Familienhebammen: Engel oder Teufel?

Anfang der Woche wurde ich von Lena von der Schmetterlingsfamilie gebeten, ein wenig von meinen Erfahrungen rund um die Familienhebammen zu berichten. Da dies sowieso schon seit längerem auf meiner Agenda steht, setze ich es jetzt einfach mal um. 😉 Und zwar in Form eines Interviews mit mir selber.


 

Du hast nach der Geburt Deiner Tochter eine Familienhebamme in Anspruch genommen. Kannst Du bitte kurz erzählen warum?

In der Schwangerschaft war mir schon klar, dass die Situation nach der Entbindung sehr schwierig für mich werden bzw. mich einfach überfordern könnte. Und im Endeffekt hat sich das alles bewahrheitet. Nach der Geburt ging es mir nicht nur sehr schlecht körperlich, auch meine Tochter war nicht unversehrt – gottseidank nur vorübergehend, aber das stand damals ja noch nicht fest. Die Situation mit meinem Freund war auch recht schwierig. Anfangs durfte er nicht mit mir zusammen leben aufgrund seines Aufenthaltsstatuses. Das mussten wir direkt nach der Geburt erst einmal klären. Auch der restliche Behördenkram blieb an mir hängen – also meiner, seiner und von der kleinen Maus. Hinzu die Arztbesuche für meine Kleine inklusive Physiotherapie zweimal die Woche. Es war nicht einfach. Mir wurde es zuviel.

Woher wusstest Du überhaupt von den Familienhebammen? Wurde Dir dazu geraten?

Zusammen mit dem Mutterpass bekam ich vom Frauenarzt ganz viel Broschüren und Ratgeber. Und mit dabei war dann auch etwas über Familienhebammen. Auch im Internet bin ich mal darauf gestoßen. Überhaupt habe ich extrem viel gelesen und recherchiert in der Schwangerschaft. Die Hormone…

Die Informationen behielt ich die ganze Zeit im Hinterkopf und als ich dann wirklich überfordert war, habe ich dann meine reguläre Hebamme gebeten, den Kontakt herzustellen. Witzigerweise war sie sogar mit einer der Verantwortlichen bekannt, dass erleichterte den Kontakt schon ein wenig.

Hattest Du denn keine Bedenken, dass Du Dir damit selber ein Stempel verpasst? Dir vielleicht das Kind weggenommen werden könnte?

Ich finde, da muss man ein wenig unterscheiden. Zuallererst ist es ein zusätzliches Hilfsangebot. Das kann sich genauso an die Teenie-Mutter richten wie an die Zwillingsmutter. Sie helfen auch, wenn es aufgrund eines Migrationshintergrundes Schwierigkeiten gibt. Auch bei sozialer Isolation helfen sie ein entsprechendes Netz zu spannen. Es sind halt nicht nur „die Problemfamilien“, ohne Einkommen, mit Gewalt und Suchtproblemen. Aber zum Teil dann halt auch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich anonymisiert für drei Monate helfen zu lassen. Quasi also Kurzzeithilfe ohne das eine Akte beim Jugendamt angelegt wird. Oftmals braucht es nämlich nur eine Orientierung, wo man die Unterstützung und Hilfe über ander Organisationen bekommen kann. In dem Fall droht einem dann nichts, da das Jugendamt gar keine Kenntnis erlangt hat.

Außerdem finde ich, hat es einen sehr viel positiveren Touch, wenn man sich selbst Schwächen eingesteht und Hilfe einfordert. Man signalisiert, dass man etwas ändern möchte und die Hilfen greifen dann auch viel besser. Wenn man erst versucht alles allein zu regeln, es nicht schafft und dann das Jugendamt von außen zugeschaltet wird, dann ist die Wahrnehmung nicht mehr ganz so positiv.

Für welche Regelung hast Du Dich dann letztendlich entschieden?

Anfangs habe ich das Drei-Monats-Modell gewählt. Einfach um zu sehen, ob und was es mir bringt. Auch, ob die Überforderung nur temporär ist oder doch längerfristig. Nach Ablauf der Zeit setzten wir uns noch einmal zusammen, wie es weitergehen solle. Bei den Familienhebammen ging es für mich nicht weiter, wir beschlossen eine andere Form der Unterstützung.

Wie lief der erste Kontakt zu den Familienhebammen ab?

Ganz genau weiß ich nicht mehr, ob ich damals anrief oder meine Hebamme. Das Erstgespräch zur Einschätzung fand bei mir in der Küche statt. Die beiden Verantwortlichen kamen vorbei – die eine war Familienhebamme, die andere Sozialpädagogin, glaube ich.

Natürlich war es erst einmal komisch. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, dass man es doch nicht auf die Reihe bekommt. Jedenfalls nicht alles. Mir wurde schnell signalisiert, dass ich Hilfe bekommen sollte, nur das WANN war noch nicht klar. Der Bedarf ist manchmal einfach zu hoch. Für den Anfang reichte mir die Aussage aber und die Hilfe begann dann glaube ich auch zwei Monate später.

Wie lief das dann ab? Also die konkrete Hilfestellung? Und was war mit der regulären Hebamme?

Die normale Hebamme machte ganz normal ihre Arbeit. Wochenbettbetreuung und noch einige Termine darüberhinaus zum Thema Abpumpen, Beikost etc. Die Termine mit der Familienhebamme waren unabhängig davon. Anfangs war es viel Behördenkram. Anträge stellen. Einsprüche formulieren. Auch viel rechtliches.

Manchmal war es schon halb therapeutisch. Sie hörte mir zu, nahm meine Befindlichkeiten ernst. Für mich war es ganz praktisch, dass sie selbst Kinder von einem Afrikaner hatte. Viele Dinge konnte sie einfach besser nachvollziehen bzw konnte einfach aus eigener Erfahrung heraus auch Tipps geben.

Sie hat aber auch daran gearbeitet, meine soziales Netz zu verbessern. Machte mich mit dem „Gemeinsam wachsen“ – Konzept in Hannover bekannt und begleitete mich in eine solche Babygruppe. Zudem machte sie mich mit einem ihrer anderen Schützlinge bekannt. Auch eine junge Mutter, deren deutsch-afrikanische Tochter nur eine Woche jünger war als meine.

Worüber wurde das überhaupt finanziert? Übernimmt das dann auch die Krankenkasse?

Die Krankenkasse hat damit überhaupt nichts zu tun. Meines Wissens haben die Familienhebammen ein eigenes Budget, dass aus dem Topf des Jugendamtes gespeist wird.

Das hört sich jetzt ja alles sehr positiv an. Gibt es auch Dinge, die dich gestört haben?

Doch, ein paar Dinge gab es schon. Meine Familienhebamme war in vielen Dingen recht gemächlich. Gerade bei den behördlichen Geschichten hätte ich jemanden gebraucht, der mich mehr in den Hintern tritt. Das fiel mir dann insbesondere auf, als sie Urlaub hatte und ich mit ihrer Vertretung gearbeitet habe. Die nämlich genau das gemacht hat.

Auch manche Empfehlungen kann ich aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen bzw finde ich nicht so prickelnd. Mir wurde zum Beispiel massiv davon abgeraten meinem Freund „seinen Teil“ des Sorgerechts zuzugestehen. Dabei war schon klar, dass es mit der neuen Gesetzeslage, relativ einfach sein würde, dies einzuklagen. Er solle sich halt erstmal beweisen, bevor er überhaupt Rechte an unserer Tochter bekommt. Ich kann zwar nachvollziehen, dass bei den Fällen, die sie meist betreuen, oftmals die Vorurteile bestätigt werden. Aber unser Fall liegt doch anders und das wurde so nicht berücksichtigt.

Auch die generelle Empfehlung des „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – Buches irritiert mich rückblickend. Also die uneingeschränkte Empfehlung. Auch da sehe ich den Kontext. Trotzdem gilt es da meiner Ansicht nach abzuwägen.

Zum Ende der Betreuungszeit lief es für mich dann noch etwas unglücklich. Erst war meine Familienhebamme im Urlaub, anschließend noch einige Zeit krank. Meine Hilfe ging dann zuende, ohne dass ich sie noch einmal gesehen hatte. Komplett ohne Abschied. Dadurch wurde auf versäumt, weitere Hilfen zu planen. Die Vertretung nahm das dann noch schnell in die Hand. Das Gespräch beim Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) begleitete sie noch – in ihrer Freizeit, da ich schon offiziell raus war.

Was würdest Du jemanden raten, der sich überlegt die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch zu nehmen?

Zuallererst sollte sich der Betreffende informieren, ob es das tatsächlich in seiner Stadt oder Umgebung gibt. Das gibt es glaube ich nicht überall. Auch wie die Organisationsstruktur genau geregelt ist, ist unterschiedlich. Von der Hierarchie her steht das Jugendamt ganz oben. In Hannover kommt dann der KSD und dem untergeordnet die Familienhebammen. In anderen Städten ist das anders.

Es kann wohl auch einen Unterschied machen, in welcher Stadt man lebt. Gerade in den Ballungsgebieten, in denen das Jugendamt stark gefordert wird, wo es schon negative Schlagzeilen gab, kann man dann vielleicht wirklich den falschen Stempel bekommen.

Trotzdem finde ich, dass ein erstes Beratungsgespräch nicht schaden kann. Es ist vertraulich. Bedenken können angesprochen werden, Abläufe erfragt. Man kann ja erst mit den drei Monaten anfangen und es dann immer noch ausweiten. Klar sollte aber sein, dass mit dem ersten Geburtstag des Kindes Schluss ist mit der Hilfe. Sollte man darüber hinaus noch Hilfe benötigen, geht das dann nur über andere Hilfen. Und die sind in der Regel auch nicht probeweise anonym.

Möchtest Du zum Ende noch etwas hinzufügen?

Ja, ich möchte gerne betonen, dass dies meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe. Vielleicht hatte ich Glück mit meinen Hilfen bis heute oder auch nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Unterstützung er oder sie braucht und auch zulassen kann.

Auch das Bewusstsein sollte da sein, dass man das Jugendamt unter Umständen nicht mehr so schnell loswird wie man es gerne hätte, wenn man ihm erst einmal Einblick in sein eigenes Leben gegeben hat. Das hängt aber sicherlich auch von den Verhältnissen zu Hause ab, ob sie prekär sind und wenn ja, wie sehr.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass es auch mal eine positive Geschichte zu dem Thema gibt. Denn gerade in Internetforen werden Horrorgeschichten rumgereicht. Wo das Jugendamt falsch interveniert hat mit Kindesentzug etc. An einigen Geschichten ist bestimmt etwas dran. Bei vielen ist nur ein Teil der Fakten bekannt. Und wenn diese Horrorgeschichten auf subjektive Weise erzählt werden, dann kann ich das mit meiner positiven auch!


Da meine Erlebnisse mit den Familienhebammen schon etwas zurückliegen (2012) habe ich noch fix halbherzig gegoogelt, um noch ein paar Links anbieten zu können, die bei Interesse gelesen werden könnten. Viel Spaß.

Familienhebammenzentrale in Hannover (nach meiner Zeit)

Hebammenverband über die Familienhebammen

Familienhebammen über sich selbst

Wenn jemand noch Fragen hat, stellt sie mir ruhig. Entweder beantworte ich das dann in den Kommentaren oder ich ergänze das oben noch in meinem Interview.

More is yet to come,

M.

 

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Tagebuchbloggen: Der Therapeuteneklat

Vorbereitung zum Bloggen - bitter nötig
Vorbereitung zum Bloggen – bitter nötig

Ich hatte schon mehrfach in den letzten Beiträgen angedeutet, dass so einiges vorgefallen ist, was mir momentan das Bloggen schwer macht. Anstatt über das Geschehene und Erlebte zu schreiben, habe ich mir Anregungen von Außen geholt und an Blogparaden teilgenommen. Lange habe ich mit mir gerungen, ob und wie ich darüber schreibe. Ich werde es jetzt tun. Mit einigen Wochen Abstand und auch relativ offen darüber, wie es jetzt bei mir weitergeht.

Vorweg noch schnell eine Triggerwarnung: ich werde über Selbstverletzendes Verhalten schreiben, sowie über Depressionen und Burn-out. Also schaut auf euch selber, ob ihr das lesen wollt oder nicht. ❤

Schon in der Pubertät war ich psychisch nicht die stabilste. In einer schweren und belastenden Phase nahm ich therapeutische Hilfe in Anspruch, um mich und meine Gefühle besser spüren zu können und auch auf eine angemessenere Weise damit umgehen zu können (mein Bewältigungsmechanismus bestand damals aus Ritzen). Auch die damit verbundenen Depressionen wurden mittherapiert. Alles rein über Gespräche, komplett ohne Medikation.

Seitdem gibt es immer wieder Phasen, in denen ich depressive Verstimmungen habe. Manchmal stand ich auch kurz davor in alte Muster zu verfallen, weil ich die Kontrolle verlor. Meistens blieb ich stark.

Zum Ende meiner Ausbildung hin befand ich mich in einer Abwärtsspirale. Neben den depressiven Verstimmungen kamen noch Zwangsvorstellungen, Angststörungen und Schlafstörungen hinzu. Die damals chronischen Kopfschmerzen (Trigeminusneuralgie) verbesserten die ganze Sache nicht. Mit Hilfe einer Sozialarbeiterin meiner Berufsschule und meinem Klassenlehrer versuchte ich mich daran, eine Therapeutin zu finden – mit nicht wirklichem Erfolg. Und dann wurde es irgendwie von alleine besser. Ich schaffte meine Ausbildung mit Auszeichnung und bekam einen Folgevertrag beim Ausbilder. Der hatte noch nicht einmal gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmte.

Relativ schnell danach wurde ich schwanger. Sicherlich nicht zum optimalsten Zeitpunkt und auch nicht wirklich geplant, aber ich versuchte optimistisch zu bleiben. Die Schwangerschaftshormone halfen die letzten Reste der vorangegangenen Tiefphase zu überwinden. Trotz allem beschäftigte ich mich mit den möglichen Hilfen für nach der Entbindung. Ich erkundigte mich über Familienhebammen und Familienhilfe allgemein. Behielt all das im Hinterkopf für den Fall, dass meine Befürchtungen wahr wurden und ich das alles nicht auf die Reihe bekomme. Am meisten Angst hatte ich vor einer postpartalen Depressionen. Zumindest die blieb mir erspart.

Es war mir dann aber dann doch schnell zu viel. Die komplizierte Beziehung, das Gerangel mit der Ausländerbehörde, Behörden allgemein. Dazu die Geburtskomplikationen und den damals noch nicht abzusehenden Schaden an dem linken Arm meiner Kleinen. Ich holte mir Hilfe, erst über die Familienhebammen, später über die Familienhilfe.

Bald kristalisierte sich heraus, dass eine begleitende Therapie für mich sehr förderlich sein könnte. Allein die Suche dauerte über ein halbes Jahr. Inzwischen war meine Tochter fast zwei, wir waren umgezogen und ich inzwischen getrennt lebend und alleinerziehend. Ich suchte mir Kinderbetreuung – zum einen zur Entlastung, zum anderen, damit eine Therapie überhaupt für mich zu realisieren war.

Nach 25 Stunden tiefenfundierter Psychotherapie wurde mir dann eröffnet, dass meine Probleme tiefer lägen und das nur in einer Psychoanalyse angegangen werden könnte. Also alles wieder auf Anfang und wieder von neuem anfangen zu suchen. Später erfuhr ich, dass man das sehr wohl auch in der Therapieform hätte machen können. Das war wohl meiner ehemaligen Therapeutin zu aufwändig gewesen.

Es verging wieder fast ein halbes Jahr bis ich überhaupt auch nur die Chance auf ein Vorgespräch hatte. Die neue Therapeutin nahm sich 5 Stunden (das Maximum) Vorgespräch Zeit, um eine gründliche Anamnese machen zu können. Sie war zwar recht reserviert, aber sie hörte gut zu. Und war auch anfangs voll des Lobes, ob meiner sprachlichen Reflektionsmöglichkeiten. Darüber hinaus war sie sich völlig darüber im Klaren, dass ich alleinerziehend war mit Kleinkind und es auch anderweitig nicht gerade leicht für mich war.

Im Januar hatten wir dann endlich das Go von der Krankenkasse und es konnte endlich losgehen. Bis zu dem Zeitpunkt war diese Therapeutin die einzige, die überhaupt einen Platz für mich hatte und es war schon 1(!) ganzes Jahr  vergangen, seitdem ich festgestellt habe, dass ich Therapiebedarf habe.

Anfangs lief es soweit ganz gut. Ich lernte meine Verteidigungswälle runterzufahren in der Therapie und ließ mich darauf ein, in die Tiefe zu gehen. Oftmals kam ich verheult aus den Stunden, aber das war schon in Ordnung so. Privat wurde es für mich immer anstrengender. Nicht nur der alltägliche Hickhack mit dem Ex, auch der Krankenhausaufenthalt meines Vaters, der größere Organisationsaufwand belasteten mich. Ich pufferte viel für meine Mutter, nebenbei bereitete ich mich auf eine wichtige Bewerbung vor. Ganz nebenbei wurde ich 28 und verheulte fast den ganzen Geburtstag. Ich litt an Schwindelanfällen und Sehstörungen, die Schlafstörungen wurden immer massiver.

Dann kam der Knall – nur nicht bei mir, sondern bei meiner Mutter. Burnout. Die einzige Stütze, die ich zu dem Zeitpunkt noch hatte, brach weg. Mit eisernem Willen zwang ich mich stark zu bleiben.

Nur über das Wochenende! Dann hast du Therapie, dann darfst du loslassen, schwach sein.

Voller Erleichterung ging ich dann zur Therapie. Legte mich auf das Sofa, fuhr meine Abwehrmechanismen runter. Erlaubte mir schwach zu sein.

Ich wollte davon erzählen, wie stark ich aus der Bahn geworfen wurde, da ich jetzt (fast) keine Unterstützung mehr hatte. Wollte davon erzählen, wie ich den Drang mich zu schneiden bekämpft hatte und stattdessen lieber Kippen kaufen gegangen bin. Wollte über die Möglichkeiten sprechen, mir Antidepressivum verschreiben zu lassen.

Doch soweit kam ich nicht.

Ich wurde angegangen von meiner Therapeutin. Warum es denn nie um mich ginge. Warum mir der Haushalt so viel Probleme bereiten könne. Warum ich überhaupt auf meine psychisch labile Mutter gebaut hatte. Warum ich mich nicht schon längst um ein besseres Netz bemüht hätte. Ob meine Tochter überhaupt so eine labile Mutter wie mich verdient hätte.

UND ÜBERHAUPT, WIE HATTE ICH DIESES KIND ÜBERHAUPT KRIEGEN KÖNNEN!!!!

Die meiste Zeit lag ich wie gelähmt auf dem Sofa. Versuchte über Atemkontrolle irgendwie Kontrolle über mich zu bekommen. Ich weinte, schluchzte, zitterte. Ab und an versuchte ich mich zu rechtfertigen, wenn ich vor Zähneklappern und Geheule überhaupt was rausbekam.

Dann war die Stunde zu Ende und ich wurde nach Hause geschickt. Einfach so. Ohne mich zu erden, aufzufangen. Nichts davon.

Falls sich jemand fragt, warum ich nicht gegangen bin: ich konnte nicht. Der Gedanke war mir mehrfach gekommen. Aber wenn man voller Vertrauen jeglichen Schutz herunter fährt und das Vertrauen dann dermaßen missbraucht wird, dann lähmt das. Jedenfalls mich.

Mit Ach und Krach schaffte ich es nach Hause. Ich war noch nicht mal in der Lage den Scheiß-Knopf am Bus zu finden, um die Tür zu öffnen. Mein Umfeld reagierte schnell und gut. Ich wurde aufgefangen und getröstet. Die ersten Notfallpläne aufgestellt. Was mich davor bewahrt hat, mich selbst einzuweisen. Was ich auch nur deswegen nicht tat, weil mir nicht klar war, dass ich meine Tochter sogar hätte mitnehmen können. (Was wohl nicht überall der Fall ist, in Hannover gibt es aber eine entsprechende Einrichtung)

Ende vom Lied? Die Therapie bei der zweiten Therapeutin habe ich beendet. Laut Krankenkasse ergibt sich für mich daraus kein Problem, die genehmigten Reststunden verfallen nicht und ich kann diese auch woanders nehmen. Allerdings fange ich dann wieder von vorne an mit Suchen.

Ein klärendes Gespräch mit der Therapeutin hat es nie gegeben, wird es von meiner Seite auch nicht. Denn egal wie sie es versucht zu rechtfertigen, ihr Verhalten war absolut unprofessionell. Und ich habe auch Angst davor, dass sie mir dann vielleicht wirklich den Rest gibt.

Ich habe darüberhinaus davon abgesehen, in irgendeiner Weise Beschwerde einzulegen gegen sie. Natürlich würde es mich mit Befriedigung erfüllen, zu sehen, dass ihr unprofessionelles Verhalten Konsequenzen für sie hat. Aber das wäre dann wieder viel Kraft, die ich aufwenden müsste. Anhörungen, Stellungnahmen. Gedankenprotokolle. Ich brauche meine Kraft für mich, meine Tochter und unseren Alltag.

Natürlich sind meine psychischen Probleme noch in keinster Weise „geheilt“. Die private Situation ist weiterhin äußerst angespannt. Die Überforderung ist immer nur einen Schritt entfernt. Das Wissen, dass meine Tochter bei mir bleiben kann, selbst wenn ich unseren Alltag in die Psychatrie verlegen muss, gibt mir innere Ruhe. Und selbst wenn nicht, es ist zumindest geregelt, was dann mit ihr geschieht. Sie ist dann auf jeden Fall bei Menschen, die sie lieben, die sich um sie sorgen und sie auffangen. Nicht bei Fremden.

Nach mehreren Krisengesprächen in meinem Umfeld ist die Laufrichtung nun klar: ich gehe in eine Tagesklinik. Ich habe eine super Hausarztpraxis, die mir nicht nur die entsprechenden Über- und Einweisungen schreibt, sondern auch Gespräche anbietet, um die Zeit zu überbrücken. Die mich als Mensch sehen. Nicht nur als Fallzahl. Das Vorgespräch in der Tagesklinik war bereits. Es wird bald losgehen. Vielleicht werde ich darüber berichten.

Da dies alles sehr persönlich ist und ich eh schon sehr verletzlich bin, bitte ich darum, diesen Text NICHT auf Facebook zu teilen. Die Kommentarfunkion lass ich erstmal noch. Mal schauen, was kommt.

Für meine Freundin, die schon vor der Taufe deutlich gemacht hat, dass sie ihren Verpflichtungen als Taufpatin mehr als gerecht werden wird! Danke :-*

More is yet to come,

M.

Murphys Law schlägt zu

Die meisten Eltern kennen das, sobald man sich etwas vornimmt – ob beruflich oder privat – eigentlich kommt immer etwas dazwischen. Kind krank, KiTa hat spontan zu oder der Babysitter kann nicht kommen. Im Notfall hat man sich nach wochenlanger Kinderpflege selbst angesteckt und muss alle Pläne über Bord werfen. Dieses Prinzip ist auch bekannt als Murphys Law.

Und in letzter Zeit scheint dieses ungeschriebene Gesetz zu gerne bei mir in Aktion zu treten. Wie gesagt, da bin ich bestimmt nicht die Einzige, angekotzt sein darf ich (und auch andere Betroffene) trotzdem. Besonders wenn es mich so geballt trifft, dass ich schon fast glaube, dass sich das Schicksal gegen mich verschworen hat. So kommen dann auch Tweets zustande wie:

Aber lasst mich am Anfang beginnen. Wer keine Lust auf meinen Jammerpost hat, kann jetzt auch gerne wegklicken. Verstehe ich. Ehrlich. 😉

Ehrlich gesagt fing es ja mit meinem Ausnahmezustand hier zuhause an. Die kleine Maus hatte es wirklich schlimm erwischt und wollte/brauchte die Extraportion Mama. Was ich ihr gerne gewährt habe, soweit es mir möglich war. Was natürlich geschlaucht hat, wenn das 17kg-Kind permanent am Körper sein möchte. Kuschelnd, kneifend, leidend. Oft auch nur völlig groggy am Dösen. Leider stand aber genau in der Zeit ein wirklich wichtiges Vorstellungsgespräch an. Auf das ich mich noch nicht ausreichend vorbereitet hatte.

Seit Geburt meiner Tochter bin ich arbeitslos. Mein Fristvertrag lief relativ parallel zum Mutterschutz aus. Und es machte keinen Sinn, einen Folgevertrag zu schließen. Sowohl aus meiner Sicht als auch aus der meiner Chefin. Schon vor meiner Schwangerschaft wusste ich, dass meine Ausbildung nur die Grundlage sein soll, nicht das „angestrebte Ende“ meiner Laufbahn. Ich hatte auch schon etwas im Auge, dass mich reizte. Und dort habe ich mich dann auch beworben. Inzwischen auch ein zweites Mal. Diesmal begleitet von einer optischen Anpassung (Business-Outfit) und vorherigem Bewerbungscoaching. Denn die Stellen sind heiß begehrt. Mindestens 10 Bewerber auf 1 dualen Studienplatz. Auch alles professionell mit Assessment-Center und Psychologen-Gesprächen.

Mit der Hilfe meiner Mutter bekam ich das auch alles ganz gut hin. Wir zogen quasi kurzfristig ein, wechselten uns im Kinderdienst ab. Und ich zog morgens los zu meinem Bewerbungsgespräch und ließ eine komplett aufgelöste Maus mit knapp 40 Fieber bei meiner Mutter zurück. Mir brach zwar fast das Herz, aber es ging nicht anders. Gebracht hat es übrigens nichts, bin trotzdem nicht genommen worden.

Noch bevor meine Tochter richtig gesund war, kam dann mein Vater ins Krankenhaus – geplant zur Operation. Ich sollte die Katzen versorgen. Was an sich logistisch möglich sein sollte, aber mit krankem Kind zuhause schon schwieriger wurde. Wieder sprach ich mich mit meiner Mutter ab, damit ich neben meinen normalen Terminen auch noch die Katzenversorgung auf die Reihe bekam, obwohl mein Töchterchen zuhause war.

Bereits da merkte ich schon, dass meine Kräfte nicht endlos waren und mir dieses ganze Drumherum-Organisiere ganz schön auf die Nerven ging. Natürlich verschob sich bei meinem Vater auch so einiges im Krankenhaus und aus geplanten 6 Tagen Aufenthalt wurden dann mal eben 2 Wochen. Jeden Tag wartete ich auf die neuesten Entwicklungen aus dem Krankenhaus, ob jetzt mein Vater wieder nach Hause dürfte oder nicht und wann denn nun endlich operiert wurde. Informationen flossen nur spärlich und ich organisierte mich um die Ecke. Dass ich zwischendurch Geburtstag hatte, juckte mich nicht wirklich. Zwar hatte ich auch Besuch und wenigstens „etwas“ Geburtstag, aber es fühlte sich nicht so an. Ehrlich gesagt habe ich zum Ende hin nur geheult.

Und während ich so schon am Jonglieren war mit meinen privaten Terminen und der Katzen-Verpflichtung, stand dann der Urlaub meiner Mutter an. Ihr sei er ja gegönnt, sie hatte ihn sich redlich verdient. Aber sie ist praktisch die einzige Stütze, die ich habe bzw auf die ich mich verlassen kann. Und dank Murphys Law überschnitt sich jetzt plötzlich alles.

Mit ein wenig Fatalismus bereitete ich mich darauf vor es irgendwie hinzubekommen. Seit Montag ist meine Mama nun weg. Und gestern kam dann der nächste Knüppel, den mir das Schicksal zwischen die Füße warf: spontane Brechattacken meiner kleinen Maus. Morgens um 6 beginnend. Und mein Termin war um 10. Mit Kind nicht möglich. Spontan abgesagt, hätte mich das 40€ gekostet. Und nu?

Zumindest hier hatte ich etwas Glück. Nicht nur war mein Ex schon wach, als ich morgens ne Nachricht schrieb, er hatte sogar Zeit. Nur musste er zuhause bleiben, er wartete auf die Telekom. Zwar konnte er unsere Tochter betreuen, doch ich musste sie irgendwie zu ihm schaffen. Also stand ich dann um 8 Uhr mit ihr an der Bahn-Haltestelle, bewaffnet mit Taschentüchern und Plastiktüten. Denn sie übergab sich nach wie vor im 10-Minuten-Takt. Muss ich die Blicke beschreiben, die ich geerntet habe? Wie ich da meiner Tochter die Tüte vorhielt, sie dabei in den Arm nahm, den Kopf streichelte, anschließend ihr Gesicht abputzte, die Tüte entsorgte und dann tatsächlich mit den Öffis fuhr?! Freundlich wie meine Tochter war, spuckte sie nur außerhalb von Bus und Bahn. Und ich kam nach wie vor sauber mit ihr bei ihrem Vater an.

Auf dem Weg zu meinem Termin schrieb ich ihm noch eine „Gebrauchsanleitung“, da ich eine relativ starke Vermutung hatte, warum sie spuckte und ich weiß, wie das zu händeln ist.

Im Endeffekt kann ich mir jetzt zwar selber auf die Schulter klopfen, dass ich diese letzten 3 oder 4 Wochen überstanden habe. Dass ich nichts absagen musste, alles irgendwie unter einen Hut bekam und meine Notfall-Organisationen auch alle geklappt haben. Aber es hat auch Spuren hinterlassen. Gerade nervlich und auch kräftemäßig. Zwischendrin kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht doch eine Mutter-Kind-Kur beantragen sollte. Gerade, nachdem dass mit dem dualen Studium doch nichts geworden ist. Hätte dann ja wieder Zeit. Lasst mich mit zwei herrlichen Tweets enden:

More is yet to come,

M.

Ausnahmezustand

Wer regelmäßig hier liest, weiß, dass ich normalerweise immer zum Wochenanfang einen Beitrag veröffentliche. Zumindest hatte ich mir das mal so vorgenommen. Im Notfall auch einmal erst Mittwoch oder Donnerstag. Diesmal ist es Sonntag – also fast schon wieder Montag… ^^ Der Grund meiner Verspätung ist krankheitsbedingter Ausnahmezustand. Und das seit über einer Woche.

Doch nun von Anfang an. Seit einiger Zeit hatte die kleine Maus Erkältungssymptome. Ab und an Husten und dazu eine Dauerschniefnase. Aber alles im Bereich des Erträglichen, Töchterchen hatte weder Fieber noch Temperatur und war dazu munter und fit – alles kein Problem. Zwischenzeitlich hatte ich sie mal nicht in die Krippe geschickt, weil sie ein wenig Temperatur hatte. Nach einem Tag fieberfrei konnte sie aber wieder gehen. Vorletzten Donnerstag fiel mir dann auf, dass in ihrer Gruppe außer ihr nur noch vier andere Kinder da waren. Rest war krank.

Und promt am nächsten Tag hatte sie dann auch Temperatur. Aber nur knapp über 38 Grad, aus meiner Sicht nicht so problematisch, da ihre Grundtemperatur bei rund 37,6 liegt. Sie war aber sehr anhänglich, abgeschlagen und ohne rechten Appetit. Da alles recht harmlos schien, ersparte ich mir einen Besuch beim Kinderarzt. Fiebermedikamente hatte ich zuhauf daheim, ebenso Nasentropfen und Hustensaft.

Samstagfrüh um 6 Uhr war dann Alarm bei mir. Weswegen ich wach wurde weiß ich ehrlich gesagt nicht, vielleicht fühlte ich das glühende Kind neben mir (übrigens ein Grund, warum wir noch das Familienbett praktizieren). Die kleine Maus maulte rum, verlangte im Halbschlaf nach nem Zäpfchen. Nachdem ich gemessen hatte, bekam sie es auch. Sie hatte 40,2. Meine Nacht war damit vorbei. Das restliche Wochenende gestaltete sich fiebertechnisch ähnlich. Mit Medikamenten bekam ich sie zwischenzeitlich auch mal knapp unter 39. Die meiste Zeit blieb sie drüber. Fieberhöchststand hatten wir dann Samstagabend mit 40,8.

Da ich dieses Hochfiebern schon von ihr kannte, achtete ich darauf, ob die Medis wirklich anschlagen. Ansonsten hätte ich auch den Notruf geholt. Aber sie war klar und kam auch immer schnell von ihren Fieberspitzen runter. Denn ich durfte schon erfahren, dass man gerade im Krankenhaus mit unter 41 Grad noch nicht mal als richtiger Notfall angesehen wird. Und der Kinderarzt mich und meine mit 40,9 fiebernde Tochter knapp 2 Stunden hat warten lassen. Trotz telefonischer Voranmeldung und der Zusage uns vorzuziehen.

Das ganze Wochenende saß ich mit meinem Kind auf dem Sofa (wahlweise auch Bett) und hielt sie, betüddelte sie, verarztete sie. 24 Stunden permanenter Körperkontakt. Sonntag dann die Erlösung, meine Mutter holte die Kleine ab. Ich packte unsere Sachen und quartierte uns bei meiner Mutter ein. Denn: am Montag hatte ich ein extrem wichtiges Vorstellungsgespräch. Eigentlich sollte die kleine Maus alleine bei der Oma übernachten. Aber mein hochfieberndes Kind wollte ich nicht komplett meiner Mutter überantworten.

Also Business-Outfit und Unterlagen eingepackt, dazu natürlich Kinderzeug und Übernachtungskram. Bettfertig machen sollte eigentlich die Oma, aber das Kind machte nen riesigen Aufstand. Aber ich musste mich doch noch vorbereiten! Mit viel TamTam schlief die Kleine endlich. Später legte ich mich dazu. Nachts natürlich wieder hoch dank des Fiebers. Und um 5 wackelte die Kleine zur Oma ins Bett.

Bin dann Montag doch noch gut losgekommen, obwohl mein Töchterchen extrem geklammert hat. Es brach mir fast das Mutterherz, doch bei dem Vorstellungsgespräch konnte ich mich dann doch davon frei machen.

Die restliche Woche verbrachte ich dann auch bei meiner Mutter. Das Fieber der Kleinen wurde langsam besser. Tagsüber nur noch knapp über 38, nachts nicht mehr über 40. Sie schlief viel, brauchte ansonsten fast ununterbrochen Körperkontakt. Gegessen hat sie sehr wenig. Laut Kinderarzt hat sie die Grippe bzw einen grippalen Infekt (es wurde kein spezifischer Test zur Feststellung gemacht, von daher unklar). Mittwoch und Donnerstag hatte ich dann noch zwei andere unverschiebbare Termine, an denen meine Mutter noch einmal nach der Kleinen geschaut hat.

Und seit Freitag ist das liebe Kind auch endlich komplett fieberfrei. Lebensgeister sind zurück und die Trotzanfälle sind auch wieder da. Nur der Appetit lässt zu wünschen übrig. Hat jetzt gut ein Kilo runter, was bei ihr aber nicht ganz so arg ist, da sie ja über Reserven verfügt.

Meine Mom und ich sind jetzt allerdings fertig… Auch wenn wir uns die „Kinderkrankenpflege“ geteilt haben, hatte keiner von uns je richtig Zeit zum Durchpusten. Wer kein Kind hatte, hat den Haushalt besorgt, eingekauft, gekocht. Dementsprechend wurde von meiner Seite aus auch nicht gebloggt. Dabei will so einiges geschrieben werden. Nicht nur zwei Beiträge zu Blogparaden, auch mehrere Themen in eigener Sache. Aber das muss jetzt halt warten.

Im Endeffekt bin ich froh, dass meine Mutter für mich da war. Alleinerziehend ist kein Zucker schlecken, erst recht nicht, wenn man mit wirklich krankem Kind zuhause hockt. Denn die Welt bleibt nicht stehen, man produziert Abfall, Wäsche, dreckiges Geschirr. Dafür kocht sich weder das Essen von allein noch füllt sich die Vorratskammer selbstständig.

Bleibt für mich nur zu hoffen, dass sich meine kleine Maus jetzt komplett erholt und ich dann wieder ein wenig mehr Zeit und Ruhe habe.

More is yet to come,

M.