Of cats and kids: Warum Katzen wie Kleinkinder sind

Es ist gefühlt schon eine Ewigkeit her, dass ich hier das letzte Mal geschrieben habe. Schreibblockade, emotionale Tiefs, Motivationsprobleme – all das sind Gründe, warum ich es hier so lange hab schleifen lassen. Nun stehen bei uns bald Veränderungen an, die so schön sind, dass es mir genug Schwung und Motivation bringt, um endlich wieder was auf’s (digitale) Papier zu bringen. Wir bekommen bald Katzenbabies! Und da ich schon so lange schwanger gegangen bin mit dem Gedanken, mir wieder Katzen anzuschaffen, habe ich in den Jahren meiner Mutterschaft so einige Parallelen feststellen können zwischen Katzen und Kleinkinder.

Und schon sind wir auch schon mitten im Thema: ich behaupte einfach mal frech, dass sich Katzen oftmals wie Kleinkinder benehmen. Glaubt ihr nicht? Dann schaut selbst.

 

1. Die Toilette, die Tür, Privatsphäre – ein Witz

Alle Mütter und Väter kennen es, kaum ist ein Kind im Haus, ist der stille und einsame Toilettengang passé. Als Säuglinge sind die lieben Kleinen noch nicht in der Lage, einem selbst ins Badezimmer zu folgen. Trotzdem sind sie oft zugegen, wenn man auf Toilette gehen möchte oder nur kurz unter die Dusche springen. Wenn man nicht gerade eine zweite Person zur Hand hat, die den kleinen Zögling bespaßt, während man das stille Örtchen besucht, dann hat man genau zwei Optionen: es irgendwo sicher parken und schreien lassen ODER mit ins Badezimmer nehmen. Da man meist eher gehemmt ist, das Kind schreien zu lassen, macht man sich in den wenigen Minuten, in denen man die körperlichen Bedürfnisse stillt, komplett zum Affen, nur um das Kind bei Laune zu halten.

Später könnten die Kleinen auch mal kurz für sich sein, aber meist sind sie dann in der Lage selbstständig ins Bad zu folgen. Und das tun sie dann auch. Jahrelang. Wenn man es wagt, die Tür zu schließen, hört man schnell ein Kratzen an der Tür oder Gebollere, gerne auch verschiedene Abstufungen von Unmutsbekundungen. Ab eine bestimmten Größe wird auch einfach die Tür aufgerissen – egal wer gerade noch davor steht.

Auch Katzen scheinen er Meinung zu sein, dass ein Toilettengang eher weniger eine private Angelegenheit ist. Werden sie ausgesperrt, kratzt es schnell an der Tür. Oder es werden Pfoten unter derselben hindurch gesteckt. Manche Exemplare sind sogar geschickt genug Türen zu öffnen. Möchte man dem vorbeugen, kann man wahlweise auch gleich die Tür offen lassen. Denn die lieben Samtpfoten haben ihre eigenen Vorstellungen davon, wie lange der Toilettenbesuch tatsächlich eine gemeinschaftliche Veranstaltung ist. Zwar können Katzen eher weniger nervig quengelnde Fragen stellen, aber haben auch sie so einige Marotten, die bedient werden möchten, während man selbst eigentlich mit etwas Anderem beschäftigt ist.

 

2. Das Kuschelbedürfnis

Sowohl bei Katzen als auch bei Kindern gibt es diverse Kuscheltypen. Bezeichnend ist bei allem, dass Kind bzw Katze ihre ganz eigenen Vorlieben hat und diese auch genauso einfordern. Ob der dazugehörige Mensch da ähnlich gestrickt ist, ist ihnen meist völlig schnuppe.

So gibt es Kinder wie Katzen, die eigentlich immer zur Stelle sind, um zu kuscheln, kaum dass man es sich irgendwo bequem gemacht hat. Da werden Schöße und Arme einfach besetzt und in Anspruch genommen. Dies führt sich gerne bis ins Bett fort und beeinflusst die elterlichen/menschlichen Schlafweisen enorm. Sollte man versuchen, sich dem zu entziehen, dann bekommt man den Unmut auf die ein oder andere Art zu spüren. Man hat seine Bedürfnisse hinten an zu stellen. Punkt!

Genauso gibt es Wenigkuschler. Da möchte man sein Kind oder seine Katze gerne herzen, streicheln und kuscheln und da wollen die einfach nicht. Da werden Fluppen gezogen, die Krallen gezeigt, gebissen und gemosert. Man hat keine andere Wahl, als auf die wenigen Momente zu warten, wo die eigene Nähe aktiv gesucht wird. Da wird einem endlich die Gnade zu teil, seinem eigenen Kuschelbedürfnis nachzugehen. Aber nicht so lange! Nur so lange wie Kind oder Katze es für angebracht halten!

 

3. Mäkelige Esser

Direkt nach der Geburt ist es mit der Ernährung noch recht einfach. Solange das Kind an der Brust bzw die Katze an der Zitze hängt, ist alles wunderbar. Danach wird es allerdings kritisch. (Klein)Kinder sind bekannt dafür, dass sie meist recht wählerisch essen. Es müssen die richtigen Zutaten sein, die einzelnden Bestandteile in der richtigen Größe angeboten werden, natürlich optisch ansprechend und auf die richtige Art angerichtet. Damit es nicht zu einfach wird, werden die Regeln, was momentan gegessen werden mag, immer mal wieder über den Haufen geworden. Wo es letzte Woche noch ok war, die Nudeln MIT Soße zu servieren, geht das heute überhaupt nicht mehr. Das Brot zusammengeklappt? Ein Schwerverbrechen!

Und man glaube es kaum, Katzen sind ebenso für ihren launischen Geschmack bekannt. Da darf es nur Fleisch in Soße sein, einige Zeit später dann doch lieber mit Gelee. Sorten, die eigentlich immer gerne gefressen wurden, werden mit einem mal verächtlich links liegen gelassen.

Es ist eigentlich egal, wem man denn das Essen serviert. Man darf sich immer wieder darauf einstellen, dass dieses Essen genau heute in dieser Art den Herrschaften nicht mehr genehm ist.

 

4. Stinkende Hinterlassenschaften

Die ersten Jahre eines Kindes sind davon geprägt, dass es nicht in der Lage ist, seine Ausscheidungen selbst zu entsorgen. Und damit einem die lieben Kleinen nicht überall kleine Hinterlassenschaften hinmachen, bekommen sie in der Regal Windeln um. So kann man zwar nicht das Wann, aber wenigstens das Wohin bestimmen. Ab einem bestimmten Alter lernt unser Nachwuchs dann irgendwann auf Toilette zu gehen und man wird dann höchstens noch zum Abputzen gebraucht.

Katzen lernen freundlicherweise sehr viel schneller, wohin mit ihren Hinterlassenschaften. Was einen nicht davor bewahrt, diese sorgsam umzuschütten, damit sie nicht auf ewig im Katzenklo vor sich hin stinken.

Ob nun kniend vor der Katzentoilette oder gebückt über dem Kinderhintern, beides ist olfaktorisch keine Freude. Und wer schon mal einen prallen Sack mit Katzenkacke rausgebracht hat, weiß ganz genau, dass es genauso stinkt, wie eine Tüte voll Kackwindeln.

 

5. Eigensinn

Im Gegensatz zu Hunden lassen Katzen sich generell gar nichts befehligen. Statt treudoof jeden Wunsch bzw. Befehl auszuführen, haben sie eine ganz eigene Vorstellung, wie der Hase läuft. Und wer generell an der Spitze der Befehlskette steht. Sie machen genau das, was sie gerade möchten – nicht mehr nicht weniger. Sie setzen auf ihren Eigensinn, von manchen Katzenliebhabern auch gerne als „Charakter“ bezeichnet. In der Regel sind es genau diese Eigenarten, die sie nicht nur einzigartig machen, sondern auch besonders liebenswert.

Bei Kindern spricht man in der Regel nicht von Eigensinn, man hat sich da nettere Namen einfallen lassen. Gerne ist die Rede von der Autonomiephase (Trotzphase). Was aber nicht viel daran ändert, dass die eigentlich so lieben Kleinen ständig versuchen ihren Dickkopf durchzubekommen. Und wenn das keine Eigensinn ist…

 

6. Wo sie sind, ist Chaos

Wo Kinder sind, herrscht das Chaos. Das ist quasi ein Naturgesetz. Regale und Kisten werden nur zu gerne ausgeräumt oder ausgekippt. Das Spielzeug wird innerhalb kürzester Zeit in der gesamten Wohnung verteilt. Slipeinlagen werden in die Puppenwiege geklebt und die Tupperdosen sonst wohin verräumt. Kaum dreht man sich einmal um, wird sofort akribisch an dem nächsten Chaos gearbeitet.

Auch Katzen sind so kleine Chaosstifter. Nicht immer in den gleichen Dimensionen wie Kinder, aber trotzdem genauso akribisch. Gerne werden kleine Objekte über die Tischkante bugsiert, in jeder Ecke findet sich Katzenspielzeug. Schuhe stehen nicht mehr am selbsen Ort und Haarbänder verschwinden auf mysteriöse Weise. Und wehe das liebe Katzentier hat mal sein fünf Minuten, da gehen gerne mal Gardinen oder Blumentöpfe drauf oder Geschirr zu Bruch.

 

Und? Überzeugt? 😉

Aber egal wie anspruchsvoll sie sind, wie nervig in ihren Marotten – hat man erst sein Herz an eines dieser zwei- oder vierbeinigen Wesen verloren, so gibt es nichts Schöneres als sein Leben mit ihnen zu teilen. ❤

 

More is yet to come,

M.

#momsrock: Ein Brief an meine irgendwann pubertierende Tochter

So, zum Jahresende mal wieder eine Blogparade. 🙂 Initiatorin ist diesmal Lucie Marshall . Nachdem ihr ein wunderbar kostbarer Moment zuteil wurde, indem sie in dem, was sie bisher geleistet hat als Mutter, gelobt wurde, ruft sie nun dazu auf, selber drüber zu berichten, wo wir selber oder auch andere einfach rocken als Mütter.

Dem komme ich nur allzu gerne nach (und wie immer kurz vor Deadline) und geb meinen Senf dazu. Denn gerade zum Jahresende finde ich es wichtig, ein positives Resümee ziehen zu können, um motiviert ins neue Jahr zu starten. Die ganze Selbstbeweihrauchung verpacke ich aber in einen Brief an meine Tochter. Die wird in gut 10 Jahren gerade voll in der (Vor-) Pubertät stecken und mich nur scheiße finden, da wäre so eine kleine Erinnerung schon nicht schlecht…

Meine liebe Tochter,

ich verkneife mir bewusst den Ausdruck „kleine Maus“, wahrscheinlich ist dir das inzwischen oberpeinlich und ich bekomme jedes Mal den Todesblick, wenn mir der Begriff trotzdem rausrutscht. Gerade in der Pubertät sind Mütter voll doof und scheiße und streng, insbesondere die eigene. Alles machen sie/ich falsch und wirklich gewertschätzt wird nichts, was wir getan haben, tun oder tun werden. Deswegen eine kleine Auflistung, warum ich rocke als Mutter. Und nein, du musst mich anschließend nicht cool finden. Nur ein wenig Achtung und Respekt, ok?

1. Ich habe mich für dich entschieden
Im Idealfall funktioniert das mit der Familiengründung so: ein Paar beschließt, dass für sie die äußeren Umstände stimmen und sie bereit sind ein Kind zu bekommen. Also erst die Entscheidung, dann die Zeugung. Der Zeitpunkt wird von den zukünftigen Eltern bestimmt.

Bei dir war es ein wenig anders. DU hast den Zeitpunkt bestimmt. Die äußeren Umstände waren nicht im geringsten so, dass ich den Zeitpunkt als ideal angesehen hätte. Was nicht heißt, ich wollte vor dir kein Kind. Ich wollte eins, unbedingt! Meine Hormone waren am Durchdrehen. Aber rational gesehen… So kam es, dass du ungeplant in unser Leben platztest. Und egal welchen rationalen Grund man anführen konnte, warum ich dich nicht kriegen sollte, es war mir völlig egal. Du warst mein Kind! Für dich tu ich alles. Also drauf gepfiffen, dass ich, wenn mein Fristvertrag ausläuft, arbeitslos werde. Dass dein Vater und ich gerade frisch in diese Beziehung geschlittert sind und noch gar nicht so richtig wussten, wer wir waren. Dass die Wohnung zu klein ist. Dass es Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten geben würde mit Freunden und Verwandten. Ich wollte DICH. Punkt.

2. Egal wie anstrengend Schwangerschaft und Geburt waren, für dich jederzeit wieder
Jaja, ich weiß, klischeehaft zitiert jede Mutter die so furchtbare Geburt, um die Kinder etwas demütiger zu bekommen. Aber ich will dir damit nur sagen: es war mir egal, das Wichtigste war, dass es dir gut ging. Die dauernde Übelkeit bis in 8. Monat? Geschenkt. Die Probleme mit den Weisheitszähnen? Dumm gelaufen. Die Vorwehen und die ständige Angst? Passiert. Die doch recht traumatische Geburt? Ein notwendiges Übel. Denn nur so konnte ich deine Mama werden. Und diese Ehre, dieses Glück wiegt alles auf (ja, auch die doofen Streifen, den ausgeleierten Bauch, die Extra-Pfunde und das tiefer gerutschte Dekolleté). 😉

3. Nur für dich strenge ich mich so an ein besserer Mensch zu werden
Als ich mit dir schwanger wurde, war ich noch lange nicht der Mensch, der ich gerne sein wollte. Ich hatte/habe einen Riesenrucksack mit Problemen, die ich in die Mutterschaft mit eingebracht habe. Ich weiß ich mute dir viel damit zu, wahrscheinlich immer noch, wenn du das liest. Aber ich glaube nicht, dass ich die Dinge so beherzt angegangen wäre, wenn du nicht der Antrieb dahinter wärst. Und sei bitte nicht so abschätzig, wenn du irgendwann mal weißt, in welchem Umfang ich tatsächlich noch nicht „reif“ war.

4. Wenn ich was falsch mache, entschuldige ich mich. IMMER
Ich hoffe, dass ich das auch beibehalte. Aber bisher handhabe ich es wirklich so, dass ich mich bei dir entschuldige. Wenn mir der Kragen platzt und ich laut werde. Ich keine Zeit habe für dich und du deswegen traurig bist. Wenn ich ungerecht bin, überfordert oder richtig fies down. Ich entschuldige mich dafür. Von Herzen. Und ich erkläre dir, warum – nicht als Rechtfertigung, sondern, damit du mich besser verstehst.

5. Auch wenn wir als Paar nicht funktioniert haben, dein Vater darf dein Held bleiben
Im Prinzip hätte unsere Beziehung nie funktioniert auf Dauer, unabhängig, ob nun mit dir oder ohne dich. Es gab viele verletzte Gefühle, viel böses Blut schon vor der Trennung und auch danach. Wir sind gescheitert – als Paar. Aber wir sind noch auf anderer Ebene verbunden. Als deine Eltern. Und bisher machen wir das so ganz gut, finde ich. Mir ist es wichtig, dass du deinen Papa lieben kannst, wie du es möchtest, du dich nicht mit mir solidarisieren musst, weil er mein Ex ist. Ich bin mir absolut bewusst, dass du auch sein Kind bist, ein Stück von ihm. Und wenn ich ihn ablehne, dann auch immer ein Teil von dir. Deswegen bemühe ich mich um ein bestmöglichstes Verhältnis zu ihm. Damit du dich als ein Ganzes empfinden darfst.

Von ganzem Herzen,
Deine Mama

Und da ich ja auch noch andere Mütter kenne, die meiner Meinung einen super Job machen, hänge ich das gleich mit hinten dran:

Mama, du rockst. Auch wenn unsere gemeinsame Vergangenheit an eine Achterbahnfahrt erinnert und du (aber ich auch) definitiv Fehler gemacht hast, so bist du trotzdem oder gerade deswegen ein tolle Mom. Seitdem ich dich zur Oma gemacht habe(hihi), bist du mein Fels. Du entlastest mich, wenn hier alles den Bach runter geht. Hast dir über Monate das Beziehungsdrama bei mir reingezogen. Pamperst mich, wenn ich es brauche und bist ansonsten immer für mich da. DANKE. Ohne dich wäre ich verloren.

Maus, du bist meine beste Freundin. Theoretisch bist du schon viel länger Mutter als ich. Und viel stärker als ich. Ich bewundere deinen MUT und deine Entschlossenheit, es wieder versucht zu haben, nachdem du dein erstes Kind verloren hast so spät noch in der Schwangerschaft. Du warst so tapfer in der letzten Schwangerschaft, so positiv trotz der Spritzen und der Ungewissheit. Du bist belohnt worden – endlich. Aber dein Sohn auch. Du hast soviel Geduld, viel mehr Gelassenheit als ich. Ich weiß, du hattest es nicht leicht mit dem kleinen Schreihals. Aber du machst es toll und auch richtig. Hör weiter auf deinen Bauch!

So, und jetzt du Schnuggi. Wir teilen viel, tauschen uns oft aus. Einen Blogeintrag habe ich dir zu verdanken und auch dir gewidmet. Wir beide sind unter schlechten Vorzeichen in die Schwangerschaft gestartet. Genauso wie ich kämpfst du jeden Tag gegen deine „Dämonen“, versuchst das Beste zu geben und die beste Mama für deine Kleine zu sein. Du gibst ihr Struktur, Regeln, ein wohliges Heim und so viel Liebe. Für deine Tochter steckst du so einiges ein und manchmal glaube ich, du weißt gar nicht wie stark du wirklich bist. Dann lass mich es dir sagen: Du bist stark! Und toll! Mutig und verrückt! Einfach ein klasse Weib. 😉

So, mal wieder eine recht ernste Geschichte geworden. Locker leicht kann ich halt nicht so gut. 🙂

Wünsche alles ein frohes neue Jahr! Ich hoffe euer persönliches Resümee – nicht nur in Sachen Mutterqualitäten – fällt auch zu eurem Gunsten aus. Wenn nicht, habt ihr nächstes Jahr wieder die Chance, und wenn doch: Weiter so! Und Luft nach oben gibt es immer.

M.

Meine Weihnacht

imageSo, heute ist Heiligabend. Meine kleine Maus hält gerade ihren Mittagsschlaf,  so dass ich noch ein wenig Zeit für die letzten Handgriffe habe. Ordnung machen, Geschenke platzieren etc.

Dieses Jahr ist es anders für mich, für uns. Das zweite Mal Weihnachten als Alleinerziehende, das erste Mal mit Baum bei uns zuhause. Wo ich letztes Jahr meine Mutter hab machen lassen, muss ich dieses Mal ran. Mit der Planung, der Vorbereitung und der Durchführung. Denn dieses Jahr ist meine Mutter Single – und immer noch dabei ihr Leben neu zu gestalten. Deswegen bemutter ich sie ein wenig, kümmer mich um das Drumherum und sie lenkt die kleine Maus ab. 😉

Die Vorweihnachtszeit war voll gepackt mit Auf und Abs. Erst mein Vorstellungsgespräch, dann fast zwei Wochen ausgenockt dank Krankheit, da blieb einiges liegen an Vorbereitungen. Zum Glück kurz vor dem Fest wieder gesund geworden. Schnell noch Großputz, Baum kaufen, schmücken und schon war der 4. Advent. Auf den letzten Drücker kam auch das Geschenk für das Kinde. Der Rest der Familie geht (fast) leer aus. Nicht nur, weil ich es dieses Jahr nicht auf die Reihe bekommen habe, sondern, weil das Beschenken unter uns „Großen“ kaum einen Stellenwert hat. Und ich auch nicht groß Geld habe, allen ein individuell besonderes Geschenk zu machen. Ich schenke Zeit, schöne Momente.

In diesem Sinne habe ich auch einen schönen Link gefunden (klick). Leider auf Englisch, aber einfach wunderschön geschrieben. Als kleine Besinnung darauf, dass es neben dem Konsum-Wahnsinn noch viel wichtigeres gibt.

Darüber hinaus habe ich noch einen zweiten (englischen) Link. Der Gegenentwurf zum perfekt organisierten Weihnachtsfest. Weniger Streit, weniger Regeln oder schlechtes Gewissen – dafür mehr Wein, Entspannung und Tv-Konsum. 😉 >>klick<<

In diesem Sinne : Euch allen ein schönes Fest! So perfekt oder unperfekt, wie ihr es euch wünscht! Mit schönen Momenten, Geschenken und den wichtigsten Menschen in eurem Leben.

MERRY CHRISTMAS!

M.

Almost Legendary: Mommy-Wars

Auf den letzten Drücker steuer ich jetzt noch einen Beitrag zur Triple-Blogparade von MamaOTR, Muffinqueen und Momsoffice bei. Das Thema lag mir sowieso schon auf der Seele und nun darf es auch endlich verfasst werden. 😀

Des öfteren begegnen mir Berichte über die sogenannten Mommy-Wars im Internet. Ob nun in Artikeln oder in Blogs. Fast jede Mutter hat den ein oder anderen Spruch abbekommen, dazu, was man so macht bzw. SIE definitv nicht richtig macht. Manchmal sind es recht unverholene Vorwürfe, manchmal eher spitzfindige Anmerkungen, die zumindestens den Anschein machen, nicht so bös gemeint gewesen zu sein. Es aber doch sind.

Wenn ich mich an die erste Zeit als Mutter erinnere, dann bin ich mir bewusst, dass ich auch eine von diesen nervtötenden Mütter gewesen bin, die alle Daten im Kopf hat. Von der Geburt über die diversen U-Untersuchungen inklusive der ersten Meilensteine. Und bei jeder Gelegenheit wurden diese hervorgeholt. Dabei war mir eigentlich piep-egal, wer der Empfänger war. Ja, ich gestehe, ich war tatsächlich schlimm.

Irgendwann ging es dann auch mit den Babygruppen los bzw der Rückbildungsgymnastik. Man unterhielt sich meist im Plauderton. Und wir verglichen unsere Kinder, was das Zeug hielt. Und zumindestens von meiner Seite tat ich dies nicht, um anzugeben. Ich kannte mich einfach nur nicht aus. Ich bin ein Einzelkind, habe als erste im Freundeskreis ein Kind bekommen. Mir fehlten tatsächlich die Erfahrungen, um einzuschätzen, ob ich auf dem richtigen Weg bin und auch mein Kind vernünftig gedeiht. Und die Erfahrungen, die meine Eltern bzw Großeltern gemacht haben, halfen mir nun gar nicht.

Da ich schon einiges über die Mommy-Wars gelesen hatte, war ich auch immer versucht, alle Meilensteine in Relation zu setzen. Das andere Kind kann sich noch nicht drehen? Naja, meine Kleine kann das wahrscheinlich auch nur, weil sie Unterstützung durch Physiotherapie bekommt.

Es kommt halt immer darauf an, wie man sich austauscht. Wenn ich sage:

Meine Tochter spricht schon recht viel für ihre 15 Monate, dafür tut sie sich mit dem Laufen lernen noch recht schwer

dann tausche ich mich aus und lobe auch nicht über den Klee. Wenn ich aber anfange die Meilensteine meines Kindes als Maßstab für andere zu nehmen, dann wird es kritisch:

Wie? Deine Tochter kann nur 4 Worte? Meine kann schon locker 30 und spricht in 2-Wort-Sätzen!

Und schon sind wir drin im Mommy-War. So richtig heftig wird es meiner Meinung nach erst im Internet. Wo man sich hinter Aliassen und Nicknames verstecken kann. Da wird dann richtig Futter gegeben und offen angegriffen. Da gibt es dann die Mütter, die von ihrem kleinen Sonnenschein erzählen, der ja so selbstständig ist und mit 2 alleine Zähne putzen kann, Schuhe binden und whatever. Die Impfgegner, die bei jedem Problem, sofort fragen, ob denn geimpft wurde, denn das sei ja der Auslöser für eigentlich jedes Übel. Ob Koliken, Schreibabys, KISS-Syndrom oder lange Windelphase. Man wird davor gewarnt sich Rat oder sogar Hilfe beim Jugendamt zu holen. Bloß nicht schreien lassen, das liebe Kind. Selber Kochen! Abtreibung ist ein Unding! Usw usw usw.

Oft bin ich es leid. In meinem Forum, in dem ich mich angemeldet habe, war ich seit über einem Jahr nicht mehr. Und Kommentare lesen unter Artikeln zur Erziehung? Lass ich meist auch, weil mich diese Konzeptreiterei einfach nur ankotzt.

Doch das Schlimmste, was ich mir anhören durfte, kam zu allem Überfluss von wirklich Vertrauten.

Wenn meiner so wird wie deine Tochter jetzt ist, dann erschieß ich mich glaub ich.

Warum hast du dir ein Kind angeschafft, wenn du es ständig wegorganisierst?

Lauf nicht bei jedem kleinsten Bisschen sofort hin, du verwöhnst sie doch nur.

Wenn mein Sohn 4 Monate alt ist, dann werd ich definitiv auf den Zwutsch gehen. So lange nichts unternehmen können, wie du, das könnte ich nicht. Muss mein Freund halt zusehen, wie er das gewuppt kriegt, ich hab dann frei.

Allerdings muss ich auch hinzufügen, dass nicht nur Eltern gerne blöde Kommentare ablassen. Auch Nachbarn, Tanten, Onkel und jeder fühlt sich bemüßigt, seinen Senf dazuzugeben.

Was also tun? Sich selbst abschotten kann man auf Dauer nicht, das würde einem Selbst nicht gut tun. Und alles mit Gleichmut hinnehmen, das können bestimmt die wenigsten. Ich für meinen Teil werde einfach versuchen mit gutem Beispiel vorangehen. Also leiser treten, auch wenn ich gerade megastolz bin auf mein kleines Monster. Nicht verallgemeinern, denn meine Erfahrungen sind nur ein Facette im Kaleidoskop. Und ganz wichtig : Zuhören. Die Meinung des Anderen einfach stehen lassen und annehmen. Und es nicht bis zum Erbrechen ausdiskutieren, wer es richtiger macht.

More is yet to come,

M.

Stillen in der Öffentlichkeit

Immer wieder begegne ich über Facebook den Problemen, die Stillen in der Öffentlichkeit haben kann. Gerade in England und den USA scheint das wirklich ein großes Problem zu sein. Doch beurteilen kann ich es nicht richtig, da ich die Situation vor Ort nicht aus eigener Erfahrung kenne. Die Erfahrungsberichte erschrecken mich  zum Teil sehr, da ich mir das nicht vorstellen kann. Meine eigenen Erfahrungen mit dem öffentlichen Stillen waren im Prinzip durchweg positiv.

In den Kommentaren gab es vielfältige Meinungen zu dem Thema. Es waren viele Befürworter darunter, die Stillen in der Öffentlichkeit als das Natürlichste der Welt ansehen. Auch viele, die der Gesellschaft und gerne auch den Männer Schuld daran geben, dass Brüste so übersexualisiert sind. Aber auch Stimmen, das Stillen gefälligst zuhause standfinde sollte, wurden dort geäußert. Es gab auch viele Berichte, in denen Mütter direkt oder indirekt kritisiert wurden aufgrund ihres öffentlichen Stillens.

Zuerst einmal stimme ich darüber überein, dass es Müttern möglich sein sollte, ihr Kind zu stillen, egal wo sie sich gerade befindet. Niemand würde eine Mutter anfeinden, wenn sie das eigene Kind mit der Flasche oder Brei füttert. Und die Art, wie wir Mütter unsere Kinder ernähren, liegt ganz allein in unserem Entscheidungsbereich. Und wenn die eine Mutter ihr Kind im Cafe mit der Flasche füttern darf, sollten andere Varianten ebenso erlaubt sein.

Ich finde aber, es hilft nichts, die Gesellschaft und die Medien im Allgemeinen, und Männer im Speziellen, dafür zu verdammen, dass eine entblößte Brust nicht ausschließlich als Milchquelle wahrgenommen wird. Auch wenn die Natur die Brust zur Ernährung eines Kindes geschaffen hat, kann man die gesellschaftliche Entwicklung hin zum sexualisierten Objekt nicht einfach abschaffen. Und ganz ehrlich, ich fände es sehr schade, wenn zukünftig Männer bei einem schöngemachten Dekollete nur noch an Milch und Babys denken würde. Was nicht heißt, dass ich mir gern auf die Brust „geiern“ lassen wollte, wenn ich gerade stillte.

Dass ich nie Probleme hatte, in Ruhe in der Öffentlichkeit zu stillen, kann vielleicht daran liegen, dass ich in einer sehr stillfreundlichen Umgebung stillen konnte. Oder vielleicht habe ich auch was richtig gemacht. Denn ich finde es kommt schon darauf an, WIE man stillt.

Ich habe schon an den verschiedensten Orten gestillt. Im Zug, in der U-Bahnstation, bei McDonald’s, im Cafe, beim Notar, bei Freunden, zuhause natürlich und sogar direkt vor einem Friedhof. Und an den Rest erinner ich mich wohl nicht mehr. Und egal wo ich war, es gab nie Probleme.

Da ich es prinzipiell nicht gerne habe, wenn mir Fremde auf eine entblößte Brust schauen, habe ich mir eine bestimmte Art zurecht gelegt, meine Tochter anzulegen. Ich bevorzugte das Anlegen „von unten“, bei der ich nur mein Oberteil soweit anhob, dass ich meine Tochter andocken konnte.

Im Normalfall habe ich mich meist erst umgeschaut, ob es denn eine etwas ruhigere Ecke für uns gibt, wo ich mich auch gemütlich hinsetzen kann. Denn es kam auch meiner Tochter zugute, wenn sie ihre Mahlzeit in Ruhe einnehmen konnte. Bewaffnet mit Moltontüchern habe ich erst eine Position eingenommen, in der ich die Kleine gut anlegen konnte. Dann kam das Tuch über die Schulter auf der Seite, auf der ich beginnen wollte. Relativ dezent wurde dann der Still-BH gelöst. Er danach wurde mein Oberteil angehoben, damit meine Kleine Zugang bekam. Ihr Kopf verdeckte meist den Großteil meiner Brust, das Moltontuch deckte den Rest ab. Mein Bauch war verborgen hinter dem Körper meiner kleinen Maus. Nicht selten stellten Vorbeigehende erst beim zweiten Blick fest, was ich dort tatsächlich tat.

Beim Seitenwechsel wurde auch erst der BH aufgemacht, bevor ich die Position der Kleinen umänderte. Und während sie fröhlich die zweite Seite leer trank, hatte ich genug Zeit den Still-Bh auf der ersten Seite wieder zuzumachen. Mein Oberteil war da schon wieder an Ort und Stelle. Im Großen und Ganzen war die ganze Aktion relativ unauffällig mit minimaler Entblößung meinerseits.

Warum ich das jetzt so ausführlich beschreibe? Weil ich schon Mütter erlebt habe, die den Stillakt richtiggehend zur Schau gestellt haben. Die schon fast blank gezogen haben, bevor sie ihr Kind auch nur annähernd in Stillposition gebracht haben. Bei denen ich das Gefühl bekam, dass sie entweder aller Welt zeigen wollten, dass sie jetzt stillen werden. Oder aber aller Welt ihre durch den Milcheinschuss prallen Brüste präsentieren wollten. Klar, dass ist eine subjektive Einschätzung, aber es hinterlässt das Gefühl, dass es gerade um mehr ging, als nur sein Kind kurz anzulegen.

Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt. Stillen ist ein sehr intimer Akt zwischen Mutter und Kind. Nicht jeder möchte das in jedem Detail mitbekommen. Genauso, wie man sich in einer überfüllten Bahn unwohl fühlen würde, wenn neben einem ein Pärchen wild rumknutscht und rummacht. Die eigene Grenze wird von dem Gegenüber nicht gewahrt, dass was eigentlich etwas Intimes sein sollte, wird anderen fast aufgedrängt zu bezeugen.

Deswegen plädiere ich ganz klar dafür, dass das Stillen in der Öffentlichkeit einen Raum hat. Allerdings sollte man sich schon bewusst sein, dass man auch die Grenzen des Anderen zu wahren und berücksichtigen hat. Es ist möglich, unauffällig und diskret zu stillen ohne sich auf öffentliche Toiletten zu verziehen. Und ich glaube auch, dass man so weniger negative Resonanz bekommt. Man sollte sich einfach bewusst machen, dass einem mehr Raum gelassen wird, wenn deutlich wird, dass man sich der Bedürfnisse der Umstehenden bewusst ist und diese so weit wie möglich auch berücksichtigt.

More is yet to come,

M.

Wer bin ich? Und wieviele?

Ich weiß noch, wie ich mich als frischgebackene Mutter gefühlt habe. Ich war voller Erstaunen, weil dieses kleine Baby auf meinem Arm tatsächlich mein Baby ist. Überwältigt von der Liebe und auch von der neuen Verantwortung. Am Anfang noch voller Unsicherheiten und später mit einem doch recht soliden Bauchgefühl, gebaut auf den gesammelten Erfahrungen. Diese Zeit war magisch – und wahnsinnig anstrengend. Solange die kleine Maus noch viel schlief (bis zu 16 Stunden am Tag), hatte ich zwischendurch immer mal wieder ein wenig Zeit für mich. Mit den längeren Wachphasen, verschwand diese Zeit. Dafür wuchs ein Selbstverständnis, dass ich Mutter bin. Und irgendwann war ich es auch mit Fleisch und Blut.

Doch je länger die Zeit anhielt, in der ich ausschließlich Mutter war, desto mehr merkte ich, dass ich andere Aspekte meines Seins, meiner Persönlichkeit sträflich vernachlässigte. Der Start der Beikostphase begrüßte ich euphorisch. Endlich musste ich nicht ständig zur Verfügung stehen. Ich konnte und durfte meine Kleine auch mal abgeben. Vorher ging es nie, ich stillte alle 2 Stunden und nach der Brustentzündung direkt nach der Entbindung wollte ich weder mit Pre-Nahrung noch Abpumpen das emfpindliche Stillgleichgewicht durcheinanderbringen.

Der Start in die Krippe war der nächste Meilenstein auf dem Weg, mehr Zeit für mich zu haben. Ich stellte nur schnell fest, dass ich nicht wirklich wusste, was ich realisieren sollte. Darüber hinaus wird der Haushalt nicht weniger, nur weil ich mal ein bisschen weniger Kind habe. Das Ausüben von Haushaltstätigkeiten war einfach nur ruhiger und effektiver zu bewerkstelligen.

Und inzwischen ist mein Alltag relativ gut durchgeplant – nur die Zeit für mich bleibt gefühlt immer noch auf der Strecke. Deswegen stell ich mir jetzt mal die Frage, warum ich und vielleicht auch andere häufig das Gefühl haben, ihre Bedürfnisse blieben auf der Strecke, obwohl sie von außen gesehen doch was für sich machen?

Und die kurze Antwort ist: weil jeder Mensch aus ganz vielen Facetten besteht. Mit eigenen Bedürfnissen. Und diese Bedürfnisse sind nicht immer miteinander vereinbar. Also geht man Kompromisse ein. Mal bekommt die eine Facette den Vorrang und manchmal die andere. Doch die ganze Zeit steht man im Konflikt mit sich selbst und den so unterschiedlichen Bedürfnissen.

Je mehr Erfahrungen man macht, je mehr Kontakte man hat, umso mehr Facetten bilden sich aus. Oder halt auch Rollen, mit den entsprechenden Erwartungen von Außenstehenden.

Ein Baby ist schon von Geburt an schon mehr als  nur ein Baby. Es ist Sohn/Tochter, Enkel, Cousine usw. Natürlich bildet sich das Bewusstsein erst mit den Jahren aus. Anfangs geht es nur um die Befriedigung der wichtigsten Bedürfnisse. Essen, Schlafen, in die Windel machen, Kuscheln, Aufmerksamkeit – darum geht es am Anfang. Bis das Kind lernt, dass die Bezugspersonen auch eigene Bedürfnisse haben und man die eigenen nicht immer sofort befriedigt bekommt. Darüber hinaus lernt es, dass die jeweilige Beziehung zu einer Person, die eigene Reaktion bestimmt. Und daraus entwickeln sich die Facetten.

Später kommen immer mehr dazu. Durch Schule, Freundschaften, Bekanntschaften entwickelt man sich weiter. Dabei werden andere Veranlagungen nicht einfach überschrieben, sondern bekommen vielleicht einfach andere Wertigkeiten. Wenn man als Junge zum Beispiel findet, dass es eigentlich ganz nett ist mit der kleinen Schwester Puppen zu spielen, er das unter Umständen aber nie vor seinen Kumpels zugeben würde. Das Bedürfnis ab und an mal mit Puppen zu spielen ist da, doch es wird schon stark unterschieden, mit wem man es auslebt.

Und so geht es immer weiter. Irgendwann gibt es eine gesellschaftliche Facette, eine politische. Man wird Teil der Arbeitswelt. Man lernt, dass bestimmte Aspekte, Facetten seiner Persönlichkeit nicht in jeder Situation angemessen sind. Man passt sich den Gegebenheiten an. Bishin zu Äußerlichkeiten, wenn z.B. ein bestimmter Dresscode bei der Arbeit vorgegeben wird. Auch der Sprachgebrauch ändert sich, je nachdem, welche Facette nun gerade zu Tage tritt.

Das führt auch zu dem Rückschluss, dass Menschen, die sich in verschiedenen Situation unterschiedlich verhalten, nicht unweigerlich falsch sind. Sie grenzen ihre Facetten einfach nur besser ab und haben vielleicht verschiedene Modi für unterschiedliche Situationen. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich verstellen, um zu lügen und zu betrügen, aber um die geht es hier nicht.

Was bedeutet das nun für mich? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so wirklich genau. Es hilft mir auf jeden Fall, Situationen anders zu bewerten. Es ist nicht verwerflich, wenn ich nach 1 1/2 Jahren das Bedürfnis habe, mal ICH zu sein. Nicht nur Mutter. Und es ist auch ok, wenn ich mich gerne mal wieder als Frau fühlen möchte. Ich mir überlege, wegzugehen, mit Freundinnen rumzuhängen, über Männer zu lästern und auch mal zu flirten. Deswegen bin ich keine schlechte Mutter. Meine Tochter ist 2 1/2, sie braucht mich nicht mehr 24/7. Es gibt mehrere vertraute Bezugspersonen wie ihren Vater oder ihre Oma, die mir helfen, dass ich aus der Mutterrolle rauskomme für ein paar Stunden oder über Nacht.

Es hilft mir auch zu verstehen, dass ich auch mal einige Sachen zurückstellen. Und mich dafür nur auf bestimmte Dinge fokussiere. Der Führerschein ist angefangen, da darf ich es nicht zu sehr schludern lassen. Und die Bewerbungen stehen im Vordergrund, die Fristen stehen fest.

Wenn ich allerdings nur ausschließlich die äußeren Zwänge bestimmen lasse, wer ich gerade bin, brenne ich schnell aus. Meine Methode, dem entgegen zu wirken, ist, ganz bewusst Zeiten einzuplanen, in denen ich ein anderes ICH hervorkommen lasse. Das Bloggen ist eins der Dinge, verschiedene Aspekte zu beleuchten und mich mit mir selbst zu beschäftigen. Sehr praktisch ist auch, dass ich zur Zeit einen regelmäßigen Frauenabend habe mit einer befreundeten Mutter. Wenn die kleine Maus im Bett ist, schauen wir Filme, spielen Singstar, lachen, erzählen und haben einen entspannten Abend. Und am nächsten Morgen ist sie noch da und wir frühstücken in aller Ruhe mit der Kleinen.

Indem ich mich damit beschäftige, wie viele verschiedene Facetten ich habe, mit den dazugehörigen Bedürfnissen und Erwartungen, gelingt es mir immer wieder eine bessere Balance zu finden zwischen ihnen. Und das macht mich entspannter. Zufriedener. Es gibt mir die Möglichkeit bewusst zu entscheiden, was Vorrang hat, aber auch die Gelassenheit aus dem Wissen, dass andere Aspekte zu einem anderen Zeitpunkt ausgelebt werden.

Denn eigentlich macht es mich zu einer besseren Mutter, wenn ich nicht alle anderen Facetten verleugne, sondern sie zum richtigen Zeitpunkt auch auslebe. Ich bin dann ausgeglichener. Und ich habe wieder mehr Energie und Konzentration, die dann der kleinen Maus zu Gute kommen.

More is yet to come,

M.

Abseits der rosa Schwangerschaftswolke

Neulich sprach ich mit einer Freundin über das Thema Schwangerschaft. Ich selbst erinnere mich gerne an die Zeit zurück, trotz der emotionalen Berg- und Talfahrt und trotz der kleineren Komplikationen und Wehwehchen. Doch für sie war das alles gar nicht so rosarot und zuckersüß. Ihre Erfahrungen waren so negativ gefärbt, dass sie sich eine weitere Schwangerschaft für sich selbst nicht mehr vorstellen mag.

Wenn Mütter im Allgemeinen aufeinandertreffen, wird gerne schnell verglichen, wie man selbst sich so macht oder auch das eigene Kind sich entwickelt. Dabei wird alles miteinander verglichen, von Schuhgröße über motorische Fähigkeiten bis.. ja genau bis zu den Schwangerschaftserfahrungen. Und ich selbst schließ mich da auch nicht auch. Hab mich nicht selten selbst dabei ertappt.

Es wird zwar gerne mal betont, wie furchtbar das alles war und wie anstrengend. Doch in den meisten Fällen soll dadurch nur herausgestellt werden wie tapfer man gewesen ist in der Schwangerschaft.

Wenn man dann also die Erfahrungen austauscht, erwartet man zwar die üblichen Klagen, aber keinen wirklich negativen Rückblick. Schwangerschaft ist doch was Schönes, und man nimmt ja so vieles in Kauf für diese wunderbare Erfahrung! Ja ne, ist klar.

Natürlich gibt es dann auch die Mütter, die es wirklich schwer hatten in der Schwangerschaft. Die Monate lang liegen mussten, die viellecht lange bangen mussten, weil sie ganz knapp davor waren das Kind zu verlieren. Die kurz vor dem Nierenversagen standen, weil das Kind die Nieren fast kaputt getreten hat im Bauch. Die mehrfach im Krankenhaus waren wegen Vorwehen, Dehydrierung oder nicht endenden Brechanfällen. Sofort empfindet man Sympathie und Mitleid. Und man akzeptiert ganz klaglos, dass in so einem Fall eine Schangerschaft auch als belastend und unschön empfunden wird. Die entsprechende Mutter wird bedauert, man hat Verständnis für sie.

Nun zurück zu meiner Freundin: auch sie hatte Komplikationen, die ihr die Schwangerschaft vermiesten. Ein wenig. Doch es waren nicht die „Wehwehchen“ die ihr die Lust auf jedes weitere Kind nahmen. Es war das Gefühl schwanger zu sein. Dieses kleine Wesen in ihrem Bauch, das dazu führte, dass ihre Hormonwelt Kopf stand, sie emotional komplett aus der Bahn geworfen hat. Das dazu führte, dass sie komische Gelüste hatte oder zu permanenter Übelkeit. Allein die Tatsache, dass sie ihren Körper nicht mehr für sich hatte, schlug ihr auf’s Gemüt. Immer drauf achten zu müssen, was sie aß oder trank oder wie sie mit sich selbst umging.

Darüber hinaus meinte nun ihr Freund und dessen Familie permanent darüber bestimmen zu können, was gut für sie sei UND das Ungeborene. Sie fühlte sich unmündig, gefangen in einer Rolle, die sie gar nicht haben wollte. Und nicht verstanden. Zu allem Überfluss wurde ihr auch gerne immer wieder vorgelebt, worauf sie jetzt zu verzichten habe. Als wäre es ihr nicht schon schmerzlich bewusst gewesen.  Sie fühlte sich auch gefangen in ihrer Beziehung. Denn so ein gemeinsames Kind, das verbindet. Da kann man nicht mehr so schnell abhauen, da gibt es mehr zu bedenken.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, meine Freundin liebt ihr Kind. Von Anfang an. Nur hatte sie noch viele Pläne, so früh hatte sie es mit der Mutterschaft gar nicht geplant. Sie wollte Dinge ausprobieren, reisen, ihre Ausbildung machen und Geld verdienen, was zurücklegen, leben und frei sein. Und jetzt ist es all das auf unbestimmte Zeit verschoben. Sie muss Verantwortung tragen. Nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern auch für ihr Kind. Und die Liebe zu ihm kann das ganze Drumherum nicht einfach wieder aufwiegen.

Rein objektiv hatten wir die gleiche Ausgangsitution. Eine Partnerschaft, bei der wir nicht wussten, ob sie für die Ewigkeit gemacht ist, Pläne für unsere berufliche Zukunft, eine nicht wirklich mental stabile Vorgeschichte. Uns beiden wurden in der Schwangerschaft Vorhaltungen gemacht, worauf wir gefälligst zu achten haben oder auch wie wir uns zu verhalten haben. Und wir beide sind früher Mutter geworden als wir es für uns geplant haben.

Trotzdem haben wir die Schwangerschaft unterschiedlich erlebt. Die Hormone haben bei mir gewirkt wie ein Antidepressivum, psychisch und auch physisch hat sich für mich einiges verbessert. Bei ihr war es das genaue Gegenteil. Immer wieder fiel sie in tiefe Löcher. Mache ich ihr daraus einen Vorwurf? Nein, ganz sicher nicht. Es sind ihre eigenen, persönlichen Empfindungen, die ich ihr ganz bestimmt nicht in Abrede stellen möchte. Dazu habe ich gar nicht das Recht. Warum auch?

Und ich finde, dass ist es auch, was man aus dieser Geschichte ziehen sollte. Es ist gar nicht möglich solche Dinge zu vergleichen. Jeder fühlt anders und das ist auch in Ordnung so. Es ist schade, dass es ihr nicht möglich war, dieselben beglückenden Momente gehabt zu haben wie ich oder auch so viele andere Mütter. Nur war sie daran nicht selber Schuld. Und niemand hat das Recht ihr das vorzuwerfen.

Denn egal, wie belastend das ganze Drumherum war in ihrer Schwangerschaft, sie hat sich verantwortlich gezeigt für das neue Leben in ihrem Bauch. Sich an all die Vorgaben gehalten, die einem gemacht werden in diesem „Zustand“. Aufgrund ihres Verantwortungsgefühls und ihrer Liebe zu ihrem Kind.

Und ich finde, dass verdient eigentlich ganz viel Respekt. Wie viele Mütter rauchen und trinken in ihrer Schwangerschaft, weil es ihnen nicht so wichtig ist? Wie viele verhalten sich unverantwortlich, weil sie das Kind nicht geplant und/oder gewollt haben? Und wie viele lassen das nach der Geburt an ihrem Kind aus? Genug. Und da sollte man niemanden verurteilen, weil er die Schwangerschaft als scheiße empfunden hat. Denn das kann niemand steuern, dass passiert. Deswegen ist man keine schlechte Mutter. DAS wird an anderen Maßstäben gemessen.

Schnuggi, ich hab dich lieb! ❤

More is yet to come,

M.

 

Wenn die Geburt einen nicht mehr loslässt…

Momentan ist bei mir die Geburt meiner Maus wieder super präsent. Das liegt zum einen daran, dass ich sie nie so richtig verwunden habe, aber auch daran, dass ich die Auswirkungen wieder an IHR sehe. Dazu später noch ausführlicheres. Vorne weg: der Geburtsbericht der folgt ist mit Sicherheit keiner, der „toll“, „wunderbar“ oder ähnlich verklärt ist. Für mich ist die Geburt unvergesslich – leider eher im negativen Sinne.

Die letzten Monate meiner Schwangerschaft verbrachte ich zu Hause. Auf mein Bitten hin hatte ich ein Berufsverbot bekommen, da ich auch mit Einhaltung der Mutterschutzbestimmungen immer wieder Probleme hatte bei der Arbeit. Immer häufiger kam ich spontan zum Gynokologen, weil ich leichte Vorwehen hatte. Hinzu kam auch, dass mir in der Schwangerschaft 3 Weisheitszähne gezogen werden mussten und das auch in Vorwehen endete. Und in einer Fast-Einweisung ins Krankenhaus, weil ich durch die Entzündung im Mund nicht essen konnte und stark abnahm.

Die Zeit zu Hause tat mir gut. Ich fing an zuzunehmen und im 6./7. Monat hatte ich auch wieder mein Startgewicht, das ich zu Beginn der Schwangerschaft hatte. Bei meinem Arzt fühlte ich mich gut aufgehoben. Die notwendigen Vorsorgen wurden gemacht. Dabei fiel immer wieder auf, dass meine kleine Bauchmaus entwicklungsmäßig immer 1-3 Wochen ihrer tatsächlichen Woche vorraus war. Leider konnte mich mein Gyn die letzten Wochen vor der Geburt nicht mehr selbst betreuen, da er erst im Urlaub und danach selbst krank war. Seine Kollegin, die bei ihm mit in der Praxis war, übernahm für ihn. Bei meinem letzten Ultraschall hatte sie Probleme meine Bauchmaus zu messen, da der Oberschenkel zum Teil hinter meinen Rippen verborgen lag. Trotzdem trug sie das errechnete Gewicht ein – was im Krankenhaus später zu Fehleinschätzungen beitrug.

In der 32. Woche musste ich ein 2. Mal zum Glucose-Toleranz-Test. Meine Urinwerte waren massiv „überzuckert“ und meine Gewichtszunahme war auch grenzwertig. Auch der Bauchumfang wurde sprunghaft mehr. Aber laut Test war alles gut. In der 34. Woche waren es dann schon 134cm, danach hab ich nicht mehr gemessen. Immer häufiger bekam ich Probleme beim Laufen, meine kleine Maus klemmte mir die Nerven zu den Beinen ein. Mein Bauch war inzwischen ganz schief, sie lag mehr rechts als mittig. Wenn sie sich mal streckte in meinem Bauch, wurde ich kurzatmig und meine Lippen wurden blau.

In der 37./38. Woche war ich in dem Krankenhaus, in dem ich entbinden wollte. Ursprünglich wollte ich mich dort anmelden (jaja, ich weiß, war echt spät dafür). Ich bekam aber nur ein Vorgespräch, die Daten wurden aufgenommen. Einen Termin, dass ich dort mal untersucht werden sollte? Fehlanzeige. Also weiterhin zu der Vertretung meines Gyn.

Dann war es soweit. Sonntagabend sprang mir die Fruchtblase zu Hause. Zum Glück im Badezimmer. Ich zog mich erstmal um und „legte mich trocken“. Danach weckte ich meinen Freund, der sich grad erst hingelegt hatte, und rief meine Mutter an. Beide sollten mich bei der Geburt begleiten. Relativ ruhig und entspannt, aber natürlich auch neugierig-gespannt ließ ich mich dann ins Krankenhaus fahren. Der Freund meiner Mutter verfuhr sich erstmal vor Aufregung.

Ich stellte mich dirket im Kreissaal vor, die erste richtige Wehe hatte ich grad erst gehabt. Mit 2 cm MM und kaum Wehentätigkeit wurde ich erstmal auf Station geschickt. Sollte dort mein Bett vorbereiten und die Krankenhaustasche verstauen. Gegen halb 12 nachts wollten sie nochmal kontrollieren, ob es jetzt so richtig losginge oder nicht. Und ja, es ging los. Es wurde nochmals ein Ultraschall gemacht, um Lage und Größe des Kindes zu überprüfen. Lage war ok, doch Größe… war schwer zu bestimmen, da inzwischen weder Femur noch Kopfumfang vernünftig zu messen waren. Verdeckt von meinen Rippen und meinem Becken/Schambein. Grob geschätzt kamen sie dann auf die Maße 4000-4400g. Mit einbezogen wurde natürlich auch das schon grob geschätze Gewicht einige Wochen zuvor. Zwar wollte die Hebamme vor Ort nochmal von außen tasten, wie groß das Kind sei – tat sie aber doch nicht. Ich bekam dann noch ein Aufklärungsgespräch, das sie „normalerweise“ erst ab einem Schätzgewicht von über 4500g führten. Dabei ging es darum, dass so schwere Kinder zum Teil mit der Schulter bei der Geburt hängen blieben und man dann vielleicht einen KS in Erwägung ziehen sollte.

Daraufhin wurde ich noch gefragt, ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorlag, was ich ja guten Gewissens verneinen konnte, war ja 2 Mal getestet worden. Danach schien für sie klar zu sein, dass ich die 4400g wohl nicht knacken würde. Meine Einwände, dass mein Vater und mein Onkel beide knapp 5 kg bei Geburt wogen und mein Onkel unter der Geburt mit der Schulter hängen blieb, wurden einfach abgetan. Auch der Hinweis, dass in der Familie meines Freundes alle Kinder sehr groß sind, interessierte niemanden. Das einzige, was interessierte, war, dass ich als Baby gut 3500g gewogen habe und keine Schwangerschaftsdiabetes vorlag. Man riet mir von einem Kaiserschnitt ab. Sie würden mir aber Bescheid geben, sollte es Verzögerungen bei der Geburt geben, die auf die Kindsgröße zurückzuführen sei. Man würde dann das Thema Kaiserschnitt noch mal erörtern. Darauf verließ ich mich. Dummerweise.

Inzwischen waren meine Wehen recht häufig und sehr schmerzhaft. Man gab mir Schmerzspritzen, damit ich mich erholen konnte zwischendrin. Denn es gab keine Wehenpausen für mich. 3,4 Wehen hintereinander, mit Glück mal 2 Minuten Pause bevor die nächsten Wehen kamen. Mein unterer Rücken schmerzte unerträglich und meine Mutter massierte mir stundenlang diesen Bereich.

Bei 6cm MM schickten man mir nach Rücksprache einen Anästhesisten. Er legte einen Zugang und nahm Blut ab. Die Ergebnisse müssten wir noch abwarten, doch dann könne man eine PDA legen. Mir war das nur recht. Obwohl mir vorher der Gedanke nicht behagt, merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. So langsam freundete ich mich mit dem Gedanken an, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. Denn mein Bauchgefühl sagte mir: das Kind ist wirklich GROSS, das schaffst du vielleicht nicht.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Bei der nächsten Kontrolle durch die Hebamme stellte sie fest, dass ich in weniger als einer Stunde von 6 auf 10cm MM gesprungen war und auch schon Presswehen hatte. Jetzt sei eine PDA nicht mehr möglich. Und ich verabschiedete mich von einem KS, dann ich wollte den ersten Schrei meiner Tochter nicht verpassen.

Es war 3 Uhr morgens und wir zogen um in den richten Kreissaal. Mir wurde gesagt, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste drücken, sollte ich ruhig schon mal schieben. Stundenlang tigerte ich durch den Kreissaal. Bei jeder Wehe stützte ich mich am Bett ab oder den Kommoden und schob. Ich krabbelte auch auf die Liege und probierte den Vierfüßler. Ich war konzentriert, sprach wenn überhaupt in 1-Wort-Sätzen. Das Thema KS war für mich erledigt. Auch die Hebamme oder die Ärztin sprachen nicht mehr darüber. Ich glaubte fest daran, dass man mir sagen würde, wenn die Geburt nicht schnell genug voran ging. Rückblickend frage ich mich, wie viel Zeit normalerweise eigentlich vergeht, von vollständig eröffnet zu „sie dürfen jetzt pressen, das Köpfchen ist schon fast zu sehen“? Denn das Köpfchen ließ sich Zeit. Um 8 war dann Schichtwechsel. Der Kopf war endlich runtergewandert. Ich sollte mich auf die Liege legen und schonmal pressen, wenn mir daran wäre. Das verunsicherte mich. Denn es war ja keine Hebamme da, sie waren ja im Schichtwechsel, besprachen sich irgendwo.

Um 8.30 war dann die neue Hebamme da. Sie ließ mich 2 Mal pressen und meinte dann, dass ich an den Wehentropf müsste, die Wehen wären nicht stark genug. Und das ich an die falsche Stelle pressen würde. Zum Glück legte sie mir dann den Finger einfach dorthin, wohin ich pressen sollte. Das half mir enorm. Also doch kein Wehentropf. Inzwischen kannte ich nur noch 2 Worte: Trinken und Waschlappen. Meinem Freund hatte ich noch ein Sorry zugeflüstert, dann war ich nicht mehr in der Lage Englisch mit ihm zu sprechen oder überhaupt zu verstehen.

Komplett fokussiert versuchte ich, meine kleine Maus hinauszupressen. Ich fluchte nicht, weinte nicht, schrie nicht. Ich brauchte die Kraft für was anderes. Seltsamerweise beobachtete mich ein Teil von mir von außen. Dieser Teil registrierte alles um mich herum. Dass mir ein Katheter geschoben wurde. Dass der Kopf meiner kleinen Maus zwar immer wieder zu sehen war, doch nach jeder Wehe zurückrutschte. Dass sich die Ärztin und die Hebamme erst leise besprachen, bevor sie mir ungefragter Weise einen Dammschnitt verpassten. Mir war es nur recht, es dauerte schon so lange und der Schnitt tat nicht wirklich weh.

Dann war es soweit, der Kopf war endlich draußen. Und dann wurde es hektisch. Es ging nicht mehr vorran. Sie steckte fest mit der Schulter. Die Wehen waren schlagartig weg. Sofort wurde der Wehentropf voll aufgedreht, zum Glück war er schon angeschlossen. Man drückte mir von oben auf den Bauch, versuchte mir beim Pressen zu helfen. Dann stand auf einmal der Oberarzt vor mir. Der Bruder von meinem Gyn, was ich vorher schon wusste. Das Bett wurde umgebaut, ich musste jetzt richtig auf dem Rücken liegen, die Beine nach oben. Die beiden Ärzte bewegten meine Beine in einer Art Fahrradfahrbewegung, in der Hoffnung, die Schulter würde dadurch frei werden. Funktionierte nicht. Anschließend half man mir in den Vierfüßler. Dann wieder zurück auf den Rücken. Half auch nicht. Laut meiner Mutter kniete mein Freund inzwischen hinter meinem Bett und betete. Er verstand ja nix, bekam nur mit, dass irgendwas nicht stimmte. Ich hatte ihn komplett ausgeblendet.

Dann kam die Ansage vom Arzt: Scheiß auf die Wehen, sie pressen jetzt und hören nicht mehr damit auf, das Kind muss jetzt raus. Zu zweit drückte man auf meinen Bauch und schob die Kleine nach unten. Zwischen meinen Beinen stand auch irgendwer, keine Ahnung wer, war ja auch nicht wichtig, und zog. Und ich presste, gab alles. Ich merkte wie ich riss. Ich konnte es fast hören, das Geräusch. Ich hieß es willkommen, denn es bedeutete mehr Platz. Raum, den meine Tochter brauchte, um auf die Welt zu kommen. Und in einem Schwall Blut wurde sie dann auch endlich geboren. Es war 10.23 Uhr.

Sofort schaute ich auf, wollte mein Kind sehen. Die ganze Schwangerschaft hatte ich gerätselt, wie dunkel sie würde durch ihren afrikanischen Anteil. Sie war dunkel irgendwie. Und dann rauschte die Assistenzärztin mit ihr an mir vorbei. Ich war verwundert. Irgendwas lief hier falsch. Ich sollte sie doch eigentlich auf die Brust bekommen, wie das hier Usus ist. Deswegen hatte ich das Krankenhaus doch unter anderem ausgesucht. Und etwas anderes war auch komisch, ich brauchte aber ein paar Sekunden, um es zu realisieren. Sie hatte nicht geschrien. Die Sekunden zogen sich endlos dahin, es wurde eine Minute und dann endlich hörte ich ein Kind weinen. Ist das meine? fragte ich, doch bekam keine Antwort.

Währenddessen half mir der Oberarzt bei der Nachgeburt. Hob sie in die Höhe, präsentierte sie mir. Sie sei vollständig und sehe sehr gesund aus. Interessierte mich nicht. Wurde gefragt, was wir damit machen wollten. War mir egal. Ich wollte mein Kind, nicht meine Plazenta! Und dann endlich kam sie. Doch noch immer durfte ich sie nicht haben. Jetzt wurde sie gewaschen und vermessen. Größe 56cm, Kopfumfang 36cm. Und das Gewicht hat dann allen die Schuhe ausgezogen. 4950g! Und dann war endlich Mama-Time. Ich bekam sie auf die Brust gelegt. Mein kleines helles Michelin-Männchen. Noch völlig zerknautscht von der Geburt. Mit Einblutungen in den Augen und auch darum herum. Und so hell. Erst dachte ich, ich hätte mich einfach nur verguckt, doch 2 Tage später machte es dann klick. Sie war dunkel gewesen – dunkelblau. Man erzählte mir auch, dass sie kurz 1,2 Züge aus der Sauerstoffmaske gebraucht hätte, aber dann hätte es auch keine Probleme mehr gegeben. Währenddessen kümmerte sich der Arzt um meine Geburtsverletzungen. Erst stillte er provisorisch die Blutungen, um herauszufinden, wo ich tatsächlich gerissen war.

Erleichtert stellte er fest, dass der Muttermund intakt geblieben war. Dann machte er sich daran, zu nähen. Über eine Stunde war er beschäftigt. Zwischendurch wurde er angpiept, doch hat er nach kurzer Besprechung beschlossen, erst mich zuende zu nähen und stattdessen die Assistenzärztin zu schicken.

Und ich? Ich war fertig. Und völlig zufrieden damit, meine kleine Maus zu halten. Sie anzuschauen, jedes Detail einzusaugen. Und dann kam man auf mich zu und eröffnete mir dann, dass die Kinderärztin bei ihrer Untersuchung etwas festgestellt hätte. Mit ihrem Arm wäre etwas nicht in Ordnung. Noch könnte man nicht genau sagen, wie schlimm es sei. Fakt ist, dass zu dem Zeitpunkt der Arm gelähmt sei. Ich müsse aufpassen, wie ich sie halte und dass sie nicht darauf liegt. Denn sonst könnte die Blutzufuhr abgedrückt werden. Die Kleine könne das momentan noch nicht spüren. Und selbst wenn, sie kann ich auf jeden Fall nicht selbstständig wegnehmen. Wenn wir Glück hätten, wär der Nerv bei der Geburt nur überdehnt worden. Es könne aber auch sein, dass er gerissen ist. Das könnte man jetzt noch nicht sagen.

Ich nahm das erstmal gleichmütig hin. Ich war zu kaputt, um mir darüber Sorgen zu machen. Meine kleine Maus war endlich da, ich hielt sie in meinem Armen und das reichte mir. Irgendwann kam ich dann wieder in den Ruheraum. Und dann auf Station. Ich bekam Essen. Meine Mutter half mir dann später mich umzuziehen und mich frisch zu machen. Das Blut von den Beinen und den Füßen zu waschen. Ich erinnerte mich wieder an den Kreissaal. Das eine Mal, wo ich zum Fußende der Liege geschaut habe. Das ganze Blut, das den unteren Teil der Liege getränkt hatte und danach auf den Boden getropft war.

Erst gegen 18 Uhr konnte ich meine Tochter zum ersten Mal anlegen. Wegen ihres Arms musste ich sie rechts anders halten, was ich kaum konnte. Es gab auch leider keine Stillkissen auf den Zimmern. Nur im „Stillraum“, der am Ende des Gangs lag. Zu weit weg für mich. Rechts stillen wurde zum Problem. Erst mit Kissen und Decke eine Plattform bauen, denn ich konnte sie mit ihren knapp 5 Kilo nicht lange halten. Nicht so lange ich noch so unsicher war beim Anlegen. Und das Aufstehen oder auch nur anders Hinsetzen schmerzte mich sehr. Am nächsten Morgen sollte ich mir schon selber mein Frühstück vom Buffet holen. Mit Hilfe des Babybalkons schaffte ich das dann auch. Ohne wäre ich wahrscheinlich einfach umgefallen.

Ich bekam irgendwann wortlos Eisentabletten gereicht. Und nach 48 Stunden schon gefragt, wann ich denn abgeholt würde. Ich kassierte einen bösen Blick, als ich sagte, dass ich vor morgen nicht gehen würde. Nach wie vor brauchte ich noch jedes Mal Hilfe beim Anlegen. Mein Kreislauf war unter aller Kanone. Ich bekam einen riesen Haufen Papier. Unter anderem für’s Sozialpädiatrische Zentrum in der Kinderklinik. Am dritten Tag wurde ich dann wieder darauf hingewiesen, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte/sollte. Die Station war recht voll. Sie bräuchten die Betten. Nicht, dass man vielleicht erstmal die Familienzimmer hätte auflösen können, davon gab es immerhin 3 zu dem Zeitpunkt. Nein, ICH soltte gehen. Dabei sah die Kaiserschnittpatientin, die am gleichen Tag entbunden hatte, deutlich besser aus als ich und war viel besser unterwegs als ich. Doch durch den KS hatte sie ja anrecht auf 5-7 Tage. Vormittags ließ ich noch mal Fieber messen bei mir. Ich fühlte mich nicht so gut. War „nur“ erhöhte Temperatur, das sei „normal“ nach einer Geburt. Wegen der Anstrengung.

Also beschloss ich zu gehen. Heulend bat ich meine Mutter, ob ich nicht erstmal zu ihr könne. Denn mein Freund wohnte noch nicht mit mir zusammen. Und ich glaubte auch nicht in der Lage zu sein, mich allein mit der Kleinen zu versorgen. Ich konnte grad 100m ohne Hilfe laufen, danach wurde mir fast schwarz vor Augen. Gottseidank ging es. Meine Mutter reichte Urlaub ein, die Möglichkeit hatte sie sich vorher schon geschaffen.

Erst als ich meinen Mutterpass bekam bei der Entlassung, erfuhr ich, warum man mir Eisentabletten gab. HB war bei 8,6 nach der Geburt. Davor war er bei 13,1 gewesen. Nachmittags kam dann die Hebamme zu meiner Mutter. Sie untersuchte die Nähte und gab mir einiges mit an Tipps und Ratschlägen. Nachts bekam ich dann Schüttelfrost und Fieber. Und riesige feuerrote Stellen an der Brust. Denen rückten wir mit Kühlkissen und Quarkwickeln auf den Leib. Meine Hebamme war entsetzt am nächsten Morgen. Warum ich sie nicht ins Krankenhaus gefahren sei? Oder sie angerufen habe? Keine Ahnung, vielleicht, weil ich dachte, dass das eben mal passiert. Weil man mir im Krankenhaus sagte, dass ein bisschen Temperatur ja normal sei. Und schmerzende, spannende Brüste eben auch.

Nach einer zweiten Nacht Fieber war dann die beginnende Brustentzündung endlich durchgestanden. Mit Hilfe von etlichen Quarkpackungen. Und 2 Wochen nach der Entbindung kam ich dann nach Hause. Und die Behörden- und Ärzterennerei ging los. Zum Kinderarzt, zum SPZ, zur Ausländerbehörde, dem Standesamt, zur Physiotherapeutin. Viel telefoniert habe ich zudem auch. Und geheult. Es war verdammt viel. Und ich holte mir weitere Hilfe.

Zu dem Arm meiner Tochter lässt sich sagen: der Nerv war gottseidank NICHT gerissen. Langsam fing sie an den Arm kontrollieren zu können. Mit 3 Wochen bekam sie zum ersten Mal Physio für den Arm. Monatelang. Der Kinderarzt wurde immer unwilliger die Physio zu verschreiben. Erst als die Physiotherapeutin sagte, beide Arme wären gleich entwickelt, stellten wir die Physio ein. Da war die kleine Maus dann 15 Monate.

Und jetzt? Stell ich fest, dass ihre linke Schulter sich wieder leicht nach oben und vorne verschoben hat. Und der Rücken nicht mehr symmetrisch aussieht. Bei der letzten U-Untersuchung war er das aber noch gewesen.

Mit einem Mal ist wieder alles da. Die Geburt, die Ohnmacht, von außen bestimmt gewesen zu sein. Einen Freund, der sich während der Geburt nicht für mich äußern konnte, weil er die Sprache nicht beherrschte. Und die Wut, weil mich kein Arzt und keine Hebamme ernst nahm. Meine Vorgeschichte nicht mit einbezogen wurde, ja fast verächtlich abgetan wurde, als Hysterie einer Gebärenden. Hallo? Mein Bauchumfang lag zur Geburt bei sicherlich über 140cm. Ich selbst bin knapp 1,63. Das war nicht nur alles FETT oder WASSER! Aber getastet hat natürlich keiner mal. Nur den Scheiß-Ultraschall messen lassen. Es ist toll, dass sie mich alle gepriesen haben nach der Geburt, wie toll und stark und tapfer ich sei, weil ich ein 5kg-Baby vaginal entbunden haben. Und dabei übertünchten, dass sie, wenn sie das tatsächliche Gewicht gewusst hätten, mir ganz dringend zu einem KS geraten hätten. Und sich deswegen die Erlebnisse meiner Oma nochmal bei mir wiederholen mussten. Ich bin sauer, so sauer. Dann hätte ich meinetwegen auch einen KS unter Vollnarkose gemacht. Hauptsache mein Kind trägt keinen Schaden davon. Ich meine, sie war BLAU! Wer weiß denn, wie lange sie noch ohne Schaden geblieben wäre, hätte man sie nicht mit aller Gewalt aus mir herausgerissen?

Ich hoffe, dass ich irgendwann eine gesunde Distanz dazu bekomme. Mir nicht vor Wut und Kummer und Erschrecken und so vielen anderen Gefühlen, die ich nicht in Worte fassen kann, die Tränen kommen. Und mir nicht die Gedanken durch den Kopf geistern ICH HÄTTE SIE FAST VERLOREN.

Zu dem Thema habe ich auch gerade einen Bericht gelesen. Der Fokus liegt zwar eher auf der Begleitung vor und insbesondere nach der Geburt. Aber auch ein wenig darum, wie nüchtern man in den Krankenhäusern abgekanzelt wird. Als Fallzahl. Als wehleidig. Der Link ist  hier.

Ich trockne jetzt meine Tränen und werde meine kleine Maus abholen. Und sie fest in den Arm nehmen und froh sein, dass trotz allem, alles irgendwie doch gut gegangen ist.

More is yet to come,

M.

Alles BI irgendwie…

Bei uns ist alles irgendwie BI- : BI-national, BI-kulturell und BI-lingual sowieso.

Das kommt natürlich daher, dass ich so eine deutsch-nigerianische Co-Produktion alias meine kleine Maus zu Hause habe. Und nachdem ich mir gaaaaanz viele Gedanken über die Vereinbarkeit von Mama und Papa gemacht habe und wie das alles gehen soll im Spagat zwischen verschiedenen Kulturen, Meinungen, Sprachen usw., bin ich jetzt recht entspannt. Klar, ich bin inzwischen alleinerziehend und mein Alltag ist sozusagen nur noch MONO(-kulturell, -national, -lingual). Natürlich nur meiner. Bei der Sprache ist es für mich/uns eigentlich am einfachsten. Mama spricht deutsch, Papa Englisch und die Kleine halt was sie will. Also deutsch ;-). Man merkt ihr an, dass sie beide Sprache auseinander halten kann und beides versteht. Find ich gut, macht mir persönlich keine Sorgen.

Was das Kulturelle angeht, weiß ich nicht, ob es da so große Unterschiede gibt. Klar Essen ist echt anders. Aber lecker. Und kochen kann ich inzwischen auch eine Handvoll Rezepte. Aber im großen und ganzen? Wahrscheinlich gibt es bei uns nicht mehr kulturelle Unterschiede als bei dem Durchschnittspaar. Er geht in die Kirche, ich nicht. Er legt mehr Wert auf das Äußere als ich. Dafür lese ich mehr. Ich bin ihm in der Erziehung zu nachgiebig, er mir zu streng. Aber das gibt es doch in vielen Familien. Da müssen die Eltern nicht von verschiedenen Kontinenten kommen.

Was mir ein wenig Bauchweh macht, ist, dass man meiner kleinen Maus sprichwörtlich ansehen kann, dass sie ein Nationenmix ist. Ihre Hautfarbe ist halt deutlich dunkler. Bisher ist es ihr nicht wirklich klar, dass sie überhaupt anders aussieht. Ist ja auch erst 2 Jahre alt.

Aber was wird sein, wenn erst die unbedarften Fragen Gleichaltriger kommen und später vielleicht auch die fiesen Sprüche über Herkunft und Hautfarbe? Und das nicht nur von Gleichaltrigen, sondern von Erwachsenen, von völlig Fremden? Wie geht man damit um? Wie werde ich damit umgehen? Was macht das aus meiner Maus? Wie wird es ihr damit gehen? Wie wird sie damit zurecht kommen?

Noch vor 2 1/2 Jahren wurde mein Ex aus dem Auto heraus mit Bierflaschen beworfen, einfach weil er schwarz ist. Das ist vielleicht eine extreme Form des Rassismus und hier nicht allzu häufig, doch es gibt ja auch latente Formen. Wo der Unterton es macht oder die Wortwahl. Und das trifft vielleicht viel mehr, weil es von Menschen kommt, die man kennt, die man gern hat.

Ein wirklich schwieriges Thema. Ich werde es auf mich zukommen lassen müssen. Leider. Nur verrückt brauch ich mich deswegen noch nicht zu machen. Noch nicht. Vielleicht habe ich Glück und es wird alles gar nicht so schlimm. Trotzdem wird auch die kleine Maus irgendwann mit Fragen vor mir stehen. Warum sie anders aussieht. Nicht wie die meisten hier in Deutschland. Und vielleicht fragt sie auch nach ihren afrikanischen Wurzeln, der Familie dort.

Aber jetzt erst einmal mit viel Liebe und Fürsorge groß werden lassen. Und darauf hoffen, dass sie eine selbstbewusste, unabhängig denkende kleine Person wird.

More is yet to come,

M.

Warum eigentlich Mama mit Macken?

Ich bin eine Mama mit Macken, Ecken und Kanten. Ich bin wie ein Teller, der schon einiges an Stößen abbekommen hat, aber trotzdem ganz ist. Klar fehlt mal hier oder da ein kleines Stückchen Porzellan. Aber ich bin noch ganz. Nicht mehr ganz tacko und erst recht nicht in Ursprungszustand, aber noch gebrauchsfähig. Vielleicht habe ich auch einen kleinen Sprung, einen feinen Haarriss. Aber ich bin noch ganz.

Was ich damit meine: Mein Leben ist nicht immer in geraden Linien verlaufen. Ich kenne Höhe und Tiefen, ich weiß was es heißt ganz unten zu sein – psychisch, emotional. Und das hat mich verändert. Ich reagiere in manchen Dingen empfindlicher als andere oder verhalte mich einfach anders. Und das wirkt sich natürlich auch auf mein Muttersein aus.

Prinzipiell habe ich die gleichen Probleme zu bewältigen wie jede Mutter. Stillprobleme, das Zahnen, durchwachte Nächte, die ersten Krankheiten, Trotzanfälle… und und und. Jedes Kind ist auf seine Weise besonders anstrengend. Doch manchmal pfuscht mir meine Vergangenheit dazwischen. Ich merke, dass mir die Kraft fehlt für besonders anstrengende Phasen. Oder dass ich jetzt selbst mehr an mir arbeiten müsste, um den Bedürfnissen meiner Tochter gerecht zu werden. Neben den alltäglichen Belastungen trage ich noch meinen eigenen Problemrucksack durch die Gegend.

Und dabei spreche ich noch nicht mal von einer wirklich verkorksten Kindheit, nur halt nicht optimal gelaufen. Manchmal glaube ich auch, dass ich mit einer genetischen Disposition „ausgestattet“ wurde und ich deswegen nicht ganz rund laufe.

Als ich mich als Schwangere und frischgebackene Mutter im Netz „rumtrieb“, war ich lange Zeit in Foren unterwegs. Meist nur als stille Leserin. Bei vielen Müttern, die dort häufig kommentierten, hatte ich das Gefühl, dass sie besser sein wollten als die anderen, sie aller Welt beweisen wollte, wie perfekt sie doch alles hinkriegen. Permanente Besserwisserei, mit dem erhobenen moralischen Finger… Unerträglich. Ich war und bin mir relativ sicher, dass nicht alles so rosarot ist, wie es oftmals beschrieben wird. Aber all diejenigen, die sich Rat suchend dort geäußert haben, müssen sich doch völlig inkompetent gefühlt haben.

Und ich habe mich gefragt, warum man sich nicht offen darüber austauschen kann, wie es ist, Mutter zu sein. Mit all den Unperfektheiten, die man hat. Und den pädagogischen Ausrutschern, die einem passieren, wenn einem alles über den Kopf wächst. Dass es manchmal zu viel ist und man einfach Hilfe braucht.

Das ist das, was ich hier tue. Ich habe Macken, ich habe Ecken und Kanten. Ich bin nicht perfekt. Doch ich glaube, es ist ok so.

M.