Familienhebammen: Engel oder Teufel?

Anfang der Woche wurde ich von Lena von der Schmetterlingsfamilie gebeten, ein wenig von meinen Erfahrungen rund um die Familienhebammen zu berichten. Da dies sowieso schon seit längerem auf meiner Agenda steht, setze ich es jetzt einfach mal um. 😉 Und zwar in Form eines Interviews mit mir selber.


 

Du hast nach der Geburt Deiner Tochter eine Familienhebamme in Anspruch genommen. Kannst Du bitte kurz erzählen warum?

In der Schwangerschaft war mir schon klar, dass die Situation nach der Entbindung sehr schwierig für mich werden bzw. mich einfach überfordern könnte. Und im Endeffekt hat sich das alles bewahrheitet. Nach der Geburt ging es mir nicht nur sehr schlecht körperlich, auch meine Tochter war nicht unversehrt – gottseidank nur vorübergehend, aber das stand damals ja noch nicht fest. Die Situation mit meinem Freund war auch recht schwierig. Anfangs durfte er nicht mit mir zusammen leben aufgrund seines Aufenthaltsstatuses. Das mussten wir direkt nach der Geburt erst einmal klären. Auch der restliche Behördenkram blieb an mir hängen – also meiner, seiner und von der kleinen Maus. Hinzu die Arztbesuche für meine Kleine inklusive Physiotherapie zweimal die Woche. Es war nicht einfach. Mir wurde es zuviel.

Woher wusstest Du überhaupt von den Familienhebammen? Wurde Dir dazu geraten?

Zusammen mit dem Mutterpass bekam ich vom Frauenarzt ganz viel Broschüren und Ratgeber. Und mit dabei war dann auch etwas über Familienhebammen. Auch im Internet bin ich mal darauf gestoßen. Überhaupt habe ich extrem viel gelesen und recherchiert in der Schwangerschaft. Die Hormone…

Die Informationen behielt ich die ganze Zeit im Hinterkopf und als ich dann wirklich überfordert war, habe ich dann meine reguläre Hebamme gebeten, den Kontakt herzustellen. Witzigerweise war sie sogar mit einer der Verantwortlichen bekannt, dass erleichterte den Kontakt schon ein wenig.

Hattest Du denn keine Bedenken, dass Du Dir damit selber ein Stempel verpasst? Dir vielleicht das Kind weggenommen werden könnte?

Ich finde, da muss man ein wenig unterscheiden. Zuallererst ist es ein zusätzliches Hilfsangebot. Das kann sich genauso an die Teenie-Mutter richten wie an die Zwillingsmutter. Sie helfen auch, wenn es aufgrund eines Migrationshintergrundes Schwierigkeiten gibt. Auch bei sozialer Isolation helfen sie ein entsprechendes Netz zu spannen. Es sind halt nicht nur „die Problemfamilien“, ohne Einkommen, mit Gewalt und Suchtproblemen. Aber zum Teil dann halt auch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich anonymisiert für drei Monate helfen zu lassen. Quasi also Kurzzeithilfe ohne das eine Akte beim Jugendamt angelegt wird. Oftmals braucht es nämlich nur eine Orientierung, wo man die Unterstützung und Hilfe über ander Organisationen bekommen kann. In dem Fall droht einem dann nichts, da das Jugendamt gar keine Kenntnis erlangt hat.

Außerdem finde ich, hat es einen sehr viel positiveren Touch, wenn man sich selbst Schwächen eingesteht und Hilfe einfordert. Man signalisiert, dass man etwas ändern möchte und die Hilfen greifen dann auch viel besser. Wenn man erst versucht alles allein zu regeln, es nicht schafft und dann das Jugendamt von außen zugeschaltet wird, dann ist die Wahrnehmung nicht mehr ganz so positiv.

Für welche Regelung hast Du Dich dann letztendlich entschieden?

Anfangs habe ich das Drei-Monats-Modell gewählt. Einfach um zu sehen, ob und was es mir bringt. Auch, ob die Überforderung nur temporär ist oder doch längerfristig. Nach Ablauf der Zeit setzten wir uns noch einmal zusammen, wie es weitergehen solle. Bei den Familienhebammen ging es für mich nicht weiter, wir beschlossen eine andere Form der Unterstützung.

Wie lief der erste Kontakt zu den Familienhebammen ab?

Ganz genau weiß ich nicht mehr, ob ich damals anrief oder meine Hebamme. Das Erstgespräch zur Einschätzung fand bei mir in der Küche statt. Die beiden Verantwortlichen kamen vorbei – die eine war Familienhebamme, die andere Sozialpädagogin, glaube ich.

Natürlich war es erst einmal komisch. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, dass man es doch nicht auf die Reihe bekommt. Jedenfalls nicht alles. Mir wurde schnell signalisiert, dass ich Hilfe bekommen sollte, nur das WANN war noch nicht klar. Der Bedarf ist manchmal einfach zu hoch. Für den Anfang reichte mir die Aussage aber und die Hilfe begann dann glaube ich auch zwei Monate später.

Wie lief das dann ab? Also die konkrete Hilfestellung? Und was war mit der regulären Hebamme?

Die normale Hebamme machte ganz normal ihre Arbeit. Wochenbettbetreuung und noch einige Termine darüberhinaus zum Thema Abpumpen, Beikost etc. Die Termine mit der Familienhebamme waren unabhängig davon. Anfangs war es viel Behördenkram. Anträge stellen. Einsprüche formulieren. Auch viel rechtliches.

Manchmal war es schon halb therapeutisch. Sie hörte mir zu, nahm meine Befindlichkeiten ernst. Für mich war es ganz praktisch, dass sie selbst Kinder von einem Afrikaner hatte. Viele Dinge konnte sie einfach besser nachvollziehen bzw konnte einfach aus eigener Erfahrung heraus auch Tipps geben.

Sie hat aber auch daran gearbeitet, meine soziales Netz zu verbessern. Machte mich mit dem „Gemeinsam wachsen“ – Konzept in Hannover bekannt und begleitete mich in eine solche Babygruppe. Zudem machte sie mich mit einem ihrer anderen Schützlinge bekannt. Auch eine junge Mutter, deren deutsch-afrikanische Tochter nur eine Woche jünger war als meine.

Worüber wurde das überhaupt finanziert? Übernimmt das dann auch die Krankenkasse?

Die Krankenkasse hat damit überhaupt nichts zu tun. Meines Wissens haben die Familienhebammen ein eigenes Budget, dass aus dem Topf des Jugendamtes gespeist wird.

Das hört sich jetzt ja alles sehr positiv an. Gibt es auch Dinge, die dich gestört haben?

Doch, ein paar Dinge gab es schon. Meine Familienhebamme war in vielen Dingen recht gemächlich. Gerade bei den behördlichen Geschichten hätte ich jemanden gebraucht, der mich mehr in den Hintern tritt. Das fiel mir dann insbesondere auf, als sie Urlaub hatte und ich mit ihrer Vertretung gearbeitet habe. Die nämlich genau das gemacht hat.

Auch manche Empfehlungen kann ich aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen bzw finde ich nicht so prickelnd. Mir wurde zum Beispiel massiv davon abgeraten meinem Freund „seinen Teil“ des Sorgerechts zuzugestehen. Dabei war schon klar, dass es mit der neuen Gesetzeslage, relativ einfach sein würde, dies einzuklagen. Er solle sich halt erstmal beweisen, bevor er überhaupt Rechte an unserer Tochter bekommt. Ich kann zwar nachvollziehen, dass bei den Fällen, die sie meist betreuen, oftmals die Vorurteile bestätigt werden. Aber unser Fall liegt doch anders und das wurde so nicht berücksichtigt.

Auch die generelle Empfehlung des „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – Buches irritiert mich rückblickend. Also die uneingeschränkte Empfehlung. Auch da sehe ich den Kontext. Trotzdem gilt es da meiner Ansicht nach abzuwägen.

Zum Ende der Betreuungszeit lief es für mich dann noch etwas unglücklich. Erst war meine Familienhebamme im Urlaub, anschließend noch einige Zeit krank. Meine Hilfe ging dann zuende, ohne dass ich sie noch einmal gesehen hatte. Komplett ohne Abschied. Dadurch wurde auf versäumt, weitere Hilfen zu planen. Die Vertretung nahm das dann noch schnell in die Hand. Das Gespräch beim Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) begleitete sie noch – in ihrer Freizeit, da ich schon offiziell raus war.

Was würdest Du jemanden raten, der sich überlegt die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch zu nehmen?

Zuallererst sollte sich der Betreffende informieren, ob es das tatsächlich in seiner Stadt oder Umgebung gibt. Das gibt es glaube ich nicht überall. Auch wie die Organisationsstruktur genau geregelt ist, ist unterschiedlich. Von der Hierarchie her steht das Jugendamt ganz oben. In Hannover kommt dann der KSD und dem untergeordnet die Familienhebammen. In anderen Städten ist das anders.

Es kann wohl auch einen Unterschied machen, in welcher Stadt man lebt. Gerade in den Ballungsgebieten, in denen das Jugendamt stark gefordert wird, wo es schon negative Schlagzeilen gab, kann man dann vielleicht wirklich den falschen Stempel bekommen.

Trotzdem finde ich, dass ein erstes Beratungsgespräch nicht schaden kann. Es ist vertraulich. Bedenken können angesprochen werden, Abläufe erfragt. Man kann ja erst mit den drei Monaten anfangen und es dann immer noch ausweiten. Klar sollte aber sein, dass mit dem ersten Geburtstag des Kindes Schluss ist mit der Hilfe. Sollte man darüber hinaus noch Hilfe benötigen, geht das dann nur über andere Hilfen. Und die sind in der Regel auch nicht probeweise anonym.

Möchtest Du zum Ende noch etwas hinzufügen?

Ja, ich möchte gerne betonen, dass dies meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe. Vielleicht hatte ich Glück mit meinen Hilfen bis heute oder auch nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Unterstützung er oder sie braucht und auch zulassen kann.

Auch das Bewusstsein sollte da sein, dass man das Jugendamt unter Umständen nicht mehr so schnell loswird wie man es gerne hätte, wenn man ihm erst einmal Einblick in sein eigenes Leben gegeben hat. Das hängt aber sicherlich auch von den Verhältnissen zu Hause ab, ob sie prekär sind und wenn ja, wie sehr.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass es auch mal eine positive Geschichte zu dem Thema gibt. Denn gerade in Internetforen werden Horrorgeschichten rumgereicht. Wo das Jugendamt falsch interveniert hat mit Kindesentzug etc. An einigen Geschichten ist bestimmt etwas dran. Bei vielen ist nur ein Teil der Fakten bekannt. Und wenn diese Horrorgeschichten auf subjektive Weise erzählt werden, dann kann ich das mit meiner positiven auch!


Da meine Erlebnisse mit den Familienhebammen schon etwas zurückliegen (2012) habe ich noch fix halbherzig gegoogelt, um noch ein paar Links anbieten zu können, die bei Interesse gelesen werden könnten. Viel Spaß.

Familienhebammenzentrale in Hannover (nach meiner Zeit)

Hebammenverband über die Familienhebammen

Familienhebammen über sich selbst

Wenn jemand noch Fragen hat, stellt sie mir ruhig. Entweder beantworte ich das dann in den Kommentaren oder ich ergänze das oben noch in meinem Interview.

More is yet to come,

M.

 

#Dubistich – Oder wie Gegensätze sich ergänzen

Da bei mir momentan einiges im Argen ist, schaffe ich es nicht mehr so regelmäßig zu bloggen, wie ich es gerne hätte. Auch kann ich das, was mir im Kopf herumschwirrt noch gar nicht so richtig in Worte fassen oder auch in einen Rahmen bringen. Von daher freue ich mich umso mehr über die Blogparade von Mama on the Rocks. Dabei geht es um das, was wir von uns in unseren Kindern entdecken. Was wir ihnen über unsere Gene und auch unser Vorbild weitergeben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, jetzt den finalen Anstoß bekommen zu haben, diesen Beitrag endlich zu schreiben. Schon seit längerem geht dieser Gedanke in mir, etwas darüber zu schreiben, wie schön meine Tochter ihre unterschiedlichen Herkünfte in sich vereint.

Sobald man mit einem Kind schwanger ist, fängt das Kopfkino an zu arbeiten. Wie wird es aussehen, wie wird es sein? Man versucht sich Kombinationen zu überlegen aus seinem Partner und sich. Die Möglichkeiten sind schier endlos – die Neugier meist auch. 😉 Nun ist es ja so, dass der Vater der kleinen Maus und ich rein optisch sehr gegensätzlich sind.

Ich bin sehr hellhäutig, werde nie braun im Sommer (höchstens rot, selbst das Solarium soll ich meiden). Er ist als Nigerianer sehr dunkelhäutig. Ich bin klein – er ist groß. Meine Haare sind eher glatt, selten mal gewellt – seine sind halt klassisch kraus. Meine Nasenspitze ist sehr ausgepragt – seine Nase ist breit angelegt, aber dafür flach. Ich habe grüne Augen – er dunkelbraune. Die Bandbreite der Möglichkeiten schien sich um ein vielfaches verdoppelt zu haben. Gerade auch, weil manche Eigenschaften sich nicht zu hundert Prozent vererben, sondern graduell.

Oftmals wünschte ich mir, unsere Tochter würde mehr nach ihm kommen. Er ist wirklich ein sehr hübscher und attraktiver Mann. Ich hingegen weiß mich in manchen Dingen nicht zu schätzen. Doch nachdem wir uns im Geiste zigmillionen Möglichkeiten ausgemalt hatten, kam dann irgendwann der Tag der Offenbarung…

… und wir fanden uns anfangs kaum wieder. Was allerdings daran lag, dass unser kleines liebes Töchterlein nach einer schwierigen Geburt einfach verflucht zerknautscht war. Und mit ihren knapp 5 kg Geburtsgewicht am ehesten dem Michelinmännchen glich. Und unsere Tochter war ja noch gar nicht wirklich fertig. Was man meistens nicht weiß, ist, dass sich gerade bei farbigen Kindern die Hautfarbe noch verändern kann im ersten Lebensjahr – genauso wie die Haarstruktur!

Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt
Ihre Haare in Flechtzöpfen gebannt

Am Anfang war die kleine Maus wirklich extrem hell und ihre Haare waren schwarz und komplett glatt. Über die Monate hinweg dunkelte ihr Teint nach und ihre Haare wurden erst wellig, dann lockig. Kontinuierlich kam auch richtig krauses Haar nach mit komplett anderer Haarstruktur. Der „Babyflaum“ verwuchs sich. Inzwischen hat sie wirklich krause Haare und auch von der Hautfarbe her ist sie jetzt konstant. Im Sommer dunkler als im Winter – wie bei so vielen.

Rein optisch gesehen vereint sie in vielen Dinge die Merkmale von beiden Elternteilen. Bei dem Mund zum Beispiel oder auch bei der Nase. Bei einigen Sachen kann sie es tatsächlich von jedem von uns geerbt haben oder auch von uns beiden gemeinsam. Die stämmige Statur mit dem breiten Kreuz. Das ausladende, hoch angesetzte Hinterteil (ja, dass sieht man jetzt schon.. ), die Grübchen in den Wangen, wenn sie lächelt.

Und in manchen Dingen ist sie auch sehr klar einem von uns zuzuordnen. Sie hat die Augen ihres Vaters: groß, dunkelbraun und leicht mandelförmig. Auch das schwarze Haar inklusive Afrokrause ist von ihm. Ihr Lächeln ähnelt seinem ungemein. Was ihre Ohrgröße angeht, kommt sie nach mir (und nein, ich habe KEINE Dumbo-Ohren, nur er hat halt Miniöhrchen). Und auch ihre Hände gleichen meinen. Und das in mehreren Aspekten! Kaum dass sie in der Lage war ihre Hände dauerhaft geöffnet zu halten, fiel auf, dass sie ganze schmale, lange Hände und Finger hat – so gar nicht speckig wie Kinderhände sind in den ersten Monaten. Und der kleine Finger ist leicht nach innen abgeknickt. Wie es alle haben in meiner Familie väterlicherseits. Das konnte man sogar schon beim Feinultraschall in der 21. SSW sehen…

Und in manchen Dingen variiert es immer noch ganz stark bzw kann man noch keine abschließende Aussage treffen. Ihre Füße sind zwar verhältnismäßig groß, aber nach einer breiten Quadratlatschenphase wieder sehr sehr schlank. Auch über Größe und dergleichen lässt sich noch nicht viel sagen. Das kommt noch.

Damit hier jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich wäre nur auf Äußerlichkeiten fixiert, kommen ich jetzt zu ihren Verhaltensweisen. 😉

Sie liebt Tiere. Das hat sie absolut von mir. Und mit einer Begeisterung, die manchmal echt waghalsig und gefährlich sein kann. Kaum dass sie sitzen konnte, schmiss sie sich halb aus dem Kinderwagen, wenn wir einem Hund begegneten. Anfassen, Hauptsache anfassen. Selbst wenn sie von einem umgerannt wurde, versuchte sie noch im Fallen zu streicheln. Eigentlich geht sie auf jedes Tier zu, egal wie groß oder potentiell gefählich. Selbst im Zoo musste ich sie extra sichern, ansonsten wäre sie auch zu den Elefanten ins Gehege gesprungen. Auch der kleine Zwischenfall mit dem Fohlen, dass ihr in den Finger gebissen hat, hielt sie nicht davon ab, direkt nach dem Verarzten wieder hinzugehen. Von daher üben wir unentwegt, welchen Tieren man sich wie gegenüber verhält und dass man die Tiere immer kommen lässt. Und ja, es ist verdammt harte Arbeit.

Sie singt – immer und unentwegt. Eindeutig hat sie das von uns beiden. Wir halten es genauso wie sie und singen, pfeifen und trällern vor uns her, wenn wir gut drauf sind. Auch habe ich viel für und mit ihr gesungen. Inzwischen bekommen wir relativ viel Feedback aus der KiTa, weil sie diesbezüglich ein Talent zu haben. Nicht nur, was das auswendig lernen angeht, sondern auch ihre Treffgenauigkeit. Es macht Spaß zu sehen, wie sehr sie darin aufgeht. Und auch gerne darin glänzt (zeitweise verweigerte sie sich dem Singen in der Krippe, weil die anderen Kindern mit ihr zusammen gesungen haben. Welch Frevel!).

Sie ist offen und kontaktfreudig – jedenfalls, wenn ihr alles geheuer ist. Früher hat sie wirklich jedem auf der Straße fröhlich gewunken – solange der- oder diejenige Abstand wahrte. Jetzt braucht sie etwas Zeit um Vertrauen zu fassen, aber dann kennt sie keine Hemmungen mehr. Es wird gequatscht, gespielt, rumgealbert. Im Grundsatz ähnelt sie da mir ein wenig, ihr Vater ist da sehr viel verschlossener und auch eigenbrödlerisch. Allerdings ist sie noch gänzlich unverfänglich – ich hingegen zerbreche mir oft den Kopf, wie ich wirke, ob ich mich richtig verhalte etc etc.

In ihr steckt auch ein gewaltiger Wutteufel. Sie wütet richtig, wenn ihr etwas nicht passt, ist laut, brüllt, kreischt und ist ganz und gar ungehalten. Dies ist glaube ich nicht so sehr Veranlagung als schlechtes Vorbild. Und das lausige Vorbild bin in diesem Fall ich. Klar färbt viel ab, wenn sie den Großteil der Zeit bei mir aufwächst.

Deswegen glaube ich auch, ist sie eine so unglaubliche Plappertasche: reine Notwehr! Denn ich als Mama bin ja auch nicht zu stoppen, was das quasseln angeht. Weswegen ich auch wohlweislich eine All-Net-Flat habe. 😉

Wo sie sich aber gänzlich meinem Einfluss entzieht, ist beim Zeichnerischem. Ich habe es geliebt als Kind zu zeichnen. Und durch die Übung kann ich inzwischen auch mehr als passabel zeichnen. Meine Kleine hingegen ist dafür zu ungeduldig. Sie will auch gar nicht Objekte darstellen. Sie will schreiben. Also malt sie nur Zick-Zack, ganz klein.

Worin ich deutlich ihren Vater in ihr erkennen kann, ist in ihrem Modeempfinden. Sie liebt es in den Spiegel zu schauen, sie möchte schick aussehen. Und bei manchen Handgriffen, bei manchen Korrekturen am Kragen, Reißverschluss oder der Mütze ist es wirklich so, als würde er vor mir stehen. An guten Tagen mache ich mir auch mal Gedanken, wie was zusammen passt und überprüfe, ob es wirklich vorteilhaft sitzt. Aber diese Detailgenauigkeit, die geht mir wirklich ab. Und bequem schlägt fast immer modisch 😉

Bei ihrem Dickkopf behaupte ich immer, dass sie keine Wahl hatte – sowohl ihr Vater als auch ich haben beide einen. Weswegen es auch nie einfach war zwischen uns, weil jeder seinen Willen haben wollte. Doch dieser Dickkopf wird ihr zugute kommen. Denn auch wenn vieles über die Gene schon festgelegt ist, sie wird es sich zu Eigen machen. Zu etwas eigenem. Sie ist nicht nur die Mischung aus ihren Eltern. Sie ist sie. Und egal, was wir ihr mit auf den Weg gegeben haben, sie wird sich das Beste und vielleicht auch das Schlechteste von uns aussuchen, eben das, was ihr am Besten in den Kram passt. Und das wird sie einzigartig machen.

More is yet to come,

M.

#aufAugenhöhe: Putzen ist erlernt und nicht vererbt

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von Kerstin von Chaoshoch2. Ausgelöst wurde die Diskussion ursprünglich durch diesen Artikel auf Papa-Online. Der Beitrag an sich bezieht sich grundsätzlich auf das leidige Thema Putzen und Haushalt in Beziehungen und die Missverständnisse, zu denen es (laut Autor) kommen kann. Daraus hat sich aber inzwischen eine Diskussion rund um Beziehungen auf Augenhöhe entsponnen. Und da ich ja gefühlt überall meinen Senf dazugeben möchte, erweitere ich den Meinungsfundus nun um meine eigene.

Ich hatte zwischenzeitlich überlegt, gleich zwei Beiträge zu dem Thema zu verfassen, habe es mir jetzt aber doch verkniffen. Also nicht wundern, sollte dieser Beitrag ein wenig länger sein als gewohnt ( und dabei war ich noch nie ein Freund des Kurzfassens… ).

Fangen wir also mit dem Artikel an sich an. Zuerst wird die These verfasst, dass Männer so rein theoretisch gar nicht in der Lage sind, den aktuellen Haushaltsstand zu überblicken. Das sei irgendwie genetisch und die Hemmschwelle, wann etwas zu dreckig, zu stinkend ist, wäre bei ihnen höher. Von daher könnten sie nichts dafür, wenn ihnen die desolate Lage an der Putzfront nicht auffiele. Aus meiner Sicht vollkommener Blödsinn – zumindest das mit Genetik. Dazu komme ich dann aber gleich noch mal ausführlicher.

Den zweiten (wichtigen) Punkt, den der Autor anspricht, ist der der fehlgeschlagen Kommunikation. Ich finde es schade, dass er bei einer krakeelenden Rasselbande, die seiner Partnerin offensichtlich Mühe bereitet, die Notwendigkeit nicht erkennt, hier unterstützend zur Seite zu stehen. Allerdings kann ich schon verstehen, dass man ab und an in the zone ist und dann wirklich nichts mehr um sich herum mitbekommt. Kenne ich auch.

Dass Männer aber nicht in der Lage sein sollen, indirekte Formulierungen zu verstehen, halte ich aber für ein Gerücht. Zumal auch Christian vom Familienbetrieb in diesem netten Blogpost eben dieses widerlegt:

Denn die Freundin sagte heute Morgen: „Die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck müsste mal aus dem Keller geholt werden.“ Leserinnen und Leser, die in langjährigen Beziehungen leben, werden diese Art des Formulierens kennen: Der wunderbare Axel Hacke hat es einmal als das Partnerschafts-Passiv beschrieben. Es kommt zum Einsatz, wenn Dinge erledigt werden sollen, die man auf gar keinen Fall selbst machen möchte. Zum Schutze des häuslichen Friedens ist es allerdings nicht opportun, vom Partner oder der Partnerin zu verlangen, diese Dinge zu tun.

Wenn also dieser Vertreter der männlichen Spezies in der Lage ist, passivisierte Sachverhalte zu erkennen oder sogar vielleicht auch das Parnterschafts-Wir zu verstehen (diese Fähigkeit unterstelle ich ihm einfach mal frech), dann sollte dies doch mehreren Vertretern möglich sein. Oder etwa nicht?

Ich vermute ganz stark, dass sich eben dieses Musterexemplar die Mühe gemacht hat, auf seine Freundin einzugehen, ihre Sprachgewohnheiten genauer betrachtet hat und den Subtext ganz für sich allein in männertaugliche Ansagen verwandelt hat. WOW.

Vielleicht sollte man sich als Paar einfach mal über die Kommunikation bewusst werden. Jetzt nicht einseitig zu Lasten der Frau im Haus. Denn, wenn sie schon den Haushalt und die Kinder überwachen muss, um dem Mann rechtzeitig Bescheid zu geben, dass er in Aktion treten muss, dann sollte sie nicht auch noch ständig über ihren Sprachgebrauch nachdenken müssen. Das eigene Verhalten, und sei es „nur“ der Sprachgebrauch, ändert sich nicht so leicht. Da kann es schon von Vorteil sein, wenn man sich bespricht, wem was leichter fällt. Vielleicht könnte auch einfach der Mann den Partnerschaftspassiv erlernen. Das wäre mal entgegenkommend.

Bringt natürlich alles nix, sollte die Partnerin tatsächlich nicht in der Lage sein, ihre Gedanken und Wünsche zu äußern. Da gebe ich dem Verfasser des Textes tatsächlich mal recht.

Nun komme ich aber mal zum tatsächlichen Knackpunkt des Textes: PUTZEN und HAUSHALT. Angeblich hätten Männer dort – genetisch bedingt – eine andere Hemmschwelle. Das bezweifle ich doch stark. Denn wenn ich mir Kleinkinder angucke, stelle ich fest, dass sie Systeme sehr ansprechend finden. Ob nun diese Steckwürfel oder Ring-Steck-Geschichten. Egal welchen Geschlechts, in einer bestimmten Phase ist das fast magisch für die Kleinen. Immer wieder, stundenlang können Kinder nur damit spielen. Es ist die Gesetzmäßigkeit, die Ordnung dahinter, die mit soviel Spaß entdeckt wird.

Ab einem gewissen Punkt wird wurde diese Tendenz dann aber nicht mehr bei Jungs gefördert, dafür dann nur noch bei den Mädchen. Was zur Folge hat, dass die Erwartungshaltung sehr unterschiedlich ist, wenn denn diese Kinder erwachsen wurden. Der heutige, inzwischen erwachsen gewordene Mann erwartet, dass sich der Haushalt von alleine regelt. Er hat den Blick verloren für Ordnung und Sauberkeit bzw es fehlt die innere Motivation, einen bestimmten (hohen!) Standard zu halten. Heutige Frauen sind da meist anders gepolt. Natürlich gibt es da auf beiden Seiten Ausnahmen und Abstufungen, aber grob über den Kamm geschert kann man das mal so stehen lassen.

Das klingt jetzt schon wieder wie die perfekte Ausrede für alle Männer, die einfach keinen Bock haben im Haushalt zu helfen. Soll es aber nicht sein. Denn jetzt komme ich mit meinem persönlichen Beispiel:

Ich bin die weibliche Variante des Mannes, wenn es um das Thema Putzen oder Haushalt geht. Fakt. Ich bin mindestens genauso unordentlich und chaotisch wie der typische Klischee-Macho-Kerl. Es gab Zeiten, da stapelten sich Pizza-Kartons und Mülltüten in meiner Küche. Wollmäuse spielten Fangen auf dem Laminat. Meine Wäsche befand sich so gut wie nie innerhalb meines Kleiderschranks, sondern in verschiedenen Stadien der Waschvor- und -nachbereitung. Ich habe auch lange Zeit nicht verstehen können, wie man so viele verschiedene Putzprodukte besitzen konnte (z.T. immer noch nicht, aber das ist ein anderes Thema).

Wie war es dazu gekommen? Zu allererst war ich ein verwöhntes Einzelkind. Ein Einzelkind geschiedener Eltern. Meine Mutter, die ein kleiner Putzteufel ist mit einem nicht zu verachtenden Putzfimmel, hat alles für mich erledigt. Auch so ein wenig aus schlechtem Gewissen, da ich ja geschiedene Eltern habe. Lerneffekt für mich gleich Null. Die meiste Zeit ließ ich es geschehen. Nur als sie ein völlig unlogisches Sortiersystem in meinem Kleiderschrank einführte, begehrte ich auf und verbot ihr, zukünftig meine Kleidung einzusortieren. Das machte ich dann lieber selbst. Die Tendenz war quasi da.

In der Pubertät zog ich dann zu meinem Vater. Er hatte eine schwere Trennung hinter sich, ich hatte auch so meine (psychischen) Probleme. Da wir nun endlich nicht mehr auf einen Mitbewohner angewiesen waren, um die Wohnung bezahlen zu können, war der äußere Zwang, ordentlich zu sein für uns geringer. Und mein Vater holte seine beste Männermanier raus: Unordnung deluxe. Wie man sich das bei Junggesellen halt so vorstellt. Und ich hing mit drin. Am Anfang begehrte ich noch auf. Mir war das zu unordentlich! Ich bat um klare Aufgabenverteilung, strukturierte Putzpläne und stieß auf taube Ohren. Und da ich noch kein System hatte, wie das funktioniert mit dem Haushalt und dem Putzen, passte ich mich an. In meinem Empfinden, was sauber genug ist oder halbwegs ordentlich.

Ich habe jetzt also die Werkseinstellung des „typischen Mannes“. Doch darauf ruhe ich mich jetzt nicht aus. Denn ich habe ein Kind. Und meiner Tochter möchte ich es ersparen, die gleiche Prägung zu bekommen wie ich. Ich sehe ihren inneren Wunsch nach Regelmäßigkeit und Ordnung. Kaum hatte ich ihr einen festen Platz für ihre Mützen und Schals eingerichtet, fing sie an selbstständig dafür zu sorgen, dass die Mütze vom Kopf später in der richtigen Schublade landet. Sie imitiert im spielerische alle Haushaltsaktivitäten. Sie wäscht, sie kocht, sie fegt, sie bügelt. Erstmal nur im Spiel. Aber sie beteiligt sich schon im Haushalt. Hilft mir die Geschirrspülmaschine auszuräumen, steckt die Wäsche in die Waschmaschine. Sie deckt teilweise schon mal den Tisch. Dabei ist sie noch nicht mal drei.

Und was ist denn jetzt mit meinen Putzqualitäten?! Immer noch mittelmäßig. Ich bemühe mich sehr, meine Angewohnheiten zu verändern. Für meine Tochter. Das mit der Wäsche läuft so langsam. Die Schränke sind tatsächlich mal voll und in den meisten Fällen gibt es keine Kleiderengpässe. Saugen und Wischen ist noch nicht so meins. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie oft ich das machen muss. Auch mein Bad ist zuweilen noch etwas vernachlässigt. Meist habe ich es nicht auf dem Schirm, wie oft man da ran muss und putze erst, wenn ich die ersten Kalkflecken sehe…

Auch wenn ich das jetzt hier so lapidar hinstelle, es ist nicht leicht. In Kürze werde ich 28 und ich habe nach wie vor keine Vorstellung davon, wie Haushalt „richtig“ geht. Es gibt kaum Handgriffe, die so nebenbei passieren. Geschirr automatisch in die Küche bringen? Fehlanzeige. Wäsche vom Vortag direkt in den Wäschekorb? Eher selten. Jeden einzelnen Handgriff muss ich bewusst ausführen. Mich bewusst daran erinnern. Da ich alleinerziehend bin, bleibt alles an mir hängen, ohne Anleitung von außen „wie das so geht“. Es ist wirklich anstrengend, und wenn ich nur Single wäre ohne Kind, dann würde ich mir die Mühe nicht machen.

Aber ich habe ein kleine Tochter. Ich sehe ihre Bedürftigkeit. Sie soll es später leichter haben in den Haushaltsdingen. Und deswegen versuche ich alte Gewohnheiten zu überschreiben. Taste mich heran, was die besten Methoden, Abläufe etc. sind, damit der Haushalt nicht aus dem Ruder läuft. Und mein Ordnungsempfinden meldet sich wieder. Eigentlich hat es nur geschlafen.

Für meine Tochter empfinde ich Liebe, ich respektiere ihre Wünsche und Bedürfnisse. Und aus dem Grund stelle ich mich der Aufgabe, ganz alleine zu lernen, wie das denn nun geht mit dem Putzen. Aus Liebe und Respekt.

Warum also soll das nicht auch einem Mann möglich sein? Wenn er merkt, dass sich seine Partnerin wirklich Entlastung wünscht, manche Aufgaben gerne komplett abgeben möchte, die grundsätzliche VERANTWORTUNG dafür, warum nimmt er ihren Wunsch dann nicht an? Auch in einer Beziehung herrscht in der Regel Liebe und Respekt. Kann er dann nicht aus eben diesen Gründen seine Gewohnheiten und Hemmschwellen ein wenig nachjustieren? Er muss das doch nicht alles plötzlich allein machen, er könnte sich ja sogar anfängliche Anleitung erbitten (das ist mehr als ich habe!). Das wäre ja auch nur gerecht, schließlich ist Mann sich nicht zu fein, mal eben eine Änderung des Sprachgebrauchs bei der Freundin zu verlangen.

Um mich jetzt mal komplett von diesem Blogbeitrag zu lösen: ich will hier jetzt nicht die absolut akkurate hälftige Haushaltsteilung fordern. Wie genau sich das ausgestaltet, soll jedem Paar selbst überlassen sein. Ob jetzt jeder für alles zuständig ist, oder der Mann den Müll rausbringt und seine Hemden bügelt, oder vielleicht der Mann komplett den Haushalt schmeißt, weil „Hausmann in Elternzeit“ – das ist doch alles Verhandlungssache. Wichtig ist nur, den Partner ernst zu nehmen, in dem, was er sich wünscht und in dem, was er leisten kann. Wie so in vielen Beziehungsdingen wird man hier um Kompromisse nicht herumkommen. Und Kompromisse finden immer auf beiden Seiten statt!!

Und jetzt folgt noch der zweite Teil. Uff. Warum auf Augenhöhe so wichtig ist in Beziehungen und manchmal so schwer zu erreichen.

Inzwischen bin ich eine alleinerziehende Mutter. Und Single. Offenkundig hat die Beziehung zu dem Vater meiner Tochter nicht hingehauen. Was viel damit zu tun hatte, dass wir keine vernünftige Basis herstellen konnten für unsere Beziehung. Und gleich vorneweg: ich habe einen großen Respekt vor meinem Ex und ich empfinde zum Teil noch mehr für ihn als ich sollte.

Mein Ex ist Nigerianer. Seine ganzes Familienverständnis basiert auf einem patriarchalischem Weltbild. Der Mann hat die Hosen an, ist der Entscheidungsträger. Die Frau deckt ihm den Rücken, nimmt seine Vorgaben an. In der Regel ist sie es, die ausschließlich für Haushalt und Kinder zuständig ist. Teilweise geht auch sie wie der Mann arbeiten, damit sie über die Runden kommen. Das hat er in seiner Kindheit vermittelt bekommen. Fakt. Das muss ich nicht toll finden, ändern kann ich daran nichts.

Allerdings hat seine Mutter ihm gezeigt, wie man kocht und wie man putzt. Vielleicht als Hilfe, damit sie solange er noch Kind ist, etwas Unterstützung hat. Ihm hat sie es mitgegeben für die Zeit, in der er noch keine Frau hat, die ihm das abnimmt.

Darüber hinaus ist er der Erstgeborene. Der Stolz der Familie, aber auch der, auf den sich alle verlassen. ER soll alles richten. Seine Familie war für nigerianische Verhältnisse mal recht gut aufgestellt finanziell. Bis dann der finanzielle und gesellschaftliche Abstieg begann für sie. Von der Innenstadt in die Außenbezirke gezogen. Schulbesuch war zwar für alle Kinder drin (sie sind zu fünft), aber darüber hinaus nicht mehr sehr viel mehr. Also wurde er als Ältester nach Deutschland geschickt, er sollte hier studieren und dann mit dem Ausländischen Abschluss einen respektablen Job bekommen in Nigeria. Mit dem gut verdienten Geld natürlich die Familie unterstützen.

Er kam zwar nach Deutschland, aber es gestaltete sich nichts so einfach wie erhofft. Und dann traf er mich. Mit meinen ganzen Macken und Befindlichkeiten, noch nicht mal in der Lage vernünftig den Haushalt zu schmeißen. Aber die Anziehung war da. Und irgendwann auch das kleine Kind in meinem Bauch.

Wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse seinerseits fiel mir der ganzen Behördenkram zu. Gerade auch was das finanzielle anging. 2 Monate nach Geburt unserer Tochter war es uns überhaupt erst erlaubt zusammenzuziehen. Und ab da an ging eigentlich alles abwärts.

Ich brauchte Hilfe. Neben dem ganzen Behördenkram für mich, musste ich mich gleichzeitig auch um seine Sachen kümmern. In meiner Mutterrolle war ich noch gar nicht richtig angekommen, körperlich noch nicht wieder auf dem Posten. Hinzu lebte ich nicht mehr allein, sondern plötzlich mit noch zwei anderen zusammen (Kind und Freund). Mit einem Mal war das mit dem Haushalt omnipräsent. Ich verstand nicht, warum er das nicht einfach übernehmen konnte. Er konnte es sogar besser als ich! War viel ordentlicher und seine Hemmschwelle soviel niedriger als meine. Zudem versorgte ich doch auch unser Kind. Rund um die Uhr. Alle zwei Stunden stillen. Das schlaucht. Und dass das Geld reinkam, war doch auch nur mir zu verdanken. Warum dann nicht die Rollen tauschen? Ich Kohle, er Haushalt.

Wirklich ausgetauscht haben wir uns nicht darüber. Maximal gestritten und uns das entgegengeschrien. Aus seiner Sicht konnte er gar nicht nachvollziehen, warum mir der Haushalt so schwerfiel. Und warum ich es mir nicht so einfach angewöhnte. Dass ich zu überlastet war, sah er nicht. Und dass meine persönliche, psychische Vorgeschichte auch mit hineinspielte, verstand er nicht. Auch dass meine Mutter mir nicht noch mehr zur Hand ging, leuchtete ihm nicht ein. In Nigeria war das selbstverständlich, dass die weibliche Verwandtschaft die erste Zeit – z.T. das erste Jahr – unterstützend einwirkte. Tat seine Mutter ja auch bei seiner Schwester (meine Tochter ist eine Stunde älter als ihr Sohn).

Und dass ich für unser Einkommen verantwortlich war, passte ihm eigentlich so gar nicht. Er war ein stolzer, afrikanischer Mann – ein kleiner Macho. Und aufgrund der Umstände konnte er seine Rolle als Ernährer nicht ausfüllen. Er war auf meine Hilfe angewiesen. Die Sprache war ihm nicht so vertraut, unser bürokratisches System noch weniger. Obendrauf hatte er seine Familie im Nacken, die permanent Geld von ihm haben wollte. Sie in den meisten Fällen wirklich dringend brauchte.

Tja, und da waren wir nun. Gefangen zwischen unseren verschiedenen Rollen-Leitbildern. Verlangten von dem anderen sich gefälligst zu ändern, anzupassen. Sahen das eigene Rollenbild als besser, als richtiger oder wertvoller an als das des Anderen. Jeder fühlte sich im Recht und schaute von der eigenen hohen Warte auf den anderen herab. Nie, aber wirklich nie begegneten wir uns wirklich auf Augenhöhe.

Ja, und das ist vorerst das Ende der Geschichte. Noch bevor unsere Tochter ein Jahr war, waren wir getrennt. Ein halbes Jahr später zog er aus. Die Situation beruhigte sich zwischen uns. Zwischenzeitlich besprachen wir die Möglichkeit, doch wieder ein Paar zu werden. Es war ein auf und ab. Was jedoch klar war: nicht mehr zusammen wohnen. Im Endeffekt haben wir es dabei belassen – wir sind getrennt, wir leben getrennt. Und so langsam fangen wir an uns auf Augenhöhe zu treffen. Er erzählt mir sehr viel mehr von sich als früher in der Beziehung. Ich bin sein sicherer Hafen, sein Anker und sein Richtungsgeber (gerade im bürokratischen Gewässer). Aber auch Vertraute und Freundin.

Damit will ich nicht sagen, dass es für uns Hoffnung gibt als Paar. Da ist der Zug glaube ich abgefahren. Aber als Eltern besteht definitiv noch Hoffnung. Und vielleicht, nur vielleicht, gibt es ja doch noch eine Chance für uns. Aber dann wahrscheinlich nur außerhalb jeglichen Rollenmodels. Und zuvor arbeitet jeder für sich an sich selbst. Beruflich, charakterlich.

More is yet to come,

M.

Meine Weihnacht

imageSo, heute ist Heiligabend. Meine kleine Maus hält gerade ihren Mittagsschlaf,  so dass ich noch ein wenig Zeit für die letzten Handgriffe habe. Ordnung machen, Geschenke platzieren etc.

Dieses Jahr ist es anders für mich, für uns. Das zweite Mal Weihnachten als Alleinerziehende, das erste Mal mit Baum bei uns zuhause. Wo ich letztes Jahr meine Mutter hab machen lassen, muss ich dieses Mal ran. Mit der Planung, der Vorbereitung und der Durchführung. Denn dieses Jahr ist meine Mutter Single – und immer noch dabei ihr Leben neu zu gestalten. Deswegen bemutter ich sie ein wenig, kümmer mich um das Drumherum und sie lenkt die kleine Maus ab. 😉

Die Vorweihnachtszeit war voll gepackt mit Auf und Abs. Erst mein Vorstellungsgespräch, dann fast zwei Wochen ausgenockt dank Krankheit, da blieb einiges liegen an Vorbereitungen. Zum Glück kurz vor dem Fest wieder gesund geworden. Schnell noch Großputz, Baum kaufen, schmücken und schon war der 4. Advent. Auf den letzten Drücker kam auch das Geschenk für das Kinde. Der Rest der Familie geht (fast) leer aus. Nicht nur, weil ich es dieses Jahr nicht auf die Reihe bekommen habe, sondern, weil das Beschenken unter uns „Großen“ kaum einen Stellenwert hat. Und ich auch nicht groß Geld habe, allen ein individuell besonderes Geschenk zu machen. Ich schenke Zeit, schöne Momente.

In diesem Sinne habe ich auch einen schönen Link gefunden (klick). Leider auf Englisch, aber einfach wunderschön geschrieben. Als kleine Besinnung darauf, dass es neben dem Konsum-Wahnsinn noch viel wichtigeres gibt.

Darüber hinaus habe ich noch einen zweiten (englischen) Link. Der Gegenentwurf zum perfekt organisierten Weihnachtsfest. Weniger Streit, weniger Regeln oder schlechtes Gewissen – dafür mehr Wein, Entspannung und Tv-Konsum. 😉 >>klick<<

In diesem Sinne : Euch allen ein schönes Fest! So perfekt oder unperfekt, wie ihr es euch wünscht! Mit schönen Momenten, Geschenken und den wichtigsten Menschen in eurem Leben.

MERRY CHRISTMAS!

M.

Miteinander fängt bei mir selbst an

Vor kurzem habe ich an einer Blogparade teilgenommen zum Thema „Mommy Wars“. Habe meine eigenen Erfahrungen geteilt – privat wie in den Online-Medien. Nun ruft Munichs Working Mom dazu auf, sich aus einer anderen Perspektive dem Thema zu nähern. Also nicht all die Mütter dort draußen, dafür zu sensibilisieren, wie schnell man gefühlt angegriffen wird, sondern stattdessen zu schauen, wo man sich unterstützen kann oder vielleicht auch schon wird. Gerne nutze ich die Chance auch hier meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. 😉

Wie schon im Vorbeitrag erwähnt, finden meiner Erfahrung nach die schlimmsten Grabenkämpfe im Internet statt. Schon beim Mitlesen verkrampft sich oft alles bei mir und der Puls steigt. Theoretisch könnte ich mich von einer Diskussion zur nächsten klicken und den ganzen Tag völlig aufgebracht durch die Gegend laufen. Theoretisch. Denn hier habe ich ja alles in die Hand. Ich kann mich daran beteiligen, genauso unpassende, hetzerische Kommentare verfassen. Ich kann es aber auch einfach sein lassen. Spart mir einiges an Aufregung. Viel besser noch: ich klick gar nicht erst auf die Beitrage, bei denen unsachliche Diskussionen vorhersehbar sind. Spart Zeit und Nerven. Ganz einfach.

Denn gerade im Internet achten die wenigstens auf Höflichkeitsfloskeln und Anstandsregeln. Da wird ungefiltert gepostet, was das Zeug hält. Vielleicht auch einfach um selber etwas kompensieren zu können. Und dem muss man sich ja nicht aussetzen, wenn es einen selbst mitnimmt. Wenn natürlich der heißgeliebte Blogger in die Mangel genommen wird und man das unfair findet, kann man sich natürlich einschalten. Aber bei einem x-beliebigen Post? Es ist ganz die eigene Entscheidung.

Nächster Punkt: Baby- und Spielgruppen. Ich muss sagen, ich bin sehr gerne hingegangen. Einfach um den Kontakt zu anderen Eltern zu bekommen. Und damit meine kleine Maus auch mal unter andere Kinder kommt. Meine Familie ist so klein bzw so zerissen, dass ich einfach die einzige bin, die gerade ein kleines Kind hat. Auch im Freundeskreis war ich die einzige mit Kind. Und in mir war der Wunsch einfach auch da, mich aktiv auszutauschen im realen Leben. Mir nicht irgendwelche Storys von anno dazumal anzuhören von Mutter, Oma etc.

Und ja, im Vergleichen war ich immer ganz vorne mit dabei. Aber es war in keinster Weise böswillig!! Da ich vorab schon von Mommy Wars gehört habe, habe ich sehr stark darauf geachtet, wie ich etwas formuliere. Zuallererst war ich tatsächlich einfach nur megamäßig stolz. Darüberhinaus hatte ich aber schon im Blick, dass mein Kind nicht der Standard für alle anderen war. Ich relativierte Dinge auch, indem ich zum Beispiel auch von mir aus berichtete, was nicht so gut läuft, wo meine Kleine evtl auch einfach „hinterherhinkt“. Ich finde, dass man indem man Schwächen zugibt, ganz deutlich Zeichen setzt, dass es einem NICHT ums Konkurrieren, sondern ums Austauschen von Erfahrungen geht. Meinem Empfinden nach waren wir Mütter in meiner Gruppe alle sehr freundlich und entspannt miteinander.

Wenn ich also Tipps geben sollte an (werdende) Mütter, wäre der erste: Legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Unterstellt keine böse Absicht, nur weil sich eine Mutter/ein Vater stolz über einen Meilenstein seines Sprösslings äußert. Der zweite Tipp wäre: Achte auf die Wortwahl! Denn ein „Wie, deiner kann das noch nicht? Meiner konnte das schon mit…“ ist schon sehr verletztend. Und der dritte Tipp: Backe kleine Brötchen. Einfach mal nicht ALLES hervorheben, was der kleine Stammhalter schon kann, sonder auch mal darüber sprechen, was noch nicht so klappt, oder was dir diesbezüglich Sorgen macht.

Am schwierigsten finde ich es mit Mommy Wars im eigenen Umfeld umzugehen. Ist es nur eine flüchtig bekannte Mutter, versuche ich einfach nicht auf das Thema einzugehen. Manchmal verteidige ich mich (leider) auch. Ich mache mir meist einfach nur bewusst, dass Kinder so unterschiedlich sind und die andere Mutter mir einfach nur einen netten Tipp geben wollte, obwohl sie ja gar nicht um die Umstände weiß. Und wenn mich ein doofer Kommentar nur peripher berührt, dann rege ich mich auch nicht darüber auf. Wie soll denn die andere Mutter wissen, dass meine Tochter inzwischen die zweite Trennung von nahen Bezugspersonen durchmachen muss (erst Papa und Mama getrennt, jetzt auch Oma und Opa) und sie jetzt wieder vermehrt ihren Nuckel braucht? Und deswegen auch die Betreuungszeiten in der Krippe verkürzt wurden, weil es ihr so nahe geht? Natürlich kann ich das kommunizieren, kommt darauf an, wie ich zur anderen Person stehe. Oder ich lasse es und gehe weiter.

Bei wirklich nahen Personen wird es für mich wirklich schwierig. Zu schnell fange ich an mich zu verteidigen, zu schnell nehme ich es mir auch zu Herzen. Den einzigen Versuch, den ich machen kann, ist klar zu machen, dass ICH es so mache, wie ICH es für richtig halte. Und das bestimmte Formen von Kommentaren und Bemerkungen vielleicht lieb und fürsorglich gemeint sind, aber im Endeffekt nur verletzend sind. Denn oftmals stellen sie meine Rolle als Mutter in Frage, wenn andauernd etwas kritisch hinterfragt wird. Und das tut nunmal weh.

So, nachdem ich lang und breit darüber geschrieben habe, wie man sich selbst wappnen kann, damit einen Bemerkungen nicht sofort nahe gehen, sondern sie einfach anders eingeordnet werden, komme ich zu den Sachen, wo es schon wirklich gut klappt mit den anderen Müttern.

An erster Stelle meine Mutter. Auch wenn sie gerne mal besserwisserisch rüber kommt und hintenherum kritisiert, sie bringt mir sehr viel Wertschätzung entgegen. Sie weiß um meine Vorgeschichte, die nicht so leichte Schwangerschaft, die furchtbare Zeit nach der Geburt mit dem ganzen Beziehungsstress. Sie sieht meine Fortschritte und lobt mich dafür. Sie sieht wie ich an mir und auch an mir als Mutter arbeite und unterstützt mich. Sie sieht, wenn meine Kräfte am Ende sind und nimmt mir meine Tochter ab. Oder sie bügelt meine Wäsche, weil ich es abends nicht mehr schaffe. Und sie sagt mir immer wieder, wie toll ich das mache, trotz widriger Umstände. Sie fragt, wo ich Hilfe brauche und wie sie mich nach ihren Kräften dabei unterstützen kann. Das baut mich tierisch auf und gibt mir immer wieder die Kraft, weiter an allem zu arbeiten.

Ich habe auch eine ganz liebe Freundin, eine „Leidensgenossin“, die in vielen Dingen mit mir übereinstimmt. Wir können klare Kante miteinander sprechen, wenn es denn sein muss. Nicht wie die Axt im Walde, sondern in den Momenten, wo wir gerade offen füreinander sind. Uns verbindet vieles und das erleichtert schon einiges, wenn man sich im Minenfeld der Erziehung und Mutterschaft bewegt. Doch wir haben genug Respekt voreinander, uns auch verschiedene Meinungen zuzugestehen. Und wenn einer von uns ein Problem hat, dann wird nur gefragt, wie man helfen kann, nicht, warum es dazu kommen könnte, und hättest du es mal so und so gemacht. Wir träumen auch davon, dass wir demnächst bald direkt um die Ecke wohnen, damit wir uns mehr unterstützen können. Das Abholen der Kinder zusammenlegen, mal die eine, mal die andere. Offener sind für spontanere Unternehmungen miteinander und einfach das Notfallnetz für den Anderen. Hach.

Als dritte möchte ich auch meine beste Freundin nennen. Das mit dem Taktgefühl ist nicht so ihrs und sie hat schon den ein oder anderen Kommentar gebracht, der mich wirklich verletzt hat. Doch so langsam kommt die Einsicht, dass sie in vielen Dingen falsch lag. Dass sie als damals noch Nicht-Mutter einfach keinen Plan hatte. Und sie sich selbst so viele Dinge vorgenommen hat, von denen sie feststellen musste, dass es mit ihrem eigenen Kind in keinster Weise möglich war. Manchmal hab ich dann meine kleine persönliche Rache (ich weiß, ich sollte mich schämen). Aber in den meisten Fällen freue ich mich, dass auch meine beste Freundin jetzt Einsichten gewonnen hat und sie im Nachhinein mein Verhalten als Mutter neu bewertet. Und sieht, wie falsch sie lag. Immer wieder lässt sie durchblicken, dass sie aus ihrer neuen Sichtweise mir ihre Wertschätzung entgegenbringt. Und das freut mich einfach. Umgekehrt habe ich sie immer wieder ermutigt, wenn es nicht so lief und sie aufgebaut. Sie wiederum hat massiv auf meine Erfahrungsschatz zurückgegriffen und ein wenig Ruhe dadurch gewonnen, dass bei mir auch alles weit von PERFEKT gewesen ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass, wenn wir Mütter ein wenig darauf achten, was wir wie sagen und das Gesagte des Anderen nicht immer gleich auf die Goldwaage legen, eine wunderbare Stütze für einander sein können. Und dass wir, wenn wir unsere Zeit und Energie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verplempern, diese bündeln können für Themen, die uns alle angehen: Hebammen, Kinderbetreuung, flexible Arbeitsweise und Lebensmodelle. Lasst uns ein Herz fassen und nicht immer das Schlechteste unterstellen, sondern nur das Beste!

More is yet to come,

M.

Stillen in der Öffentlichkeit

Immer wieder begegne ich über Facebook den Problemen, die Stillen in der Öffentlichkeit haben kann. Gerade in England und den USA scheint das wirklich ein großes Problem zu sein. Doch beurteilen kann ich es nicht richtig, da ich die Situation vor Ort nicht aus eigener Erfahrung kenne. Die Erfahrungsberichte erschrecken mich  zum Teil sehr, da ich mir das nicht vorstellen kann. Meine eigenen Erfahrungen mit dem öffentlichen Stillen waren im Prinzip durchweg positiv.

In den Kommentaren gab es vielfältige Meinungen zu dem Thema. Es waren viele Befürworter darunter, die Stillen in der Öffentlichkeit als das Natürlichste der Welt ansehen. Auch viele, die der Gesellschaft und gerne auch den Männer Schuld daran geben, dass Brüste so übersexualisiert sind. Aber auch Stimmen, das Stillen gefälligst zuhause standfinde sollte, wurden dort geäußert. Es gab auch viele Berichte, in denen Mütter direkt oder indirekt kritisiert wurden aufgrund ihres öffentlichen Stillens.

Zuerst einmal stimme ich darüber überein, dass es Müttern möglich sein sollte, ihr Kind zu stillen, egal wo sie sich gerade befindet. Niemand würde eine Mutter anfeinden, wenn sie das eigene Kind mit der Flasche oder Brei füttert. Und die Art, wie wir Mütter unsere Kinder ernähren, liegt ganz allein in unserem Entscheidungsbereich. Und wenn die eine Mutter ihr Kind im Cafe mit der Flasche füttern darf, sollten andere Varianten ebenso erlaubt sein.

Ich finde aber, es hilft nichts, die Gesellschaft und die Medien im Allgemeinen, und Männer im Speziellen, dafür zu verdammen, dass eine entblößte Brust nicht ausschließlich als Milchquelle wahrgenommen wird. Auch wenn die Natur die Brust zur Ernährung eines Kindes geschaffen hat, kann man die gesellschaftliche Entwicklung hin zum sexualisierten Objekt nicht einfach abschaffen. Und ganz ehrlich, ich fände es sehr schade, wenn zukünftig Männer bei einem schöngemachten Dekollete nur noch an Milch und Babys denken würde. Was nicht heißt, dass ich mir gern auf die Brust „geiern“ lassen wollte, wenn ich gerade stillte.

Dass ich nie Probleme hatte, in Ruhe in der Öffentlichkeit zu stillen, kann vielleicht daran liegen, dass ich in einer sehr stillfreundlichen Umgebung stillen konnte. Oder vielleicht habe ich auch was richtig gemacht. Denn ich finde es kommt schon darauf an, WIE man stillt.

Ich habe schon an den verschiedensten Orten gestillt. Im Zug, in der U-Bahnstation, bei McDonald’s, im Cafe, beim Notar, bei Freunden, zuhause natürlich und sogar direkt vor einem Friedhof. Und an den Rest erinner ich mich wohl nicht mehr. Und egal wo ich war, es gab nie Probleme.

Da ich es prinzipiell nicht gerne habe, wenn mir Fremde auf eine entblößte Brust schauen, habe ich mir eine bestimmte Art zurecht gelegt, meine Tochter anzulegen. Ich bevorzugte das Anlegen „von unten“, bei der ich nur mein Oberteil soweit anhob, dass ich meine Tochter andocken konnte.

Im Normalfall habe ich mich meist erst umgeschaut, ob es denn eine etwas ruhigere Ecke für uns gibt, wo ich mich auch gemütlich hinsetzen kann. Denn es kam auch meiner Tochter zugute, wenn sie ihre Mahlzeit in Ruhe einnehmen konnte. Bewaffnet mit Moltontüchern habe ich erst eine Position eingenommen, in der ich die Kleine gut anlegen konnte. Dann kam das Tuch über die Schulter auf der Seite, auf der ich beginnen wollte. Relativ dezent wurde dann der Still-BH gelöst. Er danach wurde mein Oberteil angehoben, damit meine Kleine Zugang bekam. Ihr Kopf verdeckte meist den Großteil meiner Brust, das Moltontuch deckte den Rest ab. Mein Bauch war verborgen hinter dem Körper meiner kleinen Maus. Nicht selten stellten Vorbeigehende erst beim zweiten Blick fest, was ich dort tatsächlich tat.

Beim Seitenwechsel wurde auch erst der BH aufgemacht, bevor ich die Position der Kleinen umänderte. Und während sie fröhlich die zweite Seite leer trank, hatte ich genug Zeit den Still-Bh auf der ersten Seite wieder zuzumachen. Mein Oberteil war da schon wieder an Ort und Stelle. Im Großen und Ganzen war die ganze Aktion relativ unauffällig mit minimaler Entblößung meinerseits.

Warum ich das jetzt so ausführlich beschreibe? Weil ich schon Mütter erlebt habe, die den Stillakt richtiggehend zur Schau gestellt haben. Die schon fast blank gezogen haben, bevor sie ihr Kind auch nur annähernd in Stillposition gebracht haben. Bei denen ich das Gefühl bekam, dass sie entweder aller Welt zeigen wollten, dass sie jetzt stillen werden. Oder aber aller Welt ihre durch den Milcheinschuss prallen Brüste präsentieren wollten. Klar, dass ist eine subjektive Einschätzung, aber es hinterlässt das Gefühl, dass es gerade um mehr ging, als nur sein Kind kurz anzulegen.

Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt. Stillen ist ein sehr intimer Akt zwischen Mutter und Kind. Nicht jeder möchte das in jedem Detail mitbekommen. Genauso, wie man sich in einer überfüllten Bahn unwohl fühlen würde, wenn neben einem ein Pärchen wild rumknutscht und rummacht. Die eigene Grenze wird von dem Gegenüber nicht gewahrt, dass was eigentlich etwas Intimes sein sollte, wird anderen fast aufgedrängt zu bezeugen.

Deswegen plädiere ich ganz klar dafür, dass das Stillen in der Öffentlichkeit einen Raum hat. Allerdings sollte man sich schon bewusst sein, dass man auch die Grenzen des Anderen zu wahren und berücksichtigen hat. Es ist möglich, unauffällig und diskret zu stillen ohne sich auf öffentliche Toiletten zu verziehen. Und ich glaube auch, dass man so weniger negative Resonanz bekommt. Man sollte sich einfach bewusst machen, dass einem mehr Raum gelassen wird, wenn deutlich wird, dass man sich der Bedürfnisse der Umstehenden bewusst ist und diese so weit wie möglich auch berücksichtigt.

More is yet to come,

M.

Wer bin ich? Und wieviele?

Ich weiß noch, wie ich mich als frischgebackene Mutter gefühlt habe. Ich war voller Erstaunen, weil dieses kleine Baby auf meinem Arm tatsächlich mein Baby ist. Überwältigt von der Liebe und auch von der neuen Verantwortung. Am Anfang noch voller Unsicherheiten und später mit einem doch recht soliden Bauchgefühl, gebaut auf den gesammelten Erfahrungen. Diese Zeit war magisch – und wahnsinnig anstrengend. Solange die kleine Maus noch viel schlief (bis zu 16 Stunden am Tag), hatte ich zwischendurch immer mal wieder ein wenig Zeit für mich. Mit den längeren Wachphasen, verschwand diese Zeit. Dafür wuchs ein Selbstverständnis, dass ich Mutter bin. Und irgendwann war ich es auch mit Fleisch und Blut.

Doch je länger die Zeit anhielt, in der ich ausschließlich Mutter war, desto mehr merkte ich, dass ich andere Aspekte meines Seins, meiner Persönlichkeit sträflich vernachlässigte. Der Start der Beikostphase begrüßte ich euphorisch. Endlich musste ich nicht ständig zur Verfügung stehen. Ich konnte und durfte meine Kleine auch mal abgeben. Vorher ging es nie, ich stillte alle 2 Stunden und nach der Brustentzündung direkt nach der Entbindung wollte ich weder mit Pre-Nahrung noch Abpumpen das emfpindliche Stillgleichgewicht durcheinanderbringen.

Der Start in die Krippe war der nächste Meilenstein auf dem Weg, mehr Zeit für mich zu haben. Ich stellte nur schnell fest, dass ich nicht wirklich wusste, was ich realisieren sollte. Darüber hinaus wird der Haushalt nicht weniger, nur weil ich mal ein bisschen weniger Kind habe. Das Ausüben von Haushaltstätigkeiten war einfach nur ruhiger und effektiver zu bewerkstelligen.

Und inzwischen ist mein Alltag relativ gut durchgeplant – nur die Zeit für mich bleibt gefühlt immer noch auf der Strecke. Deswegen stell ich mir jetzt mal die Frage, warum ich und vielleicht auch andere häufig das Gefühl haben, ihre Bedürfnisse blieben auf der Strecke, obwohl sie von außen gesehen doch was für sich machen?

Und die kurze Antwort ist: weil jeder Mensch aus ganz vielen Facetten besteht. Mit eigenen Bedürfnissen. Und diese Bedürfnisse sind nicht immer miteinander vereinbar. Also geht man Kompromisse ein. Mal bekommt die eine Facette den Vorrang und manchmal die andere. Doch die ganze Zeit steht man im Konflikt mit sich selbst und den so unterschiedlichen Bedürfnissen.

Je mehr Erfahrungen man macht, je mehr Kontakte man hat, umso mehr Facetten bilden sich aus. Oder halt auch Rollen, mit den entsprechenden Erwartungen von Außenstehenden.

Ein Baby ist schon von Geburt an schon mehr als  nur ein Baby. Es ist Sohn/Tochter, Enkel, Cousine usw. Natürlich bildet sich das Bewusstsein erst mit den Jahren aus. Anfangs geht es nur um die Befriedigung der wichtigsten Bedürfnisse. Essen, Schlafen, in die Windel machen, Kuscheln, Aufmerksamkeit – darum geht es am Anfang. Bis das Kind lernt, dass die Bezugspersonen auch eigene Bedürfnisse haben und man die eigenen nicht immer sofort befriedigt bekommt. Darüber hinaus lernt es, dass die jeweilige Beziehung zu einer Person, die eigene Reaktion bestimmt. Und daraus entwickeln sich die Facetten.

Später kommen immer mehr dazu. Durch Schule, Freundschaften, Bekanntschaften entwickelt man sich weiter. Dabei werden andere Veranlagungen nicht einfach überschrieben, sondern bekommen vielleicht einfach andere Wertigkeiten. Wenn man als Junge zum Beispiel findet, dass es eigentlich ganz nett ist mit der kleinen Schwester Puppen zu spielen, er das unter Umständen aber nie vor seinen Kumpels zugeben würde. Das Bedürfnis ab und an mal mit Puppen zu spielen ist da, doch es wird schon stark unterschieden, mit wem man es auslebt.

Und so geht es immer weiter. Irgendwann gibt es eine gesellschaftliche Facette, eine politische. Man wird Teil der Arbeitswelt. Man lernt, dass bestimmte Aspekte, Facetten seiner Persönlichkeit nicht in jeder Situation angemessen sind. Man passt sich den Gegebenheiten an. Bishin zu Äußerlichkeiten, wenn z.B. ein bestimmter Dresscode bei der Arbeit vorgegeben wird. Auch der Sprachgebrauch ändert sich, je nachdem, welche Facette nun gerade zu Tage tritt.

Das führt auch zu dem Rückschluss, dass Menschen, die sich in verschiedenen Situation unterschiedlich verhalten, nicht unweigerlich falsch sind. Sie grenzen ihre Facetten einfach nur besser ab und haben vielleicht verschiedene Modi für unterschiedliche Situationen. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich verstellen, um zu lügen und zu betrügen, aber um die geht es hier nicht.

Was bedeutet das nun für mich? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so wirklich genau. Es hilft mir auf jeden Fall, Situationen anders zu bewerten. Es ist nicht verwerflich, wenn ich nach 1 1/2 Jahren das Bedürfnis habe, mal ICH zu sein. Nicht nur Mutter. Und es ist auch ok, wenn ich mich gerne mal wieder als Frau fühlen möchte. Ich mir überlege, wegzugehen, mit Freundinnen rumzuhängen, über Männer zu lästern und auch mal zu flirten. Deswegen bin ich keine schlechte Mutter. Meine Tochter ist 2 1/2, sie braucht mich nicht mehr 24/7. Es gibt mehrere vertraute Bezugspersonen wie ihren Vater oder ihre Oma, die mir helfen, dass ich aus der Mutterrolle rauskomme für ein paar Stunden oder über Nacht.

Es hilft mir auch zu verstehen, dass ich auch mal einige Sachen zurückstellen. Und mich dafür nur auf bestimmte Dinge fokussiere. Der Führerschein ist angefangen, da darf ich es nicht zu sehr schludern lassen. Und die Bewerbungen stehen im Vordergrund, die Fristen stehen fest.

Wenn ich allerdings nur ausschließlich die äußeren Zwänge bestimmen lasse, wer ich gerade bin, brenne ich schnell aus. Meine Methode, dem entgegen zu wirken, ist, ganz bewusst Zeiten einzuplanen, in denen ich ein anderes ICH hervorkommen lasse. Das Bloggen ist eins der Dinge, verschiedene Aspekte zu beleuchten und mich mit mir selbst zu beschäftigen. Sehr praktisch ist auch, dass ich zur Zeit einen regelmäßigen Frauenabend habe mit einer befreundeten Mutter. Wenn die kleine Maus im Bett ist, schauen wir Filme, spielen Singstar, lachen, erzählen und haben einen entspannten Abend. Und am nächsten Morgen ist sie noch da und wir frühstücken in aller Ruhe mit der Kleinen.

Indem ich mich damit beschäftige, wie viele verschiedene Facetten ich habe, mit den dazugehörigen Bedürfnissen und Erwartungen, gelingt es mir immer wieder eine bessere Balance zu finden zwischen ihnen. Und das macht mich entspannter. Zufriedener. Es gibt mir die Möglichkeit bewusst zu entscheiden, was Vorrang hat, aber auch die Gelassenheit aus dem Wissen, dass andere Aspekte zu einem anderen Zeitpunkt ausgelebt werden.

Denn eigentlich macht es mich zu einer besseren Mutter, wenn ich nicht alle anderen Facetten verleugne, sondern sie zum richtigen Zeitpunkt auch auslebe. Ich bin dann ausgeglichener. Und ich habe wieder mehr Energie und Konzentration, die dann der kleinen Maus zu Gute kommen.

More is yet to come,

M.

Abseits der rosa Schwangerschaftswolke

Neulich sprach ich mit einer Freundin über das Thema Schwangerschaft. Ich selbst erinnere mich gerne an die Zeit zurück, trotz der emotionalen Berg- und Talfahrt und trotz der kleineren Komplikationen und Wehwehchen. Doch für sie war das alles gar nicht so rosarot und zuckersüß. Ihre Erfahrungen waren so negativ gefärbt, dass sie sich eine weitere Schwangerschaft für sich selbst nicht mehr vorstellen mag.

Wenn Mütter im Allgemeinen aufeinandertreffen, wird gerne schnell verglichen, wie man selbst sich so macht oder auch das eigene Kind sich entwickelt. Dabei wird alles miteinander verglichen, von Schuhgröße über motorische Fähigkeiten bis.. ja genau bis zu den Schwangerschaftserfahrungen. Und ich selbst schließ mich da auch nicht auch. Hab mich nicht selten selbst dabei ertappt.

Es wird zwar gerne mal betont, wie furchtbar das alles war und wie anstrengend. Doch in den meisten Fällen soll dadurch nur herausgestellt werden wie tapfer man gewesen ist in der Schwangerschaft.

Wenn man dann also die Erfahrungen austauscht, erwartet man zwar die üblichen Klagen, aber keinen wirklich negativen Rückblick. Schwangerschaft ist doch was Schönes, und man nimmt ja so vieles in Kauf für diese wunderbare Erfahrung! Ja ne, ist klar.

Natürlich gibt es dann auch die Mütter, die es wirklich schwer hatten in der Schwangerschaft. Die Monate lang liegen mussten, die viellecht lange bangen mussten, weil sie ganz knapp davor waren das Kind zu verlieren. Die kurz vor dem Nierenversagen standen, weil das Kind die Nieren fast kaputt getreten hat im Bauch. Die mehrfach im Krankenhaus waren wegen Vorwehen, Dehydrierung oder nicht endenden Brechanfällen. Sofort empfindet man Sympathie und Mitleid. Und man akzeptiert ganz klaglos, dass in so einem Fall eine Schangerschaft auch als belastend und unschön empfunden wird. Die entsprechende Mutter wird bedauert, man hat Verständnis für sie.

Nun zurück zu meiner Freundin: auch sie hatte Komplikationen, die ihr die Schwangerschaft vermiesten. Ein wenig. Doch es waren nicht die „Wehwehchen“ die ihr die Lust auf jedes weitere Kind nahmen. Es war das Gefühl schwanger zu sein. Dieses kleine Wesen in ihrem Bauch, das dazu führte, dass ihre Hormonwelt Kopf stand, sie emotional komplett aus der Bahn geworfen hat. Das dazu führte, dass sie komische Gelüste hatte oder zu permanenter Übelkeit. Allein die Tatsache, dass sie ihren Körper nicht mehr für sich hatte, schlug ihr auf’s Gemüt. Immer drauf achten zu müssen, was sie aß oder trank oder wie sie mit sich selbst umging.

Darüber hinaus meinte nun ihr Freund und dessen Familie permanent darüber bestimmen zu können, was gut für sie sei UND das Ungeborene. Sie fühlte sich unmündig, gefangen in einer Rolle, die sie gar nicht haben wollte. Und nicht verstanden. Zu allem Überfluss wurde ihr auch gerne immer wieder vorgelebt, worauf sie jetzt zu verzichten habe. Als wäre es ihr nicht schon schmerzlich bewusst gewesen.  Sie fühlte sich auch gefangen in ihrer Beziehung. Denn so ein gemeinsames Kind, das verbindet. Da kann man nicht mehr so schnell abhauen, da gibt es mehr zu bedenken.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, meine Freundin liebt ihr Kind. Von Anfang an. Nur hatte sie noch viele Pläne, so früh hatte sie es mit der Mutterschaft gar nicht geplant. Sie wollte Dinge ausprobieren, reisen, ihre Ausbildung machen und Geld verdienen, was zurücklegen, leben und frei sein. Und jetzt ist es all das auf unbestimmte Zeit verschoben. Sie muss Verantwortung tragen. Nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern auch für ihr Kind. Und die Liebe zu ihm kann das ganze Drumherum nicht einfach wieder aufwiegen.

Rein objektiv hatten wir die gleiche Ausgangsitution. Eine Partnerschaft, bei der wir nicht wussten, ob sie für die Ewigkeit gemacht ist, Pläne für unsere berufliche Zukunft, eine nicht wirklich mental stabile Vorgeschichte. Uns beiden wurden in der Schwangerschaft Vorhaltungen gemacht, worauf wir gefälligst zu achten haben oder auch wie wir uns zu verhalten haben. Und wir beide sind früher Mutter geworden als wir es für uns geplant haben.

Trotzdem haben wir die Schwangerschaft unterschiedlich erlebt. Die Hormone haben bei mir gewirkt wie ein Antidepressivum, psychisch und auch physisch hat sich für mich einiges verbessert. Bei ihr war es das genaue Gegenteil. Immer wieder fiel sie in tiefe Löcher. Mache ich ihr daraus einen Vorwurf? Nein, ganz sicher nicht. Es sind ihre eigenen, persönlichen Empfindungen, die ich ihr ganz bestimmt nicht in Abrede stellen möchte. Dazu habe ich gar nicht das Recht. Warum auch?

Und ich finde, dass ist es auch, was man aus dieser Geschichte ziehen sollte. Es ist gar nicht möglich solche Dinge zu vergleichen. Jeder fühlt anders und das ist auch in Ordnung so. Es ist schade, dass es ihr nicht möglich war, dieselben beglückenden Momente gehabt zu haben wie ich oder auch so viele andere Mütter. Nur war sie daran nicht selber Schuld. Und niemand hat das Recht ihr das vorzuwerfen.

Denn egal, wie belastend das ganze Drumherum war in ihrer Schwangerschaft, sie hat sich verantwortlich gezeigt für das neue Leben in ihrem Bauch. Sich an all die Vorgaben gehalten, die einem gemacht werden in diesem „Zustand“. Aufgrund ihres Verantwortungsgefühls und ihrer Liebe zu ihrem Kind.

Und ich finde, dass verdient eigentlich ganz viel Respekt. Wie viele Mütter rauchen und trinken in ihrer Schwangerschaft, weil es ihnen nicht so wichtig ist? Wie viele verhalten sich unverantwortlich, weil sie das Kind nicht geplant und/oder gewollt haben? Und wie viele lassen das nach der Geburt an ihrem Kind aus? Genug. Und da sollte man niemanden verurteilen, weil er die Schwangerschaft als scheiße empfunden hat. Denn das kann niemand steuern, dass passiert. Deswegen ist man keine schlechte Mutter. DAS wird an anderen Maßstäben gemessen.

Schnuggi, ich hab dich lieb! ❤

More is yet to come,

M.

 

Alles BI irgendwie…

Bei uns ist alles irgendwie BI- : BI-national, BI-kulturell und BI-lingual sowieso.

Das kommt natürlich daher, dass ich so eine deutsch-nigerianische Co-Produktion alias meine kleine Maus zu Hause habe. Und nachdem ich mir gaaaaanz viele Gedanken über die Vereinbarkeit von Mama und Papa gemacht habe und wie das alles gehen soll im Spagat zwischen verschiedenen Kulturen, Meinungen, Sprachen usw., bin ich jetzt recht entspannt. Klar, ich bin inzwischen alleinerziehend und mein Alltag ist sozusagen nur noch MONO(-kulturell, -national, -lingual). Natürlich nur meiner. Bei der Sprache ist es für mich/uns eigentlich am einfachsten. Mama spricht deutsch, Papa Englisch und die Kleine halt was sie will. Also deutsch ;-). Man merkt ihr an, dass sie beide Sprache auseinander halten kann und beides versteht. Find ich gut, macht mir persönlich keine Sorgen.

Was das Kulturelle angeht, weiß ich nicht, ob es da so große Unterschiede gibt. Klar Essen ist echt anders. Aber lecker. Und kochen kann ich inzwischen auch eine Handvoll Rezepte. Aber im großen und ganzen? Wahrscheinlich gibt es bei uns nicht mehr kulturelle Unterschiede als bei dem Durchschnittspaar. Er geht in die Kirche, ich nicht. Er legt mehr Wert auf das Äußere als ich. Dafür lese ich mehr. Ich bin ihm in der Erziehung zu nachgiebig, er mir zu streng. Aber das gibt es doch in vielen Familien. Da müssen die Eltern nicht von verschiedenen Kontinenten kommen.

Was mir ein wenig Bauchweh macht, ist, dass man meiner kleinen Maus sprichwörtlich ansehen kann, dass sie ein Nationenmix ist. Ihre Hautfarbe ist halt deutlich dunkler. Bisher ist es ihr nicht wirklich klar, dass sie überhaupt anders aussieht. Ist ja auch erst 2 Jahre alt.

Aber was wird sein, wenn erst die unbedarften Fragen Gleichaltriger kommen und später vielleicht auch die fiesen Sprüche über Herkunft und Hautfarbe? Und das nicht nur von Gleichaltrigen, sondern von Erwachsenen, von völlig Fremden? Wie geht man damit um? Wie werde ich damit umgehen? Was macht das aus meiner Maus? Wie wird es ihr damit gehen? Wie wird sie damit zurecht kommen?

Noch vor 2 1/2 Jahren wurde mein Ex aus dem Auto heraus mit Bierflaschen beworfen, einfach weil er schwarz ist. Das ist vielleicht eine extreme Form des Rassismus und hier nicht allzu häufig, doch es gibt ja auch latente Formen. Wo der Unterton es macht oder die Wortwahl. Und das trifft vielleicht viel mehr, weil es von Menschen kommt, die man kennt, die man gern hat.

Ein wirklich schwieriges Thema. Ich werde es auf mich zukommen lassen müssen. Leider. Nur verrückt brauch ich mich deswegen noch nicht zu machen. Noch nicht. Vielleicht habe ich Glück und es wird alles gar nicht so schlimm. Trotzdem wird auch die kleine Maus irgendwann mit Fragen vor mir stehen. Warum sie anders aussieht. Nicht wie die meisten hier in Deutschland. Und vielleicht fragt sie auch nach ihren afrikanischen Wurzeln, der Familie dort.

Aber jetzt erst einmal mit viel Liebe und Fürsorge groß werden lassen. Und darauf hoffen, dass sie eine selbstbewusste, unabhängig denkende kleine Person wird.

More is yet to come,

M.