Shades of Pink #8: Die Afro-Elsa

Meine kleine Maus ist inzwischen gar nicht mehr so klein. In gut einem Monat ist sie schon vier Jahre alt. Wie es sich für eine junge Dame gehört, entwickelt sie so langsam ihren eigenen Geschmack. Am liebsten mag sie Kleider, die Farben Pink und Lila, Blumen, Feen, Pferde und Einhörner können ihrer Meinung nach überall drauf sein. Und ja, Katzen am Besten auch. Auch zum Thema Haare hat sie so ihre ganz eigenen Vorstellungen.

Nun ist es natürlich so, dass ihre Haare doch ein wenig anders sind als die ihrer Kindergartenfreundinnen und auch als die von meiner Mutter oder mir. Wo im zarten Säuglingsalter die Haare noch fein und glatt waren, sind sie inzwischen dicker, drahtiger und ganz schön krauslöckig (gibt es das Wort überhaupt? Es beschreibt es wohl am Besten 😉  ). Ihre Frisurenvorbilder sind in den meisten Fällen das, womit sie konfrontiert wird. Im Kindergarten, unterwegs, in Filmen. Nicht immer leicht umzusetzen, wenn das Ausgangshaar so kraus ist.

 

Die Haarpflege – eine Wissenschaft für sich

Gerade am Anfang habe ich die Haarpflege sehr unterschätzt. Afrohaare trocknen schnell aus, sie benötigen viel Pflege und auch eine ganz andere, als ich sie so kenne. Von den Produkten aus dem Afroladen bin ich schnell wieder abgerückt, zu viele Erdöle und das leicht entflammbar Schild war auch nicht besonders vertrauenserweckend. Also habe ich das Internet einmal quergelesen und bin da auf ganz gute Informationsseiten gestoßen. Im Endeffekt probiere ich mich immer noch durch, aber so langsam wird das was.

Praktisch ist, dass ich der Kleinen nicht so oft die Haare waschen muss aufgrund ihrer Struktur. Einmal die Woche reicht in der Tat aus. Außer natürlich, sie hat Dreck, Sand oder Fusseln im Haar, dann muss sie auch schon einmal früher ran.

Allerdings ist das Waschen dann auch aufwändiger. In der Regel immer Shampoo und Spülung/Kur. Während Spülung oder Kur einwirkt, entwirre und bürste ich die Haare, das geht nämlich nicht im trockenen Zustand. Mindestens einmal im Monat behandle ich das Haar mit einer Kokosöl-Maske vor dem Waschen. Nach dem Waschen kommt dann noch eine Feuchtigskeitspflege in die Haare. Danach werden diese „versiegelt“, indem ich noch ein Haaröl einarbeite. Im Anschluss darf ich dann noch frisieren.

Doch das reicht noch nicht an Haarpflege. Täglich darf ich dann noch mittels Sprühflasche die Haare anfeuchten und mit Haaröl die Frisur/Zöpfe etc. pflegen.

 

Die Frisurenwahl – zähe Verhandlungen, viel Gejammer, Geschimpfe und Frust

Früher war das noch recht einfach mit der Frisurenwahl. Ich wusste wie viel Zeit ich hatte, konnte einschätzen, wie lange die Kleine still halten kann und entschied dann eher nach dem Lustprinzip, was ich denn nun zaubern wollte. Oftmals machte ich die gleiche Frisur mehrmals hintereinander, da die Scheitel noch gut zu sehen waren vom letzten Mal. Entweder gab es abstehende geflochtene Zöpfe (zwischen vier und zwanzig, ja nach Laune), eingeflochtene Zöpfe (in den verschiedensten Anordnungen) oder Püschelzöpfe. Das war eine schöne Zeit.

Denn jetzt redet Madame mit. Inzwischen ist sie relativ verständig, dass manche Dinge einfach nicht gehen mit ihren Haaren. Rapunzelhaare (!!) gehen natürlich gar nicht, dafür sind ihre einfach nicht lang genug. Davon ab, fallen ihre Haare nicht locker nach unten, sondern stehen eher ab… Aber auch die Variante mit zwei langen geflochtenen (Anna-)Zöpfen scheitert einfach an der Haarlänge.

Am liebsten ist ihr sowieso ihre „Elsafrisur“. Für fachkundige (Mädchen)Eltern: die Frisur vom Anfang aus der Krönungszeremonie. Vorne eine Ponysträhne abteilen, der Rest in einen Püschelzopf. Ponysträhne eindrehen oder einflechten, zum Zopf hindrapieren, feststecken. Kind glücklich. Also fast..

…denn damit kann man leider keinen Helm tragen. Und somit auch kein Laufrad fahren. Also wird jedesmal verhandelt, was wir machen. Einflechten, Twists, Rasta, Elsa, Halbafro, Irokesenfrisur…. Selbst nach geglückter Einigung gibt es weiter Gemurre.

Denn Haare frisieren ziept. Immer. Scheitel ziehen ziept, Strähnen abteilen ziept, flechten/eindrehen ziept. Die böse, böse Mama!! (Aber Abschneiden wäre noch viel gemeiner 😉 )

Stillsitzen ist auch nicht immer so einfach. Und so mache ich es mir leicht: ich setze mich mit ihr vor den Fernseher und schau mit ihr fern. Sehr gerne Disneyfilme ( war klar, woher sonst kommen ihre Frisurenideen) oder eine Kinderserie über Netflix. Nur so habe ich überhaupt eine Chance erfolgreich ihr Haare zu bändigen.

Zum Abschluss der ganzen Prozedur geht die kleine Maus übrigens zum Spiegel und kontrolliert (!) meine Arbeit. Echt jetzt! Betrachtet sich von allen Seiten mit ernstem Gesicht, überprüft ganz genau den Sitz ihrer Frisur und fährt mit ihren Händen darüber. Irgendwann lächelt sie zufrieden und lobt mich dann.

Insgesamt sind wir bestimmt gut 1-2 Stunden mit ihren Haaren beschäftigt. Je nachdem, wie lange was einwirken muss und welche Art Frisur es denn werden soll. Von daher bin ich wirklich froh, dass wir das nur einmal die Woche machen müssen. Die tägliche Pflege dauert zum Glück nur ein paar Minuten.

Ach übrigens, nicht nur direkt nach dem Frisieren kontrolliert das liebe Kind die Haare. Auch morgens vor dem Kindergarten wird kritisch geprüft und ich zur Nachbesserung heranzitiert. Denn lose Haare gehen mal gar nicht.

To be continued,

M.

Advertisements

#bloggerhausen Teil 2: Drei auf einen Streich

Die liebe Jessi von Terrorpüppi hatte ja vor geraumer Zeit zu ihrer Blogparade #bloggerhausen aufgerufen. Diesem Ruf war ich ja auch brav gefolgt und habe dazu Teil 1 verfasst. Nun war ja Sinn und Zweck der ganzen Sache, dass man zwar sich selbst betrachtet in seiner Rolle als BloggerIn, aber ebenso andere. Zu diesem Zwecke wurden jedem Teilnehmer drei andere Blogs zugelost, derer er sich annehmen sollte. Für mich hat die Lostrommel folgende Blogs ausgelost: so schön unperfekt, MomsOffice, Wurzeln und Flügeln.

Angesichts der Tatsache, dass ich momentan nicht so viel Zeit zum Bloggen habe, werde ich mich allen dreien in einem Post widmen. Somit gleich zum ersten Kandidaten!

So schön unperfekt

Bei „so schön unperfekt“ schreibt Daniela, Ende 20, Heilerziehungspflegerin, Mutter einer Tochter und Frau „des (eigenen) Superheldens“. Das Design ihres Blogs ist sehr harmonisch und klar gegliedert. Auf der Seitenleiste findet sich fast alles, was das Herz begehrt: ihr Archiv, die Kategorien, Folgemöglichkeiten und auch die Verlinkungen zu Twitter und Facebook. Darüber hinaus hat sie noch ein zweites Menü, dass neben der Startseite, Informationen über sie bereithält, sowie ihre Blogroll und eine eigene Seite für den Kindermund.

Die Blogroll ist mit sehr viel Liebe gemacht. Zu jedem Link gibt es eine kleine Beschreibung, die einem eine gute Vorstellung gibt, was einen erwartet und somit zum Weiterklicken und -lesen einlädt. Ihrer Selbstbeschreibung hat sie noch einige Links hinzugefügt, zu eigenen Seiten, auf denen man noch mehr über sie erfahren kann. Definitiv eine Idee, die ich mir für meinen eigenen Blog merken werde. 😉

Daniela bloggt seit noch nicht einem Jahr, das allerdings mit sehr viel Gefühl und Herzblut. Ihren Schreibstil mag ich sehr, er ist natürlich und lässt sich sehr gut lesen. Bei der Durchsicht gab es viele Posts, die mir gefallen haben, beschränke mich hier aber auf einige wenige:

Warum ich ohne Beleghebamme keine weiteren Kinder haben möchte

Neue Erkenntnisse oder auch Superhelden können Glucken sein

Es schreit und schreit und schreit…

Verbesserungsvorschläge habe ich keine. Wir beide schreiben noch nicht so lange und das bisschen Erfahrung mehr (wenn man überhaupt davon sprechen kann) ist nicht Anlass zu urteilen. Einige Ideen werde ich für mich mitnehmen. Ansonsten kann ich nur sagen: FOLGT. Ich tue es auch.

MomsOffice

Hier schreibt Sam, Mutter zweier Söhne über ihr Leben und ihre Erfahrungen. Mit dem Vater ihrer beiden Jungs ist sie nicht mehr zusammen, dieser ist nach wie vor noch präsent in deren Leben. Das Layout ist klar und gut gegliedert, leicht business-like wie es bei dem Namen auch zu erwarten war. Auf der Randleiste findet man Verlinkungen zu den letzten Beiträgen, ihre Kategorien, das Archiv und ihre letzten Tweets.

Die Texte hingegen sind nicht „business-like“, sondern direkt aus ihrem Leben gegriffen. Auch hier sagt mir der Schreibstil sehr zu und berührt mich. Sam hadert ein wenig damit, wie sehr sie ins Detail gehen soll und was sie alles in einen Blogbeitrag einbringen möchte. Dies wird insbesondere hier deutlich.

Die Frequenz ihrer Beiträge variiert. Das Leben mit Kindern, Arbeiten und allem drumherum geht bei ihr einfach vor uns so sehr ihr das Bloggen auch Spaß macht, es muss halt zurückstecken hinter den wichtigen Dingen des Lebens. Aus meiner Sicht eine sehr vernünftige Einstellung und sehr gut nachvollziehbar. Denn das, was sie dann bloggt, ist dafür umso prägnanter.

Besonders gefallen haben mir die folgenden Beiträge:

Bereuen ist das falsche Wort

Die Pubertät und der Sohn auf Abwegen

10 Jahre Zweifachmami! – Ein melancholischer Rückblick

Spannend finde ich ihre Erzählungen von daher, da sie nicht nur Mutter zweier Jungs ist, sondern diese schon älter sind als meine Tochter. Die Themen sind ganz andere als die aus meinem Alltag und eröffnen mir eine ganz andere, neue Welt. Auch hier: Prädikat lesenswert!

Wurzeln und Flügel

Der dritte Blog in der Runde war mir wie die beiden davor noch unbekannt. Der Name ist einem Zitat von Goethe entliehen:

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel

Jasmin ist Mitte dreißig, verheiratet und Mutter zweier Jungs. Ihr Blog befasst sich sehr umfassend mit den Themen Achtsamkeit, Dankbarkeit und Selbstreflexion (und natürlich ihr Familienleben). Ihr Layout spiegelt dies auch sehr schön wieder. Besonders gefällt mir die kleine Selbstvorstellung in der Seitenleiste, so weiß man immer, worum es geht und wer schreibt. Darüberhinaus findet man dort Informationen zu den meistgelesenen Beiträgen, Verlinkungen zu facebook und Twitter sowie eine Blogroll.

Einen großen Anteil an den Beiträgen haben wiederkehrende Elemente. In Mach dein Denken zum Danken listet sie regelmäßig auf wofür sie dankbar ist. Auch ist sie fleißige Teilnehmerin an 12von12 und Wochenenden in Bildern. Leider muss ich gestehen, dass diese Rubriken von mir gerne übersprungen werden. So habe ich auch hier nur überflogen, was Jasmin verfasst hat. Interessanterweise inspiriert mich ihr Umgang mit Dankbarkeit und Achtsamkeit. Zwar nicht für meinen eigenen Blog, dafür für mein Privatleben. Ich schätze, ich werde noch das ein oder andere Mal darauf zurückgreifen, wenn ich mich selbst mit der Thematik näher auseinander setze.

Darüberhinaus habe ich noch einige andere lesenswerte Post gefunden. Um nur ein paar zu nennen:

Nachbarkeitsplausch über Vereinbarkeit

Das Leben als Chance

Blogparade #Familienalbum: meine Geburt in den 70ern

Da Jasmin „erst“ seit November bloggt, habe ich tatsächlich bis zum Ende bzw Anfang gescrollt. Um festzustellen, dass es sehr viele schöne, persönliche Beiträge gab gerade in der „Frischling-Phase“. Diese kleinen Perlen musste ich mir aber hart erkämpfen, weswegen ich hier ausnahmsweise einige kleine Verbesserungsvorschläge anbringen möchte. Ich glaube, dass man mit Kategorien und einem Archiv es dem Leser erleichtern kann, besser zu den für ihn interessanten Beiträgen zu kommen. Und ganz persönlich wünschte ich mir mehr von den ursprünglichen Posts. Der Schreibstil ist wunderbar und schön zu lesen, von daher immer mehr davon!

Und da ich nicht die Einzige bin, die andere Blogs vorstellen soll, hier noch einen Link zu Part 2 bei Terrorpüppi. Hier gibt es dann auch die Auflistung aller Blogvorstellungen. Schaut doch einfach mal rein! Wer weiß, was man dort noch alles entdecken kann.

More is yet to come,

M.

 

Familienhebammen: Engel oder Teufel?

Anfang der Woche wurde ich von Lena von der Schmetterlingsfamilie gebeten, ein wenig von meinen Erfahrungen rund um die Familienhebammen zu berichten. Da dies sowieso schon seit längerem auf meiner Agenda steht, setze ich es jetzt einfach mal um. 😉 Und zwar in Form eines Interviews mit mir selber.


 

Du hast nach der Geburt Deiner Tochter eine Familienhebamme in Anspruch genommen. Kannst Du bitte kurz erzählen warum?

In der Schwangerschaft war mir schon klar, dass die Situation nach der Entbindung sehr schwierig für mich werden bzw. mich einfach überfordern könnte. Und im Endeffekt hat sich das alles bewahrheitet. Nach der Geburt ging es mir nicht nur sehr schlecht körperlich, auch meine Tochter war nicht unversehrt – gottseidank nur vorübergehend, aber das stand damals ja noch nicht fest. Die Situation mit meinem Freund war auch recht schwierig. Anfangs durfte er nicht mit mir zusammen leben aufgrund seines Aufenthaltsstatuses. Das mussten wir direkt nach der Geburt erst einmal klären. Auch der restliche Behördenkram blieb an mir hängen – also meiner, seiner und von der kleinen Maus. Hinzu die Arztbesuche für meine Kleine inklusive Physiotherapie zweimal die Woche. Es war nicht einfach. Mir wurde es zuviel.

Woher wusstest Du überhaupt von den Familienhebammen? Wurde Dir dazu geraten?

Zusammen mit dem Mutterpass bekam ich vom Frauenarzt ganz viel Broschüren und Ratgeber. Und mit dabei war dann auch etwas über Familienhebammen. Auch im Internet bin ich mal darauf gestoßen. Überhaupt habe ich extrem viel gelesen und recherchiert in der Schwangerschaft. Die Hormone…

Die Informationen behielt ich die ganze Zeit im Hinterkopf und als ich dann wirklich überfordert war, habe ich dann meine reguläre Hebamme gebeten, den Kontakt herzustellen. Witzigerweise war sie sogar mit einer der Verantwortlichen bekannt, dass erleichterte den Kontakt schon ein wenig.

Hattest Du denn keine Bedenken, dass Du Dir damit selber ein Stempel verpasst? Dir vielleicht das Kind weggenommen werden könnte?

Ich finde, da muss man ein wenig unterscheiden. Zuallererst ist es ein zusätzliches Hilfsangebot. Das kann sich genauso an die Teenie-Mutter richten wie an die Zwillingsmutter. Sie helfen auch, wenn es aufgrund eines Migrationshintergrundes Schwierigkeiten gibt. Auch bei sozialer Isolation helfen sie ein entsprechendes Netz zu spannen. Es sind halt nicht nur „die Problemfamilien“, ohne Einkommen, mit Gewalt und Suchtproblemen. Aber zum Teil dann halt auch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich anonymisiert für drei Monate helfen zu lassen. Quasi also Kurzzeithilfe ohne das eine Akte beim Jugendamt angelegt wird. Oftmals braucht es nämlich nur eine Orientierung, wo man die Unterstützung und Hilfe über ander Organisationen bekommen kann. In dem Fall droht einem dann nichts, da das Jugendamt gar keine Kenntnis erlangt hat.

Außerdem finde ich, hat es einen sehr viel positiveren Touch, wenn man sich selbst Schwächen eingesteht und Hilfe einfordert. Man signalisiert, dass man etwas ändern möchte und die Hilfen greifen dann auch viel besser. Wenn man erst versucht alles allein zu regeln, es nicht schafft und dann das Jugendamt von außen zugeschaltet wird, dann ist die Wahrnehmung nicht mehr ganz so positiv.

Für welche Regelung hast Du Dich dann letztendlich entschieden?

Anfangs habe ich das Drei-Monats-Modell gewählt. Einfach um zu sehen, ob und was es mir bringt. Auch, ob die Überforderung nur temporär ist oder doch längerfristig. Nach Ablauf der Zeit setzten wir uns noch einmal zusammen, wie es weitergehen solle. Bei den Familienhebammen ging es für mich nicht weiter, wir beschlossen eine andere Form der Unterstützung.

Wie lief der erste Kontakt zu den Familienhebammen ab?

Ganz genau weiß ich nicht mehr, ob ich damals anrief oder meine Hebamme. Das Erstgespräch zur Einschätzung fand bei mir in der Küche statt. Die beiden Verantwortlichen kamen vorbei – die eine war Familienhebamme, die andere Sozialpädagogin, glaube ich.

Natürlich war es erst einmal komisch. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, dass man es doch nicht auf die Reihe bekommt. Jedenfalls nicht alles. Mir wurde schnell signalisiert, dass ich Hilfe bekommen sollte, nur das WANN war noch nicht klar. Der Bedarf ist manchmal einfach zu hoch. Für den Anfang reichte mir die Aussage aber und die Hilfe begann dann glaube ich auch zwei Monate später.

Wie lief das dann ab? Also die konkrete Hilfestellung? Und was war mit der regulären Hebamme?

Die normale Hebamme machte ganz normal ihre Arbeit. Wochenbettbetreuung und noch einige Termine darüberhinaus zum Thema Abpumpen, Beikost etc. Die Termine mit der Familienhebamme waren unabhängig davon. Anfangs war es viel Behördenkram. Anträge stellen. Einsprüche formulieren. Auch viel rechtliches.

Manchmal war es schon halb therapeutisch. Sie hörte mir zu, nahm meine Befindlichkeiten ernst. Für mich war es ganz praktisch, dass sie selbst Kinder von einem Afrikaner hatte. Viele Dinge konnte sie einfach besser nachvollziehen bzw konnte einfach aus eigener Erfahrung heraus auch Tipps geben.

Sie hat aber auch daran gearbeitet, meine soziales Netz zu verbessern. Machte mich mit dem „Gemeinsam wachsen“ – Konzept in Hannover bekannt und begleitete mich in eine solche Babygruppe. Zudem machte sie mich mit einem ihrer anderen Schützlinge bekannt. Auch eine junge Mutter, deren deutsch-afrikanische Tochter nur eine Woche jünger war als meine.

Worüber wurde das überhaupt finanziert? Übernimmt das dann auch die Krankenkasse?

Die Krankenkasse hat damit überhaupt nichts zu tun. Meines Wissens haben die Familienhebammen ein eigenes Budget, dass aus dem Topf des Jugendamtes gespeist wird.

Das hört sich jetzt ja alles sehr positiv an. Gibt es auch Dinge, die dich gestört haben?

Doch, ein paar Dinge gab es schon. Meine Familienhebamme war in vielen Dingen recht gemächlich. Gerade bei den behördlichen Geschichten hätte ich jemanden gebraucht, der mich mehr in den Hintern tritt. Das fiel mir dann insbesondere auf, als sie Urlaub hatte und ich mit ihrer Vertretung gearbeitet habe. Die nämlich genau das gemacht hat.

Auch manche Empfehlungen kann ich aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen bzw finde ich nicht so prickelnd. Mir wurde zum Beispiel massiv davon abgeraten meinem Freund „seinen Teil“ des Sorgerechts zuzugestehen. Dabei war schon klar, dass es mit der neuen Gesetzeslage, relativ einfach sein würde, dies einzuklagen. Er solle sich halt erstmal beweisen, bevor er überhaupt Rechte an unserer Tochter bekommt. Ich kann zwar nachvollziehen, dass bei den Fällen, die sie meist betreuen, oftmals die Vorurteile bestätigt werden. Aber unser Fall liegt doch anders und das wurde so nicht berücksichtigt.

Auch die generelle Empfehlung des „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – Buches irritiert mich rückblickend. Also die uneingeschränkte Empfehlung. Auch da sehe ich den Kontext. Trotzdem gilt es da meiner Ansicht nach abzuwägen.

Zum Ende der Betreuungszeit lief es für mich dann noch etwas unglücklich. Erst war meine Familienhebamme im Urlaub, anschließend noch einige Zeit krank. Meine Hilfe ging dann zuende, ohne dass ich sie noch einmal gesehen hatte. Komplett ohne Abschied. Dadurch wurde auf versäumt, weitere Hilfen zu planen. Die Vertretung nahm das dann noch schnell in die Hand. Das Gespräch beim Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) begleitete sie noch – in ihrer Freizeit, da ich schon offiziell raus war.

Was würdest Du jemanden raten, der sich überlegt die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch zu nehmen?

Zuallererst sollte sich der Betreffende informieren, ob es das tatsächlich in seiner Stadt oder Umgebung gibt. Das gibt es glaube ich nicht überall. Auch wie die Organisationsstruktur genau geregelt ist, ist unterschiedlich. Von der Hierarchie her steht das Jugendamt ganz oben. In Hannover kommt dann der KSD und dem untergeordnet die Familienhebammen. In anderen Städten ist das anders.

Es kann wohl auch einen Unterschied machen, in welcher Stadt man lebt. Gerade in den Ballungsgebieten, in denen das Jugendamt stark gefordert wird, wo es schon negative Schlagzeilen gab, kann man dann vielleicht wirklich den falschen Stempel bekommen.

Trotzdem finde ich, dass ein erstes Beratungsgespräch nicht schaden kann. Es ist vertraulich. Bedenken können angesprochen werden, Abläufe erfragt. Man kann ja erst mit den drei Monaten anfangen und es dann immer noch ausweiten. Klar sollte aber sein, dass mit dem ersten Geburtstag des Kindes Schluss ist mit der Hilfe. Sollte man darüber hinaus noch Hilfe benötigen, geht das dann nur über andere Hilfen. Und die sind in der Regel auch nicht probeweise anonym.

Möchtest Du zum Ende noch etwas hinzufügen?

Ja, ich möchte gerne betonen, dass dies meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe. Vielleicht hatte ich Glück mit meinen Hilfen bis heute oder auch nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Unterstützung er oder sie braucht und auch zulassen kann.

Auch das Bewusstsein sollte da sein, dass man das Jugendamt unter Umständen nicht mehr so schnell loswird wie man es gerne hätte, wenn man ihm erst einmal Einblick in sein eigenes Leben gegeben hat. Das hängt aber sicherlich auch von den Verhältnissen zu Hause ab, ob sie prekär sind und wenn ja, wie sehr.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass es auch mal eine positive Geschichte zu dem Thema gibt. Denn gerade in Internetforen werden Horrorgeschichten rumgereicht. Wo das Jugendamt falsch interveniert hat mit Kindesentzug etc. An einigen Geschichten ist bestimmt etwas dran. Bei vielen ist nur ein Teil der Fakten bekannt. Und wenn diese Horrorgeschichten auf subjektive Weise erzählt werden, dann kann ich das mit meiner positiven auch!


Da meine Erlebnisse mit den Familienhebammen schon etwas zurückliegen (2012) habe ich noch fix halbherzig gegoogelt, um noch ein paar Links anbieten zu können, die bei Interesse gelesen werden könnten. Viel Spaß.

Familienhebammenzentrale in Hannover (nach meiner Zeit)

Hebammenverband über die Familienhebammen

Familienhebammen über sich selbst

Wenn jemand noch Fragen hat, stellt sie mir ruhig. Entweder beantworte ich das dann in den Kommentaren oder ich ergänze das oben noch in meinem Interview.

More is yet to come,

M.

 

#bloggerhausen: eine Welt für sich – und ich

Die liebe Jessi von Terrorpüppi hat zu einer Blogparade aufgerufen. Es dreht sich rund um die Bloggerwelt – wie man sich selbst sieht und die anderen Blogger, was einem wichtig ist oder vielleicht auch fehlt. Und da ich mich ja immer angesprochen fühle von Blogparaden, fühle ich mich mal wieder genötigt meinen Senf dazu zu gegeben.

Da ich nach wie vor noch nicht wieder ganz in meiner Blogroutine angekommen bin, werde ich mich erstmal an den Fragen von Jessi entlanghangeln und schauen, wohin es mich führt. 😉

Beschreibe deinen Blog in drei Worten

Bah, dass fängt ja gut an! Sowas kann ich ja überhaupt nicht. Mamablog, selbstkritisch, leicht durchgeknallt. Oder so.

Beschreibe dich als Blogger bzw. Bloggerin in zwei Sätzen

Bei mir dreht sich zuerst einmal alles um das Muttersein und Kindhaben, gerade im Bezug dazu, dass ich ja so einiges an Vorgeschichte und psychischen Merkwürdigkeiten mitbringe. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit noch anderen Themen, meist eher kritisch und hinterfragend, auch gerne mir selbst gegenüber. (Vielleicht hätte ich das auch nur gerne so XD )

In welchen Situationen und welchen Menschen erzählst du außerhalb des Internets von deinem Blog?

Meine engste Familie weiß schon, dass ich blogge. Aber in der Regel liest von denen keiner mit. Manchmal verschicke ich einen Link, wenn ich möchte, dass sie den Beitrag auch lesen. Ansonsten unterstützen sie mich dabei, da mir das blogge sehr gut tut. Oftmals diskutiere ich mit meinem Vater oder meiner Mutter, was mir zu bestimmten Themen durch den Kopf geht und sortiere so schon, was später dann geschrieben wird.

Auch meine engsten Freunde wissen, dass ich blogge. Wenn ich mich spezifisch auf sie beziehe, dann frage ich sie vorher bzw. lasse sie vor dem Veröffentlichen noch einmal rüber schauen. Eine Freundin folgt mir sogar und liest wirklich alles von mir. Oftmals diskutieren wir noch im Nachhinein darüber. Sie ist aber die Einzige, bei der ich diese „Blognähe“ haben möchte. (hey Schnuggi! *wink in die Kamera*)

Mein restliches Umfeld weiß nichts, es geht sie nichts an. Zumal ich ja nicht umsonst anonym blogge.

Welchen Blog – abgesehen von deinem eigenen – würdest du mir als allererstes empfehlen wollen?

Wieder so eine gemeine Frage! Ich finde, es kommt auch ein wenig darauf an, wem man etwas empfehlen möchte. Da ich mich größtenteils in der Elternblogger-Ecke rumtreibe, kommen die meisten Empfehlungen aus dem Bereich. Auch für Nicht-Eltern sehr unterhaltsam finde ich Christian vom Familienbetrieb und auch Andrea Harmonika mit gleichnamigen Blog. So unterhaltsam, wie beide schreiben, ist es (fast) egal, worüber. Übrigens noch lustiger, wenn man sie jemand anderem vorliest.

Welchen Blogger oder welche Bloggerin möchtest du gerne mal im richtigen Leben kennenlernen?

Das sind so viele! Bei manchen würde ich wahrscheinlich keinen Ton raus kriegen, einfach weil sie zu den „Etablierten“ gehören oder ich deren Schreibweise beneidens- und bewundernswert finde. Angefangen mit den beiden oben Genannten. Auf die Liste käme auch Séverine aka Mama on the rocks. Jessi (Terrorpüppi) und Lena (Elfenhimmel / Schmetterlingsfamilie) gehören genauso dazu. Auch Christine von Mama arbeitet beeindruckt mich sehr, ich würde gerne wissen, wie sie im „realen“ Leben ist.

Wenn du dir aussuchen könntest, mit jemanden ein Interview auf deinem Blog zu führen – egal mit wem – wer wäre das?

Mit meiner Stiefmama. Ich vermisse sie nach wie vor. Sie war ein sehr interessanter Mensch, mit vielen verschiedenen Erfahrungen und Geschichten. Auch wenn ich schon viele gehört habe, so gibt es einige, die ich nicht kenne. Ich werde sie nie zu hören bekommen und das bedauere ich sehr.

Welche Art von Beiträgen liest du gerne auf anderen Blogs?

Die persönlichen Erlebnisse. Darüber, was gut funktioniert oder nicht, mit all den Fehlern und Aha-Momenten, die das normale Leben mit sich bringt. Das muss sich nicht nur um die Familie im engeren Sinne drehen, sondern sich auf alle Bereich des Lebens erstrecken. Von sehr ernst bis urkomisch ist bei mir alles willkommen.

Auch freue und amüsiere ich mich immer sehr über Tweetsammlungen. Gerne auch Blogpostempfehlungen, oftmals stößt man so auf andere Blogger oder Themen, die einem gefallen können.

Welche Art von Beiträgen magst du überhaupt nicht gerne auf anderen Blogs lesen?

In den meisten Fällen DIY, sehr viele der gesponserten Posts, Verlosungen und Buchbesprechungen. Es gibt immer wieder Ausnahmen, aber grundsätzlich überspringe ich das direkt.

Was hast du dich beim Bloggen schon „immer“ gefragt?

Warum kann ich mir nie merken, wie ich es im Kopf vorformuliert habe? Immer wenn ich mich dann hinsetze klingt es nicht halb so gut. Daraus ergibt sich oft: wie bekommen das die anderen hin? Ich will auch so pointiert, so witzig oder warmherzig schreiben können!! Und auch: wo nehmen die die Zeit, Energie oder Muße her, so produktiv und gut zu sein?

Was würdest du Blogger-Neulingen raten?

Lies bei anderen, um ein Gefühl für die Bloggerwelt zu bekommen. Lass dich von Themen inspirieren oder auch Rubriken. Schreibe einigermaßen verlässlich. Speichere Entwürfe aus produktiven Phasen für den Notfall. Geh zu Twitter. Echt jetzt. Dieser Schritt ist bei mir noch gar nicht so lange her und ich ärgere mich, das nicht schon früher gemacht zu haben.

Ganz wichtig finde ich auch, wenn man sich vernetzen will: kommentiere bei anderen. Und zwar mehr als: Oh, wie schön, ich hab ähnliches geschrieben [LINK]. Nimm Bezug auf den Inhalt. Auch wenn der Blogbesitzer nicht die Zeit finden sollte, mal zurückzuschnuppern, der ein oder andere Leser könnte neugierig werden und mal reinlesen. Das gilt übrigens auch für Twitter.

Was ich gerne nutze, sind Blogparaden. Nach meiner ersten sind direkt kurzfristig meine Blogstatistiken explodiert, jedenfalls für meine Verhältnisse. Seitdem sehe ich zu, regelmäßig bei diesen Aktionen teilzunehmen. Quasi als Ego-Boost. 😉

Was wünscht du dir für das Miteinander in der Blogosphäre?

Im Moment bin ich ganz zufrieden. Vielleicht weniger Empörung. Dass bestimmte Themen offen und differenziert diskutiert werden und diese oftmals von außen angestoßen werden, finde ich absolut wünschenswert. Manchmal ist es aber eher wie ein emotional sehr aufwühlender Empörungssturm, der durch die Twitter- und Bloggergemeinde rauscht. Und da solche Themen, oftmals sehr schnell hintereinander auftreten, finde ich das auf die Dauer sehr anstrengend. Gerade, wenn dann sehr verbissen diskutiert wird und zum Teil auch einzelne Blogger „aufs Korn“ genommen werden. Natürlich ist ein kritische Auseinandersetzung wünschenswert und wer sich den Frust von der Seele schreiben muss, der soll das tun. Aber in letzter Zeit ist es für mich fast too much.

Das soll es von mir jetzt erst einmal gewesen sein. Mit mehr Zeit und Planung wäre wahrscheinlich noch mehr möglich gewesen, aber momentan fordert meine kleine, kranke Maus viel Aufmerksamkeit. Und den Platz auf meinem Schoß.

Ich freue mich auf den 2.Teil!

M.

#geschichtenvomscheitern: Die Taufe, a never-ending story?

So, da es mir nach wie vor schwer fällt die letzten Wochen und alles, was damit zusammen hängt, in Worte zu fassen, nutze ich mal wieder eine Blogparade, um mich zu Wort zu melden. Die liebe Alu von Grosse Köpfe sammelt gerade Geschichten vom Scheitern. Ursprünglich war die Aktion bis Ende März geplant, zu meinem Glück dann aber freundlicherweise verlängert. Puh! Dementsprechend ist schon viel zusammen gekommen. Wer also noch mehr lesen will, der sucht entweder unter #geschichtenvomscheitern oder klickt hier und schaut sich das bei Grosse Köpfe in der Übersicht an.

Zum Thema Scheitern könnte ich richtig viel beitragen, gerade rückblickend gehe ich nicht sehr wohlwollend mit mir um. Ob nun das abgebrochenen Biologiestudium, gescheiterte Beziehungen (inklusive der zu dem Vater meiner Tochter), psychische Tiefpunkte oder gescheiterter Berufswiedereinstieg. Wahrscheinlich könnte ich mit meinem persönlichen Versagen eine ganze Blogparade selbst bestreiten. Aber das will ich weder mir noch euch zumuten.

Von daher habe ich mich jetzt auf ein Thema begrenzt – und zwar eins, bei dem ich nicht so völlig deprimierend und selbstzerfleischend daherkomme. Tut mir nicht gut und ist auf Dauer auch nicht unbedingt lesenswert.

Nun gut, dann jetzt endlich mal zum Hauptthema: es geht um die Taufe meiner kleinen Maus. Schon in der Schwangerschaft waren wir Eltern uns einig, dass das liebe Töchterlein getauft werden sollte. Und zwar relativ zeitnah, aber nicht im Wochenbett. Ich persönlich habe mit der Kirche nicht viel am Hut. Bin nicht getauft, war nie wirklich im Gottesdienst. Dafür aber im Religionsunterricht in der Schule und im Kinderkirchenchor. Bei meinem (damaligen) Freund sah das schon ein wenig anders aus. Er ist wirklich gläubig. Über den Weg gelaufen sind wir uns damals nur, weil er von der Kirche kam und ich von meinen Großeltern. Allerdings kennt er sich mit den europäischen Gebräuchen nicht wirklich aus als Nigerianer.

Soviel zu unserer Planung. Völlig blauäugig hatten wir nun beschlossen, dass unser Kind getauft werden sollte – hatten aber keine Ahnung, wie das nun abläuft. Die erste Zeit nach der Geburt unserer Kleinen war an eine Taufe überhaupt nicht zu denken. Arztrennerei war angesagt, genauso wie die überaus unerfreulichen Behördengänge. Zuständig war immer ich. Darüber hinaus mussten wir dringend umziehen, meine Wohnung war definitiv zu klein für uns drei. Da rückte für mich das Thema Taufe sehr schnell nach unten auf meiner To-Do-Liste.

Trotzdem stand dann irgendwann ein Erstgespräch an in einer nahegelegenen Kirche. Per Telefon (?!) wurde uns die ersten Abläufe und „Anforderungen“ mitgeteilt und dann ein Termin zur Taufe vereinbart. Vorher dann noch ein „Kennenlern-Gespräch“. Der Aufforderung, uns mal einen Gottesdienst anzuschauen, kamen wir nach. Für mich Stress pur, da die Kleine mit damals vier Monaten nicht mehr ganz so pflegeleicht war.

Und bei dem Kennenlern-Gespräch stellte man dann fest, dass wir doch mehr Probleme bei den Vorplanungen hatten als gedacht. Taufspruch hätte der Pastor uns noch geben können. Mit den Taufpaten wurde es dann schon schwieriger. Die hatten dann nämlich die falsche Konfession, wenn sie denn überhaupt getauft waren. Wir spielten verschiedene Szenarien durch, die für den Pastor denkbar wären, aber letztendlich scheiterte es an einem evangelisch getauften Paten. Den hatten wir nämlich nicht. Und da dann langsam der Umzug anstand, verschoben wir den ganzen Spaß. Dann sollte die kleine Maus halt in der neuen Gemeinde getauft werden.

Bei all dem war der Vater des Kindes nicht wirklich hilfreich. Er konnte das alles überhaupt nicht verstehen, dieses ganze bürokratische Gedöns. In Afrika bräuchte man keine Paten und noch nicht mal einen Gottesdienst. Eltern, Taufbecken, Kind, Pastor – reicht. Auch half es nicht besonders, dass er den Frust an mir abließ, sich aber mit den sprachlichen Barrieren aus jeder Verantwortung stahl. Meine Kultur – mein Problem. Dass ich es jetzt nicht so dringend hatte, sie taufen zu lassen, war ihm irgendwie nicht so klar.

Naja, erstmal umziehen, dann kann man das ja wieder in Angriff nehmen. Denkste! Denn neben Renovierung, Umzug und Neu-Einrichten blieb anfangs nicht viel Zeit. Auch der Schlafmangel machte es nicht besser ( halt das erste Jahr, nicht?). Es wurde auch dadurch nicht besser, dass er als Vater immer weniger präsent war. Sowohl als Vater als auch als Partner. Die Ansprüche an mich stiegen, seine Erwartungshaltung auch – nur seine Mithilfe nahm stetig ab. Noch vor dem ersten Geburtstag unserer Tochter trennten wir uns. Bis er auszog, verging noch ein halbes Jahr, in dem wir immer heftiger stritten und uns fast schon spinnefeind waren.

Nach seinem Auszug war zwar er als Stressfaktor nicht mehr permanent präsent vor Ort, dafür ging es jetzt vermehrt um Umgang und dergleichen. Und mir fehlte es doch auch an Entlastung und Mithilfe. Sich mit einem Mal darauf einzustellen tatsächlich alleinerziehend zu sein, ist doch noch etwas ganz anderes, als wenn man das im Vorfeld versucht zu planen. Thema Taufe? Ach komm, wir schauen dann, wenn es wieder ein wenig ruhiger geworden ist.

Als nächster vorgeschobener Grund durfte dann die Krippenplatz-Suche herhalten. Oder meine persönliche Suche nach einem Therapieplatz. Dazu den Versuch, mir selber Auszeiten zu gönnen. Achja, und dann habe ich ja mit dem Führerschein angefangen, dass passte sich gerade so gut. Erwähnte ich schon, dass der Vater des Kindes nicht sehr verlässlich war?

Im Endeffekt gab es immer wieder Gründe, warum ich das mit der Taufe immer wieder aufschob. Damals hatten wir das mal beschlossen, als wir noch ein Paar waren. Aus meiner Sicht wollte ich es ihm zuliebe machen. Doch wir waren kein Paar mehr. Und diese Ignoranz und Arroganz, mit der er es auf mich abwälzen wollte, die machten es auch nicht gerade besser. Zumal ja das grundlegende Problem weiter bestand: wir hatten keinen Taufpaten!

Seit den ersten Lebensmonaten meiner Tochter steht auf der Agenda, dass sie getauft werden sollte. Tatsächlich kam dieser Punkt immer wieder auf meine To-Do-Listen. Also nach unten. Gaaaanz weit nach unten. Und wurden immer wieder übertragen. Bis… ja bis. Bis mein Ex die Nase voll hatte und selber einen Termin vereinbart hat. In der Kirche direkt um die Ecke. Zwar schaffen wir es nicht mehr vor dem dritten Geburtstag unserer Tochter (der ist diese Woche), aber es sieht sehr gut aus für diesen Sommer.

Nach diesem Erst-Gespräch habe zwar wieder ich die ganze Verantwortung für das Unterfangen, aber es scheint so, dass sich die ganzen Widerstände von selbst auflösen. Zum Einen haben wir jetzt endlich den richtigen Taufpaten. Also eigentlich eher eine Taufpatin. Mit der nicht nur mein Ex und ich einverstanden sind, sondern auch unsere Tochter UND die Pastorin. Letztere zweifelte nämlich ernsthaft daran, dass wir unsere Tochter dann auch im Glauben erziehen würden (Was nebenbei bemerkt eher Aufgabe des Vaters wäre, da immerhin er derjenige ist, der gläubig ist). Zudem gibt es einen Familiengottesdienst in der Kirche, in dem Kinder allen Alters nicht nur willkommen sind, sondern nach deren Bedürfnissen der Gottesdienst ausgerichtet ist. Besonderer Pluspunkt sind die Gospelgottesdienste und der Kinderchor schon ab Kindergartenalter. Die Vorzeichen stehen diesmal deutlich besser.

In meiner Familie hat schon lange niemand mehr daran geglaubt, dass das noch mal was wird mit der Taufe. Ich zum Teil ja auch schon nicht mehr. Und irgendwie hat mein persönliches Scheitern und auch das Scheitern meiner Beziehung zum Vater meiner Tochter dazu geführt, dass auch das Taufvorhaben immer wieder gescheitert ist. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Anläufe es zumindest gedanklich gegeben hat. Inzwischen bin ich sogar froh, dass es so lange gedauert hat.

Denn jetzt haben wir nicht nur eine voll motivierte Patentante, die nicht nur „pro forma“ evangelisch ist, sondern auch ein monatliches Ritual. Familiengottesdienst. Mit der Patentante und deren Kind. Eventuell mal mit der Oma oder dem Papa dazu.

Das passende Kleid hat sich zu dem Zwecke auch gefunden. Ich bekomme die erträumte Sommertaufe. Und meine Tochter darf auch ein wenig mitbestimmen. Die ist nämlich absolut begeistert. Nicht nur von dem Gottesdienst, sondern auch von dem Gedanken getauft zu werden. Natürlich hat sie keine wirkliche Vorstellung davon, was eine Taufe bedeutet. Aber sie hat jetzt schon eine gesehen, sie freut sich darauf, auch Mittelpunkt des Gottesdienst zu werden. Sie freut sich auch auf ihr schönes Kleid, und dass gesungen wird.

Hätte ich vor einem halben Jahr über die Taufe geschrieben, dann wäre es eine reine Geschichte des Scheiterns. Das fortlaufene Wiederholen des ewigen Scheiterns. Eine eher triste und trübe Geschichte.

Jetzt allerdings ist es eine Geschichte vom Überwinden des Scheiterns. Dass es einen Unterschied gibt zwischen Scheitern und Gescheitert-sein. Hätten wir irgendwann den Gedanken aufgegeben, dann wären wir vollendens gescheitert. So wie es jetzt aussieht (und ja, ich bin optimistisch, dass es jetzt tatsächlich klappt!!) werden wir unser Scheitern überwinden. Und bekommen zudem noch eine absolut für uns und in sich stimmige Taufe. Vielleicht gibt es ja einen tieferen Sinn hinter der Sache, warum es vorher nicht hat klappen können oder sollen? Wer weiß?

Und wichtig finde ich die Erkenntnis, dass Scheitern nur ein temporäres Versagen ist. Nur weil etwas gerade nicht stattfinden, klappt oder möglich ist, so ist das nicht für alle Ewigkeit so. Ob nun die richtigen Fähigkeiten/Eigenschaften fehlen, die richtigen Umstände oder der richtige Zeitpunkt, daran lässt sich oftmals noch was drehen. Nur wenn man das Scheitern akzeptiert und nicht mehr dagegen ankämpft, nur dann ist man wirlich gescheitert.

More is yet to come,

M.

 

Was bedeutet Erwachsen sein?

Eigentlich hatte ich ganz was anderes geplant für die nächste „Veröffentlichung“, aber da hat mich folgender Artikel einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Er ist Sinnbild für so viele andere Artikel, die momentan veröffentlicht werden, um auf der heutigen Generation herumhacken – gerne auch mal nur auf den Eltern.

Bevor ich inhaltlich werde, muss ich erst einmal meinem Frust Luft machen. Warum auch immer, aber ich habe das Gefühl, dass es medial so richtig in ist, Elternbashing zu betreiben, im Notfall die ganze Generation runterzumachen. Ob nun „Latte-Macciato-Mütter“,“ Helikoptereltern“, „Generation Y“ oder jetzt die „Generation Nabelschnur“: Hauptsache das Kind hat nen Namen. Dann raus mit dem Prügelstock und gib ihm.

Wäre es mit einem Augenzwinkern geschrieben und nicht omnipräsent medial vertreten, dann würde mich das alles ja nicht stören. Aber aus meiner Sicht nimmt das immer mehr zu. Wir geilen uns daran auf, dass die nachkommende (Eltern-)Generation nichts auf die Reihe bekommt. Vermeintlich. Dass man mit einer pauschalisierenden Sichtweise auch diejenige diskreditiert, die es anders/besser machen, interessiert ja nicht.

Ja klar, früher war alles besser. Aber ganz ehrlich? Auch nicht wirklich, gell? Und was will man damit erreichen, die heutige Generation als Prügelknaben hinzustellen? Garantiert nicht das Leben erleichtern! Und durch die Globalisierung werden wir (ja ich zähle mich auch dazu, deswegen trifft es ja nen Nerv bei mir) schon genug verunsichert, da brauchen wir nicht noch die „Gesellschaft“ im Nacken, die uns scheinbar die ganze Zeit verurteilt und der wir nichts Recht machen können.

Und jetzt werde ich mal inhaltlich. 😉

Prinzipiell soll ja nur die Frage aufgeworfen werden, wie eigenständig man sein muss, um als Erwachsen zu gelten. Aufgrund der längeren Schul- und Ausbildungszeit verschiebt sich das Auszugsalter nach hinten, da vorher eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schwer möglich ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass es tatsächlich mehr Nesthocker gibt, die „Hotel Mama“ weit über die tatsächliche Notwendigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich finde ich diese Beobachtungen und Interpretationen nicht falsch. Auch die Herangehensweise finde ich nicht falsch. Doch dann fängt es für mich an zu kippen. Erst wird erwähnt, dass selbst nach dem Auszug die Kinder weiterhin engen Kontakt zu den Eltern pflegen, sogar gemeinsame Urlaube planen. Danach wird der Bogen zu den „wahren“ Nesthockern geschlagen, die sich absichtlich in die Abhängigkeit zu den Eltern begeben aus Bequemlichkeit. Am Schluss endet der Bogen bei den Eltern, die aus narzisstischen Gründen ihre Kinder unterstützen, emotional wie finanziell. Zwar wird auch angegeben, dass aufgrund der Globalisierung die Kindergeneration stark verunsichert ist aufgrund der Unüberschaubarkeit und Unplanbarkeit der zukünftigen Karriere. Es endet offen mit der Frage, ab wann man erwachsen ist, aber irgendwie…

… ja, bekomme ich als Leser das Gefühl, dass eine gewisse Nähe zwischen Eltern und Kindern ab einem bestimmten Alter nicht mehr angemessen ist. Warum?

Nachdem wir jetzt die Freiheit genossen haben, die die Globalisierung uns möglich gemacht hat, stellen wir so langsam fest, dass es schon von Vorteil ist, Wurzeln zu haben. Alles ist so unbeständig, so schnelllebig und wechselhaft, da tut es gut einen verlässlichen Hafen zu haben. Die Anforderungen an uns als Person, Frau, Mann, Eltern, ArbeitnehmerIn, ArbeitgeberIn werden immer mannigfaltiger und auch anspruchsvoller. Widersprechen sich sogar. Warum dann nicht Rat und Unterstützung suchen bei jemanden, der mir geholfen hat zu dem zu werden, der ich bin?

Historisch brauch man gar nicht so lange zurückgehen, da hielt man zusammen in der Familie, als Clan. Erziehung war Familiensache, nicht nur Elternsache. Man unterstützte sich, man verließ sich aufeinander. Und nachdem man als Eltern die Kinder versorgt hat, hoffte man im Alter darauf, dass sich die Sorge umkehrte. So ganz ohne Grundsicherung und Rente…

Meine Nachbarin ist um die 80 und erzählt völlig wertungsfrei, dass ihre eigene Mutter mehr Erziehungsarbeit geleistet hat als sie selber. Denn sie selbst war arbeiten, ihre Mutter nicht. Und es konnte nur funktionieren mit dem Lebensunterhalt, wenn die ganze Familie mitzog. Was ist passiert in unseren Köpfen, dass wir die Familienzugehörigkeit kappen wollen, wenn die Kinder „erwachsen“ sind? Woher kommt das, dass wir denken, wir emerging adults müssen alles alleine hinbekommen? Ohne Orientierung und Hilfe? Denn wenn wir nach Rat suchen, um Unterstützung bitten, dann sind wir nicht erwachsen? Nicht abgenabelt genug? BITTE?!

(Wahrscheinlich genau aus dem Grund, warum ältere, erfahrenere ArbeitnehmerInnen nicht mehr so wertvoll sind, wie frische Kräfte. )

Wo es früher ein ganzes Dorf brauchte, um ein Kind groß zu bekommen, sollen jetzt die Eltern reichen. Aber bloß nicht mit der Hilfe der Großeltern! Nein, Besuchsomis und -opis müssen reichen. Dafür gibt es ja die staatliche Kinderbetreuung. Und die Doppelverdiener-Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um alles hinzubekommen. Oder wie in meinem Fall: die Alleinerziehende, die im System Hartz 4 gefangen ist. Aber sich seiner „Ressourcen“ bedienen, um sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen? Gerne, Hauptsache du verlässt dich NICHT auf deine Eltern dabei.

Momentan geht mir die mediale Aufbereitung, was die „heutige (Eltern-) Generation“ anbelangt echt auf den Keks. Ja, hinterfragt bitte, was wir so machen und wie wir es machen. Werft Fragen auf, macht euch auf die Suche nach Antworten. Aber bitte,BITTE, hört auf uns in Schubladen zu stecken und uns abzukanzeln! Wir wissen doch zum Teil selbst nicht mehr wonach wir uns richten sollen. Gebt uns doch Raum, einen Weg für uns zu finden. Jeder den seinen. Ganz viele. Und hört einfach auf uns die Türen zuzuschlagen. Denn mit jeder „Verurteilung“ nehmt ihr uns einen Weg. Nicht überbehüten! Nicht vernachlässigen! Vollzeit! Teilzeit! Keine Kaffee-Getränke! Nicht öffentlich stillen! Kein öffentliches Familienleben!

Ja, es nervt. Wirlich.

So, als Nachsatz  nochmal zu dem Artikel. Er war nicht so schlecht. Er hat sogar die richtigen Fragen gestellt. Nur sich leider hinreißen lassen zu pauschalisieren. Und sich selbst die Möglichkeit genommen, vorurteilsfrei in die richtige Richtung zu weisen. Eine Diskussion anzuregen ohne vorgefasste Meinung. Er hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.

More is yet to come,

M.

Murphys Law schlägt zu

Die meisten Eltern kennen das, sobald man sich etwas vornimmt – ob beruflich oder privat – eigentlich kommt immer etwas dazwischen. Kind krank, KiTa hat spontan zu oder der Babysitter kann nicht kommen. Im Notfall hat man sich nach wochenlanger Kinderpflege selbst angesteckt und muss alle Pläne über Bord werfen. Dieses Prinzip ist auch bekannt als Murphys Law.

Und in letzter Zeit scheint dieses ungeschriebene Gesetz zu gerne bei mir in Aktion zu treten. Wie gesagt, da bin ich bestimmt nicht die Einzige, angekotzt sein darf ich (und auch andere Betroffene) trotzdem. Besonders wenn es mich so geballt trifft, dass ich schon fast glaube, dass sich das Schicksal gegen mich verschworen hat. So kommen dann auch Tweets zustande wie:

Aber lasst mich am Anfang beginnen. Wer keine Lust auf meinen Jammerpost hat, kann jetzt auch gerne wegklicken. Verstehe ich. Ehrlich. 😉

Ehrlich gesagt fing es ja mit meinem Ausnahmezustand hier zuhause an. Die kleine Maus hatte es wirklich schlimm erwischt und wollte/brauchte die Extraportion Mama. Was ich ihr gerne gewährt habe, soweit es mir möglich war. Was natürlich geschlaucht hat, wenn das 17kg-Kind permanent am Körper sein möchte. Kuschelnd, kneifend, leidend. Oft auch nur völlig groggy am Dösen. Leider stand aber genau in der Zeit ein wirklich wichtiges Vorstellungsgespräch an. Auf das ich mich noch nicht ausreichend vorbereitet hatte.

Seit Geburt meiner Tochter bin ich arbeitslos. Mein Fristvertrag lief relativ parallel zum Mutterschutz aus. Und es machte keinen Sinn, einen Folgevertrag zu schließen. Sowohl aus meiner Sicht als auch aus der meiner Chefin. Schon vor meiner Schwangerschaft wusste ich, dass meine Ausbildung nur die Grundlage sein soll, nicht das „angestrebte Ende“ meiner Laufbahn. Ich hatte auch schon etwas im Auge, dass mich reizte. Und dort habe ich mich dann auch beworben. Inzwischen auch ein zweites Mal. Diesmal begleitet von einer optischen Anpassung (Business-Outfit) und vorherigem Bewerbungscoaching. Denn die Stellen sind heiß begehrt. Mindestens 10 Bewerber auf 1 dualen Studienplatz. Auch alles professionell mit Assessment-Center und Psychologen-Gesprächen.

Mit der Hilfe meiner Mutter bekam ich das auch alles ganz gut hin. Wir zogen quasi kurzfristig ein, wechselten uns im Kinderdienst ab. Und ich zog morgens los zu meinem Bewerbungsgespräch und ließ eine komplett aufgelöste Maus mit knapp 40 Fieber bei meiner Mutter zurück. Mir brach zwar fast das Herz, aber es ging nicht anders. Gebracht hat es übrigens nichts, bin trotzdem nicht genommen worden.

Noch bevor meine Tochter richtig gesund war, kam dann mein Vater ins Krankenhaus – geplant zur Operation. Ich sollte die Katzen versorgen. Was an sich logistisch möglich sein sollte, aber mit krankem Kind zuhause schon schwieriger wurde. Wieder sprach ich mich mit meiner Mutter ab, damit ich neben meinen normalen Terminen auch noch die Katzenversorgung auf die Reihe bekam, obwohl mein Töchterchen zuhause war.

Bereits da merkte ich schon, dass meine Kräfte nicht endlos waren und mir dieses ganze Drumherum-Organisiere ganz schön auf die Nerven ging. Natürlich verschob sich bei meinem Vater auch so einiges im Krankenhaus und aus geplanten 6 Tagen Aufenthalt wurden dann mal eben 2 Wochen. Jeden Tag wartete ich auf die neuesten Entwicklungen aus dem Krankenhaus, ob jetzt mein Vater wieder nach Hause dürfte oder nicht und wann denn nun endlich operiert wurde. Informationen flossen nur spärlich und ich organisierte mich um die Ecke. Dass ich zwischendurch Geburtstag hatte, juckte mich nicht wirklich. Zwar hatte ich auch Besuch und wenigstens „etwas“ Geburtstag, aber es fühlte sich nicht so an. Ehrlich gesagt habe ich zum Ende hin nur geheult.

Und während ich so schon am Jonglieren war mit meinen privaten Terminen und der Katzen-Verpflichtung, stand dann der Urlaub meiner Mutter an. Ihr sei er ja gegönnt, sie hatte ihn sich redlich verdient. Aber sie ist praktisch die einzige Stütze, die ich habe bzw auf die ich mich verlassen kann. Und dank Murphys Law überschnitt sich jetzt plötzlich alles.

Mit ein wenig Fatalismus bereitete ich mich darauf vor es irgendwie hinzubekommen. Seit Montag ist meine Mama nun weg. Und gestern kam dann der nächste Knüppel, den mir das Schicksal zwischen die Füße warf: spontane Brechattacken meiner kleinen Maus. Morgens um 6 beginnend. Und mein Termin war um 10. Mit Kind nicht möglich. Spontan abgesagt, hätte mich das 40€ gekostet. Und nu?

Zumindest hier hatte ich etwas Glück. Nicht nur war mein Ex schon wach, als ich morgens ne Nachricht schrieb, er hatte sogar Zeit. Nur musste er zuhause bleiben, er wartete auf die Telekom. Zwar konnte er unsere Tochter betreuen, doch ich musste sie irgendwie zu ihm schaffen. Also stand ich dann um 8 Uhr mit ihr an der Bahn-Haltestelle, bewaffnet mit Taschentüchern und Plastiktüten. Denn sie übergab sich nach wie vor im 10-Minuten-Takt. Muss ich die Blicke beschreiben, die ich geerntet habe? Wie ich da meiner Tochter die Tüte vorhielt, sie dabei in den Arm nahm, den Kopf streichelte, anschließend ihr Gesicht abputzte, die Tüte entsorgte und dann tatsächlich mit den Öffis fuhr?! Freundlich wie meine Tochter war, spuckte sie nur außerhalb von Bus und Bahn. Und ich kam nach wie vor sauber mit ihr bei ihrem Vater an.

Auf dem Weg zu meinem Termin schrieb ich ihm noch eine „Gebrauchsanleitung“, da ich eine relativ starke Vermutung hatte, warum sie spuckte und ich weiß, wie das zu händeln ist.

Im Endeffekt kann ich mir jetzt zwar selber auf die Schulter klopfen, dass ich diese letzten 3 oder 4 Wochen überstanden habe. Dass ich nichts absagen musste, alles irgendwie unter einen Hut bekam und meine Notfall-Organisationen auch alle geklappt haben. Aber es hat auch Spuren hinterlassen. Gerade nervlich und auch kräftemäßig. Zwischendrin kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht doch eine Mutter-Kind-Kur beantragen sollte. Gerade, nachdem dass mit dem dualen Studium doch nichts geworden ist. Hätte dann ja wieder Zeit. Lasst mich mit zwei herrlichen Tweets enden:

More is yet to come,

M.

Shades of Pink #6: Call me Rumpelstilzkin

Wie schon Anfang des Jahres angekündigt, kommt von meiner Seite noch eine Aktualisierung zum Trotzverhalten meiner Tochter. Sie hatte ja immer schon einen … nun ja, nennen wir es starken Willen. Dem trägt sie weiterhin Rechnung. Und zwar phasenweise in einer Heftigkeit, die mich an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringt.

Im Vorfeld hatte ich ja schon einmal berichtet, dass ich mit dem Versuch, mit Ritualen und wiederholenden Abläufen die Wutanfälle zu begrenzen, ordentlich vor die Wand gefahren bin (wer es noch einmal nachlesen möchte, hier geht es zum Link). Also habe ich da ein wenig ausgemistet und die Rechte meiner kleinen Tochter ordentlich beschnitten.

Und tatsächlich, es würde besser! Jetzt darf ich wieder selber bestimmen, wer die Spülung betätigt. Zwar waren die Wochen der Umstellung nicht gerade einfach – es war ohrenbetäubend -, aber im Endeffekt hat es sich gelohnt. Natürlich habe ich nicht alles abgeschafft, was Ordnung in den täglichen Tagesablauf bringt, aber wir sind jetzt flexibel. An manchen Stellen nutze ich feste Rituale aber auch nach wie vor. Zum Beispiel beim Bett-Geh-Ritual. Das ist normalerweise sehr starr, damit sich die kleine Maus auch auf ungeliebte Dinge einlässt (Schlafanzug anziehen, Zähne putzen).

Dafür sind die Auslöser für ihre Wutanfälle nun unvorhersehbarer. An manchen Tagen reicht es nur, wenn ich ihre Mütze zurecht rücke, dass sie komplett ausflippt. Und ich meine AUSFLIPPT! Lautes Gebrüll, Stampfen, Um-sich-Schlagen. Sie schubst, schlägt und läuft weg. Auch wirft sie regelmäßig Dinge durch die Gegend oder schlägt die Türen zu. Ein Wutzwerg ohne Gleichen.

Oder halt wie Rumpelstilzchen, als die Königin seinen Namen erriet. Was meine Kleine tatsächlich im Wutanfall mal zitierte („Das hat dir der Teufel gesagt!“). XD

Was die Sache auch nicht gerade leichter macht, ist, dass sie das Kreischen wieder für sich entdeckt hat. Ich sage wieder. Denn als Baby weinte und schrie sie nicht. Ab dem 4. Monat bis fast ein Jahr kreischte sie. Und tut dies phasenweise immer wieder. Zumindest bin ich aktuell ganz froh, dass wir diese dickwandigen IKEA-Gläser haben, so muss ich mir nur Sorgen um meine Ohren machen und nicht auch noch ums Geschirr.

Die Frage ist, wie ich die momentane Lage ein wenig verbessern kann. Nachdem sich unser Nachbar wegen der Türschlagerei beschwert hat (zugegebenermaßen zu recht), lässt die kleine Maus das jetzt tatsächlich. Aber die Heftigkeit der Wutanfälle bleibt. Und die Tonlage. Da ich ja selber auch ein recht großer Wutzwerg bin, kann ich ihr da auch nicht so großartig ein Vorbild sein. Zwar biete ich ihr immer wieder an, sich einfach mal an einem Kissen abzureagieren, aber sie weigert sich kategorisch. Sie ist lieber laut und sehr ungehalten. Dementsprechen keifen wir zwei – naja eineinhalb – Weiber uns häufiger mal an.

Da mein liebes Töchterlein noch nicht ganz drei ist, mache ich mich noch auf eine harte Zeit gefasst. Wie lange waren die gleich nochmal in der Trotzphase? Oder geht das kontinuierlich in die Pubertät über?

To be continued,

M.

Blogparade: Schlafenstechnisch quergelegt

Ja, diese Woche hab ich es ein wenig mit den Blogparaden. Aber wie erst kürzlich beschrieben durfte ich dank Ausnahmezustand so einiges verlegen und umplanen. Nun gut, back to topic. Die liebe Teilzeitmutter hat zum Thema „Schlafen“ der Kinder zu einer Blogparade aufgerufen . Da das sehr lange bei uns ein Thema war und immer wieder ist, möchte ich auch gerne unsere etwas holprige Geschichte beisteuern.

Mein Kind, Die Schlafkatze

Anfangs war das mit meiner Tochter noch recht einfach. Schlafbedürfnis war die ersten Wochen sehr hoch. Tatsächlich rund 16-18 Stunden am Tag. Zumindest die erste Zeit war das Einschlafen entspannt – grundsätzlich und regelmäßig beim Stillen. Stillen – 2 Stunden Schlafen – Stillen – 2 Stunden wach …usw schön im Wechsel. Nachts ließ sie die Wachphasen gleich weg. Auch mit tags und nachts hatte Madame keine Schwierigkeiten, da hatte sie im Bauch schon nachts die ruhigen Phasen. (Ja, hasst mich ruhig)

Da wir das Kinderbett noch gar nicht wirklich aufgebaut hatten *ups*, schlief sie anfangs mit im Bett. War auch praktischer so. Denn ich konnte mich nicht so gut bewegen die erste Zeit. Halt wegen 5 Kilo Baby auf natürlichem Weg mit viiiieeel Geburtsverletzung und so. Aber als das Bettchen stand, schlief sie darin. Anfangs zumindestens. Und musste auch immer schlafend hineingelegt werden.

Der rücken war schuld

Irgendwann reichte die Brust nicht mehr als Einschlafhilfe. Da wurde dann gewiegt und gesummt bis Kind schlief. Auch nachts alle 2 Stunden. Und wenn der Nuckel verlustig ging. Hand durch die Gitterstäbe reichte nicht. Zusätzlich nahm mein Töchterchen dann zu. Mit 5 kg gestartet, erreichte sie recht schnell 8 kg – mit 4 Monaten! Das war dann der Moment, an dem mein Rücken den Geist aufgab. Fast den ganzen Tag trug ich sie am Körper. Den Kinderwagen fand sie schrecklich. Nachts permanent rein ins Bett, raus aus dem Bett. Und natürlich im 2 Stundentakt Stillen. Der erste von insgesamt vier Hexenschüssen ließ meine kleine Maus ins Bett einziehen. Und ihr Vater zog aus (aus unserem Bett).

Jedes Kind kann schlafen lernen

Bei der U3 oder U4 riet mir mein Kinderarzt zu „dem berühmten Schlaflernbuch“, damit das Kind endlich im eigenen Bett schlief. Wir sollten bis nach dem Umzug warten und dann unsere Kleine nicht nur ins neue Bett umquartieren, sondern auch gleich ins neue Zimmer. Haben auch brav gewartet und dann doch erst einmal gezögert. Meine Tochter schlief nach wie vor bei mir, ihr Papa definitiv nicht mehr, zum Teil auch schon außerhausig (das Sofa war ihm zu ungemütlich).

Zudem nutzte die liebe Kleine meine Brust häufig nur noch als Nuckelersatz und ich hatte angefangen, ihr das abzugewöhnen. Was zur Folge hatte, dass sie mich kniff. Als Ersatzhandlung. Mit acht Monaten. Ihr Schlaf wurde immer unruhiger, sie wachte alle halbe Stunde auf, kniff mir in Hals und Dekollete für eine halbe Stunde im Dämmerschlaf und wachte nach einer weiteren halben Stunde wieder auf. Ich ging am Stock. Und war übersät mit blauen Flecken am Oberkörper, teilweise auch an den Armen. So ging es nicht weiter. Ich litt, meine Tochter kam nicht zur Ruhe und die Beziehung zu ihrem Vater war zusehens am Zerbrechen (hallo, er schlief nachts nicht mal mehr in unserer gemeinsamen Wohnung). Durch den immensen Leidensdruck zog ich tatsächlich diese „Prozedur“ durch.

Ende gut, Alles Gut?

Nee, so gar nicht. Programm ging super. Nach kurzer Zeit schlief die kleine Maus verlässlich ein. Die Tiefschlafphasen wurden länger, sie wachte nicht mehr so häufig auf. Nachts habe ich sie auch immer auf dem Arm wiedereinschlafen lassen und sie dann zurück gelegt. Es lief alles recht gut bis… ja, bis sie dann zum ersten Mal richtig krank war. Da holte ich sie mir wieder ins Bett. Beziehung war mittlerweile hinüber, da beschwerte sich wenigstens kein Kerl mehr. Und ich konnte mich in Sicherheit wiegen, alles mitzubekommen, wenn Kind hustet, fiebert und nicht gut durch die Nase atmen kann. Lange Zeit war es ein Ping-Pong-Spiel zwischen „du darfst zu Mama ins Bett“ und dem eigenen.

Zurück ins Bett

Als die Stressfaktoren geringer waren, gestaltete ich das Schlafritual um. Wo ich zu „Schlaf allein im Bett ein“ – Zeiten erst gestillt, dann geschuckelt und gesungen haben und mich mit festen Worten aus dem Zimmer verabschiedet habe, blieb ich bei späteren „du schläfst in deinem Bett“-Zeiten noch neben dem Bettchen sitzen, sang für sie, hielt ihre Hand und wartete darauf, dass sie einschlief.

Und Heute?

Heute bin ich da relativ entspannt. Da meine Kleine mit 18 Monaten bereits in die Krippe kam und dann fast den ersten Winter nur krank war – so richtig mit Fieber und allem – durfte sie tatsächlich die ganze Jahreszeit durch in meinem Bett mitschlafen. Es gab keinen Mann, der ihr den Platz streitig machen konnte. Letzten Sommer schob ich sie dann sozusagen wieder ab. Aber dank diverser Magen-Darm-Grippen und der Mund-Hand-Fuß-Krankheit war das nicht immer konsequent durchsetzbar. Letzten Herbst habe ich mich einfach davon verabschiedet, dass sie mit 2 1/2 Jahren in ihrem Bettchen schlafen muss.

Sie war schon immer ein sehr nähebedürftiges Kind, klebt auch heute gerne an mir, wenn sie sich ausruht oder müde ist. Sie hat nicht nur die Trennung von mir und ihrem Vater verarbeiten müssen (und auch die angespannte Situation davor mitbekommen), sondern auch die Trennung von Oma und Opa letztes Jahr (meine Mama und quasi-Stiefvater). Wer schreibt mir denn denn vor, wo und wie sie zu schlafen hat? Ich kenne sie doch am Besten.

Auch für mich ist das derzeitige Arrangement ein Zugewinn. Sie schläft viel besser durch in meinem Bett als in ihrem. Und die Umgewöhnung kostet immer viel Kraft und Zeit – auf beiden Seiten. Der nächste Virus kommt dann wieder schnell um die Ecke und setzt alles wieder auf Null zurück. Die Begleitung in den Schlaf hätte ich auf beiden Seiten. Denn Schreien lassen ist inzwischen keine Option mehr für mich. So sieht das inzwischen bei uns aus:

– 18 Uhr Abendbrot
– z.T. Kinderzimmer aufräumen
– Schlafanzug an
– 18.50 Uhr zum Sandmännchen bereit machen
– danach Zähneputzen
– 1 Gute-Nacht-Geschichte im Bett
– wickeln und Licht aus
– im Dunkeln kuscheln und noch vom Tag erzählen
– warten bis sie in meinem Arm einschläft

Im Moment passt das für uns ganz gut. Bei all dem Durcheinander und Hin und Her bei uns und auch den vielen Krankzeiten der kleinen Maus gibt es inzwischen zumindest eine verlässliche Sache: wir schlafen im Familienbett, sie darf in meinem Arm schlummern. Wenn sie nachts wach wird, bin ich vielleicht noch im Wohnzimmer, aber ich begleite sie immer wieder zurück in den Schlaf. Und inzwischen *tada* schläft sie häufiger wieder von alleine wieder ein. Also in den 30 Sekunden, die ich brauche, um vom Sofa hochzukommen, den Fernseher und die Lichter auszumachen, hin zu meinem Schlafzimmer.

Gerade auch in Krankheitszeiten ist das Familienbett ein echter Zugewinn. Mal eben im Halbschlaf rüberfassen, um zu checken, wie hoch die kleine Maus fiebert. Oder auch nur schnell überprüfen, wie dicht die Nase ist oder auch, ob sie genug Luft bekommt. Gerade auch bei Magen-Darm hat sich das System bewährt. Denn meine Tochter wacht nicht unbedingt auf, wenn sie sich übergibt. Da kann ich dann schnell eingreifen und sie zumindest von der Rückenlage in die Bauchlage drehen, damit sie das Zeug nicht direkt wieder einatmet. Schliefe sie in ihrem Zimmer, könnte ich nicht immer schnell genug reagieren bzw bekäme einiges nicht mit. Da ich nachts auch nicht aufstehen muss, um nach dem Rechten zu sehen, sondern nur im Halbschlaf nachfühle oder kurz nachschaue, komme ich effektiv zu mehr Schlaf. Und man braucht seine Kräfte, wenn das eigene Kind so richtig krank ist.

Und irgendwann wird es tatsächlich mein Schlafzimmer sein und mein Bett. Aber bis dahin haben wir noch ein wenig Zeit. Sie ist ja noch nicht mal ganz 3 Jahre alt.

More is yet to come,

M.

#aufAugenhöhe: Putzen ist erlernt und nicht vererbt

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von Kerstin von Chaoshoch2. Ausgelöst wurde die Diskussion ursprünglich durch diesen Artikel auf Papa-Online. Der Beitrag an sich bezieht sich grundsätzlich auf das leidige Thema Putzen und Haushalt in Beziehungen und die Missverständnisse, zu denen es (laut Autor) kommen kann. Daraus hat sich aber inzwischen eine Diskussion rund um Beziehungen auf Augenhöhe entsponnen. Und da ich ja gefühlt überall meinen Senf dazugeben möchte, erweitere ich den Meinungsfundus nun um meine eigene.

Ich hatte zwischenzeitlich überlegt, gleich zwei Beiträge zu dem Thema zu verfassen, habe es mir jetzt aber doch verkniffen. Also nicht wundern, sollte dieser Beitrag ein wenig länger sein als gewohnt ( und dabei war ich noch nie ein Freund des Kurzfassens… ).

Fangen wir also mit dem Artikel an sich an. Zuerst wird die These verfasst, dass Männer so rein theoretisch gar nicht in der Lage sind, den aktuellen Haushaltsstand zu überblicken. Das sei irgendwie genetisch und die Hemmschwelle, wann etwas zu dreckig, zu stinkend ist, wäre bei ihnen höher. Von daher könnten sie nichts dafür, wenn ihnen die desolate Lage an der Putzfront nicht auffiele. Aus meiner Sicht vollkommener Blödsinn – zumindest das mit Genetik. Dazu komme ich dann aber gleich noch mal ausführlicher.

Den zweiten (wichtigen) Punkt, den der Autor anspricht, ist der der fehlgeschlagen Kommunikation. Ich finde es schade, dass er bei einer krakeelenden Rasselbande, die seiner Partnerin offensichtlich Mühe bereitet, die Notwendigkeit nicht erkennt, hier unterstützend zur Seite zu stehen. Allerdings kann ich schon verstehen, dass man ab und an in the zone ist und dann wirklich nichts mehr um sich herum mitbekommt. Kenne ich auch.

Dass Männer aber nicht in der Lage sein sollen, indirekte Formulierungen zu verstehen, halte ich aber für ein Gerücht. Zumal auch Christian vom Familienbetrieb in diesem netten Blogpost eben dieses widerlegt:

Denn die Freundin sagte heute Morgen: „Die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck müsste mal aus dem Keller geholt werden.“ Leserinnen und Leser, die in langjährigen Beziehungen leben, werden diese Art des Formulierens kennen: Der wunderbare Axel Hacke hat es einmal als das Partnerschafts-Passiv beschrieben. Es kommt zum Einsatz, wenn Dinge erledigt werden sollen, die man auf gar keinen Fall selbst machen möchte. Zum Schutze des häuslichen Friedens ist es allerdings nicht opportun, vom Partner oder der Partnerin zu verlangen, diese Dinge zu tun.

Wenn also dieser Vertreter der männlichen Spezies in der Lage ist, passivisierte Sachverhalte zu erkennen oder sogar vielleicht auch das Parnterschafts-Wir zu verstehen (diese Fähigkeit unterstelle ich ihm einfach mal frech), dann sollte dies doch mehreren Vertretern möglich sein. Oder etwa nicht?

Ich vermute ganz stark, dass sich eben dieses Musterexemplar die Mühe gemacht hat, auf seine Freundin einzugehen, ihre Sprachgewohnheiten genauer betrachtet hat und den Subtext ganz für sich allein in männertaugliche Ansagen verwandelt hat. WOW.

Vielleicht sollte man sich als Paar einfach mal über die Kommunikation bewusst werden. Jetzt nicht einseitig zu Lasten der Frau im Haus. Denn, wenn sie schon den Haushalt und die Kinder überwachen muss, um dem Mann rechtzeitig Bescheid zu geben, dass er in Aktion treten muss, dann sollte sie nicht auch noch ständig über ihren Sprachgebrauch nachdenken müssen. Das eigene Verhalten, und sei es „nur“ der Sprachgebrauch, ändert sich nicht so leicht. Da kann es schon von Vorteil sein, wenn man sich bespricht, wem was leichter fällt. Vielleicht könnte auch einfach der Mann den Partnerschaftspassiv erlernen. Das wäre mal entgegenkommend.

Bringt natürlich alles nix, sollte die Partnerin tatsächlich nicht in der Lage sein, ihre Gedanken und Wünsche zu äußern. Da gebe ich dem Verfasser des Textes tatsächlich mal recht.

Nun komme ich aber mal zum tatsächlichen Knackpunkt des Textes: PUTZEN und HAUSHALT. Angeblich hätten Männer dort – genetisch bedingt – eine andere Hemmschwelle. Das bezweifle ich doch stark. Denn wenn ich mir Kleinkinder angucke, stelle ich fest, dass sie Systeme sehr ansprechend finden. Ob nun diese Steckwürfel oder Ring-Steck-Geschichten. Egal welchen Geschlechts, in einer bestimmten Phase ist das fast magisch für die Kleinen. Immer wieder, stundenlang können Kinder nur damit spielen. Es ist die Gesetzmäßigkeit, die Ordnung dahinter, die mit soviel Spaß entdeckt wird.

Ab einem gewissen Punkt wird wurde diese Tendenz dann aber nicht mehr bei Jungs gefördert, dafür dann nur noch bei den Mädchen. Was zur Folge hat, dass die Erwartungshaltung sehr unterschiedlich ist, wenn denn diese Kinder erwachsen wurden. Der heutige, inzwischen erwachsen gewordene Mann erwartet, dass sich der Haushalt von alleine regelt. Er hat den Blick verloren für Ordnung und Sauberkeit bzw es fehlt die innere Motivation, einen bestimmten (hohen!) Standard zu halten. Heutige Frauen sind da meist anders gepolt. Natürlich gibt es da auf beiden Seiten Ausnahmen und Abstufungen, aber grob über den Kamm geschert kann man das mal so stehen lassen.

Das klingt jetzt schon wieder wie die perfekte Ausrede für alle Männer, die einfach keinen Bock haben im Haushalt zu helfen. Soll es aber nicht sein. Denn jetzt komme ich mit meinem persönlichen Beispiel:

Ich bin die weibliche Variante des Mannes, wenn es um das Thema Putzen oder Haushalt geht. Fakt. Ich bin mindestens genauso unordentlich und chaotisch wie der typische Klischee-Macho-Kerl. Es gab Zeiten, da stapelten sich Pizza-Kartons und Mülltüten in meiner Küche. Wollmäuse spielten Fangen auf dem Laminat. Meine Wäsche befand sich so gut wie nie innerhalb meines Kleiderschranks, sondern in verschiedenen Stadien der Waschvor- und -nachbereitung. Ich habe auch lange Zeit nicht verstehen können, wie man so viele verschiedene Putzprodukte besitzen konnte (z.T. immer noch nicht, aber das ist ein anderes Thema).

Wie war es dazu gekommen? Zu allererst war ich ein verwöhntes Einzelkind. Ein Einzelkind geschiedener Eltern. Meine Mutter, die ein kleiner Putzteufel ist mit einem nicht zu verachtenden Putzfimmel, hat alles für mich erledigt. Auch so ein wenig aus schlechtem Gewissen, da ich ja geschiedene Eltern habe. Lerneffekt für mich gleich Null. Die meiste Zeit ließ ich es geschehen. Nur als sie ein völlig unlogisches Sortiersystem in meinem Kleiderschrank einführte, begehrte ich auf und verbot ihr, zukünftig meine Kleidung einzusortieren. Das machte ich dann lieber selbst. Die Tendenz war quasi da.

In der Pubertät zog ich dann zu meinem Vater. Er hatte eine schwere Trennung hinter sich, ich hatte auch so meine (psychischen) Probleme. Da wir nun endlich nicht mehr auf einen Mitbewohner angewiesen waren, um die Wohnung bezahlen zu können, war der äußere Zwang, ordentlich zu sein für uns geringer. Und mein Vater holte seine beste Männermanier raus: Unordnung deluxe. Wie man sich das bei Junggesellen halt so vorstellt. Und ich hing mit drin. Am Anfang begehrte ich noch auf. Mir war das zu unordentlich! Ich bat um klare Aufgabenverteilung, strukturierte Putzpläne und stieß auf taube Ohren. Und da ich noch kein System hatte, wie das funktioniert mit dem Haushalt und dem Putzen, passte ich mich an. In meinem Empfinden, was sauber genug ist oder halbwegs ordentlich.

Ich habe jetzt also die Werkseinstellung des „typischen Mannes“. Doch darauf ruhe ich mich jetzt nicht aus. Denn ich habe ein Kind. Und meiner Tochter möchte ich es ersparen, die gleiche Prägung zu bekommen wie ich. Ich sehe ihren inneren Wunsch nach Regelmäßigkeit und Ordnung. Kaum hatte ich ihr einen festen Platz für ihre Mützen und Schals eingerichtet, fing sie an selbstständig dafür zu sorgen, dass die Mütze vom Kopf später in der richtigen Schublade landet. Sie imitiert im spielerische alle Haushaltsaktivitäten. Sie wäscht, sie kocht, sie fegt, sie bügelt. Erstmal nur im Spiel. Aber sie beteiligt sich schon im Haushalt. Hilft mir die Geschirrspülmaschine auszuräumen, steckt die Wäsche in die Waschmaschine. Sie deckt teilweise schon mal den Tisch. Dabei ist sie noch nicht mal drei.

Und was ist denn jetzt mit meinen Putzqualitäten?! Immer noch mittelmäßig. Ich bemühe mich sehr, meine Angewohnheiten zu verändern. Für meine Tochter. Das mit der Wäsche läuft so langsam. Die Schränke sind tatsächlich mal voll und in den meisten Fällen gibt es keine Kleiderengpässe. Saugen und Wischen ist noch nicht so meins. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie oft ich das machen muss. Auch mein Bad ist zuweilen noch etwas vernachlässigt. Meist habe ich es nicht auf dem Schirm, wie oft man da ran muss und putze erst, wenn ich die ersten Kalkflecken sehe…

Auch wenn ich das jetzt hier so lapidar hinstelle, es ist nicht leicht. In Kürze werde ich 28 und ich habe nach wie vor keine Vorstellung davon, wie Haushalt „richtig“ geht. Es gibt kaum Handgriffe, die so nebenbei passieren. Geschirr automatisch in die Küche bringen? Fehlanzeige. Wäsche vom Vortag direkt in den Wäschekorb? Eher selten. Jeden einzelnen Handgriff muss ich bewusst ausführen. Mich bewusst daran erinnern. Da ich alleinerziehend bin, bleibt alles an mir hängen, ohne Anleitung von außen „wie das so geht“. Es ist wirklich anstrengend, und wenn ich nur Single wäre ohne Kind, dann würde ich mir die Mühe nicht machen.

Aber ich habe ein kleine Tochter. Ich sehe ihre Bedürftigkeit. Sie soll es später leichter haben in den Haushaltsdingen. Und deswegen versuche ich alte Gewohnheiten zu überschreiben. Taste mich heran, was die besten Methoden, Abläufe etc. sind, damit der Haushalt nicht aus dem Ruder läuft. Und mein Ordnungsempfinden meldet sich wieder. Eigentlich hat es nur geschlafen.

Für meine Tochter empfinde ich Liebe, ich respektiere ihre Wünsche und Bedürfnisse. Und aus dem Grund stelle ich mich der Aufgabe, ganz alleine zu lernen, wie das denn nun geht mit dem Putzen. Aus Liebe und Respekt.

Warum also soll das nicht auch einem Mann möglich sein? Wenn er merkt, dass sich seine Partnerin wirklich Entlastung wünscht, manche Aufgaben gerne komplett abgeben möchte, die grundsätzliche VERANTWORTUNG dafür, warum nimmt er ihren Wunsch dann nicht an? Auch in einer Beziehung herrscht in der Regel Liebe und Respekt. Kann er dann nicht aus eben diesen Gründen seine Gewohnheiten und Hemmschwellen ein wenig nachjustieren? Er muss das doch nicht alles plötzlich allein machen, er könnte sich ja sogar anfängliche Anleitung erbitten (das ist mehr als ich habe!). Das wäre ja auch nur gerecht, schließlich ist Mann sich nicht zu fein, mal eben eine Änderung des Sprachgebrauchs bei der Freundin zu verlangen.

Um mich jetzt mal komplett von diesem Blogbeitrag zu lösen: ich will hier jetzt nicht die absolut akkurate hälftige Haushaltsteilung fordern. Wie genau sich das ausgestaltet, soll jedem Paar selbst überlassen sein. Ob jetzt jeder für alles zuständig ist, oder der Mann den Müll rausbringt und seine Hemden bügelt, oder vielleicht der Mann komplett den Haushalt schmeißt, weil „Hausmann in Elternzeit“ – das ist doch alles Verhandlungssache. Wichtig ist nur, den Partner ernst zu nehmen, in dem, was er sich wünscht und in dem, was er leisten kann. Wie so in vielen Beziehungsdingen wird man hier um Kompromisse nicht herumkommen. Und Kompromisse finden immer auf beiden Seiten statt!!

Und jetzt folgt noch der zweite Teil. Uff. Warum auf Augenhöhe so wichtig ist in Beziehungen und manchmal so schwer zu erreichen.

Inzwischen bin ich eine alleinerziehende Mutter. Und Single. Offenkundig hat die Beziehung zu dem Vater meiner Tochter nicht hingehauen. Was viel damit zu tun hatte, dass wir keine vernünftige Basis herstellen konnten für unsere Beziehung. Und gleich vorneweg: ich habe einen großen Respekt vor meinem Ex und ich empfinde zum Teil noch mehr für ihn als ich sollte.

Mein Ex ist Nigerianer. Seine ganzes Familienverständnis basiert auf einem patriarchalischem Weltbild. Der Mann hat die Hosen an, ist der Entscheidungsträger. Die Frau deckt ihm den Rücken, nimmt seine Vorgaben an. In der Regel ist sie es, die ausschließlich für Haushalt und Kinder zuständig ist. Teilweise geht auch sie wie der Mann arbeiten, damit sie über die Runden kommen. Das hat er in seiner Kindheit vermittelt bekommen. Fakt. Das muss ich nicht toll finden, ändern kann ich daran nichts.

Allerdings hat seine Mutter ihm gezeigt, wie man kocht und wie man putzt. Vielleicht als Hilfe, damit sie solange er noch Kind ist, etwas Unterstützung hat. Ihm hat sie es mitgegeben für die Zeit, in der er noch keine Frau hat, die ihm das abnimmt.

Darüber hinaus ist er der Erstgeborene. Der Stolz der Familie, aber auch der, auf den sich alle verlassen. ER soll alles richten. Seine Familie war für nigerianische Verhältnisse mal recht gut aufgestellt finanziell. Bis dann der finanzielle und gesellschaftliche Abstieg begann für sie. Von der Innenstadt in die Außenbezirke gezogen. Schulbesuch war zwar für alle Kinder drin (sie sind zu fünft), aber darüber hinaus nicht mehr sehr viel mehr. Also wurde er als Ältester nach Deutschland geschickt, er sollte hier studieren und dann mit dem Ausländischen Abschluss einen respektablen Job bekommen in Nigeria. Mit dem gut verdienten Geld natürlich die Familie unterstützen.

Er kam zwar nach Deutschland, aber es gestaltete sich nichts so einfach wie erhofft. Und dann traf er mich. Mit meinen ganzen Macken und Befindlichkeiten, noch nicht mal in der Lage vernünftig den Haushalt zu schmeißen. Aber die Anziehung war da. Und irgendwann auch das kleine Kind in meinem Bauch.

Wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse seinerseits fiel mir der ganzen Behördenkram zu. Gerade auch was das finanzielle anging. 2 Monate nach Geburt unserer Tochter war es uns überhaupt erst erlaubt zusammenzuziehen. Und ab da an ging eigentlich alles abwärts.

Ich brauchte Hilfe. Neben dem ganzen Behördenkram für mich, musste ich mich gleichzeitig auch um seine Sachen kümmern. In meiner Mutterrolle war ich noch gar nicht richtig angekommen, körperlich noch nicht wieder auf dem Posten. Hinzu lebte ich nicht mehr allein, sondern plötzlich mit noch zwei anderen zusammen (Kind und Freund). Mit einem Mal war das mit dem Haushalt omnipräsent. Ich verstand nicht, warum er das nicht einfach übernehmen konnte. Er konnte es sogar besser als ich! War viel ordentlicher und seine Hemmschwelle soviel niedriger als meine. Zudem versorgte ich doch auch unser Kind. Rund um die Uhr. Alle zwei Stunden stillen. Das schlaucht. Und dass das Geld reinkam, war doch auch nur mir zu verdanken. Warum dann nicht die Rollen tauschen? Ich Kohle, er Haushalt.

Wirklich ausgetauscht haben wir uns nicht darüber. Maximal gestritten und uns das entgegengeschrien. Aus seiner Sicht konnte er gar nicht nachvollziehen, warum mir der Haushalt so schwerfiel. Und warum ich es mir nicht so einfach angewöhnte. Dass ich zu überlastet war, sah er nicht. Und dass meine persönliche, psychische Vorgeschichte auch mit hineinspielte, verstand er nicht. Auch dass meine Mutter mir nicht noch mehr zur Hand ging, leuchtete ihm nicht ein. In Nigeria war das selbstverständlich, dass die weibliche Verwandtschaft die erste Zeit – z.T. das erste Jahr – unterstützend einwirkte. Tat seine Mutter ja auch bei seiner Schwester (meine Tochter ist eine Stunde älter als ihr Sohn).

Und dass ich für unser Einkommen verantwortlich war, passte ihm eigentlich so gar nicht. Er war ein stolzer, afrikanischer Mann – ein kleiner Macho. Und aufgrund der Umstände konnte er seine Rolle als Ernährer nicht ausfüllen. Er war auf meine Hilfe angewiesen. Die Sprache war ihm nicht so vertraut, unser bürokratisches System noch weniger. Obendrauf hatte er seine Familie im Nacken, die permanent Geld von ihm haben wollte. Sie in den meisten Fällen wirklich dringend brauchte.

Tja, und da waren wir nun. Gefangen zwischen unseren verschiedenen Rollen-Leitbildern. Verlangten von dem anderen sich gefälligst zu ändern, anzupassen. Sahen das eigene Rollenbild als besser, als richtiger oder wertvoller an als das des Anderen. Jeder fühlte sich im Recht und schaute von der eigenen hohen Warte auf den anderen herab. Nie, aber wirklich nie begegneten wir uns wirklich auf Augenhöhe.

Ja, und das ist vorerst das Ende der Geschichte. Noch bevor unsere Tochter ein Jahr war, waren wir getrennt. Ein halbes Jahr später zog er aus. Die Situation beruhigte sich zwischen uns. Zwischenzeitlich besprachen wir die Möglichkeit, doch wieder ein Paar zu werden. Es war ein auf und ab. Was jedoch klar war: nicht mehr zusammen wohnen. Im Endeffekt haben wir es dabei belassen – wir sind getrennt, wir leben getrennt. Und so langsam fangen wir an uns auf Augenhöhe zu treffen. Er erzählt mir sehr viel mehr von sich als früher in der Beziehung. Ich bin sein sicherer Hafen, sein Anker und sein Richtungsgeber (gerade im bürokratischen Gewässer). Aber auch Vertraute und Freundin.

Damit will ich nicht sagen, dass es für uns Hoffnung gibt als Paar. Da ist der Zug glaube ich abgefahren. Aber als Eltern besteht definitiv noch Hoffnung. Und vielleicht, nur vielleicht, gibt es ja doch noch eine Chance für uns. Aber dann wahrscheinlich nur außerhalb jeglichen Rollenmodels. Und zuvor arbeitet jeder für sich an sich selbst. Beruflich, charakterlich.

More is yet to come,

M.