Mein Aufenthalt in der Tagesklinik – der allgemeine Ablauf

Ja ja, lang ist es her, dass ich von mir habe hören lassen. Ohne vorherige Abmeldung habe ich mir mehrere Wochen Auszeit gegönnt. Ab jetzt hoffe ich, dass ich wieder in einen Rhythmus hineinkomme, denn es haben sich viele Dinge in meinem Kopf angesammelt, die unbedingt verbloggt werden möchten. Nun aber zum ursprünglichen Grund meiner kleinen Abwesenheit: ich war zwischenzeitlich in der Tagesklinik. Das hatte ich ja bereits (hier) angekündigt und nun konnte ich es auch endlich umsetzen.

Da es doch recht viel ist, was ich darüber zu erzählen habe, habe ich beschlossen, den Rückblick in 2 Teile zu teilen. Zu erst einmal ein genereller Überblick, die allgemeinem Abläufe etc. Im zweiten Teil (hier) werde ich dann etwas persönlicher und schildere meine eigenen Eindrücke. Wahrscheinlich kommen auch noch einige Verlinkungen nachträglich dazu zu den verschiedenen Therapieangeboten. Andernfalls würde es nämlich tatsächlich den Rahmen sprengen. 😉

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Vor Der Tagesklinik – Die Formalitäten

Zu Beginn stand die Suche nach der entsprechenden Einrichtung. Ich fand insgesamt 3, zwei passten nicht für mich. Bei der erwählten Tagesklinik fragte ich mich dann einfach telefonisch durch, was ich so alles benötigte, um dorthin gehen zu können.

  1. eine klare Indikation – festgestellt durch den Hausarzt oder auch einen Psychiater
  2. ein Vorgespräch in der entsprechenden Tagesklinik, dafür benötigt man eine Überweisung in die Psychiatrische Instituts-Ambulanz (PIA)
  3. einen Termin für den ersten Tag
  4. eine Einweisung vom Hausarzt/Psychiater
  5. einen guten Plan, um Tagesklinik und Alleinerziehenden-Alltag zu wuppen 😉

Da zwischen Erstgespräch und Aufnahme mehrere Wochen Zeit waren, gewöhnte ich meine Tochter schrittweise an den zukünftig neuen Tagesablauf. Denn statt um 9.00 Uhr musste sie zukünftig um 7.30 Uhr in der Kita sein. Auch erfragte ich die Richtlinien bei der Leitung, unter welchen Bedingungen ich den Frühdienst nutzen könne. Den Papa meiner Kleinen stellte ich darauf ein, dass er etwas präsenter sein müsse in der Zeit (ratet mal, wer sich da besonders rar gemacht hat….), die Patentante wurde mit ins Boot geholt (die war wirklich die beste Hilfe! ❤ ). Der Stiefopa wurde auch einige Male miteinbezogen und die Oma kam dann auch zur Unterstützung. Trotzdem war es ein ordentlicher Ritt für mich.

In der Tagesklinik

Vorausschauend hatte ich einen Donnerstag als ersten Tag gewählt. So hatte ich nach zwei Tagen die Möglichkeit, die Eindrücke erst einmal sacken zu lassen. Natürlich war ich völlig erkältet und völlig verpeilt, die Informationen kamen gar nicht so richtig an. Grundlegend waren die Strukturen relativ einfach:

  1. gemeinsames Frühstück: Der erste Tagesprogrammpunkt. Pünktlichkeit war da noch nicht von Nöten, gerade für mich war das sehr entspannend. Denn die meisten Eltern wissen ja, wie das ist, eine Dreijährige „pünktlich“ in die Kita zu bekommen… 😉 Anwesenheit war schon gern gesehen, wurde auch kontrolliert. Aber da dies noch kein therapeutischer Programmpunkt war, nahmen das Einige nicht so ernst mit der Anwesenheit. (Ich schon!)
  2. Morgenrunde: geleitet von der Stationsleitung oder eine Psychologin. Wenn neue Patienten aufgenommen wurden, waren auch die anderen Betreuer anwesend. Jeder Patient hatte sich vorzustellen und kurz etwas zur eigenen Befindlichkeit zu sagen. Es wurde der allgemeine Ablauf besprochen, die Einzeltermine bekannt gegeben. Auch konnte man ansprechen, ob man Gruppen tauschen könnte oder einfach auch um ein Gespräch bitten.
  3. Bewegungsangebot: In der Regel ein kurzer Spaziergang. Auch wieder ein gern geschwänzter Tagespunkt. Von mir jedoch nur recht selten.
  4. Erstes Therapieangebot (1.TA): Der erste „richtige“ psychologische Tagespunkt. Normalerweise lagen mehrere Angebote parallel. Diese legte man jedoch nicht selber fest, sondern wurden von dem Pflegepersonal individuell festgelegt. Man konnte zwar darum bitten, zu wechseln, in einigen Fällen ging das dann aber nicht wegen der therapeutischen Wirkung usw.
  5. Zweites Therapieangebot (2.TA):s.o.
  6. Mittagessen: war von schwankender Genießbarkeit und zwischenzeitlich echt eine harte Nummer.
  7. Drittes Therapieangebot (3.TA) (außer mittwochs und freitags): s.o.
  8. Abschlussrunde: wieder unter Leitung der Stationsleitung/Psychologin. Auch hier hatte jeder kurz darüber zu  berichten, wie es ihm geht, was ihm gefallen hat, was er eventuell im Anschluss noch geplant hat.
  9. NACH HAUSE! 😀

BESONDERHEITEN:

Dienstags lief neben den ersten beiden TA parallel die Visite. Zudem hatten wir als einen Programmpunkt den sogenannten Kulturtreff, in dem wir uns allgemein ausgetauscht haben. Der 3.TA war immer eine sportliche Aktivität, die frei wählbar war.

Mittwochs hatten wir statt der 3.TA eine Außenaktivität geplant. Vom Grillen über’s Eis essen zum Museumsbesuch – recht abwechslungsreich.

Freitags war die 1.TA immer Yoga oder Gymnastik. In der 2.TA wurden dann die Aufgaben für die nächste Woche festgelegt (Müll wegbringen, Tische abwischen, Geschirrspülerdienst etc). Nach dem Mittagessen gab es dann ein offenes Café, für das am Vortag von uns gebacken wurde. Freunde und Verwandte waren herzlich willkommen. Meine Kleine war insgesamt drei Mal da und fand es nur toll (Patienten und Pflegeteam waren total vernarrt in sie).

Und da ich noch nicht genug Auflistungen angeführt habe, noch einen kleinen Überblick darüber, was man unter therapeutischen Angeboten verstehen kann:

Gesprächsgruppe: Die Teilnehmer einer Gesprächsgruppe waren in der Regel die gleichen. Die Inhalte waren von allen, Psychologin und Patienten, vertraulich zu behandeln. Am Anfang der Runde konnte jeder, der mochte, ein Thema vorschlagen, dass ihn selbst betraf. Gab es mehrere Vorschläge, stimmten wir Patienten ab, welchem wir uns widmen. Dabei gingen wir auf das individuelle Problem ein, teilten eventuelle eigene Erfahrungen, boten Lösungsvorschläge an etc.

Gruppe sozialer Kompetenzen: Auch hier waren die Teilnehmer auf eine Gruppe festgelegt. Hier ging es grundlegend darum, wie man sich in sozialen Situationen verhält. Selbstbehauptung, Selbstliebe, Abgrenzung waren oft ein Thema.

Entspannung: Im Ruheraum wurde zuerst über progressive Muskelentspannung eine angenehme Schwere erzeugt. Anschließend folgte eine Gedankenreise, bei der die meisten oftmals weggedöst sind. Ein eindeutiges Anzeichen von Entspannung. 😉

Bildrechte mamamitmacken / Von mir geflochtener Korb
Bildrechte mamamitmacken / Von mir geflochtener Korb

Offenes Werken: Jeder konnte nach eigenem Geschmack Werkstücke fertigen. Mandalas ausmalen oder selber entwerfen, Zeichnungen mit Bleistift, Kreide, Acryl oder Aquarell fertigen, Körbe flechten, Holzstücke mit einem Holzbrenner bearbeiten, Holzkisten bemalen oder bekleben, Serviettendruck, etc, etc.

Gestaltungsgruppe: Das Thema und die Arbeitsweise wurden vorgegeben. Von Postkarten gestalten über Lesezeichen fertigen bis zu Stempeldrücke und Mandalas entwerfen.

Kunsttherapie: Unter Anleitung mit verschiedenen Malutensilien und -techniken meist abstrakte Kunstwerke erschaffen.

Backgruppe: Man konnte eigene Rezepte einbringen oder auch welche aus dem Klinikordner auswählen und diese umsetzen. Die in der Backgruppe entstandenen Kuchen/Gebäckstücke wurden im offenen Café angeboten.

Einkaufstraining: Montags wird eine Übersicht erstellt, welche Lebensmittel fehlen – insbesondere für das gemeinsame Frühstück, aber auch an verbrauchten Backutensilien. Mit zwei Trolleys bewaffnet wurde die Einkaufsliste dann abgearbeitet.

Lebenspraktisches Training: Im Endeffekt das gründliche Putzen und Ordnen der Gemeinschaftsküche. Auch das Durchsehen des Kühlschrankinhalts nach verdorbenen Lebensmitteln gehört dazu.

Spielegruppe: Manchmal unter Anleitung, manchmal ohne wird zur spielerischen Interaktion angeregt. Ob Brettspiele, Konzentrationsspiele oder auch einfach ein wenig Kickern.

Achtsamkeit: Erlernen der Grundsätze der Achtsamkeit inklusive kleinerer Übungen. Das Verharren im Hier und Jetzt, mit allen 5 Sinnen seine Umwelt wahrnehmen OHNE zu werten.

Genusstraining: Intensives Auseinandersetzen damit, was Genuss eigentlich ist und wie wir ihn wahrnehmen. Darüber hinaus Fokus auf die verschiedenen Sinne, mit Schulungen, was für einen selber Genuss in dem Bereich ist.

Orientalischer Tanz (nur für Frauen): Hier wurde frau die Grundbewegungen gezeigt und dann wurde die Musik angeschmissen. Jede tanzte nach seinem eigenen Gusto.

Garantiert habe ich noch das ein oder andere Detail vergessen, aber das soll hier auch keine genaue Abhandlung werden. Zumal die Tageskliniken ihre Abläufe unterschiedlich (und auch nach dem entsprechenden Personal) ausrichten. Aber bevor ich dann im zweiten Teil zu meinen persönlichen Eindrücken komme, kann sich jeder schon mal einen Eindruck verschaffen, wie die Abläufe waren vor Ort. To be continued…

More is yet to come,

M.

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2 Gedanken zu „Mein Aufenthalt in der Tagesklinik – der allgemeine Ablauf“

  1. Das hört sich ganz nach der Tagesklinik an in der ich auch vor 2 Jahren war. Du bist auch aus Hannover oder?

    Jetzt bin ich sehr auf den 2. Teil gespannt, wie das alles auf dich gewirkt hat und was du dir mitgenommen hast.

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