#bloggerhausen Teil 2: Drei auf einen Streich

Die liebe Jessi von Terrorpüppi hatte ja vor geraumer Zeit zu ihrer Blogparade #bloggerhausen aufgerufen. Diesem Ruf war ich ja auch brav gefolgt und habe dazu Teil 1 verfasst. Nun war ja Sinn und Zweck der ganzen Sache, dass man zwar sich selbst betrachtet in seiner Rolle als BloggerIn, aber ebenso andere. Zu diesem Zwecke wurden jedem Teilnehmer drei andere Blogs zugelost, derer er sich annehmen sollte. Für mich hat die Lostrommel folgende Blogs ausgelost: so schön unperfekt, MomsOffice, Wurzeln und Flügeln.

Angesichts der Tatsache, dass ich momentan nicht so viel Zeit zum Bloggen habe, werde ich mich allen dreien in einem Post widmen. Somit gleich zum ersten Kandidaten!

So schön unperfekt

Bei „so schön unperfekt“ schreibt Daniela, Ende 20, Heilerziehungspflegerin, Mutter einer Tochter und Frau „des (eigenen) Superheldens“. Das Design ihres Blogs ist sehr harmonisch und klar gegliedert. Auf der Seitenleiste findet sich fast alles, was das Herz begehrt: ihr Archiv, die Kategorien, Folgemöglichkeiten und auch die Verlinkungen zu Twitter und Facebook. Darüber hinaus hat sie noch ein zweites Menü, dass neben der Startseite, Informationen über sie bereithält, sowie ihre Blogroll und eine eigene Seite für den Kindermund.

Die Blogroll ist mit sehr viel Liebe gemacht. Zu jedem Link gibt es eine kleine Beschreibung, die einem eine gute Vorstellung gibt, was einen erwartet und somit zum Weiterklicken und -lesen einlädt. Ihrer Selbstbeschreibung hat sie noch einige Links hinzugefügt, zu eigenen Seiten, auf denen man noch mehr über sie erfahren kann. Definitiv eine Idee, die ich mir für meinen eigenen Blog merken werde. 😉

Daniela bloggt seit noch nicht einem Jahr, das allerdings mit sehr viel Gefühl und Herzblut. Ihren Schreibstil mag ich sehr, er ist natürlich und lässt sich sehr gut lesen. Bei der Durchsicht gab es viele Posts, die mir gefallen haben, beschränke mich hier aber auf einige wenige:

Warum ich ohne Beleghebamme keine weiteren Kinder haben möchte

Neue Erkenntnisse oder auch Superhelden können Glucken sein

Es schreit und schreit und schreit…

Verbesserungsvorschläge habe ich keine. Wir beide schreiben noch nicht so lange und das bisschen Erfahrung mehr (wenn man überhaupt davon sprechen kann) ist nicht Anlass zu urteilen. Einige Ideen werde ich für mich mitnehmen. Ansonsten kann ich nur sagen: FOLGT. Ich tue es auch.

MomsOffice

Hier schreibt Sam, Mutter zweier Söhne über ihr Leben und ihre Erfahrungen. Mit dem Vater ihrer beiden Jungs ist sie nicht mehr zusammen, dieser ist nach wie vor noch präsent in deren Leben. Das Layout ist klar und gut gegliedert, leicht business-like wie es bei dem Namen auch zu erwarten war. Auf der Randleiste findet man Verlinkungen zu den letzten Beiträgen, ihre Kategorien, das Archiv und ihre letzten Tweets.

Die Texte hingegen sind nicht „business-like“, sondern direkt aus ihrem Leben gegriffen. Auch hier sagt mir der Schreibstil sehr zu und berührt mich. Sam hadert ein wenig damit, wie sehr sie ins Detail gehen soll und was sie alles in einen Blogbeitrag einbringen möchte. Dies wird insbesondere hier deutlich.

Die Frequenz ihrer Beiträge variiert. Das Leben mit Kindern, Arbeiten und allem drumherum geht bei ihr einfach vor uns so sehr ihr das Bloggen auch Spaß macht, es muss halt zurückstecken hinter den wichtigen Dingen des Lebens. Aus meiner Sicht eine sehr vernünftige Einstellung und sehr gut nachvollziehbar. Denn das, was sie dann bloggt, ist dafür umso prägnanter.

Besonders gefallen haben mir die folgenden Beiträge:

Bereuen ist das falsche Wort

Die Pubertät und der Sohn auf Abwegen

10 Jahre Zweifachmami! – Ein melancholischer Rückblick

Spannend finde ich ihre Erzählungen von daher, da sie nicht nur Mutter zweier Jungs ist, sondern diese schon älter sind als meine Tochter. Die Themen sind ganz andere als die aus meinem Alltag und eröffnen mir eine ganz andere, neue Welt. Auch hier: Prädikat lesenswert!

Wurzeln und Flügel

Der dritte Blog in der Runde war mir wie die beiden davor noch unbekannt. Der Name ist einem Zitat von Goethe entliehen:

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel

Jasmin ist Mitte dreißig, verheiratet und Mutter zweier Jungs. Ihr Blog befasst sich sehr umfassend mit den Themen Achtsamkeit, Dankbarkeit und Selbstreflexion (und natürlich ihr Familienleben). Ihr Layout spiegelt dies auch sehr schön wieder. Besonders gefällt mir die kleine Selbstvorstellung in der Seitenleiste, so weiß man immer, worum es geht und wer schreibt. Darüberhinaus findet man dort Informationen zu den meistgelesenen Beiträgen, Verlinkungen zu facebook und Twitter sowie eine Blogroll.

Einen großen Anteil an den Beiträgen haben wiederkehrende Elemente. In Mach dein Denken zum Danken listet sie regelmäßig auf wofür sie dankbar ist. Auch ist sie fleißige Teilnehmerin an 12von12 und Wochenenden in Bildern. Leider muss ich gestehen, dass diese Rubriken von mir gerne übersprungen werden. So habe ich auch hier nur überflogen, was Jasmin verfasst hat. Interessanterweise inspiriert mich ihr Umgang mit Dankbarkeit und Achtsamkeit. Zwar nicht für meinen eigenen Blog, dafür für mein Privatleben. Ich schätze, ich werde noch das ein oder andere Mal darauf zurückgreifen, wenn ich mich selbst mit der Thematik näher auseinander setze.

Darüberhinaus habe ich noch einige andere lesenswerte Post gefunden. Um nur ein paar zu nennen:

Nachbarkeitsplausch über Vereinbarkeit

Das Leben als Chance

Blogparade #Familienalbum: meine Geburt in den 70ern

Da Jasmin „erst“ seit November bloggt, habe ich tatsächlich bis zum Ende bzw Anfang gescrollt. Um festzustellen, dass es sehr viele schöne, persönliche Beiträge gab gerade in der „Frischling-Phase“. Diese kleinen Perlen musste ich mir aber hart erkämpfen, weswegen ich hier ausnahmsweise einige kleine Verbesserungsvorschläge anbringen möchte. Ich glaube, dass man mit Kategorien und einem Archiv es dem Leser erleichtern kann, besser zu den für ihn interessanten Beiträgen zu kommen. Und ganz persönlich wünschte ich mir mehr von den ursprünglichen Posts. Der Schreibstil ist wunderbar und schön zu lesen, von daher immer mehr davon!

Und da ich nicht die Einzige bin, die andere Blogs vorstellen soll, hier noch einen Link zu Part 2 bei Terrorpüppi. Hier gibt es dann auch die Auflistung aller Blogvorstellungen. Schaut doch einfach mal rein! Wer weiß, was man dort noch alles entdecken kann.

More is yet to come,

M.

 

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#bloggerhausen: eine Welt für sich – und ich

Die liebe Jessi von Terrorpüppi hat zu einer Blogparade aufgerufen. Es dreht sich rund um die Bloggerwelt – wie man sich selbst sieht und die anderen Blogger, was einem wichtig ist oder vielleicht auch fehlt. Und da ich mich ja immer angesprochen fühle von Blogparaden, fühle ich mich mal wieder genötigt meinen Senf dazu zu gegeben.

Da ich nach wie vor noch nicht wieder ganz in meiner Blogroutine angekommen bin, werde ich mich erstmal an den Fragen von Jessi entlanghangeln und schauen, wohin es mich führt. 😉

Beschreibe deinen Blog in drei Worten

Bah, dass fängt ja gut an! Sowas kann ich ja überhaupt nicht. Mamablog, selbstkritisch, leicht durchgeknallt. Oder so.

Beschreibe dich als Blogger bzw. Bloggerin in zwei Sätzen

Bei mir dreht sich zuerst einmal alles um das Muttersein und Kindhaben, gerade im Bezug dazu, dass ich ja so einiges an Vorgeschichte und psychischen Merkwürdigkeiten mitbringe. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit noch anderen Themen, meist eher kritisch und hinterfragend, auch gerne mir selbst gegenüber. (Vielleicht hätte ich das auch nur gerne so XD )

In welchen Situationen und welchen Menschen erzählst du außerhalb des Internets von deinem Blog?

Meine engste Familie weiß schon, dass ich blogge. Aber in der Regel liest von denen keiner mit. Manchmal verschicke ich einen Link, wenn ich möchte, dass sie den Beitrag auch lesen. Ansonsten unterstützen sie mich dabei, da mir das blogge sehr gut tut. Oftmals diskutiere ich mit meinem Vater oder meiner Mutter, was mir zu bestimmten Themen durch den Kopf geht und sortiere so schon, was später dann geschrieben wird.

Auch meine engsten Freunde wissen, dass ich blogge. Wenn ich mich spezifisch auf sie beziehe, dann frage ich sie vorher bzw. lasse sie vor dem Veröffentlichen noch einmal rüber schauen. Eine Freundin folgt mir sogar und liest wirklich alles von mir. Oftmals diskutieren wir noch im Nachhinein darüber. Sie ist aber die Einzige, bei der ich diese „Blognähe“ haben möchte. (hey Schnuggi! *wink in die Kamera*)

Mein restliches Umfeld weiß nichts, es geht sie nichts an. Zumal ich ja nicht umsonst anonym blogge.

Welchen Blog – abgesehen von deinem eigenen – würdest du mir als allererstes empfehlen wollen?

Wieder so eine gemeine Frage! Ich finde, es kommt auch ein wenig darauf an, wem man etwas empfehlen möchte. Da ich mich größtenteils in der Elternblogger-Ecke rumtreibe, kommen die meisten Empfehlungen aus dem Bereich. Auch für Nicht-Eltern sehr unterhaltsam finde ich Christian vom Familienbetrieb und auch Andrea Harmonika mit gleichnamigen Blog. So unterhaltsam, wie beide schreiben, ist es (fast) egal, worüber. Übrigens noch lustiger, wenn man sie jemand anderem vorliest.

Welchen Blogger oder welche Bloggerin möchtest du gerne mal im richtigen Leben kennenlernen?

Das sind so viele! Bei manchen würde ich wahrscheinlich keinen Ton raus kriegen, einfach weil sie zu den „Etablierten“ gehören oder ich deren Schreibweise beneidens- und bewundernswert finde. Angefangen mit den beiden oben Genannten. Auf die Liste käme auch Séverine aka Mama on the rocks. Jessi (Terrorpüppi) und Lena (Elfenhimmel / Schmetterlingsfamilie) gehören genauso dazu. Auch Christine von Mama arbeitet beeindruckt mich sehr, ich würde gerne wissen, wie sie im „realen“ Leben ist.

Wenn du dir aussuchen könntest, mit jemanden ein Interview auf deinem Blog zu führen – egal mit wem – wer wäre das?

Mit meiner Stiefmama. Ich vermisse sie nach wie vor. Sie war ein sehr interessanter Mensch, mit vielen verschiedenen Erfahrungen und Geschichten. Auch wenn ich schon viele gehört habe, so gibt es einige, die ich nicht kenne. Ich werde sie nie zu hören bekommen und das bedauere ich sehr.

Welche Art von Beiträgen liest du gerne auf anderen Blogs?

Die persönlichen Erlebnisse. Darüber, was gut funktioniert oder nicht, mit all den Fehlern und Aha-Momenten, die das normale Leben mit sich bringt. Das muss sich nicht nur um die Familie im engeren Sinne drehen, sondern sich auf alle Bereich des Lebens erstrecken. Von sehr ernst bis urkomisch ist bei mir alles willkommen.

Auch freue und amüsiere ich mich immer sehr über Tweetsammlungen. Gerne auch Blogpostempfehlungen, oftmals stößt man so auf andere Blogger oder Themen, die einem gefallen können.

Welche Art von Beiträgen magst du überhaupt nicht gerne auf anderen Blogs lesen?

In den meisten Fällen DIY, sehr viele der gesponserten Posts, Verlosungen und Buchbesprechungen. Es gibt immer wieder Ausnahmen, aber grundsätzlich überspringe ich das direkt.

Was hast du dich beim Bloggen schon „immer“ gefragt?

Warum kann ich mir nie merken, wie ich es im Kopf vorformuliert habe? Immer wenn ich mich dann hinsetze klingt es nicht halb so gut. Daraus ergibt sich oft: wie bekommen das die anderen hin? Ich will auch so pointiert, so witzig oder warmherzig schreiben können!! Und auch: wo nehmen die die Zeit, Energie oder Muße her, so produktiv und gut zu sein?

Was würdest du Blogger-Neulingen raten?

Lies bei anderen, um ein Gefühl für die Bloggerwelt zu bekommen. Lass dich von Themen inspirieren oder auch Rubriken. Schreibe einigermaßen verlässlich. Speichere Entwürfe aus produktiven Phasen für den Notfall. Geh zu Twitter. Echt jetzt. Dieser Schritt ist bei mir noch gar nicht so lange her und ich ärgere mich, das nicht schon früher gemacht zu haben.

Ganz wichtig finde ich auch, wenn man sich vernetzen will: kommentiere bei anderen. Und zwar mehr als: Oh, wie schön, ich hab ähnliches geschrieben [LINK]. Nimm Bezug auf den Inhalt. Auch wenn der Blogbesitzer nicht die Zeit finden sollte, mal zurückzuschnuppern, der ein oder andere Leser könnte neugierig werden und mal reinlesen. Das gilt übrigens auch für Twitter.

Was ich gerne nutze, sind Blogparaden. Nach meiner ersten sind direkt kurzfristig meine Blogstatistiken explodiert, jedenfalls für meine Verhältnisse. Seitdem sehe ich zu, regelmäßig bei diesen Aktionen teilzunehmen. Quasi als Ego-Boost. 😉

Was wünscht du dir für das Miteinander in der Blogosphäre?

Im Moment bin ich ganz zufrieden. Vielleicht weniger Empörung. Dass bestimmte Themen offen und differenziert diskutiert werden und diese oftmals von außen angestoßen werden, finde ich absolut wünschenswert. Manchmal ist es aber eher wie ein emotional sehr aufwühlender Empörungssturm, der durch die Twitter- und Bloggergemeinde rauscht. Und da solche Themen, oftmals sehr schnell hintereinander auftreten, finde ich das auf die Dauer sehr anstrengend. Gerade, wenn dann sehr verbissen diskutiert wird und zum Teil auch einzelne Blogger „aufs Korn“ genommen werden. Natürlich ist ein kritische Auseinandersetzung wünschenswert und wer sich den Frust von der Seele schreiben muss, der soll das tun. Aber in letzter Zeit ist es für mich fast too much.

Das soll es von mir jetzt erst einmal gewesen sein. Mit mehr Zeit und Planung wäre wahrscheinlich noch mehr möglich gewesen, aber momentan fordert meine kleine, kranke Maus viel Aufmerksamkeit. Und den Platz auf meinem Schoß.

Ich freue mich auf den 2.Teil!

M.

#geschichtenvomscheitern: Die Taufe, a never-ending story?

So, da es mir nach wie vor schwer fällt die letzten Wochen und alles, was damit zusammen hängt, in Worte zu fassen, nutze ich mal wieder eine Blogparade, um mich zu Wort zu melden. Die liebe Alu von Grosse Köpfe sammelt gerade Geschichten vom Scheitern. Ursprünglich war die Aktion bis Ende März geplant, zu meinem Glück dann aber freundlicherweise verlängert. Puh! Dementsprechend ist schon viel zusammen gekommen. Wer also noch mehr lesen will, der sucht entweder unter #geschichtenvomscheitern oder klickt hier und schaut sich das bei Grosse Köpfe in der Übersicht an.

Zum Thema Scheitern könnte ich richtig viel beitragen, gerade rückblickend gehe ich nicht sehr wohlwollend mit mir um. Ob nun das abgebrochenen Biologiestudium, gescheiterte Beziehungen (inklusive der zu dem Vater meiner Tochter), psychische Tiefpunkte oder gescheiterter Berufswiedereinstieg. Wahrscheinlich könnte ich mit meinem persönlichen Versagen eine ganze Blogparade selbst bestreiten. Aber das will ich weder mir noch euch zumuten.

Von daher habe ich mich jetzt auf ein Thema begrenzt – und zwar eins, bei dem ich nicht so völlig deprimierend und selbstzerfleischend daherkomme. Tut mir nicht gut und ist auf Dauer auch nicht unbedingt lesenswert.

Nun gut, dann jetzt endlich mal zum Hauptthema: es geht um die Taufe meiner kleinen Maus. Schon in der Schwangerschaft waren wir Eltern uns einig, dass das liebe Töchterlein getauft werden sollte. Und zwar relativ zeitnah, aber nicht im Wochenbett. Ich persönlich habe mit der Kirche nicht viel am Hut. Bin nicht getauft, war nie wirklich im Gottesdienst. Dafür aber im Religionsunterricht in der Schule und im Kinderkirchenchor. Bei meinem (damaligen) Freund sah das schon ein wenig anders aus. Er ist wirklich gläubig. Über den Weg gelaufen sind wir uns damals nur, weil er von der Kirche kam und ich von meinen Großeltern. Allerdings kennt er sich mit den europäischen Gebräuchen nicht wirklich aus als Nigerianer.

Soviel zu unserer Planung. Völlig blauäugig hatten wir nun beschlossen, dass unser Kind getauft werden sollte – hatten aber keine Ahnung, wie das nun abläuft. Die erste Zeit nach der Geburt unserer Kleinen war an eine Taufe überhaupt nicht zu denken. Arztrennerei war angesagt, genauso wie die überaus unerfreulichen Behördengänge. Zuständig war immer ich. Darüber hinaus mussten wir dringend umziehen, meine Wohnung war definitiv zu klein für uns drei. Da rückte für mich das Thema Taufe sehr schnell nach unten auf meiner To-Do-Liste.

Trotzdem stand dann irgendwann ein Erstgespräch an in einer nahegelegenen Kirche. Per Telefon (?!) wurde uns die ersten Abläufe und „Anforderungen“ mitgeteilt und dann ein Termin zur Taufe vereinbart. Vorher dann noch ein „Kennenlern-Gespräch“. Der Aufforderung, uns mal einen Gottesdienst anzuschauen, kamen wir nach. Für mich Stress pur, da die Kleine mit damals vier Monaten nicht mehr ganz so pflegeleicht war.

Und bei dem Kennenlern-Gespräch stellte man dann fest, dass wir doch mehr Probleme bei den Vorplanungen hatten als gedacht. Taufspruch hätte der Pastor uns noch geben können. Mit den Taufpaten wurde es dann schon schwieriger. Die hatten dann nämlich die falsche Konfession, wenn sie denn überhaupt getauft waren. Wir spielten verschiedene Szenarien durch, die für den Pastor denkbar wären, aber letztendlich scheiterte es an einem evangelisch getauften Paten. Den hatten wir nämlich nicht. Und da dann langsam der Umzug anstand, verschoben wir den ganzen Spaß. Dann sollte die kleine Maus halt in der neuen Gemeinde getauft werden.

Bei all dem war der Vater des Kindes nicht wirklich hilfreich. Er konnte das alles überhaupt nicht verstehen, dieses ganze bürokratische Gedöns. In Afrika bräuchte man keine Paten und noch nicht mal einen Gottesdienst. Eltern, Taufbecken, Kind, Pastor – reicht. Auch half es nicht besonders, dass er den Frust an mir abließ, sich aber mit den sprachlichen Barrieren aus jeder Verantwortung stahl. Meine Kultur – mein Problem. Dass ich es jetzt nicht so dringend hatte, sie taufen zu lassen, war ihm irgendwie nicht so klar.

Naja, erstmal umziehen, dann kann man das ja wieder in Angriff nehmen. Denkste! Denn neben Renovierung, Umzug und Neu-Einrichten blieb anfangs nicht viel Zeit. Auch der Schlafmangel machte es nicht besser ( halt das erste Jahr, nicht?). Es wurde auch dadurch nicht besser, dass er als Vater immer weniger präsent war. Sowohl als Vater als auch als Partner. Die Ansprüche an mich stiegen, seine Erwartungshaltung auch – nur seine Mithilfe nahm stetig ab. Noch vor dem ersten Geburtstag unserer Tochter trennten wir uns. Bis er auszog, verging noch ein halbes Jahr, in dem wir immer heftiger stritten und uns fast schon spinnefeind waren.

Nach seinem Auszug war zwar er als Stressfaktor nicht mehr permanent präsent vor Ort, dafür ging es jetzt vermehrt um Umgang und dergleichen. Und mir fehlte es doch auch an Entlastung und Mithilfe. Sich mit einem Mal darauf einzustellen tatsächlich alleinerziehend zu sein, ist doch noch etwas ganz anderes, als wenn man das im Vorfeld versucht zu planen. Thema Taufe? Ach komm, wir schauen dann, wenn es wieder ein wenig ruhiger geworden ist.

Als nächster vorgeschobener Grund durfte dann die Krippenplatz-Suche herhalten. Oder meine persönliche Suche nach einem Therapieplatz. Dazu den Versuch, mir selber Auszeiten zu gönnen. Achja, und dann habe ich ja mit dem Führerschein angefangen, dass passte sich gerade so gut. Erwähnte ich schon, dass der Vater des Kindes nicht sehr verlässlich war?

Im Endeffekt gab es immer wieder Gründe, warum ich das mit der Taufe immer wieder aufschob. Damals hatten wir das mal beschlossen, als wir noch ein Paar waren. Aus meiner Sicht wollte ich es ihm zuliebe machen. Doch wir waren kein Paar mehr. Und diese Ignoranz und Arroganz, mit der er es auf mich abwälzen wollte, die machten es auch nicht gerade besser. Zumal ja das grundlegende Problem weiter bestand: wir hatten keinen Taufpaten!

Seit den ersten Lebensmonaten meiner Tochter steht auf der Agenda, dass sie getauft werden sollte. Tatsächlich kam dieser Punkt immer wieder auf meine To-Do-Listen. Also nach unten. Gaaaanz weit nach unten. Und wurden immer wieder übertragen. Bis… ja bis. Bis mein Ex die Nase voll hatte und selber einen Termin vereinbart hat. In der Kirche direkt um die Ecke. Zwar schaffen wir es nicht mehr vor dem dritten Geburtstag unserer Tochter (der ist diese Woche), aber es sieht sehr gut aus für diesen Sommer.

Nach diesem Erst-Gespräch habe zwar wieder ich die ganze Verantwortung für das Unterfangen, aber es scheint so, dass sich die ganzen Widerstände von selbst auflösen. Zum Einen haben wir jetzt endlich den richtigen Taufpaten. Also eigentlich eher eine Taufpatin. Mit der nicht nur mein Ex und ich einverstanden sind, sondern auch unsere Tochter UND die Pastorin. Letztere zweifelte nämlich ernsthaft daran, dass wir unsere Tochter dann auch im Glauben erziehen würden (Was nebenbei bemerkt eher Aufgabe des Vaters wäre, da immerhin er derjenige ist, der gläubig ist). Zudem gibt es einen Familiengottesdienst in der Kirche, in dem Kinder allen Alters nicht nur willkommen sind, sondern nach deren Bedürfnissen der Gottesdienst ausgerichtet ist. Besonderer Pluspunkt sind die Gospelgottesdienste und der Kinderchor schon ab Kindergartenalter. Die Vorzeichen stehen diesmal deutlich besser.

In meiner Familie hat schon lange niemand mehr daran geglaubt, dass das noch mal was wird mit der Taufe. Ich zum Teil ja auch schon nicht mehr. Und irgendwie hat mein persönliches Scheitern und auch das Scheitern meiner Beziehung zum Vater meiner Tochter dazu geführt, dass auch das Taufvorhaben immer wieder gescheitert ist. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Anläufe es zumindest gedanklich gegeben hat. Inzwischen bin ich sogar froh, dass es so lange gedauert hat.

Denn jetzt haben wir nicht nur eine voll motivierte Patentante, die nicht nur „pro forma“ evangelisch ist, sondern auch ein monatliches Ritual. Familiengottesdienst. Mit der Patentante und deren Kind. Eventuell mal mit der Oma oder dem Papa dazu.

Das passende Kleid hat sich zu dem Zwecke auch gefunden. Ich bekomme die erträumte Sommertaufe. Und meine Tochter darf auch ein wenig mitbestimmen. Die ist nämlich absolut begeistert. Nicht nur von dem Gottesdienst, sondern auch von dem Gedanken getauft zu werden. Natürlich hat sie keine wirkliche Vorstellung davon, was eine Taufe bedeutet. Aber sie hat jetzt schon eine gesehen, sie freut sich darauf, auch Mittelpunkt des Gottesdienst zu werden. Sie freut sich auch auf ihr schönes Kleid, und dass gesungen wird.

Hätte ich vor einem halben Jahr über die Taufe geschrieben, dann wäre es eine reine Geschichte des Scheiterns. Das fortlaufene Wiederholen des ewigen Scheiterns. Eine eher triste und trübe Geschichte.

Jetzt allerdings ist es eine Geschichte vom Überwinden des Scheiterns. Dass es einen Unterschied gibt zwischen Scheitern und Gescheitert-sein. Hätten wir irgendwann den Gedanken aufgegeben, dann wären wir vollendens gescheitert. So wie es jetzt aussieht (und ja, ich bin optimistisch, dass es jetzt tatsächlich klappt!!) werden wir unser Scheitern überwinden. Und bekommen zudem noch eine absolut für uns und in sich stimmige Taufe. Vielleicht gibt es ja einen tieferen Sinn hinter der Sache, warum es vorher nicht hat klappen können oder sollen? Wer weiß?

Und wichtig finde ich die Erkenntnis, dass Scheitern nur ein temporäres Versagen ist. Nur weil etwas gerade nicht stattfinden, klappt oder möglich ist, so ist das nicht für alle Ewigkeit so. Ob nun die richtigen Fähigkeiten/Eigenschaften fehlen, die richtigen Umstände oder der richtige Zeitpunkt, daran lässt sich oftmals noch was drehen. Nur wenn man das Scheitern akzeptiert und nicht mehr dagegen ankämpft, nur dann ist man wirlich gescheitert.

More is yet to come,

M.

 

#Dubistich – Oder wie Gegensätze sich ergänzen

Da bei mir momentan einiges im Argen ist, schaffe ich es nicht mehr so regelmäßig zu bloggen, wie ich es gerne hätte. Auch kann ich das, was mir im Kopf herumschwirrt noch gar nicht so richtig in Worte fassen oder auch in einen Rahmen bringen. Von daher freue ich mich umso mehr über die Blogparade von Mama on the Rocks. Dabei geht es um das, was wir von uns in unseren Kindern entdecken. Was wir ihnen über unsere Gene und auch unser Vorbild weitergeben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, jetzt den finalen Anstoß bekommen zu haben, diesen Beitrag endlich zu schreiben. Schon seit längerem geht dieser Gedanke in mir, etwas darüber zu schreiben, wie schön meine Tochter ihre unterschiedlichen Herkünfte in sich vereint.

Sobald man mit einem Kind schwanger ist, fängt das Kopfkino an zu arbeiten. Wie wird es aussehen, wie wird es sein? Man versucht sich Kombinationen zu überlegen aus seinem Partner und sich. Die Möglichkeiten sind schier endlos – die Neugier meist auch. 😉 Nun ist es ja so, dass der Vater der kleinen Maus und ich rein optisch sehr gegensätzlich sind.

Ich bin sehr hellhäutig, werde nie braun im Sommer (höchstens rot, selbst das Solarium soll ich meiden). Er ist als Nigerianer sehr dunkelhäutig. Ich bin klein – er ist groß. Meine Haare sind eher glatt, selten mal gewellt – seine sind halt klassisch kraus. Meine Nasenspitze ist sehr ausgepragt – seine Nase ist breit angelegt, aber dafür flach. Ich habe grüne Augen – er dunkelbraune. Die Bandbreite der Möglichkeiten schien sich um ein vielfaches verdoppelt zu haben. Gerade auch, weil manche Eigenschaften sich nicht zu hundert Prozent vererben, sondern graduell.

Oftmals wünschte ich mir, unsere Tochter würde mehr nach ihm kommen. Er ist wirklich ein sehr hübscher und attraktiver Mann. Ich hingegen weiß mich in manchen Dingen nicht zu schätzen. Doch nachdem wir uns im Geiste zigmillionen Möglichkeiten ausgemalt hatten, kam dann irgendwann der Tag der Offenbarung…

… und wir fanden uns anfangs kaum wieder. Was allerdings daran lag, dass unser kleines liebes Töchterlein nach einer schwierigen Geburt einfach verflucht zerknautscht war. Und mit ihren knapp 5 kg Geburtsgewicht am ehesten dem Michelinmännchen glich. Und unsere Tochter war ja noch gar nicht wirklich fertig. Was man meistens nicht weiß, ist, dass sich gerade bei farbigen Kindern die Hautfarbe noch verändern kann im ersten Lebensjahr – genauso wie die Haarstruktur!

Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt
Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt

Am Anfang war die kleine Maus wirklich extrem hell und ihre Haare waren schwarz und komplett glatt. Über die Monate hinweg dunkelte ihr Teint nach und ihre Haare wurden erst wellig, dann lockig. Kontinuierlich kam auch richtig krauses Haar nach mit komplett anderer Haarstruktur. Der „Babyflaum“ verwuchs sich. Inzwischen hat sie wirklich krause Haare und auch von der Hautfarbe her ist sie jetzt konstant. Im Sommer dunkler als im Winter – wie bei so vielen.

Rein optisch gesehen vereint sie in vielen Dinge die Merkmale von beiden Elternteilen. Bei dem Mund zum Beispiel oder auch bei der Nase. Bei einigen Sachen kann sie es tatsächlich von jedem von uns geerbt haben oder auch von uns beiden gemeinsam. Die stämmige Statur mit dem breiten Kreuz. Das ausladende, hoch angesetzte Hinterteil (ja, dass sieht man jetzt schon.. ), die Grübchen in den Wangen, wenn sie lächelt.

Und in manchen Dingen ist sie auch sehr klar einem von uns zuzuordnen. Sie hat die Augen ihres Vaters: groß, dunkelbraun und leicht mandelförmig. Auch das schwarze Haar inklusive Afrokrause ist von ihm. Ihr Lächeln ähnelt seinem ungemein. Was ihre Ohrgröße angeht, kommt sie nach mir (und nein, ich habe KEINE Dumbo-Ohren, nur er hat halt Miniöhrchen). Und auch ihre Hände gleichen meinen. Und das in mehreren Aspekten! Kaum dass sie in der Lage war ihre Hände dauerhaft geöffnet zu halten, fiel auf, dass sie ganze schmale, lange Hände und Finger hat – so gar nicht speckig wie Kinderhände sind in den ersten Monaten. Und der kleine Finger ist leicht nach innen abgeknickt. Wie es alle haben in meiner Familie väterlicherseits. Das konnte man sogar schon beim Feinultraschall in der 21. SSW sehen…

Und in manchen Dingen variiert es immer noch ganz stark bzw kann man noch keine abschließende Aussage treffen. Ihre Füße sind zwar verhältnismäßig groß, aber nach einer breiten Quadratlatschenphase wieder sehr sehr schlank. Auch über Größe und dergleichen lässt sich noch nicht viel sagen. Das kommt noch.

Damit hier jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich wäre nur auf Äußerlichkeiten fixiert, kommen ich jetzt zu ihren Verhaltensweisen. 😉

Sie liebt Tiere. Das hat sie absolut von mir. Und mit einer Begeisterung, die manchmal echt waghalsig und gefährlich sein kann. Kaum dass sie sitzen konnte, schmiss sie sich halb aus dem Kinderwagen, wenn wir einem Hund begegneten. Anfassen, Hauptsache anfassen. Selbst wenn sie von einem umgerannt wurde, versuchte sie noch im Fallen zu streicheln. Eigentlich geht sie auf jedes Tier zu, egal wie groß oder potentiell gefählich. Selbst im Zoo musste ich sie extra sichern, ansonsten wäre sie auch zu den Elefanten ins Gehege gesprungen. Auch der kleine Zwischenfall mit dem Fohlen, dass ihr in den Finger gebissen hat, hielt sie nicht davon ab, direkt nach dem Verarzten wieder hinzugehen. Von daher üben wir unentwegt, welchen Tieren man sich wie gegenüber verhält und dass man die Tiere immer kommen lässt. Und ja, es ist verdammt harte Arbeit.

Sie singt – immer und unentwegt. Eindeutig hat sie das von uns beiden. Wir halten es genauso wie sie und singen, pfeifen und trällern vor uns her, wenn wir gut drauf sind. Auch habe ich viel für und mit ihr gesungen. Inzwischen bekommen wir relativ viel Feedback aus der KiTa, weil sie diesbezüglich ein Talent zu haben. Nicht nur, was das auswendig lernen angeht, sondern auch ihre Treffgenauigkeit. Es macht Spaß zu sehen, wie sehr sie darin aufgeht. Und auch gerne darin glänzt (zeitweise verweigerte sie sich dem Singen in der Krippe, weil die anderen Kindern mit ihr zusammen gesungen haben. Welch Frevel!).

Sie ist offen und kontaktfreudig – jedenfalls, wenn ihr alles geheuer ist. Früher hat sie wirklich jedem auf der Straße fröhlich gewunken – solange der- oder diejenige Abstand wahrte. Jetzt braucht sie etwas Zeit um Vertrauen zu fassen, aber dann kennt sie keine Hemmungen mehr. Es wird gequatscht, gespielt, rumgealbert. Im Grundsatz ähnelt sie da mir ein wenig, ihr Vater ist da sehr viel verschlossener und auch eigenbrödlerisch. Allerdings ist sie noch gänzlich unverfänglich – ich hingegen zerbreche mir oft den Kopf, wie ich wirke, ob ich mich richtig verhalte etc etc.

In ihr steckt auch ein gewaltiger Wutteufel. Sie wütet richtig, wenn ihr etwas nicht passt, ist laut, brüllt, kreischt und ist ganz und gar ungehalten. Dies ist glaube ich nicht so sehr Veranlagung als schlechtes Vorbild. Und das lausige Vorbild bin in diesem Fall ich. Klar färbt viel ab, wenn sie den Großteil der Zeit bei mir aufwächst.

Deswegen glaube ich auch, ist sie eine so unglaubliche Plappertasche: reine Notwehr! Denn ich als Mama bin ja auch nicht zu stoppen, was das quasseln angeht. Weswegen ich auch wohlweislich eine All-Net-Flat habe. 😉

Wo sie sich aber gänzlich meinem Einfluss entzieht, ist beim Zeichnerischem. Ich habe es geliebt als Kind zu zeichnen. Und durch die Übung kann ich inzwischen auch mehr als passabel zeichnen. Meine Kleine hingegen ist dafür zu ungeduldig. Sie will auch gar nicht Objekte darstellen. Sie will schreiben. Also malt sie nur Zick-Zack, ganz klein.

Worin ich deutlich ihren Vater in ihr erkennen kann, ist in ihrem Modeempfinden. Sie liebt es in den Spiegel zu schauen, sie möchte schick aussehen. Und bei manchen Handgriffen, bei manchen Korrekturen am Kragen, Reißverschluss oder der Mütze ist es wirklich so, als würde er vor mir stehen. An guten Tagen mache ich mir auch mal Gedanken, wie was zusammen passt und überprüfe, ob es wirklich vorteilhaft sitzt. Aber diese Detailgenauigkeit, die geht mir wirklich ab. Und bequem schlägt fast immer modisch 😉

Bei ihrem Dickkopf behaupte ich immer, dass sie keine Wahl hatte – sowohl ihr Vater als auch ich haben beide einen. Weswegen es auch nie einfach war zwischen uns, weil jeder seinen Willen haben wollte. Doch dieser Dickkopf wird ihr zugute kommen. Denn auch wenn vieles über die Gene schon festgelegt ist, sie wird es sich zu Eigen machen. Zu etwas eigenem. Sie ist nicht nur die Mischung aus ihren Eltern. Sie ist sie. Und egal, was wir ihr mit auf den Weg gegeben haben, sie wird sich das Beste und vielleicht auch das Schlechteste von uns aussuchen, eben das, was ihr am Besten in den Kram passt. Und das wird sie einzigartig machen.

More is yet to come,

M.

Blogparade: Schlafenstechnisch quergelegt

Ja, diese Woche hab ich es ein wenig mit den Blogparaden. Aber wie erst kürzlich beschrieben durfte ich dank Ausnahmezustand so einiges verlegen und umplanen. Nun gut, back to topic. Die liebe Teilzeitmutter hat zum Thema „Schlafen“ der Kinder zu einer Blogparade aufgerufen . Da das sehr lange bei uns ein Thema war und immer wieder ist, möchte ich auch gerne unsere etwas holprige Geschichte beisteuern.

Mein Kind, Die Schlafkatze

Anfangs war das mit meiner Tochter noch recht einfach. Schlafbedürfnis war die ersten Wochen sehr hoch. Tatsächlich rund 16-18 Stunden am Tag. Zumindest die erste Zeit war das Einschlafen entspannt – grundsätzlich und regelmäßig beim Stillen. Stillen – 2 Stunden Schlafen – Stillen – 2 Stunden wach …usw schön im Wechsel. Nachts ließ sie die Wachphasen gleich weg. Auch mit tags und nachts hatte Madame keine Schwierigkeiten, da hatte sie im Bauch schon nachts die ruhigen Phasen. (Ja, hasst mich ruhig)

Da wir das Kinderbett noch gar nicht wirklich aufgebaut hatten *ups*, schlief sie anfangs mit im Bett. War auch praktischer so. Denn ich konnte mich nicht so gut bewegen die erste Zeit. Halt wegen 5 Kilo Baby auf natürlichem Weg mit viiiieeel Geburtsverletzung und so. Aber als das Bettchen stand, schlief sie darin. Anfangs zumindestens. Und musste auch immer schlafend hineingelegt werden.

Der rücken war schuld

Irgendwann reichte die Brust nicht mehr als Einschlafhilfe. Da wurde dann gewiegt und gesummt bis Kind schlief. Auch nachts alle 2 Stunden. Und wenn der Nuckel verlustig ging. Hand durch die Gitterstäbe reichte nicht. Zusätzlich nahm mein Töchterchen dann zu. Mit 5 kg gestartet, erreichte sie recht schnell 8 kg – mit 4 Monaten! Das war dann der Moment, an dem mein Rücken den Geist aufgab. Fast den ganzen Tag trug ich sie am Körper. Den Kinderwagen fand sie schrecklich. Nachts permanent rein ins Bett, raus aus dem Bett. Und natürlich im 2 Stundentakt Stillen. Der erste von insgesamt vier Hexenschüssen ließ meine kleine Maus ins Bett einziehen. Und ihr Vater zog aus (aus unserem Bett).

Jedes Kind kann schlafen lernen

Bei der U3 oder U4 riet mir mein Kinderarzt zu „dem berühmten Schlaflernbuch“, damit das Kind endlich im eigenen Bett schlief. Wir sollten bis nach dem Umzug warten und dann unsere Kleine nicht nur ins neue Bett umquartieren, sondern auch gleich ins neue Zimmer. Haben auch brav gewartet und dann doch erst einmal gezögert. Meine Tochter schlief nach wie vor bei mir, ihr Papa definitiv nicht mehr, zum Teil auch schon außerhausig (das Sofa war ihm zu ungemütlich).

Zudem nutzte die liebe Kleine meine Brust häufig nur noch als Nuckelersatz und ich hatte angefangen, ihr das abzugewöhnen. Was zur Folge hatte, dass sie mich kniff. Als Ersatzhandlung. Mit acht Monaten. Ihr Schlaf wurde immer unruhiger, sie wachte alle halbe Stunde auf, kniff mir in Hals und Dekollete für eine halbe Stunde im Dämmerschlaf und wachte nach einer weiteren halben Stunde wieder auf. Ich ging am Stock. Und war übersät mit blauen Flecken am Oberkörper, teilweise auch an den Armen. So ging es nicht weiter. Ich litt, meine Tochter kam nicht zur Ruhe und die Beziehung zu ihrem Vater war zusehens am Zerbrechen (hallo, er schlief nachts nicht mal mehr in unserer gemeinsamen Wohnung). Durch den immensen Leidensdruck zog ich tatsächlich diese „Prozedur“ durch.

Ende gut, Alles Gut?

Nee, so gar nicht. Programm ging super. Nach kurzer Zeit schlief die kleine Maus verlässlich ein. Die Tiefschlafphasen wurden länger, sie wachte nicht mehr so häufig auf. Nachts habe ich sie auch immer auf dem Arm wiedereinschlafen lassen und sie dann zurück gelegt. Es lief alles recht gut bis… ja, bis sie dann zum ersten Mal richtig krank war. Da holte ich sie mir wieder ins Bett. Beziehung war mittlerweile hinüber, da beschwerte sich wenigstens kein Kerl mehr. Und ich konnte mich in Sicherheit wiegen, alles mitzubekommen, wenn Kind hustet, fiebert und nicht gut durch die Nase atmen kann. Lange Zeit war es ein Ping-Pong-Spiel zwischen „du darfst zu Mama ins Bett“ und dem eigenen.

Zurück ins Bett

Als die Stressfaktoren geringer waren, gestaltete ich das Schlafritual um. Wo ich zu „Schlaf allein im Bett ein“ – Zeiten erst gestillt, dann geschuckelt und gesungen haben und mich mit festen Worten aus dem Zimmer verabschiedet habe, blieb ich bei späteren „du schläfst in deinem Bett“-Zeiten noch neben dem Bettchen sitzen, sang für sie, hielt ihre Hand und wartete darauf, dass sie einschlief.

Und Heute?

Heute bin ich da relativ entspannt. Da meine Kleine mit 18 Monaten bereits in die Krippe kam und dann fast den ersten Winter nur krank war – so richtig mit Fieber und allem – durfte sie tatsächlich die ganze Jahreszeit durch in meinem Bett mitschlafen. Es gab keinen Mann, der ihr den Platz streitig machen konnte. Letzten Sommer schob ich sie dann sozusagen wieder ab. Aber dank diverser Magen-Darm-Grippen und der Mund-Hand-Fuß-Krankheit war das nicht immer konsequent durchsetzbar. Letzten Herbst habe ich mich einfach davon verabschiedet, dass sie mit 2 1/2 Jahren in ihrem Bettchen schlafen muss.

Sie war schon immer ein sehr nähebedürftiges Kind, klebt auch heute gerne an mir, wenn sie sich ausruht oder müde ist. Sie hat nicht nur die Trennung von mir und ihrem Vater verarbeiten müssen (und auch die angespannte Situation davor mitbekommen), sondern auch die Trennung von Oma und Opa letztes Jahr (meine Mama und quasi-Stiefvater). Wer schreibt mir denn denn vor, wo und wie sie zu schlafen hat? Ich kenne sie doch am Besten.

Auch für mich ist das derzeitige Arrangement ein Zugewinn. Sie schläft viel besser durch in meinem Bett als in ihrem. Und die Umgewöhnung kostet immer viel Kraft und Zeit – auf beiden Seiten. Der nächste Virus kommt dann wieder schnell um die Ecke und setzt alles wieder auf Null zurück. Die Begleitung in den Schlaf hätte ich auf beiden Seiten. Denn Schreien lassen ist inzwischen keine Option mehr für mich. So sieht das inzwischen bei uns aus:

– 18 Uhr Abendbrot
– z.T. Kinderzimmer aufräumen
– Schlafanzug an
– 18.50 Uhr zum Sandmännchen bereit machen
– danach Zähneputzen
– 1 Gute-Nacht-Geschichte im Bett
– wickeln und Licht aus
– im Dunkeln kuscheln und noch vom Tag erzählen
– warten bis sie in meinem Arm einschläft

Im Moment passt das für uns ganz gut. Bei all dem Durcheinander und Hin und Her bei uns und auch den vielen Krankzeiten der kleinen Maus gibt es inzwischen zumindest eine verlässliche Sache: wir schlafen im Familienbett, sie darf in meinem Arm schlummern. Wenn sie nachts wach wird, bin ich vielleicht noch im Wohnzimmer, aber ich begleite sie immer wieder zurück in den Schlaf. Und inzwischen *tada* schläft sie häufiger wieder von alleine wieder ein. Also in den 30 Sekunden, die ich brauche, um vom Sofa hochzukommen, den Fernseher und die Lichter auszumachen, hin zu meinem Schlafzimmer.

Gerade auch in Krankheitszeiten ist das Familienbett ein echter Zugewinn. Mal eben im Halbschlaf rüberfassen, um zu checken, wie hoch die kleine Maus fiebert. Oder auch nur schnell überprüfen, wie dicht die Nase ist oder auch, ob sie genug Luft bekommt. Gerade auch bei Magen-Darm hat sich das System bewährt. Denn meine Tochter wacht nicht unbedingt auf, wenn sie sich übergibt. Da kann ich dann schnell eingreifen und sie zumindest von der Rückenlage in die Bauchlage drehen, damit sie das Zeug nicht direkt wieder einatmet. Schliefe sie in ihrem Zimmer, könnte ich nicht immer schnell genug reagieren bzw bekäme einiges nicht mit. Da ich nachts auch nicht aufstehen muss, um nach dem Rechten zu sehen, sondern nur im Halbschlaf nachfühle oder kurz nachschaue, komme ich effektiv zu mehr Schlaf. Und man braucht seine Kräfte, wenn das eigene Kind so richtig krank ist.

Und irgendwann wird es tatsächlich mein Schlafzimmer sein und mein Bett. Aber bis dahin haben wir noch ein wenig Zeit. Sie ist ja noch nicht mal ganz 3 Jahre alt.

More is yet to come,

M.

#aufAugenhöhe: Putzen ist erlernt und nicht vererbt

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von Kerstin von Chaoshoch2. Ausgelöst wurde die Diskussion ursprünglich durch diesen Artikel auf Papa-Online. Der Beitrag an sich bezieht sich grundsätzlich auf das leidige Thema Putzen und Haushalt in Beziehungen und die Missverständnisse, zu denen es (laut Autor) kommen kann. Daraus hat sich aber inzwischen eine Diskussion rund um Beziehungen auf Augenhöhe entsponnen. Und da ich ja gefühlt überall meinen Senf dazugeben möchte, erweitere ich den Meinungsfundus nun um meine eigene.

Ich hatte zwischenzeitlich überlegt, gleich zwei Beiträge zu dem Thema zu verfassen, habe es mir jetzt aber doch verkniffen. Also nicht wundern, sollte dieser Beitrag ein wenig länger sein als gewohnt ( und dabei war ich noch nie ein Freund des Kurzfassens… ).

Fangen wir also mit dem Artikel an sich an. Zuerst wird die These verfasst, dass Männer so rein theoretisch gar nicht in der Lage sind, den aktuellen Haushaltsstand zu überblicken. Das sei irgendwie genetisch und die Hemmschwelle, wann etwas zu dreckig, zu stinkend ist, wäre bei ihnen höher. Von daher könnten sie nichts dafür, wenn ihnen die desolate Lage an der Putzfront nicht auffiele. Aus meiner Sicht vollkommener Blödsinn – zumindest das mit Genetik. Dazu komme ich dann aber gleich noch mal ausführlicher.

Den zweiten (wichtigen) Punkt, den der Autor anspricht, ist der der fehlgeschlagen Kommunikation. Ich finde es schade, dass er bei einer krakeelenden Rasselbande, die seiner Partnerin offensichtlich Mühe bereitet, die Notwendigkeit nicht erkennt, hier unterstützend zur Seite zu stehen. Allerdings kann ich schon verstehen, dass man ab und an in the zone ist und dann wirklich nichts mehr um sich herum mitbekommt. Kenne ich auch.

Dass Männer aber nicht in der Lage sein sollen, indirekte Formulierungen zu verstehen, halte ich aber für ein Gerücht. Zumal auch Christian vom Familienbetrieb in diesem netten Blogpost eben dieses widerlegt:

Denn die Freundin sagte heute Morgen: „Die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck müsste mal aus dem Keller geholt werden.“ Leserinnen und Leser, die in langjährigen Beziehungen leben, werden diese Art des Formulierens kennen: Der wunderbare Axel Hacke hat es einmal als das Partnerschafts-Passiv beschrieben. Es kommt zum Einsatz, wenn Dinge erledigt werden sollen, die man auf gar keinen Fall selbst machen möchte. Zum Schutze des häuslichen Friedens ist es allerdings nicht opportun, vom Partner oder der Partnerin zu verlangen, diese Dinge zu tun.

Wenn also dieser Vertreter der männlichen Spezies in der Lage ist, passivisierte Sachverhalte zu erkennen oder sogar vielleicht auch das Parnterschafts-Wir zu verstehen (diese Fähigkeit unterstelle ich ihm einfach mal frech), dann sollte dies doch mehreren Vertretern möglich sein. Oder etwa nicht?

Ich vermute ganz stark, dass sich eben dieses Musterexemplar die Mühe gemacht hat, auf seine Freundin einzugehen, ihre Sprachgewohnheiten genauer betrachtet hat und den Subtext ganz für sich allein in männertaugliche Ansagen verwandelt hat. WOW.

Vielleicht sollte man sich als Paar einfach mal über die Kommunikation bewusst werden. Jetzt nicht einseitig zu Lasten der Frau im Haus. Denn, wenn sie schon den Haushalt und die Kinder überwachen muss, um dem Mann rechtzeitig Bescheid zu geben, dass er in Aktion treten muss, dann sollte sie nicht auch noch ständig über ihren Sprachgebrauch nachdenken müssen. Das eigene Verhalten, und sei es „nur“ der Sprachgebrauch, ändert sich nicht so leicht. Da kann es schon von Vorteil sein, wenn man sich bespricht, wem was leichter fällt. Vielleicht könnte auch einfach der Mann den Partnerschaftspassiv erlernen. Das wäre mal entgegenkommend.

Bringt natürlich alles nix, sollte die Partnerin tatsächlich nicht in der Lage sein, ihre Gedanken und Wünsche zu äußern. Da gebe ich dem Verfasser des Textes tatsächlich mal recht.

Nun komme ich aber mal zum tatsächlichen Knackpunkt des Textes: PUTZEN und HAUSHALT. Angeblich hätten Männer dort – genetisch bedingt – eine andere Hemmschwelle. Das bezweifle ich doch stark. Denn wenn ich mir Kleinkinder angucke, stelle ich fest, dass sie Systeme sehr ansprechend finden. Ob nun diese Steckwürfel oder Ring-Steck-Geschichten. Egal welchen Geschlechts, in einer bestimmten Phase ist das fast magisch für die Kleinen. Immer wieder, stundenlang können Kinder nur damit spielen. Es ist die Gesetzmäßigkeit, die Ordnung dahinter, die mit soviel Spaß entdeckt wird.

Ab einem gewissen Punkt wird wurde diese Tendenz dann aber nicht mehr bei Jungs gefördert, dafür dann nur noch bei den Mädchen. Was zur Folge hat, dass die Erwartungshaltung sehr unterschiedlich ist, wenn denn diese Kinder erwachsen wurden. Der heutige, inzwischen erwachsen gewordene Mann erwartet, dass sich der Haushalt von alleine regelt. Er hat den Blick verloren für Ordnung und Sauberkeit bzw es fehlt die innere Motivation, einen bestimmten (hohen!) Standard zu halten. Heutige Frauen sind da meist anders gepolt. Natürlich gibt es da auf beiden Seiten Ausnahmen und Abstufungen, aber grob über den Kamm geschert kann man das mal so stehen lassen.

Das klingt jetzt schon wieder wie die perfekte Ausrede für alle Männer, die einfach keinen Bock haben im Haushalt zu helfen. Soll es aber nicht sein. Denn jetzt komme ich mit meinem persönlichen Beispiel:

Ich bin die weibliche Variante des Mannes, wenn es um das Thema Putzen oder Haushalt geht. Fakt. Ich bin mindestens genauso unordentlich und chaotisch wie der typische Klischee-Macho-Kerl. Es gab Zeiten, da stapelten sich Pizza-Kartons und Mülltüten in meiner Küche. Wollmäuse spielten Fangen auf dem Laminat. Meine Wäsche befand sich so gut wie nie innerhalb meines Kleiderschranks, sondern in verschiedenen Stadien der Waschvor- und -nachbereitung. Ich habe auch lange Zeit nicht verstehen können, wie man so viele verschiedene Putzprodukte besitzen konnte (z.T. immer noch nicht, aber das ist ein anderes Thema).

Wie war es dazu gekommen? Zu allererst war ich ein verwöhntes Einzelkind. Ein Einzelkind geschiedener Eltern. Meine Mutter, die ein kleiner Putzteufel ist mit einem nicht zu verachtenden Putzfimmel, hat alles für mich erledigt. Auch so ein wenig aus schlechtem Gewissen, da ich ja geschiedene Eltern habe. Lerneffekt für mich gleich Null. Die meiste Zeit ließ ich es geschehen. Nur als sie ein völlig unlogisches Sortiersystem in meinem Kleiderschrank einführte, begehrte ich auf und verbot ihr, zukünftig meine Kleidung einzusortieren. Das machte ich dann lieber selbst. Die Tendenz war quasi da.

In der Pubertät zog ich dann zu meinem Vater. Er hatte eine schwere Trennung hinter sich, ich hatte auch so meine (psychischen) Probleme. Da wir nun endlich nicht mehr auf einen Mitbewohner angewiesen waren, um die Wohnung bezahlen zu können, war der äußere Zwang, ordentlich zu sein für uns geringer. Und mein Vater holte seine beste Männermanier raus: Unordnung deluxe. Wie man sich das bei Junggesellen halt so vorstellt. Und ich hing mit drin. Am Anfang begehrte ich noch auf. Mir war das zu unordentlich! Ich bat um klare Aufgabenverteilung, strukturierte Putzpläne und stieß auf taube Ohren. Und da ich noch kein System hatte, wie das funktioniert mit dem Haushalt und dem Putzen, passte ich mich an. In meinem Empfinden, was sauber genug ist oder halbwegs ordentlich.

Ich habe jetzt also die Werkseinstellung des „typischen Mannes“. Doch darauf ruhe ich mich jetzt nicht aus. Denn ich habe ein Kind. Und meiner Tochter möchte ich es ersparen, die gleiche Prägung zu bekommen wie ich. Ich sehe ihren inneren Wunsch nach Regelmäßigkeit und Ordnung. Kaum hatte ich ihr einen festen Platz für ihre Mützen und Schals eingerichtet, fing sie an selbstständig dafür zu sorgen, dass die Mütze vom Kopf später in der richtigen Schublade landet. Sie imitiert im spielerische alle Haushaltsaktivitäten. Sie wäscht, sie kocht, sie fegt, sie bügelt. Erstmal nur im Spiel. Aber sie beteiligt sich schon im Haushalt. Hilft mir die Geschirrspülmaschine auszuräumen, steckt die Wäsche in die Waschmaschine. Sie deckt teilweise schon mal den Tisch. Dabei ist sie noch nicht mal drei.

Und was ist denn jetzt mit meinen Putzqualitäten?! Immer noch mittelmäßig. Ich bemühe mich sehr, meine Angewohnheiten zu verändern. Für meine Tochter. Das mit der Wäsche läuft so langsam. Die Schränke sind tatsächlich mal voll und in den meisten Fällen gibt es keine Kleiderengpässe. Saugen und Wischen ist noch nicht so meins. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie oft ich das machen muss. Auch mein Bad ist zuweilen noch etwas vernachlässigt. Meist habe ich es nicht auf dem Schirm, wie oft man da ran muss und putze erst, wenn ich die ersten Kalkflecken sehe…

Auch wenn ich das jetzt hier so lapidar hinstelle, es ist nicht leicht. In Kürze werde ich 28 und ich habe nach wie vor keine Vorstellung davon, wie Haushalt „richtig“ geht. Es gibt kaum Handgriffe, die so nebenbei passieren. Geschirr automatisch in die Küche bringen? Fehlanzeige. Wäsche vom Vortag direkt in den Wäschekorb? Eher selten. Jeden einzelnen Handgriff muss ich bewusst ausführen. Mich bewusst daran erinnern. Da ich alleinerziehend bin, bleibt alles an mir hängen, ohne Anleitung von außen „wie das so geht“. Es ist wirklich anstrengend, und wenn ich nur Single wäre ohne Kind, dann würde ich mir die Mühe nicht machen.

Aber ich habe ein kleine Tochter. Ich sehe ihre Bedürftigkeit. Sie soll es später leichter haben in den Haushaltsdingen. Und deswegen versuche ich alte Gewohnheiten zu überschreiben. Taste mich heran, was die besten Methoden, Abläufe etc. sind, damit der Haushalt nicht aus dem Ruder läuft. Und mein Ordnungsempfinden meldet sich wieder. Eigentlich hat es nur geschlafen.

Für meine Tochter empfinde ich Liebe, ich respektiere ihre Wünsche und Bedürfnisse. Und aus dem Grund stelle ich mich der Aufgabe, ganz alleine zu lernen, wie das denn nun geht mit dem Putzen. Aus Liebe und Respekt.

Warum also soll das nicht auch einem Mann möglich sein? Wenn er merkt, dass sich seine Partnerin wirklich Entlastung wünscht, manche Aufgaben gerne komplett abgeben möchte, die grundsätzliche VERANTWORTUNG dafür, warum nimmt er ihren Wunsch dann nicht an? Auch in einer Beziehung herrscht in der Regel Liebe und Respekt. Kann er dann nicht aus eben diesen Gründen seine Gewohnheiten und Hemmschwellen ein wenig nachjustieren? Er muss das doch nicht alles plötzlich allein machen, er könnte sich ja sogar anfängliche Anleitung erbitten (das ist mehr als ich habe!). Das wäre ja auch nur gerecht, schließlich ist Mann sich nicht zu fein, mal eben eine Änderung des Sprachgebrauchs bei der Freundin zu verlangen.

Um mich jetzt mal komplett von diesem Blogbeitrag zu lösen: ich will hier jetzt nicht die absolut akkurate hälftige Haushaltsteilung fordern. Wie genau sich das ausgestaltet, soll jedem Paar selbst überlassen sein. Ob jetzt jeder für alles zuständig ist, oder der Mann den Müll rausbringt und seine Hemden bügelt, oder vielleicht der Mann komplett den Haushalt schmeißt, weil „Hausmann in Elternzeit“ – das ist doch alles Verhandlungssache. Wichtig ist nur, den Partner ernst zu nehmen, in dem, was er sich wünscht und in dem, was er leisten kann. Wie so in vielen Beziehungsdingen wird man hier um Kompromisse nicht herumkommen. Und Kompromisse finden immer auf beiden Seiten statt!!

Und jetzt folgt noch der zweite Teil. Uff. Warum auf Augenhöhe so wichtig ist in Beziehungen und manchmal so schwer zu erreichen.

Inzwischen bin ich eine alleinerziehende Mutter. Und Single. Offenkundig hat die Beziehung zu dem Vater meiner Tochter nicht hingehauen. Was viel damit zu tun hatte, dass wir keine vernünftige Basis herstellen konnten für unsere Beziehung. Und gleich vorneweg: ich habe einen großen Respekt vor meinem Ex und ich empfinde zum Teil noch mehr für ihn als ich sollte.

Mein Ex ist Nigerianer. Seine ganzes Familienverständnis basiert auf einem patriarchalischem Weltbild. Der Mann hat die Hosen an, ist der Entscheidungsträger. Die Frau deckt ihm den Rücken, nimmt seine Vorgaben an. In der Regel ist sie es, die ausschließlich für Haushalt und Kinder zuständig ist. Teilweise geht auch sie wie der Mann arbeiten, damit sie über die Runden kommen. Das hat er in seiner Kindheit vermittelt bekommen. Fakt. Das muss ich nicht toll finden, ändern kann ich daran nichts.

Allerdings hat seine Mutter ihm gezeigt, wie man kocht und wie man putzt. Vielleicht als Hilfe, damit sie solange er noch Kind ist, etwas Unterstützung hat. Ihm hat sie es mitgegeben für die Zeit, in der er noch keine Frau hat, die ihm das abnimmt.

Darüber hinaus ist er der Erstgeborene. Der Stolz der Familie, aber auch der, auf den sich alle verlassen. ER soll alles richten. Seine Familie war für nigerianische Verhältnisse mal recht gut aufgestellt finanziell. Bis dann der finanzielle und gesellschaftliche Abstieg begann für sie. Von der Innenstadt in die Außenbezirke gezogen. Schulbesuch war zwar für alle Kinder drin (sie sind zu fünft), aber darüber hinaus nicht mehr sehr viel mehr. Also wurde er als Ältester nach Deutschland geschickt, er sollte hier studieren und dann mit dem Ausländischen Abschluss einen respektablen Job bekommen in Nigeria. Mit dem gut verdienten Geld natürlich die Familie unterstützen.

Er kam zwar nach Deutschland, aber es gestaltete sich nichts so einfach wie erhofft. Und dann traf er mich. Mit meinen ganzen Macken und Befindlichkeiten, noch nicht mal in der Lage vernünftig den Haushalt zu schmeißen. Aber die Anziehung war da. Und irgendwann auch das kleine Kind in meinem Bauch.

Wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse seinerseits fiel mir der ganzen Behördenkram zu. Gerade auch was das finanzielle anging. 2 Monate nach Geburt unserer Tochter war es uns überhaupt erst erlaubt zusammenzuziehen. Und ab da an ging eigentlich alles abwärts.

Ich brauchte Hilfe. Neben dem ganzen Behördenkram für mich, musste ich mich gleichzeitig auch um seine Sachen kümmern. In meiner Mutterrolle war ich noch gar nicht richtig angekommen, körperlich noch nicht wieder auf dem Posten. Hinzu lebte ich nicht mehr allein, sondern plötzlich mit noch zwei anderen zusammen (Kind und Freund). Mit einem Mal war das mit dem Haushalt omnipräsent. Ich verstand nicht, warum er das nicht einfach übernehmen konnte. Er konnte es sogar besser als ich! War viel ordentlicher und seine Hemmschwelle soviel niedriger als meine. Zudem versorgte ich doch auch unser Kind. Rund um die Uhr. Alle zwei Stunden stillen. Das schlaucht. Und dass das Geld reinkam, war doch auch nur mir zu verdanken. Warum dann nicht die Rollen tauschen? Ich Kohle, er Haushalt.

Wirklich ausgetauscht haben wir uns nicht darüber. Maximal gestritten und uns das entgegengeschrien. Aus seiner Sicht konnte er gar nicht nachvollziehen, warum mir der Haushalt so schwerfiel. Und warum ich es mir nicht so einfach angewöhnte. Dass ich zu überlastet war, sah er nicht. Und dass meine persönliche, psychische Vorgeschichte auch mit hineinspielte, verstand er nicht. Auch dass meine Mutter mir nicht noch mehr zur Hand ging, leuchtete ihm nicht ein. In Nigeria war das selbstverständlich, dass die weibliche Verwandtschaft die erste Zeit – z.T. das erste Jahr – unterstützend einwirkte. Tat seine Mutter ja auch bei seiner Schwester (meine Tochter ist eine Stunde älter als ihr Sohn).

Und dass ich für unser Einkommen verantwortlich war, passte ihm eigentlich so gar nicht. Er war ein stolzer, afrikanischer Mann – ein kleiner Macho. Und aufgrund der Umstände konnte er seine Rolle als Ernährer nicht ausfüllen. Er war auf meine Hilfe angewiesen. Die Sprache war ihm nicht so vertraut, unser bürokratisches System noch weniger. Obendrauf hatte er seine Familie im Nacken, die permanent Geld von ihm haben wollte. Sie in den meisten Fällen wirklich dringend brauchte.

Tja, und da waren wir nun. Gefangen zwischen unseren verschiedenen Rollen-Leitbildern. Verlangten von dem anderen sich gefälligst zu ändern, anzupassen. Sahen das eigene Rollenbild als besser, als richtiger oder wertvoller an als das des Anderen. Jeder fühlte sich im Recht und schaute von der eigenen hohen Warte auf den anderen herab. Nie, aber wirklich nie begegneten wir uns wirklich auf Augenhöhe.

Ja, und das ist vorerst das Ende der Geschichte. Noch bevor unsere Tochter ein Jahr war, waren wir getrennt. Ein halbes Jahr später zog er aus. Die Situation beruhigte sich zwischen uns. Zwischenzeitlich besprachen wir die Möglichkeit, doch wieder ein Paar zu werden. Es war ein auf und ab. Was jedoch klar war: nicht mehr zusammen wohnen. Im Endeffekt haben wir es dabei belassen – wir sind getrennt, wir leben getrennt. Und so langsam fangen wir an uns auf Augenhöhe zu treffen. Er erzählt mir sehr viel mehr von sich als früher in der Beziehung. Ich bin sein sicherer Hafen, sein Anker und sein Richtungsgeber (gerade im bürokratischen Gewässer). Aber auch Vertraute und Freundin.

Damit will ich nicht sagen, dass es für uns Hoffnung gibt als Paar. Da ist der Zug glaube ich abgefahren. Aber als Eltern besteht definitiv noch Hoffnung. Und vielleicht, nur vielleicht, gibt es ja doch noch eine Chance für uns. Aber dann wahrscheinlich nur außerhalb jeglichen Rollenmodels. Und zuvor arbeitet jeder für sich an sich selbst. Beruflich, charakterlich.

More is yet to come,

M.

#momsrock: Ein Brief an meine irgendwann pubertierende Tochter

So, zum Jahresende mal wieder eine Blogparade. 🙂 Initiatorin ist diesmal Lucie Marshall . Nachdem ihr ein wunderbar kostbarer Moment zuteil wurde, indem sie in dem, was sie bisher geleistet hat als Mutter, gelobt wurde, ruft sie nun dazu auf, selber drüber zu berichten, wo wir selber oder auch andere einfach rocken als Mütter.

Dem komme ich nur allzu gerne nach (und wie immer kurz vor Deadline) und geb meinen Senf dazu. Denn gerade zum Jahresende finde ich es wichtig, ein positives Resümee ziehen zu können, um motiviert ins neue Jahr zu starten. Die ganze Selbstbeweihrauchung verpacke ich aber in einen Brief an meine Tochter. Die wird in gut 10 Jahren gerade voll in der (Vor-) Pubertät stecken und mich nur scheiße finden, da wäre so eine kleine Erinnerung schon nicht schlecht…

Meine liebe Tochter,

ich verkneife mir bewusst den Ausdruck „kleine Maus“, wahrscheinlich ist dir das inzwischen oberpeinlich und ich bekomme jedes Mal den Todesblick, wenn mir der Begriff trotzdem rausrutscht. Gerade in der Pubertät sind Mütter voll doof und scheiße und streng, insbesondere die eigene. Alles machen sie/ich falsch und wirklich gewertschätzt wird nichts, was wir getan haben, tun oder tun werden. Deswegen eine kleine Auflistung, warum ich rocke als Mutter. Und nein, du musst mich anschließend nicht cool finden. Nur ein wenig Achtung und Respekt, ok?

1. Ich habe mich für dich entschieden
Im Idealfall funktioniert das mit der Familiengründung so: ein Paar beschließt, dass für sie die äußeren Umstände stimmen und sie bereit sind ein Kind zu bekommen. Also erst die Entscheidung, dann die Zeugung. Der Zeitpunkt wird von den zukünftigen Eltern bestimmt.

Bei dir war es ein wenig anders. DU hast den Zeitpunkt bestimmt. Die äußeren Umstände waren nicht im geringsten so, dass ich den Zeitpunkt als ideal angesehen hätte. Was nicht heißt, ich wollte vor dir kein Kind. Ich wollte eins, unbedingt! Meine Hormone waren am Durchdrehen. Aber rational gesehen… So kam es, dass du ungeplant in unser Leben platztest. Und egal welchen rationalen Grund man anführen konnte, warum ich dich nicht kriegen sollte, es war mir völlig egal. Du warst mein Kind! Für dich tu ich alles. Also drauf gepfiffen, dass ich, wenn mein Fristvertrag ausläuft, arbeitslos werde. Dass dein Vater und ich gerade frisch in diese Beziehung geschlittert sind und noch gar nicht so richtig wussten, wer wir waren. Dass die Wohnung zu klein ist. Dass es Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten geben würde mit Freunden und Verwandten. Ich wollte DICH. Punkt.

2. Egal wie anstrengend Schwangerschaft und Geburt waren, für dich jederzeit wieder
Jaja, ich weiß, klischeehaft zitiert jede Mutter die so furchtbare Geburt, um die Kinder etwas demütiger zu bekommen. Aber ich will dir damit nur sagen: es war mir egal, das Wichtigste war, dass es dir gut ging. Die dauernde Übelkeit bis in 8. Monat? Geschenkt. Die Probleme mit den Weisheitszähnen? Dumm gelaufen. Die Vorwehen und die ständige Angst? Passiert. Die doch recht traumatische Geburt? Ein notwendiges Übel. Denn nur so konnte ich deine Mama werden. Und diese Ehre, dieses Glück wiegt alles auf (ja, auch die doofen Streifen, den ausgeleierten Bauch, die Extra-Pfunde und das tiefer gerutschte Dekolleté). 😉

3. Nur für dich strenge ich mich so an ein besserer Mensch zu werden
Als ich mit dir schwanger wurde, war ich noch lange nicht der Mensch, der ich gerne sein wollte. Ich hatte/habe einen Riesenrucksack mit Problemen, die ich in die Mutterschaft mit eingebracht habe. Ich weiß ich mute dir viel damit zu, wahrscheinlich immer noch, wenn du das liest. Aber ich glaube nicht, dass ich die Dinge so beherzt angegangen wäre, wenn du nicht der Antrieb dahinter wärst. Und sei bitte nicht so abschätzig, wenn du irgendwann mal weißt, in welchem Umfang ich tatsächlich noch nicht „reif“ war.

4. Wenn ich was falsch mache, entschuldige ich mich. IMMER
Ich hoffe, dass ich das auch beibehalte. Aber bisher handhabe ich es wirklich so, dass ich mich bei dir entschuldige. Wenn mir der Kragen platzt und ich laut werde. Ich keine Zeit habe für dich und du deswegen traurig bist. Wenn ich ungerecht bin, überfordert oder richtig fies down. Ich entschuldige mich dafür. Von Herzen. Und ich erkläre dir, warum – nicht als Rechtfertigung, sondern, damit du mich besser verstehst.

5. Auch wenn wir als Paar nicht funktioniert haben, dein Vater darf dein Held bleiben
Im Prinzip hätte unsere Beziehung nie funktioniert auf Dauer, unabhängig, ob nun mit dir oder ohne dich. Es gab viele verletzte Gefühle, viel böses Blut schon vor der Trennung und auch danach. Wir sind gescheitert – als Paar. Aber wir sind noch auf anderer Ebene verbunden. Als deine Eltern. Und bisher machen wir das so ganz gut, finde ich. Mir ist es wichtig, dass du deinen Papa lieben kannst, wie du es möchtest, du dich nicht mit mir solidarisieren musst, weil er mein Ex ist. Ich bin mir absolut bewusst, dass du auch sein Kind bist, ein Stück von ihm. Und wenn ich ihn ablehne, dann auch immer ein Teil von dir. Deswegen bemühe ich mich um ein bestmöglichstes Verhältnis zu ihm. Damit du dich als ein Ganzes empfinden darfst.

Von ganzem Herzen,
Deine Mama

Und da ich ja auch noch andere Mütter kenne, die meiner Meinung einen super Job machen, hänge ich das gleich mit hinten dran:

Mama, du rockst. Auch wenn unsere gemeinsame Vergangenheit an eine Achterbahnfahrt erinnert und du (aber ich auch) definitiv Fehler gemacht hast, so bist du trotzdem oder gerade deswegen ein tolle Mom. Seitdem ich dich zur Oma gemacht habe(hihi), bist du mein Fels. Du entlastest mich, wenn hier alles den Bach runter geht. Hast dir über Monate das Beziehungsdrama bei mir reingezogen. Pamperst mich, wenn ich es brauche und bist ansonsten immer für mich da. DANKE. Ohne dich wäre ich verloren.

Maus, du bist meine beste Freundin. Theoretisch bist du schon viel länger Mutter als ich. Und viel stärker als ich. Ich bewundere deinen MUT und deine Entschlossenheit, es wieder versucht zu haben, nachdem du dein erstes Kind verloren hast so spät noch in der Schwangerschaft. Du warst so tapfer in der letzten Schwangerschaft, so positiv trotz der Spritzen und der Ungewissheit. Du bist belohnt worden – endlich. Aber dein Sohn auch. Du hast soviel Geduld, viel mehr Gelassenheit als ich. Ich weiß, du hattest es nicht leicht mit dem kleinen Schreihals. Aber du machst es toll und auch richtig. Hör weiter auf deinen Bauch!

So, und jetzt du Schnuggi. Wir teilen viel, tauschen uns oft aus. Einen Blogeintrag habe ich dir zu verdanken und auch dir gewidmet. Wir beide sind unter schlechten Vorzeichen in die Schwangerschaft gestartet. Genauso wie ich kämpfst du jeden Tag gegen deine „Dämonen“, versuchst das Beste zu geben und die beste Mama für deine Kleine zu sein. Du gibst ihr Struktur, Regeln, ein wohliges Heim und so viel Liebe. Für deine Tochter steckst du so einiges ein und manchmal glaube ich, du weißt gar nicht wie stark du wirklich bist. Dann lass mich es dir sagen: Du bist stark! Und toll! Mutig und verrückt! Einfach ein klasse Weib. 😉

So, mal wieder eine recht ernste Geschichte geworden. Locker leicht kann ich halt nicht so gut. 🙂

Wünsche alles ein frohes neue Jahr! Ich hoffe euer persönliches Resümee – nicht nur in Sachen Mutterqualitäten – fällt auch zu eurem Gunsten aus. Wenn nicht, habt ihr nächstes Jahr wieder die Chance, und wenn doch: Weiter so! Und Luft nach oben gibt es immer.

M.

Miteinander fängt bei mir selbst an

Vor kurzem habe ich an einer Blogparade teilgenommen zum Thema „Mommy Wars“. Habe meine eigenen Erfahrungen geteilt – privat wie in den Online-Medien. Nun ruft Munichs Working Mom dazu auf, sich aus einer anderen Perspektive dem Thema zu nähern. Also nicht all die Mütter dort draußen, dafür zu sensibilisieren, wie schnell man gefühlt angegriffen wird, sondern stattdessen zu schauen, wo man sich unterstützen kann oder vielleicht auch schon wird. Gerne nutze ich die Chance auch hier meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. 😉

Wie schon im Vorbeitrag erwähnt, finden meiner Erfahrung nach die schlimmsten Grabenkämpfe im Internet statt. Schon beim Mitlesen verkrampft sich oft alles bei mir und der Puls steigt. Theoretisch könnte ich mich von einer Diskussion zur nächsten klicken und den ganzen Tag völlig aufgebracht durch die Gegend laufen. Theoretisch. Denn hier habe ich ja alles in die Hand. Ich kann mich daran beteiligen, genauso unpassende, hetzerische Kommentare verfassen. Ich kann es aber auch einfach sein lassen. Spart mir einiges an Aufregung. Viel besser noch: ich klick gar nicht erst auf die Beitrage, bei denen unsachliche Diskussionen vorhersehbar sind. Spart Zeit und Nerven. Ganz einfach.

Denn gerade im Internet achten die wenigstens auf Höflichkeitsfloskeln und Anstandsregeln. Da wird ungefiltert gepostet, was das Zeug hält. Vielleicht auch einfach um selber etwas kompensieren zu können. Und dem muss man sich ja nicht aussetzen, wenn es einen selbst mitnimmt. Wenn natürlich der heißgeliebte Blogger in die Mangel genommen wird und man das unfair findet, kann man sich natürlich einschalten. Aber bei einem x-beliebigen Post? Es ist ganz die eigene Entscheidung.

Nächster Punkt: Baby- und Spielgruppen. Ich muss sagen, ich bin sehr gerne hingegangen. Einfach um den Kontakt zu anderen Eltern zu bekommen. Und damit meine kleine Maus auch mal unter andere Kinder kommt. Meine Familie ist so klein bzw so zerissen, dass ich einfach die einzige bin, die gerade ein kleines Kind hat. Auch im Freundeskreis war ich die einzige mit Kind. Und in mir war der Wunsch einfach auch da, mich aktiv auszutauschen im realen Leben. Mir nicht irgendwelche Storys von anno dazumal anzuhören von Mutter, Oma etc.

Und ja, im Vergleichen war ich immer ganz vorne mit dabei. Aber es war in keinster Weise böswillig!! Da ich vorab schon von Mommy Wars gehört habe, habe ich sehr stark darauf geachtet, wie ich etwas formuliere. Zuallererst war ich tatsächlich einfach nur megamäßig stolz. Darüberhinaus hatte ich aber schon im Blick, dass mein Kind nicht der Standard für alle anderen war. Ich relativierte Dinge auch, indem ich zum Beispiel auch von mir aus berichtete, was nicht so gut läuft, wo meine Kleine evtl auch einfach „hinterherhinkt“. Ich finde, dass man indem man Schwächen zugibt, ganz deutlich Zeichen setzt, dass es einem NICHT ums Konkurrieren, sondern ums Austauschen von Erfahrungen geht. Meinem Empfinden nach waren wir Mütter in meiner Gruppe alle sehr freundlich und entspannt miteinander.

Wenn ich also Tipps geben sollte an (werdende) Mütter, wäre der erste: Legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Unterstellt keine böse Absicht, nur weil sich eine Mutter/ein Vater stolz über einen Meilenstein seines Sprösslings äußert. Der zweite Tipp wäre: Achte auf die Wortwahl! Denn ein „Wie, deiner kann das noch nicht? Meiner konnte das schon mit…“ ist schon sehr verletztend. Und der dritte Tipp: Backe kleine Brötchen. Einfach mal nicht ALLES hervorheben, was der kleine Stammhalter schon kann, sonder auch mal darüber sprechen, was noch nicht so klappt, oder was dir diesbezüglich Sorgen macht.

Am schwierigsten finde ich es mit Mommy Wars im eigenen Umfeld umzugehen. Ist es nur eine flüchtig bekannte Mutter, versuche ich einfach nicht auf das Thema einzugehen. Manchmal verteidige ich mich (leider) auch. Ich mache mir meist einfach nur bewusst, dass Kinder so unterschiedlich sind und die andere Mutter mir einfach nur einen netten Tipp geben wollte, obwohl sie ja gar nicht um die Umstände weiß. Und wenn mich ein doofer Kommentar nur peripher berührt, dann rege ich mich auch nicht darüber auf. Wie soll denn die andere Mutter wissen, dass meine Tochter inzwischen die zweite Trennung von nahen Bezugspersonen durchmachen muss (erst Papa und Mama getrennt, jetzt auch Oma und Opa) und sie jetzt wieder vermehrt ihren Nuckel braucht? Und deswegen auch die Betreuungszeiten in der Krippe verkürzt wurden, weil es ihr so nahe geht? Natürlich kann ich das kommunizieren, kommt darauf an, wie ich zur anderen Person stehe. Oder ich lasse es und gehe weiter.

Bei wirklich nahen Personen wird es für mich wirklich schwierig. Zu schnell fange ich an mich zu verteidigen, zu schnell nehme ich es mir auch zu Herzen. Den einzigen Versuch, den ich machen kann, ist klar zu machen, dass ICH es so mache, wie ICH es für richtig halte. Und das bestimmte Formen von Kommentaren und Bemerkungen vielleicht lieb und fürsorglich gemeint sind, aber im Endeffekt nur verletzend sind. Denn oftmals stellen sie meine Rolle als Mutter in Frage, wenn andauernd etwas kritisch hinterfragt wird. Und das tut nunmal weh.

So, nachdem ich lang und breit darüber geschrieben habe, wie man sich selbst wappnen kann, damit einen Bemerkungen nicht sofort nahe gehen, sondern sie einfach anders eingeordnet werden, komme ich zu den Sachen, wo es schon wirklich gut klappt mit den anderen Müttern.

An erster Stelle meine Mutter. Auch wenn sie gerne mal besserwisserisch rüber kommt und hintenherum kritisiert, sie bringt mir sehr viel Wertschätzung entgegen. Sie weiß um meine Vorgeschichte, die nicht so leichte Schwangerschaft, die furchtbare Zeit nach der Geburt mit dem ganzen Beziehungsstress. Sie sieht meine Fortschritte und lobt mich dafür. Sie sieht wie ich an mir und auch an mir als Mutter arbeite und unterstützt mich. Sie sieht, wenn meine Kräfte am Ende sind und nimmt mir meine Tochter ab. Oder sie bügelt meine Wäsche, weil ich es abends nicht mehr schaffe. Und sie sagt mir immer wieder, wie toll ich das mache, trotz widriger Umstände. Sie fragt, wo ich Hilfe brauche und wie sie mich nach ihren Kräften dabei unterstützen kann. Das baut mich tierisch auf und gibt mir immer wieder die Kraft, weiter an allem zu arbeiten.

Ich habe auch eine ganz liebe Freundin, eine „Leidensgenossin“, die in vielen Dingen mit mir übereinstimmt. Wir können klare Kante miteinander sprechen, wenn es denn sein muss. Nicht wie die Axt im Walde, sondern in den Momenten, wo wir gerade offen füreinander sind. Uns verbindet vieles und das erleichtert schon einiges, wenn man sich im Minenfeld der Erziehung und Mutterschaft bewegt. Doch wir haben genug Respekt voreinander, uns auch verschiedene Meinungen zuzugestehen. Und wenn einer von uns ein Problem hat, dann wird nur gefragt, wie man helfen kann, nicht, warum es dazu kommen könnte, und hättest du es mal so und so gemacht. Wir träumen auch davon, dass wir demnächst bald direkt um die Ecke wohnen, damit wir uns mehr unterstützen können. Das Abholen der Kinder zusammenlegen, mal die eine, mal die andere. Offener sind für spontanere Unternehmungen miteinander und einfach das Notfallnetz für den Anderen. Hach.

Als dritte möchte ich auch meine beste Freundin nennen. Das mit dem Taktgefühl ist nicht so ihrs und sie hat schon den ein oder anderen Kommentar gebracht, der mich wirklich verletzt hat. Doch so langsam kommt die Einsicht, dass sie in vielen Dingen falsch lag. Dass sie als damals noch Nicht-Mutter einfach keinen Plan hatte. Und sie sich selbst so viele Dinge vorgenommen hat, von denen sie feststellen musste, dass es mit ihrem eigenen Kind in keinster Weise möglich war. Manchmal hab ich dann meine kleine persönliche Rache (ich weiß, ich sollte mich schämen). Aber in den meisten Fällen freue ich mich, dass auch meine beste Freundin jetzt Einsichten gewonnen hat und sie im Nachhinein mein Verhalten als Mutter neu bewertet. Und sieht, wie falsch sie lag. Immer wieder lässt sie durchblicken, dass sie aus ihrer neuen Sichtweise mir ihre Wertschätzung entgegenbringt. Und das freut mich einfach. Umgekehrt habe ich sie immer wieder ermutigt, wenn es nicht so lief und sie aufgebaut. Sie wiederum hat massiv auf meine Erfahrungsschatz zurückgegriffen und ein wenig Ruhe dadurch gewonnen, dass bei mir auch alles weit von PERFEKT gewesen ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass, wenn wir Mütter ein wenig darauf achten, was wir wie sagen und das Gesagte des Anderen nicht immer gleich auf die Goldwaage legen, eine wunderbare Stütze für einander sein können. Und dass wir, wenn wir unsere Zeit und Energie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verplempern, diese bündeln können für Themen, die uns alle angehen: Hebammen, Kinderbetreuung, flexible Arbeitsweise und Lebensmodelle. Lasst uns ein Herz fassen und nicht immer das Schlechteste unterstellen, sondern nur das Beste!

More is yet to come,

M.

Almost Legendary: Mommy-Wars

Auf den letzten Drücker steuer ich jetzt noch einen Beitrag zur Triple-Blogparade von MamaOTR, Muffinqueen und Momsoffice bei. Das Thema lag mir sowieso schon auf der Seele und nun darf es auch endlich verfasst werden. 😀

Des öfteren begegnen mir Berichte über die sogenannten Mommy-Wars im Internet. Ob nun in Artikeln oder in Blogs. Fast jede Mutter hat den ein oder anderen Spruch abbekommen, dazu, was man so macht bzw. SIE definitv nicht richtig macht. Manchmal sind es recht unverholene Vorwürfe, manchmal eher spitzfindige Anmerkungen, die zumindestens den Anschein machen, nicht so bös gemeint gewesen zu sein. Es aber doch sind.

Wenn ich mich an die erste Zeit als Mutter erinnere, dann bin ich mir bewusst, dass ich auch eine von diesen nervtötenden Mütter gewesen bin, die alle Daten im Kopf hat. Von der Geburt über die diversen U-Untersuchungen inklusive der ersten Meilensteine. Und bei jeder Gelegenheit wurden diese hervorgeholt. Dabei war mir eigentlich piep-egal, wer der Empfänger war. Ja, ich gestehe, ich war tatsächlich schlimm.

Irgendwann ging es dann auch mit den Babygruppen los bzw der Rückbildungsgymnastik. Man unterhielt sich meist im Plauderton. Und wir verglichen unsere Kinder, was das Zeug hielt. Und zumindestens von meiner Seite tat ich dies nicht, um anzugeben. Ich kannte mich einfach nur nicht aus. Ich bin ein Einzelkind, habe als erste im Freundeskreis ein Kind bekommen. Mir fehlten tatsächlich die Erfahrungen, um einzuschätzen, ob ich auf dem richtigen Weg bin und auch mein Kind vernünftig gedeiht. Und die Erfahrungen, die meine Eltern bzw Großeltern gemacht haben, halfen mir nun gar nicht.

Da ich schon einiges über die Mommy-Wars gelesen hatte, war ich auch immer versucht, alle Meilensteine in Relation zu setzen. Das andere Kind kann sich noch nicht drehen? Naja, meine Kleine kann das wahrscheinlich auch nur, weil sie Unterstützung durch Physiotherapie bekommt.

Es kommt halt immer darauf an, wie man sich austauscht. Wenn ich sage:

Meine Tochter spricht schon recht viel für ihre 15 Monate, dafür tut sie sich mit dem Laufen lernen noch recht schwer

dann tausche ich mich aus und lobe auch nicht über den Klee. Wenn ich aber anfange die Meilensteine meines Kindes als Maßstab für andere zu nehmen, dann wird es kritisch:

Wie? Deine Tochter kann nur 4 Worte? Meine kann schon locker 30 und spricht in 2-Wort-Sätzen!

Und schon sind wir drin im Mommy-War. So richtig heftig wird es meiner Meinung nach erst im Internet. Wo man sich hinter Aliassen und Nicknames verstecken kann. Da wird dann richtig Futter gegeben und offen angegriffen. Da gibt es dann die Mütter, die von ihrem kleinen Sonnenschein erzählen, der ja so selbstständig ist und mit 2 alleine Zähne putzen kann, Schuhe binden und whatever. Die Impfgegner, die bei jedem Problem, sofort fragen, ob denn geimpft wurde, denn das sei ja der Auslöser für eigentlich jedes Übel. Ob Koliken, Schreibabys, KISS-Syndrom oder lange Windelphase. Man wird davor gewarnt sich Rat oder sogar Hilfe beim Jugendamt zu holen. Bloß nicht schreien lassen, das liebe Kind. Selber Kochen! Abtreibung ist ein Unding! Usw usw usw.

Oft bin ich es leid. In meinem Forum, in dem ich mich angemeldet habe, war ich seit über einem Jahr nicht mehr. Und Kommentare lesen unter Artikeln zur Erziehung? Lass ich meist auch, weil mich diese Konzeptreiterei einfach nur ankotzt.

Doch das Schlimmste, was ich mir anhören durfte, kam zu allem Überfluss von wirklich Vertrauten.

Wenn meiner so wird wie deine Tochter jetzt ist, dann erschieß ich mich glaub ich.

Warum hast du dir ein Kind angeschafft, wenn du es ständig wegorganisierst?

Lauf nicht bei jedem kleinsten Bisschen sofort hin, du verwöhnst sie doch nur.

Wenn mein Sohn 4 Monate alt ist, dann werd ich definitiv auf den Zwutsch gehen. So lange nichts unternehmen können, wie du, das könnte ich nicht. Muss mein Freund halt zusehen, wie er das gewuppt kriegt, ich hab dann frei.

Allerdings muss ich auch hinzufügen, dass nicht nur Eltern gerne blöde Kommentare ablassen. Auch Nachbarn, Tanten, Onkel und jeder fühlt sich bemüßigt, seinen Senf dazuzugeben.

Was also tun? Sich selbst abschotten kann man auf Dauer nicht, das würde einem Selbst nicht gut tun. Und alles mit Gleichmut hinnehmen, das können bestimmt die wenigsten. Ich für meinen Teil werde einfach versuchen mit gutem Beispiel vorangehen. Also leiser treten, auch wenn ich gerade megastolz bin auf mein kleines Monster. Nicht verallgemeinern, denn meine Erfahrungen sind nur ein Facette im Kaleidoskop. Und ganz wichtig : Zuhören. Die Meinung des Anderen einfach stehen lassen und annehmen. Und es nicht bis zum Erbrechen ausdiskutieren, wer es richtiger macht.

More is yet to come,

M.