Mit einem Mann wird alles wieder leichter…

Ich bin jetzt schon seit einiger Zeit Single und alleinerziehend. Freunde und Bekannte sehen, wie ich mich anstrengen muss, um meinen, nein unseren Alltag zu stämmen. Alle Verantwortung lastet auf mir, ich kann zudem nicht nein sagen und halse mir schnell noch mehr auf. Schon seit geraumer Zeit befinde ich mich am Rande der Überforderung, des Burn-outs.

Für manche ist die Lösung schnell gefunden: mir fehlt ein Mann an meiner Seite. Und ich bin fassungslos. Wie kann man bitte meine persönliche Situation so verallgemeinern, dass diese Aussage stimmt? Bzw meine psychischen Probleme und die Belastung durch die alleinige Verantwortung darauf reduzieren, dass ich ohne Partner bin?

Und in welcher Welt bitte reicht es aus, einfach nur einen Mann an seiner Seite zu haben und alles wird gut?

Deswegen habe ich einfach mal meine Gründe gesammelt, warum dass alles gar nicht so einfach ist mit einem neuen Partner bzw. warum es dadurch eben nicht leichter wird.

1. Die Gelegenheit

Also ganz ehrlich: mir fiel es noch nie leicht Männer kennen zu lernen. Und ein gutes Händchen hatte ich zudem auch selten bei der Wahl der Partner, aber das ist ein anderes Thema. Als Alleinerziehende fehlt mir in den meisten Fällen schon die Gelegenheit überhaupt einen passenden Kandidaten zu treffen. Oder aber ich bin gedanklich völlig woanders und laufe vormittags permanent an allen Traumtypen im Supermarkt vorbei. Wobei.. arbeiten die nicht um diese Uhrzeit?!

Auch nachmittags mit Kind an der Hand bin ich nicht die Top-Beute des männlichen Umfeldes. Vielleicht denken die ja, ich sei vergeben, denn schließlich benötigt es um schwanger zu werden ja auch einen Erzeuger. Oder sie haben einfach keinen Bock auf eine Beziehung mit einer Mutter.

Abendliche Aktivitäten fallen in der Regel flach bei mir. Da sitze ich schön brav zuhause, mache Abendbrot, schaue Sandmännchen, bringe mein Kind ins Bett. Und danach bleibe ich natürlich auch zuhause. Klar, ist ja sonst niemand da, der auf meine Kleine aufpasst. Zwar gibt es jetzt seit neuestem auch freie Abende für mich, doch die nutze ich dann eher für wirklich wichtige Dinge: lange ungestört duschen, Fernsehmarathon, endlos Konsole zocken oder nette Abende mit Freunden, die ich seit 3 Jahren sträflich vernachlässige.

2. Altlasten sind nicht gerade sexy

Ganz ehrlich, als Mutter ist man nicht gerade Traummaterial. Dabei rede ich auch überhaupt nicht von übrig gebliebenen Schwangerschaftspfunden, welkem Bauch oder anderen sichtbaren Spuren. Mir geht es einfach darum, dass ein Kind immer Einschränkungen mit sich bringt. Für die Eltern und bei Alleinerziehenden dann auch für den Partner. Vieles ist halt einfach nicht uneingeschränkt möglich. Weggehen, durchfeiern, ausschlafen, ja auch das Sexualleben sind betroffen. Manches auf lange Sicht so gut wie nicht möglich, oder wenn, dann nur mit genug Planung im Vorfeld. Als Kerl, der ich ja noch nicht mal verwandt bin mit dem kleinen Zwerg, fände ich das jetzt nicht unbedingt erstrebenswert.

Neben dem Kind gibt es ja auch noch oftmals den dazugehörigen Vater. Unsere Kleine hat Glück, ihr Papa ist gerne Teil ihres Lebens. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt zu ihm, wir planen den Umgang, den er mit ihr hat. Natürlich halte ich ihn auch auf dem laufenden, was KiTa angeht oder so. Ein neuer Partner müsste sich damit abfinden, dass ich nach wie vor in Kontakt stehe mit meinem Ex. Wir zum Teil sogar noch die Feiertage zusammen planen. Nicht jedem fällt das leicht.

Auch bin ich mir nicht sicher, ob mein Ex denn so einfach damit klar kommen würde. Obwohl er es mir momentan zusichert, dass das kein Problem werden sollte, bin ich mir da nicht so sicher. Denn er hat schon leichte Ängste, dass ein neuer Mann versuchen könnte ihn als Vater zu ersetzen.

3. Am Anfang alles nur gaaaanz langsam

Sollte es tatsächlich einen akzeptablen Kandidaten geben, würde ich es trotzdem nicht überstürzen wollen. Zum einen möchte ich sicher sein, dass die Beziehung auch hält und der Herr es auch ernst mit mir meint. Bevor irgendwer meine Tochter kennen lernt, muss er schon einige Zeit bewiesen haben, dass das der Fall ist.

Das bedeutet natürlich auch, dass die gemeinsame Zeit recht knapp bemessen sein wird. Schließlich schläft mein Kind recht selten außerhäusig. Ob das wirklich jedermanns Sache ist? Auch später ist das mit der Zweisamkeit nicht ganz so einfach…

4. Das Kind muss ihn mögen

Tja, viel gibt es hierzu nicht zu schreiben. Die Kleine muss meinen Partner mögen. Ansonsten wird das auf Dauer nichts. Natürlich weiß ich, dass es gerne mal zu Eifersuchtsproblematiken kommt, aber vom Grundsatz her muss es eine gemeinsame Sypathiebasis geben.

5. Sein Interesse sollte mir gelten und nicht der Kleinen

Auch das sollte nicht vergessen werden: es gibt Männer, die sich nicht umsonst Mütter als Partnerin aussuchen. Die über die Mütter sich selbst einen ungehinderten Kontakt zu einem Kind ermöglichen und dann Gefühle und Vertrauen missbrauchen, um sich am Kind zu vergehen. Nicht jedem kinderlieben Mann sollte man das gleich unterstellen, aber ganz aus den Augen verlieren darf man das nicht. Meine Mutter hat damals zwei ihrer Beziehungen beendet, weil sie das Gefühl bekam, dass das Interesse an mir, ihrem Kind, nicht ganz so unschuldig war, wie gedacht.

6. Ich bin nicht wirklich einfach

Ja, auch das kommt mit dazu. Ich habe psychische Probleme und manche Fähigkeiten fehlen mir. So gerne ich es anders hätte, damit muss ich zur Zeit leben. Das lässt sich nicht per Knopfdruck abstellen und einiges wird mich ein Lebtag begleitet. Bisher hatte ich so gut wie nie das Glück, einen Partner zu haben, der das verstehen oder akzeptieren konnte.


Neben all den Gründen, warum es schwer ist, den Richtigen zu finden (oder überhaupt jemanden zu finden, der sich das freiwillig antut), gibt es auch einige, warum ich überhaupt nicht will:

– ich habe jetzt schon nicht genug Zeit für mich, das wird dann ja noch weniger

– ich schaffe es jetzt schon kaum, alles unter einen Hut zu bekommen. Meinen Haushalt, die Mutter-Kind-Zeit, Zeit mit Freunden, die Abstimmung mit Ex und meiner Mom, wer wann wie lange und überhaupt die Kleine hat, das Bloggen und der Sport. Will ich noch jemanden, den ich vereinbaren muss? (Achja, irgenwann wollte ich ja auch mal wieder arbeiten)

– Beziehungen sind nicht immer easy. Ich habe ein trotzdendes Kind zuhause, da habe ich Auseinandersetzung genug, da brauch ich nicht auch noch einen Kerl, der mit mir diskutieren will.

– ich habe Angst davor, meine Selbstständigkeit und auch Stärke zu verlieren, wenn ich einen Partner habe.

– was ist, wenn der sich in meine Erziehung einmischt?!


 

Natürlich heißt das nicht, dass ich nicht schon gerne mal abends Gesellschaft hätte oder ich nicht gerne eine starke Schulter zum Anlehnen hätte. Aber das ist es mir momentan einfach nicht wert. Den Aufwand zu betreiben, jemanden kennen zu lernen. Herauszufinden, ob das etwas Realistisches ist. Den Versuch zu unternehmen, ihn in mein Familienleben zu integrieren. Das Chaos zu riskieren, wenn es doch nicht klappen sollte.

Und ganz ehrlich, ein Heilsversprechen ist so ein Partner wirklich nicht. Er kann eventuell ein Teil meiner alltäglichen Belastungen mittrage. Er kann genauso gut dazu beitragen, diese zu vermehren. Aber er wird bestimmt nicht ALLES gut machen. Mir all meine Sorgen nehmen, meine psychischen Probleme verschwinden lassen und meine Vergangenheit ändern. Das ganz sicher nicht.

More is yet to come,

M.

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Was bedeutet Erwachsen sein?

Eigentlich hatte ich ganz was anderes geplant für die nächste „Veröffentlichung“, aber da hat mich folgender Artikel einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Er ist Sinnbild für so viele andere Artikel, die momentan veröffentlicht werden, um auf der heutigen Generation herumhacken – gerne auch mal nur auf den Eltern.

Bevor ich inhaltlich werde, muss ich erst einmal meinem Frust Luft machen. Warum auch immer, aber ich habe das Gefühl, dass es medial so richtig in ist, Elternbashing zu betreiben, im Notfall die ganze Generation runterzumachen. Ob nun „Latte-Macciato-Mütter“,“ Helikoptereltern“, „Generation Y“ oder jetzt die „Generation Nabelschnur“: Hauptsache das Kind hat nen Namen. Dann raus mit dem Prügelstock und gib ihm.

Wäre es mit einem Augenzwinkern geschrieben und nicht omnipräsent medial vertreten, dann würde mich das alles ja nicht stören. Aber aus meiner Sicht nimmt das immer mehr zu. Wir geilen uns daran auf, dass die nachkommende (Eltern-)Generation nichts auf die Reihe bekommt. Vermeintlich. Dass man mit einer pauschalisierenden Sichtweise auch diejenige diskreditiert, die es anders/besser machen, interessiert ja nicht.

Ja klar, früher war alles besser. Aber ganz ehrlich? Auch nicht wirklich, gell? Und was will man damit erreichen, die heutige Generation als Prügelknaben hinzustellen? Garantiert nicht das Leben erleichtern! Und durch die Globalisierung werden wir (ja ich zähle mich auch dazu, deswegen trifft es ja nen Nerv bei mir) schon genug verunsichert, da brauchen wir nicht noch die „Gesellschaft“ im Nacken, die uns scheinbar die ganze Zeit verurteilt und der wir nichts Recht machen können.

Und jetzt werde ich mal inhaltlich. 😉

Prinzipiell soll ja nur die Frage aufgeworfen werden, wie eigenständig man sein muss, um als Erwachsen zu gelten. Aufgrund der längeren Schul- und Ausbildungszeit verschiebt sich das Auszugsalter nach hinten, da vorher eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schwer möglich ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass es tatsächlich mehr Nesthocker gibt, die „Hotel Mama“ weit über die tatsächliche Notwendigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich finde ich diese Beobachtungen und Interpretationen nicht falsch. Auch die Herangehensweise finde ich nicht falsch. Doch dann fängt es für mich an zu kippen. Erst wird erwähnt, dass selbst nach dem Auszug die Kinder weiterhin engen Kontakt zu den Eltern pflegen, sogar gemeinsame Urlaube planen. Danach wird der Bogen zu den „wahren“ Nesthockern geschlagen, die sich absichtlich in die Abhängigkeit zu den Eltern begeben aus Bequemlichkeit. Am Schluss endet der Bogen bei den Eltern, die aus narzisstischen Gründen ihre Kinder unterstützen, emotional wie finanziell. Zwar wird auch angegeben, dass aufgrund der Globalisierung die Kindergeneration stark verunsichert ist aufgrund der Unüberschaubarkeit und Unplanbarkeit der zukünftigen Karriere. Es endet offen mit der Frage, ab wann man erwachsen ist, aber irgendwie…

… ja, bekomme ich als Leser das Gefühl, dass eine gewisse Nähe zwischen Eltern und Kindern ab einem bestimmten Alter nicht mehr angemessen ist. Warum?

Nachdem wir jetzt die Freiheit genossen haben, die die Globalisierung uns möglich gemacht hat, stellen wir so langsam fest, dass es schon von Vorteil ist, Wurzeln zu haben. Alles ist so unbeständig, so schnelllebig und wechselhaft, da tut es gut einen verlässlichen Hafen zu haben. Die Anforderungen an uns als Person, Frau, Mann, Eltern, ArbeitnehmerIn, ArbeitgeberIn werden immer mannigfaltiger und auch anspruchsvoller. Widersprechen sich sogar. Warum dann nicht Rat und Unterstützung suchen bei jemanden, der mir geholfen hat zu dem zu werden, der ich bin?

Historisch brauch man gar nicht so lange zurückgehen, da hielt man zusammen in der Familie, als Clan. Erziehung war Familiensache, nicht nur Elternsache. Man unterstützte sich, man verließ sich aufeinander. Und nachdem man als Eltern die Kinder versorgt hat, hoffte man im Alter darauf, dass sich die Sorge umkehrte. So ganz ohne Grundsicherung und Rente…

Meine Nachbarin ist um die 80 und erzählt völlig wertungsfrei, dass ihre eigene Mutter mehr Erziehungsarbeit geleistet hat als sie selber. Denn sie selbst war arbeiten, ihre Mutter nicht. Und es konnte nur funktionieren mit dem Lebensunterhalt, wenn die ganze Familie mitzog. Was ist passiert in unseren Köpfen, dass wir die Familienzugehörigkeit kappen wollen, wenn die Kinder „erwachsen“ sind? Woher kommt das, dass wir denken, wir emerging adults müssen alles alleine hinbekommen? Ohne Orientierung und Hilfe? Denn wenn wir nach Rat suchen, um Unterstützung bitten, dann sind wir nicht erwachsen? Nicht abgenabelt genug? BITTE?!

(Wahrscheinlich genau aus dem Grund, warum ältere, erfahrenere ArbeitnehmerInnen nicht mehr so wertvoll sind, wie frische Kräfte. )

Wo es früher ein ganzes Dorf brauchte, um ein Kind groß zu bekommen, sollen jetzt die Eltern reichen. Aber bloß nicht mit der Hilfe der Großeltern! Nein, Besuchsomis und -opis müssen reichen. Dafür gibt es ja die staatliche Kinderbetreuung. Und die Doppelverdiener-Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um alles hinzubekommen. Oder wie in meinem Fall: die Alleinerziehende, die im System Hartz 4 gefangen ist. Aber sich seiner „Ressourcen“ bedienen, um sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen? Gerne, Hauptsache du verlässt dich NICHT auf deine Eltern dabei.

Momentan geht mir die mediale Aufbereitung, was die „heutige (Eltern-) Generation“ anbelangt echt auf den Keks. Ja, hinterfragt bitte, was wir so machen und wie wir es machen. Werft Fragen auf, macht euch auf die Suche nach Antworten. Aber bitte,BITTE, hört auf uns in Schubladen zu stecken und uns abzukanzeln! Wir wissen doch zum Teil selbst nicht mehr wonach wir uns richten sollen. Gebt uns doch Raum, einen Weg für uns zu finden. Jeder den seinen. Ganz viele. Und hört einfach auf uns die Türen zuzuschlagen. Denn mit jeder „Verurteilung“ nehmt ihr uns einen Weg. Nicht überbehüten! Nicht vernachlässigen! Vollzeit! Teilzeit! Keine Kaffee-Getränke! Nicht öffentlich stillen! Kein öffentliches Familienleben!

Ja, es nervt. Wirlich.

So, als Nachsatz  nochmal zu dem Artikel. Er war nicht so schlecht. Er hat sogar die richtigen Fragen gestellt. Nur sich leider hinreißen lassen zu pauschalisieren. Und sich selbst die Möglichkeit genommen, vorurteilsfrei in die richtige Richtung zu weisen. Eine Diskussion anzuregen ohne vorgefasste Meinung. Er hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.

More is yet to come,

M.

Mein persönliches KITA-Desaster

Letzten Mittwoch um kurz nach 16 Uhr. Nachdem ich den ganzen Vormittag und Mittag unterwegs war, hatte ich es mir gerade gemütlich gemacht, um mir noch eine Stunde Ruhe zu gönnen, bevor ich meine kleine Maus vom Papa abholen musste. Kaum saß ich, klingelte mein Telefon. Die KITA war dran. „Ihre Tochter ist noch hier, wir wollten nur mal fragen, wann sie denn abgeholt werden sollte. Sie hatte ja auch keinen Imbiss dabei, dass hatte uns schon ein wenig gewundert.“

Ich brabbelte irgendwas in den Hörer, dass ich auf dem Weg sei, schon in ein paar Minuten wäre ich vor Ort. Wie ein kleiner Wirbelwind tobte ich durch die Wohnung, auf der Suche nach Schuhen, Tasche, Jacke und Schlüssel. Ich vergaß, das Fenster nach hinten zuzumachen und dass ich noch Essen in der Mikrowelle hatte.

Auf dem Weg zur Krippe gingen mir tausend Dinge durch den Kopf. Ich war den Tränen nahe. WIE HATTE DAS PASSIEREN KÖNNEN?? Denn eines hatte ich mir geschworen, wenn es irgendwie zu verhindern wäre, sollte meiner Tochter nicht das Gleiche passieren, wie mir als kleines Kind. Vergessen im Kindergarten, alle anderen Kinder sind schon fort, die Erzieherin telefoniert genervt hinter meinen Eltern her, von denen beide der Ansicht sind, der Andere müsste abholen und sich dann endlich einer breitschlagen ließ, mich abzuholen. DAS hatte ich für meine Tochter nicht gewollt.

Leicht panisch ging ich im Kopf durch, wie es dazu kommen konnte. Ich war fest davon ausgegangen, dass der Papa sie abholt. So hatte er es mir mitgeteilt. (ja, mitgeteilt, er spricht nämlich nicht ab, er teilt mir mit) War ihm was passiert? Oder hatte er es einfach verplant? Es klappte die letzte Zeit ja sowieso kaum noch. Nur mit Planänderungen, kurzfristigen Absagen/Umlegungen und viel Bauchweh meinerseits.

Mir ging aber auch durch den Kopf: hatte ich irgendwie etwas falsch verstanden? Naja, erst einmal ging es zur KITA. Meine Tochter? Völlig unbeeindruckt. Spätdienst hatte gerade erst angefangen und sie konnte ausnahmsweise mal mit den „Großen“ im Bewegungsraum toben. Ich bekam sie kaum in ihre Jacke und die Schuhe, so aufgedreht war sie. Die Erzieherinnen waren sehr verständnisvoll, mit leichter Sorge, ob denn beim Vater alles ok sei.

Zuhause überprüfte ich erstmal mein Handy. Letztes Telefonat war am Montagabend um 21 irgendwas. Ganze 1 min 36s. Und ich konnte mich sehr deutlich daran erinnern. Er sagte, „tuesday“ und „wednesday“. Danach motzte er rum, warum ich die Kleine nicht Dienstag selbst abholen könnte, er würde sie stattdessen lieber Sonntag nehmen. Es ging aber nicht, ich hatte etwas vor. Direkt danach schrieb ich einem Freund. Ich war eingeladen für Mittwoch – gerne auch mit meiner kleinen Maus zusammen. Entweder hätte ich nachmittags mit der Kleinen kommen können oder vormittags alleine. Da die kleine Maus ja beim Vater sein sollte, konnte ich nachmittags nicht, ich hätte es zeitlich nicht mehr rechtzeitg geschafft, die Kleine bei ihm abzuholen. Sprich: ich war mir sehr sicher, dass ihr Papa mir Dienstag und Mittwoch gesagt hatte. Er ist der Meinung, er wäre erst Sonntag drangewesen. Ansonsten kein weiterer Kommentar dazu. (Nur so nebenbei: ratet mal, wer dann spontan Sonntag abgesagt hat?)

Und ich saß nun da, fassungslos und voller Wut. Klar, meine Kleine hat keinen Schaden davon getragen, ich glaube mal, dass sie das noch nicht mal bewusst mitbekommen hat, dass sie vergessen worden ist. Aber in mir gärte es. Ich war so auf ihren Vater sauer. Es war ja nun nicht das erste Mal, dass er mir irgendwie dazwischen gefunkt hat. Und gedankenlos ist und sich jeglicher Verantwortung entzieht.

Kleiner Auszug gefällig?

  • oftmals muss ich Windeln und Feuchttücher für seine Wohnung besorgen, weil er nicht dran denkt und ich ansonsten ein zugekacktes Kind wieder bekomme
  • oftmalt telefoniere ich ihm hinterher, um zu erfahren, wann er gedenkt, die Kleine zu nehmen
  • Termine werden, nur teilweise gerechtfertigt, spontan verlegt, abgesagt oder verkürzt – egal, was ich mir vorgenommen habe
  • Ernährung findet bei ihm nach dem Zufallsprinzip statt: Instant Nudeln, Capri Sonne, Toastbrot und Eis
  • in seiner Wohnung gibt es kein Kinderspielzeug, wenn ich ihm was mitgebe, bekomme ich es samt Kind wieder
  • er teilt mir die Termine zu, wenn bei mir etwas ansteht, kann ich betteln
  • seiner Meinung nach reichen 2x die Woche jeweils 4 Stunden – meist kommt er noch nicht mal auf die

Mir stellt sich immer wieder die Frage, was ich mir noch alles bieten lassen sollte. Muss ich mir das antun? Muss ich ihm das Denken abnehmen? Die Verantwortung, den gesunden Menschenverstand? Muss ich ihm diese Form von Macht über mein Leben lassen? Dass er sich erlauben kann, was er will und ich immer kuschen muss?

Gleichzeitig wächst in mir der Wunsch, ihn einfach mal auflaufen zu lassen. Mich darauf einzustellen, dass er mich erstmal nicht „entlastet“, wenn man das überhaupt Entlastung nennen kann, bei dem Stress, der damit einhergeht. Dass ich ihn mal betteln lasse, damit ich überhaupt Zeit habe, dass er die Kleine betreut. Aber das geht nicht. Denn damit würde ich zu Lasten meiner Tochter handeln. Denn bei all diesem Hick-Hack geht es ja gar nicht darum, wie sehr ich von ihm entlastet werde, sondern darum, dass meine Tochter Zeit mit ihrem Papa verbringt. Und nur, weil wir Eltern nicht miteinander klar kommen, soll unsere Tochter das ausbaden? Das kommt mir falsch vor. Und somit bleibe ich der Fußabtreter für meinen Ex. Meiner Tochter zuliebe. Und bin oftmals einfach nur sauer. STINKESAUER!

Doch was ist die Alternative?

More is yet to come,

M.

Wenn die Geburt einen nicht mehr loslässt…

Momentan ist bei mir die Geburt meiner Maus wieder super präsent. Das liegt zum einen daran, dass ich sie nie so richtig verwunden habe, aber auch daran, dass ich die Auswirkungen wieder an IHR sehe. Dazu später noch ausführlicheres. Vorne weg: der Geburtsbericht der folgt ist mit Sicherheit keiner, der „toll“, „wunderbar“ oder ähnlich verklärt ist. Für mich ist die Geburt unvergesslich – leider eher im negativen Sinne.

Die letzten Monate meiner Schwangerschaft verbrachte ich zu Hause. Auf mein Bitten hin hatte ich ein Berufsverbot bekommen, da ich auch mit Einhaltung der Mutterschutzbestimmungen immer wieder Probleme hatte bei der Arbeit. Immer häufiger kam ich spontan zum Gynokologen, weil ich leichte Vorwehen hatte. Hinzu kam auch, dass mir in der Schwangerschaft 3 Weisheitszähne gezogen werden mussten und das auch in Vorwehen endete. Und in einer Fast-Einweisung ins Krankenhaus, weil ich durch die Entzündung im Mund nicht essen konnte und stark abnahm.

Die Zeit zu Hause tat mir gut. Ich fing an zuzunehmen und im 6./7. Monat hatte ich auch wieder mein Startgewicht, das ich zu Beginn der Schwangerschaft hatte. Bei meinem Arzt fühlte ich mich gut aufgehoben. Die notwendigen Vorsorgen wurden gemacht. Dabei fiel immer wieder auf, dass meine kleine Bauchmaus entwicklungsmäßig immer 1-3 Wochen ihrer tatsächlichen Woche vorraus war. Leider konnte mich mein Gyn die letzten Wochen vor der Geburt nicht mehr selbst betreuen, da er erst im Urlaub und danach selbst krank war. Seine Kollegin, die bei ihm mit in der Praxis war, übernahm für ihn. Bei meinem letzten Ultraschall hatte sie Probleme meine Bauchmaus zu messen, da der Oberschenkel zum Teil hinter meinen Rippen verborgen lag. Trotzdem trug sie das errechnete Gewicht ein – was im Krankenhaus später zu Fehleinschätzungen beitrug.

In der 32. Woche musste ich ein 2. Mal zum Glucose-Toleranz-Test. Meine Urinwerte waren massiv „überzuckert“ und meine Gewichtszunahme war auch grenzwertig. Auch der Bauchumfang wurde sprunghaft mehr. Aber laut Test war alles gut. In der 34. Woche waren es dann schon 134cm, danach hab ich nicht mehr gemessen. Immer häufiger bekam ich Probleme beim Laufen, meine kleine Maus klemmte mir die Nerven zu den Beinen ein. Mein Bauch war inzwischen ganz schief, sie lag mehr rechts als mittig. Wenn sie sich mal streckte in meinem Bauch, wurde ich kurzatmig und meine Lippen wurden blau.

In der 37./38. Woche war ich in dem Krankenhaus, in dem ich entbinden wollte. Ursprünglich wollte ich mich dort anmelden (jaja, ich weiß, war echt spät dafür). Ich bekam aber nur ein Vorgespräch, die Daten wurden aufgenommen. Einen Termin, dass ich dort mal untersucht werden sollte? Fehlanzeige. Also weiterhin zu der Vertretung meines Gyn.

Dann war es soweit. Sonntagabend sprang mir die Fruchtblase zu Hause. Zum Glück im Badezimmer. Ich zog mich erstmal um und „legte mich trocken“. Danach weckte ich meinen Freund, der sich grad erst hingelegt hatte, und rief meine Mutter an. Beide sollten mich bei der Geburt begleiten. Relativ ruhig und entspannt, aber natürlich auch neugierig-gespannt ließ ich mich dann ins Krankenhaus fahren. Der Freund meiner Mutter verfuhr sich erstmal vor Aufregung.

Ich stellte mich dirket im Kreissaal vor, die erste richtige Wehe hatte ich grad erst gehabt. Mit 2 cm MM und kaum Wehentätigkeit wurde ich erstmal auf Station geschickt. Sollte dort mein Bett vorbereiten und die Krankenhaustasche verstauen. Gegen halb 12 nachts wollten sie nochmal kontrollieren, ob es jetzt so richtig losginge oder nicht. Und ja, es ging los. Es wurde nochmals ein Ultraschall gemacht, um Lage und Größe des Kindes zu überprüfen. Lage war ok, doch Größe… war schwer zu bestimmen, da inzwischen weder Femur noch Kopfumfang vernünftig zu messen waren. Verdeckt von meinen Rippen und meinem Becken/Schambein. Grob geschätzt kamen sie dann auf die Maße 4000-4400g. Mit einbezogen wurde natürlich auch das schon grob geschätze Gewicht einige Wochen zuvor. Zwar wollte die Hebamme vor Ort nochmal von außen tasten, wie groß das Kind sei – tat sie aber doch nicht. Ich bekam dann noch ein Aufklärungsgespräch, das sie „normalerweise“ erst ab einem Schätzgewicht von über 4500g führten. Dabei ging es darum, dass so schwere Kinder zum Teil mit der Schulter bei der Geburt hängen blieben und man dann vielleicht einen KS in Erwägung ziehen sollte.

Daraufhin wurde ich noch gefragt, ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorlag, was ich ja guten Gewissens verneinen konnte, war ja 2 Mal getestet worden. Danach schien für sie klar zu sein, dass ich die 4400g wohl nicht knacken würde. Meine Einwände, dass mein Vater und mein Onkel beide knapp 5 kg bei Geburt wogen und mein Onkel unter der Geburt mit der Schulter hängen blieb, wurden einfach abgetan. Auch der Hinweis, dass in der Familie meines Freundes alle Kinder sehr groß sind, interessierte niemanden. Das einzige, was interessierte, war, dass ich als Baby gut 3500g gewogen habe und keine Schwangerschaftsdiabetes vorlag. Man riet mir von einem Kaiserschnitt ab. Sie würden mir aber Bescheid geben, sollte es Verzögerungen bei der Geburt geben, die auf die Kindsgröße zurückzuführen sei. Man würde dann das Thema Kaiserschnitt noch mal erörtern. Darauf verließ ich mich. Dummerweise.

Inzwischen waren meine Wehen recht häufig und sehr schmerzhaft. Man gab mir Schmerzspritzen, damit ich mich erholen konnte zwischendrin. Denn es gab keine Wehenpausen für mich. 3,4 Wehen hintereinander, mit Glück mal 2 Minuten Pause bevor die nächsten Wehen kamen. Mein unterer Rücken schmerzte unerträglich und meine Mutter massierte mir stundenlang diesen Bereich.

Bei 6cm MM schickten man mir nach Rücksprache einen Anästhesisten. Er legte einen Zugang und nahm Blut ab. Die Ergebnisse müssten wir noch abwarten, doch dann könne man eine PDA legen. Mir war das nur recht. Obwohl mir vorher der Gedanke nicht behagt, merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. So langsam freundete ich mich mit dem Gedanken an, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. Denn mein Bauchgefühl sagte mir: das Kind ist wirklich GROSS, das schaffst du vielleicht nicht.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Bei der nächsten Kontrolle durch die Hebamme stellte sie fest, dass ich in weniger als einer Stunde von 6 auf 10cm MM gesprungen war und auch schon Presswehen hatte. Jetzt sei eine PDA nicht mehr möglich. Und ich verabschiedete mich von einem KS, dann ich wollte den ersten Schrei meiner Tochter nicht verpassen.

Es war 3 Uhr morgens und wir zogen um in den richten Kreissaal. Mir wurde gesagt, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste drücken, sollte ich ruhig schon mal schieben. Stundenlang tigerte ich durch den Kreissaal. Bei jeder Wehe stützte ich mich am Bett ab oder den Kommoden und schob. Ich krabbelte auch auf die Liege und probierte den Vierfüßler. Ich war konzentriert, sprach wenn überhaupt in 1-Wort-Sätzen. Das Thema KS war für mich erledigt. Auch die Hebamme oder die Ärztin sprachen nicht mehr darüber. Ich glaubte fest daran, dass man mir sagen würde, wenn die Geburt nicht schnell genug voran ging. Rückblickend frage ich mich, wie viel Zeit normalerweise eigentlich vergeht, von vollständig eröffnet zu „sie dürfen jetzt pressen, das Köpfchen ist schon fast zu sehen“? Denn das Köpfchen ließ sich Zeit. Um 8 war dann Schichtwechsel. Der Kopf war endlich runtergewandert. Ich sollte mich auf die Liege legen und schonmal pressen, wenn mir daran wäre. Das verunsicherte mich. Denn es war ja keine Hebamme da, sie waren ja im Schichtwechsel, besprachen sich irgendwo.

Um 8.30 war dann die neue Hebamme da. Sie ließ mich 2 Mal pressen und meinte dann, dass ich an den Wehentropf müsste, die Wehen wären nicht stark genug. Und das ich an die falsche Stelle pressen würde. Zum Glück legte sie mir dann den Finger einfach dorthin, wohin ich pressen sollte. Das half mir enorm. Also doch kein Wehentropf. Inzwischen kannte ich nur noch 2 Worte: Trinken und Waschlappen. Meinem Freund hatte ich noch ein Sorry zugeflüstert, dann war ich nicht mehr in der Lage Englisch mit ihm zu sprechen oder überhaupt zu verstehen.

Komplett fokussiert versuchte ich, meine kleine Maus hinauszupressen. Ich fluchte nicht, weinte nicht, schrie nicht. Ich brauchte die Kraft für was anderes. Seltsamerweise beobachtete mich ein Teil von mir von außen. Dieser Teil registrierte alles um mich herum. Dass mir ein Katheter geschoben wurde. Dass der Kopf meiner kleinen Maus zwar immer wieder zu sehen war, doch nach jeder Wehe zurückrutschte. Dass sich die Ärztin und die Hebamme erst leise besprachen, bevor sie mir ungefragter Weise einen Dammschnitt verpassten. Mir war es nur recht, es dauerte schon so lange und der Schnitt tat nicht wirklich weh.

Dann war es soweit, der Kopf war endlich draußen. Und dann wurde es hektisch. Es ging nicht mehr vorran. Sie steckte fest mit der Schulter. Die Wehen waren schlagartig weg. Sofort wurde der Wehentropf voll aufgedreht, zum Glück war er schon angeschlossen. Man drückte mir von oben auf den Bauch, versuchte mir beim Pressen zu helfen. Dann stand auf einmal der Oberarzt vor mir. Der Bruder von meinem Gyn, was ich vorher schon wusste. Das Bett wurde umgebaut, ich musste jetzt richtig auf dem Rücken liegen, die Beine nach oben. Die beiden Ärzte bewegten meine Beine in einer Art Fahrradfahrbewegung, in der Hoffnung, die Schulter würde dadurch frei werden. Funktionierte nicht. Anschließend half man mir in den Vierfüßler. Dann wieder zurück auf den Rücken. Half auch nicht. Laut meiner Mutter kniete mein Freund inzwischen hinter meinem Bett und betete. Er verstand ja nix, bekam nur mit, dass irgendwas nicht stimmte. Ich hatte ihn komplett ausgeblendet.

Dann kam die Ansage vom Arzt: Scheiß auf die Wehen, sie pressen jetzt und hören nicht mehr damit auf, das Kind muss jetzt raus. Zu zweit drückte man auf meinen Bauch und schob die Kleine nach unten. Zwischen meinen Beinen stand auch irgendwer, keine Ahnung wer, war ja auch nicht wichtig, und zog. Und ich presste, gab alles. Ich merkte wie ich riss. Ich konnte es fast hören, das Geräusch. Ich hieß es willkommen, denn es bedeutete mehr Platz. Raum, den meine Tochter brauchte, um auf die Welt zu kommen. Und in einem Schwall Blut wurde sie dann auch endlich geboren. Es war 10.23 Uhr.

Sofort schaute ich auf, wollte mein Kind sehen. Die ganze Schwangerschaft hatte ich gerätselt, wie dunkel sie würde durch ihren afrikanischen Anteil. Sie war dunkel irgendwie. Und dann rauschte die Assistenzärztin mit ihr an mir vorbei. Ich war verwundert. Irgendwas lief hier falsch. Ich sollte sie doch eigentlich auf die Brust bekommen, wie das hier Usus ist. Deswegen hatte ich das Krankenhaus doch unter anderem ausgesucht. Und etwas anderes war auch komisch, ich brauchte aber ein paar Sekunden, um es zu realisieren. Sie hatte nicht geschrien. Die Sekunden zogen sich endlos dahin, es wurde eine Minute und dann endlich hörte ich ein Kind weinen. Ist das meine? fragte ich, doch bekam keine Antwort.

Währenddessen half mir der Oberarzt bei der Nachgeburt. Hob sie in die Höhe, präsentierte sie mir. Sie sei vollständig und sehe sehr gesund aus. Interessierte mich nicht. Wurde gefragt, was wir damit machen wollten. War mir egal. Ich wollte mein Kind, nicht meine Plazenta! Und dann endlich kam sie. Doch noch immer durfte ich sie nicht haben. Jetzt wurde sie gewaschen und vermessen. Größe 56cm, Kopfumfang 36cm. Und das Gewicht hat dann allen die Schuhe ausgezogen. 4950g! Und dann war endlich Mama-Time. Ich bekam sie auf die Brust gelegt. Mein kleines helles Michelin-Männchen. Noch völlig zerknautscht von der Geburt. Mit Einblutungen in den Augen und auch darum herum. Und so hell. Erst dachte ich, ich hätte mich einfach nur verguckt, doch 2 Tage später machte es dann klick. Sie war dunkel gewesen – dunkelblau. Man erzählte mir auch, dass sie kurz 1,2 Züge aus der Sauerstoffmaske gebraucht hätte, aber dann hätte es auch keine Probleme mehr gegeben. Währenddessen kümmerte sich der Arzt um meine Geburtsverletzungen. Erst stillte er provisorisch die Blutungen, um herauszufinden, wo ich tatsächlich gerissen war.

Erleichtert stellte er fest, dass der Muttermund intakt geblieben war. Dann machte er sich daran, zu nähen. Über eine Stunde war er beschäftigt. Zwischendurch wurde er angpiept, doch hat er nach kurzer Besprechung beschlossen, erst mich zuende zu nähen und stattdessen die Assistenzärztin zu schicken.

Und ich? Ich war fertig. Und völlig zufrieden damit, meine kleine Maus zu halten. Sie anzuschauen, jedes Detail einzusaugen. Und dann kam man auf mich zu und eröffnete mir dann, dass die Kinderärztin bei ihrer Untersuchung etwas festgestellt hätte. Mit ihrem Arm wäre etwas nicht in Ordnung. Noch könnte man nicht genau sagen, wie schlimm es sei. Fakt ist, dass zu dem Zeitpunkt der Arm gelähmt sei. Ich müsse aufpassen, wie ich sie halte und dass sie nicht darauf liegt. Denn sonst könnte die Blutzufuhr abgedrückt werden. Die Kleine könne das momentan noch nicht spüren. Und selbst wenn, sie kann ich auf jeden Fall nicht selbstständig wegnehmen. Wenn wir Glück hätten, wär der Nerv bei der Geburt nur überdehnt worden. Es könne aber auch sein, dass er gerissen ist. Das könnte man jetzt noch nicht sagen.

Ich nahm das erstmal gleichmütig hin. Ich war zu kaputt, um mir darüber Sorgen zu machen. Meine kleine Maus war endlich da, ich hielt sie in meinem Armen und das reichte mir. Irgendwann kam ich dann wieder in den Ruheraum. Und dann auf Station. Ich bekam Essen. Meine Mutter half mir dann später mich umzuziehen und mich frisch zu machen. Das Blut von den Beinen und den Füßen zu waschen. Ich erinnerte mich wieder an den Kreissaal. Das eine Mal, wo ich zum Fußende der Liege geschaut habe. Das ganze Blut, das den unteren Teil der Liege getränkt hatte und danach auf den Boden getropft war.

Erst gegen 18 Uhr konnte ich meine Tochter zum ersten Mal anlegen. Wegen ihres Arms musste ich sie rechts anders halten, was ich kaum konnte. Es gab auch leider keine Stillkissen auf den Zimmern. Nur im „Stillraum“, der am Ende des Gangs lag. Zu weit weg für mich. Rechts stillen wurde zum Problem. Erst mit Kissen und Decke eine Plattform bauen, denn ich konnte sie mit ihren knapp 5 Kilo nicht lange halten. Nicht so lange ich noch so unsicher war beim Anlegen. Und das Aufstehen oder auch nur anders Hinsetzen schmerzte mich sehr. Am nächsten Morgen sollte ich mir schon selber mein Frühstück vom Buffet holen. Mit Hilfe des Babybalkons schaffte ich das dann auch. Ohne wäre ich wahrscheinlich einfach umgefallen.

Ich bekam irgendwann wortlos Eisentabletten gereicht. Und nach 48 Stunden schon gefragt, wann ich denn abgeholt würde. Ich kassierte einen bösen Blick, als ich sagte, dass ich vor morgen nicht gehen würde. Nach wie vor brauchte ich noch jedes Mal Hilfe beim Anlegen. Mein Kreislauf war unter aller Kanone. Ich bekam einen riesen Haufen Papier. Unter anderem für’s Sozialpädiatrische Zentrum in der Kinderklinik. Am dritten Tag wurde ich dann wieder darauf hingewiesen, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte/sollte. Die Station war recht voll. Sie bräuchten die Betten. Nicht, dass man vielleicht erstmal die Familienzimmer hätte auflösen können, davon gab es immerhin 3 zu dem Zeitpunkt. Nein, ICH soltte gehen. Dabei sah die Kaiserschnittpatientin, die am gleichen Tag entbunden hatte, deutlich besser aus als ich und war viel besser unterwegs als ich. Doch durch den KS hatte sie ja anrecht auf 5-7 Tage. Vormittags ließ ich noch mal Fieber messen bei mir. Ich fühlte mich nicht so gut. War „nur“ erhöhte Temperatur, das sei „normal“ nach einer Geburt. Wegen der Anstrengung.

Also beschloss ich zu gehen. Heulend bat ich meine Mutter, ob ich nicht erstmal zu ihr könne. Denn mein Freund wohnte noch nicht mit mir zusammen. Und ich glaubte auch nicht in der Lage zu sein, mich allein mit der Kleinen zu versorgen. Ich konnte grad 100m ohne Hilfe laufen, danach wurde mir fast schwarz vor Augen. Gottseidank ging es. Meine Mutter reichte Urlaub ein, die Möglichkeit hatte sie sich vorher schon geschaffen.

Erst als ich meinen Mutterpass bekam bei der Entlassung, erfuhr ich, warum man mir Eisentabletten gab. HB war bei 8,6 nach der Geburt. Davor war er bei 13,1 gewesen. Nachmittags kam dann die Hebamme zu meiner Mutter. Sie untersuchte die Nähte und gab mir einiges mit an Tipps und Ratschlägen. Nachts bekam ich dann Schüttelfrost und Fieber. Und riesige feuerrote Stellen an der Brust. Denen rückten wir mit Kühlkissen und Quarkwickeln auf den Leib. Meine Hebamme war entsetzt am nächsten Morgen. Warum ich sie nicht ins Krankenhaus gefahren sei? Oder sie angerufen habe? Keine Ahnung, vielleicht, weil ich dachte, dass das eben mal passiert. Weil man mir im Krankenhaus sagte, dass ein bisschen Temperatur ja normal sei. Und schmerzende, spannende Brüste eben auch.

Nach einer zweiten Nacht Fieber war dann die beginnende Brustentzündung endlich durchgestanden. Mit Hilfe von etlichen Quarkpackungen. Und 2 Wochen nach der Entbindung kam ich dann nach Hause. Und die Behörden- und Ärzterennerei ging los. Zum Kinderarzt, zum SPZ, zur Ausländerbehörde, dem Standesamt, zur Physiotherapeutin. Viel telefoniert habe ich zudem auch. Und geheult. Es war verdammt viel. Und ich holte mir weitere Hilfe.

Zu dem Arm meiner Tochter lässt sich sagen: der Nerv war gottseidank NICHT gerissen. Langsam fing sie an den Arm kontrollieren zu können. Mit 3 Wochen bekam sie zum ersten Mal Physio für den Arm. Monatelang. Der Kinderarzt wurde immer unwilliger die Physio zu verschreiben. Erst als die Physiotherapeutin sagte, beide Arme wären gleich entwickelt, stellten wir die Physio ein. Da war die kleine Maus dann 15 Monate.

Und jetzt? Stell ich fest, dass ihre linke Schulter sich wieder leicht nach oben und vorne verschoben hat. Und der Rücken nicht mehr symmetrisch aussieht. Bei der letzten U-Untersuchung war er das aber noch gewesen.

Mit einem Mal ist wieder alles da. Die Geburt, die Ohnmacht, von außen bestimmt gewesen zu sein. Einen Freund, der sich während der Geburt nicht für mich äußern konnte, weil er die Sprache nicht beherrschte. Und die Wut, weil mich kein Arzt und keine Hebamme ernst nahm. Meine Vorgeschichte nicht mit einbezogen wurde, ja fast verächtlich abgetan wurde, als Hysterie einer Gebärenden. Hallo? Mein Bauchumfang lag zur Geburt bei sicherlich über 140cm. Ich selbst bin knapp 1,63. Das war nicht nur alles FETT oder WASSER! Aber getastet hat natürlich keiner mal. Nur den Scheiß-Ultraschall messen lassen. Es ist toll, dass sie mich alle gepriesen haben nach der Geburt, wie toll und stark und tapfer ich sei, weil ich ein 5kg-Baby vaginal entbunden haben. Und dabei übertünchten, dass sie, wenn sie das tatsächliche Gewicht gewusst hätten, mir ganz dringend zu einem KS geraten hätten. Und sich deswegen die Erlebnisse meiner Oma nochmal bei mir wiederholen mussten. Ich bin sauer, so sauer. Dann hätte ich meinetwegen auch einen KS unter Vollnarkose gemacht. Hauptsache mein Kind trägt keinen Schaden davon. Ich meine, sie war BLAU! Wer weiß denn, wie lange sie noch ohne Schaden geblieben wäre, hätte man sie nicht mit aller Gewalt aus mir herausgerissen?

Ich hoffe, dass ich irgendwann eine gesunde Distanz dazu bekomme. Mir nicht vor Wut und Kummer und Erschrecken und so vielen anderen Gefühlen, die ich nicht in Worte fassen kann, die Tränen kommen. Und mir nicht die Gedanken durch den Kopf geistern ICH HÄTTE SIE FAST VERLOREN.

Zu dem Thema habe ich auch gerade einen Bericht gelesen. Der Fokus liegt zwar eher auf der Begleitung vor und insbesondere nach der Geburt. Aber auch ein wenig darum, wie nüchtern man in den Krankenhäusern abgekanzelt wird. Als Fallzahl. Als wehleidig. Der Link ist  hier.

Ich trockne jetzt meine Tränen und werde meine kleine Maus abholen. Und sie fest in den Arm nehmen und froh sein, dass trotz allem, alles irgendwie doch gut gegangen ist.

More is yet to come,

M.