Mit einem Mann wird alles wieder leichter…

Ich bin jetzt schon seit einiger Zeit Single und alleinerziehend. Freunde und Bekannte sehen, wie ich mich anstrengen muss, um meinen, nein unseren Alltag zu stämmen. Alle Verantwortung lastet auf mir, ich kann zudem nicht nein sagen und halse mir schnell noch mehr auf. Schon seit geraumer Zeit befinde ich mich am Rande der Überforderung, des Burn-outs.

Für manche ist die Lösung schnell gefunden: mir fehlt ein Mann an meiner Seite. Und ich bin fassungslos. Wie kann man bitte meine persönliche Situation so verallgemeinern, dass diese Aussage stimmt? Bzw meine psychischen Probleme und die Belastung durch die alleinige Verantwortung darauf reduzieren, dass ich ohne Partner bin?

Und in welcher Welt bitte reicht es aus, einfach nur einen Mann an seiner Seite zu haben und alles wird gut?

Deswegen habe ich einfach mal meine Gründe gesammelt, warum dass alles gar nicht so einfach ist mit einem neuen Partner bzw. warum es dadurch eben nicht leichter wird.

1. Die Gelegenheit

Also ganz ehrlich: mir fiel es noch nie leicht Männer kennen zu lernen. Und ein gutes Händchen hatte ich zudem auch selten bei der Wahl der Partner, aber das ist ein anderes Thema. Als Alleinerziehende fehlt mir in den meisten Fällen schon die Gelegenheit überhaupt einen passenden Kandidaten zu treffen. Oder aber ich bin gedanklich völlig woanders und laufe vormittags permanent an allen Traumtypen im Supermarkt vorbei. Wobei.. arbeiten die nicht um diese Uhrzeit?!

Auch nachmittags mit Kind an der Hand bin ich nicht die Top-Beute des männlichen Umfeldes. Vielleicht denken die ja, ich sei vergeben, denn schließlich benötigt es um schwanger zu werden ja auch einen Erzeuger. Oder sie haben einfach keinen Bock auf eine Beziehung mit einer Mutter.

Abendliche Aktivitäten fallen in der Regel flach bei mir. Da sitze ich schön brav zuhause, mache Abendbrot, schaue Sandmännchen, bringe mein Kind ins Bett. Und danach bleibe ich natürlich auch zuhause. Klar, ist ja sonst niemand da, der auf meine Kleine aufpasst. Zwar gibt es jetzt seit neuestem auch freie Abende für mich, doch die nutze ich dann eher für wirklich wichtige Dinge: lange ungestört duschen, Fernsehmarathon, endlos Konsole zocken oder nette Abende mit Freunden, die ich seit 3 Jahren sträflich vernachlässige.

2. Altlasten sind nicht gerade sexy

Ganz ehrlich, als Mutter ist man nicht gerade Traummaterial. Dabei rede ich auch überhaupt nicht von übrig gebliebenen Schwangerschaftspfunden, welkem Bauch oder anderen sichtbaren Spuren. Mir geht es einfach darum, dass ein Kind immer Einschränkungen mit sich bringt. Für die Eltern und bei Alleinerziehenden dann auch für den Partner. Vieles ist halt einfach nicht uneingeschränkt möglich. Weggehen, durchfeiern, ausschlafen, ja auch das Sexualleben sind betroffen. Manches auf lange Sicht so gut wie nicht möglich, oder wenn, dann nur mit genug Planung im Vorfeld. Als Kerl, der ich ja noch nicht mal verwandt bin mit dem kleinen Zwerg, fände ich das jetzt nicht unbedingt erstrebenswert.

Neben dem Kind gibt es ja auch noch oftmals den dazugehörigen Vater. Unsere Kleine hat Glück, ihr Papa ist gerne Teil ihres Lebens. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt zu ihm, wir planen den Umgang, den er mit ihr hat. Natürlich halte ich ihn auch auf dem laufenden, was KiTa angeht oder so. Ein neuer Partner müsste sich damit abfinden, dass ich nach wie vor in Kontakt stehe mit meinem Ex. Wir zum Teil sogar noch die Feiertage zusammen planen. Nicht jedem fällt das leicht.

Auch bin ich mir nicht sicher, ob mein Ex denn so einfach damit klar kommen würde. Obwohl er es mir momentan zusichert, dass das kein Problem werden sollte, bin ich mir da nicht so sicher. Denn er hat schon leichte Ängste, dass ein neuer Mann versuchen könnte ihn als Vater zu ersetzen.

3. Am Anfang alles nur gaaaanz langsam

Sollte es tatsächlich einen akzeptablen Kandidaten geben, würde ich es trotzdem nicht überstürzen wollen. Zum einen möchte ich sicher sein, dass die Beziehung auch hält und der Herr es auch ernst mit mir meint. Bevor irgendwer meine Tochter kennen lernt, muss er schon einige Zeit bewiesen haben, dass das der Fall ist.

Das bedeutet natürlich auch, dass die gemeinsame Zeit recht knapp bemessen sein wird. Schließlich schläft mein Kind recht selten außerhäusig. Ob das wirklich jedermanns Sache ist? Auch später ist das mit der Zweisamkeit nicht ganz so einfach…

4. Das Kind muss ihn mögen

Tja, viel gibt es hierzu nicht zu schreiben. Die Kleine muss meinen Partner mögen. Ansonsten wird das auf Dauer nichts. Natürlich weiß ich, dass es gerne mal zu Eifersuchtsproblematiken kommt, aber vom Grundsatz her muss es eine gemeinsame Sypathiebasis geben.

5. Sein Interesse sollte mir gelten und nicht der Kleinen

Auch das sollte nicht vergessen werden: es gibt Männer, die sich nicht umsonst Mütter als Partnerin aussuchen. Die über die Mütter sich selbst einen ungehinderten Kontakt zu einem Kind ermöglichen und dann Gefühle und Vertrauen missbrauchen, um sich am Kind zu vergehen. Nicht jedem kinderlieben Mann sollte man das gleich unterstellen, aber ganz aus den Augen verlieren darf man das nicht. Meine Mutter hat damals zwei ihrer Beziehungen beendet, weil sie das Gefühl bekam, dass das Interesse an mir, ihrem Kind, nicht ganz so unschuldig war, wie gedacht.

6. Ich bin nicht wirklich einfach

Ja, auch das kommt mit dazu. Ich habe psychische Probleme und manche Fähigkeiten fehlen mir. So gerne ich es anders hätte, damit muss ich zur Zeit leben. Das lässt sich nicht per Knopfdruck abstellen und einiges wird mich ein Lebtag begleitet. Bisher hatte ich so gut wie nie das Glück, einen Partner zu haben, der das verstehen oder akzeptieren konnte.


Neben all den Gründen, warum es schwer ist, den Richtigen zu finden (oder überhaupt jemanden zu finden, der sich das freiwillig antut), gibt es auch einige, warum ich überhaupt nicht will:

– ich habe jetzt schon nicht genug Zeit für mich, das wird dann ja noch weniger

– ich schaffe es jetzt schon kaum, alles unter einen Hut zu bekommen. Meinen Haushalt, die Mutter-Kind-Zeit, Zeit mit Freunden, die Abstimmung mit Ex und meiner Mom, wer wann wie lange und überhaupt die Kleine hat, das Bloggen und der Sport. Will ich noch jemanden, den ich vereinbaren muss? (Achja, irgenwann wollte ich ja auch mal wieder arbeiten)

– Beziehungen sind nicht immer easy. Ich habe ein trotzdendes Kind zuhause, da habe ich Auseinandersetzung genug, da brauch ich nicht auch noch einen Kerl, der mit mir diskutieren will.

– ich habe Angst davor, meine Selbstständigkeit und auch Stärke zu verlieren, wenn ich einen Partner habe.

– was ist, wenn der sich in meine Erziehung einmischt?!


 

Natürlich heißt das nicht, dass ich nicht schon gerne mal abends Gesellschaft hätte oder ich nicht gerne eine starke Schulter zum Anlehnen hätte. Aber das ist es mir momentan einfach nicht wert. Den Aufwand zu betreiben, jemanden kennen zu lernen. Herauszufinden, ob das etwas Realistisches ist. Den Versuch zu unternehmen, ihn in mein Familienleben zu integrieren. Das Chaos zu riskieren, wenn es doch nicht klappen sollte.

Und ganz ehrlich, ein Heilsversprechen ist so ein Partner wirklich nicht. Er kann eventuell ein Teil meiner alltäglichen Belastungen mittrage. Er kann genauso gut dazu beitragen, diese zu vermehren. Aber er wird bestimmt nicht ALLES gut machen. Mir all meine Sorgen nehmen, meine psychischen Probleme verschwinden lassen und meine Vergangenheit ändern. Das ganz sicher nicht.

More is yet to come,

M.

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Familienhebammen: Engel oder Teufel?

Anfang der Woche wurde ich von Lena von der Schmetterlingsfamilie gebeten, ein wenig von meinen Erfahrungen rund um die Familienhebammen zu berichten. Da dies sowieso schon seit längerem auf meiner Agenda steht, setze ich es jetzt einfach mal um. 😉 Und zwar in Form eines Interviews mit mir selber.


 

Du hast nach der Geburt Deiner Tochter eine Familienhebamme in Anspruch genommen. Kannst Du bitte kurz erzählen warum?

In der Schwangerschaft war mir schon klar, dass die Situation nach der Entbindung sehr schwierig für mich werden bzw. mich einfach überfordern könnte. Und im Endeffekt hat sich das alles bewahrheitet. Nach der Geburt ging es mir nicht nur sehr schlecht körperlich, auch meine Tochter war nicht unversehrt – gottseidank nur vorübergehend, aber das stand damals ja noch nicht fest. Die Situation mit meinem Freund war auch recht schwierig. Anfangs durfte er nicht mit mir zusammen leben aufgrund seines Aufenthaltsstatuses. Das mussten wir direkt nach der Geburt erst einmal klären. Auch der restliche Behördenkram blieb an mir hängen – also meiner, seiner und von der kleinen Maus. Hinzu die Arztbesuche für meine Kleine inklusive Physiotherapie zweimal die Woche. Es war nicht einfach. Mir wurde es zuviel.

Woher wusstest Du überhaupt von den Familienhebammen? Wurde Dir dazu geraten?

Zusammen mit dem Mutterpass bekam ich vom Frauenarzt ganz viel Broschüren und Ratgeber. Und mit dabei war dann auch etwas über Familienhebammen. Auch im Internet bin ich mal darauf gestoßen. Überhaupt habe ich extrem viel gelesen und recherchiert in der Schwangerschaft. Die Hormone…

Die Informationen behielt ich die ganze Zeit im Hinterkopf und als ich dann wirklich überfordert war, habe ich dann meine reguläre Hebamme gebeten, den Kontakt herzustellen. Witzigerweise war sie sogar mit einer der Verantwortlichen bekannt, dass erleichterte den Kontakt schon ein wenig.

Hattest Du denn keine Bedenken, dass Du Dir damit selber ein Stempel verpasst? Dir vielleicht das Kind weggenommen werden könnte?

Ich finde, da muss man ein wenig unterscheiden. Zuallererst ist es ein zusätzliches Hilfsangebot. Das kann sich genauso an die Teenie-Mutter richten wie an die Zwillingsmutter. Sie helfen auch, wenn es aufgrund eines Migrationshintergrundes Schwierigkeiten gibt. Auch bei sozialer Isolation helfen sie ein entsprechendes Netz zu spannen. Es sind halt nicht nur „die Problemfamilien“, ohne Einkommen, mit Gewalt und Suchtproblemen. Aber zum Teil dann halt auch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich anonymisiert für drei Monate helfen zu lassen. Quasi also Kurzzeithilfe ohne das eine Akte beim Jugendamt angelegt wird. Oftmals braucht es nämlich nur eine Orientierung, wo man die Unterstützung und Hilfe über ander Organisationen bekommen kann. In dem Fall droht einem dann nichts, da das Jugendamt gar keine Kenntnis erlangt hat.

Außerdem finde ich, hat es einen sehr viel positiveren Touch, wenn man sich selbst Schwächen eingesteht und Hilfe einfordert. Man signalisiert, dass man etwas ändern möchte und die Hilfen greifen dann auch viel besser. Wenn man erst versucht alles allein zu regeln, es nicht schafft und dann das Jugendamt von außen zugeschaltet wird, dann ist die Wahrnehmung nicht mehr ganz so positiv.

Für welche Regelung hast Du Dich dann letztendlich entschieden?

Anfangs habe ich das Drei-Monats-Modell gewählt. Einfach um zu sehen, ob und was es mir bringt. Auch, ob die Überforderung nur temporär ist oder doch längerfristig. Nach Ablauf der Zeit setzten wir uns noch einmal zusammen, wie es weitergehen solle. Bei den Familienhebammen ging es für mich nicht weiter, wir beschlossen eine andere Form der Unterstützung.

Wie lief der erste Kontakt zu den Familienhebammen ab?

Ganz genau weiß ich nicht mehr, ob ich damals anrief oder meine Hebamme. Das Erstgespräch zur Einschätzung fand bei mir in der Küche statt. Die beiden Verantwortlichen kamen vorbei – die eine war Familienhebamme, die andere Sozialpädagogin, glaube ich.

Natürlich war es erst einmal komisch. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, dass man es doch nicht auf die Reihe bekommt. Jedenfalls nicht alles. Mir wurde schnell signalisiert, dass ich Hilfe bekommen sollte, nur das WANN war noch nicht klar. Der Bedarf ist manchmal einfach zu hoch. Für den Anfang reichte mir die Aussage aber und die Hilfe begann dann glaube ich auch zwei Monate später.

Wie lief das dann ab? Also die konkrete Hilfestellung? Und was war mit der regulären Hebamme?

Die normale Hebamme machte ganz normal ihre Arbeit. Wochenbettbetreuung und noch einige Termine darüberhinaus zum Thema Abpumpen, Beikost etc. Die Termine mit der Familienhebamme waren unabhängig davon. Anfangs war es viel Behördenkram. Anträge stellen. Einsprüche formulieren. Auch viel rechtliches.

Manchmal war es schon halb therapeutisch. Sie hörte mir zu, nahm meine Befindlichkeiten ernst. Für mich war es ganz praktisch, dass sie selbst Kinder von einem Afrikaner hatte. Viele Dinge konnte sie einfach besser nachvollziehen bzw konnte einfach aus eigener Erfahrung heraus auch Tipps geben.

Sie hat aber auch daran gearbeitet, meine soziales Netz zu verbessern. Machte mich mit dem „Gemeinsam wachsen“ – Konzept in Hannover bekannt und begleitete mich in eine solche Babygruppe. Zudem machte sie mich mit einem ihrer anderen Schützlinge bekannt. Auch eine junge Mutter, deren deutsch-afrikanische Tochter nur eine Woche jünger war als meine.

Worüber wurde das überhaupt finanziert? Übernimmt das dann auch die Krankenkasse?

Die Krankenkasse hat damit überhaupt nichts zu tun. Meines Wissens haben die Familienhebammen ein eigenes Budget, dass aus dem Topf des Jugendamtes gespeist wird.

Das hört sich jetzt ja alles sehr positiv an. Gibt es auch Dinge, die dich gestört haben?

Doch, ein paar Dinge gab es schon. Meine Familienhebamme war in vielen Dingen recht gemächlich. Gerade bei den behördlichen Geschichten hätte ich jemanden gebraucht, der mich mehr in den Hintern tritt. Das fiel mir dann insbesondere auf, als sie Urlaub hatte und ich mit ihrer Vertretung gearbeitet habe. Die nämlich genau das gemacht hat.

Auch manche Empfehlungen kann ich aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen bzw finde ich nicht so prickelnd. Mir wurde zum Beispiel massiv davon abgeraten meinem Freund „seinen Teil“ des Sorgerechts zuzugestehen. Dabei war schon klar, dass es mit der neuen Gesetzeslage, relativ einfach sein würde, dies einzuklagen. Er solle sich halt erstmal beweisen, bevor er überhaupt Rechte an unserer Tochter bekommt. Ich kann zwar nachvollziehen, dass bei den Fällen, die sie meist betreuen, oftmals die Vorurteile bestätigt werden. Aber unser Fall liegt doch anders und das wurde so nicht berücksichtigt.

Auch die generelle Empfehlung des „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – Buches irritiert mich rückblickend. Also die uneingeschränkte Empfehlung. Auch da sehe ich den Kontext. Trotzdem gilt es da meiner Ansicht nach abzuwägen.

Zum Ende der Betreuungszeit lief es für mich dann noch etwas unglücklich. Erst war meine Familienhebamme im Urlaub, anschließend noch einige Zeit krank. Meine Hilfe ging dann zuende, ohne dass ich sie noch einmal gesehen hatte. Komplett ohne Abschied. Dadurch wurde auf versäumt, weitere Hilfen zu planen. Die Vertretung nahm das dann noch schnell in die Hand. Das Gespräch beim Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) begleitete sie noch – in ihrer Freizeit, da ich schon offiziell raus war.

Was würdest Du jemanden raten, der sich überlegt die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch zu nehmen?

Zuallererst sollte sich der Betreffende informieren, ob es das tatsächlich in seiner Stadt oder Umgebung gibt. Das gibt es glaube ich nicht überall. Auch wie die Organisationsstruktur genau geregelt ist, ist unterschiedlich. Von der Hierarchie her steht das Jugendamt ganz oben. In Hannover kommt dann der KSD und dem untergeordnet die Familienhebammen. In anderen Städten ist das anders.

Es kann wohl auch einen Unterschied machen, in welcher Stadt man lebt. Gerade in den Ballungsgebieten, in denen das Jugendamt stark gefordert wird, wo es schon negative Schlagzeilen gab, kann man dann vielleicht wirklich den falschen Stempel bekommen.

Trotzdem finde ich, dass ein erstes Beratungsgespräch nicht schaden kann. Es ist vertraulich. Bedenken können angesprochen werden, Abläufe erfragt. Man kann ja erst mit den drei Monaten anfangen und es dann immer noch ausweiten. Klar sollte aber sein, dass mit dem ersten Geburtstag des Kindes Schluss ist mit der Hilfe. Sollte man darüber hinaus noch Hilfe benötigen, geht das dann nur über andere Hilfen. Und die sind in der Regel auch nicht probeweise anonym.

Möchtest Du zum Ende noch etwas hinzufügen?

Ja, ich möchte gerne betonen, dass dies meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe. Vielleicht hatte ich Glück mit meinen Hilfen bis heute oder auch nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Unterstützung er oder sie braucht und auch zulassen kann.

Auch das Bewusstsein sollte da sein, dass man das Jugendamt unter Umständen nicht mehr so schnell loswird wie man es gerne hätte, wenn man ihm erst einmal Einblick in sein eigenes Leben gegeben hat. Das hängt aber sicherlich auch von den Verhältnissen zu Hause ab, ob sie prekär sind und wenn ja, wie sehr.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass es auch mal eine positive Geschichte zu dem Thema gibt. Denn gerade in Internetforen werden Horrorgeschichten rumgereicht. Wo das Jugendamt falsch interveniert hat mit Kindesentzug etc. An einigen Geschichten ist bestimmt etwas dran. Bei vielen ist nur ein Teil der Fakten bekannt. Und wenn diese Horrorgeschichten auf subjektive Weise erzählt werden, dann kann ich das mit meiner positiven auch!


Da meine Erlebnisse mit den Familienhebammen schon etwas zurückliegen (2012) habe ich noch fix halbherzig gegoogelt, um noch ein paar Links anbieten zu können, die bei Interesse gelesen werden könnten. Viel Spaß.

Familienhebammenzentrale in Hannover (nach meiner Zeit)

Hebammenverband über die Familienhebammen

Familienhebammen über sich selbst

Wenn jemand noch Fragen hat, stellt sie mir ruhig. Entweder beantworte ich das dann in den Kommentaren oder ich ergänze das oben noch in meinem Interview.

More is yet to come,

M.

 

Was bedeutet Erwachsen sein?

Eigentlich hatte ich ganz was anderes geplant für die nächste „Veröffentlichung“, aber da hat mich folgender Artikel einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Er ist Sinnbild für so viele andere Artikel, die momentan veröffentlicht werden, um auf der heutigen Generation herumhacken – gerne auch mal nur auf den Eltern.

Bevor ich inhaltlich werde, muss ich erst einmal meinem Frust Luft machen. Warum auch immer, aber ich habe das Gefühl, dass es medial so richtig in ist, Elternbashing zu betreiben, im Notfall die ganze Generation runterzumachen. Ob nun „Latte-Macciato-Mütter“,“ Helikoptereltern“, „Generation Y“ oder jetzt die „Generation Nabelschnur“: Hauptsache das Kind hat nen Namen. Dann raus mit dem Prügelstock und gib ihm.

Wäre es mit einem Augenzwinkern geschrieben und nicht omnipräsent medial vertreten, dann würde mich das alles ja nicht stören. Aber aus meiner Sicht nimmt das immer mehr zu. Wir geilen uns daran auf, dass die nachkommende (Eltern-)Generation nichts auf die Reihe bekommt. Vermeintlich. Dass man mit einer pauschalisierenden Sichtweise auch diejenige diskreditiert, die es anders/besser machen, interessiert ja nicht.

Ja klar, früher war alles besser. Aber ganz ehrlich? Auch nicht wirklich, gell? Und was will man damit erreichen, die heutige Generation als Prügelknaben hinzustellen? Garantiert nicht das Leben erleichtern! Und durch die Globalisierung werden wir (ja ich zähle mich auch dazu, deswegen trifft es ja nen Nerv bei mir) schon genug verunsichert, da brauchen wir nicht noch die „Gesellschaft“ im Nacken, die uns scheinbar die ganze Zeit verurteilt und der wir nichts Recht machen können.

Und jetzt werde ich mal inhaltlich. 😉

Prinzipiell soll ja nur die Frage aufgeworfen werden, wie eigenständig man sein muss, um als Erwachsen zu gelten. Aufgrund der längeren Schul- und Ausbildungszeit verschiebt sich das Auszugsalter nach hinten, da vorher eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schwer möglich ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass es tatsächlich mehr Nesthocker gibt, die „Hotel Mama“ weit über die tatsächliche Notwendigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich finde ich diese Beobachtungen und Interpretationen nicht falsch. Auch die Herangehensweise finde ich nicht falsch. Doch dann fängt es für mich an zu kippen. Erst wird erwähnt, dass selbst nach dem Auszug die Kinder weiterhin engen Kontakt zu den Eltern pflegen, sogar gemeinsame Urlaube planen. Danach wird der Bogen zu den „wahren“ Nesthockern geschlagen, die sich absichtlich in die Abhängigkeit zu den Eltern begeben aus Bequemlichkeit. Am Schluss endet der Bogen bei den Eltern, die aus narzisstischen Gründen ihre Kinder unterstützen, emotional wie finanziell. Zwar wird auch angegeben, dass aufgrund der Globalisierung die Kindergeneration stark verunsichert ist aufgrund der Unüberschaubarkeit und Unplanbarkeit der zukünftigen Karriere. Es endet offen mit der Frage, ab wann man erwachsen ist, aber irgendwie…

… ja, bekomme ich als Leser das Gefühl, dass eine gewisse Nähe zwischen Eltern und Kindern ab einem bestimmten Alter nicht mehr angemessen ist. Warum?

Nachdem wir jetzt die Freiheit genossen haben, die die Globalisierung uns möglich gemacht hat, stellen wir so langsam fest, dass es schon von Vorteil ist, Wurzeln zu haben. Alles ist so unbeständig, so schnelllebig und wechselhaft, da tut es gut einen verlässlichen Hafen zu haben. Die Anforderungen an uns als Person, Frau, Mann, Eltern, ArbeitnehmerIn, ArbeitgeberIn werden immer mannigfaltiger und auch anspruchsvoller. Widersprechen sich sogar. Warum dann nicht Rat und Unterstützung suchen bei jemanden, der mir geholfen hat zu dem zu werden, der ich bin?

Historisch brauch man gar nicht so lange zurückgehen, da hielt man zusammen in der Familie, als Clan. Erziehung war Familiensache, nicht nur Elternsache. Man unterstützte sich, man verließ sich aufeinander. Und nachdem man als Eltern die Kinder versorgt hat, hoffte man im Alter darauf, dass sich die Sorge umkehrte. So ganz ohne Grundsicherung und Rente…

Meine Nachbarin ist um die 80 und erzählt völlig wertungsfrei, dass ihre eigene Mutter mehr Erziehungsarbeit geleistet hat als sie selber. Denn sie selbst war arbeiten, ihre Mutter nicht. Und es konnte nur funktionieren mit dem Lebensunterhalt, wenn die ganze Familie mitzog. Was ist passiert in unseren Köpfen, dass wir die Familienzugehörigkeit kappen wollen, wenn die Kinder „erwachsen“ sind? Woher kommt das, dass wir denken, wir emerging adults müssen alles alleine hinbekommen? Ohne Orientierung und Hilfe? Denn wenn wir nach Rat suchen, um Unterstützung bitten, dann sind wir nicht erwachsen? Nicht abgenabelt genug? BITTE?!

(Wahrscheinlich genau aus dem Grund, warum ältere, erfahrenere ArbeitnehmerInnen nicht mehr so wertvoll sind, wie frische Kräfte. )

Wo es früher ein ganzes Dorf brauchte, um ein Kind groß zu bekommen, sollen jetzt die Eltern reichen. Aber bloß nicht mit der Hilfe der Großeltern! Nein, Besuchsomis und -opis müssen reichen. Dafür gibt es ja die staatliche Kinderbetreuung. Und die Doppelverdiener-Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um alles hinzubekommen. Oder wie in meinem Fall: die Alleinerziehende, die im System Hartz 4 gefangen ist. Aber sich seiner „Ressourcen“ bedienen, um sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen? Gerne, Hauptsache du verlässt dich NICHT auf deine Eltern dabei.

Momentan geht mir die mediale Aufbereitung, was die „heutige (Eltern-) Generation“ anbelangt echt auf den Keks. Ja, hinterfragt bitte, was wir so machen und wie wir es machen. Werft Fragen auf, macht euch auf die Suche nach Antworten. Aber bitte,BITTE, hört auf uns in Schubladen zu stecken und uns abzukanzeln! Wir wissen doch zum Teil selbst nicht mehr wonach wir uns richten sollen. Gebt uns doch Raum, einen Weg für uns zu finden. Jeder den seinen. Ganz viele. Und hört einfach auf uns die Türen zuzuschlagen. Denn mit jeder „Verurteilung“ nehmt ihr uns einen Weg. Nicht überbehüten! Nicht vernachlässigen! Vollzeit! Teilzeit! Keine Kaffee-Getränke! Nicht öffentlich stillen! Kein öffentliches Familienleben!

Ja, es nervt. Wirlich.

So, als Nachsatz  nochmal zu dem Artikel. Er war nicht so schlecht. Er hat sogar die richtigen Fragen gestellt. Nur sich leider hinreißen lassen zu pauschalisieren. Und sich selbst die Möglichkeit genommen, vorurteilsfrei in die richtige Richtung zu weisen. Eine Diskussion anzuregen ohne vorgefasste Meinung. Er hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.

More is yet to come,

M.

Angriff auf die Mama-Bubble

Normalerweise konzentriert sich mein Blog auf die Erlebnisse, Gedanken und Merkwürdigkeiten rund um die Thematik Kind(er) haben, Mutter sein. Es ist bequem, sich eine kleine Blase zu schaffen, in dem es nur darum geht. Man sich und sein Kind ausgiebigst betrachtet und reflektiert und alles andere ausblendet. Nun existiert außerhalb dieser Blase ja auch noch eine Welt. Eine Welt, die Einfluss hat auf mich, mein Kind und unsere/seine Zukunft. Und so einfach es ist, sich nur auf das Naheliegendste zu konzentrieren, mag ich bei den momentanen Ereignissen nicht still sein.

Denn ich bin ja nicht nur Mutter, sondern auch Frau, Mensch, Freundin, Bürgerin. Und Bloggerin. Auch wenn ich, was Follower und Traffic angeht auf der untersten ersten Stufe stehe, so nutze ich meine Rede- und auch Meinungsfreiheit. Ich verlasse mich darauf, dass es mein Recht ist, meine Gedanken und Meinungen öffentlich zu teilen. Natürlich bin ich mir der Möglichkeit bewusst, dass andere anders denken und ich eventuell auch Ziel von Kritik und Anfeindungen werden könnte. Aber mein Leben damit zu riskieren? Davon gehe ich nicht aus.

Es dürfte an niemandem vorbeigegangen sein, was die letzten Tage in Paris geschehen ist: Das Attentat/der Terrorakt auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Zuallerest ein unfassbare Tragödie, denn es sind Menschen verletzt worden und sogar getötet. Eine Tragödie für Familie, Freunde und Kollegen, die mit dem Verlust und dem Trauma zurecht kommen und leben müssen. Ich kann nur entfernt nachempfinden, wie es ihnen gehen muss. Nur eins: es muss furchtbar sein.

Doch neben der menschlichen, der persönlichen Tragödie hat ein weiteres Unheil stattgefunden: ein Angriff auf die Redefreiheit. Die wir als Blogger und auch schlicht als Bürger als selbstverständlich ansehen. Es ist ein Grundrecht bei uns „in der westlichen Zivilisation“. Der Schock sitzt tief. Wie kann es sein, dass man sein Leben riskiert, nur indem man seine Meinung äußert? Und auch die Wut, die Fassungslosigkeit, dass tatsächlich jemand bereit war, deswegen Menschen zu töten? Zwar weiß man bzw kann man sich denken, was die Täter dazu gebracht hat, aber verstehen, nachvollziehen kann ich es nicht.

Hinzu kommt auch, dass dieser Anschlag ein Angriff des islamistischen Extremismus auf unsere christliche, westliche Welt ist. Und das ist es, was in der Folge noch weitreichende Folgen haben kann/wird. Was mir Sorgen macht.

Denn es ist noch nicht abzusehen, ob es nur der Auftakt war zu einer Serie terroristischer Anschläge. Oder, ob es Nachahmer geben wird. Oder, ob es zu Gegenschlägen kommt. Denn eines wissen wir nach 9/11 ganz bestimmt: wenn man angegriffen wird, möchte man sich verteidigen, zurückschlagen oder sich schlicht rächen. Beim Terrorismus allgemein ist dies sehr schwierig. Denn man organisiert sich im Verborgenen, lebt ein Doppelleben und hat ein Netz von Schläfern. Also niemand direkt Greifbares verfügbar. Doch die Wut, die Unverständnis, der Unglauben, die Fassungslosigkeit, all das möchte sich gegen jemanden oder etwas richten. Doch die Attentäter sind tot. Man kann sich an ihnen nicht mehr abreagieren.

Was sich jetzt schon abzeichnet, ist, dass die ganzen aufkommenden Gefühle( die ja auch eine Berechtigung haben!) jetzt gegen den Islam im Allgemeinen gerichtet werden. Nur leider hat der damit wenig zu tun! Extremismus, Fundamentalismus und Terroristen gibt es ja nicht nur im Islam, sind dort auch nur die Ausnahme. Beispiele? RAF, IRA. Hat jetzt nicht unbedingt was mit Islam zu tun, gell? Terrorismus ist nicht auf Glaubensrichtungen beschränkt. Und ich finde es falsch, dass es bestimmte Strömungen gibt, die versuchen bzw versuchen werden Moslems unter Generalverdacht zu stellen. Dass es bald reicht, arabisch, türkisch oder persisch auszusehen, um potentiell gefährlich zu sein. Und ja, der Geiselnehmer aus dem jüdischen Supermarkt war doch schwarz? Dann werden jetzt auch alle Schwarzen mit auf die Liste gesetzt.

NEIN! NEIN! NEIN!

Und das ist der Punkt, an dem meine Mama-Bubble platzt. Seit Jahren beobachte ich wie „Nationalstolz“ und „Vaterlandstreu“ wieder salonfähiger werden. Wo es wieder akzeptabler wird gegen „Ausländer“ zu wettern. Die NPD und ähnliche Strömungen wieder mehr Zulauf bekommen. Und seit neustem gibt es #Pegida. Und ehrlich gesagt, wird mir dabei ganz flau im Bauch. Auch wenn vielleicht der größere Teil aus Angst und Unsicherheit auf die Straße geht, weil der meiste Terror, den man bewusst über die Medien wahrnimmt von radikalen, islamistischen Strömen ausgeht. Aber ein bestimmter Anteil der Pegida-Bewegung ist wirklich fremdenfeindlich. Und dieser Anteil wird sein möglichstes versuchen, die Ängste und Unsicherheiten für sich zu nutzen und ihr rassistisches, fremdenfeindliches Gut in den Köpfen der Mit-Demonstranten zu verankern.

Ich lebe in einem Multi-Kulti-Stadtteil. Wir sind hier ein bunt gemischter Haufen. Das einzige, was mich interessiert, ist ob mir mein Gegenüber sympathisch ist, mit mir auf einer Wellenlänge ist. Da ist das Aussehen herzlich egal. Ich muss da nicht nachhaken, wo wer jetzt herkommt, wie lange her, wann die Eltern und überhaupt… BLA. Vielleicht ergibt sich was im Gespräch. Oder auch nicht. Sympathie, Freundlichkeit, das ist es was mir wichtig ist. Klar könnte ich hier große Reden schwingen. Über die Präsenz unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten in meinen Schulklassen. Darüber, dass ich als Kind schon viel Kontakt zu verschiedensten Nationalitäten hatte. Aber ich finde nicht, dass ich das betonen brauche. Ich bin damit aufgewachsen, ich habe es nie in Frage gestellt, warum jemand nicht so aussieht wie ich. War so.

Und deswegen war auch nicht die Hautfarbe entscheidend, mit wem ich ausgehe. So kommt es, dass meine Tochter jetzt eine deutsch-nigerianische Co-Produktion ist. Um deren Zukunft ich mir jetzt Sorgen machen. Denn ich sehe die Tendenzen in Deutschland, ich erlebe den latenten „nicht bösgemeinten“ Rassismus. Auch in unseren Nachbarländer werden seit Jahren die rechten Strömungen immer stärker. Es macht mir Angst. Nicht nur, dass wir als „westliche Gesellschaft“ potenziell ein Ziel sind für Terroranschläge, sondern auch, dass dadurch Strömungen bestärkt werden, von denen wir eigentlich wissen sollten, dass sie zu keinem guten Ende führen.

Ich hätte so gerne einen Blogbeitrag geschrieben, der ausschließlich den Opfern und Angehörigen gewidmet ist, die von dem Anschlag betroffen sind. Voller Mitgefühl, Bedauern und Anteilnahme. Doch die Wellen reichen weit.

More is yet to come,

M.

Abseits der rosa Schwangerschaftswolke

Neulich sprach ich mit einer Freundin über das Thema Schwangerschaft. Ich selbst erinnere mich gerne an die Zeit zurück, trotz der emotionalen Berg- und Talfahrt und trotz der kleineren Komplikationen und Wehwehchen. Doch für sie war das alles gar nicht so rosarot und zuckersüß. Ihre Erfahrungen waren so negativ gefärbt, dass sie sich eine weitere Schwangerschaft für sich selbst nicht mehr vorstellen mag.

Wenn Mütter im Allgemeinen aufeinandertreffen, wird gerne schnell verglichen, wie man selbst sich so macht oder auch das eigene Kind sich entwickelt. Dabei wird alles miteinander verglichen, von Schuhgröße über motorische Fähigkeiten bis.. ja genau bis zu den Schwangerschaftserfahrungen. Und ich selbst schließ mich da auch nicht auch. Hab mich nicht selten selbst dabei ertappt.

Es wird zwar gerne mal betont, wie furchtbar das alles war und wie anstrengend. Doch in den meisten Fällen soll dadurch nur herausgestellt werden wie tapfer man gewesen ist in der Schwangerschaft.

Wenn man dann also die Erfahrungen austauscht, erwartet man zwar die üblichen Klagen, aber keinen wirklich negativen Rückblick. Schwangerschaft ist doch was Schönes, und man nimmt ja so vieles in Kauf für diese wunderbare Erfahrung! Ja ne, ist klar.

Natürlich gibt es dann auch die Mütter, die es wirklich schwer hatten in der Schwangerschaft. Die Monate lang liegen mussten, die viellecht lange bangen mussten, weil sie ganz knapp davor waren das Kind zu verlieren. Die kurz vor dem Nierenversagen standen, weil das Kind die Nieren fast kaputt getreten hat im Bauch. Die mehrfach im Krankenhaus waren wegen Vorwehen, Dehydrierung oder nicht endenden Brechanfällen. Sofort empfindet man Sympathie und Mitleid. Und man akzeptiert ganz klaglos, dass in so einem Fall eine Schangerschaft auch als belastend und unschön empfunden wird. Die entsprechende Mutter wird bedauert, man hat Verständnis für sie.

Nun zurück zu meiner Freundin: auch sie hatte Komplikationen, die ihr die Schwangerschaft vermiesten. Ein wenig. Doch es waren nicht die „Wehwehchen“ die ihr die Lust auf jedes weitere Kind nahmen. Es war das Gefühl schwanger zu sein. Dieses kleine Wesen in ihrem Bauch, das dazu führte, dass ihre Hormonwelt Kopf stand, sie emotional komplett aus der Bahn geworfen hat. Das dazu führte, dass sie komische Gelüste hatte oder zu permanenter Übelkeit. Allein die Tatsache, dass sie ihren Körper nicht mehr für sich hatte, schlug ihr auf’s Gemüt. Immer drauf achten zu müssen, was sie aß oder trank oder wie sie mit sich selbst umging.

Darüber hinaus meinte nun ihr Freund und dessen Familie permanent darüber bestimmen zu können, was gut für sie sei UND das Ungeborene. Sie fühlte sich unmündig, gefangen in einer Rolle, die sie gar nicht haben wollte. Und nicht verstanden. Zu allem Überfluss wurde ihr auch gerne immer wieder vorgelebt, worauf sie jetzt zu verzichten habe. Als wäre es ihr nicht schon schmerzlich bewusst gewesen.  Sie fühlte sich auch gefangen in ihrer Beziehung. Denn so ein gemeinsames Kind, das verbindet. Da kann man nicht mehr so schnell abhauen, da gibt es mehr zu bedenken.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, meine Freundin liebt ihr Kind. Von Anfang an. Nur hatte sie noch viele Pläne, so früh hatte sie es mit der Mutterschaft gar nicht geplant. Sie wollte Dinge ausprobieren, reisen, ihre Ausbildung machen und Geld verdienen, was zurücklegen, leben und frei sein. Und jetzt ist es all das auf unbestimmte Zeit verschoben. Sie muss Verantwortung tragen. Nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern auch für ihr Kind. Und die Liebe zu ihm kann das ganze Drumherum nicht einfach wieder aufwiegen.

Rein objektiv hatten wir die gleiche Ausgangsitution. Eine Partnerschaft, bei der wir nicht wussten, ob sie für die Ewigkeit gemacht ist, Pläne für unsere berufliche Zukunft, eine nicht wirklich mental stabile Vorgeschichte. Uns beiden wurden in der Schwangerschaft Vorhaltungen gemacht, worauf wir gefälligst zu achten haben oder auch wie wir uns zu verhalten haben. Und wir beide sind früher Mutter geworden als wir es für uns geplant haben.

Trotzdem haben wir die Schwangerschaft unterschiedlich erlebt. Die Hormone haben bei mir gewirkt wie ein Antidepressivum, psychisch und auch physisch hat sich für mich einiges verbessert. Bei ihr war es das genaue Gegenteil. Immer wieder fiel sie in tiefe Löcher. Mache ich ihr daraus einen Vorwurf? Nein, ganz sicher nicht. Es sind ihre eigenen, persönlichen Empfindungen, die ich ihr ganz bestimmt nicht in Abrede stellen möchte. Dazu habe ich gar nicht das Recht. Warum auch?

Und ich finde, dass ist es auch, was man aus dieser Geschichte ziehen sollte. Es ist gar nicht möglich solche Dinge zu vergleichen. Jeder fühlt anders und das ist auch in Ordnung so. Es ist schade, dass es ihr nicht möglich war, dieselben beglückenden Momente gehabt zu haben wie ich oder auch so viele andere Mütter. Nur war sie daran nicht selber Schuld. Und niemand hat das Recht ihr das vorzuwerfen.

Denn egal, wie belastend das ganze Drumherum war in ihrer Schwangerschaft, sie hat sich verantwortlich gezeigt für das neue Leben in ihrem Bauch. Sich an all die Vorgaben gehalten, die einem gemacht werden in diesem „Zustand“. Aufgrund ihres Verantwortungsgefühls und ihrer Liebe zu ihrem Kind.

Und ich finde, dass verdient eigentlich ganz viel Respekt. Wie viele Mütter rauchen und trinken in ihrer Schwangerschaft, weil es ihnen nicht so wichtig ist? Wie viele verhalten sich unverantwortlich, weil sie das Kind nicht geplant und/oder gewollt haben? Und wie viele lassen das nach der Geburt an ihrem Kind aus? Genug. Und da sollte man niemanden verurteilen, weil er die Schwangerschaft als scheiße empfunden hat. Denn das kann niemand steuern, dass passiert. Deswegen ist man keine schlechte Mutter. DAS wird an anderen Maßstäben gemessen.

Schnuggi, ich hab dich lieb! ❤

More is yet to come,

M.

 

Warum eigentlich Mama mit Macken?

Ich bin eine Mama mit Macken, Ecken und Kanten. Ich bin wie ein Teller, der schon einiges an Stößen abbekommen hat, aber trotzdem ganz ist. Klar fehlt mal hier oder da ein kleines Stückchen Porzellan. Aber ich bin noch ganz. Nicht mehr ganz tacko und erst recht nicht in Ursprungszustand, aber noch gebrauchsfähig. Vielleicht habe ich auch einen kleinen Sprung, einen feinen Haarriss. Aber ich bin noch ganz.

Was ich damit meine: Mein Leben ist nicht immer in geraden Linien verlaufen. Ich kenne Höhe und Tiefen, ich weiß was es heißt ganz unten zu sein – psychisch, emotional. Und das hat mich verändert. Ich reagiere in manchen Dingen empfindlicher als andere oder verhalte mich einfach anders. Und das wirkt sich natürlich auch auf mein Muttersein aus.

Prinzipiell habe ich die gleichen Probleme zu bewältigen wie jede Mutter. Stillprobleme, das Zahnen, durchwachte Nächte, die ersten Krankheiten, Trotzanfälle… und und und. Jedes Kind ist auf seine Weise besonders anstrengend. Doch manchmal pfuscht mir meine Vergangenheit dazwischen. Ich merke, dass mir die Kraft fehlt für besonders anstrengende Phasen. Oder dass ich jetzt selbst mehr an mir arbeiten müsste, um den Bedürfnissen meiner Tochter gerecht zu werden. Neben den alltäglichen Belastungen trage ich noch meinen eigenen Problemrucksack durch die Gegend.

Und dabei spreche ich noch nicht mal von einer wirklich verkorksten Kindheit, nur halt nicht optimal gelaufen. Manchmal glaube ich auch, dass ich mit einer genetischen Disposition „ausgestattet“ wurde und ich deswegen nicht ganz rund laufe.

Als ich mich als Schwangere und frischgebackene Mutter im Netz „rumtrieb“, war ich lange Zeit in Foren unterwegs. Meist nur als stille Leserin. Bei vielen Müttern, die dort häufig kommentierten, hatte ich das Gefühl, dass sie besser sein wollten als die anderen, sie aller Welt beweisen wollte, wie perfekt sie doch alles hinkriegen. Permanente Besserwisserei, mit dem erhobenen moralischen Finger… Unerträglich. Ich war und bin mir relativ sicher, dass nicht alles so rosarot ist, wie es oftmals beschrieben wird. Aber all diejenigen, die sich Rat suchend dort geäußert haben, müssen sich doch völlig inkompetent gefühlt haben.

Und ich habe mich gefragt, warum man sich nicht offen darüber austauschen kann, wie es ist, Mutter zu sein. Mit all den Unperfektheiten, die man hat. Und den pädagogischen Ausrutschern, die einem passieren, wenn einem alles über den Kopf wächst. Dass es manchmal zu viel ist und man einfach Hilfe braucht.

Das ist das, was ich hier tue. Ich habe Macken, ich habe Ecken und Kanten. Ich bin nicht perfekt. Doch ich glaube, es ist ok so.

M.

Das sind nur die Hormone…

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einer befreundeten Mutter darüber unterhalten, was sich durch die Geburt unserer Kinder für uns verändert hat. Neben den ganz offensichtlichen Veränderungen in der Lebensführung, in der Partnerschaft, des eigenen Körpers stellten wir fest, dass sich auch unsere Emotionalität verändert hat. Und das war etwas, womit wir nicht gerechnet haben.

Denn es ist doch so, sobald man schwanger ist, hört man ständig diesen Spruch: Das sind nur die Hormone, das normalisiert sich wieder nach der Geburt. Aber das stimmt nicht! Natürlich hat man in der Schwangerschaft Stimmungsschwankungen, man empfindet stärker, es ist wie in einer Achterbahn. Und das liegt an den ganzen Hormonen, den körperlichen Veränderungen, die man durchmacht. Doch es ist ein Trugschluss, dass es danach wieder wird wie vor der Schwangerschaft. Denn dann ist man Mutter.

Mein damaliger Freund, der Vater unserer Tochter, fragte mich in der Schwangerschaft oft, ob ich immer so sei. Es war ihm peinlich, dass ich so schnell in Tränen ausbrach. Und auch, dass ich so schnell aus der Haut fuhr, das war ihm alles suspekt. Ich versicherte ihm immer wieder, dass das nur die Hormone seien. Ich wusste es ja nicht besser.

Nach der Geburt wurde es natürlich nicht besser. Aber davon hatte ich ja gelesen. Dem Babyblues, dem Wochenbett. Ich erklärte es ihm, wiegte ihn in Sicherheit. Bald, bald würde es besser. Und es wurde besser, ein wenig.

Was bleibt, ist diese emotionale Empfindlichkeit. Rührselige Stellen in Filmen bringen mich so schnell zum Heulen. Bestimmte Themen lösen Ängste in mir aus, schnüren mir die Kehle zu. Zum Beispiel die Spendenaufrufe für hungernde Kinder in Afrika, ich kann sie mir nicht anschauen. Allein die Vorstellung meine Tochter würde nicht ausreichend ernährt… Ich glaube, Ihr wisst was ich meine.

Für mich steht fest, dass es kein Weg zurück gibt, zu dem Früher von vor der Schwangerschaft. Denn durch die neue Rolle als Mutter ändert sich so vieles. Und das hat nichts mit Hormonen zu tun, nicht direkt, sondern mit Mutterliebe. Das verändert nunmal die Art zu fühlen essentiell.

Hätte sich was für mich geändert, wenn ich das vorher gewusst hätte? Nur sehr wenig. Vielleicht hätte ich nach der Geburt nicht so lange darauf gewartet, wieder zu meinem alten Ich zurück zu kehren, sondern mich damit auseinander gesetzt, mit dieser neuen Emotionalität zurechtkommen.

Und ein Gutes hatte es doch: wenn mein damaliger Freund nicht geglaubt hätte, ich würde irgendwann wieder normal werden, dann hätte er wahrscheinlich in der Schwangerschaft das Handtuch geschmissen. Und auch wenn wir jetzt nicht mehr zusammen sind, er hatte die Chance unsere Tochter kennenzulernen. Und lieben zu lernen. Und er bleibt in unserem Leben – für sie.

More is yet to come,

M.

Shades of Pink #1: Farbe des Grauens

Oder der alltägliche Wahnsinn als Mädchenmutter.

Es ist doch so, sobald man das Geschlecht des zu erwartenden Nachwuchses kennt, läuft ein Film vor dem inneren Auge ab. Man sieht sich selbst in der Zukunft und das eigene Kind. Schnell ist einem klar, wie man sich sein Kind wünscht. Und mindestens genauso schnell, wie es auf keinem Fall werden soll.

Bei mir war das nicht ähnlich. Zuallererst war ich erleichtert, dass ich ein Mädchen bekomme. Irgendwie hatte ich gehofft es würde eins werden. Warum? Das weiß ich gar nicht so genau. Was ich jedoch genau wusste: wie das liebe Töchterchen bitte nicht werden sollte. Ich wollte keine Prinzessin, eines dieser auf Pink festgelegten, affektierten Püppchen, die mit einem Augenaufschlag alle um sich herum um den kleinen Finger wickeln. Bitte, bitte keine kleine, verzogene Göre.

Natürlich hat man das ja selbst in der Hand. Hoffe ich zumindestens. Und für mich stand und fiel das alles mit der Kleiderwahl. Und dieser Pink- und Rosawahnsinn war für mich der Ursprung allen Übels, quasi das Tor zur Hölle. Ich hatte das Gefühl, dass man mit der mädchentypischen Farbwahl sein Kind festlegt. Auf die Stereotypen, die man bei Mädchen erwartet. Und dass man das Umfeld beeinflusst, die Erwartungen, wie sich das Kind das Mädchen zu verhalten hat. Und dass sich mein Kind aufgrund der Erwartungshaltung zu dem entwickelt, was ich eigentlich vermeiden möchte – einem Prinzesschen.

Dementsprechend kaufte ich die Erstausstattung bei einer Jungsmutter. Hauptsache keine „Mädchenfarben“. Das war noch bevor meine Tochter geboren war. Inzwischen ist sie 2 Jahre alt. Und ihr Kleiderschrank? Voller rosa, pinker und violetter Kleidung.

Was war passiert? Zum einen bekam ich viel Kleidung von einer befreundeten Mutter geschenkt. Alles in Rosa, Lila und mit Hello Kitty. Da sag ich nicht nein, mein Budget ist nunmal, naja, begrenzt. Zum anderen wollte ich, dass Passanten meine Tochter nicht immer als Junge ansprachen. Die ersten Monate steckt man da ja noch locker weg, da sieht man darüber hinweg. Doch irgendwann nervt’s. Mich zumindestens. Darüber hinaus entwickelten sich langsam ihre Charaktereigenschaften. Sie steht total auf Autos, ist eher wenig zaghaft, sehr offen und kommunikativ. Sie hat Hummeln im Hintern und tobt gerne wild und ausgelassen. Natürlich kann auch sie fast alle um den kleinen Finger wickeln. Aber sie ist so viel mehr als nur ein Mädchenklischee. Und damit habe ich auch meinen Frieden geschlossen mit all den früher verbannten Farben, die jetzt im Kleiderschrank meiner Tochter hängen.

Und ganz ehrlich? Es macht auch ein wenig Spaß, mein Kind nicht nur zweckmäßig, sondern auch hübsch und ansehnlich zu kleiden. Denn eins ist mal sicher, nicht die Kleidung macht den Charakter. Und trotz der rosa Signalfarben hör ich noch zu oft: Wie alt ist denn DER Kleine?

To be continued….

M.