Was muss ich mir eigentlich alles von meinem Ex gefallen lassen, nur weil er Vater unseres Kindes ist?

Der Titel steht ja eigentlich für sich selbst. Gerne hätte ich ihn kürzer und prägnanter formuliert, aber es will mir einfach nicht gelingen ohne Schimpfwörter zu benutzen. Zumindest dürfte man als Leser gewarnt sein, was so in etwa kommen könnte.

Momentan habe ich einen richtigen Hals auf meinen Ex, bin dabei aber auch wütend auf mich selber, weil ich das ja alles so mit mir machen lassen. Wäre dieser Mann nicht auch gleichzeitig der Papa meiner kleinen Maus, ich hätte ihn auf allen möglichen Kanälen geblockt und ihn versucht nie wieder zu sehen. Das geht ja aber leider nicht, ich habe ja auch meiner Kleinen gegenüber eine Verpflichtung.

Dies im Kopf habe ich mir seit langem so einiges von meinem Ex gefallen lassen. Absprachen funktionieren nur so halbherzig. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind nicht so sein Ding. Natürlich freut er sich, wenn ICH es bin, er selbst ist da nicht ganz so genau. Überhaupt lässt er sich sehr gerne bitten, mir seine Zeitpläne mitzuteilen, wann er es denn eventuell einrichten könnte seine Tochter zu betreuen. So mit den wechselnden Arbeitszeiten kann man ja auch überhaupt nicht planen. Ich gab mich lange damit zufrieden, dass er es immerhin regelmäßig einrichten konnte unsere Kleine 2 mal wöchentlich zu sehen bzw zu nehmen. Wir hatten es sogar auf sporadische Übernachtungen ausgebaut!

Allerdings kostete mich dieses Kunststück auch ordentlich Kraft. Denn der Herr möchte eigentlich nicht gefragt werden, wann er arbeitet. Also fragte ich nur, wann er sie denn nehmen könne. Damit er mir bloß keine Auskunft über seine privaten Pläne geben braucht (bitte genervtes Augenrollen einfügen). Auch überhaupt kann er es ja gar nicht ab, schon am Wochenende gefragt zu werden, wie es denn die kommende Woche betreuungstechnisch aussieht. Da hätte man ja im Vorfeld auf den Dienstplan schauen müssen. Es ging sogar so weit, dass ich ihm sowohl freitags als auch samstags Erinnerungen (!!!) schickte, damit er auch dran denkt nachzuschauen. Das war während meiner Zeit in der Tagesklinik, wo ich wirklich genau planen musste, damit das Abholen der Kleinen garantiert war, wenn ich nicht konnte.

Es war auch überhaupt nicht verwunderlich, dass genau in dieser für mich sehr aufreibenden Zeit die Zusagen von ihm nicht eingehalten werden konnten. Statt wie besprochen 2 mal wöchentlich plus 1 mal Übernachten am Wochenende schaffte er es auf 1 mal sehen die Woche – nicht zwingend an einem Wochentag, da hätte er mich ja zu sehr entlasten können.

Komischerweise geht er aber davon aus, dass ich (und auch meine Familie!) immer parat stehen, wenn etwas bei ihm nicht läuft. Da soll ich mal mit seiner Hausverwaltung telefonieren, weil er nicht so gut deutsch sprechen kann. Ich soll ihn beraten, ob er lieber umziehen soll oder nicht. Bei Bewerbungen soll ihm geholfen werden, Kontakte zu Firmen sollen wir ihm herstellen. Und wehe ich lese eine Whatsapp Nachricht nicht von ihm binnen 30 Minuten. Dann wird aber durchgerufen! Warum ich denn nicht auf mein Handy schaue! Aber anstatt mir zu sagen, worum es geht, soll ich die Nachricht lesen.

Leider missverstehen wir uns sehr gerne, wenn unsere Kommunikation nur als Textnachrichten besteht. Für ihn kein Grund auch nur fünf Minuten in ein Telefonat zu investieren. Auch diese – so selten sie denn sind – sind wahrlich keine Freude. Kaum ein Wort der Begrüßung, kein freundliches Wort. Der Ton ist meist genervt und verärgert. Wehe ich frage mal nach, weil ich mehr Informationen haben möchte, da werde ich dann gleich als dumm und begriffsstutzig betitelt. Wenn er alles gesagt hat, legt er auf. Ohne Verabschiedung. Nicht selten schneidet er mir dabei das Wort ab.

Aber was tut man nicht alles zum Wohlergehen seiner Tochter??

Ich bin langsam an einem Punkt angekommen, wo ich nicht mehr kann. Dieser Mann stellt in einer Tour nur Forderungen, setzt alles als selbstverständlich hin, was ich bzw. wir für ihn tun. All das, was er für uns tut, ist hart erkämpft und erbettelt. Wenn er denn tatsächlich etwas tut.

Inzwischen hat er eine Ganztagsstelle. Er war es vorher nicht gewohnt, es schlaucht ihn schon sehr. Und oh Wunder, als ungelernte Kraft hat er nicht wirklich viel mehr als mit dem Midi-Job. Auch pendelt er täglich fast 2 Stunden hin und zurück. Wöchentlich wechselnder Schichtdienst. Ja, der arme Mann ist echt geschafft. Aber anstatt, dass er jetzt mal verlässlich mit sich planen lässt, meldet er sich fast gar nicht mehr von selbst. Denn ich habe aufgehört ihm hinterher zu telefonieren oder zu texten. Also fällt ihm dann meist erst am Donnerstag auf, dass er sein Kinde eventuell mal sehen sollte. Tja, und manchmal sind wir dann für Freitag schon verplant. Oder für Sonntag. Ich setze ihn auch nicht mehr in Kenntnis, was ich wann mit ihr geplant habe. Denn ganz ehrlich: wenn er mir bis vor kurzem noch nicht einmal Auskunft geben wollte, ob er denn an diesem Tag arbeitet, warum sollte ich dann die Hosen runterlassen? Er merkt es sich doch eh nicht.

Scheinbar scheint es ihn nicht zu stören, dass er unsere Tochter seltener sieht als zuvor. Manchmal nur anderhalb Stunden die Woche. Sie scheint es auch nicht zu stören. Immer häufiger sagt sie mir, dass sie ihn nicht sehen will oder zumindest nicht zu ihm nach Hause gehen will. Der schaut immer so gruselige Filme (Yoruba-Filme, scheinbar brüllen sich Nigerianer fast ausschließlich an und schaut es auch immer wahnsinnig laut) und sie bekommt davon Ohrenschmerzen.

Jetzt hat er aber den Vogel abgeschossen. Er wünscht sich sehr, dass unsere Tochter seine Eltern kennenlernt. Ihre anderen Großeltern. Das funktioniert nur auf zwei Arten: er fährt mit ihr hin oder seine Eltern kommen hierher. Natürlich ist das nicht gerade günstig umzusetzen. Dass ich ihn mit ihr nach Afrika lasse, ist für mich undenkbar. Allein schon der Krankheiten wegen, die dort vorherrschen, gegen die auch nicht alle geimpft werden kann (Malaria z.B). Aber auch, weil sie nicht einfach mal mit Papa, den sie rund 6 Stunden die Woche sieht für 3 Wochen in ein fremdes Land fahren kann, wo alles anders aussieht, riecht und sich anhört! Von vereinzelten Terroranschlägen mal abgesehen (Nigeria -> Boko Haram!!!!).

Also die Eltern hierher. Am Besten sofort. Im Winter. Ist klar. Nur hat er das Geld nicht. Also sollen wir (meine Familie und ich) ihm was zuschießen. Also als Geschenk, nicht als Darlehen. By the way, er ist auch nicht gerade ein Held, wenn es um Geld zurück zahlen geht… Aber zurück zum Thema. Er hat sogar Glück, wir sind willens. Eher der kleinen Maus zuliebe als ihm – und aus einer vagen Sympathie seiner Eltern gegenüber. Nur leider haben wir das Geld nicht sofort parat. Gerade so vor Weihnachten hat man ja anderes im Sinn mit seinem Geld. Und zum Jahresanfang ist es auch gut, wenn man noch ein wenig in der Hinterhand hat. Zudem gibt es auch andere Gründe, die ich hier nicht unbedingt aufzählen möchte, die es uns jetzt unmöglich machen, einen Teil Großteil der Flugkosten zu übernehmen.

Aber natürlich ist ihm das nicht genug. Erst nachdem er weiß, dass wir ihm was geben, informiert er sich erst, was für Bedingungen erfüllt werden müssen, damit die überhaupt einreisen dürfen. Und das ausgerechnet noch in Fachdeutsch! Also mault er rum. Wir sollen zusehen, dass wir das Geld schnell zusammen bekämen, die berechtigten Gründe, weswegen es länger dauert, interessieren ihn nicht. Und überhaupt, dass wäre alles zu kompliziert, eigentlich wäre es doch viel besser, er fährt mit der Kleinen hin. Wäre ja auch günstiger. Aber wenn wir das Geld nicht zusammmen bekommen, dann macht er mir Stress.

WTF!!!

Ganz ehrlich, wieviel gequirlte Scheiße hat der denn in seinem Hirn?? Anstatt dankbar zu sein, dass wir ihn dabei unterstützen wollen, OBWOHL er mich nur zu gerne hängen lässt, beschwert er sich. Auch scheint er keinerlei Respekt zu besitzen. Weder vor mir noch vor meinen Eltern. Wie sonst könnte er auf die Idee kommen, dass er sich allen familiären Verpflichtungen entzieht, es aber für selbstverständlich erachtet, dass meine Familie ihn unterstützt. Mein Vater hat ihn seit über 2 Jahren nicht mehr persönlich zu Gesicht bekommen. Aber wurde immer mal wieder um Geld gebeten. Also stellvertretend von mir versteht sich. Warum sollte der Ex auch respektvoll mit mir umgehen, schließlich kümmere ich mich nur um seine Tochter, während er sein Ding macht. Wenn ich Entlastung brauche, kann ich mich ja gefälligst an meine Mutter oder meine Freunde wenden. Überhaupt, wie kann man nur psychisch belastet sein. Kann ja nicht so schwer sein, ein Kind zu versorgen, wenn man nicht nebenbei arbeitet. Da kann ich doch noch nebenher für ihn den behördlichen Kram übernehmen und zusätzlich als Blitzableiter dienen, weil er ja so gestresst ist, weil er ja arbeiten muss und sich um sein Wohlergehen kümmert.

Ich kann einfach nicht mehr!

Nicht zum ersten Mal geht mir durch den Kopf, dass ich ihn einfach zu gerne blocken würde über das Handy. Meine Ruhe haben. Nicht überlegen wollen, was er denn diesmal wolle. Oder wofür ich diesmal als Sündenbock oder Blitzableiter herhalten soll. So sollte man mit niemandem umgehen! Erst recht nicht mit der Mutter (Familie) seines Kindes, die fast die ausschließliche Sorgearbeit (emotional, zeitlich wie finanziell) übernehmen!

Ganz ehrlich, ich habe keine Lust mehr darauf zu warten, dass er in der richtigen Stimmung ist, damit ich mal mit ihm reden kann. Er muss endlich was ändern und ein Einsehen haben. Ansonsten kann er sich unseren Kontakt sonst wohin stecken und die Terminabsprache für die Besuchzeiten läuft über das Jugendamt. Und zwar außerhalb meiner Wohnung, denn dort nimmt er sich ja auch alles, was er gerade braucht. Toilettenpapier und Wasser werden gerne mitgenommen (heimlich!), beim Essen wird sich gerne selbst bedient. Auch an meinem Laptop geht er ganz selbstverständlich ohne zu fragen.

Für mich ist das alles nicht mehr tragbar und neben meinem Wohlergehen muss ich auch an unsere Tochter denken. Was soll sie denn lernen, wie man als Frau mit sich umzugehen hat? Als Fußabtreter für Andere? DAS will ich für sie nicht.

Von daher steht mir jetzt eine sehr fiese Auseinandersetzung bevor. Ich rechne mit verbalen Aussetzern und Drohungen seinerseits. Und ich hoffe, dass ich selbst stark genug bin, dass dann auch auszuhalten und nicht weiterzutragen an unsere Tochter.

More is yet to come,

M.

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Wenn die Geburt einen nicht mehr loslässt…

Momentan ist bei mir die Geburt meiner Maus wieder super präsent. Das liegt zum einen daran, dass ich sie nie so richtig verwunden habe, aber auch daran, dass ich die Auswirkungen wieder an IHR sehe. Dazu später noch ausführlicheres. Vorne weg: der Geburtsbericht der folgt ist mit Sicherheit keiner, der „toll“, „wunderbar“ oder ähnlich verklärt ist. Für mich ist die Geburt unvergesslich – leider eher im negativen Sinne.

Die letzten Monate meiner Schwangerschaft verbrachte ich zu Hause. Auf mein Bitten hin hatte ich ein Berufsverbot bekommen, da ich auch mit Einhaltung der Mutterschutzbestimmungen immer wieder Probleme hatte bei der Arbeit. Immer häufiger kam ich spontan zum Gynokologen, weil ich leichte Vorwehen hatte. Hinzu kam auch, dass mir in der Schwangerschaft 3 Weisheitszähne gezogen werden mussten und das auch in Vorwehen endete. Und in einer Fast-Einweisung ins Krankenhaus, weil ich durch die Entzündung im Mund nicht essen konnte und stark abnahm.

Die Zeit zu Hause tat mir gut. Ich fing an zuzunehmen und im 6./7. Monat hatte ich auch wieder mein Startgewicht, das ich zu Beginn der Schwangerschaft hatte. Bei meinem Arzt fühlte ich mich gut aufgehoben. Die notwendigen Vorsorgen wurden gemacht. Dabei fiel immer wieder auf, dass meine kleine Bauchmaus entwicklungsmäßig immer 1-3 Wochen ihrer tatsächlichen Woche vorraus war. Leider konnte mich mein Gyn die letzten Wochen vor der Geburt nicht mehr selbst betreuen, da er erst im Urlaub und danach selbst krank war. Seine Kollegin, die bei ihm mit in der Praxis war, übernahm für ihn. Bei meinem letzten Ultraschall hatte sie Probleme meine Bauchmaus zu messen, da der Oberschenkel zum Teil hinter meinen Rippen verborgen lag. Trotzdem trug sie das errechnete Gewicht ein – was im Krankenhaus später zu Fehleinschätzungen beitrug.

In der 32. Woche musste ich ein 2. Mal zum Glucose-Toleranz-Test. Meine Urinwerte waren massiv „überzuckert“ und meine Gewichtszunahme war auch grenzwertig. Auch der Bauchumfang wurde sprunghaft mehr. Aber laut Test war alles gut. In der 34. Woche waren es dann schon 134cm, danach hab ich nicht mehr gemessen. Immer häufiger bekam ich Probleme beim Laufen, meine kleine Maus klemmte mir die Nerven zu den Beinen ein. Mein Bauch war inzwischen ganz schief, sie lag mehr rechts als mittig. Wenn sie sich mal streckte in meinem Bauch, wurde ich kurzatmig und meine Lippen wurden blau.

In der 37./38. Woche war ich in dem Krankenhaus, in dem ich entbinden wollte. Ursprünglich wollte ich mich dort anmelden (jaja, ich weiß, war echt spät dafür). Ich bekam aber nur ein Vorgespräch, die Daten wurden aufgenommen. Einen Termin, dass ich dort mal untersucht werden sollte? Fehlanzeige. Also weiterhin zu der Vertretung meines Gyn.

Dann war es soweit. Sonntagabend sprang mir die Fruchtblase zu Hause. Zum Glück im Badezimmer. Ich zog mich erstmal um und „legte mich trocken“. Danach weckte ich meinen Freund, der sich grad erst hingelegt hatte, und rief meine Mutter an. Beide sollten mich bei der Geburt begleiten. Relativ ruhig und entspannt, aber natürlich auch neugierig-gespannt ließ ich mich dann ins Krankenhaus fahren. Der Freund meiner Mutter verfuhr sich erstmal vor Aufregung.

Ich stellte mich dirket im Kreissaal vor, die erste richtige Wehe hatte ich grad erst gehabt. Mit 2 cm MM und kaum Wehentätigkeit wurde ich erstmal auf Station geschickt. Sollte dort mein Bett vorbereiten und die Krankenhaustasche verstauen. Gegen halb 12 nachts wollten sie nochmal kontrollieren, ob es jetzt so richtig losginge oder nicht. Und ja, es ging los. Es wurde nochmals ein Ultraschall gemacht, um Lage und Größe des Kindes zu überprüfen. Lage war ok, doch Größe… war schwer zu bestimmen, da inzwischen weder Femur noch Kopfumfang vernünftig zu messen waren. Verdeckt von meinen Rippen und meinem Becken/Schambein. Grob geschätzt kamen sie dann auf die Maße 4000-4400g. Mit einbezogen wurde natürlich auch das schon grob geschätze Gewicht einige Wochen zuvor. Zwar wollte die Hebamme vor Ort nochmal von außen tasten, wie groß das Kind sei – tat sie aber doch nicht. Ich bekam dann noch ein Aufklärungsgespräch, das sie „normalerweise“ erst ab einem Schätzgewicht von über 4500g führten. Dabei ging es darum, dass so schwere Kinder zum Teil mit der Schulter bei der Geburt hängen blieben und man dann vielleicht einen KS in Erwägung ziehen sollte.

Daraufhin wurde ich noch gefragt, ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorlag, was ich ja guten Gewissens verneinen konnte, war ja 2 Mal getestet worden. Danach schien für sie klar zu sein, dass ich die 4400g wohl nicht knacken würde. Meine Einwände, dass mein Vater und mein Onkel beide knapp 5 kg bei Geburt wogen und mein Onkel unter der Geburt mit der Schulter hängen blieb, wurden einfach abgetan. Auch der Hinweis, dass in der Familie meines Freundes alle Kinder sehr groß sind, interessierte niemanden. Das einzige, was interessierte, war, dass ich als Baby gut 3500g gewogen habe und keine Schwangerschaftsdiabetes vorlag. Man riet mir von einem Kaiserschnitt ab. Sie würden mir aber Bescheid geben, sollte es Verzögerungen bei der Geburt geben, die auf die Kindsgröße zurückzuführen sei. Man würde dann das Thema Kaiserschnitt noch mal erörtern. Darauf verließ ich mich. Dummerweise.

Inzwischen waren meine Wehen recht häufig und sehr schmerzhaft. Man gab mir Schmerzspritzen, damit ich mich erholen konnte zwischendrin. Denn es gab keine Wehenpausen für mich. 3,4 Wehen hintereinander, mit Glück mal 2 Minuten Pause bevor die nächsten Wehen kamen. Mein unterer Rücken schmerzte unerträglich und meine Mutter massierte mir stundenlang diesen Bereich.

Bei 6cm MM schickten man mir nach Rücksprache einen Anästhesisten. Er legte einen Zugang und nahm Blut ab. Die Ergebnisse müssten wir noch abwarten, doch dann könne man eine PDA legen. Mir war das nur recht. Obwohl mir vorher der Gedanke nicht behagt, merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. So langsam freundete ich mich mit dem Gedanken an, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. Denn mein Bauchgefühl sagte mir: das Kind ist wirklich GROSS, das schaffst du vielleicht nicht.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Bei der nächsten Kontrolle durch die Hebamme stellte sie fest, dass ich in weniger als einer Stunde von 6 auf 10cm MM gesprungen war und auch schon Presswehen hatte. Jetzt sei eine PDA nicht mehr möglich. Und ich verabschiedete mich von einem KS, dann ich wollte den ersten Schrei meiner Tochter nicht verpassen.

Es war 3 Uhr morgens und wir zogen um in den richten Kreissaal. Mir wurde gesagt, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste drücken, sollte ich ruhig schon mal schieben. Stundenlang tigerte ich durch den Kreissaal. Bei jeder Wehe stützte ich mich am Bett ab oder den Kommoden und schob. Ich krabbelte auch auf die Liege und probierte den Vierfüßler. Ich war konzentriert, sprach wenn überhaupt in 1-Wort-Sätzen. Das Thema KS war für mich erledigt. Auch die Hebamme oder die Ärztin sprachen nicht mehr darüber. Ich glaubte fest daran, dass man mir sagen würde, wenn die Geburt nicht schnell genug voran ging. Rückblickend frage ich mich, wie viel Zeit normalerweise eigentlich vergeht, von vollständig eröffnet zu „sie dürfen jetzt pressen, das Köpfchen ist schon fast zu sehen“? Denn das Köpfchen ließ sich Zeit. Um 8 war dann Schichtwechsel. Der Kopf war endlich runtergewandert. Ich sollte mich auf die Liege legen und schonmal pressen, wenn mir daran wäre. Das verunsicherte mich. Denn es war ja keine Hebamme da, sie waren ja im Schichtwechsel, besprachen sich irgendwo.

Um 8.30 war dann die neue Hebamme da. Sie ließ mich 2 Mal pressen und meinte dann, dass ich an den Wehentropf müsste, die Wehen wären nicht stark genug. Und das ich an die falsche Stelle pressen würde. Zum Glück legte sie mir dann den Finger einfach dorthin, wohin ich pressen sollte. Das half mir enorm. Also doch kein Wehentropf. Inzwischen kannte ich nur noch 2 Worte: Trinken und Waschlappen. Meinem Freund hatte ich noch ein Sorry zugeflüstert, dann war ich nicht mehr in der Lage Englisch mit ihm zu sprechen oder überhaupt zu verstehen.

Komplett fokussiert versuchte ich, meine kleine Maus hinauszupressen. Ich fluchte nicht, weinte nicht, schrie nicht. Ich brauchte die Kraft für was anderes. Seltsamerweise beobachtete mich ein Teil von mir von außen. Dieser Teil registrierte alles um mich herum. Dass mir ein Katheter geschoben wurde. Dass der Kopf meiner kleinen Maus zwar immer wieder zu sehen war, doch nach jeder Wehe zurückrutschte. Dass sich die Ärztin und die Hebamme erst leise besprachen, bevor sie mir ungefragter Weise einen Dammschnitt verpassten. Mir war es nur recht, es dauerte schon so lange und der Schnitt tat nicht wirklich weh.

Dann war es soweit, der Kopf war endlich draußen. Und dann wurde es hektisch. Es ging nicht mehr vorran. Sie steckte fest mit der Schulter. Die Wehen waren schlagartig weg. Sofort wurde der Wehentropf voll aufgedreht, zum Glück war er schon angeschlossen. Man drückte mir von oben auf den Bauch, versuchte mir beim Pressen zu helfen. Dann stand auf einmal der Oberarzt vor mir. Der Bruder von meinem Gyn, was ich vorher schon wusste. Das Bett wurde umgebaut, ich musste jetzt richtig auf dem Rücken liegen, die Beine nach oben. Die beiden Ärzte bewegten meine Beine in einer Art Fahrradfahrbewegung, in der Hoffnung, die Schulter würde dadurch frei werden. Funktionierte nicht. Anschließend half man mir in den Vierfüßler. Dann wieder zurück auf den Rücken. Half auch nicht. Laut meiner Mutter kniete mein Freund inzwischen hinter meinem Bett und betete. Er verstand ja nix, bekam nur mit, dass irgendwas nicht stimmte. Ich hatte ihn komplett ausgeblendet.

Dann kam die Ansage vom Arzt: Scheiß auf die Wehen, sie pressen jetzt und hören nicht mehr damit auf, das Kind muss jetzt raus. Zu zweit drückte man auf meinen Bauch und schob die Kleine nach unten. Zwischen meinen Beinen stand auch irgendwer, keine Ahnung wer, war ja auch nicht wichtig, und zog. Und ich presste, gab alles. Ich merkte wie ich riss. Ich konnte es fast hören, das Geräusch. Ich hieß es willkommen, denn es bedeutete mehr Platz. Raum, den meine Tochter brauchte, um auf die Welt zu kommen. Und in einem Schwall Blut wurde sie dann auch endlich geboren. Es war 10.23 Uhr.

Sofort schaute ich auf, wollte mein Kind sehen. Die ganze Schwangerschaft hatte ich gerätselt, wie dunkel sie würde durch ihren afrikanischen Anteil. Sie war dunkel irgendwie. Und dann rauschte die Assistenzärztin mit ihr an mir vorbei. Ich war verwundert. Irgendwas lief hier falsch. Ich sollte sie doch eigentlich auf die Brust bekommen, wie das hier Usus ist. Deswegen hatte ich das Krankenhaus doch unter anderem ausgesucht. Und etwas anderes war auch komisch, ich brauchte aber ein paar Sekunden, um es zu realisieren. Sie hatte nicht geschrien. Die Sekunden zogen sich endlos dahin, es wurde eine Minute und dann endlich hörte ich ein Kind weinen. Ist das meine? fragte ich, doch bekam keine Antwort.

Währenddessen half mir der Oberarzt bei der Nachgeburt. Hob sie in die Höhe, präsentierte sie mir. Sie sei vollständig und sehe sehr gesund aus. Interessierte mich nicht. Wurde gefragt, was wir damit machen wollten. War mir egal. Ich wollte mein Kind, nicht meine Plazenta! Und dann endlich kam sie. Doch noch immer durfte ich sie nicht haben. Jetzt wurde sie gewaschen und vermessen. Größe 56cm, Kopfumfang 36cm. Und das Gewicht hat dann allen die Schuhe ausgezogen. 4950g! Und dann war endlich Mama-Time. Ich bekam sie auf die Brust gelegt. Mein kleines helles Michelin-Männchen. Noch völlig zerknautscht von der Geburt. Mit Einblutungen in den Augen und auch darum herum. Und so hell. Erst dachte ich, ich hätte mich einfach nur verguckt, doch 2 Tage später machte es dann klick. Sie war dunkel gewesen – dunkelblau. Man erzählte mir auch, dass sie kurz 1,2 Züge aus der Sauerstoffmaske gebraucht hätte, aber dann hätte es auch keine Probleme mehr gegeben. Währenddessen kümmerte sich der Arzt um meine Geburtsverletzungen. Erst stillte er provisorisch die Blutungen, um herauszufinden, wo ich tatsächlich gerissen war.

Erleichtert stellte er fest, dass der Muttermund intakt geblieben war. Dann machte er sich daran, zu nähen. Über eine Stunde war er beschäftigt. Zwischendurch wurde er angpiept, doch hat er nach kurzer Besprechung beschlossen, erst mich zuende zu nähen und stattdessen die Assistenzärztin zu schicken.

Und ich? Ich war fertig. Und völlig zufrieden damit, meine kleine Maus zu halten. Sie anzuschauen, jedes Detail einzusaugen. Und dann kam man auf mich zu und eröffnete mir dann, dass die Kinderärztin bei ihrer Untersuchung etwas festgestellt hätte. Mit ihrem Arm wäre etwas nicht in Ordnung. Noch könnte man nicht genau sagen, wie schlimm es sei. Fakt ist, dass zu dem Zeitpunkt der Arm gelähmt sei. Ich müsse aufpassen, wie ich sie halte und dass sie nicht darauf liegt. Denn sonst könnte die Blutzufuhr abgedrückt werden. Die Kleine könne das momentan noch nicht spüren. Und selbst wenn, sie kann ich auf jeden Fall nicht selbstständig wegnehmen. Wenn wir Glück hätten, wär der Nerv bei der Geburt nur überdehnt worden. Es könne aber auch sein, dass er gerissen ist. Das könnte man jetzt noch nicht sagen.

Ich nahm das erstmal gleichmütig hin. Ich war zu kaputt, um mir darüber Sorgen zu machen. Meine kleine Maus war endlich da, ich hielt sie in meinem Armen und das reichte mir. Irgendwann kam ich dann wieder in den Ruheraum. Und dann auf Station. Ich bekam Essen. Meine Mutter half mir dann später mich umzuziehen und mich frisch zu machen. Das Blut von den Beinen und den Füßen zu waschen. Ich erinnerte mich wieder an den Kreissaal. Das eine Mal, wo ich zum Fußende der Liege geschaut habe. Das ganze Blut, das den unteren Teil der Liege getränkt hatte und danach auf den Boden getropft war.

Erst gegen 18 Uhr konnte ich meine Tochter zum ersten Mal anlegen. Wegen ihres Arms musste ich sie rechts anders halten, was ich kaum konnte. Es gab auch leider keine Stillkissen auf den Zimmern. Nur im „Stillraum“, der am Ende des Gangs lag. Zu weit weg für mich. Rechts stillen wurde zum Problem. Erst mit Kissen und Decke eine Plattform bauen, denn ich konnte sie mit ihren knapp 5 Kilo nicht lange halten. Nicht so lange ich noch so unsicher war beim Anlegen. Und das Aufstehen oder auch nur anders Hinsetzen schmerzte mich sehr. Am nächsten Morgen sollte ich mir schon selber mein Frühstück vom Buffet holen. Mit Hilfe des Babybalkons schaffte ich das dann auch. Ohne wäre ich wahrscheinlich einfach umgefallen.

Ich bekam irgendwann wortlos Eisentabletten gereicht. Und nach 48 Stunden schon gefragt, wann ich denn abgeholt würde. Ich kassierte einen bösen Blick, als ich sagte, dass ich vor morgen nicht gehen würde. Nach wie vor brauchte ich noch jedes Mal Hilfe beim Anlegen. Mein Kreislauf war unter aller Kanone. Ich bekam einen riesen Haufen Papier. Unter anderem für’s Sozialpädiatrische Zentrum in der Kinderklinik. Am dritten Tag wurde ich dann wieder darauf hingewiesen, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte/sollte. Die Station war recht voll. Sie bräuchten die Betten. Nicht, dass man vielleicht erstmal die Familienzimmer hätte auflösen können, davon gab es immerhin 3 zu dem Zeitpunkt. Nein, ICH soltte gehen. Dabei sah die Kaiserschnittpatientin, die am gleichen Tag entbunden hatte, deutlich besser aus als ich und war viel besser unterwegs als ich. Doch durch den KS hatte sie ja anrecht auf 5-7 Tage. Vormittags ließ ich noch mal Fieber messen bei mir. Ich fühlte mich nicht so gut. War „nur“ erhöhte Temperatur, das sei „normal“ nach einer Geburt. Wegen der Anstrengung.

Also beschloss ich zu gehen. Heulend bat ich meine Mutter, ob ich nicht erstmal zu ihr könne. Denn mein Freund wohnte noch nicht mit mir zusammen. Und ich glaubte auch nicht in der Lage zu sein, mich allein mit der Kleinen zu versorgen. Ich konnte grad 100m ohne Hilfe laufen, danach wurde mir fast schwarz vor Augen. Gottseidank ging es. Meine Mutter reichte Urlaub ein, die Möglichkeit hatte sie sich vorher schon geschaffen.

Erst als ich meinen Mutterpass bekam bei der Entlassung, erfuhr ich, warum man mir Eisentabletten gab. HB war bei 8,6 nach der Geburt. Davor war er bei 13,1 gewesen. Nachmittags kam dann die Hebamme zu meiner Mutter. Sie untersuchte die Nähte und gab mir einiges mit an Tipps und Ratschlägen. Nachts bekam ich dann Schüttelfrost und Fieber. Und riesige feuerrote Stellen an der Brust. Denen rückten wir mit Kühlkissen und Quarkwickeln auf den Leib. Meine Hebamme war entsetzt am nächsten Morgen. Warum ich sie nicht ins Krankenhaus gefahren sei? Oder sie angerufen habe? Keine Ahnung, vielleicht, weil ich dachte, dass das eben mal passiert. Weil man mir im Krankenhaus sagte, dass ein bisschen Temperatur ja normal sei. Und schmerzende, spannende Brüste eben auch.

Nach einer zweiten Nacht Fieber war dann die beginnende Brustentzündung endlich durchgestanden. Mit Hilfe von etlichen Quarkpackungen. Und 2 Wochen nach der Entbindung kam ich dann nach Hause. Und die Behörden- und Ärzterennerei ging los. Zum Kinderarzt, zum SPZ, zur Ausländerbehörde, dem Standesamt, zur Physiotherapeutin. Viel telefoniert habe ich zudem auch. Und geheult. Es war verdammt viel. Und ich holte mir weitere Hilfe.

Zu dem Arm meiner Tochter lässt sich sagen: der Nerv war gottseidank NICHT gerissen. Langsam fing sie an den Arm kontrollieren zu können. Mit 3 Wochen bekam sie zum ersten Mal Physio für den Arm. Monatelang. Der Kinderarzt wurde immer unwilliger die Physio zu verschreiben. Erst als die Physiotherapeutin sagte, beide Arme wären gleich entwickelt, stellten wir die Physio ein. Da war die kleine Maus dann 15 Monate.

Und jetzt? Stell ich fest, dass ihre linke Schulter sich wieder leicht nach oben und vorne verschoben hat. Und der Rücken nicht mehr symmetrisch aussieht. Bei der letzten U-Untersuchung war er das aber noch gewesen.

Mit einem Mal ist wieder alles da. Die Geburt, die Ohnmacht, von außen bestimmt gewesen zu sein. Einen Freund, der sich während der Geburt nicht für mich äußern konnte, weil er die Sprache nicht beherrschte. Und die Wut, weil mich kein Arzt und keine Hebamme ernst nahm. Meine Vorgeschichte nicht mit einbezogen wurde, ja fast verächtlich abgetan wurde, als Hysterie einer Gebärenden. Hallo? Mein Bauchumfang lag zur Geburt bei sicherlich über 140cm. Ich selbst bin knapp 1,63. Das war nicht nur alles FETT oder WASSER! Aber getastet hat natürlich keiner mal. Nur den Scheiß-Ultraschall messen lassen. Es ist toll, dass sie mich alle gepriesen haben nach der Geburt, wie toll und stark und tapfer ich sei, weil ich ein 5kg-Baby vaginal entbunden haben. Und dabei übertünchten, dass sie, wenn sie das tatsächliche Gewicht gewusst hätten, mir ganz dringend zu einem KS geraten hätten. Und sich deswegen die Erlebnisse meiner Oma nochmal bei mir wiederholen mussten. Ich bin sauer, so sauer. Dann hätte ich meinetwegen auch einen KS unter Vollnarkose gemacht. Hauptsache mein Kind trägt keinen Schaden davon. Ich meine, sie war BLAU! Wer weiß denn, wie lange sie noch ohne Schaden geblieben wäre, hätte man sie nicht mit aller Gewalt aus mir herausgerissen?

Ich hoffe, dass ich irgendwann eine gesunde Distanz dazu bekomme. Mir nicht vor Wut und Kummer und Erschrecken und so vielen anderen Gefühlen, die ich nicht in Worte fassen kann, die Tränen kommen. Und mir nicht die Gedanken durch den Kopf geistern ICH HÄTTE SIE FAST VERLOREN.

Zu dem Thema habe ich auch gerade einen Bericht gelesen. Der Fokus liegt zwar eher auf der Begleitung vor und insbesondere nach der Geburt. Aber auch ein wenig darum, wie nüchtern man in den Krankenhäusern abgekanzelt wird. Als Fallzahl. Als wehleidig. Der Link ist  hier.

Ich trockne jetzt meine Tränen und werde meine kleine Maus abholen. Und sie fest in den Arm nehmen und froh sein, dass trotz allem, alles irgendwie doch gut gegangen ist.

More is yet to come,

M.

Alles BI irgendwie…

Bei uns ist alles irgendwie BI- : BI-national, BI-kulturell und BI-lingual sowieso.

Das kommt natürlich daher, dass ich so eine deutsch-nigerianische Co-Produktion alias meine kleine Maus zu Hause habe. Und nachdem ich mir gaaaaanz viele Gedanken über die Vereinbarkeit von Mama und Papa gemacht habe und wie das alles gehen soll im Spagat zwischen verschiedenen Kulturen, Meinungen, Sprachen usw., bin ich jetzt recht entspannt. Klar, ich bin inzwischen alleinerziehend und mein Alltag ist sozusagen nur noch MONO(-kulturell, -national, -lingual). Natürlich nur meiner. Bei der Sprache ist es für mich/uns eigentlich am einfachsten. Mama spricht deutsch, Papa Englisch und die Kleine halt was sie will. Also deutsch ;-). Man merkt ihr an, dass sie beide Sprache auseinander halten kann und beides versteht. Find ich gut, macht mir persönlich keine Sorgen.

Was das Kulturelle angeht, weiß ich nicht, ob es da so große Unterschiede gibt. Klar Essen ist echt anders. Aber lecker. Und kochen kann ich inzwischen auch eine Handvoll Rezepte. Aber im großen und ganzen? Wahrscheinlich gibt es bei uns nicht mehr kulturelle Unterschiede als bei dem Durchschnittspaar. Er geht in die Kirche, ich nicht. Er legt mehr Wert auf das Äußere als ich. Dafür lese ich mehr. Ich bin ihm in der Erziehung zu nachgiebig, er mir zu streng. Aber das gibt es doch in vielen Familien. Da müssen die Eltern nicht von verschiedenen Kontinenten kommen.

Was mir ein wenig Bauchweh macht, ist, dass man meiner kleinen Maus sprichwörtlich ansehen kann, dass sie ein Nationenmix ist. Ihre Hautfarbe ist halt deutlich dunkler. Bisher ist es ihr nicht wirklich klar, dass sie überhaupt anders aussieht. Ist ja auch erst 2 Jahre alt.

Aber was wird sein, wenn erst die unbedarften Fragen Gleichaltriger kommen und später vielleicht auch die fiesen Sprüche über Herkunft und Hautfarbe? Und das nicht nur von Gleichaltrigen, sondern von Erwachsenen, von völlig Fremden? Wie geht man damit um? Wie werde ich damit umgehen? Was macht das aus meiner Maus? Wie wird es ihr damit gehen? Wie wird sie damit zurecht kommen?

Noch vor 2 1/2 Jahren wurde mein Ex aus dem Auto heraus mit Bierflaschen beworfen, einfach weil er schwarz ist. Das ist vielleicht eine extreme Form des Rassismus und hier nicht allzu häufig, doch es gibt ja auch latente Formen. Wo der Unterton es macht oder die Wortwahl. Und das trifft vielleicht viel mehr, weil es von Menschen kommt, die man kennt, die man gern hat.

Ein wirklich schwieriges Thema. Ich werde es auf mich zukommen lassen müssen. Leider. Nur verrückt brauch ich mich deswegen noch nicht zu machen. Noch nicht. Vielleicht habe ich Glück und es wird alles gar nicht so schlimm. Trotzdem wird auch die kleine Maus irgendwann mit Fragen vor mir stehen. Warum sie anders aussieht. Nicht wie die meisten hier in Deutschland. Und vielleicht fragt sie auch nach ihren afrikanischen Wurzeln, der Familie dort.

Aber jetzt erst einmal mit viel Liebe und Fürsorge groß werden lassen. Und darauf hoffen, dass sie eine selbstbewusste, unabhängig denkende kleine Person wird.

More is yet to come,

M.