Shades of Pink #8: Die Afro-Elsa

Meine kleine Maus ist inzwischen gar nicht mehr so klein. In gut einem Monat ist sie schon vier Jahre alt. Wie es sich für eine junge Dame gehört, entwickelt sie so langsam ihren eigenen Geschmack. Am liebsten mag sie Kleider, die Farben Pink und Lila, Blumen, Feen, Pferde und Einhörner können ihrer Meinung nach überall drauf sein. Und ja, Katzen am Besten auch. Auch zum Thema Haare hat sie so ihre ganz eigenen Vorstellungen.

Nun ist es natürlich so, dass ihre Haare doch ein wenig anders sind als die ihrer Kindergartenfreundinnen und auch als die von meiner Mutter oder mir. Wo im zarten Säuglingsalter die Haare noch fein und glatt waren, sind sie inzwischen dicker, drahtiger und ganz schön krauslöckig (gibt es das Wort überhaupt? Es beschreibt es wohl am Besten 😉  ). Ihre Frisurenvorbilder sind in den meisten Fällen das, womit sie konfrontiert wird. Im Kindergarten, unterwegs, in Filmen. Nicht immer leicht umzusetzen, wenn das Ausgangshaar so kraus ist.

 

Die Haarpflege – eine Wissenschaft für sich

Gerade am Anfang habe ich die Haarpflege sehr unterschätzt. Afrohaare trocknen schnell aus, sie benötigen viel Pflege und auch eine ganz andere, als ich sie so kenne. Von den Produkten aus dem Afroladen bin ich schnell wieder abgerückt, zu viele Erdöle und das leicht entflammbar Schild war auch nicht besonders vertrauenserweckend. Also habe ich das Internet einmal quergelesen und bin da auf ganz gute Informationsseiten gestoßen. Im Endeffekt probiere ich mich immer noch durch, aber so langsam wird das was.

Praktisch ist, dass ich der Kleinen nicht so oft die Haare waschen muss aufgrund ihrer Struktur. Einmal die Woche reicht in der Tat aus. Außer natürlich, sie hat Dreck, Sand oder Fusseln im Haar, dann muss sie auch schon einmal früher ran.

Allerdings ist das Waschen dann auch aufwändiger. In der Regel immer Shampoo und Spülung/Kur. Während Spülung oder Kur einwirkt, entwirre und bürste ich die Haare, das geht nämlich nicht im trockenen Zustand. Mindestens einmal im Monat behandle ich das Haar mit einer Kokosöl-Maske vor dem Waschen. Nach dem Waschen kommt dann noch eine Feuchtigskeitspflege in die Haare. Danach werden diese „versiegelt“, indem ich noch ein Haaröl einarbeite. Im Anschluss darf ich dann noch frisieren.

Doch das reicht noch nicht an Haarpflege. Täglich darf ich dann noch mittels Sprühflasche die Haare anfeuchten und mit Haaröl die Frisur/Zöpfe etc. pflegen.

 

Die Frisurenwahl – zähe Verhandlungen, viel Gejammer, Geschimpfe und Frust

Früher war das noch recht einfach mit der Frisurenwahl. Ich wusste wie viel Zeit ich hatte, konnte einschätzen, wie lange die Kleine still halten kann und entschied dann eher nach dem Lustprinzip, was ich denn nun zaubern wollte. Oftmals machte ich die gleiche Frisur mehrmals hintereinander, da die Scheitel noch gut zu sehen waren vom letzten Mal. Entweder gab es abstehende geflochtene Zöpfe (zwischen vier und zwanzig, ja nach Laune), eingeflochtene Zöpfe (in den verschiedensten Anordnungen) oder Püschelzöpfe. Das war eine schöne Zeit.

Denn jetzt redet Madame mit. Inzwischen ist sie relativ verständig, dass manche Dinge einfach nicht gehen mit ihren Haaren. Rapunzelhaare (!!) gehen natürlich gar nicht, dafür sind ihre einfach nicht lang genug. Davon ab, fallen ihre Haare nicht locker nach unten, sondern stehen eher ab… Aber auch die Variante mit zwei langen geflochtenen (Anna-)Zöpfen scheitert einfach an der Haarlänge.

Am liebsten ist ihr sowieso ihre „Elsafrisur“. Für fachkundige (Mädchen)Eltern: die Frisur vom Anfang aus der Krönungszeremonie. Vorne eine Ponysträhne abteilen, der Rest in einen Püschelzopf. Ponysträhne eindrehen oder einflechten, zum Zopf hindrapieren, feststecken. Kind glücklich. Also fast..

…denn damit kann man leider keinen Helm tragen. Und somit auch kein Laufrad fahren. Also wird jedesmal verhandelt, was wir machen. Einflechten, Twists, Rasta, Elsa, Halbafro, Irokesenfrisur…. Selbst nach geglückter Einigung gibt es weiter Gemurre.

Denn Haare frisieren ziept. Immer. Scheitel ziehen ziept, Strähnen abteilen ziept, flechten/eindrehen ziept. Die böse, böse Mama!! (Aber Abschneiden wäre noch viel gemeiner 😉 )

Stillsitzen ist auch nicht immer so einfach. Und so mache ich es mir leicht: ich setze mich mit ihr vor den Fernseher und schau mit ihr fern. Sehr gerne Disneyfilme ( war klar, woher sonst kommen ihre Frisurenideen) oder eine Kinderserie über Netflix. Nur so habe ich überhaupt eine Chance erfolgreich ihr Haare zu bändigen.

Zum Abschluss der ganzen Prozedur geht die kleine Maus übrigens zum Spiegel und kontrolliert (!) meine Arbeit. Echt jetzt! Betrachtet sich von allen Seiten mit ernstem Gesicht, überprüft ganz genau den Sitz ihrer Frisur und fährt mit ihren Händen darüber. Irgendwann lächelt sie zufrieden und lobt mich dann.

Insgesamt sind wir bestimmt gut 1-2 Stunden mit ihren Haaren beschäftigt. Je nachdem, wie lange was einwirken muss und welche Art Frisur es denn werden soll. Von daher bin ich wirklich froh, dass wir das nur einmal die Woche machen müssen. Die tägliche Pflege dauert zum Glück nur ein paar Minuten.

Ach übrigens, nicht nur direkt nach dem Frisieren kontrolliert das liebe Kind die Haare. Auch morgens vor dem Kindergarten wird kritisch geprüft und ich zur Nachbesserung heranzitiert. Denn lose Haare gehen mal gar nicht.

To be continued,

M.

Shades of Pink #7: Die Herzensbrecherin

Bei meiner Tochter habe ich inzwischen festgestellt, dass sie in den meisten Fällen lieber mit Mädchen spielt. Gerade in der Krippe gehört sie zu den schüchternen und zurüchhaltenden Kindern und fühlt sich oftmals von allzu burschikosen Jungs überfahren. Allerdings gibt es fast immer einen Jungen, der etwas Besonderes für sie ist.

Ziemlich genau letztes Jahr hatte sie schon ihren ersten Freund. Er war der Erste, der begeistert ihren Namen rief, wenn ich sie in die Krippe brachte. Auch drehten sich ihre Erzählungen fast nur um ihn. Zumindest fiel sein Name ziemlich oft. Letztes Jahr Fasching überraschten die Beiden uns alle ganz schön. Denn der Verehrer stellte sich ganz dicht vor meine kleine Maus, schaute ihr tief in die Augen, tätschelte ihr etwas unbeholfen die Wange und küsste sie. KÜSSTE SIE. Ja… das kam überraschend. Und es sah nicht so aus, als wäre das das erste Mal.

Wie das so ist mit den jungen Leuten, war diese Liebelei nicht von Dauer. Der Verehrer wurde immer aufdringlicher und fordernder und sie fand es irgendwann einfach nur nervig. Irgendwann war ER kein Thema mehr für sie. Das endgültige Aus war dann sein Übertritt in die Kindergartengruppe.

Meine Tochter widmete sich fortan wieder ihren Freundinnen, es wurden Teekränzchen abgehalten. Vielleicht wurde auch ein wenig getratscht? 😉

Zwischendurch fand sie dann auch wieder einen männlichen Weggefährten. Ein ganz sanfter, lieber Junge. Er nahm auch teil an den Teekränzchen und meine Kleine ließ sich zeitweise ein wenig von ihm bedienen (er schob sie im Dreirad immer an). Vielleicht ist er auch einfach ein Kavalier der alten Schule.

Nun hat sie wieder einen neuen Verehrer. Diesmal mit typischer Kinder-Werbe-Manier: man gerät sich andauernd in die Haare. Wochenlang gab es meine Mama, meine Hose, meine Oma, meine Jacke-Duelle zwischen den Beiden. Oft erzählte sie mir, dass er ihr etwas weggenommen oder einfach nur so geärgert hat und sie die Erzieherin holen musste, damit sie mit ihm schimpfen.

Und auf einmal der Wendepunkt. Jeden Morgen schaut sie, ob an seinem Gaderobenhaken schon seine Jacke hängt. Wenn er nach ihr gebracht wird, ruft sie laut nach ihm. Ist er vor ihr da, geht sie direkt zu ihm hin und nach kürzester Zeit halten sie Händchen und spielen zusammen. Kaum ist sie zuhause spricht sie nur noch von ihm. Es ist wirklich herzerwärmend. ❤

Sie benutzt jetzt auch seinen richtigen Namen und nicht mehr „nur“ seinen Spitznamen. Und wie es aussieht, ist die Anziehungskraft beidseitig. Wenn ich sie frage, wer zu ihrem Geburtstag kommen soll, nennt sie immer ihn zuerst. Erst bei Nachfragen auch ihre beiden Freundinnen.

Irgendwie ist es ja wirklich niedlich, wenn Kinder so eng zusammengeschweißt sind. Andererseits frage ich mich als Mutter, wo DAS bitte noch hinführen soll. Wenn sie schon mit zwei Jahren dem anderen Geschlecht den Kopf verdreht. Gerade die Sache mit dem Küssen…. 😉

To be continued,

M.

Shades of Pink #6: Call me Rumpelstilzkin

Wie schon Anfang des Jahres angekündigt, kommt von meiner Seite noch eine Aktualisierung zum Trotzverhalten meiner Tochter. Sie hatte ja immer schon einen … nun ja, nennen wir es starken Willen. Dem trägt sie weiterhin Rechnung. Und zwar phasenweise in einer Heftigkeit, die mich an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringt.

Im Vorfeld hatte ich ja schon einmal berichtet, dass ich mit dem Versuch, mit Ritualen und wiederholenden Abläufen die Wutanfälle zu begrenzen, ordentlich vor die Wand gefahren bin (wer es noch einmal nachlesen möchte, hier geht es zum Link). Also habe ich da ein wenig ausgemistet und die Rechte meiner kleinen Tochter ordentlich beschnitten.

Und tatsächlich, es würde besser! Jetzt darf ich wieder selber bestimmen, wer die Spülung betätigt. Zwar waren die Wochen der Umstellung nicht gerade einfach – es war ohrenbetäubend -, aber im Endeffekt hat es sich gelohnt. Natürlich habe ich nicht alles abgeschafft, was Ordnung in den täglichen Tagesablauf bringt, aber wir sind jetzt flexibel. An manchen Stellen nutze ich feste Rituale aber auch nach wie vor. Zum Beispiel beim Bett-Geh-Ritual. Das ist normalerweise sehr starr, damit sich die kleine Maus auch auf ungeliebte Dinge einlässt (Schlafanzug anziehen, Zähne putzen).

Dafür sind die Auslöser für ihre Wutanfälle nun unvorhersehbarer. An manchen Tagen reicht es nur, wenn ich ihre Mütze zurecht rücke, dass sie komplett ausflippt. Und ich meine AUSFLIPPT! Lautes Gebrüll, Stampfen, Um-sich-Schlagen. Sie schubst, schlägt und läuft weg. Auch wirft sie regelmäßig Dinge durch die Gegend oder schlägt die Türen zu. Ein Wutzwerg ohne Gleichen.

Oder halt wie Rumpelstilzchen, als die Königin seinen Namen erriet. Was meine Kleine tatsächlich im Wutanfall mal zitierte („Das hat dir der Teufel gesagt!“). XD

Was die Sache auch nicht gerade leichter macht, ist, dass sie das Kreischen wieder für sich entdeckt hat. Ich sage wieder. Denn als Baby weinte und schrie sie nicht. Ab dem 4. Monat bis fast ein Jahr kreischte sie. Und tut dies phasenweise immer wieder. Zumindest bin ich aktuell ganz froh, dass wir diese dickwandigen IKEA-Gläser haben, so muss ich mir nur Sorgen um meine Ohren machen und nicht auch noch ums Geschirr.

Die Frage ist, wie ich die momentane Lage ein wenig verbessern kann. Nachdem sich unser Nachbar wegen der Türschlagerei beschwert hat (zugegebenermaßen zu recht), lässt die kleine Maus das jetzt tatsächlich. Aber die Heftigkeit der Wutanfälle bleibt. Und die Tonlage. Da ich ja selber auch ein recht großer Wutzwerg bin, kann ich ihr da auch nicht so großartig ein Vorbild sein. Zwar biete ich ihr immer wieder an, sich einfach mal an einem Kissen abzureagieren, aber sie weigert sich kategorisch. Sie ist lieber laut und sehr ungehalten. Dementsprechen keifen wir zwei – naja eineinhalb – Weiber uns häufiger mal an.

Da mein liebes Töchterlein noch nicht ganz drei ist, mache ich mich noch auf eine harte Zeit gefasst. Wie lange waren die gleich nochmal in der Trotzphase? Oder geht das kontinuierlich in die Pubertät über?

To be continued,

M.

Shades of Pink #5: Madame Naseweis

Wie im letzten Beitrag bereits beschrieben, hat meine kleine Maus inzwischen eine sehr gute Vorstellung davon, was Höflich-sein bedeutet. Und wehe sie erwischt mich oder andere dabei, sich anders zu äußern, dann kramt sie ihre beste Besserwisser-Manier raus und verbessert. Also so richtig oberlehrerhaft, mit vorwurfsvoller Stimme, tadelndem Blick und manchmal sogar mahnendem Zeigefinger. Wo hat sie das her? Denn so mahne ich das bestimmt nicht. Ich habe da ja den Kindergarten im Verdacht.

Auf jeden Fall ist es immer sehr erheiternd, wenn sie mich z.B. unvermittelt anpflaumt: „Mama, das heißt WIE BITTE!“ Manchmal tut es mir ein wenig Leid, dass ich oftmals lachen muss und sie in ihren Augen gar nicht so sehr ernst nehme. Es ist halt einfach niedlich.

Neuerdings spricht sie auch nicht mehr von Frauen, sondern von Damen. Daran ist definitiv die Oma Schuld. 😉

Besonders nett ist es, wenn sie mit der Tochter von einer Freundin spielt. Beim Durchsetzen ihrer Interessen verlässt sie sich ganz auf ihre Gepflogenheiten, vergisst nur leider, dass sie mit einer sehr resoluten 3-Jährigen spricht. Von der freundlichen Aufforderung zum Spiel zum pädagogisch wertvollen Diskutieren, doch bitte das Spielzeug zurück zu geben. Effektiver Nutzen gleich Null.

Allerdings nicht immer. Denn sie ist sehr hartnäckig. Neuerdings. Wo sie vor kurzem noch heulend zu mir gelaufen ist, damit ich ihre Wünsche durchsetze, bleibt sie jetzt länger am Ball. Und nach 15 Minuten wird auf einmal das gespielt, was die kleine Maus vorgeschlagen hatte. Zufall?

Was aber inzwischen über das Naseweise hinaus geht, ist die Korinthenkackerei. Sie hat sich von mir (Asche auf mein Haupt) abgeschaut, dass es bestimmte Regeln gibt, die mir wichtig sind. Und natürlich von meinen Mitmenschen nicht unbedingt eingehalten werden. Also Vorschriften. Zum Beispiel, wo man parken sollte/darf. Oder als Auto-/Fahrradfahrer die Richtungsänderung anzeigt. Da werd ich schnell zum Tier.

Und genau das hat sich mein Töchterchen abgeschaut. Sie fragt richtiggehend nach, ob das Auto da vorne richtig geparkt hat. Oder mal wieder den Straßenübergang blockiert. Von blockierter Sicht möchte ich gar nicht erst anfangen…

Ich glaube, dass die meisten Kinder an ihrem Umfeld üben, wie das Regelwerk des sozialen Miteinanders funktioniert. Und so lange noch nicht verinnerlicht ist, dass andere vielleicht andere Regeln haben, wird munter verbessert. Ein normaler Lernprozess. Nichtsdestotrotz ein unglaublich herzerwärmender. Manchmal auch ein leicht beschämender (wenn man wegen der Flucherei vom eigenen Kind gescholten wird).

Und ich gelobe Besserung. Nicht in meiner Korinthenkackerei, die gehört zu mir. Aber dabei meine Tochter zu vermitteln, dass ich sie ernst nehme. Ich dementsprechend jedes Kichern oder Lachen unterdrücke und ihr zu verstehen gebe: Ja, ich habe dich gehört und du hast Recht. Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.

More is yet to come,

M.

Shades of Pink #4: Entweder Arzt oder Hypochonder

In dieser kleinen Artikel-Reihe geht es prinzipiell um die Irrungen und Wirrungen, denen man sich als Mädchen-Mutter gegenüber sieht. Zumindest ich, als Mutter meines Mädchens. Denn in manchen Sachen frage ich mich schon, ob das jetzt wirklich noch im Rahmen des Normalen ist. Was ich damit meine, beschreibe ich im Folgenden. 😉

Die meisten Eltern, die ich kenne, berichten mir meist davon, wie schwierig es ist, mit den Kindern zum Arzt zu gehen. Ich nicke meist fleißig und tue so, als wüsste ich, was sie meinen. Meist kann ich doch nicht damit hintern Berg halten, dass das bei uns überhaupt kein Problem ist (latente Mommy-Wars-Qualitäten bei mir?).

Aber ich erwähne es nicht deswegen, weil ich zeigen will, wie super ich mein Kind erzogen habe (als läge das an mir, haha), sondern, weil es einfach völlig kurios ist. Das erste Lebensjahr hat sich meine Tochter absolut klassisch verhalten. Viel Gebrüll beim Kinderarzt, weil der so komische Sachen mit einem macht. IMPFEN. Das hat sie ihm echt nicht verziehen. Als sie dann irgendwann beim bloßen Anblick des Arztes schon anfing zu brüllen, suchten wir uns dann aber doch einen anderen. Praktisch, wir waren eh gerade umgezogen.

In der neuen Praxis wurde erstmal alles genau inspiziert und zur Kenntnis genommen. Die Ärztinnen unter die Lupe genommen, das Inventar gecheckt. Und eine immer währende Liebe nahm ihrem Lauf. Inzwischen wird sie bockig, wenn sie erst ins Wartezimmer muss und nicht gleich ins Behandlungszimmer „darf“. Wenn es nicht erforderlich ist, die Ohren zu untersuchen, besteht sie trotzdem darauf. Sie weiß ganz genau, mit welcher Gerätschaft was getan werden muss.

Zu Anfang fand ich das sehr erfreulich. Kind krank, muss zum Arzt. Kein Problem! Sie war voll dabei. Ließ alles mit sich machen, super! Zuhause fing sie an, Sachen zweckzuentfremden, um Untersuchungen nachzuspielen, an ihrem Baby. Also besorgte ich ihr einen Arztkoffer zu Weihnachten. Fast ein Jahr später spielt sie immer noch hingebungsvoll mit ihren Arztsachen. Und ich finde auch jetzt immer häufiger ihr Thermometer (also das ECHTE!!).

Nun war sie vor gut 3 Monaten beim Kinderkardiologen. Eher Routine, sie hat seit längerem ein Herzgeräusch, ist aber überhaupt nicht schlimm. Es sollte nur mal abgeklärt werden, also harmlos abgetan werden. Natürlich das volle Programm: also EKG, mit den Ableitungen, Pulsoximeter, Blutdruckmessen, Abhören und Herz-Ultraschall. Meine Kleine saß wie eine Salzsäule da und nahm alles in sich auf. Aufmerksam, still und wie immer vorbildlich. Ich merkte, dass es in ihrem Kopf ratterte und ratterte. Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst. Aber es kam nichts. Erstmal…

Scheinbar hatte sie nur auf die Weihnachtszeit gewartet. Und mit den schönen Lichterketten, endlich ein adäquates Ersatzutensil gefunden. ANDAUERND werden sämtliche Puppen und Teddies damit untersucht. Die Lämpchen sind multifunktional. Mal als Ultraschall, EKG-Ableitung oder ganz profan: als Leuchte. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Demnächst nen vollausgestatteten OP-Tisch ins Kinderzimmer stellen?

Ach ja, hatte ich erwähnt, dass ich ihr Inhaliergerät gaaaaanz oben in ihrem Kleiderschrank verstecke? Weil sie am Liebsten täglich inhalieren wollte? Egal, ob nun Husten zum Auskurieren da ist oder nicht.

Wenn ich Freunden das erzähle, höre ich meist nur, ich solle doch froh sein. Sie würde wenigstens brav beim Arzt sein. Klar bin ich. Und vielleicht würde sie später mal Ärztin werden. Oder halt Hypochonder… 😉

To be continued,

M.

Shades of Pink #3: Blümchen sind schick

Bisher hatte ich mit meiner kleinen Maus noch keine großen Probleme, was die Klamottenwahl anging. Prinzipiell ist sie immer zufrieden mit dem, was ich ihr für den Tag zurecht lege. Zwar möchte sie das Endergebnis immer gern im Spiegel begutachten, aber das ist auch alles.

Natürlich hat auch sie ihre Vorlieben, was ihre Anziehsachen angeht. Sie mag Kleider und Röcke. Allerdings besteht sie nie darauf, diese anziehen zu müssen. Auch Bedrucktes steht bei ihr hoch im Kurs. Hauptsache irgendetwas ist da drauf, was genau das ist, ist ihr nicht so wichtig. Wenn es eine Minnie Maus ist, freut sie sich sehr, scheinbar ist Minnie Maus eine Stufe besser als „nur Bedruckt“. Sie weiß auch, wie eine Hello Kitty („Hallo Ketty“ ;-)) aussieht, verlangen tut sie diese Gott sei Dank nicht.

Grundsätzlich würde ich behaupten, dass sie ihre Sachen alle gleich bewertet. Es geht nicht so sehr um das Optische, eher um die Handhabung. Also ist die Sweater-Jacke besser, die sich leichter zumachen lässt.

Letztens verblüffte sie mich dann doch. Seit einiger Zeit kann sie stundenlang ihre Puppen an- und wieder ausziehen. ENDLOS. Wir haben jetzt auch schon neue Kleidung angeschafft, weil sie sich ansonsten in ihrem eigenen Kleiderschrank bedient. Das sorgt nicht nur für ein Riesen-Chaos, es ist auch einfach so, dass ihre Kleidung natürlich viel zu groß ist für ihre Puppen.

Diesmal hatte sie sich mal wieder bei ihren Sachen bedient und kam mit einer kurzen Hose an. In Rosa. Mit Blümchen. Sie hielt mir ihre Puppe hin und die Hose und wollte, dass ich ihr half bei der Aufgabe. Ich versuchte ihr zu erklären, dass die Hose doch viel zu groß sei für „Baby“. Sie sah mich skeptisch an und meinte: „Aber Blümchen sind doch schick!“

Mit dieser Aussage schien das Problem für sie geklärt. Als ob die Tatsache, dass die Hose Blümchen hat, es aufwiegt, dass Baby da einfach nicht reinpasst. Ich ergab mich also meinem Schicksal und half beim Anziehen. Meine kleine Maus strahlte über das ganze Gesicht. „Siehst du, Baby ist jetzt schick!“

Und ich war verblufft. Seit wann gab es irgendwelche Kriterien, nach denen meine Kleine ihre Kleidung bewertete? Also nach dem, was auf den Sachen drauf ist? Hoffentlich bleibt das noch so harmlos wie jetzt. Aber wahrscheinlich darf ich mich dem gleichen Schicksal fügen, wie andere Mütter/Eltern. Sprich: endlose Diskussionen, weil es nur noch bestimmte Sachen geben soll. Also nur Kleidchen. Oder nur rosa Sachen. Oder nur noch Hello Kitty. Mir graut es davor.

Aber so lange es noch nicht so weit ist, erfreue ich mich der noch einfachen Morgenroutine. Ohne Streit und Tränen. Und ich kann noch ein wetterangepasst angezogenes Kind in der Krippe angeben ohne, dass man vom dem Muster-Wirrwarr Augenschmerzen bekommt.

To be continued,

M.

Shades of Pink #2: Eine runde Leidenschaft

Mädchenstereotype? „Bedienen“ wir nur bedingt. Denn jetzt zur WM gibt es für meine kleine Maus nur ein Thema: Fußball. Sie ist da sehr viel begeisterter als ich und viel mehr als mir lieb ist…

Im ersten Teil hatte ich ja schon beschrieben, dass ich mir in der Schwangerschaft Gedanken gemacht habe, ob meine Tochter all diese Klischees und Stereotypen eines „waschechten“ Mädchen bedienen würde. Wäre nicht so meine Idealvorstellung gewesen.

Inzwischen mache ich mir da keine wirklichen Sorgen mehr. Sie entwickelt genug Vorlieben und Eigenarten, die ich jetzt nicht als mädchenhaft bezeichnen würde. Als neuste ist jetzt eine Art Fußballleidenschaft hinzugekommen. Seit sie laufen kann, hat sie gerne Ball gespielt. Ob kicken oder werfen, Ballspiele sind klasse.

Im Rahmen der Fußball-WM hat sie jetzt zum ersten Mal Fußball im Fernsehen gesehen ( und das auch noch bei der Oma, die ja so ultra gegen Fernsehen bei Kleinkindern ist ;-)). Natürlich hatte die Oma das alles aufgepeppt. Dementsprechend kann meine kleine Maus schon die Laola-Welle, Daumendrücken und den Torjubel. Zum Wegschmeißen komisch und Wegschmelzen niedlich. Seitdem dreht sich jetzt alles nur noch um Fußball. Nach dem Aufstehen wird gleich gefragt:„Wann ist Fußball? Ist Fußball gleich? Fußball gucken!!“

Das geht den ganzen Tag lang. Teilweise in 10-Minutenschritten. Das hört sich dann meist in etwa so an:

Mama, gibt’s jetzt Fußball?
-Nein, meine Kleine, jetzt gibt es grad kein Fußball.
Gleich Fußball?
-Nein, gleich gibt es auch kein Fußball.
Später Fußball?
-Nein, dann auch nicht
( immer dann, wenn es kein Deutschlandspiel ist)
Heute Abend Fußball?
-Nein, dann leider auch nicht.
Morgen früh? Bitte Mama, will Fußball gucken! Jetzt!

Im Normalfall sind diese kleinen Gespräche amüsant zu führen, weil sie nur nachfragt und weder groß enttäuscht ist noch einen Wutanfall bekommt.

Allerdings frage ich mich schon, was ich machen soll, wenn die Fußball-WM zuende ist. Muss ich dann Sportschau gucken? Bundesliga abonnieren? Ich hoffe ja nicht… 😉

To be continued,

M.

Shades of Pink #1: Farbe des Grauens

Oder der alltägliche Wahnsinn als Mädchenmutter.

Es ist doch so, sobald man das Geschlecht des zu erwartenden Nachwuchses kennt, läuft ein Film vor dem inneren Auge ab. Man sieht sich selbst in der Zukunft und das eigene Kind. Schnell ist einem klar, wie man sich sein Kind wünscht. Und mindestens genauso schnell, wie es auf keinem Fall werden soll.

Bei mir war das nicht ähnlich. Zuallererst war ich erleichtert, dass ich ein Mädchen bekomme. Irgendwie hatte ich gehofft es würde eins werden. Warum? Das weiß ich gar nicht so genau. Was ich jedoch genau wusste: wie das liebe Töchterchen bitte nicht werden sollte. Ich wollte keine Prinzessin, eines dieser auf Pink festgelegten, affektierten Püppchen, die mit einem Augenaufschlag alle um sich herum um den kleinen Finger wickeln. Bitte, bitte keine kleine, verzogene Göre.

Natürlich hat man das ja selbst in der Hand. Hoffe ich zumindestens. Und für mich stand und fiel das alles mit der Kleiderwahl. Und dieser Pink- und Rosawahnsinn war für mich der Ursprung allen Übels, quasi das Tor zur Hölle. Ich hatte das Gefühl, dass man mit der mädchentypischen Farbwahl sein Kind festlegt. Auf die Stereotypen, die man bei Mädchen erwartet. Und dass man das Umfeld beeinflusst, die Erwartungen, wie sich das Kind das Mädchen zu verhalten hat. Und dass sich mein Kind aufgrund der Erwartungshaltung zu dem entwickelt, was ich eigentlich vermeiden möchte – einem Prinzesschen.

Dementsprechend kaufte ich die Erstausstattung bei einer Jungsmutter. Hauptsache keine „Mädchenfarben“. Das war noch bevor meine Tochter geboren war. Inzwischen ist sie 2 Jahre alt. Und ihr Kleiderschrank? Voller rosa, pinker und violetter Kleidung.

Was war passiert? Zum einen bekam ich viel Kleidung von einer befreundeten Mutter geschenkt. Alles in Rosa, Lila und mit Hello Kitty. Da sag ich nicht nein, mein Budget ist nunmal, naja, begrenzt. Zum anderen wollte ich, dass Passanten meine Tochter nicht immer als Junge ansprachen. Die ersten Monate steckt man da ja noch locker weg, da sieht man darüber hinweg. Doch irgendwann nervt’s. Mich zumindestens. Darüber hinaus entwickelten sich langsam ihre Charaktereigenschaften. Sie steht total auf Autos, ist eher wenig zaghaft, sehr offen und kommunikativ. Sie hat Hummeln im Hintern und tobt gerne wild und ausgelassen. Natürlich kann auch sie fast alle um den kleinen Finger wickeln. Aber sie ist so viel mehr als nur ein Mädchenklischee. Und damit habe ich auch meinen Frieden geschlossen mit all den früher verbannten Farben, die jetzt im Kleiderschrank meiner Tochter hängen.

Und ganz ehrlich? Es macht auch ein wenig Spaß, mein Kind nicht nur zweckmäßig, sondern auch hübsch und ansehnlich zu kleiden. Denn eins ist mal sicher, nicht die Kleidung macht den Charakter. Und trotz der rosa Signalfarben hör ich noch zu oft: Wie alt ist denn DER Kleine?

To be continued….

M.