…
    Lg Petra

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  3. Wir haben den Durchbruch bis heute nicht geschafft, machen u s zeitlich aber auch keinen Stress. Kleine Unfälle verunsichern sie so, dass sie eine Weile wieder nur mit Windeln einverstanden ist und ich glaube, dass die Kommentare der Omas nicht wirklich hilfreich sind. Sie besteht nämlich auch darauf, noch ein kleines Kind und nicht groß zu sein.

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    1. Bei uns half es wahnsinnig, dass wir das Groß werden von Fähigkeiten getrennt haben. Einfach um den Druck zu mindern und auch die Freude am Älter werden wiederzuerwecken. Denn Neues zu lernen, Erfahrungen zu machen, Kompetenzen zu gewinnen, all das bereitet Kindern ja Freude. Auf spielerischer Ebene konnte meine Kleine dann ganz frei ihre Erfahrungen machen. Ohne Erwartungsdruck und Versagensängste. Dann haben wir halt die Geräusche verglichen, herausgefunden, ob das jetzt Groß war oder Klein. Aber es machte wieder Spaß. Ansonsten einfach zulassen. Entspannt ungemein. 😉

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