Familienhebammen: Engel oder Teufel?

Anfang der Woche wurde ich von Lena von der Schmetterlingsfamilie gebeten, ein wenig von meinen Erfahrungen rund um die Familienhebammen zu berichten. Da dies sowieso schon seit längerem auf meiner Agenda steht, setze ich es jetzt einfach mal um. 😉 Und zwar in Form eines Interviews mit mir selber.


 

Du hast nach der Geburt Deiner Tochter eine Familienhebamme in Anspruch genommen. Kannst Du bitte kurz erzählen warum?

In der Schwangerschaft war mir schon klar, dass die Situation nach der Entbindung sehr schwierig für mich werden bzw. mich einfach überfordern könnte. Und im Endeffekt hat sich das alles bewahrheitet. Nach der Geburt ging es mir nicht nur sehr schlecht körperlich, auch meine Tochter war nicht unversehrt – gottseidank nur vorübergehend, aber das stand damals ja noch nicht fest. Die Situation mit meinem Freund war auch recht schwierig. Anfangs durfte er nicht mit mir zusammen leben aufgrund seines Aufenthaltsstatuses. Das mussten wir direkt nach der Geburt erst einmal klären. Auch der restliche Behördenkram blieb an mir hängen – also meiner, seiner und von der kleinen Maus. Hinzu die Arztbesuche für meine Kleine inklusive Physiotherapie zweimal die Woche. Es war nicht einfach. Mir wurde es zuviel.

Woher wusstest Du überhaupt von den Familienhebammen? Wurde Dir dazu geraten?

Zusammen mit dem Mutterpass bekam ich vom Frauenarzt ganz viel Broschüren und Ratgeber. Und mit dabei war dann auch etwas über Familienhebammen. Auch im Internet bin ich mal darauf gestoßen. Überhaupt habe ich extrem viel gelesen und recherchiert in der Schwangerschaft. Die Hormone…

Die Informationen behielt ich die ganze Zeit im Hinterkopf und als ich dann wirklich überfordert war, habe ich dann meine reguläre Hebamme gebeten, den Kontakt herzustellen. Witzigerweise war sie sogar mit einer der Verantwortlichen bekannt, dass erleichterte den Kontakt schon ein wenig.

Hattest Du denn keine Bedenken, dass Du Dir damit selber ein Stempel verpasst? Dir vielleicht das Kind weggenommen werden könnte?

Ich finde, da muss man ein wenig unterscheiden. Zuallererst ist es ein zusätzliches Hilfsangebot. Das kann sich genauso an die Teenie-Mutter richten wie an die Zwillingsmutter. Sie helfen auch, wenn es aufgrund eines Migrationshintergrundes Schwierigkeiten gibt. Auch bei sozialer Isolation helfen sie ein entsprechendes Netz zu spannen. Es sind halt nicht nur „die Problemfamilien“, ohne Einkommen, mit Gewalt und Suchtproblemen. Aber zum Teil dann halt auch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich anonymisiert für drei Monate helfen zu lassen. Quasi also Kurzzeithilfe ohne das eine Akte beim Jugendamt angelegt wird. Oftmals braucht es nämlich nur eine Orientierung, wo man die Unterstützung und Hilfe über ander Organisationen bekommen kann. In dem Fall droht einem dann nichts, da das Jugendamt gar keine Kenntnis erlangt hat.

Außerdem finde ich, hat es einen sehr viel positiveren Touch, wenn man sich selbst Schwächen eingesteht und Hilfe einfordert. Man signalisiert, dass man etwas ändern möchte und die Hilfen greifen dann auch viel besser. Wenn man erst versucht alles allein zu regeln, es nicht schafft und dann das Jugendamt von außen zugeschaltet wird, dann ist die Wahrnehmung nicht mehr ganz so positiv.

Für welche Regelung hast Du Dich dann letztendlich entschieden?

Anfangs habe ich das Drei-Monats-Modell gewählt. Einfach um zu sehen, ob und was es mir bringt. Auch, ob die Überforderung nur temporär ist oder doch längerfristig. Nach Ablauf der Zeit setzten wir uns noch einmal zusammen, wie es weitergehen solle. Bei den Familienhebammen ging es für mich nicht weiter, wir beschlossen eine andere Form der Unterstützung.

Wie lief der erste Kontakt zu den Familienhebammen ab?

Ganz genau weiß ich nicht mehr, ob ich damals anrief oder meine Hebamme. Das Erstgespräch zur Einschätzung fand bei mir in der Küche statt. Die beiden Verantwortlichen kamen vorbei – die eine war Familienhebamme, die andere Sozialpädagogin, glaube ich.

Natürlich war es erst einmal komisch. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, dass man es doch nicht auf die Reihe bekommt. Jedenfalls nicht alles. Mir wurde schnell signalisiert, dass ich Hilfe bekommen sollte, nur das WANN war noch nicht klar. Der Bedarf ist manchmal einfach zu hoch. Für den Anfang reichte mir die Aussage aber und die Hilfe begann dann glaube ich auch zwei Monate später.

Wie lief das dann ab? Also die konkrete Hilfestellung? Und was war mit der regulären Hebamme?

Die normale Hebamme machte ganz normal ihre Arbeit. Wochenbettbetreuung und noch einige Termine darüberhinaus zum Thema Abpumpen, Beikost etc. Die Termine mit der Familienhebamme waren unabhängig davon. Anfangs war es viel Behördenkram. Anträge stellen. Einsprüche formulieren. Auch viel rechtliches.

Manchmal war es schon halb therapeutisch. Sie hörte mir zu, nahm meine Befindlichkeiten ernst. Für mich war es ganz praktisch, dass sie selbst Kinder von einem Afrikaner hatte. Viele Dinge konnte sie einfach besser nachvollziehen bzw konnte einfach aus eigener Erfahrung heraus auch Tipps geben.

Sie hat aber auch daran gearbeitet, meine soziales Netz zu verbessern. Machte mich mit dem „Gemeinsam wachsen“ – Konzept in Hannover bekannt und begleitete mich in eine solche Babygruppe. Zudem machte sie mich mit einem ihrer anderen Schützlinge bekannt. Auch eine junge Mutter, deren deutsch-afrikanische Tochter nur eine Woche jünger war als meine.

Worüber wurde das überhaupt finanziert? Übernimmt das dann auch die Krankenkasse?

Die Krankenkasse hat damit überhaupt nichts zu tun. Meines Wissens haben die Familienhebammen ein eigenes Budget, dass aus dem Topf des Jugendamtes gespeist wird.

Das hört sich jetzt ja alles sehr positiv an. Gibt es auch Dinge, die dich gestört haben?

Doch, ein paar Dinge gab es schon. Meine Familienhebamme war in vielen Dingen recht gemächlich. Gerade bei den behördlichen Geschichten hätte ich jemanden gebraucht, der mich mehr in den Hintern tritt. Das fiel mir dann insbesondere auf, als sie Urlaub hatte und ich mit ihrer Vertretung gearbeitet habe. Die nämlich genau das gemacht hat.

Auch manche Empfehlungen kann ich aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen bzw finde ich nicht so prickelnd. Mir wurde zum Beispiel massiv davon abgeraten meinem Freund „seinen Teil“ des Sorgerechts zuzugestehen. Dabei war schon klar, dass es mit der neuen Gesetzeslage, relativ einfach sein würde, dies einzuklagen. Er solle sich halt erstmal beweisen, bevor er überhaupt Rechte an unserer Tochter bekommt. Ich kann zwar nachvollziehen, dass bei den Fällen, die sie meist betreuen, oftmals die Vorurteile bestätigt werden. Aber unser Fall liegt doch anders und das wurde so nicht berücksichtigt.

Auch die generelle Empfehlung des „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – Buches irritiert mich rückblickend. Also die uneingeschränkte Empfehlung. Auch da sehe ich den Kontext. Trotzdem gilt es da meiner Ansicht nach abzuwägen.

Zum Ende der Betreuungszeit lief es für mich dann noch etwas unglücklich. Erst war meine Familienhebamme im Urlaub, anschließend noch einige Zeit krank. Meine Hilfe ging dann zuende, ohne dass ich sie noch einmal gesehen hatte. Komplett ohne Abschied. Dadurch wurde auf versäumt, weitere Hilfen zu planen. Die Vertretung nahm das dann noch schnell in die Hand. Das Gespräch beim Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) begleitete sie noch – in ihrer Freizeit, da ich schon offiziell raus war.

Was würdest Du jemanden raten, der sich überlegt die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch zu nehmen?

Zuallererst sollte sich der Betreffende informieren, ob es das tatsächlich in seiner Stadt oder Umgebung gibt. Das gibt es glaube ich nicht überall. Auch wie die Organisationsstruktur genau geregelt ist, ist unterschiedlich. Von der Hierarchie her steht das Jugendamt ganz oben. In Hannover kommt dann der KSD und dem untergeordnet die Familienhebammen. In anderen Städten ist das anders.

Es kann wohl auch einen Unterschied machen, in welcher Stadt man lebt. Gerade in den Ballungsgebieten, in denen das Jugendamt stark gefordert wird, wo es schon negative Schlagzeilen gab, kann man dann vielleicht wirklich den falschen Stempel bekommen.

Trotzdem finde ich, dass ein erstes Beratungsgespräch nicht schaden kann. Es ist vertraulich. Bedenken können angesprochen werden, Abläufe erfragt. Man kann ja erst mit den drei Monaten anfangen und es dann immer noch ausweiten. Klar sollte aber sein, dass mit dem ersten Geburtstag des Kindes Schluss ist mit der Hilfe. Sollte man darüber hinaus noch Hilfe benötigen, geht das dann nur über andere Hilfen. Und die sind in der Regel auch nicht probeweise anonym.

Möchtest Du zum Ende noch etwas hinzufügen?

Ja, ich möchte gerne betonen, dass dies meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe. Vielleicht hatte ich Glück mit meinen Hilfen bis heute oder auch nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Unterstützung er oder sie braucht und auch zulassen kann.

Auch das Bewusstsein sollte da sein, dass man das Jugendamt unter Umständen nicht mehr so schnell loswird wie man es gerne hätte, wenn man ihm erst einmal Einblick in sein eigenes Leben gegeben hat. Das hängt aber sicherlich auch von den Verhältnissen zu Hause ab, ob sie prekär sind und wenn ja, wie sehr.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass es auch mal eine positive Geschichte zu dem Thema gibt. Denn gerade in Internetforen werden Horrorgeschichten rumgereicht. Wo das Jugendamt falsch interveniert hat mit Kindesentzug etc. An einigen Geschichten ist bestimmt etwas dran. Bei vielen ist nur ein Teil der Fakten bekannt. Und wenn diese Horrorgeschichten auf subjektive Weise erzählt werden, dann kann ich das mit meiner positiven auch!


Da meine Erlebnisse mit den Familienhebammen schon etwas zurückliegen (2012) habe ich noch fix halbherzig gegoogelt, um noch ein paar Links anbieten zu können, die bei Interesse gelesen werden könnten. Viel Spaß.

Familienhebammenzentrale in Hannover (nach meiner Zeit)

Hebammenverband über die Familienhebammen

Familienhebammen über sich selbst

Wenn jemand noch Fragen hat, stellt sie mir ruhig. Entweder beantworte ich das dann in den Kommentaren oder ich ergänze das oben noch in meinem Interview.

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M.

 

#Dubistich – Oder wie Gegensätze sich ergänzen

Da bei mir momentan einiges im Argen ist, schaffe ich es nicht mehr so regelmäßig zu bloggen, wie ich es gerne hätte. Auch kann ich das, was mir im Kopf herumschwirrt noch gar nicht so richtig in Worte fassen oder auch in einen Rahmen bringen. Von daher freue ich mich umso mehr über die Blogparade von Mama on the Rocks. Dabei geht es um das, was wir von uns in unseren Kindern entdecken. Was wir ihnen über unsere Gene und auch unser Vorbild weitergeben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, jetzt den finalen Anstoß bekommen zu haben, diesen Beitrag endlich zu schreiben. Schon seit längerem geht dieser Gedanke in mir, etwas darüber zu schreiben, wie schön meine Tochter ihre unterschiedlichen Herkünfte in sich vereint.

Sobald man mit einem Kind schwanger ist, fängt das Kopfkino an zu arbeiten. Wie wird es aussehen, wie wird es sein? Man versucht sich Kombinationen zu überlegen aus seinem Partner und sich. Die Möglichkeiten sind schier endlos – die Neugier meist auch. 😉 Nun ist es ja so, dass der Vater der kleinen Maus und ich rein optisch sehr gegensätzlich sind.

Ich bin sehr hellhäutig, werde nie braun im Sommer (höchstens rot, selbst das Solarium soll ich meiden). Er ist als Nigerianer sehr dunkelhäutig. Ich bin klein – er ist groß. Meine Haare sind eher glatt, selten mal gewellt – seine sind halt klassisch kraus. Meine Nasenspitze ist sehr ausgepragt – seine Nase ist breit angelegt, aber dafür flach. Ich habe grüne Augen – er dunkelbraune. Die Bandbreite der Möglichkeiten schien sich um ein vielfaches verdoppelt zu haben. Gerade auch, weil manche Eigenschaften sich nicht zu hundert Prozent vererben, sondern graduell.

Oftmals wünschte ich mir, unsere Tochter würde mehr nach ihm kommen. Er ist wirklich ein sehr hübscher und attraktiver Mann. Ich hingegen weiß mich in manchen Dingen nicht zu schätzen. Doch nachdem wir uns im Geiste zigmillionen Möglichkeiten ausgemalt hatten, kam dann irgendwann der Tag der Offenbarung…

… und wir fanden uns anfangs kaum wieder. Was allerdings daran lag, dass unser kleines liebes Töchterlein nach einer schwierigen Geburt einfach verflucht zerknautscht war. Und mit ihren knapp 5 kg Geburtsgewicht am ehesten dem Michelinmännchen glich. Und unsere Tochter war ja noch gar nicht wirklich fertig. Was man meistens nicht weiß, ist, dass sich gerade bei farbigen Kindern die Hautfarbe noch verändern kann im ersten Lebensjahr – genauso wie die Haarstruktur!

Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt
Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt

Am Anfang war die kleine Maus wirklich extrem hell und ihre Haare waren schwarz und komplett glatt. Über die Monate hinweg dunkelte ihr Teint nach und ihre Haare wurden erst wellig, dann lockig. Kontinuierlich kam auch richtig krauses Haar nach mit komplett anderer Haarstruktur. Der „Babyflaum“ verwuchs sich. Inzwischen hat sie wirklich krause Haare und auch von der Hautfarbe her ist sie jetzt konstant. Im Sommer dunkler als im Winter – wie bei so vielen.

Rein optisch gesehen vereint sie in vielen Dinge die Merkmale von beiden Elternteilen. Bei dem Mund zum Beispiel oder auch bei der Nase. Bei einigen Sachen kann sie es tatsächlich von jedem von uns geerbt haben oder auch von uns beiden gemeinsam. Die stämmige Statur mit dem breiten Kreuz. Das ausladende, hoch angesetzte Hinterteil (ja, dass sieht man jetzt schon.. ), die Grübchen in den Wangen, wenn sie lächelt.

Und in manchen Dingen ist sie auch sehr klar einem von uns zuzuordnen. Sie hat die Augen ihres Vaters: groß, dunkelbraun und leicht mandelförmig. Auch das schwarze Haar inklusive Afrokrause ist von ihm. Ihr Lächeln ähnelt seinem ungemein. Was ihre Ohrgröße angeht, kommt sie nach mir (und nein, ich habe KEINE Dumbo-Ohren, nur er hat halt Miniöhrchen). Und auch ihre Hände gleichen meinen. Und das in mehreren Aspekten! Kaum dass sie in der Lage war ihre Hände dauerhaft geöffnet zu halten, fiel auf, dass sie ganze schmale, lange Hände und Finger hat – so gar nicht speckig wie Kinderhände sind in den ersten Monaten. Und der kleine Finger ist leicht nach innen abgeknickt. Wie es alle haben in meiner Familie väterlicherseits. Das konnte man sogar schon beim Feinultraschall in der 21. SSW sehen…

Und in manchen Dingen variiert es immer noch ganz stark bzw kann man noch keine abschließende Aussage treffen. Ihre Füße sind zwar verhältnismäßig groß, aber nach einer breiten Quadratlatschenphase wieder sehr sehr schlank. Auch über Größe und dergleichen lässt sich noch nicht viel sagen. Das kommt noch.

Damit hier jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich wäre nur auf Äußerlichkeiten fixiert, kommen ich jetzt zu ihren Verhaltensweisen. 😉

Sie liebt Tiere. Das hat sie absolut von mir. Und mit einer Begeisterung, die manchmal echt waghalsig und gefährlich sein kann. Kaum dass sie sitzen konnte, schmiss sie sich halb aus dem Kinderwagen, wenn wir einem Hund begegneten. Anfassen, Hauptsache anfassen. Selbst wenn sie von einem umgerannt wurde, versuchte sie noch im Fallen zu streicheln. Eigentlich geht sie auf jedes Tier zu, egal wie groß oder potentiell gefählich. Selbst im Zoo musste ich sie extra sichern, ansonsten wäre sie auch zu den Elefanten ins Gehege gesprungen. Auch der kleine Zwischenfall mit dem Fohlen, dass ihr in den Finger gebissen hat, hielt sie nicht davon ab, direkt nach dem Verarzten wieder hinzugehen. Von daher üben wir unentwegt, welchen Tieren man sich wie gegenüber verhält und dass man die Tiere immer kommen lässt. Und ja, es ist verdammt harte Arbeit.

Sie singt – immer und unentwegt. Eindeutig hat sie das von uns beiden. Wir halten es genauso wie sie und singen, pfeifen und trällern vor uns her, wenn wir gut drauf sind. Auch habe ich viel für und mit ihr gesungen. Inzwischen bekommen wir relativ viel Feedback aus der KiTa, weil sie diesbezüglich ein Talent zu haben. Nicht nur, was das auswendig lernen angeht, sondern auch ihre Treffgenauigkeit. Es macht Spaß zu sehen, wie sehr sie darin aufgeht. Und auch gerne darin glänzt (zeitweise verweigerte sie sich dem Singen in der Krippe, weil die anderen Kindern mit ihr zusammen gesungen haben. Welch Frevel!).

Sie ist offen und kontaktfreudig – jedenfalls, wenn ihr alles geheuer ist. Früher hat sie wirklich jedem auf der Straße fröhlich gewunken – solange der- oder diejenige Abstand wahrte. Jetzt braucht sie etwas Zeit um Vertrauen zu fassen, aber dann kennt sie keine Hemmungen mehr. Es wird gequatscht, gespielt, rumgealbert. Im Grundsatz ähnelt sie da mir ein wenig, ihr Vater ist da sehr viel verschlossener und auch eigenbrödlerisch. Allerdings ist sie noch gänzlich unverfänglich – ich hingegen zerbreche mir oft den Kopf, wie ich wirke, ob ich mich richtig verhalte etc etc.

In ihr steckt auch ein gewaltiger Wutteufel. Sie wütet richtig, wenn ihr etwas nicht passt, ist laut, brüllt, kreischt und ist ganz und gar ungehalten. Dies ist glaube ich nicht so sehr Veranlagung als schlechtes Vorbild. Und das lausige Vorbild bin in diesem Fall ich. Klar färbt viel ab, wenn sie den Großteil der Zeit bei mir aufwächst.

Deswegen glaube ich auch, ist sie eine so unglaubliche Plappertasche: reine Notwehr! Denn ich als Mama bin ja auch nicht zu stoppen, was das quasseln angeht. Weswegen ich auch wohlweislich eine All-Net-Flat habe. 😉

Wo sie sich aber gänzlich meinem Einfluss entzieht, ist beim Zeichnerischem. Ich habe es geliebt als Kind zu zeichnen. Und durch die Übung kann ich inzwischen auch mehr als passabel zeichnen. Meine Kleine hingegen ist dafür zu ungeduldig. Sie will auch gar nicht Objekte darstellen. Sie will schreiben. Also malt sie nur Zick-Zack, ganz klein.

Worin ich deutlich ihren Vater in ihr erkennen kann, ist in ihrem Modeempfinden. Sie liebt es in den Spiegel zu schauen, sie möchte schick aussehen. Und bei manchen Handgriffen, bei manchen Korrekturen am Kragen, Reißverschluss oder der Mütze ist es wirklich so, als würde er vor mir stehen. An guten Tagen mache ich mir auch mal Gedanken, wie was zusammen passt und überprüfe, ob es wirklich vorteilhaft sitzt. Aber diese Detailgenauigkeit, die geht mir wirklich ab. Und bequem schlägt fast immer modisch 😉

Bei ihrem Dickkopf behaupte ich immer, dass sie keine Wahl hatte – sowohl ihr Vater als auch ich haben beide einen. Weswegen es auch nie einfach war zwischen uns, weil jeder seinen Willen haben wollte. Doch dieser Dickkopf wird ihr zugute kommen. Denn auch wenn vieles über die Gene schon festgelegt ist, sie wird es sich zu Eigen machen. Zu etwas eigenem. Sie ist nicht nur die Mischung aus ihren Eltern. Sie ist sie. Und egal, was wir ihr mit auf den Weg gegeben haben, sie wird sich das Beste und vielleicht auch das Schlechteste von uns aussuchen, eben das, was ihr am Besten in den Kram passt. Und das wird sie einzigartig machen.

More is yet to come,

M.

Was bedeutet Erwachsen sein?

Eigentlich hatte ich ganz was anderes geplant für die nächste „Veröffentlichung“, aber da hat mich folgender Artikel einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Er ist Sinnbild für so viele andere Artikel, die momentan veröffentlicht werden, um auf der heutigen Generation herumhacken – gerne auch mal nur auf den Eltern.

Bevor ich inhaltlich werde, muss ich erst einmal meinem Frust Luft machen. Warum auch immer, aber ich habe das Gefühl, dass es medial so richtig in ist, Elternbashing zu betreiben, im Notfall die ganze Generation runterzumachen. Ob nun „Latte-Macciato-Mütter“,“ Helikoptereltern“, „Generation Y“ oder jetzt die „Generation Nabelschnur“: Hauptsache das Kind hat nen Namen. Dann raus mit dem Prügelstock und gib ihm.

Wäre es mit einem Augenzwinkern geschrieben und nicht omnipräsent medial vertreten, dann würde mich das alles ja nicht stören. Aber aus meiner Sicht nimmt das immer mehr zu. Wir geilen uns daran auf, dass die nachkommende (Eltern-)Generation nichts auf die Reihe bekommt. Vermeintlich. Dass man mit einer pauschalisierenden Sichtweise auch diejenige diskreditiert, die es anders/besser machen, interessiert ja nicht.

Ja klar, früher war alles besser. Aber ganz ehrlich? Auch nicht wirklich, gell? Und was will man damit erreichen, die heutige Generation als Prügelknaben hinzustellen? Garantiert nicht das Leben erleichtern! Und durch die Globalisierung werden wir (ja ich zähle mich auch dazu, deswegen trifft es ja nen Nerv bei mir) schon genug verunsichert, da brauchen wir nicht noch die „Gesellschaft“ im Nacken, die uns scheinbar die ganze Zeit verurteilt und der wir nichts Recht machen können.

Und jetzt werde ich mal inhaltlich. 😉

Prinzipiell soll ja nur die Frage aufgeworfen werden, wie eigenständig man sein muss, um als Erwachsen zu gelten. Aufgrund der längeren Schul- und Ausbildungszeit verschiebt sich das Auszugsalter nach hinten, da vorher eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schwer möglich ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass es tatsächlich mehr Nesthocker gibt, die „Hotel Mama“ weit über die tatsächliche Notwendigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich finde ich diese Beobachtungen und Interpretationen nicht falsch. Auch die Herangehensweise finde ich nicht falsch. Doch dann fängt es für mich an zu kippen. Erst wird erwähnt, dass selbst nach dem Auszug die Kinder weiterhin engen Kontakt zu den Eltern pflegen, sogar gemeinsame Urlaube planen. Danach wird der Bogen zu den „wahren“ Nesthockern geschlagen, die sich absichtlich in die Abhängigkeit zu den Eltern begeben aus Bequemlichkeit. Am Schluss endet der Bogen bei den Eltern, die aus narzisstischen Gründen ihre Kinder unterstützen, emotional wie finanziell. Zwar wird auch angegeben, dass aufgrund der Globalisierung die Kindergeneration stark verunsichert ist aufgrund der Unüberschaubarkeit und Unplanbarkeit der zukünftigen Karriere. Es endet offen mit der Frage, ab wann man erwachsen ist, aber irgendwie…

… ja, bekomme ich als Leser das Gefühl, dass eine gewisse Nähe zwischen Eltern und Kindern ab einem bestimmten Alter nicht mehr angemessen ist. Warum?

Nachdem wir jetzt die Freiheit genossen haben, die die Globalisierung uns möglich gemacht hat, stellen wir so langsam fest, dass es schon von Vorteil ist, Wurzeln zu haben. Alles ist so unbeständig, so schnelllebig und wechselhaft, da tut es gut einen verlässlichen Hafen zu haben. Die Anforderungen an uns als Person, Frau, Mann, Eltern, ArbeitnehmerIn, ArbeitgeberIn werden immer mannigfaltiger und auch anspruchsvoller. Widersprechen sich sogar. Warum dann nicht Rat und Unterstützung suchen bei jemanden, der mir geholfen hat zu dem zu werden, der ich bin?

Historisch brauch man gar nicht so lange zurückgehen, da hielt man zusammen in der Familie, als Clan. Erziehung war Familiensache, nicht nur Elternsache. Man unterstützte sich, man verließ sich aufeinander. Und nachdem man als Eltern die Kinder versorgt hat, hoffte man im Alter darauf, dass sich die Sorge umkehrte. So ganz ohne Grundsicherung und Rente…

Meine Nachbarin ist um die 80 und erzählt völlig wertungsfrei, dass ihre eigene Mutter mehr Erziehungsarbeit geleistet hat als sie selber. Denn sie selbst war arbeiten, ihre Mutter nicht. Und es konnte nur funktionieren mit dem Lebensunterhalt, wenn die ganze Familie mitzog. Was ist passiert in unseren Köpfen, dass wir die Familienzugehörigkeit kappen wollen, wenn die Kinder „erwachsen“ sind? Woher kommt das, dass wir denken, wir emerging adults müssen alles alleine hinbekommen? Ohne Orientierung und Hilfe? Denn wenn wir nach Rat suchen, um Unterstützung bitten, dann sind wir nicht erwachsen? Nicht abgenabelt genug? BITTE?!

(Wahrscheinlich genau aus dem Grund, warum ältere, erfahrenere ArbeitnehmerInnen nicht mehr so wertvoll sind, wie frische Kräfte. )

Wo es früher ein ganzes Dorf brauchte, um ein Kind groß zu bekommen, sollen jetzt die Eltern reichen. Aber bloß nicht mit der Hilfe der Großeltern! Nein, Besuchsomis und -opis müssen reichen. Dafür gibt es ja die staatliche Kinderbetreuung. Und die Doppelverdiener-Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um alles hinzubekommen. Oder wie in meinem Fall: die Alleinerziehende, die im System Hartz 4 gefangen ist. Aber sich seiner „Ressourcen“ bedienen, um sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen? Gerne, Hauptsache du verlässt dich NICHT auf deine Eltern dabei.

Momentan geht mir die mediale Aufbereitung, was die „heutige (Eltern-) Generation“ anbelangt echt auf den Keks. Ja, hinterfragt bitte, was wir so machen und wie wir es machen. Werft Fragen auf, macht euch auf die Suche nach Antworten. Aber bitte,BITTE, hört auf uns in Schubladen zu stecken und uns abzukanzeln! Wir wissen doch zum Teil selbst nicht mehr wonach wir uns richten sollen. Gebt uns doch Raum, einen Weg für uns zu finden. Jeder den seinen. Ganz viele. Und hört einfach auf uns die Türen zuzuschlagen. Denn mit jeder „Verurteilung“ nehmt ihr uns einen Weg. Nicht überbehüten! Nicht vernachlässigen! Vollzeit! Teilzeit! Keine Kaffee-Getränke! Nicht öffentlich stillen! Kein öffentliches Familienleben!

Ja, es nervt. Wirlich.

So, als Nachsatz  nochmal zu dem Artikel. Er war nicht so schlecht. Er hat sogar die richtigen Fragen gestellt. Nur sich leider hinreißen lassen zu pauschalisieren. Und sich selbst die Möglichkeit genommen, vorurteilsfrei in die richtige Richtung zu weisen. Eine Diskussion anzuregen ohne vorgefasste Meinung. Er hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.

More is yet to come,

M.

Shades of Pink #5: Madame Naseweis

Wie im letzten Beitrag bereits beschrieben, hat meine kleine Maus inzwischen eine sehr gute Vorstellung davon, was Höflich-sein bedeutet. Und wehe sie erwischt mich oder andere dabei, sich anders zu äußern, dann kramt sie ihre beste Besserwisser-Manier raus und verbessert. Also so richtig oberlehrerhaft, mit vorwurfsvoller Stimme, tadelndem Blick und manchmal sogar mahnendem Zeigefinger. Wo hat sie das her? Denn so mahne ich das bestimmt nicht. Ich habe da ja den Kindergarten im Verdacht.

Auf jeden Fall ist es immer sehr erheiternd, wenn sie mich z.B. unvermittelt anpflaumt: „Mama, das heißt WIE BITTE!“ Manchmal tut es mir ein wenig Leid, dass ich oftmals lachen muss und sie in ihren Augen gar nicht so sehr ernst nehme. Es ist halt einfach niedlich.

Neuerdings spricht sie auch nicht mehr von Frauen, sondern von Damen. Daran ist definitiv die Oma Schuld. 😉

Besonders nett ist es, wenn sie mit der Tochter von einer Freundin spielt. Beim Durchsetzen ihrer Interessen verlässt sie sich ganz auf ihre Gepflogenheiten, vergisst nur leider, dass sie mit einer sehr resoluten 3-Jährigen spricht. Von der freundlichen Aufforderung zum Spiel zum pädagogisch wertvollen Diskutieren, doch bitte das Spielzeug zurück zu geben. Effektiver Nutzen gleich Null.

Allerdings nicht immer. Denn sie ist sehr hartnäckig. Neuerdings. Wo sie vor kurzem noch heulend zu mir gelaufen ist, damit ich ihre Wünsche durchsetze, bleibt sie jetzt länger am Ball. Und nach 15 Minuten wird auf einmal das gespielt, was die kleine Maus vorgeschlagen hatte. Zufall?

Was aber inzwischen über das Naseweise hinaus geht, ist die Korinthenkackerei. Sie hat sich von mir (Asche auf mein Haupt) abgeschaut, dass es bestimmte Regeln gibt, die mir wichtig sind. Und natürlich von meinen Mitmenschen nicht unbedingt eingehalten werden. Also Vorschriften. Zum Beispiel, wo man parken sollte/darf. Oder als Auto-/Fahrradfahrer die Richtungsänderung anzeigt. Da werd ich schnell zum Tier.

Und genau das hat sich mein Töchterchen abgeschaut. Sie fragt richtiggehend nach, ob das Auto da vorne richtig geparkt hat. Oder mal wieder den Straßenübergang blockiert. Von blockierter Sicht möchte ich gar nicht erst anfangen…

Ich glaube, dass die meisten Kinder an ihrem Umfeld üben, wie das Regelwerk des sozialen Miteinanders funktioniert. Und so lange noch nicht verinnerlicht ist, dass andere vielleicht andere Regeln haben, wird munter verbessert. Ein normaler Lernprozess. Nichtsdestotrotz ein unglaublich herzerwärmender. Manchmal auch ein leicht beschämender (wenn man wegen der Flucherei vom eigenen Kind gescholten wird).

Und ich gelobe Besserung. Nicht in meiner Korinthenkackerei, die gehört zu mir. Aber dabei meine Tochter zu vermitteln, dass ich sie ernst nehme. Ich dementsprechend jedes Kichern oder Lachen unterdrücke und ihr zu verstehen gebe: Ja, ich habe dich gehört und du hast Recht. Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.

More is yet to come,

M.

Wie heißt das Zauberwort?

Heutzutage sind die Vorstellungen, was man seinem Kind mitgeben möchte in der Erziehung, ja sehr weit gefächert. Jeder hat so seine ganz eigenen Favoriten, was denn nun ganz wichtig ist. Und auch, wenn man Höflichkeit und gutes Benehmen nicht auf seiner persönlichen Hit-Liste hat, so wird sie in den meisten Fällen vom Umfeld vorausgesetzt. Schließlich sind das der Grundstock des gemeinschaftlichen Miteinander.

Wobei… manchmal frage ich mich auch, ob das tatsächlich noch der Fall ist. Zumindest mir habe ich es auf die Fahnen geschrieben, dass das liebe Kind weiß, wie man sich höflich benimmt. Dabei geht es mir nicht um gesellschaftskonformes Angepasstsein, sondern ich glaube einfach, dass man mit ein wenig Freundlichkeit und Höflichkeit schon recht weit kommen kann. Und das unsere Gesellschaft davon auch ein wenig mehr vertragen kann.  😉

Auch ich bin als Kind immer angehalten worden, schön brav bitte und danke zu sagen. Später erweitert um die richtige Verwendung des Konjunktives und das Bitten nicht als Forderungen formuliert werden sollten. Nur war ich – im Gegensatz zu meinem Töchterchen –  sehr schüchtern. Und die permanente Aufforderung von Fremden oder gerne auch Großeltern / entfernten Verwandten mich der Höflichkeit halber zu äußern, obwohl (!!) ich mich dabei gar nicht wohl fühle, löst bei mir heute noch Bauchgrummeln aus. SO möchte ich das nicht mit meiner Kleinen handhaben.

Gerade der Satz „Wie war das Zauberwort?“ ist bei mir negativ besetzt.  Und habe ihn auch meiner Mutter verboten.

Doch wie fängt man es denn nun an mit der Höflichkeitserziehung? (grausiges Wort… ;-)) Im Endeffekt ganz einfach: vorleben. Dadurch, dass ich sowohl in der Gastronomie und auch im Einzelhandel schon einen sehr freundlichen Umgang gewohnt war, fiel es mir sehr leicht das auch ganz normal im Umgang mit der kleinen Maus umzusetzen. Sogar Schimpfen klingt bei mir höflich ^^. „ZIEH DIR BITTE JETZT END-LICH DIE SCHUHE AUS!“

Auch meiner Mutter habe ich eingeimpft es nicht nur einfach zu verlangen, dieses bitte und danke. Sondern vorzuleben. Natürlich erinnern wir die kleine Maus auch hin und wieder diese Wort zu benutzen. Oder wenn sie etwas fordert, einfach sagen, dass wir es ihr gerne geben, wenn sie uns denn lieb fragt. Ich muss sagen, es funktioniert. Nicht immer, aber in bestimmt 70% der Fälle.

Und es ist immer besonders niedlich, wenn man dem eigenen Kind völlig verschlafen das Frühstück vorsetzt, sogar selber nichts sagt, und das Kinde einem dann ein zuckersüßes Danke! zukommen lässt. Oder genauso niedlich im Zwiestreit mit einem anderen Kind um ein Spielzeug sagt: „Kannst du mir das bitte wieder zurückgeben?“

Dabei fällt mir ein, demnächst sollten wir mal an dem Durchsetzungsvermögen arbeiten. Höflich kann sie ja. Nur leider bringen freundliche Nachfragen nicht viel bei anderen knapp Dreijährigen. Nur bei uns Erwachsenen.

More is yet to come,

M.

Don’t mess with my routine?! Screw it!

Liest man einen Baby-Ratgeber oder fragt man andere Mütter, kriegt man fast immer diese eine Aussage: Rituale und eine feste Routine sind essentiell wichtig für Babys und Kleinkinder. Egal, ob es nun um die Schlafenszeit oder das Bettritual geht, die Essenszeiten oder die allgemeine Tagesstruktur. Immer wieder wird einem empfohlen Rituale in den Alltag einzubauen und bestimmte Routinen einzuhalten.

Und ich muss sagen, bei uns hat es super geklappt. Wo früher das ins Bett bringen eine einzige Qual war, nachdem wir ein festes Ritual hatten (damals stillen und anschließend La-Le-Lu singen – schaukelnd), fielen ihr nach zehn Minuten die Augen zu. Sie mag nicht Zähneputzen? Dann erfinde ich doch ein Lied dazu bzw entwickele lustige Abläufe, die es nicht nur zur reinen Pflichtveranstaltung machen. Und auf einmal werden Alltagssituationen entschärft und entstresst.

Nun ist sie aber kein Säugling mehr und auch schon ein recht großes Kleinkind, sie geht immerhin auf die drei zu. Die Sicherheit und Verlässlichkeit bei all diesen Ritualen steht nicht mehr primär im Vordergrund. Vielmehr versuche ich damit, den obligatorischen Wutanfällen aus dem Weg zu gehen. Was ja meist auch klappt. Meistens… Denn das Problem ist doch Folgendes. Wenn man ein Ritual oder eine Routine in den Alltag integriert, einfach nur um den Wutanfällen einer 2-Jährigen zu entgehen, dann benutzt man es ja als Vermeidungsstrategie. Und das fragile Konstrukt der scheinbaren Harmonie fällt sofort in sich zusammen, wenn der kleine Wüterich NICHT seinen Willen bekommt.

Natürlich ist es wunderbar, wenn gerade morgens alles schön entspannt abläuft. Ohne Streit, Tränen und Gebrüll. Dazu muss ich aber auf Folgendes achten: auch wenn ich auf Toilette war, SIE spült. Den Teebeutel für ihren Tee tut SIE in die Tasse. Müsli- und Cornflakespackungen werden ausschließlich von IHR geöffnet und geschlossen. Schuhe zieht SIE sich auch nur selber an. Wenn ich mir die Haare fönen möchte, holt SIE den Fön aus dem Schrank oder die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wehe, ich bin morgens mal so richtig fies verschlafen, eigentlich noch gar nicht richtig wach. Und schwupps.. Habe ich bestimmt irgendwas gemacht, was normalerweise meine kleine Maus macht. Der Morgen ist gelaufen. Definitiv.

Das Schlimmste aber ist, dass es immer mehr Situationen gibt, in denen meine Tochter bestimmen will, wie etwas gemacht wird. Und dies mit allen Mitteln versucht durchzusetzen. Mir dämmert es so langsam, woher das kommt. Deswegen betrachte ich auch in aller Ruhe unseren kleinen Rituale und versuche herauszufinden, welche tatsächlich da sind, um Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, und welche schlicht und einfach Vermeidungsstrategien sind, damit ich mir nicht immer diesen Stress antun muss.

Und, was muss ich sagen: die Liste mit den Vermeidungsstrategien ist lang. Viel zu lang. Wenn ich jetzt natürlich rigoros alles von heute auf morgen wegstreiche, dann hab ich hier die Hölle auf Erden. Wirklich! Denn meine Kleine ist eine derartige Trotz- und Wutmaus mit totalem Dickschädel… Aber hilft ja nichts. Dementsprechend fahren wir die ganzen Annehmlichkeiten runter bzw wandeln sie um. Was da heißt: ich freue mich, wenn die Kleine mir beim Frühstück machen hilft. Aber sie darf es nur, wenn sie dabei bleibt und nicht mit etwas anderem beschäftigt ist. Und auch nur, wenn ich sie dazu auffordere. Ansonsten sind es meine Aufgaben, mein Hoheitsgebiet. Es ist also meine Entscheidung, wer was wann und überhaupt macht.

Rituale und Routinen sind Gold wert, wenn man mit einem Baby, einem Säugling zu Hause oder unterwegs ist. Denn diese kleinen Wesen sind verstandesmäßig und auch sprachlich nicht so weit unseren Erläuterungen zu folgen. Da müssen Taten her, um ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Doch je mehr ein Kind verstehen und begreifen kann, desto weniger ist man auf die Wiederholungen als einziges Mittel angewiesen.

Deswegen werde ich es zukünftig auch so machen, dass ich in regelmäßigen Abständen einfach mal überprüfe, was sich da so alles eingeschlichen hat als Routine. Und was davon einfach nur Vermeidung ist. Denn wenn meine Tochter auch nur das Gefühl bekommt, sie hätte die Oberhand, dann ist sie unerträglich. Was nicht nur mordsmäßig nervig und anstrengend ist, sondern einfach unglaublich gefährlich. Ich habe keine Lust, dass sie irgendwann auf die Straße läuft, einfach weil sie der Meinung ist, ich habe nichts mehr zu sagen und sie braucht auf mich nicht mehr zu hören. Dann muss ich jetzt in den sauren Apfel beißen und mir die nächsten Wochen ihr Genöle anhören, damit es später nicht noch sehr viel schlimmer kommt.

Denn eines kann man auch in so einigen Ratgeber lesen: wenn man Regel aufstellt und sie konsequent durchsetzt, vermittelt man seinem Kind dadurch auch Sicherheit.

More is yet to come,

M.

Miteinander fängt bei mir selbst an

Vor kurzem habe ich an einer Blogparade teilgenommen zum Thema „Mommy Wars“. Habe meine eigenen Erfahrungen geteilt – privat wie in den Online-Medien. Nun ruft Munichs Working Mom dazu auf, sich aus einer anderen Perspektive dem Thema zu nähern. Also nicht all die Mütter dort draußen, dafür zu sensibilisieren, wie schnell man gefühlt angegriffen wird, sondern stattdessen zu schauen, wo man sich unterstützen kann oder vielleicht auch schon wird. Gerne nutze ich die Chance auch hier meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. 😉

Wie schon im Vorbeitrag erwähnt, finden meiner Erfahrung nach die schlimmsten Grabenkämpfe im Internet statt. Schon beim Mitlesen verkrampft sich oft alles bei mir und der Puls steigt. Theoretisch könnte ich mich von einer Diskussion zur nächsten klicken und den ganzen Tag völlig aufgebracht durch die Gegend laufen. Theoretisch. Denn hier habe ich ja alles in die Hand. Ich kann mich daran beteiligen, genauso unpassende, hetzerische Kommentare verfassen. Ich kann es aber auch einfach sein lassen. Spart mir einiges an Aufregung. Viel besser noch: ich klick gar nicht erst auf die Beitrage, bei denen unsachliche Diskussionen vorhersehbar sind. Spart Zeit und Nerven. Ganz einfach.

Denn gerade im Internet achten die wenigstens auf Höflichkeitsfloskeln und Anstandsregeln. Da wird ungefiltert gepostet, was das Zeug hält. Vielleicht auch einfach um selber etwas kompensieren zu können. Und dem muss man sich ja nicht aussetzen, wenn es einen selbst mitnimmt. Wenn natürlich der heißgeliebte Blogger in die Mangel genommen wird und man das unfair findet, kann man sich natürlich einschalten. Aber bei einem x-beliebigen Post? Es ist ganz die eigene Entscheidung.

Nächster Punkt: Baby- und Spielgruppen. Ich muss sagen, ich bin sehr gerne hingegangen. Einfach um den Kontakt zu anderen Eltern zu bekommen. Und damit meine kleine Maus auch mal unter andere Kinder kommt. Meine Familie ist so klein bzw so zerissen, dass ich einfach die einzige bin, die gerade ein kleines Kind hat. Auch im Freundeskreis war ich die einzige mit Kind. Und in mir war der Wunsch einfach auch da, mich aktiv auszutauschen im realen Leben. Mir nicht irgendwelche Storys von anno dazumal anzuhören von Mutter, Oma etc.

Und ja, im Vergleichen war ich immer ganz vorne mit dabei. Aber es war in keinster Weise böswillig!! Da ich vorab schon von Mommy Wars gehört habe, habe ich sehr stark darauf geachtet, wie ich etwas formuliere. Zuallererst war ich tatsächlich einfach nur megamäßig stolz. Darüberhinaus hatte ich aber schon im Blick, dass mein Kind nicht der Standard für alle anderen war. Ich relativierte Dinge auch, indem ich zum Beispiel auch von mir aus berichtete, was nicht so gut läuft, wo meine Kleine evtl auch einfach „hinterherhinkt“. Ich finde, dass man indem man Schwächen zugibt, ganz deutlich Zeichen setzt, dass es einem NICHT ums Konkurrieren, sondern ums Austauschen von Erfahrungen geht. Meinem Empfinden nach waren wir Mütter in meiner Gruppe alle sehr freundlich und entspannt miteinander.

Wenn ich also Tipps geben sollte an (werdende) Mütter, wäre der erste: Legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Unterstellt keine böse Absicht, nur weil sich eine Mutter/ein Vater stolz über einen Meilenstein seines Sprösslings äußert. Der zweite Tipp wäre: Achte auf die Wortwahl! Denn ein „Wie, deiner kann das noch nicht? Meiner konnte das schon mit…“ ist schon sehr verletztend. Und der dritte Tipp: Backe kleine Brötchen. Einfach mal nicht ALLES hervorheben, was der kleine Stammhalter schon kann, sonder auch mal darüber sprechen, was noch nicht so klappt, oder was dir diesbezüglich Sorgen macht.

Am schwierigsten finde ich es mit Mommy Wars im eigenen Umfeld umzugehen. Ist es nur eine flüchtig bekannte Mutter, versuche ich einfach nicht auf das Thema einzugehen. Manchmal verteidige ich mich (leider) auch. Ich mache mir meist einfach nur bewusst, dass Kinder so unterschiedlich sind und die andere Mutter mir einfach nur einen netten Tipp geben wollte, obwohl sie ja gar nicht um die Umstände weiß. Und wenn mich ein doofer Kommentar nur peripher berührt, dann rege ich mich auch nicht darüber auf. Wie soll denn die andere Mutter wissen, dass meine Tochter inzwischen die zweite Trennung von nahen Bezugspersonen durchmachen muss (erst Papa und Mama getrennt, jetzt auch Oma und Opa) und sie jetzt wieder vermehrt ihren Nuckel braucht? Und deswegen auch die Betreuungszeiten in der Krippe verkürzt wurden, weil es ihr so nahe geht? Natürlich kann ich das kommunizieren, kommt darauf an, wie ich zur anderen Person stehe. Oder ich lasse es und gehe weiter.

Bei wirklich nahen Personen wird es für mich wirklich schwierig. Zu schnell fange ich an mich zu verteidigen, zu schnell nehme ich es mir auch zu Herzen. Den einzigen Versuch, den ich machen kann, ist klar zu machen, dass ICH es so mache, wie ICH es für richtig halte. Und das bestimmte Formen von Kommentaren und Bemerkungen vielleicht lieb und fürsorglich gemeint sind, aber im Endeffekt nur verletzend sind. Denn oftmals stellen sie meine Rolle als Mutter in Frage, wenn andauernd etwas kritisch hinterfragt wird. Und das tut nunmal weh.

So, nachdem ich lang und breit darüber geschrieben habe, wie man sich selbst wappnen kann, damit einen Bemerkungen nicht sofort nahe gehen, sondern sie einfach anders eingeordnet werden, komme ich zu den Sachen, wo es schon wirklich gut klappt mit den anderen Müttern.

An erster Stelle meine Mutter. Auch wenn sie gerne mal besserwisserisch rüber kommt und hintenherum kritisiert, sie bringt mir sehr viel Wertschätzung entgegen. Sie weiß um meine Vorgeschichte, die nicht so leichte Schwangerschaft, die furchtbare Zeit nach der Geburt mit dem ganzen Beziehungsstress. Sie sieht meine Fortschritte und lobt mich dafür. Sie sieht wie ich an mir und auch an mir als Mutter arbeite und unterstützt mich. Sie sieht, wenn meine Kräfte am Ende sind und nimmt mir meine Tochter ab. Oder sie bügelt meine Wäsche, weil ich es abends nicht mehr schaffe. Und sie sagt mir immer wieder, wie toll ich das mache, trotz widriger Umstände. Sie fragt, wo ich Hilfe brauche und wie sie mich nach ihren Kräften dabei unterstützen kann. Das baut mich tierisch auf und gibt mir immer wieder die Kraft, weiter an allem zu arbeiten.

Ich habe auch eine ganz liebe Freundin, eine „Leidensgenossin“, die in vielen Dingen mit mir übereinstimmt. Wir können klare Kante miteinander sprechen, wenn es denn sein muss. Nicht wie die Axt im Walde, sondern in den Momenten, wo wir gerade offen füreinander sind. Uns verbindet vieles und das erleichtert schon einiges, wenn man sich im Minenfeld der Erziehung und Mutterschaft bewegt. Doch wir haben genug Respekt voreinander, uns auch verschiedene Meinungen zuzugestehen. Und wenn einer von uns ein Problem hat, dann wird nur gefragt, wie man helfen kann, nicht, warum es dazu kommen könnte, und hättest du es mal so und so gemacht. Wir träumen auch davon, dass wir demnächst bald direkt um die Ecke wohnen, damit wir uns mehr unterstützen können. Das Abholen der Kinder zusammenlegen, mal die eine, mal die andere. Offener sind für spontanere Unternehmungen miteinander und einfach das Notfallnetz für den Anderen. Hach.

Als dritte möchte ich auch meine beste Freundin nennen. Das mit dem Taktgefühl ist nicht so ihrs und sie hat schon den ein oder anderen Kommentar gebracht, der mich wirklich verletzt hat. Doch so langsam kommt die Einsicht, dass sie in vielen Dingen falsch lag. Dass sie als damals noch Nicht-Mutter einfach keinen Plan hatte. Und sie sich selbst so viele Dinge vorgenommen hat, von denen sie feststellen musste, dass es mit ihrem eigenen Kind in keinster Weise möglich war. Manchmal hab ich dann meine kleine persönliche Rache (ich weiß, ich sollte mich schämen). Aber in den meisten Fällen freue ich mich, dass auch meine beste Freundin jetzt Einsichten gewonnen hat und sie im Nachhinein mein Verhalten als Mutter neu bewertet. Und sieht, wie falsch sie lag. Immer wieder lässt sie durchblicken, dass sie aus ihrer neuen Sichtweise mir ihre Wertschätzung entgegenbringt. Und das freut mich einfach. Umgekehrt habe ich sie immer wieder ermutigt, wenn es nicht so lief und sie aufgebaut. Sie wiederum hat massiv auf meine Erfahrungsschatz zurückgegriffen und ein wenig Ruhe dadurch gewonnen, dass bei mir auch alles weit von PERFEKT gewesen ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass, wenn wir Mütter ein wenig darauf achten, was wir wie sagen und das Gesagte des Anderen nicht immer gleich auf die Goldwaage legen, eine wunderbare Stütze für einander sein können. Und dass wir, wenn wir unsere Zeit und Energie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verplempern, diese bündeln können für Themen, die uns alle angehen: Hebammen, Kinderbetreuung, flexible Arbeitsweise und Lebensmodelle. Lasst uns ein Herz fassen und nicht immer das Schlechteste unterstellen, sondern nur das Beste!

More is yet to come,

M.

Wer bin ich? Und wieviele?

Ich weiß noch, wie ich mich als frischgebackene Mutter gefühlt habe. Ich war voller Erstaunen, weil dieses kleine Baby auf meinem Arm tatsächlich mein Baby ist. Überwältigt von der Liebe und auch von der neuen Verantwortung. Am Anfang noch voller Unsicherheiten und später mit einem doch recht soliden Bauchgefühl, gebaut auf den gesammelten Erfahrungen. Diese Zeit war magisch – und wahnsinnig anstrengend. Solange die kleine Maus noch viel schlief (bis zu 16 Stunden am Tag), hatte ich zwischendurch immer mal wieder ein wenig Zeit für mich. Mit den längeren Wachphasen, verschwand diese Zeit. Dafür wuchs ein Selbstverständnis, dass ich Mutter bin. Und irgendwann war ich es auch mit Fleisch und Blut.

Doch je länger die Zeit anhielt, in der ich ausschließlich Mutter war, desto mehr merkte ich, dass ich andere Aspekte meines Seins, meiner Persönlichkeit sträflich vernachlässigte. Der Start der Beikostphase begrüßte ich euphorisch. Endlich musste ich nicht ständig zur Verfügung stehen. Ich konnte und durfte meine Kleine auch mal abgeben. Vorher ging es nie, ich stillte alle 2 Stunden und nach der Brustentzündung direkt nach der Entbindung wollte ich weder mit Pre-Nahrung noch Abpumpen das emfpindliche Stillgleichgewicht durcheinanderbringen.

Der Start in die Krippe war der nächste Meilenstein auf dem Weg, mehr Zeit für mich zu haben. Ich stellte nur schnell fest, dass ich nicht wirklich wusste, was ich realisieren sollte. Darüber hinaus wird der Haushalt nicht weniger, nur weil ich mal ein bisschen weniger Kind habe. Das Ausüben von Haushaltstätigkeiten war einfach nur ruhiger und effektiver zu bewerkstelligen.

Und inzwischen ist mein Alltag relativ gut durchgeplant – nur die Zeit für mich bleibt gefühlt immer noch auf der Strecke. Deswegen stell ich mir jetzt mal die Frage, warum ich und vielleicht auch andere häufig das Gefühl haben, ihre Bedürfnisse blieben auf der Strecke, obwohl sie von außen gesehen doch was für sich machen?

Und die kurze Antwort ist: weil jeder Mensch aus ganz vielen Facetten besteht. Mit eigenen Bedürfnissen. Und diese Bedürfnisse sind nicht immer miteinander vereinbar. Also geht man Kompromisse ein. Mal bekommt die eine Facette den Vorrang und manchmal die andere. Doch die ganze Zeit steht man im Konflikt mit sich selbst und den so unterschiedlichen Bedürfnissen.

Je mehr Erfahrungen man macht, je mehr Kontakte man hat, umso mehr Facetten bilden sich aus. Oder halt auch Rollen, mit den entsprechenden Erwartungen von Außenstehenden.

Ein Baby ist schon von Geburt an schon mehr als  nur ein Baby. Es ist Sohn/Tochter, Enkel, Cousine usw. Natürlich bildet sich das Bewusstsein erst mit den Jahren aus. Anfangs geht es nur um die Befriedigung der wichtigsten Bedürfnisse. Essen, Schlafen, in die Windel machen, Kuscheln, Aufmerksamkeit – darum geht es am Anfang. Bis das Kind lernt, dass die Bezugspersonen auch eigene Bedürfnisse haben und man die eigenen nicht immer sofort befriedigt bekommt. Darüber hinaus lernt es, dass die jeweilige Beziehung zu einer Person, die eigene Reaktion bestimmt. Und daraus entwickeln sich die Facetten.

Später kommen immer mehr dazu. Durch Schule, Freundschaften, Bekanntschaften entwickelt man sich weiter. Dabei werden andere Veranlagungen nicht einfach überschrieben, sondern bekommen vielleicht einfach andere Wertigkeiten. Wenn man als Junge zum Beispiel findet, dass es eigentlich ganz nett ist mit der kleinen Schwester Puppen zu spielen, er das unter Umständen aber nie vor seinen Kumpels zugeben würde. Das Bedürfnis ab und an mal mit Puppen zu spielen ist da, doch es wird schon stark unterschieden, mit wem man es auslebt.

Und so geht es immer weiter. Irgendwann gibt es eine gesellschaftliche Facette, eine politische. Man wird Teil der Arbeitswelt. Man lernt, dass bestimmte Aspekte, Facetten seiner Persönlichkeit nicht in jeder Situation angemessen sind. Man passt sich den Gegebenheiten an. Bishin zu Äußerlichkeiten, wenn z.B. ein bestimmter Dresscode bei der Arbeit vorgegeben wird. Auch der Sprachgebrauch ändert sich, je nachdem, welche Facette nun gerade zu Tage tritt.

Das führt auch zu dem Rückschluss, dass Menschen, die sich in verschiedenen Situation unterschiedlich verhalten, nicht unweigerlich falsch sind. Sie grenzen ihre Facetten einfach nur besser ab und haben vielleicht verschiedene Modi für unterschiedliche Situationen. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich verstellen, um zu lügen und zu betrügen, aber um die geht es hier nicht.

Was bedeutet das nun für mich? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so wirklich genau. Es hilft mir auf jeden Fall, Situationen anders zu bewerten. Es ist nicht verwerflich, wenn ich nach 1 1/2 Jahren das Bedürfnis habe, mal ICH zu sein. Nicht nur Mutter. Und es ist auch ok, wenn ich mich gerne mal wieder als Frau fühlen möchte. Ich mir überlege, wegzugehen, mit Freundinnen rumzuhängen, über Männer zu lästern und auch mal zu flirten. Deswegen bin ich keine schlechte Mutter. Meine Tochter ist 2 1/2, sie braucht mich nicht mehr 24/7. Es gibt mehrere vertraute Bezugspersonen wie ihren Vater oder ihre Oma, die mir helfen, dass ich aus der Mutterrolle rauskomme für ein paar Stunden oder über Nacht.

Es hilft mir auch zu verstehen, dass ich auch mal einige Sachen zurückstellen. Und mich dafür nur auf bestimmte Dinge fokussiere. Der Führerschein ist angefangen, da darf ich es nicht zu sehr schludern lassen. Und die Bewerbungen stehen im Vordergrund, die Fristen stehen fest.

Wenn ich allerdings nur ausschließlich die äußeren Zwänge bestimmen lasse, wer ich gerade bin, brenne ich schnell aus. Meine Methode, dem entgegen zu wirken, ist, ganz bewusst Zeiten einzuplanen, in denen ich ein anderes ICH hervorkommen lasse. Das Bloggen ist eins der Dinge, verschiedene Aspekte zu beleuchten und mich mit mir selbst zu beschäftigen. Sehr praktisch ist auch, dass ich zur Zeit einen regelmäßigen Frauenabend habe mit einer befreundeten Mutter. Wenn die kleine Maus im Bett ist, schauen wir Filme, spielen Singstar, lachen, erzählen und haben einen entspannten Abend. Und am nächsten Morgen ist sie noch da und wir frühstücken in aller Ruhe mit der Kleinen.

Indem ich mich damit beschäftige, wie viele verschiedene Facetten ich habe, mit den dazugehörigen Bedürfnissen und Erwartungen, gelingt es mir immer wieder eine bessere Balance zu finden zwischen ihnen. Und das macht mich entspannter. Zufriedener. Es gibt mir die Möglichkeit bewusst zu entscheiden, was Vorrang hat, aber auch die Gelassenheit aus dem Wissen, dass andere Aspekte zu einem anderen Zeitpunkt ausgelebt werden.

Denn eigentlich macht es mich zu einer besseren Mutter, wenn ich nicht alle anderen Facetten verleugne, sondern sie zum richtigen Zeitpunkt auch auslebe. Ich bin dann ausgeglichener. Und ich habe wieder mehr Energie und Konzentration, die dann der kleinen Maus zu Gute kommen.

More is yet to come,

M.

Wenn die Geburt einen nicht mehr loslässt…

Momentan ist bei mir die Geburt meiner Maus wieder super präsent. Das liegt zum einen daran, dass ich sie nie so richtig verwunden habe, aber auch daran, dass ich die Auswirkungen wieder an IHR sehe. Dazu später noch ausführlicheres. Vorne weg: der Geburtsbericht der folgt ist mit Sicherheit keiner, der „toll“, „wunderbar“ oder ähnlich verklärt ist. Für mich ist die Geburt unvergesslich – leider eher im negativen Sinne.

Die letzten Monate meiner Schwangerschaft verbrachte ich zu Hause. Auf mein Bitten hin hatte ich ein Berufsverbot bekommen, da ich auch mit Einhaltung der Mutterschutzbestimmungen immer wieder Probleme hatte bei der Arbeit. Immer häufiger kam ich spontan zum Gynokologen, weil ich leichte Vorwehen hatte. Hinzu kam auch, dass mir in der Schwangerschaft 3 Weisheitszähne gezogen werden mussten und das auch in Vorwehen endete. Und in einer Fast-Einweisung ins Krankenhaus, weil ich durch die Entzündung im Mund nicht essen konnte und stark abnahm.

Die Zeit zu Hause tat mir gut. Ich fing an zuzunehmen und im 6./7. Monat hatte ich auch wieder mein Startgewicht, das ich zu Beginn der Schwangerschaft hatte. Bei meinem Arzt fühlte ich mich gut aufgehoben. Die notwendigen Vorsorgen wurden gemacht. Dabei fiel immer wieder auf, dass meine kleine Bauchmaus entwicklungsmäßig immer 1-3 Wochen ihrer tatsächlichen Woche vorraus war. Leider konnte mich mein Gyn die letzten Wochen vor der Geburt nicht mehr selbst betreuen, da er erst im Urlaub und danach selbst krank war. Seine Kollegin, die bei ihm mit in der Praxis war, übernahm für ihn. Bei meinem letzten Ultraschall hatte sie Probleme meine Bauchmaus zu messen, da der Oberschenkel zum Teil hinter meinen Rippen verborgen lag. Trotzdem trug sie das errechnete Gewicht ein – was im Krankenhaus später zu Fehleinschätzungen beitrug.

In der 32. Woche musste ich ein 2. Mal zum Glucose-Toleranz-Test. Meine Urinwerte waren massiv „überzuckert“ und meine Gewichtszunahme war auch grenzwertig. Auch der Bauchumfang wurde sprunghaft mehr. Aber laut Test war alles gut. In der 34. Woche waren es dann schon 134cm, danach hab ich nicht mehr gemessen. Immer häufiger bekam ich Probleme beim Laufen, meine kleine Maus klemmte mir die Nerven zu den Beinen ein. Mein Bauch war inzwischen ganz schief, sie lag mehr rechts als mittig. Wenn sie sich mal streckte in meinem Bauch, wurde ich kurzatmig und meine Lippen wurden blau.

In der 37./38. Woche war ich in dem Krankenhaus, in dem ich entbinden wollte. Ursprünglich wollte ich mich dort anmelden (jaja, ich weiß, war echt spät dafür). Ich bekam aber nur ein Vorgespräch, die Daten wurden aufgenommen. Einen Termin, dass ich dort mal untersucht werden sollte? Fehlanzeige. Also weiterhin zu der Vertretung meines Gyn.

Dann war es soweit. Sonntagabend sprang mir die Fruchtblase zu Hause. Zum Glück im Badezimmer. Ich zog mich erstmal um und „legte mich trocken“. Danach weckte ich meinen Freund, der sich grad erst hingelegt hatte, und rief meine Mutter an. Beide sollten mich bei der Geburt begleiten. Relativ ruhig und entspannt, aber natürlich auch neugierig-gespannt ließ ich mich dann ins Krankenhaus fahren. Der Freund meiner Mutter verfuhr sich erstmal vor Aufregung.

Ich stellte mich dirket im Kreissaal vor, die erste richtige Wehe hatte ich grad erst gehabt. Mit 2 cm MM und kaum Wehentätigkeit wurde ich erstmal auf Station geschickt. Sollte dort mein Bett vorbereiten und die Krankenhaustasche verstauen. Gegen halb 12 nachts wollten sie nochmal kontrollieren, ob es jetzt so richtig losginge oder nicht. Und ja, es ging los. Es wurde nochmals ein Ultraschall gemacht, um Lage und Größe des Kindes zu überprüfen. Lage war ok, doch Größe… war schwer zu bestimmen, da inzwischen weder Femur noch Kopfumfang vernünftig zu messen waren. Verdeckt von meinen Rippen und meinem Becken/Schambein. Grob geschätzt kamen sie dann auf die Maße 4000-4400g. Mit einbezogen wurde natürlich auch das schon grob geschätze Gewicht einige Wochen zuvor. Zwar wollte die Hebamme vor Ort nochmal von außen tasten, wie groß das Kind sei – tat sie aber doch nicht. Ich bekam dann noch ein Aufklärungsgespräch, das sie „normalerweise“ erst ab einem Schätzgewicht von über 4500g führten. Dabei ging es darum, dass so schwere Kinder zum Teil mit der Schulter bei der Geburt hängen blieben und man dann vielleicht einen KS in Erwägung ziehen sollte.

Daraufhin wurde ich noch gefragt, ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorlag, was ich ja guten Gewissens verneinen konnte, war ja 2 Mal getestet worden. Danach schien für sie klar zu sein, dass ich die 4400g wohl nicht knacken würde. Meine Einwände, dass mein Vater und mein Onkel beide knapp 5 kg bei Geburt wogen und mein Onkel unter der Geburt mit der Schulter hängen blieb, wurden einfach abgetan. Auch der Hinweis, dass in der Familie meines Freundes alle Kinder sehr groß sind, interessierte niemanden. Das einzige, was interessierte, war, dass ich als Baby gut 3500g gewogen habe und keine Schwangerschaftsdiabetes vorlag. Man riet mir von einem Kaiserschnitt ab. Sie würden mir aber Bescheid geben, sollte es Verzögerungen bei der Geburt geben, die auf die Kindsgröße zurückzuführen sei. Man würde dann das Thema Kaiserschnitt noch mal erörtern. Darauf verließ ich mich. Dummerweise.

Inzwischen waren meine Wehen recht häufig und sehr schmerzhaft. Man gab mir Schmerzspritzen, damit ich mich erholen konnte zwischendrin. Denn es gab keine Wehenpausen für mich. 3,4 Wehen hintereinander, mit Glück mal 2 Minuten Pause bevor die nächsten Wehen kamen. Mein unterer Rücken schmerzte unerträglich und meine Mutter massierte mir stundenlang diesen Bereich.

Bei 6cm MM schickten man mir nach Rücksprache einen Anästhesisten. Er legte einen Zugang und nahm Blut ab. Die Ergebnisse müssten wir noch abwarten, doch dann könne man eine PDA legen. Mir war das nur recht. Obwohl mir vorher der Gedanke nicht behagt, merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. So langsam freundete ich mich mit dem Gedanken an, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. Denn mein Bauchgefühl sagte mir: das Kind ist wirklich GROSS, das schaffst du vielleicht nicht.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Bei der nächsten Kontrolle durch die Hebamme stellte sie fest, dass ich in weniger als einer Stunde von 6 auf 10cm MM gesprungen war und auch schon Presswehen hatte. Jetzt sei eine PDA nicht mehr möglich. Und ich verabschiedete mich von einem KS, dann ich wollte den ersten Schrei meiner Tochter nicht verpassen.

Es war 3 Uhr morgens und wir zogen um in den richten Kreissaal. Mir wurde gesagt, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste drücken, sollte ich ruhig schon mal schieben. Stundenlang tigerte ich durch den Kreissaal. Bei jeder Wehe stützte ich mich am Bett ab oder den Kommoden und schob. Ich krabbelte auch auf die Liege und probierte den Vierfüßler. Ich war konzentriert, sprach wenn überhaupt in 1-Wort-Sätzen. Das Thema KS war für mich erledigt. Auch die Hebamme oder die Ärztin sprachen nicht mehr darüber. Ich glaubte fest daran, dass man mir sagen würde, wenn die Geburt nicht schnell genug voran ging. Rückblickend frage ich mich, wie viel Zeit normalerweise eigentlich vergeht, von vollständig eröffnet zu „sie dürfen jetzt pressen, das Köpfchen ist schon fast zu sehen“? Denn das Köpfchen ließ sich Zeit. Um 8 war dann Schichtwechsel. Der Kopf war endlich runtergewandert. Ich sollte mich auf die Liege legen und schonmal pressen, wenn mir daran wäre. Das verunsicherte mich. Denn es war ja keine Hebamme da, sie waren ja im Schichtwechsel, besprachen sich irgendwo.

Um 8.30 war dann die neue Hebamme da. Sie ließ mich 2 Mal pressen und meinte dann, dass ich an den Wehentropf müsste, die Wehen wären nicht stark genug. Und das ich an die falsche Stelle pressen würde. Zum Glück legte sie mir dann den Finger einfach dorthin, wohin ich pressen sollte. Das half mir enorm. Also doch kein Wehentropf. Inzwischen kannte ich nur noch 2 Worte: Trinken und Waschlappen. Meinem Freund hatte ich noch ein Sorry zugeflüstert, dann war ich nicht mehr in der Lage Englisch mit ihm zu sprechen oder überhaupt zu verstehen.

Komplett fokussiert versuchte ich, meine kleine Maus hinauszupressen. Ich fluchte nicht, weinte nicht, schrie nicht. Ich brauchte die Kraft für was anderes. Seltsamerweise beobachtete mich ein Teil von mir von außen. Dieser Teil registrierte alles um mich herum. Dass mir ein Katheter geschoben wurde. Dass der Kopf meiner kleinen Maus zwar immer wieder zu sehen war, doch nach jeder Wehe zurückrutschte. Dass sich die Ärztin und die Hebamme erst leise besprachen, bevor sie mir ungefragter Weise einen Dammschnitt verpassten. Mir war es nur recht, es dauerte schon so lange und der Schnitt tat nicht wirklich weh.

Dann war es soweit, der Kopf war endlich draußen. Und dann wurde es hektisch. Es ging nicht mehr vorran. Sie steckte fest mit der Schulter. Die Wehen waren schlagartig weg. Sofort wurde der Wehentropf voll aufgedreht, zum Glück war er schon angeschlossen. Man drückte mir von oben auf den Bauch, versuchte mir beim Pressen zu helfen. Dann stand auf einmal der Oberarzt vor mir. Der Bruder von meinem Gyn, was ich vorher schon wusste. Das Bett wurde umgebaut, ich musste jetzt richtig auf dem Rücken liegen, die Beine nach oben. Die beiden Ärzte bewegten meine Beine in einer Art Fahrradfahrbewegung, in der Hoffnung, die Schulter würde dadurch frei werden. Funktionierte nicht. Anschließend half man mir in den Vierfüßler. Dann wieder zurück auf den Rücken. Half auch nicht. Laut meiner Mutter kniete mein Freund inzwischen hinter meinem Bett und betete. Er verstand ja nix, bekam nur mit, dass irgendwas nicht stimmte. Ich hatte ihn komplett ausgeblendet.

Dann kam die Ansage vom Arzt: Scheiß auf die Wehen, sie pressen jetzt und hören nicht mehr damit auf, das Kind muss jetzt raus. Zu zweit drückte man auf meinen Bauch und schob die Kleine nach unten. Zwischen meinen Beinen stand auch irgendwer, keine Ahnung wer, war ja auch nicht wichtig, und zog. Und ich presste, gab alles. Ich merkte wie ich riss. Ich konnte es fast hören, das Geräusch. Ich hieß es willkommen, denn es bedeutete mehr Platz. Raum, den meine Tochter brauchte, um auf die Welt zu kommen. Und in einem Schwall Blut wurde sie dann auch endlich geboren. Es war 10.23 Uhr.

Sofort schaute ich auf, wollte mein Kind sehen. Die ganze Schwangerschaft hatte ich gerätselt, wie dunkel sie würde durch ihren afrikanischen Anteil. Sie war dunkel irgendwie. Und dann rauschte die Assistenzärztin mit ihr an mir vorbei. Ich war verwundert. Irgendwas lief hier falsch. Ich sollte sie doch eigentlich auf die Brust bekommen, wie das hier Usus ist. Deswegen hatte ich das Krankenhaus doch unter anderem ausgesucht. Und etwas anderes war auch komisch, ich brauchte aber ein paar Sekunden, um es zu realisieren. Sie hatte nicht geschrien. Die Sekunden zogen sich endlos dahin, es wurde eine Minute und dann endlich hörte ich ein Kind weinen. Ist das meine? fragte ich, doch bekam keine Antwort.

Währenddessen half mir der Oberarzt bei der Nachgeburt. Hob sie in die Höhe, präsentierte sie mir. Sie sei vollständig und sehe sehr gesund aus. Interessierte mich nicht. Wurde gefragt, was wir damit machen wollten. War mir egal. Ich wollte mein Kind, nicht meine Plazenta! Und dann endlich kam sie. Doch noch immer durfte ich sie nicht haben. Jetzt wurde sie gewaschen und vermessen. Größe 56cm, Kopfumfang 36cm. Und das Gewicht hat dann allen die Schuhe ausgezogen. 4950g! Und dann war endlich Mama-Time. Ich bekam sie auf die Brust gelegt. Mein kleines helles Michelin-Männchen. Noch völlig zerknautscht von der Geburt. Mit Einblutungen in den Augen und auch darum herum. Und so hell. Erst dachte ich, ich hätte mich einfach nur verguckt, doch 2 Tage später machte es dann klick. Sie war dunkel gewesen – dunkelblau. Man erzählte mir auch, dass sie kurz 1,2 Züge aus der Sauerstoffmaske gebraucht hätte, aber dann hätte es auch keine Probleme mehr gegeben. Währenddessen kümmerte sich der Arzt um meine Geburtsverletzungen. Erst stillte er provisorisch die Blutungen, um herauszufinden, wo ich tatsächlich gerissen war.

Erleichtert stellte er fest, dass der Muttermund intakt geblieben war. Dann machte er sich daran, zu nähen. Über eine Stunde war er beschäftigt. Zwischendurch wurde er angpiept, doch hat er nach kurzer Besprechung beschlossen, erst mich zuende zu nähen und stattdessen die Assistenzärztin zu schicken.

Und ich? Ich war fertig. Und völlig zufrieden damit, meine kleine Maus zu halten. Sie anzuschauen, jedes Detail einzusaugen. Und dann kam man auf mich zu und eröffnete mir dann, dass die Kinderärztin bei ihrer Untersuchung etwas festgestellt hätte. Mit ihrem Arm wäre etwas nicht in Ordnung. Noch könnte man nicht genau sagen, wie schlimm es sei. Fakt ist, dass zu dem Zeitpunkt der Arm gelähmt sei. Ich müsse aufpassen, wie ich sie halte und dass sie nicht darauf liegt. Denn sonst könnte die Blutzufuhr abgedrückt werden. Die Kleine könne das momentan noch nicht spüren. Und selbst wenn, sie kann ich auf jeden Fall nicht selbstständig wegnehmen. Wenn wir Glück hätten, wär der Nerv bei der Geburt nur überdehnt worden. Es könne aber auch sein, dass er gerissen ist. Das könnte man jetzt noch nicht sagen.

Ich nahm das erstmal gleichmütig hin. Ich war zu kaputt, um mir darüber Sorgen zu machen. Meine kleine Maus war endlich da, ich hielt sie in meinem Armen und das reichte mir. Irgendwann kam ich dann wieder in den Ruheraum. Und dann auf Station. Ich bekam Essen. Meine Mutter half mir dann später mich umzuziehen und mich frisch zu machen. Das Blut von den Beinen und den Füßen zu waschen. Ich erinnerte mich wieder an den Kreissaal. Das eine Mal, wo ich zum Fußende der Liege geschaut habe. Das ganze Blut, das den unteren Teil der Liege getränkt hatte und danach auf den Boden getropft war.

Erst gegen 18 Uhr konnte ich meine Tochter zum ersten Mal anlegen. Wegen ihres Arms musste ich sie rechts anders halten, was ich kaum konnte. Es gab auch leider keine Stillkissen auf den Zimmern. Nur im „Stillraum“, der am Ende des Gangs lag. Zu weit weg für mich. Rechts stillen wurde zum Problem. Erst mit Kissen und Decke eine Plattform bauen, denn ich konnte sie mit ihren knapp 5 Kilo nicht lange halten. Nicht so lange ich noch so unsicher war beim Anlegen. Und das Aufstehen oder auch nur anders Hinsetzen schmerzte mich sehr. Am nächsten Morgen sollte ich mir schon selber mein Frühstück vom Buffet holen. Mit Hilfe des Babybalkons schaffte ich das dann auch. Ohne wäre ich wahrscheinlich einfach umgefallen.

Ich bekam irgendwann wortlos Eisentabletten gereicht. Und nach 48 Stunden schon gefragt, wann ich denn abgeholt würde. Ich kassierte einen bösen Blick, als ich sagte, dass ich vor morgen nicht gehen würde. Nach wie vor brauchte ich noch jedes Mal Hilfe beim Anlegen. Mein Kreislauf war unter aller Kanone. Ich bekam einen riesen Haufen Papier. Unter anderem für’s Sozialpädiatrische Zentrum in der Kinderklinik. Am dritten Tag wurde ich dann wieder darauf hingewiesen, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte/sollte. Die Station war recht voll. Sie bräuchten die Betten. Nicht, dass man vielleicht erstmal die Familienzimmer hätte auflösen können, davon gab es immerhin 3 zu dem Zeitpunkt. Nein, ICH soltte gehen. Dabei sah die Kaiserschnittpatientin, die am gleichen Tag entbunden hatte, deutlich besser aus als ich und war viel besser unterwegs als ich. Doch durch den KS hatte sie ja anrecht auf 5-7 Tage. Vormittags ließ ich noch mal Fieber messen bei mir. Ich fühlte mich nicht so gut. War „nur“ erhöhte Temperatur, das sei „normal“ nach einer Geburt. Wegen der Anstrengung.

Also beschloss ich zu gehen. Heulend bat ich meine Mutter, ob ich nicht erstmal zu ihr könne. Denn mein Freund wohnte noch nicht mit mir zusammen. Und ich glaubte auch nicht in der Lage zu sein, mich allein mit der Kleinen zu versorgen. Ich konnte grad 100m ohne Hilfe laufen, danach wurde mir fast schwarz vor Augen. Gottseidank ging es. Meine Mutter reichte Urlaub ein, die Möglichkeit hatte sie sich vorher schon geschaffen.

Erst als ich meinen Mutterpass bekam bei der Entlassung, erfuhr ich, warum man mir Eisentabletten gab. HB war bei 8,6 nach der Geburt. Davor war er bei 13,1 gewesen. Nachmittags kam dann die Hebamme zu meiner Mutter. Sie untersuchte die Nähte und gab mir einiges mit an Tipps und Ratschlägen. Nachts bekam ich dann Schüttelfrost und Fieber. Und riesige feuerrote Stellen an der Brust. Denen rückten wir mit Kühlkissen und Quarkwickeln auf den Leib. Meine Hebamme war entsetzt am nächsten Morgen. Warum ich sie nicht ins Krankenhaus gefahren sei? Oder sie angerufen habe? Keine Ahnung, vielleicht, weil ich dachte, dass das eben mal passiert. Weil man mir im Krankenhaus sagte, dass ein bisschen Temperatur ja normal sei. Und schmerzende, spannende Brüste eben auch.

Nach einer zweiten Nacht Fieber war dann die beginnende Brustentzündung endlich durchgestanden. Mit Hilfe von etlichen Quarkpackungen. Und 2 Wochen nach der Entbindung kam ich dann nach Hause. Und die Behörden- und Ärzterennerei ging los. Zum Kinderarzt, zum SPZ, zur Ausländerbehörde, dem Standesamt, zur Physiotherapeutin. Viel telefoniert habe ich zudem auch. Und geheult. Es war verdammt viel. Und ich holte mir weitere Hilfe.

Zu dem Arm meiner Tochter lässt sich sagen: der Nerv war gottseidank NICHT gerissen. Langsam fing sie an den Arm kontrollieren zu können. Mit 3 Wochen bekam sie zum ersten Mal Physio für den Arm. Monatelang. Der Kinderarzt wurde immer unwilliger die Physio zu verschreiben. Erst als die Physiotherapeutin sagte, beide Arme wären gleich entwickelt, stellten wir die Physio ein. Da war die kleine Maus dann 15 Monate.

Und jetzt? Stell ich fest, dass ihre linke Schulter sich wieder leicht nach oben und vorne verschoben hat. Und der Rücken nicht mehr symmetrisch aussieht. Bei der letzten U-Untersuchung war er das aber noch gewesen.

Mit einem Mal ist wieder alles da. Die Geburt, die Ohnmacht, von außen bestimmt gewesen zu sein. Einen Freund, der sich während der Geburt nicht für mich äußern konnte, weil er die Sprache nicht beherrschte. Und die Wut, weil mich kein Arzt und keine Hebamme ernst nahm. Meine Vorgeschichte nicht mit einbezogen wurde, ja fast verächtlich abgetan wurde, als Hysterie einer Gebärenden. Hallo? Mein Bauchumfang lag zur Geburt bei sicherlich über 140cm. Ich selbst bin knapp 1,63. Das war nicht nur alles FETT oder WASSER! Aber getastet hat natürlich keiner mal. Nur den Scheiß-Ultraschall messen lassen. Es ist toll, dass sie mich alle gepriesen haben nach der Geburt, wie toll und stark und tapfer ich sei, weil ich ein 5kg-Baby vaginal entbunden haben. Und dabei übertünchten, dass sie, wenn sie das tatsächliche Gewicht gewusst hätten, mir ganz dringend zu einem KS geraten hätten. Und sich deswegen die Erlebnisse meiner Oma nochmal bei mir wiederholen mussten. Ich bin sauer, so sauer. Dann hätte ich meinetwegen auch einen KS unter Vollnarkose gemacht. Hauptsache mein Kind trägt keinen Schaden davon. Ich meine, sie war BLAU! Wer weiß denn, wie lange sie noch ohne Schaden geblieben wäre, hätte man sie nicht mit aller Gewalt aus mir herausgerissen?

Ich hoffe, dass ich irgendwann eine gesunde Distanz dazu bekomme. Mir nicht vor Wut und Kummer und Erschrecken und so vielen anderen Gefühlen, die ich nicht in Worte fassen kann, die Tränen kommen. Und mir nicht die Gedanken durch den Kopf geistern ICH HÄTTE SIE FAST VERLOREN.

Zu dem Thema habe ich auch gerade einen Bericht gelesen. Der Fokus liegt zwar eher auf der Begleitung vor und insbesondere nach der Geburt. Aber auch ein wenig darum, wie nüchtern man in den Krankenhäusern abgekanzelt wird. Als Fallzahl. Als wehleidig. Der Link ist  hier.

Ich trockne jetzt meine Tränen und werde meine kleine Maus abholen. Und sie fest in den Arm nehmen und froh sein, dass trotz allem, alles irgendwie doch gut gegangen ist.

More is yet to come,

M.

Re-Boot Urlaub

Vorletzte Woche war ich mit der kleinen Maus im Urlaub. Jetzt nicht so richtig richtig Urlaub, aber zu Besuch bei meiner Tante. Schön raus aus der Stadt auf dem Land, mit Wiesen und Wald drumherum und vielen Tieren. Es war herrlich. Das Wetter war die meiste Zeit schön, wir haben viel unternommen. WM-Finale haben wir natürlich auch geschaut – allerdings ohne das fußballbegeisterte Kind.

Wir haben auch viel reden können, gerade auch darüber, wie es bei mir so läuft. Und ich musste auch einiges an Kritik einstecken, inbesondere beim Thema Erziehung. Also was Grenzen setzen angeht. Und Konsequenz. Alles in allem sehr konstruktive Kritik, die auch so geäußert wurde, dass ich sie gut annehmen konnte. Und meine Tante ist da mehr oder weniger vom Fach, da kann ich die Ratschläge und Tipps sehr viel besser annehmen als von anderen aus meiner Familie.Und ehrlich gesagt, hatte ich mir das auch erhofft von diesem Urlaub.

Auch die kleine Maus hat schon die ersten Lektionen lernen müssen direkt vor Ort. Angefangen beim Thema Essen. Im ersten Moment gab es einen Riesenprotest, viel Tränen und Geheul, doch inzwischen? Alles super. Die neuen Regeln sind größtenteils verstanden. Manchmal wird getestet, ob Mama auch gut aufpasst, aber dann reicht auch eine freundliche Erinnerung und schon klappt es wieder.

Im Spaß meinte ich, dass es ja hier wie im Boot-Camp wäre, da schaute meine Tante dann doch ganz schön betroffen. Und auch ein wenig beleidigt. Dabei hatte ich das gar nicht im Bösen gemeint. Sondern eher das Erlernen bestimmter Verhaltensweisen mit leichtem Druck und Konsequenz. Insbesondere für die kleine Maus, aber auch für mich. Natürlich waren die Rahmenbedingungen im Urlaub sehr viel besser als in einem echten Boot-Camp. Kein Putz- oder Küchendienst, Mitspracherecht bei der Tagesgestaltung und des Speiseplans. Zudem Bettgehzeiten wie es für uns am praktischsten war.

Für mich war es auch viel mehr ein REBOOT-Camp. Raus aus meinem Alltag, wo doch so viel festgefahren war. Endlich mal wieder die Akkus aufladen, den Kopf abschalten und alte Verhaltensweisen über Bord werfen. Alles wieder auf Anfang. Eine Systemwiederherstellung.

Ich merke das insbesondere jetzt, wo ich wieder zuhause bin. Die Energie ist wieder da, ich mag wieder Dinge in Angriff nehmen. Es wird ordentlich ausgemistet. Im Kopf aber auch real bei mir zu Hause. Mehr Ordnung, eine neue Ordnung. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, wie ich mich wirklich fühle, aber es ist durchweg positiv. Fast herrscht in mir eine Aufbruchstimmung, die mich hoffentlich ein Stück weiterbringt bei den Dingen, die noch vor mir liegen.

Und im Endeffekt ist dieser Eintrag heute meiner Tante gewidmet (ich weiß, sie liest mit, also kommt es auch bestimmt bei ihr an). Ein dickes Dankeschön an sie. Dafür, dass sie so offen ihre Meinung gesagt hat. Und dass sie so viele positive Anstöße gegeben hat. Und besonders dafür, dass wir eine so schöne und nette Zeit bei ihr und mit ihr verbringen konnten.

DANKE,DANKE,DANKE!!!