Familienhebammen: Engel oder Teufel?

Anfang der Woche wurde ich von Lena von der Schmetterlingsfamilie gebeten, ein wenig von meinen Erfahrungen rund um die Familienhebammen zu berichten. Da dies sowieso schon seit längerem auf meiner Agenda steht, setze ich es jetzt einfach mal um. 😉 Und zwar in Form eines Interviews mit mir selber.


 

Du hast nach der Geburt Deiner Tochter eine Familienhebamme in Anspruch genommen. Kannst Du bitte kurz erzählen warum?

In der Schwangerschaft war mir schon klar, dass die Situation nach der Entbindung sehr schwierig für mich werden bzw. mich einfach überfordern könnte. Und im Endeffekt hat sich das alles bewahrheitet. Nach der Geburt ging es mir nicht nur sehr schlecht körperlich, auch meine Tochter war nicht unversehrt – gottseidank nur vorübergehend, aber das stand damals ja noch nicht fest. Die Situation mit meinem Freund war auch recht schwierig. Anfangs durfte er nicht mit mir zusammen leben aufgrund seines Aufenthaltsstatuses. Das mussten wir direkt nach der Geburt erst einmal klären. Auch der restliche Behördenkram blieb an mir hängen – also meiner, seiner und von der kleinen Maus. Hinzu die Arztbesuche für meine Kleine inklusive Physiotherapie zweimal die Woche. Es war nicht einfach. Mir wurde es zuviel.

Woher wusstest Du überhaupt von den Familienhebammen? Wurde Dir dazu geraten?

Zusammen mit dem Mutterpass bekam ich vom Frauenarzt ganz viel Broschüren und Ratgeber. Und mit dabei war dann auch etwas über Familienhebammen. Auch im Internet bin ich mal darauf gestoßen. Überhaupt habe ich extrem viel gelesen und recherchiert in der Schwangerschaft. Die Hormone…

Die Informationen behielt ich die ganze Zeit im Hinterkopf und als ich dann wirklich überfordert war, habe ich dann meine reguläre Hebamme gebeten, den Kontakt herzustellen. Witzigerweise war sie sogar mit einer der Verantwortlichen bekannt, dass erleichterte den Kontakt schon ein wenig.

Hattest Du denn keine Bedenken, dass Du Dir damit selber ein Stempel verpasst? Dir vielleicht das Kind weggenommen werden könnte?

Ich finde, da muss man ein wenig unterscheiden. Zuallererst ist es ein zusätzliches Hilfsangebot. Das kann sich genauso an die Teenie-Mutter richten wie an die Zwillingsmutter. Sie helfen auch, wenn es aufgrund eines Migrationshintergrundes Schwierigkeiten gibt. Auch bei sozialer Isolation helfen sie ein entsprechendes Netz zu spannen. Es sind halt nicht nur „die Problemfamilien“, ohne Einkommen, mit Gewalt und Suchtproblemen. Aber zum Teil dann halt auch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich anonymisiert für drei Monate helfen zu lassen. Quasi also Kurzzeithilfe ohne das eine Akte beim Jugendamt angelegt wird. Oftmals braucht es nämlich nur eine Orientierung, wo man die Unterstützung und Hilfe über ander Organisationen bekommen kann. In dem Fall droht einem dann nichts, da das Jugendamt gar keine Kenntnis erlangt hat.

Außerdem finde ich, hat es einen sehr viel positiveren Touch, wenn man sich selbst Schwächen eingesteht und Hilfe einfordert. Man signalisiert, dass man etwas ändern möchte und die Hilfen greifen dann auch viel besser. Wenn man erst versucht alles allein zu regeln, es nicht schafft und dann das Jugendamt von außen zugeschaltet wird, dann ist die Wahrnehmung nicht mehr ganz so positiv.

Für welche Regelung hast Du Dich dann letztendlich entschieden?

Anfangs habe ich das Drei-Monats-Modell gewählt. Einfach um zu sehen, ob und was es mir bringt. Auch, ob die Überforderung nur temporär ist oder doch längerfristig. Nach Ablauf der Zeit setzten wir uns noch einmal zusammen, wie es weitergehen solle. Bei den Familienhebammen ging es für mich nicht weiter, wir beschlossen eine andere Form der Unterstützung.

Wie lief der erste Kontakt zu den Familienhebammen ab?

Ganz genau weiß ich nicht mehr, ob ich damals anrief oder meine Hebamme. Das Erstgespräch zur Einschätzung fand bei mir in der Küche statt. Die beiden Verantwortlichen kamen vorbei – die eine war Familienhebamme, die andere Sozialpädagogin, glaube ich.

Natürlich war es erst einmal komisch. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, dass man es doch nicht auf die Reihe bekommt. Jedenfalls nicht alles. Mir wurde schnell signalisiert, dass ich Hilfe bekommen sollte, nur das WANN war noch nicht klar. Der Bedarf ist manchmal einfach zu hoch. Für den Anfang reichte mir die Aussage aber und die Hilfe begann dann glaube ich auch zwei Monate später.

Wie lief das dann ab? Also die konkrete Hilfestellung? Und was war mit der regulären Hebamme?

Die normale Hebamme machte ganz normal ihre Arbeit. Wochenbettbetreuung und noch einige Termine darüberhinaus zum Thema Abpumpen, Beikost etc. Die Termine mit der Familienhebamme waren unabhängig davon. Anfangs war es viel Behördenkram. Anträge stellen. Einsprüche formulieren. Auch viel rechtliches.

Manchmal war es schon halb therapeutisch. Sie hörte mir zu, nahm meine Befindlichkeiten ernst. Für mich war es ganz praktisch, dass sie selbst Kinder von einem Afrikaner hatte. Viele Dinge konnte sie einfach besser nachvollziehen bzw konnte einfach aus eigener Erfahrung heraus auch Tipps geben.

Sie hat aber auch daran gearbeitet, meine soziales Netz zu verbessern. Machte mich mit dem „Gemeinsam wachsen“ – Konzept in Hannover bekannt und begleitete mich in eine solche Babygruppe. Zudem machte sie mich mit einem ihrer anderen Schützlinge bekannt. Auch eine junge Mutter, deren deutsch-afrikanische Tochter nur eine Woche jünger war als meine.

Worüber wurde das überhaupt finanziert? Übernimmt das dann auch die Krankenkasse?

Die Krankenkasse hat damit überhaupt nichts zu tun. Meines Wissens haben die Familienhebammen ein eigenes Budget, dass aus dem Topf des Jugendamtes gespeist wird.

Das hört sich jetzt ja alles sehr positiv an. Gibt es auch Dinge, die dich gestört haben?

Doch, ein paar Dinge gab es schon. Meine Familienhebamme war in vielen Dingen recht gemächlich. Gerade bei den behördlichen Geschichten hätte ich jemanden gebraucht, der mich mehr in den Hintern tritt. Das fiel mir dann insbesondere auf, als sie Urlaub hatte und ich mit ihrer Vertretung gearbeitet habe. Die nämlich genau das gemacht hat.

Auch manche Empfehlungen kann ich aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen bzw finde ich nicht so prickelnd. Mir wurde zum Beispiel massiv davon abgeraten meinem Freund „seinen Teil“ des Sorgerechts zuzugestehen. Dabei war schon klar, dass es mit der neuen Gesetzeslage, relativ einfach sein würde, dies einzuklagen. Er solle sich halt erstmal beweisen, bevor er überhaupt Rechte an unserer Tochter bekommt. Ich kann zwar nachvollziehen, dass bei den Fällen, die sie meist betreuen, oftmals die Vorurteile bestätigt werden. Aber unser Fall liegt doch anders und das wurde so nicht berücksichtigt.

Auch die generelle Empfehlung des „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – Buches irritiert mich rückblickend. Also die uneingeschränkte Empfehlung. Auch da sehe ich den Kontext. Trotzdem gilt es da meiner Ansicht nach abzuwägen.

Zum Ende der Betreuungszeit lief es für mich dann noch etwas unglücklich. Erst war meine Familienhebamme im Urlaub, anschließend noch einige Zeit krank. Meine Hilfe ging dann zuende, ohne dass ich sie noch einmal gesehen hatte. Komplett ohne Abschied. Dadurch wurde auf versäumt, weitere Hilfen zu planen. Die Vertretung nahm das dann noch schnell in die Hand. Das Gespräch beim Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) begleitete sie noch – in ihrer Freizeit, da ich schon offiziell raus war.

Was würdest Du jemanden raten, der sich überlegt die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch zu nehmen?

Zuallererst sollte sich der Betreffende informieren, ob es das tatsächlich in seiner Stadt oder Umgebung gibt. Das gibt es glaube ich nicht überall. Auch wie die Organisationsstruktur genau geregelt ist, ist unterschiedlich. Von der Hierarchie her steht das Jugendamt ganz oben. In Hannover kommt dann der KSD und dem untergeordnet die Familienhebammen. In anderen Städten ist das anders.

Es kann wohl auch einen Unterschied machen, in welcher Stadt man lebt. Gerade in den Ballungsgebieten, in denen das Jugendamt stark gefordert wird, wo es schon negative Schlagzeilen gab, kann man dann vielleicht wirklich den falschen Stempel bekommen.

Trotzdem finde ich, dass ein erstes Beratungsgespräch nicht schaden kann. Es ist vertraulich. Bedenken können angesprochen werden, Abläufe erfragt. Man kann ja erst mit den drei Monaten anfangen und es dann immer noch ausweiten. Klar sollte aber sein, dass mit dem ersten Geburtstag des Kindes Schluss ist mit der Hilfe. Sollte man darüber hinaus noch Hilfe benötigen, geht das dann nur über andere Hilfen. Und die sind in der Regel auch nicht probeweise anonym.

Möchtest Du zum Ende noch etwas hinzufügen?

Ja, ich möchte gerne betonen, dass dies meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe. Vielleicht hatte ich Glück mit meinen Hilfen bis heute oder auch nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Unterstützung er oder sie braucht und auch zulassen kann.

Auch das Bewusstsein sollte da sein, dass man das Jugendamt unter Umständen nicht mehr so schnell loswird wie man es gerne hätte, wenn man ihm erst einmal Einblick in sein eigenes Leben gegeben hat. Das hängt aber sicherlich auch von den Verhältnissen zu Hause ab, ob sie prekär sind und wenn ja, wie sehr.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass es auch mal eine positive Geschichte zu dem Thema gibt. Denn gerade in Internetforen werden Horrorgeschichten rumgereicht. Wo das Jugendamt falsch interveniert hat mit Kindesentzug etc. An einigen Geschichten ist bestimmt etwas dran. Bei vielen ist nur ein Teil der Fakten bekannt. Und wenn diese Horrorgeschichten auf subjektive Weise erzählt werden, dann kann ich das mit meiner positiven auch!


Da meine Erlebnisse mit den Familienhebammen schon etwas zurückliegen (2012) habe ich noch fix halbherzig gegoogelt, um noch ein paar Links anbieten zu können, die bei Interesse gelesen werden könnten. Viel Spaß.

Familienhebammenzentrale in Hannover (nach meiner Zeit)

Hebammenverband über die Familienhebammen

Familienhebammen über sich selbst

Wenn jemand noch Fragen hat, stellt sie mir ruhig. Entweder beantworte ich das dann in den Kommentaren oder ich ergänze das oben noch in meinem Interview.

More is yet to come,

M.

 

Gebt acht, was ihr sagt

Momentan bin ich ja dabei, meine Verhaltensweisen auseinander zu nehmen und auch meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Die meisten Erkenntnisse sind nur für mich von Belang und manche Dinge gehen auch nur meine Familie etwas an. Ab und an gibt es aber auch Aha-Momente, von denen ich denke, dass sie auch für andere wichtig sein können. Dies ist tatsächlich so einer.

Aufgrund meiner Vergangenheit bin ich ein sehr unsicherer Mensch, mit wenig Selbstbewusstsein und auch einem geringen Selbstwertgefühl. Nicht nur bin ich mir selbst nicht gut genug, sondern gehe davon aus, dass ich aus Sicht der Anderen auch nicht gut genug bin.

So wie jeder Mensch auch habe ich Schwächen und Stärken. Doch überwiegen aus meiner Sicht die Schwächen. Auch gehe ich davon aus, dass mein Umfeld, die Gesellschaft nur das sieht, was ich nicht kann, nicht leisten kann oder falsch mache.

Woher soll ich denn eigentlich wissen, wie andere über mich denken? Warum gehe ich davon aus, dass ich fast nur negativ beurteilt werde. Die Erkenntnis ist so einfach wie sie bedeutend ist: durch die Sichtweise meiner Eltern auf andere.

Obwohl meine Eltern sich jahrelang oberflächlich um einen guten und freundschaftlichen Umgang zueinander bemüht haben, schwelte immer wieder ein kleiner Grabenkrieg auf. Es ging um Geld, Lebensweisen, Sozialverhalten, Erziehungsmethoden und Umgang. Im kleinen Kreise zog man über einander her. Je älter ich wurde, umso direkter wurde ich eingebunden. Oftmals war ich aber auch einfach nur der stille Mithörer.

Darüber hinaus wurde nicht nur der Ex-Partner gerne negativ bewertet, sondern auch so viele andere um sie herum. Es ist egal, ob das zum Frust- oder Wutabbau geschah, um sich selbst aufzuwerten oder einfach anderen nur schlechter dastehen zu lassen. Das was nicht hätte passieren dürfen, war dies: ich war Zeuge. Zeuge davon, wie erbarmlos meine Eltern mit dem Ex oder anderen Menschen ins Gericht gingen. Verallgemeinernd, pauschalisierend und immer mit dem großen Vorschlaghammer.

Nicht nur, dass ich ja Anteile von beiden Eltern habe und der väterliche Anteil aus Sicht meiner Mutter und der mütterliche aus Sicht meines Vaters abgewertet wurde, nein, ich lernte, dass der Blick auf Andere immer abwertend und überkritisch ist und niemals wohlwollend oder gnädig.

Ich gehe immer davon aus, dass der Blick der Anderen auf mich genauso herablassend ist wie der den meine Eltern auf Andere hatten.

Damit man mich nicht falsch versteht, meine Eltern waren nicht nur so. Ich möchte sie hier auch nicht schlecht machen oder verurteilen. Aber ich habe einfach festgestellt, dass sich das bei mir festgebrannt hat. Und ich ihre Sicht auf mich beziehe. Und ebenfalls nicht gnädig oder wohlwollend mit mir bin.

Darum liebe Mit-Eltern: Achtet ein wenig darauf, was ihr sagt, wie ihr es sagt und wer es mithört. Manchmal haben Worte eine sehr viel größere Reichweite und Auswirkung als man gedacht hätte.

Mord is yet to come,

M.

Blogparade: Schlafenstechnisch quergelegt

Ja, diese Woche hab ich es ein wenig mit den Blogparaden. Aber wie erst kürzlich beschrieben durfte ich dank Ausnahmezustand so einiges verlegen und umplanen. Nun gut, back to topic. Die liebe Teilzeitmutter hat zum Thema „Schlafen“ der Kinder zu einer Blogparade aufgerufen . Da das sehr lange bei uns ein Thema war und immer wieder ist, möchte ich auch gerne unsere etwas holprige Geschichte beisteuern.

Mein Kind, Die Schlafkatze

Anfangs war das mit meiner Tochter noch recht einfach. Schlafbedürfnis war die ersten Wochen sehr hoch. Tatsächlich rund 16-18 Stunden am Tag. Zumindest die erste Zeit war das Einschlafen entspannt – grundsätzlich und regelmäßig beim Stillen. Stillen – 2 Stunden Schlafen – Stillen – 2 Stunden wach …usw schön im Wechsel. Nachts ließ sie die Wachphasen gleich weg. Auch mit tags und nachts hatte Madame keine Schwierigkeiten, da hatte sie im Bauch schon nachts die ruhigen Phasen. (Ja, hasst mich ruhig)

Da wir das Kinderbett noch gar nicht wirklich aufgebaut hatten *ups*, schlief sie anfangs mit im Bett. War auch praktischer so. Denn ich konnte mich nicht so gut bewegen die erste Zeit. Halt wegen 5 Kilo Baby auf natürlichem Weg mit viiiieeel Geburtsverletzung und so. Aber als das Bettchen stand, schlief sie darin. Anfangs zumindestens. Und musste auch immer schlafend hineingelegt werden.

Der rücken war schuld

Irgendwann reichte die Brust nicht mehr als Einschlafhilfe. Da wurde dann gewiegt und gesummt bis Kind schlief. Auch nachts alle 2 Stunden. Und wenn der Nuckel verlustig ging. Hand durch die Gitterstäbe reichte nicht. Zusätzlich nahm mein Töchterchen dann zu. Mit 5 kg gestartet, erreichte sie recht schnell 8 kg – mit 4 Monaten! Das war dann der Moment, an dem mein Rücken den Geist aufgab. Fast den ganzen Tag trug ich sie am Körper. Den Kinderwagen fand sie schrecklich. Nachts permanent rein ins Bett, raus aus dem Bett. Und natürlich im 2 Stundentakt Stillen. Der erste von insgesamt vier Hexenschüssen ließ meine kleine Maus ins Bett einziehen. Und ihr Vater zog aus (aus unserem Bett).

Jedes Kind kann schlafen lernen

Bei der U3 oder U4 riet mir mein Kinderarzt zu „dem berühmten Schlaflernbuch“, damit das Kind endlich im eigenen Bett schlief. Wir sollten bis nach dem Umzug warten und dann unsere Kleine nicht nur ins neue Bett umquartieren, sondern auch gleich ins neue Zimmer. Haben auch brav gewartet und dann doch erst einmal gezögert. Meine Tochter schlief nach wie vor bei mir, ihr Papa definitiv nicht mehr, zum Teil auch schon außerhausig (das Sofa war ihm zu ungemütlich).

Zudem nutzte die liebe Kleine meine Brust häufig nur noch als Nuckelersatz und ich hatte angefangen, ihr das abzugewöhnen. Was zur Folge hatte, dass sie mich kniff. Als Ersatzhandlung. Mit acht Monaten. Ihr Schlaf wurde immer unruhiger, sie wachte alle halbe Stunde auf, kniff mir in Hals und Dekollete für eine halbe Stunde im Dämmerschlaf und wachte nach einer weiteren halben Stunde wieder auf. Ich ging am Stock. Und war übersät mit blauen Flecken am Oberkörper, teilweise auch an den Armen. So ging es nicht weiter. Ich litt, meine Tochter kam nicht zur Ruhe und die Beziehung zu ihrem Vater war zusehens am Zerbrechen (hallo, er schlief nachts nicht mal mehr in unserer gemeinsamen Wohnung). Durch den immensen Leidensdruck zog ich tatsächlich diese „Prozedur“ durch.

Ende gut, Alles Gut?

Nee, so gar nicht. Programm ging super. Nach kurzer Zeit schlief die kleine Maus verlässlich ein. Die Tiefschlafphasen wurden länger, sie wachte nicht mehr so häufig auf. Nachts habe ich sie auch immer auf dem Arm wiedereinschlafen lassen und sie dann zurück gelegt. Es lief alles recht gut bis… ja, bis sie dann zum ersten Mal richtig krank war. Da holte ich sie mir wieder ins Bett. Beziehung war mittlerweile hinüber, da beschwerte sich wenigstens kein Kerl mehr. Und ich konnte mich in Sicherheit wiegen, alles mitzubekommen, wenn Kind hustet, fiebert und nicht gut durch die Nase atmen kann. Lange Zeit war es ein Ping-Pong-Spiel zwischen „du darfst zu Mama ins Bett“ und dem eigenen.

Zurück ins Bett

Als die Stressfaktoren geringer waren, gestaltete ich das Schlafritual um. Wo ich zu „Schlaf allein im Bett ein“ – Zeiten erst gestillt, dann geschuckelt und gesungen haben und mich mit festen Worten aus dem Zimmer verabschiedet habe, blieb ich bei späteren „du schläfst in deinem Bett“-Zeiten noch neben dem Bettchen sitzen, sang für sie, hielt ihre Hand und wartete darauf, dass sie einschlief.

Und Heute?

Heute bin ich da relativ entspannt. Da meine Kleine mit 18 Monaten bereits in die Krippe kam und dann fast den ersten Winter nur krank war – so richtig mit Fieber und allem – durfte sie tatsächlich die ganze Jahreszeit durch in meinem Bett mitschlafen. Es gab keinen Mann, der ihr den Platz streitig machen konnte. Letzten Sommer schob ich sie dann sozusagen wieder ab. Aber dank diverser Magen-Darm-Grippen und der Mund-Hand-Fuß-Krankheit war das nicht immer konsequent durchsetzbar. Letzten Herbst habe ich mich einfach davon verabschiedet, dass sie mit 2 1/2 Jahren in ihrem Bettchen schlafen muss.

Sie war schon immer ein sehr nähebedürftiges Kind, klebt auch heute gerne an mir, wenn sie sich ausruht oder müde ist. Sie hat nicht nur die Trennung von mir und ihrem Vater verarbeiten müssen (und auch die angespannte Situation davor mitbekommen), sondern auch die Trennung von Oma und Opa letztes Jahr (meine Mama und quasi-Stiefvater). Wer schreibt mir denn denn vor, wo und wie sie zu schlafen hat? Ich kenne sie doch am Besten.

Auch für mich ist das derzeitige Arrangement ein Zugewinn. Sie schläft viel besser durch in meinem Bett als in ihrem. Und die Umgewöhnung kostet immer viel Kraft und Zeit – auf beiden Seiten. Der nächste Virus kommt dann wieder schnell um die Ecke und setzt alles wieder auf Null zurück. Die Begleitung in den Schlaf hätte ich auf beiden Seiten. Denn Schreien lassen ist inzwischen keine Option mehr für mich. So sieht das inzwischen bei uns aus:

– 18 Uhr Abendbrot
– z.T. Kinderzimmer aufräumen
– Schlafanzug an
– 18.50 Uhr zum Sandmännchen bereit machen
– danach Zähneputzen
– 1 Gute-Nacht-Geschichte im Bett
– wickeln und Licht aus
– im Dunkeln kuscheln und noch vom Tag erzählen
– warten bis sie in meinem Arm einschläft

Im Moment passt das für uns ganz gut. Bei all dem Durcheinander und Hin und Her bei uns und auch den vielen Krankzeiten der kleinen Maus gibt es inzwischen zumindest eine verlässliche Sache: wir schlafen im Familienbett, sie darf in meinem Arm schlummern. Wenn sie nachts wach wird, bin ich vielleicht noch im Wohnzimmer, aber ich begleite sie immer wieder zurück in den Schlaf. Und inzwischen *tada* schläft sie häufiger wieder von alleine wieder ein. Also in den 30 Sekunden, die ich brauche, um vom Sofa hochzukommen, den Fernseher und die Lichter auszumachen, hin zu meinem Schlafzimmer.

Gerade auch in Krankheitszeiten ist das Familienbett ein echter Zugewinn. Mal eben im Halbschlaf rüberfassen, um zu checken, wie hoch die kleine Maus fiebert. Oder auch nur schnell überprüfen, wie dicht die Nase ist oder auch, ob sie genug Luft bekommt. Gerade auch bei Magen-Darm hat sich das System bewährt. Denn meine Tochter wacht nicht unbedingt auf, wenn sie sich übergibt. Da kann ich dann schnell eingreifen und sie zumindest von der Rückenlage in die Bauchlage drehen, damit sie das Zeug nicht direkt wieder einatmet. Schliefe sie in ihrem Zimmer, könnte ich nicht immer schnell genug reagieren bzw bekäme einiges nicht mit. Da ich nachts auch nicht aufstehen muss, um nach dem Rechten zu sehen, sondern nur im Halbschlaf nachfühle oder kurz nachschaue, komme ich effektiv zu mehr Schlaf. Und man braucht seine Kräfte, wenn das eigene Kind so richtig krank ist.

Und irgendwann wird es tatsächlich mein Schlafzimmer sein und mein Bett. Aber bis dahin haben wir noch ein wenig Zeit. Sie ist ja noch nicht mal ganz 3 Jahre alt.

More is yet to come,

M.

Die Sache mit dem Gemüse

Ich glaube fast alle Eltern haben ihre ganz persönliche Kinder-Ess-Geschichten. Meist geht es darum, dass irgendetwas verweigert wird. Besonders gerne all das, was gesund ist. Manchmal übertreffen wir Eltern uns auch darin zu betonen, wie schwierig es ist UNSER Kind zum Essen zu bekommen. Manchmal muss man es ins Absurde oder Lächerliche ziehen, damit man vor Verzweiflung nicht heult.

Wobei, so schlimm ist meine kleine Maus dann doch nicht. Zumindest einen gesunden Appetit hat sie. Und im Vergleich zu so einigen Kindern, von denen ich gehört oder gelesen habe, ist mein Exemplar geradezu pflegeleicht. Prinzipiell mag sie recht viel. Natürlich die Kinderklassiker: Reis, Nudeln, Fischstäbchen. Ganz hoch im Kurs stehen alle Soßen auf Tomatenbasis. Und Parmesan. Wurst und Schinken. Zu meiner großen Freude mag sie auch Obst. Sogar deutlich mehr Obstarten als ich.

So manche Vorlieben sind dann doch ein wenig Alters untypisch. Grüne Oliven, Leber (!!), Thunfisch und auch Heringsfilet in Tomatensauce(Dose). Und dann noch eine Reihe an Sachen, die sie rein theoretisch mag. Pilze, Zucchini und Erbsen, um nur ein paar zu nennen.

So what? fragen sich bestimmt die meisten Eltern, klingt doch sehr gut, was willst du denn mehr? Das Problem mit dem rein theoretisch ist nämlich Folgendes: es wird eben nicht gegessen. Jedenfalls nicht, wenn Reis oder Nudeln dabei sind. Oder Fischstäbchen. Oder Fleisch.
Also verweigert meine liebe Kleine fast immer das Gemüse. Und es nervt, weil ich weiß, eigentlich mag sie es ja auch – nur halt nicht so gerne. Eine Zeit lang habe ich ihr gut zugeredet. Später gefüttert, damit Reis bzw Nudeln zusammen mit den Beilagen im Mund verschwinden. Als mir das mit dem Füttern zu viel wurde ( ich will ja auch selber mal essen, und das liebe Töchterchen ist ja auch bald drei. DREI.), fing ich an sie zu erpressen :

Du bekommst erst dann Reis nachgelegt, wenn du auch etwas von dem Gemüse gegessen hast.

Aber auch das war mir irgendwann zu blöd. Händeringend suchte ich nach einer Möglichkeit, das Kind endlich von dem Mehrwert von Gemüse zu überzeugen. Und die Lösung kam von selbst…

…als die kleine Maus mal wieder mit Verstopfung auf der Toilette saß. Seit Tagen bereitete es ihr Schmerzen ihr Geschäft zu verrichten. Und wie immer fragte sie mich, warum denn ihr Kacka so hart ist. Und ich antworte, weil sie nicht genug Gemüse essen würde. Was ja auch stimmt. Zu wenig Ballaststoffe führen zu Verstopfungen. Man kann natürlich auch zu mehr Vollkornprodukten oder Linsen greifen, aber das löst ja nicht das Problem mit dem Gemüse 😉

Ich werde natürlich von meinem Kinde kritisch beäugt. Leuchtet ihr nicht wirklich ein.

Am nächsten Tag das gleiche Gespräch wieder. Diesmal mit Vorwurf: Aber ich hab doch Gemüse gegessen heute! Erkläre, dass es einige Tage braucht, bis das Gemüse wirkt. Und was soll ich sagen, es wirkt. In jeder Hinsicht. Inzwischen betont die kleine Maus, dass sie Gemüse haben will und fragt nach, ob das genug sei.

Inzwischen weiß sie auch, dass das mit dem Gemüse nur dann klappt, wenn sie zusätzlich genug trinkt. Und es klappt seit über einem Monat. Problemlos. Einfach so.

More is yet to come,

M.

Was ist neu/geplant für 2015?

Das neue Jahr ist ja noch frisch und die innere Uhr schaltet gerade erst wieder auf Normalrythmus. Viele werden wieder zu Silvester gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst haben – und vielleicht den ersten Vorsatz schon wieder fahren lassen… 😉 Eigentlich war ich zum Jahreswechsel mit mir selber übereingekommen, keine Vorsätze zu machen. Erfolgsquoten sind bei solchen Dingen ja eher mittelprächtig. Doch, wo ich jetzt wieder im Alltag angekommen bin, stelle ich schon fest, dass ich einige Dinge angehen möchte – zufälligerweise gerade zum neuen Jahr.. 😀

Da meine kleine Maus ja mit großen Schritten auf ihren 3. Geburtstag zumarschiert, scheint sie jetzt noch mal eine Schippe draufgelegt zu haben, was ihre Trotzanfälle angeht. Und ja, es ist definitiv die Autonomiephase. Es geht viel um das Allein machen und können, auch darum ihren eigenen Plan umzusetzen. Und versteht gar nicht, warum ich von Gummibärchen und Schokolade zum Frühstück gar nicht begeistert bin. Es wird permanent diskutiert und gestritten. Und dann gekreischt, wenn ich sie halt nicht lasse. Sogar die Dauer des Spülaktes abhängig von der Art des Geschäftes MUSS diskutiert werden. IMMER!! Dementsprechend werde ich jetzt ein paar neue Regeln und Verhaltensmaßnahmen vornehmen, damit ich nicht in 2 Wochen meinen Kopf an der Wand blutig schlage. Oder mir Ohropax in mehreren Lagen in die Gehörgänge schiebe. Ich werde definitiv berichten. 😉

Ansonsten werde ich mir nach wie vor auf die Fahnen schreiben, mindestens 1 mal die Woche zu bloggen. Nächstes Jahr um diese Zeit sollten es also Minimum 52+ mehr Beiträge sein als jetzt. Auch bei den Kindermund-Beiträgen werde ich ab sofort immer eine Weile sammeln. Und dann alles auf einmal verbloggen.

Privat kämpfe ich weiter an der Abnehmfront. Auch der Führerschein muss wieder in den Fokus geraten, ich hab es echt schleifen lassen. Zudem warten im Januar wahrscheinlich einige einschneidende Veränderungen auf mich. Allerdings eher die positive Sorte. Zudem werde ich hier meine Wohnung auf den Kopf stellen. Im Kinderzimmer fliegt einiges raus, es wird umgestellt, wir brauchen Platz für die Weihnachtsgeschenke… hehe. Auch aus meinem Kleiderschrank wird so einiges entfernt. Sooooo viele Kleidungsstücke, die mir nicht (mehr) passen, unmodisch sind oder einfach nur oll. Achja, und verfärbt, zugekleckert oder verwaschen dank Kind. 😉

Ganz groß auch: ich entsage meinem lang gehegten Laster – dem Rauchen. Zwar hatte ich vorbildlich damit aufgehört, als ich wusste, dass ich schwanger bin. Auch in der Stillzeit war ich abstinent. Doch als der Stress immer mehr wurde, die Überforderung immer größer und meine Beziehung vollends gegen die Wand fuhr, brauchte ich IRGENDETWAS um mich abzureagieren. Und Alleinerziehend und sich mit Alkohol die Kante geben? Geht ja wohl noch weniger. Natürlich habe ich nie innerhalb der Wohnung geraucht. Eher unterwegs. Aber trotzdem. Und nachdem ich wegen Krankheit vor Weihnachten schon über ne Woche nicht „konnte“, habe ich den Zeitpunkt genutzt und komplett aufgehört. Jetzt brauche ich nur noch ne gute Methode, um jetzt anders mit Stress und Wut fertig zu werden (ähem).

Soviel zu meinem Jahresstart/Neustart.

Habt Ihr Euch irgendetwas vorgenommen? So richtig klassisch? Oder nur die Fortführung der alten Vorsätze, Regeln etc.?

More is yet to come,

M.

When reality hits

Gestern war es soweit. Die Realität hat sich langsam von hinten an mich herangeschlichen und mich hinterrücks in den Hintern gebissen. Ausgelöst wurde es von zweierlei Dingen. Zum einem dank des Demonstrations-Chaos hier in Hannover, zum anderen durch diesen Artikel in der Süddeutschen. Es geht um Rassismus. Etwas, mit dem ich noch nicht weiß, wie ich ihm begegnen soll, wenn meine Tochter das Ziel ist.

Schon vorher habe ich mich gedanklich mit dem Thema beschäftigt auch hier auf meinem Blog (siehe auch hier). Aber es alles noch ein wenig vor mich hergeschoben, da ich mich nicht damit konfrontiert sah. Noch nicht. Doch leider ist das nicht so einfach mit den schwierigen Themen. Denn sie verschwinden nicht aus deinem Leben, nur weil du sie bewusst ausblendest. Sie sind da – und warten. Und springen einen dann irgendwann an. Mein Irgendwann war wie gesagt gestern.

In dem Artikel beschreibt ein deutscher, schwarzer Mann, welche Erfahrungen er mit Rassismus gemacht hat und noch immer macht. Dass es auch immer wieder kleine Dinge gibt, die ihm im Alltag aufstoßen. Dass sich niemand neben ihn setzt in der Bahn, auch wenn es brechend voll ist. Dass andere ihm vor die Füße spucken oder ihn absichtlich anrempeln. Und dass sich niemand für ihn stark macht. Alle schauen weg, alle billigen das rüde Verhalten ihm gegenüber.

Wenn ich solche Beschreibungen lese, wird mir meist übel. Das es das so gibt, bei uns. Und ich fühle mit. Ich kenne das nicht, ich sehe aus, wie die große Masse. Ich musste die Erfahrung nicht machen, aufgrund meiner Erscheinung, meiner Herkunft, meiner genetischen Abstammung mich von Anderen so degradieren lassen zu müssen.

Der zweite Aspekt ist natürlich der, dass diese Erfahrungen wahrscheinlich auch meine Tochter machen wird. Das schnürt mir die Kehle zu. Zu wissen, dass da einige unangenehme Dinge auf sie warten werden und ich werde sie nicht davor beschützen können. Gerne würde ich das Gegenteil glauben, aber das wäre glaube ich realitätsfern.

Ich kann ihr auch nicht aus meinem Erfahrungsschatz heraus helfen können, denn mir fehlen die Erfahrungen dazu. Auch wenn ich sie bestärken werde, dass sie gut so ist, wie sie ist, dass es nicht auf ihre Hautfarbe drauf ankommt und sie sehr viel mehr zu bieten hat als diese – im Endeffekt wird sie herausfinden müssen, wie sie damit umgeht. Das macht mich wütend, traurig, betroffen und manchmal einfach nur müde…

Da hilft es mir auch nicht, wenn man mich darauf hinweist, dass dieser Erfahrungsbericht aus dem Osten kommt. „Da“ gibt es ja viel mehr Probleme mit Rassismus. Hannover ist doch gemäßigt. ABER NICHT KOMPLETT FREI DAVON!! Auch, dass der Mann, dem es widerfährt, 30 Jahre älter ist als meine Tochter, beruhigt mich kein Stück. Denn er schreibt ja nicht nur über weit vergangene Ereignisse, sondern die alltäglichen.

Wie gesagt, mein Ex, der Vater der kleinen Maus, wurde schon mit Dosen und Flaschen aus dem Auto heraus beworfen. Zwar wahrscheinlich von Dresden-Fußballhooligans, aber ganz sicher kann man sich da auch nicht sein. Und trotzdem habe ich meinen Ex am Wochenende vorgewarnt. Dass dort eine Demo ist in der Stadt. Er aufpassen solle, denn auch wenn es „eigentlich“ um Salafismus gehen sollte, ging es doch vielmehr um „braunes Gedankengut“. Und er hätte gut Opfer werden können einiger aufgeputschter, rechter Schlägertypen. Solange ich das Gefühl habe, ihn warnen zu müssen, solange sehe ich auch unsere Tochter in der Schusslinie.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass dieser extreme Rassismus ihr nicht so häufig begegnen wird. Aber der alltägliche. Und selbst in einer gemäßigten Stadt, in einem Multikulti-Stadtteil durfte ich schon hören: „Wie kann man sich sowas nur anschaffen?!“ Das sowas bezog sich auf meine Tochter. Geäußert von einer älteren Dame im Supermarkt im Vorbeigehen. Ich hätte sie fast mit dem Einkaufswagen über den Haufen gefahren. Habe mich aber gerade noch beherrschen können.

Momentan fühle ich mich so hilflos. Ich weiß, dass ich diese Erfahrungen nicht von meiner Tochter fernhalten werden kann. Nur akzeptieren kann ich das nicht. Also heule ich heute ein wenig vor mich hin und versuche mich zu wappnen. Mehr bleibt mir nicht übrig.

More is yet to come,

M.

Almost Legendary: Mommy-Wars

Auf den letzten Drücker steuer ich jetzt noch einen Beitrag zur Triple-Blogparade von MamaOTR, Muffinqueen und Momsoffice bei. Das Thema lag mir sowieso schon auf der Seele und nun darf es auch endlich verfasst werden. 😀

Des öfteren begegnen mir Berichte über die sogenannten Mommy-Wars im Internet. Ob nun in Artikeln oder in Blogs. Fast jede Mutter hat den ein oder anderen Spruch abbekommen, dazu, was man so macht bzw. SIE definitv nicht richtig macht. Manchmal sind es recht unverholene Vorwürfe, manchmal eher spitzfindige Anmerkungen, die zumindestens den Anschein machen, nicht so bös gemeint gewesen zu sein. Es aber doch sind.

Wenn ich mich an die erste Zeit als Mutter erinnere, dann bin ich mir bewusst, dass ich auch eine von diesen nervtötenden Mütter gewesen bin, die alle Daten im Kopf hat. Von der Geburt über die diversen U-Untersuchungen inklusive der ersten Meilensteine. Und bei jeder Gelegenheit wurden diese hervorgeholt. Dabei war mir eigentlich piep-egal, wer der Empfänger war. Ja, ich gestehe, ich war tatsächlich schlimm.

Irgendwann ging es dann auch mit den Babygruppen los bzw der Rückbildungsgymnastik. Man unterhielt sich meist im Plauderton. Und wir verglichen unsere Kinder, was das Zeug hielt. Und zumindestens von meiner Seite tat ich dies nicht, um anzugeben. Ich kannte mich einfach nur nicht aus. Ich bin ein Einzelkind, habe als erste im Freundeskreis ein Kind bekommen. Mir fehlten tatsächlich die Erfahrungen, um einzuschätzen, ob ich auf dem richtigen Weg bin und auch mein Kind vernünftig gedeiht. Und die Erfahrungen, die meine Eltern bzw Großeltern gemacht haben, halfen mir nun gar nicht.

Da ich schon einiges über die Mommy-Wars gelesen hatte, war ich auch immer versucht, alle Meilensteine in Relation zu setzen. Das andere Kind kann sich noch nicht drehen? Naja, meine Kleine kann das wahrscheinlich auch nur, weil sie Unterstützung durch Physiotherapie bekommt.

Es kommt halt immer darauf an, wie man sich austauscht. Wenn ich sage:

Meine Tochter spricht schon recht viel für ihre 15 Monate, dafür tut sie sich mit dem Laufen lernen noch recht schwer

dann tausche ich mich aus und lobe auch nicht über den Klee. Wenn ich aber anfange die Meilensteine meines Kindes als Maßstab für andere zu nehmen, dann wird es kritisch:

Wie? Deine Tochter kann nur 4 Worte? Meine kann schon locker 30 und spricht in 2-Wort-Sätzen!

Und schon sind wir drin im Mommy-War. So richtig heftig wird es meiner Meinung nach erst im Internet. Wo man sich hinter Aliassen und Nicknames verstecken kann. Da wird dann richtig Futter gegeben und offen angegriffen. Da gibt es dann die Mütter, die von ihrem kleinen Sonnenschein erzählen, der ja so selbstständig ist und mit 2 alleine Zähne putzen kann, Schuhe binden und whatever. Die Impfgegner, die bei jedem Problem, sofort fragen, ob denn geimpft wurde, denn das sei ja der Auslöser für eigentlich jedes Übel. Ob Koliken, Schreibabys, KISS-Syndrom oder lange Windelphase. Man wird davor gewarnt sich Rat oder sogar Hilfe beim Jugendamt zu holen. Bloß nicht schreien lassen, das liebe Kind. Selber Kochen! Abtreibung ist ein Unding! Usw usw usw.

Oft bin ich es leid. In meinem Forum, in dem ich mich angemeldet habe, war ich seit über einem Jahr nicht mehr. Und Kommentare lesen unter Artikeln zur Erziehung? Lass ich meist auch, weil mich diese Konzeptreiterei einfach nur ankotzt.

Doch das Schlimmste, was ich mir anhören durfte, kam zu allem Überfluss von wirklich Vertrauten.

Wenn meiner so wird wie deine Tochter jetzt ist, dann erschieß ich mich glaub ich.

Warum hast du dir ein Kind angeschafft, wenn du es ständig wegorganisierst?

Lauf nicht bei jedem kleinsten Bisschen sofort hin, du verwöhnst sie doch nur.

Wenn mein Sohn 4 Monate alt ist, dann werd ich definitiv auf den Zwutsch gehen. So lange nichts unternehmen können, wie du, das könnte ich nicht. Muss mein Freund halt zusehen, wie er das gewuppt kriegt, ich hab dann frei.

Allerdings muss ich auch hinzufügen, dass nicht nur Eltern gerne blöde Kommentare ablassen. Auch Nachbarn, Tanten, Onkel und jeder fühlt sich bemüßigt, seinen Senf dazuzugeben.

Was also tun? Sich selbst abschotten kann man auf Dauer nicht, das würde einem Selbst nicht gut tun. Und alles mit Gleichmut hinnehmen, das können bestimmt die wenigsten. Ich für meinen Teil werde einfach versuchen mit gutem Beispiel vorangehen. Also leiser treten, auch wenn ich gerade megastolz bin auf mein kleines Monster. Nicht verallgemeinern, denn meine Erfahrungen sind nur ein Facette im Kaleidoskop. Und ganz wichtig : Zuhören. Die Meinung des Anderen einfach stehen lassen und annehmen. Und es nicht bis zum Erbrechen ausdiskutieren, wer es richtiger macht.

More is yet to come,

M.

Warum eigentlich Mama mit Macken?

Ich bin eine Mama mit Macken, Ecken und Kanten. Ich bin wie ein Teller, der schon einiges an Stößen abbekommen hat, aber trotzdem ganz ist. Klar fehlt mal hier oder da ein kleines Stückchen Porzellan. Aber ich bin noch ganz. Nicht mehr ganz tacko und erst recht nicht in Ursprungszustand, aber noch gebrauchsfähig. Vielleicht habe ich auch einen kleinen Sprung, einen feinen Haarriss. Aber ich bin noch ganz.

Was ich damit meine: Mein Leben ist nicht immer in geraden Linien verlaufen. Ich kenne Höhe und Tiefen, ich weiß was es heißt ganz unten zu sein – psychisch, emotional. Und das hat mich verändert. Ich reagiere in manchen Dingen empfindlicher als andere oder verhalte mich einfach anders. Und das wirkt sich natürlich auch auf mein Muttersein aus.

Prinzipiell habe ich die gleichen Probleme zu bewältigen wie jede Mutter. Stillprobleme, das Zahnen, durchwachte Nächte, die ersten Krankheiten, Trotzanfälle… und und und. Jedes Kind ist auf seine Weise besonders anstrengend. Doch manchmal pfuscht mir meine Vergangenheit dazwischen. Ich merke, dass mir die Kraft fehlt für besonders anstrengende Phasen. Oder dass ich jetzt selbst mehr an mir arbeiten müsste, um den Bedürfnissen meiner Tochter gerecht zu werden. Neben den alltäglichen Belastungen trage ich noch meinen eigenen Problemrucksack durch die Gegend.

Und dabei spreche ich noch nicht mal von einer wirklich verkorksten Kindheit, nur halt nicht optimal gelaufen. Manchmal glaube ich auch, dass ich mit einer genetischen Disposition „ausgestattet“ wurde und ich deswegen nicht ganz rund laufe.

Als ich mich als Schwangere und frischgebackene Mutter im Netz „rumtrieb“, war ich lange Zeit in Foren unterwegs. Meist nur als stille Leserin. Bei vielen Müttern, die dort häufig kommentierten, hatte ich das Gefühl, dass sie besser sein wollten als die anderen, sie aller Welt beweisen wollte, wie perfekt sie doch alles hinkriegen. Permanente Besserwisserei, mit dem erhobenen moralischen Finger… Unerträglich. Ich war und bin mir relativ sicher, dass nicht alles so rosarot ist, wie es oftmals beschrieben wird. Aber all diejenigen, die sich Rat suchend dort geäußert haben, müssen sich doch völlig inkompetent gefühlt haben.

Und ich habe mich gefragt, warum man sich nicht offen darüber austauschen kann, wie es ist, Mutter zu sein. Mit all den Unperfektheiten, die man hat. Und den pädagogischen Ausrutschern, die einem passieren, wenn einem alles über den Kopf wächst. Dass es manchmal zu viel ist und man einfach Hilfe braucht.

Das ist das, was ich hier tue. Ich habe Macken, ich habe Ecken und Kanten. Ich bin nicht perfekt. Doch ich glaube, es ist ok so.

M.

Shades of Pink #2: Eine runde Leidenschaft

Mädchenstereotype? „Bedienen“ wir nur bedingt. Denn jetzt zur WM gibt es für meine kleine Maus nur ein Thema: Fußball. Sie ist da sehr viel begeisterter als ich und viel mehr als mir lieb ist…

Im ersten Teil hatte ich ja schon beschrieben, dass ich mir in der Schwangerschaft Gedanken gemacht habe, ob meine Tochter all diese Klischees und Stereotypen eines „waschechten“ Mädchen bedienen würde. Wäre nicht so meine Idealvorstellung gewesen.

Inzwischen mache ich mir da keine wirklichen Sorgen mehr. Sie entwickelt genug Vorlieben und Eigenarten, die ich jetzt nicht als mädchenhaft bezeichnen würde. Als neuste ist jetzt eine Art Fußballleidenschaft hinzugekommen. Seit sie laufen kann, hat sie gerne Ball gespielt. Ob kicken oder werfen, Ballspiele sind klasse.

Im Rahmen der Fußball-WM hat sie jetzt zum ersten Mal Fußball im Fernsehen gesehen ( und das auch noch bei der Oma, die ja so ultra gegen Fernsehen bei Kleinkindern ist ;-)). Natürlich hatte die Oma das alles aufgepeppt. Dementsprechend kann meine kleine Maus schon die Laola-Welle, Daumendrücken und den Torjubel. Zum Wegschmeißen komisch und Wegschmelzen niedlich. Seitdem dreht sich jetzt alles nur noch um Fußball. Nach dem Aufstehen wird gleich gefragt:„Wann ist Fußball? Ist Fußball gleich? Fußball gucken!!“

Das geht den ganzen Tag lang. Teilweise in 10-Minutenschritten. Das hört sich dann meist in etwa so an:

Mama, gibt’s jetzt Fußball?
-Nein, meine Kleine, jetzt gibt es grad kein Fußball.
Gleich Fußball?
-Nein, gleich gibt es auch kein Fußball.
Später Fußball?
-Nein, dann auch nicht
( immer dann, wenn es kein Deutschlandspiel ist)
Heute Abend Fußball?
-Nein, dann leider auch nicht.
Morgen früh? Bitte Mama, will Fußball gucken! Jetzt!

Im Normalfall sind diese kleinen Gespräche amüsant zu führen, weil sie nur nachfragt und weder groß enttäuscht ist noch einen Wutanfall bekommt.

Allerdings frage ich mich schon, was ich machen soll, wenn die Fußball-WM zuende ist. Muss ich dann Sportschau gucken? Bundesliga abonnieren? Ich hoffe ja nicht… 😉

To be continued,

M.