Of cats and kids: Warum Katzen wie Kleinkinder sind

Es ist gefühlt schon eine Ewigkeit her, dass ich hier das letzte Mal geschrieben habe. Schreibblockade, emotionale Tiefs, Motivationsprobleme – all das sind Gründe, warum ich es hier so lange hab schleifen lassen. Nun stehen bei uns bald Veränderungen an, die so schön sind, dass es mir genug Schwung und Motivation bringt, um endlich wieder was auf’s (digitale) Papier zu bringen. Wir bekommen bald Katzenbabies! Und da ich schon so lange schwanger gegangen bin mit dem Gedanken, mir wieder Katzen anzuschaffen, habe ich in den Jahren meiner Mutterschaft so einige Parallelen feststellen können zwischen Katzen und Kleinkinder.

Und schon sind wir auch schon mitten im Thema: ich behaupte einfach mal frech, dass sich Katzen oftmals wie Kleinkinder benehmen. Glaubt ihr nicht? Dann schaut selbst.

 

1. Die Toilette, die Tür, Privatsphäre – ein Witz

Alle Mütter und Väter kennen es, kaum ist ein Kind im Haus, ist der stille und einsame Toilettengang passé. Als Säuglinge sind die lieben Kleinen noch nicht in der Lage, einem selbst ins Badezimmer zu folgen. Trotzdem sind sie oft zugegen, wenn man auf Toilette gehen möchte oder nur kurz unter die Dusche springen. Wenn man nicht gerade eine zweite Person zur Hand hat, die den kleinen Zögling bespaßt, während man das stille Örtchen besucht, dann hat man genau zwei Optionen: es irgendwo sicher parken und schreien lassen ODER mit ins Badezimmer nehmen. Da man meist eher gehemmt ist, das Kind schreien zu lassen, macht man sich in den wenigen Minuten, in denen man die körperlichen Bedürfnisse stillt, komplett zum Affen, nur um das Kind bei Laune zu halten.

Später könnten die Kleinen auch mal kurz für sich sein, aber meist sind sie dann in der Lage selbstständig ins Bad zu folgen. Und das tun sie dann auch. Jahrelang. Wenn man es wagt, die Tür zu schließen, hört man schnell ein Kratzen an der Tür oder Gebollere, gerne auch verschiedene Abstufungen von Unmutsbekundungen. Ab eine bestimmten Größe wird auch einfach die Tür aufgerissen – egal wer gerade noch davor steht.

Auch Katzen scheinen er Meinung zu sein, dass ein Toilettengang eher weniger eine private Angelegenheit ist. Werden sie ausgesperrt, kratzt es schnell an der Tür. Oder es werden Pfoten unter derselben hindurch gesteckt. Manche Exemplare sind sogar geschickt genug Türen zu öffnen. Möchte man dem vorbeugen, kann man wahlweise auch gleich die Tür offen lassen. Denn die lieben Samtpfoten haben ihre eigenen Vorstellungen davon, wie lange der Toilettenbesuch tatsächlich eine gemeinschaftliche Veranstaltung ist. Zwar können Katzen eher weniger nervig quengelnde Fragen stellen, aber haben auch sie so einige Marotten, die bedient werden möchten, während man selbst eigentlich mit etwas Anderem beschäftigt ist.

 

2. Das Kuschelbedürfnis

Sowohl bei Katzen als auch bei Kindern gibt es diverse Kuscheltypen. Bezeichnend ist bei allem, dass Kind bzw Katze ihre ganz eigenen Vorlieben hat und diese auch genauso einfordern. Ob der dazugehörige Mensch da ähnlich gestrickt ist, ist ihnen meist völlig schnuppe.

So gibt es Kinder wie Katzen, die eigentlich immer zur Stelle sind, um zu kuscheln, kaum dass man es sich irgendwo bequem gemacht hat. Da werden Schöße und Arme einfach besetzt und in Anspruch genommen. Dies führt sich gerne bis ins Bett fort und beeinflusst die elterlichen/menschlichen Schlafweisen enorm. Sollte man versuchen, sich dem zu entziehen, dann bekommt man den Unmut auf die ein oder andere Art zu spüren. Man hat seine Bedürfnisse hinten an zu stellen. Punkt!

Genauso gibt es Wenigkuschler. Da möchte man sein Kind oder seine Katze gerne herzen, streicheln und kuscheln und da wollen die einfach nicht. Da werden Fluppen gezogen, die Krallen gezeigt, gebissen und gemosert. Man hat keine andere Wahl, als auf die wenigen Momente zu warten, wo die eigene Nähe aktiv gesucht wird. Da wird einem endlich die Gnade zu teil, seinem eigenen Kuschelbedürfnis nachzugehen. Aber nicht so lange! Nur so lange wie Kind oder Katze es für angebracht halten!

 

3. Mäkelige Esser

Direkt nach der Geburt ist es mit der Ernährung noch recht einfach. Solange das Kind an der Brust bzw die Katze an der Zitze hängt, ist alles wunderbar. Danach wird es allerdings kritisch. (Klein)Kinder sind bekannt dafür, dass sie meist recht wählerisch essen. Es müssen die richtigen Zutaten sein, die einzelnden Bestandteile in der richtigen Größe angeboten werden, natürlich optisch ansprechend und auf die richtige Art angerichtet. Damit es nicht zu einfach wird, werden die Regeln, was momentan gegessen werden mag, immer mal wieder über den Haufen geworden. Wo es letzte Woche noch ok war, die Nudeln MIT Soße zu servieren, geht das heute überhaupt nicht mehr. Das Brot zusammengeklappt? Ein Schwerverbrechen!

Und man glaube es kaum, Katzen sind ebenso für ihren launischen Geschmack bekannt. Da darf es nur Fleisch in Soße sein, einige Zeit später dann doch lieber mit Gelee. Sorten, die eigentlich immer gerne gefressen wurden, werden mit einem mal verächtlich links liegen gelassen.

Es ist eigentlich egal, wem man denn das Essen serviert. Man darf sich immer wieder darauf einstellen, dass dieses Essen genau heute in dieser Art den Herrschaften nicht mehr genehm ist.

 

4. Stinkende Hinterlassenschaften

Die ersten Jahre eines Kindes sind davon geprägt, dass es nicht in der Lage ist, seine Ausscheidungen selbst zu entsorgen. Und damit einem die lieben Kleinen nicht überall kleine Hinterlassenschaften hinmachen, bekommen sie in der Regal Windeln um. So kann man zwar nicht das Wann, aber wenigstens das Wohin bestimmen. Ab einem bestimmten Alter lernt unser Nachwuchs dann irgendwann auf Toilette zu gehen und man wird dann höchstens noch zum Abputzen gebraucht.

Katzen lernen freundlicherweise sehr viel schneller, wohin mit ihren Hinterlassenschaften. Was einen nicht davor bewahrt, diese sorgsam umzuschütten, damit sie nicht auf ewig im Katzenklo vor sich hin stinken.

Ob nun kniend vor der Katzentoilette oder gebückt über dem Kinderhintern, beides ist olfaktorisch keine Freude. Und wer schon mal einen prallen Sack mit Katzenkacke rausgebracht hat, weiß ganz genau, dass es genauso stinkt, wie eine Tüte voll Kackwindeln.

 

5. Eigensinn

Im Gegensatz zu Hunden lassen Katzen sich generell gar nichts befehligen. Statt treudoof jeden Wunsch bzw. Befehl auszuführen, haben sie eine ganz eigene Vorstellung, wie der Hase läuft. Und wer generell an der Spitze der Befehlskette steht. Sie machen genau das, was sie gerade möchten – nicht mehr nicht weniger. Sie setzen auf ihren Eigensinn, von manchen Katzenliebhabern auch gerne als „Charakter“ bezeichnet. In der Regel sind es genau diese Eigenarten, die sie nicht nur einzigartig machen, sondern auch besonders liebenswert.

Bei Kindern spricht man in der Regel nicht von Eigensinn, man hat sich da nettere Namen einfallen lassen. Gerne ist die Rede von der Autonomiephase (Trotzphase). Was aber nicht viel daran ändert, dass die eigentlich so lieben Kleinen ständig versuchen ihren Dickkopf durchzubekommen. Und wenn das keine Eigensinn ist…

 

6. Wo sie sind, ist Chaos

Wo Kinder sind, herrscht das Chaos. Das ist quasi ein Naturgesetz. Regale und Kisten werden nur zu gerne ausgeräumt oder ausgekippt. Das Spielzeug wird innerhalb kürzester Zeit in der gesamten Wohnung verteilt. Slipeinlagen werden in die Puppenwiege geklebt und die Tupperdosen sonst wohin verräumt. Kaum dreht man sich einmal um, wird sofort akribisch an dem nächsten Chaos gearbeitet.

Auch Katzen sind so kleine Chaosstifter. Nicht immer in den gleichen Dimensionen wie Kinder, aber trotzdem genauso akribisch. Gerne werden kleine Objekte über die Tischkante bugsiert, in jeder Ecke findet sich Katzenspielzeug. Schuhe stehen nicht mehr am selbsen Ort und Haarbänder verschwinden auf mysteriöse Weise. Und wehe das liebe Katzentier hat mal sein fünf Minuten, da gehen gerne mal Gardinen oder Blumentöpfe drauf oder Geschirr zu Bruch.

 

Und? Überzeugt? 😉

Aber egal wie anspruchsvoll sie sind, wie nervig in ihren Marotten – hat man erst sein Herz an eines dieser zwei- oder vierbeinigen Wesen verloren, so gibt es nichts Schöneres als sein Leben mit ihnen zu teilen. ❤

 

More is yet to come,

M.

Was bedeutet Erwachsen sein?

Eigentlich hatte ich ganz was anderes geplant für die nächste „Veröffentlichung“, aber da hat mich folgender Artikel einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Er ist Sinnbild für so viele andere Artikel, die momentan veröffentlicht werden, um auf der heutigen Generation herumhacken – gerne auch mal nur auf den Eltern.

Bevor ich inhaltlich werde, muss ich erst einmal meinem Frust Luft machen. Warum auch immer, aber ich habe das Gefühl, dass es medial so richtig in ist, Elternbashing zu betreiben, im Notfall die ganze Generation runterzumachen. Ob nun „Latte-Macciato-Mütter“,“ Helikoptereltern“, „Generation Y“ oder jetzt die „Generation Nabelschnur“: Hauptsache das Kind hat nen Namen. Dann raus mit dem Prügelstock und gib ihm.

Wäre es mit einem Augenzwinkern geschrieben und nicht omnipräsent medial vertreten, dann würde mich das alles ja nicht stören. Aber aus meiner Sicht nimmt das immer mehr zu. Wir geilen uns daran auf, dass die nachkommende (Eltern-)Generation nichts auf die Reihe bekommt. Vermeintlich. Dass man mit einer pauschalisierenden Sichtweise auch diejenige diskreditiert, die es anders/besser machen, interessiert ja nicht.

Ja klar, früher war alles besser. Aber ganz ehrlich? Auch nicht wirklich, gell? Und was will man damit erreichen, die heutige Generation als Prügelknaben hinzustellen? Garantiert nicht das Leben erleichtern! Und durch die Globalisierung werden wir (ja ich zähle mich auch dazu, deswegen trifft es ja nen Nerv bei mir) schon genug verunsichert, da brauchen wir nicht noch die „Gesellschaft“ im Nacken, die uns scheinbar die ganze Zeit verurteilt und der wir nichts Recht machen können.

Und jetzt werde ich mal inhaltlich. 😉

Prinzipiell soll ja nur die Frage aufgeworfen werden, wie eigenständig man sein muss, um als Erwachsen zu gelten. Aufgrund der längeren Schul- und Ausbildungszeit verschiebt sich das Auszugsalter nach hinten, da vorher eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schwer möglich ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass es tatsächlich mehr Nesthocker gibt, die „Hotel Mama“ weit über die tatsächliche Notwendigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich finde ich diese Beobachtungen und Interpretationen nicht falsch. Auch die Herangehensweise finde ich nicht falsch. Doch dann fängt es für mich an zu kippen. Erst wird erwähnt, dass selbst nach dem Auszug die Kinder weiterhin engen Kontakt zu den Eltern pflegen, sogar gemeinsame Urlaube planen. Danach wird der Bogen zu den „wahren“ Nesthockern geschlagen, die sich absichtlich in die Abhängigkeit zu den Eltern begeben aus Bequemlichkeit. Am Schluss endet der Bogen bei den Eltern, die aus narzisstischen Gründen ihre Kinder unterstützen, emotional wie finanziell. Zwar wird auch angegeben, dass aufgrund der Globalisierung die Kindergeneration stark verunsichert ist aufgrund der Unüberschaubarkeit und Unplanbarkeit der zukünftigen Karriere. Es endet offen mit der Frage, ab wann man erwachsen ist, aber irgendwie…

… ja, bekomme ich als Leser das Gefühl, dass eine gewisse Nähe zwischen Eltern und Kindern ab einem bestimmten Alter nicht mehr angemessen ist. Warum?

Nachdem wir jetzt die Freiheit genossen haben, die die Globalisierung uns möglich gemacht hat, stellen wir so langsam fest, dass es schon von Vorteil ist, Wurzeln zu haben. Alles ist so unbeständig, so schnelllebig und wechselhaft, da tut es gut einen verlässlichen Hafen zu haben. Die Anforderungen an uns als Person, Frau, Mann, Eltern, ArbeitnehmerIn, ArbeitgeberIn werden immer mannigfaltiger und auch anspruchsvoller. Widersprechen sich sogar. Warum dann nicht Rat und Unterstützung suchen bei jemanden, der mir geholfen hat zu dem zu werden, der ich bin?

Historisch brauch man gar nicht so lange zurückgehen, da hielt man zusammen in der Familie, als Clan. Erziehung war Familiensache, nicht nur Elternsache. Man unterstützte sich, man verließ sich aufeinander. Und nachdem man als Eltern die Kinder versorgt hat, hoffte man im Alter darauf, dass sich die Sorge umkehrte. So ganz ohne Grundsicherung und Rente…

Meine Nachbarin ist um die 80 und erzählt völlig wertungsfrei, dass ihre eigene Mutter mehr Erziehungsarbeit geleistet hat als sie selber. Denn sie selbst war arbeiten, ihre Mutter nicht. Und es konnte nur funktionieren mit dem Lebensunterhalt, wenn die ganze Familie mitzog. Was ist passiert in unseren Köpfen, dass wir die Familienzugehörigkeit kappen wollen, wenn die Kinder „erwachsen“ sind? Woher kommt das, dass wir denken, wir emerging adults müssen alles alleine hinbekommen? Ohne Orientierung und Hilfe? Denn wenn wir nach Rat suchen, um Unterstützung bitten, dann sind wir nicht erwachsen? Nicht abgenabelt genug? BITTE?!

(Wahrscheinlich genau aus dem Grund, warum ältere, erfahrenere ArbeitnehmerInnen nicht mehr so wertvoll sind, wie frische Kräfte. )

Wo es früher ein ganzes Dorf brauchte, um ein Kind groß zu bekommen, sollen jetzt die Eltern reichen. Aber bloß nicht mit der Hilfe der Großeltern! Nein, Besuchsomis und -opis müssen reichen. Dafür gibt es ja die staatliche Kinderbetreuung. Und die Doppelverdiener-Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um alles hinzubekommen. Oder wie in meinem Fall: die Alleinerziehende, die im System Hartz 4 gefangen ist. Aber sich seiner „Ressourcen“ bedienen, um sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen? Gerne, Hauptsache du verlässt dich NICHT auf deine Eltern dabei.

Momentan geht mir die mediale Aufbereitung, was die „heutige (Eltern-) Generation“ anbelangt echt auf den Keks. Ja, hinterfragt bitte, was wir so machen und wie wir es machen. Werft Fragen auf, macht euch auf die Suche nach Antworten. Aber bitte,BITTE, hört auf uns in Schubladen zu stecken und uns abzukanzeln! Wir wissen doch zum Teil selbst nicht mehr wonach wir uns richten sollen. Gebt uns doch Raum, einen Weg für uns zu finden. Jeder den seinen. Ganz viele. Und hört einfach auf uns die Türen zuzuschlagen. Denn mit jeder „Verurteilung“ nehmt ihr uns einen Weg. Nicht überbehüten! Nicht vernachlässigen! Vollzeit! Teilzeit! Keine Kaffee-Getränke! Nicht öffentlich stillen! Kein öffentliches Familienleben!

Ja, es nervt. Wirlich.

So, als Nachsatz  nochmal zu dem Artikel. Er war nicht so schlecht. Er hat sogar die richtigen Fragen gestellt. Nur sich leider hinreißen lassen zu pauschalisieren. Und sich selbst die Möglichkeit genommen, vorurteilsfrei in die richtige Richtung zu weisen. Eine Diskussion anzuregen ohne vorgefasste Meinung. Er hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.

More is yet to come,

M.

Please DO talk about it.

In der Nacht auf Montag wurden die Oscars 2015 verliehen. Seitdem wird viel darüber geschrieben, geredet, diskutiert und geteilt, was Patricia Arquette gesagt hat in ihrer Dankesrede. Und mir erschließt sich nicht, warum so ein Aufhebens darum gemacht wird. Die viel bewegendere Rede wurde von Graham Moore gehalten, der einen Oscar bekam für Best adapted Script für den Fim Imitation Game. Seht selbst.

Er gesteht dem Publikum und allen Zuschauern, dass er sich mit 16 umbringen wollte. Weil er anders war und sich nicht dazugehörig fühlte. Doch jetzt ist er Oscarpreisträger. Er spricht all den Teenagern Mut zu, die sich genauso wenig dazugehörig fühlen. Wie ich finde, ein absolut teilenswerter Moment, dem sehr viel mehr Aufmerksamkeit gebührt als ihm bisher zu Teil geworden ist.

Bitte teilt diesen Moment mit anderen. Nicht zwingend meinen Beitrag, mir geht es echt nicht um Klickzahlen oder sonstiges. Vielleicht ist ja nur meine Timeline falsch justiert, doch hätte ich die Oscarverleihung nicht gesehen, wäre dieses mutige Geständnis komplett an mir vorbeigegangen. Sucht euch einen Mitschnitt raus, teilt ihn auf facebook, auf Twitter, eurem eigenen Blog oder whatsapp oder was euch sonst noch so einfällt.

Danke

 

(Anmerkung: wegen der Lizenzbedingungen der Gema kann es passieren, dass Videos wieder runtergenommen werden müssen über youtube. Wenn das mit dem Video oben passiert, einfach Rüchmeldung geben, ich hoffe ich finde dann ein aktives bzw lizensiertes)

Confessions of a troubled mind

In der Blogosphäre gibt es ja zichtrillarden verschieden Eltern-, Mama- und Papablogs. Manche nutzen ihren Blog, um ihren Alltag zu teilen, anderen Mut zu machen oder einfach Teil einer medialen Community zu sein. Ein Teil davon, wahrscheinlich sogar ein Großteil, hat trotzdem eine bestimmte Richtung, in die alles strebt. Ob nun Vereinbarkeit generell oder als Alleinerziehende/r. Mit Zwillingen, vielen Kindern. Mit feministischen Hintergrund. Viele haben ein persönliches Steckenpferd, das zwar nicht konkret im Vordergrund steht, aber doch zwischen den Zeilen zumindest zu erahnen ist.

Als ich mich anfangs damit beschäftigt habe, auch einen Blog ins Leben zu rufen, fragte ich mich selber, in welche Richtung es gehen sollte. Reines Tagebuchbloggen schien mir nicht so meins zu sein. Schnell war mir klar: ich will mehr Toleranz. Unter Müttern, Vätern, Eltern. Unter Menschen. In Foren und auf Facebook bin ich so verbohrten und intoleranten Menschen begegnet, die für nichts und niemand Verständnis zeigen wollten oder konnten. Aber zum Diskutieren, zum Heranführen an andere Sichtweisen sind das definitiv die falschen Plattformen.

Es geht mir auch um mehr Toleranz für Mütter oder allgemein Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich: mit Macke. Damit meine ich nicht, dass ich an irgendeinem ulkigen Spleen leide, sondern dass ich gepflegt einen an der Waffel habe – dezent. 😉 Ich hatte es schon zu Anfang einmal angedeutet in meinem Beitrag wie ich zu meinem Blognamen kam.

Damals habe ich es noch relativ vage gehalten mit den Details und mit dem Ausmaß. Dies werde ich jetzt ändern.


Triggerwarnung: wer nichts über selbstverletzendes Verhalten oder Suizidgedanken lesen will, der wende sich jetzt bitte einem anderen Beitrag zu.

 


Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch recht klein war. Sie vereinbarten für mich und auch auf Anraten einer Elternberatung das Wechselwohnmodell. Eine Woche Mama, eine Woche Papa – immer schön im Wechsel. Die Wohnungen waren nicht weit voneinander entfernt, Kita-, Hort- und Schulwahl dadurch völlig unproblematisch. Logistisch lief es recht gut.

Trotzdem glaube ich, dass ich damals schon nen leichten Hau weghatte. Nicht wegen der Trennung meiner Eltern. Ich glaube nach wie vor, dass das die beste Entscheidung für alle gewesen ist. Aber irgendwann vergleicht man sich mit anderen. Bekommt unterschwellige Ablehnung aufgrund des Modells mit. Oder offen von der Klassenlehrerin wie bei mir in der 4. Klasse.

Ich arrangierte mich nach außen hin sehr gut. Innerlich? Weiß ich derzeit gar nicht so genau. Aber ich war die meiste Zeit glücklich, ausgelassen. Mit vierzehn trafen mich dann mehrere Schläge gleichzeitig. Familiär und auch im Freundeskreis. Zu viel, um damit klar zu kommen als Pubertierende. Und zu dem Zeitpunkt gab es auch niemanden, der mir Halt bieten konnte. Rückblickend gesehen verfiel ich damals in meine erste Depression. Oftmals verkannt als „ach, die ist nur traurig oder halt ein wenig empfindlich im Moment“. Doch die Phase verging nicht. Ich weinte viel. Wenn ich nicht weinte, wünschte ich mir, ich könnte es. So viele Gefühle und trotzdem fühlte ich mich leer. Ich hatte Suizidgedanken, war aber nie richtig Suizidgefährdet.

Ich begann mich zu schneiden, den Druck aus mir fließen zu lassen. Und gottseidank wurde ich entdeckt dabei. Sehr schnell und relativ komplikationslos bekam ich einen Therapieplatz. Zwei Jahre ging ich jede Woche zur Gesprächstherapie. Es half mir, wieder auf die Beine zu kommen. In der Zeit traf ich einige einschneidende Entscheidungen. Zog zu meinem Vater, löste mich von meiner Mutter. Die folgendenen Jahre waren ein Auf und Ab.

Mit einem Schlag war ich erwachsen. Und dabei erst fünfzehn. Ich hatte Abgründe gesehen, die manche in ihrem Leben nicht erleben müssen. Zu Gleichaltrigen fand ich keinen Zugang. Dieses unbeschwerte Leben, das sich nur um Äußerlichkeiten drehte, zu diesem hatte ich keinen Zugang mehr. Sozial gesehen war ich in der Schule eine Außenseiterin. Trotzdem wurde ich in der Schule nicht schlechter. Ohne Probleme machte ich mein Abi. Fing danach an zu studieren – und scheiterte.

Fing an zu Jobben, zog zu Hause aus, verbesserte meine Beziehung zu meiner Mutter. Fing an zu feiern und fing auch an zu LEBEN. Nicht immer nur verantwortungsbewusst. Mich mal ausprobieren, mal die Kontrolle zurückstellen. Um dann auch dieser Phase den Rücken zu kehren. Und eine Ausbildung zu machen. Diesmal zu Ende und mit Auszeichnung.

Allerdings wurde ich hier wieder von meiner Vergangenheit eingeholt. Überfallartig bekam ich wieder Depressionen, verbunden mit Zwangsvorstellungen und einer Angststörung. Trotzdem schaffte ich die Ausbildung. Dank meines Berufschullehrers und der Sozialarbeiterin an der BBS. Und auch dank der Hilfe meiner Mutter.

Mit einem Fristvertrag in der Tasche wurde ich dann ungeplant schwanger. Vieles wurde noch komplizierter als schon zuvor, neue Grabenkämpfe taten sich auf. Manch einer mag es verwerflich finden, dass ich psychisch labil wie ich bin, mich entschlossen habe dieses Kind zu bekommen. Doch alles andere hätte mich zerstört. Also stellte ich mich der Herausforderung, vielleicht ein wenig naiv.

Die Zeit nach der Entbindung war nicht schön. Neue Rolle, viel Verantwortung und noch mehr Ansprüche an mich. Dazu eine instabile Beziehung mit sehr entgegengesetzten Charakteren und auch Rollenmodellen. Manchmal war ich kurz davor mich einweisen zu lassen. So fertig war ich. Aber dann hätte ich meine wunderbare Tochter nicht bei mir haben können. Also halte ich bis heute durch.

Inzwischen bin ich alleinerziehend, aber in gutem Kontakt zu meinem Ex. So belastbar wie andere Mütter bin ich nicht. Gefühlt habe ich nur ein Teil der Energie zur Verfügung wie „normale“ Menschen. Wie man den Haushalt führt und das auch noch effizient (oder sogar nebenbei!!) weiß ich immer noch nicht. Ich bin empfindlich und empfindsam und schnell überfordert. Depressive Phasen kommen und gehen und meine eigenen Grenzen machen sich immer wieder bemerkbar. Noch weiß ich nicht, wie ich meinen Alltag bestreiten soll, wenn ich wieder anfangen sollte zu arbeiten.

Das alles soll aber keine Entschuldigung sein, mich zurück zu lehnen und in der sozialen Hängematte zu „schmarotzen“. Ich möchte eine bessere Mom sein für meine Tochter. Selbstbewusst, fröhlich. In einer aufgeräumt-ordentlichen Wohnung. Eine Working-Mom. Die ihre Vergangenheit verarbeitet hat. Aber auch zu ihren Schwächen steht.

Machen wir uns nichts vor. Wenn man zu Depressionen neigt, diese mehr als nur einmal hat, dann werden diese immer mal wieder zum Leben gehören. Es gibt kein „geheilt“. Ein Alkoholiger bleibt auch dann ein Alkoholiker, wenn er trocken ist. Nur hat er gelernt, seine Sucht zu kontrollieren. Und ich werde lernen, besser auf meine eigenen Grenzen zu achten. Maßnahmen lernen, wie ich es abmildern kann bzw vorbeugen, wenn sich wieder eine depressive Episode anbahnt.

Darum stehe ich auch dazu, wenn ich sage, dass ich jetzt endlich wieder in Therapie bin. Nicht mit Namen und Bild, aber als mamamitmacken stehe ich dazu. Als eine Stimme unter vielen in diesem luftleeren Raum, der sich Internet nennt. Und vielleicht trägt mein kleines Stimmchen dazu bei, dass gerade wir Mütter uns ein wenig mehr Toleranz gönnen. Und irgendwo vielleicht eine Mama denkt: „Dann bin ich nicht die Einzige, der es so geht.“

More is yet to come,

M.

Manchmal hätte ich einfach gerne die Wahl

In den letzten zwei Wochen bin ich des häufigeren auf Blogbeitträge gestoßen, in denen sich alles um die Herausforderungen als Zwei- bzw Mehrfach-Mutter dreht. Die Unterschiede, wenn man „nur“ ein Kind hat oder halt mehr. Ich lese die Erzählungen, die Aufzählungen und Auswertungen der Erfahrungen und werde ein wenig wehmütig.

Natürlich schießt mir durch den Kopf wie ich mir ein Leben mit einem zweiten Kind vorstellen würde. Ob es Sinn machte? Verantwortungsvoll wäre in der aktuellen Situation? Um dann festzustellen, dass solche Überlegungen nutzlos sind. Ich bin alleinerziehend und Single, es bietet sich mir gar keine Wahl…

Momentan ergibt sich für mich daraus eine Art Sinnkrise. Denn es ist ja nicht so, dass ich mir als Kind schon vorgestellt habe, YEAH! Ich werde eine Single-Mom. Auch wenn die Zeit in einer „klassischen heilen“ Familie relativ kurz war bei mir, so war sie doch prägend, was die Vorstellungen bezüglich meiner Zukunft betrifft. Ich stellte mir einen Partner für mich vor, mit dem ich zwei Kinder haben würde. Heirat nicht zwingend notwendig, ebensowenig ein eigenes Haus. Beide erwerbstätig und sehr partnerschaftlich in allen alltäglichen Dingen.

Tja, es kam ja dann doch anders. Zwar habe ich nicht allen Träumen abgeschworen, aber die Realität kann ernüchternd sein. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wie die Schwangerschaft war. Auch wenn es nicht alles nach Lehrbuch verlief und ich so meine Sorgenmomente hatte – ich ruhte in mir, war rundum zufrieden. Zudem war ich voller Liebe und sehr konzentriert auf dieses kleine Wesen, dass in meinem Körper wuchs. Die Geburt war… Reden wir nicht drüber. Eine zweite Schwangerschaft war für mich nie ausgeschlossen.

Trotzdem habe ich das erste Jahr alles dazu getan, auf gar keinen Fall wieder schwanger zu werden. Zu sehr hatte ich mit meiner persönlichen Situation zu kämpfen. Beziehungsstress, Arztrennerei, Umzug und auch körperlich brauchte ich einige Zeit mich zu erholen. Meinem Körper war das allerdings piepegal. Trotz zweistündigen Stillrythmus (ja, auch nachts…) hatte ich nach 6 Wochen bereits meinen ersten Eisprung. Und dann nach 8 Wochen – ihr wisst schon.

Dann um den ersten Geburtstag meiner kleinen Maus wurde die Trennung offiziell. Es ging nicht mehr, er musste ausziehen. Und nach wie vor war der Gedanke, in dieser Situation schwanger zu werden, Grund für Bauchschmerzen und nächtliche Albträume. Auf gar keinen Fall!

Inzwischen habe ich mich an das Leben einer Alleinerziehenden gewöhnt. Die kleine Maus geht in die Krippe, ich habe zwischendurch Zeit zum durchpusten. Meine persönlichen Belange habe ich im Blick und einiges, an dem ich noch arbeiten muss, habe ich bereits in Angriff genommen. Zudem ist das liebe Kind bald schon drei – und damit schon verdammt selbstständig. Ich bin angekommen in meinem Leben, auch wenn ich noch nen riesen Berg an zu schaffenden Dingen vor mir habe.

Auch habe ich für mich selbst beschlossen, auf unbestimmte Zeit Single zu bleiben. Nicht nur, weil ich sowieso so gut wie nie ausgehe und meine Chancen jemand Nettes kennen zu lernen eher gering sind. Sondern einfach, weil ich auf niemand Zusätzliches Rücksicht nehmen möchte. Meine Tochter soll nicht zurückstecken müssen. Ich möchte an mir arbeiten, mich weiter entwickeln. Auch möchte ich weiterhin einen so unbelasteten Umgang mit meinem Ex pflegen. Und wenn er mal Unterstützung braucht, einfach für ihn da zu sein. Da brauche ich niemanden, der dann noch etwas von mir fordert oder mit mir diskutieren will. Ok, klar, ein neuer Partner könnte eventuell eine Hilfe sein, aber bei meinem Männergeschmack… 😉

Es gefällt mir, keine Kompromisse machen zu müssen. An mir zu arbeiten, Fortschritte zu machen und das alles aus mir heraus – ohne die Hilfe von jemand anderem. Zu wissen, dass die Person, die ich später mal sein werde, die ist, die ich sein wollte. Ohne beeinflusst worden zu sein.

Allerdings…

Jemanden zu haben, mit dem ich meine Gedanken und Gefühle teilen kann, der mit mir die Last der Entscheidungen trägt, wäre schon schön. Insbesondere dieses eine Gespräch führen zu können… Wäre jetzt nicht die optimale Zeit für ein zweites Kind? Ein kleines Geschwisterchen für meine gar nicht mehr so kleine Maus? – Mir geht es gar nicht darum, dass ich ein „Ja, wenn nicht jetzt, wann dann?“ zu hören bekomme. Ich würde so gerne die Möglichkeit besprechen. Einfach die Wahl haben, egal, ob der Kinderwunsch umgesetzt wird oder nicht.

Im Endeffekt kann ich mir die Antwort selber geben. NEIN, jetzt ist bestimmt nicht die richtige Zeit. Ich bin alleinerziehend und Single. Nach wie vor ohne Job. Ich will mich fortbilden, meine beruflichen Möglichkeiten verbessern. Auch an mir muss ich arbeiten. Führerschein, Psyche und Körper. Mein Notfall-Netz ist wahnsinnig klein und nicht sehr belastbar. Nochmal drei Jahre raus? Dann wird das beruflich nichts mehr.

Und doch… Ein Teil von mir möchte trotzdem ein Kind. Oder zumindest eine Perspektive, dass es irgendwann noch mal dazu kommt. Vielleicht ist das das Schwerste an der ganzen Geschichte. Nicht nur, dass mir die Wahl gar nicht bleibt, weil ich einfach keine habe, sondern dass ich auch nicht die gedankliche Beruhigung habe, dass ich später mal eine Wahl haben könnte.

More is yet to come,

M.

Nachgereicht…

Während alle Welt fleißig verkündetet #JeSuisCharlie, wurde eine andere Tragödie einfach unter den Tisch fallen gelassen. Vielleicht wäre es auch an mir vorüber gegangen. Doch da meine kleine Maus zur Hälfte nigerianisch ist und auch ihre halbe Verwandtschaft immer noch in Nigeria lebt, ist mein Radar in dem Bereich ein wenig feiner. Lest selbst klick

Angriff auf die Mama-Bubble

Normalerweise konzentriert sich mein Blog auf die Erlebnisse, Gedanken und Merkwürdigkeiten rund um die Thematik Kind(er) haben, Mutter sein. Es ist bequem, sich eine kleine Blase zu schaffen, in dem es nur darum geht. Man sich und sein Kind ausgiebigst betrachtet und reflektiert und alles andere ausblendet. Nun existiert außerhalb dieser Blase ja auch noch eine Welt. Eine Welt, die Einfluss hat auf mich, mein Kind und unsere/seine Zukunft. Und so einfach es ist, sich nur auf das Naheliegendste zu konzentrieren, mag ich bei den momentanen Ereignissen nicht still sein.

Denn ich bin ja nicht nur Mutter, sondern auch Frau, Mensch, Freundin, Bürgerin. Und Bloggerin. Auch wenn ich, was Follower und Traffic angeht auf der untersten ersten Stufe stehe, so nutze ich meine Rede- und auch Meinungsfreiheit. Ich verlasse mich darauf, dass es mein Recht ist, meine Gedanken und Meinungen öffentlich zu teilen. Natürlich bin ich mir der Möglichkeit bewusst, dass andere anders denken und ich eventuell auch Ziel von Kritik und Anfeindungen werden könnte. Aber mein Leben damit zu riskieren? Davon gehe ich nicht aus.

Es dürfte an niemandem vorbeigegangen sein, was die letzten Tage in Paris geschehen ist: Das Attentat/der Terrorakt auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Zuallerest ein unfassbare Tragödie, denn es sind Menschen verletzt worden und sogar getötet. Eine Tragödie für Familie, Freunde und Kollegen, die mit dem Verlust und dem Trauma zurecht kommen und leben müssen. Ich kann nur entfernt nachempfinden, wie es ihnen gehen muss. Nur eins: es muss furchtbar sein.

Doch neben der menschlichen, der persönlichen Tragödie hat ein weiteres Unheil stattgefunden: ein Angriff auf die Redefreiheit. Die wir als Blogger und auch schlicht als Bürger als selbstverständlich ansehen. Es ist ein Grundrecht bei uns „in der westlichen Zivilisation“. Der Schock sitzt tief. Wie kann es sein, dass man sein Leben riskiert, nur indem man seine Meinung äußert? Und auch die Wut, die Fassungslosigkeit, dass tatsächlich jemand bereit war, deswegen Menschen zu töten? Zwar weiß man bzw kann man sich denken, was die Täter dazu gebracht hat, aber verstehen, nachvollziehen kann ich es nicht.

Hinzu kommt auch, dass dieser Anschlag ein Angriff des islamistischen Extremismus auf unsere christliche, westliche Welt ist. Und das ist es, was in der Folge noch weitreichende Folgen haben kann/wird. Was mir Sorgen macht.

Denn es ist noch nicht abzusehen, ob es nur der Auftakt war zu einer Serie terroristischer Anschläge. Oder, ob es Nachahmer geben wird. Oder, ob es zu Gegenschlägen kommt. Denn eines wissen wir nach 9/11 ganz bestimmt: wenn man angegriffen wird, möchte man sich verteidigen, zurückschlagen oder sich schlicht rächen. Beim Terrorismus allgemein ist dies sehr schwierig. Denn man organisiert sich im Verborgenen, lebt ein Doppelleben und hat ein Netz von Schläfern. Also niemand direkt Greifbares verfügbar. Doch die Wut, die Unverständnis, der Unglauben, die Fassungslosigkeit, all das möchte sich gegen jemanden oder etwas richten. Doch die Attentäter sind tot. Man kann sich an ihnen nicht mehr abreagieren.

Was sich jetzt schon abzeichnet, ist, dass die ganzen aufkommenden Gefühle( die ja auch eine Berechtigung haben!) jetzt gegen den Islam im Allgemeinen gerichtet werden. Nur leider hat der damit wenig zu tun! Extremismus, Fundamentalismus und Terroristen gibt es ja nicht nur im Islam, sind dort auch nur die Ausnahme. Beispiele? RAF, IRA. Hat jetzt nicht unbedingt was mit Islam zu tun, gell? Terrorismus ist nicht auf Glaubensrichtungen beschränkt. Und ich finde es falsch, dass es bestimmte Strömungen gibt, die versuchen bzw versuchen werden Moslems unter Generalverdacht zu stellen. Dass es bald reicht, arabisch, türkisch oder persisch auszusehen, um potentiell gefährlich zu sein. Und ja, der Geiselnehmer aus dem jüdischen Supermarkt war doch schwarz? Dann werden jetzt auch alle Schwarzen mit auf die Liste gesetzt.

NEIN! NEIN! NEIN!

Und das ist der Punkt, an dem meine Mama-Bubble platzt. Seit Jahren beobachte ich wie „Nationalstolz“ und „Vaterlandstreu“ wieder salonfähiger werden. Wo es wieder akzeptabler wird gegen „Ausländer“ zu wettern. Die NPD und ähnliche Strömungen wieder mehr Zulauf bekommen. Und seit neustem gibt es #Pegida. Und ehrlich gesagt, wird mir dabei ganz flau im Bauch. Auch wenn vielleicht der größere Teil aus Angst und Unsicherheit auf die Straße geht, weil der meiste Terror, den man bewusst über die Medien wahrnimmt von radikalen, islamistischen Strömen ausgeht. Aber ein bestimmter Anteil der Pegida-Bewegung ist wirklich fremdenfeindlich. Und dieser Anteil wird sein möglichstes versuchen, die Ängste und Unsicherheiten für sich zu nutzen und ihr rassistisches, fremdenfeindliches Gut in den Köpfen der Mit-Demonstranten zu verankern.

Ich lebe in einem Multi-Kulti-Stadtteil. Wir sind hier ein bunt gemischter Haufen. Das einzige, was mich interessiert, ist ob mir mein Gegenüber sympathisch ist, mit mir auf einer Wellenlänge ist. Da ist das Aussehen herzlich egal. Ich muss da nicht nachhaken, wo wer jetzt herkommt, wie lange her, wann die Eltern und überhaupt… BLA. Vielleicht ergibt sich was im Gespräch. Oder auch nicht. Sympathie, Freundlichkeit, das ist es was mir wichtig ist. Klar könnte ich hier große Reden schwingen. Über die Präsenz unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten in meinen Schulklassen. Darüber, dass ich als Kind schon viel Kontakt zu verschiedensten Nationalitäten hatte. Aber ich finde nicht, dass ich das betonen brauche. Ich bin damit aufgewachsen, ich habe es nie in Frage gestellt, warum jemand nicht so aussieht wie ich. War so.

Und deswegen war auch nicht die Hautfarbe entscheidend, mit wem ich ausgehe. So kommt es, dass meine Tochter jetzt eine deutsch-nigerianische Co-Produktion ist. Um deren Zukunft ich mir jetzt Sorgen machen. Denn ich sehe die Tendenzen in Deutschland, ich erlebe den latenten „nicht bösgemeinten“ Rassismus. Auch in unseren Nachbarländer werden seit Jahren die rechten Strömungen immer stärker. Es macht mir Angst. Nicht nur, dass wir als „westliche Gesellschaft“ potenziell ein Ziel sind für Terroranschläge, sondern auch, dass dadurch Strömungen bestärkt werden, von denen wir eigentlich wissen sollten, dass sie zu keinem guten Ende führen.

Ich hätte so gerne einen Blogbeitrag geschrieben, der ausschließlich den Opfern und Angehörigen gewidmet ist, die von dem Anschlag betroffen sind. Voller Mitgefühl, Bedauern und Anteilnahme. Doch die Wellen reichen weit.

More is yet to come,

M.

Wer bin ich? Und wieviele?

Ich weiß noch, wie ich mich als frischgebackene Mutter gefühlt habe. Ich war voller Erstaunen, weil dieses kleine Baby auf meinem Arm tatsächlich mein Baby ist. Überwältigt von der Liebe und auch von der neuen Verantwortung. Am Anfang noch voller Unsicherheiten und später mit einem doch recht soliden Bauchgefühl, gebaut auf den gesammelten Erfahrungen. Diese Zeit war magisch – und wahnsinnig anstrengend. Solange die kleine Maus noch viel schlief (bis zu 16 Stunden am Tag), hatte ich zwischendurch immer mal wieder ein wenig Zeit für mich. Mit den längeren Wachphasen, verschwand diese Zeit. Dafür wuchs ein Selbstverständnis, dass ich Mutter bin. Und irgendwann war ich es auch mit Fleisch und Blut.

Doch je länger die Zeit anhielt, in der ich ausschließlich Mutter war, desto mehr merkte ich, dass ich andere Aspekte meines Seins, meiner Persönlichkeit sträflich vernachlässigte. Der Start der Beikostphase begrüßte ich euphorisch. Endlich musste ich nicht ständig zur Verfügung stehen. Ich konnte und durfte meine Kleine auch mal abgeben. Vorher ging es nie, ich stillte alle 2 Stunden und nach der Brustentzündung direkt nach der Entbindung wollte ich weder mit Pre-Nahrung noch Abpumpen das emfpindliche Stillgleichgewicht durcheinanderbringen.

Der Start in die Krippe war der nächste Meilenstein auf dem Weg, mehr Zeit für mich zu haben. Ich stellte nur schnell fest, dass ich nicht wirklich wusste, was ich realisieren sollte. Darüber hinaus wird der Haushalt nicht weniger, nur weil ich mal ein bisschen weniger Kind habe. Das Ausüben von Haushaltstätigkeiten war einfach nur ruhiger und effektiver zu bewerkstelligen.

Und inzwischen ist mein Alltag relativ gut durchgeplant – nur die Zeit für mich bleibt gefühlt immer noch auf der Strecke. Deswegen stell ich mir jetzt mal die Frage, warum ich und vielleicht auch andere häufig das Gefühl haben, ihre Bedürfnisse blieben auf der Strecke, obwohl sie von außen gesehen doch was für sich machen?

Und die kurze Antwort ist: weil jeder Mensch aus ganz vielen Facetten besteht. Mit eigenen Bedürfnissen. Und diese Bedürfnisse sind nicht immer miteinander vereinbar. Also geht man Kompromisse ein. Mal bekommt die eine Facette den Vorrang und manchmal die andere. Doch die ganze Zeit steht man im Konflikt mit sich selbst und den so unterschiedlichen Bedürfnissen.

Je mehr Erfahrungen man macht, je mehr Kontakte man hat, umso mehr Facetten bilden sich aus. Oder halt auch Rollen, mit den entsprechenden Erwartungen von Außenstehenden.

Ein Baby ist schon von Geburt an schon mehr als  nur ein Baby. Es ist Sohn/Tochter, Enkel, Cousine usw. Natürlich bildet sich das Bewusstsein erst mit den Jahren aus. Anfangs geht es nur um die Befriedigung der wichtigsten Bedürfnisse. Essen, Schlafen, in die Windel machen, Kuscheln, Aufmerksamkeit – darum geht es am Anfang. Bis das Kind lernt, dass die Bezugspersonen auch eigene Bedürfnisse haben und man die eigenen nicht immer sofort befriedigt bekommt. Darüber hinaus lernt es, dass die jeweilige Beziehung zu einer Person, die eigene Reaktion bestimmt. Und daraus entwickeln sich die Facetten.

Später kommen immer mehr dazu. Durch Schule, Freundschaften, Bekanntschaften entwickelt man sich weiter. Dabei werden andere Veranlagungen nicht einfach überschrieben, sondern bekommen vielleicht einfach andere Wertigkeiten. Wenn man als Junge zum Beispiel findet, dass es eigentlich ganz nett ist mit der kleinen Schwester Puppen zu spielen, er das unter Umständen aber nie vor seinen Kumpels zugeben würde. Das Bedürfnis ab und an mal mit Puppen zu spielen ist da, doch es wird schon stark unterschieden, mit wem man es auslebt.

Und so geht es immer weiter. Irgendwann gibt es eine gesellschaftliche Facette, eine politische. Man wird Teil der Arbeitswelt. Man lernt, dass bestimmte Aspekte, Facetten seiner Persönlichkeit nicht in jeder Situation angemessen sind. Man passt sich den Gegebenheiten an. Bishin zu Äußerlichkeiten, wenn z.B. ein bestimmter Dresscode bei der Arbeit vorgegeben wird. Auch der Sprachgebrauch ändert sich, je nachdem, welche Facette nun gerade zu Tage tritt.

Das führt auch zu dem Rückschluss, dass Menschen, die sich in verschiedenen Situation unterschiedlich verhalten, nicht unweigerlich falsch sind. Sie grenzen ihre Facetten einfach nur besser ab und haben vielleicht verschiedene Modi für unterschiedliche Situationen. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich verstellen, um zu lügen und zu betrügen, aber um die geht es hier nicht.

Was bedeutet das nun für mich? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so wirklich genau. Es hilft mir auf jeden Fall, Situationen anders zu bewerten. Es ist nicht verwerflich, wenn ich nach 1 1/2 Jahren das Bedürfnis habe, mal ICH zu sein. Nicht nur Mutter. Und es ist auch ok, wenn ich mich gerne mal wieder als Frau fühlen möchte. Ich mir überlege, wegzugehen, mit Freundinnen rumzuhängen, über Männer zu lästern und auch mal zu flirten. Deswegen bin ich keine schlechte Mutter. Meine Tochter ist 2 1/2, sie braucht mich nicht mehr 24/7. Es gibt mehrere vertraute Bezugspersonen wie ihren Vater oder ihre Oma, die mir helfen, dass ich aus der Mutterrolle rauskomme für ein paar Stunden oder über Nacht.

Es hilft mir auch zu verstehen, dass ich auch mal einige Sachen zurückstellen. Und mich dafür nur auf bestimmte Dinge fokussiere. Der Führerschein ist angefangen, da darf ich es nicht zu sehr schludern lassen. Und die Bewerbungen stehen im Vordergrund, die Fristen stehen fest.

Wenn ich allerdings nur ausschließlich die äußeren Zwänge bestimmen lasse, wer ich gerade bin, brenne ich schnell aus. Meine Methode, dem entgegen zu wirken, ist, ganz bewusst Zeiten einzuplanen, in denen ich ein anderes ICH hervorkommen lasse. Das Bloggen ist eins der Dinge, verschiedene Aspekte zu beleuchten und mich mit mir selbst zu beschäftigen. Sehr praktisch ist auch, dass ich zur Zeit einen regelmäßigen Frauenabend habe mit einer befreundeten Mutter. Wenn die kleine Maus im Bett ist, schauen wir Filme, spielen Singstar, lachen, erzählen und haben einen entspannten Abend. Und am nächsten Morgen ist sie noch da und wir frühstücken in aller Ruhe mit der Kleinen.

Indem ich mich damit beschäftige, wie viele verschiedene Facetten ich habe, mit den dazugehörigen Bedürfnissen und Erwartungen, gelingt es mir immer wieder eine bessere Balance zu finden zwischen ihnen. Und das macht mich entspannter. Zufriedener. Es gibt mir die Möglichkeit bewusst zu entscheiden, was Vorrang hat, aber auch die Gelassenheit aus dem Wissen, dass andere Aspekte zu einem anderen Zeitpunkt ausgelebt werden.

Denn eigentlich macht es mich zu einer besseren Mutter, wenn ich nicht alle anderen Facetten verleugne, sondern sie zum richtigen Zeitpunkt auch auslebe. Ich bin dann ausgeglichener. Und ich habe wieder mehr Energie und Konzentration, die dann der kleinen Maus zu Gute kommen.

More is yet to come,

M.

Was heißt eigentlich „normal“?

Gerade als Mutter stolper ich oft über das Wort normal. In Foren fragen viele Schwangere und Eltern, ob „das so normal ist“. Oft werde ich auch gefragt, ob das denn noch normal wäre. Und irgendwie wird alles hinterfragt. Die Schlafdauer und -häufigkeit, die Krankheitshäufung, das Nähebedürfnis, die Lautstärke, die Heftigkeit der Wutausbrüche meiner Tochter usw. Irgendwie wird alles hinterfragt. Und das leider meist von außen. Oftmals ja schon als Wertung, also mit der Meinung, dass das jetzt nicht mehr normal ist.

Und ich muss sagen, es stört mich. Denn es gibt ja keine Definition, was man als normal anzusehen hat. Aber das Urteil, dass etwas nicht normal ist, das wird schnell gefällt. Deswegen frage ich mich, ob man sich oder andere überhaupt danach fragen sollte.

Schon als Kind machte ich damit Bekanntschaft. Meine Eltern haben sich nach ihrer Trennung für ein gemeinsames Sorgerecht entschieden und auch dafür, dass ich bei Beiden gleich viel Zeit verbringe. Ich war also eine Pendlerin zwischen den Wohnungen meiner Eltern. Dementsprechend hatte ich auch zwei Adressen. Und sofort muckte meine Klassenlehrerin auf, dass das so nicht ok wäre und ich mich bitte schön zu entscheiden hätte. Später beschwerten sich auch Mitschüler – zwar im Halbernst – darüber, dass ich auf der Klassenliste immer zwei Zeilen brauchte für meine Adressen. Aber schon damals bekam ich das Etikett verpasst, dass etwas bei mir unnormal sei.

Deswegen stoße ich mich auch so sehr an diesem Wort. Denn wer legt denn fest, was normal ist? Das Bundesamt für Statistik? Legen wir das per Volksabstimmung fest? Oder erhebt die forsa da irgendwelche Umfragen? Oder wird das von der Gesellschaft festgelegt? Oder, Gott bewahre, von den Medien? Wenn wir also gar nicht wissen, was denn jetzt genau im Rahmen des Normalen liegt, liegen wir dann nicht in den meisten Fällen außerhalb?

Und damit ist das Normale fast genauso unerreichbar wie das Perfekte. Natürlich bedeuten beide Worte nicht das Gleiche. Den Meisten ist bewusst, dass Perfektion nicht zu erreichen ist, nicht auf Dauer und nicht in allen Bereichen des Lebens. Aber das Normale? Das scheint doch nix Besonderes zu sein, nichts nach das man strebt. Normal ist doch jeder, die Mehrheit der Leute, oder nicht? Doch was macht das mit einem, wenn einem immer suggeriert wird, dass man sich häufig außerhalb der Norm bewegt? Ist man dann unnormal? Ist man dadurch ein nicht so guter Mensch, ein schlechter Mensch?

Es gibt bestimmt viele Menschen, die sich davon nicht beeindrucken lassen, die sich dessen nicht bewusst sind oder sich darüber keine Gedanken machen.

Doch was ist mit denen, die da – vielleicht auch nur momentan – etwas empfindlicher sind? Mit Kindern oder Jugendlichen, die noch lernen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, die dabei sind, sich selbst zu finden? Oder auch mit werdenden/frischgebackenen Eltern, die sich in einer neuen, unbekannten Situation befinden und Angst davor haben Fehler zu machen? Was ist mit den Menschen mit schlechtem Selbstbewusstsein? Was macht das mit Ihnen?

Es kommt bestimmt drauf an, wie oft man das hört, von wem und in welchem Kontext. Die Auswirkungen können nur minmal sein oder auch große Wellen schlagen. Ich für mich werde mich auf die Suche machen nach Synonymen. Und normal für mich zum Unwort erklären.

More is yet to come,

M.