Mit einem Mann wird alles wieder leichter…

Ich bin jetzt schon seit einiger Zeit Single und alleinerziehend. Freunde und Bekannte sehen, wie ich mich anstrengen muss, um meinen, nein unseren Alltag zu stämmen. Alle Verantwortung lastet auf mir, ich kann zudem nicht nein sagen und halse mir schnell noch mehr auf. Schon seit geraumer Zeit befinde ich mich am Rande der Überforderung, des Burn-outs.

Für manche ist die Lösung schnell gefunden: mir fehlt ein Mann an meiner Seite. Und ich bin fassungslos. Wie kann man bitte meine persönliche Situation so verallgemeinern, dass diese Aussage stimmt? Bzw meine psychischen Probleme und die Belastung durch die alleinige Verantwortung darauf reduzieren, dass ich ohne Partner bin?

Und in welcher Welt bitte reicht es aus, einfach nur einen Mann an seiner Seite zu haben und alles wird gut?

Deswegen habe ich einfach mal meine Gründe gesammelt, warum dass alles gar nicht so einfach ist mit einem neuen Partner bzw. warum es dadurch eben nicht leichter wird.

1. Die Gelegenheit

Also ganz ehrlich: mir fiel es noch nie leicht Männer kennen zu lernen. Und ein gutes Händchen hatte ich zudem auch selten bei der Wahl der Partner, aber das ist ein anderes Thema. Als Alleinerziehende fehlt mir in den meisten Fällen schon die Gelegenheit überhaupt einen passenden Kandidaten zu treffen. Oder aber ich bin gedanklich völlig woanders und laufe vormittags permanent an allen Traumtypen im Supermarkt vorbei. Wobei.. arbeiten die nicht um diese Uhrzeit?!

Auch nachmittags mit Kind an der Hand bin ich nicht die Top-Beute des männlichen Umfeldes. Vielleicht denken die ja, ich sei vergeben, denn schließlich benötigt es um schwanger zu werden ja auch einen Erzeuger. Oder sie haben einfach keinen Bock auf eine Beziehung mit einer Mutter.

Abendliche Aktivitäten fallen in der Regel flach bei mir. Da sitze ich schön brav zuhause, mache Abendbrot, schaue Sandmännchen, bringe mein Kind ins Bett. Und danach bleibe ich natürlich auch zuhause. Klar, ist ja sonst niemand da, der auf meine Kleine aufpasst. Zwar gibt es jetzt seit neuestem auch freie Abende für mich, doch die nutze ich dann eher für wirklich wichtige Dinge: lange ungestört duschen, Fernsehmarathon, endlos Konsole zocken oder nette Abende mit Freunden, die ich seit 3 Jahren sträflich vernachlässige.

2. Altlasten sind nicht gerade sexy

Ganz ehrlich, als Mutter ist man nicht gerade Traummaterial. Dabei rede ich auch überhaupt nicht von übrig gebliebenen Schwangerschaftspfunden, welkem Bauch oder anderen sichtbaren Spuren. Mir geht es einfach darum, dass ein Kind immer Einschränkungen mit sich bringt. Für die Eltern und bei Alleinerziehenden dann auch für den Partner. Vieles ist halt einfach nicht uneingeschränkt möglich. Weggehen, durchfeiern, ausschlafen, ja auch das Sexualleben sind betroffen. Manches auf lange Sicht so gut wie nicht möglich, oder wenn, dann nur mit genug Planung im Vorfeld. Als Kerl, der ich ja noch nicht mal verwandt bin mit dem kleinen Zwerg, fände ich das jetzt nicht unbedingt erstrebenswert.

Neben dem Kind gibt es ja auch noch oftmals den dazugehörigen Vater. Unsere Kleine hat Glück, ihr Papa ist gerne Teil ihres Lebens. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt zu ihm, wir planen den Umgang, den er mit ihr hat. Natürlich halte ich ihn auch auf dem laufenden, was KiTa angeht oder so. Ein neuer Partner müsste sich damit abfinden, dass ich nach wie vor in Kontakt stehe mit meinem Ex. Wir zum Teil sogar noch die Feiertage zusammen planen. Nicht jedem fällt das leicht.

Auch bin ich mir nicht sicher, ob mein Ex denn so einfach damit klar kommen würde. Obwohl er es mir momentan zusichert, dass das kein Problem werden sollte, bin ich mir da nicht so sicher. Denn er hat schon leichte Ängste, dass ein neuer Mann versuchen könnte ihn als Vater zu ersetzen.

3. Am Anfang alles nur gaaaanz langsam

Sollte es tatsächlich einen akzeptablen Kandidaten geben, würde ich es trotzdem nicht überstürzen wollen. Zum einen möchte ich sicher sein, dass die Beziehung auch hält und der Herr es auch ernst mit mir meint. Bevor irgendwer meine Tochter kennen lernt, muss er schon einige Zeit bewiesen haben, dass das der Fall ist.

Das bedeutet natürlich auch, dass die gemeinsame Zeit recht knapp bemessen sein wird. Schließlich schläft mein Kind recht selten außerhäusig. Ob das wirklich jedermanns Sache ist? Auch später ist das mit der Zweisamkeit nicht ganz so einfach…

4. Das Kind muss ihn mögen

Tja, viel gibt es hierzu nicht zu schreiben. Die Kleine muss meinen Partner mögen. Ansonsten wird das auf Dauer nichts. Natürlich weiß ich, dass es gerne mal zu Eifersuchtsproblematiken kommt, aber vom Grundsatz her muss es eine gemeinsame Sypathiebasis geben.

5. Sein Interesse sollte mir gelten und nicht der Kleinen

Auch das sollte nicht vergessen werden: es gibt Männer, die sich nicht umsonst Mütter als Partnerin aussuchen. Die über die Mütter sich selbst einen ungehinderten Kontakt zu einem Kind ermöglichen und dann Gefühle und Vertrauen missbrauchen, um sich am Kind zu vergehen. Nicht jedem kinderlieben Mann sollte man das gleich unterstellen, aber ganz aus den Augen verlieren darf man das nicht. Meine Mutter hat damals zwei ihrer Beziehungen beendet, weil sie das Gefühl bekam, dass das Interesse an mir, ihrem Kind, nicht ganz so unschuldig war, wie gedacht.

6. Ich bin nicht wirklich einfach

Ja, auch das kommt mit dazu. Ich habe psychische Probleme und manche Fähigkeiten fehlen mir. So gerne ich es anders hätte, damit muss ich zur Zeit leben. Das lässt sich nicht per Knopfdruck abstellen und einiges wird mich ein Lebtag begleitet. Bisher hatte ich so gut wie nie das Glück, einen Partner zu haben, der das verstehen oder akzeptieren konnte.


Neben all den Gründen, warum es schwer ist, den Richtigen zu finden (oder überhaupt jemanden zu finden, der sich das freiwillig antut), gibt es auch einige, warum ich überhaupt nicht will:

– ich habe jetzt schon nicht genug Zeit für mich, das wird dann ja noch weniger

– ich schaffe es jetzt schon kaum, alles unter einen Hut zu bekommen. Meinen Haushalt, die Mutter-Kind-Zeit, Zeit mit Freunden, die Abstimmung mit Ex und meiner Mom, wer wann wie lange und überhaupt die Kleine hat, das Bloggen und der Sport. Will ich noch jemanden, den ich vereinbaren muss? (Achja, irgenwann wollte ich ja auch mal wieder arbeiten)

– Beziehungen sind nicht immer easy. Ich habe ein trotzdendes Kind zuhause, da habe ich Auseinandersetzung genug, da brauch ich nicht auch noch einen Kerl, der mit mir diskutieren will.

– ich habe Angst davor, meine Selbstständigkeit und auch Stärke zu verlieren, wenn ich einen Partner habe.

– was ist, wenn der sich in meine Erziehung einmischt?!


 

Natürlich heißt das nicht, dass ich nicht schon gerne mal abends Gesellschaft hätte oder ich nicht gerne eine starke Schulter zum Anlehnen hätte. Aber das ist es mir momentan einfach nicht wert. Den Aufwand zu betreiben, jemanden kennen zu lernen. Herauszufinden, ob das etwas Realistisches ist. Den Versuch zu unternehmen, ihn in mein Familienleben zu integrieren. Das Chaos zu riskieren, wenn es doch nicht klappen sollte.

Und ganz ehrlich, ein Heilsversprechen ist so ein Partner wirklich nicht. Er kann eventuell ein Teil meiner alltäglichen Belastungen mittrage. Er kann genauso gut dazu beitragen, diese zu vermehren. Aber er wird bestimmt nicht ALLES gut machen. Mir all meine Sorgen nehmen, meine psychischen Probleme verschwinden lassen und meine Vergangenheit ändern. Das ganz sicher nicht.

More is yet to come,

M.